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Professionelle Gesundheitskompetenz von Hebammen – Ergebnisse einer standardisierten Online-Befragung in Bayern

Gesundheitswesen 2026; 88: 542-551
DOI: 10.1055/a-2887-6200

Die individuelle Gesundheitskompetenz (GK) von Frauen vor, während und nach der Geburt ist gesellschaftlich von hoher Relevanz. Da Hebammen häufig die erste Anlaufstelle in dieser sensiblen Phase darstellen, verfügen diese über ein großes Potenzial zur Förderung der GK in diesem Zeitraum. Hierzu benötigen sie allerdings selbst eine hohe professionelle GK. Ziel dieses Artikels ist es, erstmals die professionelle GK von Hebammen in Bayern aufzuzeigen.Die Erhebung erfolgte mittels standardisierter Online-Befragung im Rahmen der HELPER-Studie. Es wurden zwischen November 2023 und Mai 2024 insgesamt 668 bayerische Hebammen eingeschlossen. Ermittelt wurde die professionelle GK anhand des Erhebungsinstrument PROF-HL-Q, welches aus 34 Items besteht und vier Aufgabenbereiche umfasst. Die Ergebnisdarstellung erfolgt deskriptiv sowie in Form von t-Tests und Korrelationsanalysen.Im Durchschnitt liegt der Punktwert für die befragten Hebammen in den erfragten Aufgabenbereichen zwischen 48,6 und 78,0 von 100 möglichen Punkten. Dabei fällt den Hebammen die patientenzentrierte Kommunikation am leichtesten und die professionelle digitale Gesundheitskompetenz am schwersten.Die Ergebnisse zeigen, dass Hebammen eine wichtige Informationsquelle für Frauen darstellen. Gleichzeitig konnten Kompetenzbereiche der professionellen GK identifiziert werden, in denen noch Förderungsbedarf besteht. Auf dieser Grundlage müssen Ausbildungscurricula angepasst und gezielte Fort- und Weiterbildungsangebote, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, Evidenzbasierung und Kommunikation entwickelt werden.
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Asylsuchende in der Erstaufnahmeeinrichtung „Oldentruper Hof“ Bielefeld: Erste Masernimpfdosis-Quote von 90,3% nach dem Impfangebot im Rahmen der Erstuntersuchung

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2918-6372

Ziel dieser Studie ist es, demografische Daten, die „erste Masernimpfdosis-Quote nach dem Impfangebot im Rahmen der Erstuntersuchung“ (EMID-Quote) und Hindernisse für die Masernimpfung bei Asylbewerbern in der Erstaufnahmeeinrichtung „Oldentruper Hof“ Bielefeld (EAE OTH) im Jahr 2024 zu identifizieren.Bei dieser Studie handelt es sich um eine retrospektive Datenanalyse. Die demografischen Daten und die Impfdaten werden aus den Excel-Tabellen der Verwaltung und den Impflisten der EAE OTH entnommen.Bezüglich des Jahres 2024 wurden die Daten von 3213 Asylbewerbern in der EAE OTH ausgewertet. Die meisten dieser Asylbewerber waren jung und männlich. Die zehn häufigsten Herkunftsländer waren in absteigender Reihenfolge: Syrien, Afghanistan, die Türkei, der Irak, der Iran, Serbien, (Nord)-Mazedonien, China, Algerien sowie Angola und Aserbaidschan (es gab genauso viele Asylsuchende aus Angola wie aus Aserbaidschan). 3047 von ihnen waren in einem Alter, in dem sie einen Impfschutz gegen Masern benötigten. 6,3% der 3047 konnten ein Masernimpfdokument von außerhalb der EAE OTH vorlegen. 84,0% der 3047 hatten keinen externen Nachweis über eine Masernimpfung und erhielten ihre erste Masernimpfdosis in der EAE OTH. Die EMID-Quote lag folglich bei 90,3%. 9,7% hatten weder einen externen Masernimpfnachweis noch erhielten sie die erste Masernimpfdosis in der EAE OTH. Dafür wurden folgende Gründe für diese Nichtimpfung identifiziert: Ablehnung durch 1,5%, Krankheit bei 1,2%, Schwangerschaft bei 2,6%, „Sonstiges“ bei 4,3%.Insgesamt wurde festgestellt, dass die EMID-Quote der EAE OTH im Jahr 2024 mit 90,3% hoch war. Die Bemühungen müssen fortgesetzt werden, um diese Impfquote weiter zu optimieren. Weitere Studien in den verschiedenen EAEs und darüber hinaus sind erforderlich, um mehr Forschungsdaten über Asylbewerber in Deutschland zu erhalten.
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Anwendungsbegleitende Erfolgsmessung (AbEM) bei Digitalen Gesundheitsanwendungen: Optimierung aus Sicht der Versorgungsforschung für eine zielgerichtete und versorgungsrelevante Erfolgsmessung

