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Handlungsempfehlungen für OP-Lüftung

Handlungsempfehlungen für OP-Lüftung

Handlungsempfehlungen für OP-Lüftung

Intro

Die Lüftung in Operationssälen beeinflusst wesentlich die Luftqualität und den Infektionsschutz des Patienten. Die DIN 1946-4 definiert hierfür verbindliche Anforderungen an raumlufttechnische Anlagen. Ergänzend zeigen aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen, dass einzelne planungsrelevante Annahmen – etwa zu Luftwechselraten, Strömungsformen oder thermischen Effekten – differenziert betrachtet werden sollten.

 

Hohe Luftwechselraten – nicht immer ein Garant für geringere Kontamination

Während Normen wie die DIN 1946-4 klare Anforderungen definieren, zeigt die Forschung, dass einige gängige Annahmen zu Luftwechselraten, Kontaminationsausbreitung und Hypothermierisiken differenziert betrachtet werden müssen. Unabhängig davon, ob ein OP mit turbulenzarmer Verdrängungsströmung (TAV) (Typ 1a) oder Mischlüftung (Typ 1b) betrieben wird, lässt sich anhand aktueller Studien hinsichtlich der Reduktion luftgetragener Kontaminationen im Wundfeld keine eindeutige Empfehlung zugunsten eines Systems ableiten. Untersuchungen zeigen zudem, dass höhere Luftwechselraten nicht zwangsläufig zu geringeren Kontaminationskonzentrationen im Wundfeld führen (1). Auch Surveillance-Daten unterstützen diese Einschätzung (2).

 

Positionierung von Lampen im Raum – ein zentraler Einflussfaktor

Die Forschung zeigt, dass die Position von Lampen einen starken Einfluss auf die Ausbreitung luftgetragener Partikel im TAV-Betrieb hat (1). Eigene experimentelle Untersuchungen (1) zeigen, dass OP-Leuchten, Instrumententische und weitere Einbauten die lokale Partikelverteilung im OP signifikant beeinflussen können, insbesondere bei gerichteten Strömungen. Aus diesen Arbeiten lassen sich jedoch keine allgemeingültigen Empfehlungen zur konkreten Positionierung einzelner Komponenten ableiten. Schon kleine Positionsänderungen können dazu führen, dass die laminare Strömung unterbrochen oder seitlich abgelenkt wird. Bei Mischlüftung ist dieser Effekt deutlich geringer ausgeprägt, da die Luftströmung stärker durchmischt ist und weniger empfindlich auf lokale Störungen reagiert. Diese experimentellen Untersuchungen zeigen, dass neben OP-Leuchten auch die Positionierung von medizinischen Geräten, Instrumententischen und Zuluftauslässen die lokale Verteilung luftgetragener Partikel beeinflussen kann. Insbesondere wurde beobachtet, dass unter gerichteten Luftströmungen wie TAV bzw. LAF erhöhte Konzentrationen kleiner luftgetragener Partikel im Bereich des OP-Feldes auftreten können, während sich bei Mischlüftung eine räumlich gleichmäßigere, jedoch weiter verteilte Kontaminationsverteilung einstellt. Zudem zeigen experimentelle Analysen, dass die Position von Mess- und Referenzpunkten in unmittelbarer Nähe von Instrumententisch und Wundbereich entscheidend für die Bewertung der luftgetragenen Kontamination ist (1,3). Auch die Größe der emittierten Partikel beeinflusst das Risiko von Querkontaminationen: Größere Partikel sinken schneller ab, wobei insbesondere kleine, schwebefähige Partikel als relevant für die Ausbreitung im OP betrachtet werden.

Monitoring luftgetragener Kontaminationen – Potenziale und Grenzen

Eine häufige Fragestellung ist, ob es möglich ist, luftgetragene Kontaminationen schon während der OP zu bewerten, und so schnell auf Kontaminationen reagieren zu können. Einige Untersuchungen zeigen eine Korrelation zwischen Partikel- und Keimkonzentration (4–6), andere hingegen nicht (7). Messpositionen sollten nahe des Schutzbereichs liegen, also im Bereich mit erhöhten hygienischen Anforderungen, z. B. um OP-Tisch und Instrumententisch (3).

 

 

Thermische Risiken und mobile Lüftungssysteme

Hohe Strömungsgeschwindigkeiten können eine Auskühlung der Patient*innen begünstigen, weshalb eine sorgfältige Abstimmung zwischen Lüftungskonzept und Temperaturführung notwendig ist (8). Mobile Lüftungssysteme – etwa zur lokalen Überströmung oder Rauchgasabsaugung – können zwar Kontaminationen in kritischen Bereichen reduzieren, gleichzeitig jedoch horizontale Partikeltransporte verstärken und das Risiko für Hypothermie erhöhen (9). Eine umfassende Übersicht zum aktuellen Forschungsstand bietet der Review von Sadrizadeh et al. (10).

