Bildung von erkrankungs- und bedarfsbezogen homogenen Versichertengruppen – PopGrouper 1.0
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2872-0161
Für eine differenzierte Erhebung und Darstellung des Versorgungsbedarfs
werden in verschiedenen Ländern bevölkerungsbezogene Klassifikationssysteme
genutzt. Das PopGroup Projekt hatte zum Ziel, ein solches
Klassifikationssystem für den deutschen Versorgungskontext zu entwickeln.
Der PopGrouper liegt zwischenzeitlich in der Version 1.0 vor und ordnet jede
Person genau einer PopGroup (PG) zu. Nach einer vorausgehenden Publikation
zu Gruppierungen von Erkrankungen mit Zuordnungen von Schweregraden sollen
im vorliegenden Artikel Folgeschritte zur exklusiven Gruppierung aller
Versicherten auf mehreren Ebenen vorgestellt und erläutert werden, womit die
methodische Beschreibung des Groupers komplettiert wird.Für die Entwicklung der Version 1.0 wurden Trainings- und Testdaten zu
insgesamt 8,8 Mio. Versicherten der BARMER-Krankenkasse im Verhältnis 4 zu 1
aus dem Jahr 2022 genutzt. Nach einer inhaltlich-klinisch orientierten
Gruppierung erfolgten weitere Aufteilungen algorithmisch, wozu in
Trainingsdaten mehrfach sog. Entscheidungslisten und Regressionsbäume mit
spezifischer Implementierung genutzt wurden. So konnte ein Regelwerk
erstellt werden, das auch zur Gruppierung anderweitiger Populationen
geeignet ist.Alle Personen wurden auf 4 hierarchischen Ebenen jeweils genau einer von 10,
427, bzw. 610 Gruppen sowie abschließend genau einer der 776 PGs zugeordnet,
die in Testdaten 38,8% der Varianz von versichertenbezogen dokumentierten
Kosten für die gesundheitliche Versorgung erklärten. Nach Anwendung der
Gruppierungsregeln in Daten zu 2021 sowie 2023 zeigten sich ähnliche
Ergebnisse, wobei erklärte Varianzanteile auf allen Gruppierungsebenen in
Daten zu 2023 tendenziell höher als 2022 lagen.Mit dem PopGrouper 1.0 liegt erstmals ein für Daten der gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV) in Deutschland angepasster bevölkerungsbezogener
Grouper vor, der umfassend dokumentiert ist und frei genutzt werden kann.
Ergebnisse deuten auf gut nutzbare Gruppierungen für die Datenjahre 2021 bis
2023 hin, für die bereits vollständige Gruppierungsregeln existieren.
Anpassungen für Folgejahre sollten angestrebt werden, wobei geprüft werden
könnte, inwiefern Vereinfachungen des Groupers und seiner Pflege ohne
Qualitätsverluste möglich sind.
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