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2907-9867

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind Bestandteil der Regelversorgung in Deutschland. Mit dem Digital-Gesetz wird ab 2026 eine anwendungsbegleitende Erfolgsmessung (AbEM) verpflichtend, um Nutzung und Wirksamkeit von DiGA unter Alltagsbedingungen zu bewerten. Ziel des Positionspapiers ist es, Anforderungen an AbEM zu formulieren, die eine valide und praxisrelevante Bewertung ermöglichen. Zudem wurden Vorschläge zur praktischen Umsetzung dieser Anforderungen erarbeitet.In 24 Treffen von Expert:innen aus Versorgungsforschung, Medizin und Digital Health wurde die AbEM diskutiert und bewertet. Bestehende Konzepte zur Qualitätsmessung und zu Patient-reported Outcome und Experience Measures (PROMs, PREMs) wurden gesichtet und auf ihre Übertragbarkeit hin geprüft. Weiterhin wurden spezifische Anforderungen an Datenerhebungen und -auswertungen bei AbEM herausgearbeitet.Zusätzlich zu den vorgeschlagenen Messinstrumenten für die AbEM, insbesondere PROMs und PREMs, und den Nutzungsdaten, die innerhalb der DiGA erfasst werden, sollten Abbruchgründe und Langzeitwirkungen sowie unerwünschte DiGA-Wirkungen kategorisiert erhoben werden. Die patientenseitige Einschätzung der Outcomes sollte durch eine therapeutenseitige Einschätzung am Ende der DiGA-Nutzung ergänzt werden. Eine aktive Abbruchlogik in den Anwendungen, standardisierte Erhebungsprotokolle und eine ePA-Schnittstelle, über die pseudonymisierte AbEM-Daten in einen gemeinsamen AbEM-Datenpool ausgeleitet und DiGA-spezifisch sowie herstellerunabhängig ausgewertet werden, könnten den Erkenntnisgewinn der AbEM und ihren Nutzen als Forschungsressource steigern. Vergleiche zwischen DiGA oder zu Therapiealternativen im Rahmen der AbEM werden aufgrund methodischer Limitationen derzeit abgelehnt. Perspektivisch könnte die Einbeziehung medizinischer Register, die standardisierte und interoperable DiGA-Stammdatensätze integrieren, oder die Etablierung eigenständiger DiGA-Register Nutzungsmöglichkeiten und Erkenntnisgewinne der AbEM-Daten von DiGA verbessern.AbEM bietet die Chance, DiGA-Nutzung transparent zu machen und eine qualitätsorientierte Vergütung zu fördern. Voraussetzung ist eine valide, unabhängige und interoperable Datenerhebung, die patientenrelevante Ergebnisse fokussiert, die Perspektive der Verordnenden einbezieht und die Integration von (Routine-)Daten ermöglicht. Die aktuelle Umsetzung der DiGA-AbEM berücksichtigt diese zentralen Punkte noch nicht ausreichend.
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Integrated climate and health policy interventions into everyday life can foster co-benefits for healthier aging and the climate

