Lese-Ansicht

Prävention und Prädiktion von Nahrungsmittelallergien auf Instagram: eine systematische Evaluation

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2761-2238

Ausgehend von der zunehmenden Nutzung sozialer Medien und dem Paradigmenwechsel in der Allergieprävention war es das Ziel, Art und Inhalt von Instagram-Beiträgen zur Prävention und Prädiktion von Nahrungsmittelallergien zu untersuchen. Zudem wurde geprüft, inwieweit die Beiträge die aktuelle S3-Leitlinie Allergieprävention widerspiegeln.In Anlehnung an das Social Media Analytics Framework von Stieglitz und Dang-Xuan (2013) wurden vom 08.06.-15.06.2023 103 Instagram-Beiträge mittels Hashtag-Suche identifiziert und aufbereitet. Zur inhaltlichen Auswertung sowie zur Beschreibung der Verfasser:innen und Adressat:innen wurde eine inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018) durchgeführt. Die Bewertung der Aktualität der Inhalte in Bezug auf die aktuelle S3-Leitlinie Allergieprävention erfolgte mittels einer evaluativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018).Ernährungsberater:innen bildeten mit 31,1% die größte Gruppe der Verfassenden, während die übrigen Verfassenden in 14 weitere Kategorien eingeordnet wurden. Hauptadressat:innen der Beiträge sind Eltern (81,6%). Die auf Instagram verfügbaren Informationen zur Prävention und Prädiktion von Nahrungsmittelallergien sind heterogen, jedoch mehrheitlich leitlinienkonform in Bezug auf die Themen Beikosteinführung und Stillen. Insgesamt 13,2% der Beiträge enthielten Aussagen zur Allergieprävention, die nicht der aktuellen S3-Leitlinie entsprechen. Dabei handelt es sich insbesondere um Beiträge zum Stillen, zu hydrolysierter Säuglingsnahrung und zur Einführung von Beikost, die vor der Veröffentlichung der aktuellen Leitlinie verfasst wurden. Weitere Themen waren neben Prävention und Vorhersage auch die Definition von Nahrungsmittelallergien inklusive der Beschreibung von Ursachen, Allergenen und Kreuzallergien sowie die Abgrenzung zu Unverträglichkeiten. In den Kommentaren berichteten vor allem Mütter über ihre Erfahrungen und stellten Fragen zur Beikosteinführung.Präventionsempfehlungen, die sich im Vergleich zur vorherigen Version der Leitlinie aktualisiert haben, werden auf Instagram häufig nicht in ihrer aktuellen Form dargestellt. Entsprechend sollten die Inhalte von Nutzenden kritisch geprüft werden. Weiterer Forschungsbedarf besteht im Bereich der Nutzer:innenperspektive, insbesondere hinsichtlich des Nutzungsverhaltens von Eltern und deren Auswirkungen auf die Prävention und Prädiktion von Nahrungsmittelallergien bei Kindern.
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Wie barrierefrei sind deutsche Krankenhäuser? Eine Sekundärdatenanalyse der Strukturierten Qualitätsberichte 2019

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2761-2117

Menschen mit Behinderung stoßen in Krankenhäusern auf vielfältige Barrieren, etwa in Form von unzureichender Beschilderung, fehlenden barrierefreien Zugängen und mangelnden Kommunikationshilfen. Trotz gesetzlicher Vorgaben zum Abbau von Barrieren im Gesundheitswesen fehlen strukturierte Informationen zur Barrierefreiheit in deutschen Krankenhäusern.Die vorliegende Studie zielt darauf ab, diese Lücken zu schließen und einen Überblick über die Barrierefreiheit in Krankenhäusern in Deutschland zu geben. Es wurde eine Sekundärdatenanalyse der verpflichtenden Qualitätsberichte 2019 von 2242 Krankenhäusern in Deutschland durchgeführt und 40 Selbstangaben zur Barrierefreiheit aus acht Bereichen mittels deskriptiver Statistik analysiert.Nach den Qualitätsberichten erfüllen die Krankenhäuser im Durchschnitt 17,2 von 40 abgefragten Kriterien zur Barrierefreiheit. Dabei werden Maßnahmen für Sinnes- und geistige Behinderungen seltener vorgehalten als für körperliche Beeinträchtigungen. Viele Krankenhäuser sind weder barrierefrei zugänglich noch bieten sie barrierefreie Kommunikationssysteme an.Die selbstberichtete Barrierefreiheit in deutschen Krankenhäusern steht im Widerspruch zu modernen Standards für eine patientenorientierte Gesundheitsversorgung. Es besteht Entwicklungspotenzial. Weiterer Forschungsbedarf besteht zu Gesundheitseffekten der Barrierefreiheit in Krankenhäusern.
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Testing a model-based approach for planning and regional coordination of hospital service group offerings: A model project in the East Saxony healthcare clusterErprobung eines modellbasierten Ansatzes für die Planung und regionale Abstimmung von Leistungsgruppenangeboten im Krankenhaus: Ein Modellprojekt im Versorgungscluster Ostsachsen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2771-8616