Fazit

Die vorliegenden Erkenntnisse zeigen, dass die Wirksamkeit von OP-Lüftungskonzepten nicht allein durch Kennwerte wie Luftwechselraten oder die Wahl eines bestimmten Strömungsprinzips bestimmt wird. Vielmehr beeinflussen die konkrete Ausgestaltung des Raums, die Positionierung von Leuchten und medizinischer Ausstattung, die Führung der Luftströmung sowie thermische Randbedingungen maßgeblich die lokale Kontaminationsverteilung im OP.
Normative Anforderungen, wie sie in der DIN 1946-4 formuliert sind, bilden hierfür den verbindlichen Rahmen. Die aktuelle Studienlage macht jedoch deutlich, dass eine differenzierte Betrachtung im Einzelfall erforderlich ist und pauschale Aussagen zur Überlegenheit einzelner Lüftungssysteme nicht abgeleitet werden können. Für Planung und Betrieb bedeutet dies, dass OP-Lüftung stets im Zusammenspiel mit Raumkonzept, Nutzung und Ausstattung bewertet werden sollte.

 

Quellen

(1)          Schumann, L.; Cetin, Y. E.; Kriegel, M. Experimental Evaluation of Airborne Spread of Contaminations in Operating Room Air under Laminar Air Flow and Mixing Ventilation. Journal of Building Engineering 2025, 113, 114197. https://doi.org/10.1016/j.jobe.2025.114197.

(2)          Bischoff, P.; Kubilay, N. Z.; Allegranzi, B.; Egger, M.; Gastmeier, P. Effect of Laminar Airflow Ventilation on Surgical Site Infections: A Systematic Review and Meta-Analysis. The Lancet Infectious Diseases 2017, 17 (5), 553–561. https://doi.org/10.1016/S1473-3099(17)30059-2.

(3)          Schumann, L.; Lange, J.; Cetin, Y. E.; Kriegel, M. Experimental Analysis of Airborne Contaminant Distribution in an Operating Room with Different Ventilation Schemes. Building and Environment 2023, 244, 110783. https://doi.org/10.1016/j.buildenv.2023.110783.

(4)          Mirhoseini, S. H.; Nikaeen, M.; Khanahmd, H.; Hatamzadeh, M.; Hassanzadeh, A. Monitoring of Airborne Bacteria and Aerosols in Different Wards of Hospitals – Particle Counting Usefulness in Investigation of Airborne Bacteria. Annals of agricultural and environmental medicine : AAEM 2015, 22 (4), 670–673. https://doi.org/10.5604/12321966.1185772.

(5)          Wan, G.-H.; Chung, F.-F.; Tang, C.-S. Long-Term Surveillance of Air Quality in Medical Center Operating Rooms. American journal of infection control 2011, 39 (4), 302–308. https://doi.org/10.1016/j.ajic.2010.07.006.

(6)          Tang, C.-S.; Wan, G.-H. Air Quality Monitoring of the Post-Operative Recovery Room and Locations Surrounding Operating Theaters in a Medical Center in Taiwan. PloS one 2013, 8 (4), e61093. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0061093.

(7)          Cristina, M. L.; Spagnolo, A. M.; Sartini, M.; Panatto, D.; Gasparini, R.; Orlando, P.; Ottria, G.; Perdelli, F. Can Particulate Air Sampling Predict Microbial Load in Operating Theatres for Arthroplasty? PloS one 2012, 7 (12), e52809. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0052809.

(8)          Cengiz, H. Ö.; Uçar, S.; Yilmaz, M. The Role of Perioperative Hypothermia in the Development of Surgical Site Infection: A Systematic Review. AORN journal 2021, 113 (3), 265–275. https://doi.org/10.1002/aorn.13327.

(9)          Schumann, L.; Hoerold, K.; Tomaschewski, R.; Cetin, Y. E.; Kriegel, M. Influence of a Local Ventilation System on Patient and Personnel Protection in Operating Rooms. SSRN 2025. https://doi.org/10.2139/ssrn.5547171.

(10)        Sadrizadeh, S.; Aganovic, A.; Bogdan, A.; Wang, C.; Afshari, A.; Hartmann, A.; Croitoru, C.; Khan, A.; Kriegel, M.; Lind, M.; Liu, Z.; Melikov, A.; Mo, J.; Rotheudt, H.; Yao, R.; Zhang, Y.; Abouali, O.; Langvatn, H.; Sköldenberg, O.; Cao, G. A Systematic Review of Operating Room Ventilation. Journal of Building Engineering 2021, 40, 102693. https://doi.org/10.1016/j.jobe.2021.102693.