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2903-6433

Changes in everyday life have great potential to promote a long and healthy life. At the same time, these changes are also climate-friendly in many areas, as they either reduce emissions or increase resilience to the impacts of climate change. This article provides an overview of everyday life changes in the areas of physical activity, nutrition and housing. It describes the current lifestyles of older adults in Austria based on statistics on health, time use, mobility and nutrition, as well as consumer surveys. However, lifestyle changes are not presented solely as a matter of individual behavior; the article also highlights the critical role of structural aspects such as infrastructure and public access, supply and price structures. We focus on the impact chains, which, based on the scientific literature, illustrate the pathways through which changes in everyday life have a beneficial effect on health and climate protection or for resilience.Finally, a secondary effect becomes relevant: A more health-promoting everyday life reduces the number of years spent in ill-health, thereby lowering the demand for medical treatment. This benefits both health and the climate, as hospital stays can strain mental health and carry the risk of secondary diseases. Further, as medical care is carbon-intensive, avoiding hospitalizations reduces greenhouse gas emissions.The intensifying impact of climate change increasingly requires a transition in key areas such as mobility, leisure, housing and nutrition. This transition offers an opportunity to make climate-friendly and healthy everyday life the new attractive norm. Health benefits can serve as a compelling argument for climate mitigation, which in turn can act as a lever for creating healthy living conditions in times of inevitable change. As global warming increases, so do the climate risks to human health, and the risk of crop failures, water shortages and damage to settlements and infrastructure. Yet a decisive transition has the potential to promote a good and healthy aging for all.
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Zwischen Gesundheitsversorgung und Bildungsteilhabe: Schulgesundheitsfachkräfte im Spiegel empirischer Daten

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2899-6768

Ziel der Studie ist die Inanspruchnahme, das Tätigkeitsspektrum sowie die gesundheitlichen und psychosozialen Bedarfe von Schüler*innen durch Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) im schulischen Setting differenziert zu analysieren. Ein besonderer Fokus liegt auf den geschlechts- und schultypspezifischen Unterschieden, der Rolle der SGFK in der medizinischen und psychosozialen Versorgung sowie ihrem Beitrag zur Bildungsteilhabe.Im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes wurden routinemäßig erhobene, softwaregestützt dokumentierte Daten aus 21 öffentlichen Schulen in Brandenburg (2024–2025) ausgewertet. Quantitative Analysen (inkl. Poisson-Regression) wurden mit einer qualitativen Inhaltsanalyse der Freitextfelder kombiniert, um neben standardisierten Kontaktanlässen auch komplexe gesundheitliche, psychische und soziale Problemlagen abzubilden.Insgesamt wurden 27 778 Kontakte dokumentiert. Über 70% der Schüler*innen nahmen das Angebot mindestens einmal in Anspruch. Akute Beschwerden (ca. zwei Drittel) und Verletzungen (ca. ein Viertel) dominierten, während psychosoziale und komplexe Problemlagen seltener, jedoch insbesondere in höheren Klassenstufen deutlich häufiger auftraten. Mädchen suchten signifikant häufiger Unterstützung, vor allem bei gesundheitlichen und psychischen Beschwerden.Die ergänzende Analyse der Freitextfelder zeigte differenzierte Einblicke in psychosoziale Problemlagen: In der Grundschule überwogen externalisierende Verhaltensauffälligkeiten bei Jungen und internalisierende Beschwerden bei Mädchen; in weiterführenden Schulen traten vermehrt komplexe und schwerwiegende psychische Belastungen bis hin zu Krisensituationen auf.Die SGFK führten ein breites Spektrum an Maßnahmen durch, darunter Beratung, emotionale Unterstützung, gesundheitliche Erstversorgung sowie die Einleitung weiterführender medizinischer und psychosozialer Versorgung. In rund 5% der Fälle wurden gezielte Empfehlungen ausgesprochen. In 85,5% der Kontakte konnte eine Rückkehr in den Unterricht erreicht werden, was die Bedeutung der SGFK für die Sicherung der Bildungsteilhabe unterstreicht.SGFK übernehmen eine zentrale Rolle als niedrigschwellige Versorgungsinstanz im schulischen Alltag und stellen eine wichtige Schnittstelle zwischen Bildung und Gesundheit dar. Die standardisierte, softwaregestützte Dokumentation ist eine wesentliche Grundlage für die Qualitätssicherung der Arbeit, die evidenzbasierte Weiterentwicklung und das gesundheitspolitische Sichtbarmachen ihres Nutzens.
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Perspectives, Action Strategies, and Approaches for Climate-Resilient and Low-Greenhouse-Gas HealthcarePerspektiven, Handlungsstrategien und Lösungsansätze für eine klimaresiliente und treibhausgasarme Gesundheitsversorgung