The hospital reform passed in 2024 will lead to regional and nationwide changes in the German hospital landscape. A joint project to examine the effects of the hospital reform on health care structures in the East Saxony region was initiated by the Center for Evidence-Based Health Care (ZEGV) at Dresden University Hospital, the regional health care coordinators of the four districts in the East Saxony care cluster and the city of Dresden, a statutory health insurance provider (AOK PLUS), and other regional stakeholders. In addition, the aim was to promote cooperation between the stakeholders for the purpose of future regionally coordinated planning for inpatient care. The project involved the application and validation of a model displaying a hospital’s relevance for stationary care provision (care relevance model), which was developed in cooperation with the GKV-Spitzenverband (National Association of Statutory Health Insurance Funds) and is based on the performance data of German hospitals in accordance with § 21 KHEntgG (Hospital Remuneration Act). Thirty of the 36 hospital locations in the project region agreed to participate in the project. Both in a questionnaire-based self-assessment provided by the clinics and during a joint cluster conference, the tension between the need for cooperation and individual interests became clear. At this point, the care relevance model developed can scientifically support the dialogue between the stakeholders and thus support inpatient planning.Im Zuge der im Jahr 2024 verabschiedeten Krankenhausreform wird es zu regionalen und deutschlandweiten Veränderungen der Krankenhauslandschaft kommen. Vor diesem Hintergrund wurde ein gemeinsames Projekt des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) der Hochschulmedizin Dresden mit den Regionalkoordinator:innen für Gesundheit der vier Landkreise im Versorgungscluster Ostsachsen und der Stadt Dresden, der AOK PLUS und weiteren regionalen Akteuren initiiert, um die Auswirkungen der Krankenhausreform auf die Versorgungsstrukturen in der Region Ostsachsen zu untersuchen. Zudem sollte die Kooperation zwischen den Akteuren zum Zweck einer zukünftigen regional abgestimmten Planung für die stationäre Versorgung gefördert werden. Im Projekt erfolgte die Anwendung und Validierung eines Versorgungsrelevanzmodells, welches in Kooperation mit dem GKV-Spitzenverband entwickelt wurde und auf den Leistungsdaten deutscher Krankenhäuser nach § 21 KHEntgG basiert. Dreißig von 36 Krankenhausstandorten in der Projektregion konnten für eine Teilnahme am Projekt gewonnen werden. Sowohl in einer fragebogengestützten Selbstauskunft der Kliniken als auch im Rahmen der zusammenführenden Clusterkonferenz wurde das Spannungsfeld zwischen Kooperationsnotwendigkeiten und Partikularinteressen deutlich. An dieser Stelle kann das entwickelte Versorgungsrelevanzmodell den Dialog zwischen den Akteuren wissenschaftlich begleiten und so die stationäre Planung unterstützen.
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Zwischen maximalem Einsatz und Herausforderungen: Interdisziplinäre Netzwerke in der ambulanten Palliativversorgung im Modell Westfalen-Lippe – Ergebnisse einer qualitativen Studie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2801-0534

Die Palliativversorgung in Westfalen-Lippe zeichnet sich durch ein interdisziplinäres Netzwerk von Palliativmedizinischen Konsiliardiensten aus, das die Versorgung ohne strikte Unterscheidung zwischen Allgemeiner Ambulanter Palliativversorgung und Spezialisierter Ambulanter Palliativversorgung ermöglicht. Ziel dieser Studie war es, die Besonderheiten und Herausforderungen dieser Netzwerkarbeit zu analysieren.In einer qualitativen Studie innerhalb des VESPAL-Projekts (VESPAL – Versorgungsqualität in der ambulanten Palliativversorgung am Beispiel von Westfalen-Lippe) wurden 50 Versorger*innen im Palliativversorgungsmodell Westfalen-Lippe mithilfe von Einzelinterviews und Fokusgruppen interviewt. Zusätzlich wurden vorab nicht-teilnehmende Beobachtungen durchgeführt, um die Versorgungsrealität besser abbilden zu können. Anschließend wurden die Beobachtungen und Interviews mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse in Anlehnung an Kuckartz mit der Software MAXQDA ausgewertet.Die Versorger*innen betonten die Vorteile der interdisziplinären Zusammenarbeit, die schnelle Lösungen und eine individuelle und bedarfsgerechte Betreuung der Patient*innen ermögliche. Herausforderungen ergäben sich durch Rufbereitschaft, Koordinationsprobleme und logistische Schwierigkeiten, insbesondere im ländlichen Raum.Das Modell der Palliativversorgung in Westfalen-Lippe bietet eine flexible, bedürfnisorientierte Versorgung mit kurzen Dienstwegen und vernetzten Teams, erfordert jedoch Anpassungen, um die Kommunikation und Koordination zu verbessern.
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Kausale Inferenz in der Versorgungsforschung: Konzepte, Methoden und AnwendungsperspektivenCausal inference in health services research: concepts, methods and application perspectives