 

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Handschuhe schützen uns zuverlässig vor Infektionen, oder?

Handschuhe schützen uns zuverlässig vor Infektionen, oder?

Medizinische Einmalhandschuhe sind Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung und dienen dem Eigenschutz von Mitarbeitenden bei Kontakt mit potentiell infektiösem Material. Jedoch werden Handschuhe im Krankenhaus auch in vielen Situationen getragen, in welchen sie nicht notwendig sind und sogar schädlich sein können. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Indikationen für eine Handschuhnutzung und in welchen Situationen Handschuhe nicht eingesetzt werden sollen.

Im Krankenhaus stellt die direkte Kontaktübertragung von Erregern, vor allem über unsere Hände, einen relevanten Infektionsweg dar. Deswegen stellt sich die Frage wie wir uns und die Patient*innen optimal vor Erregerübertragungen schützen können.

Die medizinischen Einmalhandschuhe sind ein Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Sie dienen dem Schutz des Personals vor grober Kontamination der Hände, indem sie z.B. beim Umgang mit potentiell infektiösen Sekreten/Exkreten wie Blut oder anderen Körperflüssigkeiten eine zusätzliche Barriere darstellen. Leider geben die Handschuhe oft ein falsches Gefühl der Sicherheit und lassen uns unaufmerksamer werden. Dies ist problematisch, da beim Einsatz von Handschuhen oft die hygienische Händedesinfektion, die die eigentliche hygienerelevante Maßnahme darstellt, vergessen wird. Krankheitserreger sind winzig klein und mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Die Handschuhe sind nicht 100%ig dicht. Das bedeutet, dass die Erreger, wenn wir Handschuhe tragen trotzdem auf unsere Hände gelangen können. Auch beim Ausziehen der (kontaminierten) Handschuhe gelangen häufig Erreger auf unsere Hände. Bei Ausbleiben der notwendigen Händedesinfektionen bleiben die Erreger auf den Händen und können dann auch auf andere Personen oder Gegenstände übertragen werden. Eine weitere Gefahr für Erregerübertragungen besteht, wenn Handschuhe prozessübergreifend oder patientenübergreifend eingesetzt werden.

In vielen Situationen werden zudem Handschuhe getragen, obwohl diese gar nicht notwendig sind, z.B. beim Impfen oder Blutdruckmessen. Selbst bei der Versorgung von Patient*innen mit multiresistenten Erregern, sind in der Regel keine Handschuhe notwendig, solange kein Kontakt zu Schleimhaut oder Körperflüssigkeiten besteht.

Tabelle 1 zeigt Beispiele in welchen Situationen im Krankenhaus medizinische Einmalhandschuhe getragen werden sollen und in welchen Situationen KEINE Handschuhe getragen werden sollen (Auszug nach KRINKO, vgl. Epidemiologisches Bulletin 10/24).

Neben dem Risiko für Erregerübertragungen durch den unsachgemäßen Einsatz von medizinischen Einmalhandschuhen, führt deren übermäßiger Einsatz zu einer erheblichen Abfallmenge, welches ökologische Belastungen verursacht und somit auch ein nachhaltiges Problem darstellt.

 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass medizinische Einmalhandschuhe im Krankenhaus häufig ohne Indikation eingesetzt werden. Dies kann zu Erregerübertragungen auf Patient*innen, anderes Personal oder Gegenstände führen. Die hygienische Händedesinfektion ist die notwendige infektionspräventive Maßnahme, die vor Erregerübertragungen schützt, nicht die Handschuhe. Aus baulicher Sicht ist deswegen bei der Planung von Krankenhäusern und Patientenzimmern eine Ausstattung mit gut erreichbaren und gut sichtbaren Händedesinfektionsmittelspendern zu beachten, um eine indikationsgerechte hygienische Händedesinfektion zu ermöglichen.

Weitere Information zu den Indikationen der hygienischen Händedesinfektion finden Sie auf den Seiten der Aktion Saubere Hände, sowie in den untenstehenden Artikeln.

Abbildung mit Darstellung verschiedener Übertragunsgwege von Krankheitserregern
Hygiene
Infektionsübertragungswege
Welche Übertragungswege von Krankheitserregern gibt es? Welche Erreger werden wie übertragen?
Bild mit Darstellung einer hygienischen Händedesinfektion. Im Hintergrund ist ein Waschbecken mit einem Händedesinfektionsmittelspender zu sehen.
Hygiene
Wo werden Spender für Händedesinfektionsmittel benötigt und wo reichen Wasser und Seife?
Grundlagen zum Händewaschen und der hygienischen Händedesinfektion mit Besonderheiten der verschiedenen Infrastrukturen.

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