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2872-4388

The impact of climate change on human health, healthcare, and health systems constitute one of the most pressing challenges of our time. In response, this position paper outlines perspectives, strategic approaches, and potential solutions aimed at fostering a climate-resilient and low-carbon healthcare sector. It was developed in collaboration with representatives from scientific societies, working groups, professional associations, and institutions with a dedicated expertise on the topic and was the subject of extensive interdisciplinary dialogue. This position paper reflects the outcome of a broad consensus-building process involving stakeholders from diverse academic and professional backgrounds. While it does not claim to be exhaustive, it represents the current state of discussions. The paper addresses six central topics: (1) Transformative research, (2) Research funding and research networking, (3) Data access and linkage, (4) Education and information opportunities, (5) Prevention, mitigation, and adaptation, as well as (6) Sustainability and climate neutrality in the health and research sector. The position paper advocates for intensified collaboration, courage and willingness to make decisions on the part of the scientific community, policymakers, and civil society to develop a future-proof and resilient healthcare system capable of withstanding the multifaceted challenges posed by climate change. This position paper is intended as a foundation for ongoing discourse and the development of concrete policy and practice-oriented strategies to enhance climate resilience and sustainability in health systems over the long term.Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit, die Gesundheitsversorgung und das Gesundheitssystem stellen eine zentrale Herausforderung unserer Zeit dar. Vor diesem Hintergrund entstand dieses Positionspapier, das Perspektiven, Handlungsstrategien und Lösungsansätze für eine klimaresiliente und treibhausgasarme Gesundheitsversorgung aufzeigt. Das Papier wurde in Kooperation mit Vertreter:innen aus Fachgesellschaften, Arbeitsgruppen, Vereinen und Institutionen mit Expertise zum Thema entwickelt und intensiv diskutiert. Das Positionspapier ist das Ergebnis eines breiten Konsensprozesses mit Beteiligten unterschiedlicher Disziplinen, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt den derzeit aktuellen Stand der Diskussionen wider. Das Positionspapier adressiert sechs zentrale Themenfelder: (1) Transformative Forschung, (2) Forschungsförderung und -vernetzung, (3) Datenzugang und -verknüpfung, (4) Bildungs- und Informationsmöglichkeiten, (5) Prävention, Mitigation und Adaptation sowie (6) Nachhaltigkeit bzw. Klimaneutralität im Gesundheits- und Forschungssektor. Das Positionspapier ruft zu einer engen Zusammenarbeit, Mut und Entscheidungswillen auf Seiten von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft auf, um ein zukunfts- und widerstandsfähiges Gesundheitssystem zu schaffen, das den Herausforderungen des Klimawandels gewachsen ist und diesem entgegenwirkt. Es dient als Ausgangspunkt für weitere Diskussionen und die Erarbeitung konkreter Strategien, um Klimaresilienz und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen langfristig zu stärken.
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Wer profitiert von zahnmedizinischer Routine- und Sekundärdatenanalyse in Deutschland? – Ein Scoping Review zu Datenquellen und identifizierten vulnerablen Personengruppen zahnmedizinischer Versorgung in Deutschland

