Weltmeere im Wärmecheck: Messungen zeigen Abweichungen von Klimamodellen
Die Erde nimmt derzeit mehr Wärme auf, als sie ins Weltall abgibt. Rund 90 Prozent dieser zusätzlichen Wärme werden von den Ozeanen aufgenommen. Das wirkt sich unter anderem auf den Meeresspiegel, marine Hitzewellen und Wetterphänomene wie El Niño aus.
Wie sich die Wärme innerhalb der Ozeane verteilt, lässt sich bislang mit frei treibenden Tauchbojen nur unvollständig erfassen. Forschende der Universität Bonn kombinieren deshalb Messungen dieser Bojen mit Satellitendaten zum Meeresspiegel. Auf dieser Grundlage können sie monatliche Karten erstellen und die Erwärmung des gesamten Ozeans rekonstruieren.
Messdaten und Klimamodelle zeigen Unterschiede
Über alle Weltmeere betrachtet stimmen die Ergebnisse der Forschenden weitgehend mit den Klimamodellen überein. Bei einzelnen Ozeanbecken zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede zu den Modellsimulationen, die teilweise im zweistelligen Prozentbereich liegen. Besonders auffällig war die Entwicklung zwischen 2005 und 2015: In diesem Zeitraum nahm der Indische Ozean ungewöhnlich viel Wärme auf. Über die vergangenen 20 Jahre entfiel jeweils etwa ein Drittel der zusätzlichen Wärme auf Pazifik, Atlantik und Indischen Ozean. Nach Angaben der Forschenden deutet dies auf einen Wärmetransport zwischen den Ozeanen hin.
Für ihre Untersuchung kombinieren die Forschenden Bojenmessungen mit Daten verschiedener Satelliten. Radaraltimetersatelliten erfassen den Meeresspiegel sehr genau. Da sich Wasser bei steigenden Temperaturen ausdehnt, führt die Erwärmung zu einem Anstieg des Meeresspiegels im Millimeterbereich – ähnlich wie bei der Flüssigkeit in einem Thermometer.
Allerdings steigt der Meeresspiegel auch durch schmelzende Gletscher und Eisschilde. Um diesen Einfluss herauszurechnen, nutzt das Forschungsteam Messungen der GRACE-Satelliten. So lässt sich die Erwärmung des gesamten Ozeans bestimmen und ihre räumliche Verteilung abbilden. Die Bojendaten liefern zusätzlich Informationen über die Erwärmung der oberen Ozeanschichten. Dadurch können die Forschenden abschätzen, wie sich die zusätzliche Wärme in unterschiedlichen Tiefen verteilt.
Aufnahme von Wärmeenergie (OHU) in den großen Ozeanbecken, wie aus Satellitenmessungen der letzten 20 Jahre ermittelt. Copyright: Abbildung: Bernd Uebbing/Uni Bonn
Regionale Unterschiede genauer berücksichtigen
Ein neuer Bestandteil der Methode ist die Berechnung des Wärmeausdehnungskoeffizienten für verschiedene Regionen des Ozeans. Bislang wurde dieser Wert häufig als überall gleich angenommen. Nach Angaben der Forschenden kann dies zu erheblichen Fehlern führen.
Für die Untersuchung mussten große und sehr unterschiedliche Datensätze einheitlich ausgewertet werden. Moderne Rechenverfahren helfen dabei, Unterschiede in der Datenverteilung zu berücksichtigen und mögliche Fehlinterpretationen zu minimieren. Die Wärmeaufnahme und -verteilung in den Ozeanen kann sich innerhalb weniger Jahre deutlich verändern. Die Ursachen und Folgen dieser Veränderungen sind bislang noch nicht vollständig verstanden. Umso wichtiger seien langfristige und verlässliche Messungen durch Satelliten und Messsysteme im Meer.
Nach Ansicht der Forschenden sollte sich die Klimapolitik zudem nicht allein an der Entwicklung der mittleren Landoberflächentemperaturen orientieren. Der Ozean und insbesondere der Meeresspiegelanstieg seien als „Thermometer des Erdsystems“ besser geeignet, da sie deutlich geringeren Schwankungen unterliegen.
Analyse soll auf frühere Jahrzehnte ausgeweitet werden
Im nächsten Schritt wollen die Forschenden ihre Analyse auf frühere Jahrzehnte ausweiten. Da vor 1993 weniger Satellitendaten verfügbar sind, sollen dafür historische Messungen herangezogen werden. Künftig sollen außerdem Daten der Satelliten GRACE-C und NGGM in die Untersuchungen einfließen.
Originalpublikation: ESSD – Improving global and regional ocean heat content by consistently combining GRACE gravity, satellite altimetry and Argo profile observations in a joint inversion framework
The post Weltmeere im Wärmecheck: Messungen zeigen Abweichungen von Klimamodellen appeared first on gwf-wasser.de.