Prävention und Prädiktion von Nahrungsmittelallergien auf Instagram: eine systematische Evaluation
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2761-2238
Ausgehend von der zunehmenden Nutzung sozialer Medien und dem
Paradigmenwechsel in der Allergieprävention war es das Ziel, Art und Inhalt
von Instagram-Beiträgen zur Prävention und Prädiktion von
Nahrungsmittelallergien zu untersuchen. Zudem wurde geprüft, inwieweit die
Beiträge die aktuelle S3-Leitlinie Allergieprävention widerspiegeln.In Anlehnung an das Social Media Analytics Framework von Stieglitz und
Dang-Xuan (2013) wurden vom 08.06.-15.06.2023 103 Instagram-Beiträge mittels
Hashtag-Suche identifiziert und aufbereitet. Zur inhaltlichen Auswertung
sowie zur Beschreibung der Verfasser:innen und Adressat:innen wurde eine
inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018) durchgeführt.
Die Bewertung der Aktualität der Inhalte in Bezug auf die aktuelle
S3-Leitlinie Allergieprävention erfolgte mittels einer evaluativen
Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018).Ernährungsberater:innen bildeten mit 31,1% die größte Gruppe der
Verfassenden, während die übrigen Verfassenden in 14 weitere Kategorien
eingeordnet wurden. Hauptadressat:innen der Beiträge sind Eltern (81,6%).
Die auf Instagram verfügbaren Informationen zur Prävention und Prädiktion
von Nahrungsmittelallergien sind heterogen, jedoch mehrheitlich
leitlinienkonform in Bezug auf die Themen Beikosteinführung und Stillen.
Insgesamt 13,2% der Beiträge enthielten Aussagen zur Allergieprävention, die
nicht der aktuellen S3-Leitlinie entsprechen. Dabei handelt es sich
insbesondere um Beiträge zum Stillen, zu hydrolysierter Säuglingsnahrung und
zur Einführung von Beikost, die vor der Veröffentlichung der aktuellen
Leitlinie verfasst wurden. Weitere Themen waren neben Prävention und
Vorhersage auch die Definition von Nahrungsmittelallergien inklusive der
Beschreibung von Ursachen, Allergenen und Kreuzallergien sowie die
Abgrenzung zu Unverträglichkeiten. In den Kommentaren berichteten vor allem
Mütter über ihre Erfahrungen und stellten Fragen zur Beikosteinführung.Präventionsempfehlungen, die sich im Vergleich zur vorherigen Version der
Leitlinie aktualisiert haben, werden auf Instagram häufig nicht in ihrer
aktuellen Form dargestellt. Entsprechend sollten die Inhalte von Nutzenden
kritisch geprüft werden. Weiterer Forschungsbedarf besteht im Bereich der
Nutzer:innenperspektive, insbesondere hinsichtlich des Nutzungsverhaltens
von Eltern und deren Auswirkungen auf die Prävention und Prädiktion von
Nahrungsmittelallergien bei Kindern.
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