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2876-6533

Orale Erkrankungen zählen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen weltweit und sind stark durch soziale Ungleichheiten beeinflusst. Zahnmedizinische Routine- und Sekundärdaten können wertvolle Einblicke in die Versorgung liefern, um Versorgungslücken und Risikofaktoren zu identifizieren. Ziel dieser Arbeit ist die Analyse des aktuellen Stands zur wissenschaftlichen Routine- und Sekundärdatennutzung, das Aufzeigen von Forschungslücken und die Entwicklung von Implikationen für das Fachgebiet.Scoping Review gemäß dem Konzept von Arksey und O’Malley und partieller Weiterentwicklung von Levac, Colqhoun & O’Brien. Hierbei wurden mehrere Datenbanken (PubMed/MEDLINE, SCOPUS, PubPsych) durchsucht. Insgesamt konnten 5.823 Artikel identifiziert werden, von denen 38 Publikationen die Einschlusskriterien erfüllten. Drei erfahrene Reviewer bewerteten die Studien mithilfe kriteriengeleiteter Codebooks.Der Großteil der Publikationen (n=29; 76,3%) ist international und in den letzten zehn Jahren (n=33; 86,8%) publiziert worden. Die Mehrheit der Veröffentlichungen (n=34; 89,5%) konzentrierte sich auf eine einzige Datenquelle, lediglich vier Publikationen verknüpften verschiedene Datensätze (Data Linkage). Die meisten Publikationen beschäftigten sich mit Kosten-Nutzen-Analysen und wirtschaftlichen Aspekten (n=15; 39,5%). 13 Publikationen nutzten Routine- und Sekundärdaten zur Beschreibung des Inanspruchnahmeverhaltens und spezifischer Risikofaktoren von vulnerablen Gruppen, wovon mit vier Publikationen die meisten auf die Gruppe der Kinder und Jugendliche entfielen.Routine- und Sekundärdatenanalysen in der Zahnmedizin bieten ein großes Potenzial, Versorgungslücken aufzudecken sowie spezifische Bedürfnisse und Risikofaktoren zu identifizieren. Es konnte aufgezeigt werden, dass es eine grobe Dreiteilung in der inhaltlichen Zielsetzung der zahnmedizinischen Routine- und Sekundärdatenanalyse zu geben scheint, welche sich in 1. Klinische Fragestellungen, 2. Wirtschaftlichkeit und 3. Beschreibung bzw. Identifikation von vulnerablen Personengruppen gliedert. Letzteres fokussiert sich auch im internationalen Diskurs auf Menschen mit komorbiden somatischen Erkrankungen, im höheren Lebensalter, mit Behinderungen oder Kinder und Jugendliche. Um die zahnmedizinische Versorgungsforschung zu stärken, müssen zahnmedizinische Routine- und Sekundärdaten in Deutschland besser zugänglich und nutzbar gemacht werden.
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Guiding Principles for Co-Creation and Collective Learning in Living Labs: Insights from Designing Physical Activity InterventionsLeitprinzipien für Co-Creation und Kollektives Lernen in Living Labs: Erkenntnisse aus der Konzeption von Bewegungsinterventionen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2885-5093

The KliMate project used the co-creative living lab approach to develop a multimodal intervention that supports older adults in achieving international physical activity recommendations while considering personal and climate-related factors. Participants were involved in the co-design of an App and analogue exercise formats. Based on the project’s iterative cycles, this study shows how co-creation and collective learning influenced each other. Guiding principles – such as regular exchange within the consortium, concrete proposals as a basis for co-creation, flexible co-creation methods, and the transformation of open questions into new learning challenges – underline the value of methodological openness in future living labs. The central finding and main contribution to the existing literature is the importance of concrete proposals as triggers for critique, rejection, and iterative development.Das KliMate Projekt nutzt einen co-kreativen Living-Lab-Ansatz, um eine multimodale Intervention zu entwickeln, die ältere Erwachsene dabei unterstützt, internationale Bewegungsempfehlungen zu erreichen und dabei persönliche und klimabezogene Faktoren zu berücksichtigen. Die Teilnehmenden waren an der gemeinsamen Gestaltung einer App als auch analoger Trainingsformate beteiligt. Basierend auf den iterativen Zyklen des Projekts zeigt diese Studie, wie sich Co-Creation und Lernprozesse im Konsortium gegenseitig beeinflussen. Leitprinzipien – wie regelmäßiger Austausch im Konsortium, konkrete Vorschläge als Basis für Co-Creation, flexible, partizipative Methoden und die Umwandlung offener Fragen in neue Lernfelder, unterstreichen den Wert methodischer Offenheit in zukünftigen Living-Labs. Die wichtigste Erkenntnis und der wesentliche Beitrag zur bestehenden Literatur ist die Bedeutung konkreter Vorschläge als Katalysatoren für Kritik, Ablehnung und iterative Weiterentwicklung.
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Bundled Payment – ein vielversprechender Ansatz in der Kostenerstattung? Ergebnisse aus dem sekTOR-HF-Projekt für die linksseitige Herzinsuffizienz in Deutschland

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2808-9797

Vergütungssysteme können wesentliche Anreize für die Leistungserbringung setzen. Aus theoretischer Perspektive ist der Reformbedarf der Vergütungssysteme an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung bekannt, aber es fehlen realisierbare Vorschläge. Im Rahmen des sekTOR-HF-Projekts wurde ein Konzept für ein Bundled-Payment-System entwickelt und dessen Machbarkeit in Deutschland gezeigt.Das Rahmengerüst für ein Bundled-Payment-System wurde durch einen partizipativen Gestaltungsprozess entwickelt. Eine retrospektive Analyse von GKV-Leistungsdaten (2018–2019) diente zur Berechnung von Bundle-Preisen für Patienten mit linksseitiger Herzinsuffizienz. Generalisierte lineare Modelle mit Gamma-Verteilung und Link-Funktion wurden für die Preisberechnung und die Identifikation von Kostentreibern verwendet.Vier Bundled-Payment-Szenarien basierend auf den NYHA-Klassen wurden ermittelt. Bei 129.262 analysierten Patienten mit linksseitiger Herzinsuffizienz lagen die jährlichen Erstattungspreise pro Patient für ein Bundled Payment zwischen 1.928 € (NYHA I) und 5.567 € (NYHA IV). Mehrere kostensteigernde Komorbiditäten („Bundle-Breaker“) wie Nierenversagen, multiples Myelom und Herzstillstand wurden identifiziert.Wir haben einen ersten Proof-of-Concept für die Einführung von Bundled Payments im deutschen Gesundheitssystem erstellt und gezeigt, dass sich praktikable Gestaltungsoptionen eröffnen und die Schätzung von Erstattungspreisen auf der Basis vorhandener Routinedaten möglich erscheint.
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Arbeitsbelastung durch Arzneimittellieferengpässe in hausärztlichen Praxen in Deutschland: Ergebnisse einer Querschnittsstudie mit Medizinischen Fachangestellten

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2886-2966

Arzneimittellieferengpässe stellen seit 2020 ein zunehmendes Problem für Patient:innen, Apotheken sowie den Arbeitsalltag in hausärztlichen Praxen dar. Diese Studie untersucht die daraus resultierende Mehrbelastung und die Auswirkung auf das Stressempfinden der Medizinischen Fachangestellten (MFA) in deutschen Hausarztpraxen.In einer partizipativ entwickelten Querschnittstudie wurden Anfragen zu nicht verfügbaren rezeptpflichtigen Arzneimitteln in 30 hausärztlichen Praxen dokumentiert. Erfasst wurden unter anderem Präparat, Bearbeitungsdauer, erneute Arztkonsultation und empfundener Stress. Die Erhebungen fanden für jeweils eine Woche im November 2023 und April 2024 statt.Ergänzend wurde eine partizipativ entwickelte Prozessanalyse durchgeführt, deren Inhalte zuvor gemeinsam mit MFA in einem Workshop erarbeitet worden waren. Auf dieser Grundlage erfolgte eine gesundheitsökonomische Modellrechnung.Von den teilnehmenden 61 MFA (alle weiblich, Durchschnittsalter 42,7 Jahre) wurden 162 Anfragen zu Lieferengpässen von Arzneimitteln dokumentiert. Betroffen waren vor allem Antibiotika, Diabetes, Asthma- und Herz-Kreislauf-Medikamente. 49,3% der Anfragen erforderten mehr als fünf Minuten Bearbeitungszeit, 65,8% erforderten eine Rücksprache mit den zuständigen Ärzt:innen, 4,3% der Anfragen blieben ungelöst.Etwa die Hälfte der MFA (53,6%) empfand Anfragen zu nicht verfügbaren Arzneimitteln als stressiger im Vergleich zu anderen Anfragen im üblichen Praxisalltag. 60% der MFA fühlten sich ausreichend informiert, um die Anfragen zu bearbeiten. Die Prozessanalyse ergab eine theoretische minimale Bearbeitungszeit von 9 Minuten pro Anfrage. Bei einem Engpassanteil von 1,2% ergibt sich daraus ein zusätzlicher Zeitaufwand von 1 Stunde und 35 Minuten pro Quartal und Praxis – scheinbar gering, aber potenziell relevant im Kontext ohnehin knapper Personalressourcen.Mehr als die Hälfte der Anfragen führt zu einer relevanten Arbeitsbelastung, da diese eine Bearbeitungszeit von mehr als fünf Minuten in Anspruch nehmen, einer Rücksprache mit Ärzt:innen notwendig ist oder eine erhöhte Stressbelastung darstellen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Arzneimittellieferengpässe nicht nur Patient:innen betreffen, sondern auch zu einer erheblichen Mehrbelastung für Praxisteams, insbesondere für MFA in hausärztlichen Praxen.
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Evaluation eines Modellprojekts zur medizinischen Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung in Bremen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2833-6480

Es wird geschätzt, dass in Deutschland zwischen einer halben und einer Million Menschen ohne Krankenversicherung leben. Wenn sie versorgt werden, erfolgt dies in sehr begrenztem Rahmen durch Kommunen, gemeinnützige Organisationen oder ehrenamtliche Tätigkeit. Das Land Bremen richtete 2022 ein Modellprojekt (MVP) mit Beratungs- und Behandlungsstelle ein. Es bietet medizinische Hilfe, Beratung zur möglichen (Wieder-)Eingliederung Betroffener in einen Leistungsanspruch („Clearing“) und Behandlungsscheine zur Versorgung im regulären Gesundheitssystem. Ziele einer Evaluation des Projekts waren die Analyse der Versorgungs- und Kostendaten sowie der Perspektive von Akteuren und Nutzer*innen.Versorgungsdaten wurden vom MVP und Kostendaten zusätzlich vom Klinikverbund Gesundheit Nord Bremen erhoben. Es wurden Interviews mit fünf Mitarbeitenden des MVP, acht abrechnenden Versorgenden, drei Nutzer*innen und acht Mitarbeitenden von Organisationen, die diese Personengruppen unterstützen geführt. Abrechnende Versorgende wurde zusätzlich in einer Online-Befragung adressiert. Quantitative Daten wurden deskriptiv, qualitative inhaltsanalytisch ausgewertet.Im Zeitraum vom 01.07.2022–31.12.2023 haben 971 Personen aus 76 Ländern das Angebot des Projekts genutzt. 886 (91,2% der) Nutzer*innen führten mindestens ein Clearinggespräch. Davon konnte für 142 (16%) ein bestehender Versicherungsschutz festgestellt und für weitere 168 (19%) ein Versicherungsschutz hergestellt werden. Es wurden 2933 Behandlungsscheine ausgeben. Insgesamt wurden 1 327 679 Euro ausgegeben, davon entfielen 52% auf stationäre und 10,5% auf ambulante Behandlungen. Ergebnisse aus Interviews und Befragung zeigten eine hohe Zufriedenheit mit Zugang und Qualität der Versorgung. Besonders hervorgehoben wurden Verbesserungen in der spezialfachärztlichen Behandlung sowie der Abbau finanzieller Hürden für die Beteiligten. Als Herausforderungen wurden die begrenzten personellen Kapazitäten, die unsichere finanzielle Absicherung des Projekts, die eingeschränkte räumliche Erreichbarkeit sowie Sprachbarrieren wahrgenommen.Das Modellprojekt führte zu einer deutlich verbesserten Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung. Limitierend waren begrenzte Ressourcen und hohe Kosten im stationären Bereich. Unklar bleibt, wie viele Betroffene trotz Bedarf das Angebot nicht genutzt haben. Eine zeitliche und räumliche Ausweitung des Modellprojekts ist empfehlenswert.
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Klinische Krisenintervention und psychosoziale Unterstützung in somatischen Kliniken in Deutschland – Ergebnisse einer deutschlandweite Querschnittsstudie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2872-3200

Im Versorgungsalltag somatischer Kliniken sind Patient:innen, Zu- und Angehörige sowie Mitarbeitende mit krisenhaften und potenziell traumatisierenden Situationen konfrontiert. Während im prä- und außerklinischen Bereich etablierte Standards der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) existieren, fehlt im innerklinischen Bereich eine vergleichbare Systematisierung.Klinische Krisenintervention (KKI) und psychosoziale Unterstützung (PSU) befinden sich gegenwärtig am Beginn ihrer Professionalisierung. Bestehende Unterstützungsangebote variieren hinsichtlich ihrer Ausrichtung, Zielgruppenspezifik und internen Umsetzung. Die unterschiedliche Terminologie stellt eine zusätzliche Herausforderung dar.Die Studie untersucht erstmalig die Strukturen der KKI und PSU in deutschen Kliniken mit somatischen Versorgungsauftrag über alle Fachabteilungen hinweg. Analysier-wurden u. a. Verfügbarkeit, strukturelle Merkmale, Zufriedenheit sowie Implementierungsbarrieren.Bundesweite multizentrische Querschnittsstudie mit explorativem Charakter mittels standardisierter Online-Erhebung (Lime-Survey; Juni–Juli 2025).Nach systematischer Datenbereinigung verbleiben 94 auswertbare Datensätze aus 13 Bundesländern (Netto-Rücklaufquote: 9,2%). 78,7% der Kliniken verfügen über Unterstützungsangebot. 70,3% stellen Angebote für alle drei Zielgruppen – Patient:innen, Zu- und Angehörige sowie Mitarbeitende – bereit. Die Teamzusammensetzung ist überwiegend interdisziplinär. Die Bedarfseinschätzung für mitarbeitendenspezifische Angebote fällt mit 47,5% niedriger aus als für Patient:innen (64,6%) und Zu- und Ange-hörige (66,7%). Als Implementierungsbarrieren wurden finanzielle Ressourcen, Personalmangel und fehlende Refinanzierungsmöglichkeiten genannt. Die Rücklaufquote und regionale Verteilung schränken die Generalisierbarkeit ein. Der Feldzugang war aufgrund fehlender Systematisierung und heterogener Organisationsstrukturen erschwert. Eine formale Validitäts- und Reliabilitätsprüfung erfolgte nicht, jedoch wurde der Erhebungsbogen iterativ mittels Pretests optimiert.Die Studie zeigt eine erhebliche Heterogenität vorhandener KKI- und PSU-Strukturen. Es besteht Handlungsbedarf für verbindliche Definitionen, Qualitätsstandards und nachhaltige Finanzierungsmodelle.
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Geschlechtsunterschiede in der Transformationsbereitschaft zur interprofessionellen hausärztlichen Teampraxis

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2854-0128

Interprofessionelle Teampraxen werden als Lösung für die derzeitigen hausärztlichen Versorgungsprobleme angesehen. Da zukünftig ein hoher Anteil der hausärztlich tätigen Personen weiblich sein wird, ist es wichtig, Erwartungen und Bedürfnisse von Frauen in der Allgemeinmedizin zu erheben. Das Ziel der Studie besteht darin, zu untersuchen, inwieweit sich die Geschlechter hinsichtlich ihrer Bereitschaft zur Transformation zu einer Teampraxis unterscheiden.Mit Hilfe von qualitativen Fokusgruppen- und Einzelinterviews wurden Chancen und Barrieren der Teampraxiskonzepte bayerischer Hausärztinnen und Hausärzte (HÄ) erhoben und anhand der framework Methode geschlechtsspezifisch ausgewertet. Anschließend wurden die gewonnenen Erkenntnisse mit Hilfe einer quantitativen Online-Befragung erweitert. Die quantitative Befragung richtete sich an alle HÄ in Bayern.An den qualitativen Interviews nahmen n=37, an der quantitativen Befragung n=336 bayerische HÄ teil. Unabhängig vom Geschlecht zeigte sich eine hohe Transformationsbereitschaft zu interprofessioneller Zusammenarbeit. Männer gaben dabei eher als Frauen an, die Gesamtleitung einer Teampraxis übernehmen zu wollen. Gemeinsame Teamentscheidungen sowie soziale Umstände im Team erachteten hingegen Frauen als wichtiger als Männer.Die geschlechtsspezifische Darstellung der Chancen und Barrieren, von denen HÄ in interprofessionellen Teams ausgehen, kann Realisierungsprojekte zur Erprobung unterstützen. Beispielsweise sollten Pilotierungsprojekte mit Hausärztinnen insbesondere soziale Umstände und die Wertschätzung im Arbeitsteam fokussieren. Für Projekte mit Männern in der Allgemeinmedizin sind vor allem ein Ausbau des Qualitätsmanagements und der Kompetenzen im Bereich Personalführung zu bedenken.
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