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2765-8811

Health services research faces the challenge of providing sound recommendations for action for the further development of health systems and care. The application of causal inference methods offers health services researchers an excellent opportunity to identify causal relationships under everyday conditions. The role of clinical trials with a classic randomised controlled trial (RCT) design is recognised as suitable for gaining insights that help establish causal inference, but other methodological approaches to generating evidence also play an important role in health services research.The discussion paper presents key concepts and assumptions of causal inference and highlights their relevance for health services research. The paper makes it clear that in order to fulfil the assumptions, it is necessary to integrate theory, contextual knowledge, understanding of mechanisms and formal concepts, such as directed acyclic graphs (DAGs), into a suitable empirical study design. To this end, RCTs, quasi-experimental methods, causal machine learning, target trial emulation, in silico trials and the mixed-methods approach of integrated inference are presented and discussed in terms of their applicability in health services research and their internal and external validity.All of the approaches presented here can contribute to the estimation of causal effects when used in a targeted manner and in accordance with the central assumptions. Their suitability depends largely on the research question, data quality, theoretical modelling and contextual knowledge. The combination of complementary designs and high quality data sources can increase the robustness of causal conclusions.Causal inference in health services research is not only a methodological procedure, but an integrative process that systematically combines theory, methodology and contextual knowledge. By consistently linking these aspects, health services research can generate differentiated and actionable insights that go beyond correlative analyses and enable an understanding of the mechanisms of causal processes. This can lead, for example, to evidence-supported recommendations that critically examine the often non-evidence-based status quo and reliably evaluate the benefits of new models.Die Versorgungsforschung steht vor der Herausforderung, fundierte Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung von Gesundheitssystem und -versorgung zu geben. Die Anwendung von Methoden der kausalen Inferenz bietet Versorgungsforschern eine exzellente Möglichkeit, um kausale Zusammenhänge unter Alltagsbedingungen zu identifizieren. Die Rolle von klinischen Studien mit klassisch randomisiert-kontrolliertem Studiendesign (RCTs) wird in der Erkenntnisgewinnung für die Feststellung kausaler Inferenz anerkannt, jedoch haben in der Versorgungsforschung weitere methodische Ansätze zur Evidenzgenerierung eine wichtige Rolle.Das Diskussionspapier stellt zentrale Konzepte und Annahmen der kausalen Inferenz dar und beleuchtet deren Relevanz für die Versorgungsforschung. Das Papier verdeutlicht, dass für die Erfüllung der Annahmen die Integration von Theorie, Kontextwissen, Mechanismenverständnis und formalen Konzepten, wie etwa die Directed Acyclic Graphs (DAGs), in ein passendes empirisches Studiendesign notwendig ist. Dazu werden u. a. RCTs, quasi-experimentelle Methoden, Causal Machine Learning, Target-Trial Emulation, In-Silico Trials sowie der Mixed-Methods-Ansatz der integrierten Inferenz vorgestellt und im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit in der Versorgungsforschung und ihrer internen und externen Validität diskutiert.Alle vorgestellten Ansätze können bei gezieltem Einsatz und unter Beachtung der zentralen Annahmen einen Beitrag zur Schätzung kausaler Effekte leisten. Ihre Eignung ist maßgeblich abhängig von Fragestellung, Datenqualität, theoretischer Modellbildung und Kontextwissen. Die Kombination komplementärer Designs und qualitativ hochwertiger Datenquellen kann die Robustheit kausaler Schlussfolgerungen erhöhen.Kausale Inferenz in der Versorgungsforschung ist nicht nur ein methodisches Verfahren, sondern ein integrativer Prozess, der Theorie, Methodologie und Kontextwissen systematisch verbindet. Durch die konsequente Verknüpfung dieser Aspekte kann die Versorgungsforschung differenzierte und handlungsrelevante Erkenntnisse generieren, die über korrelative Analysen hinausgehen und ein Verständnis der Mechanismen kausaler Prozesse ermöglichen. So können z. B. evidenzgestützte Empfehlungen entstehen, die den oft nicht evidenzbasierte Status quo kritisch prüfen und den Nutzen neuer Modelle zuverlässig bewerten.
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Cross-sectoral physical activity-related health services: a qualitative study on the tasks and competencies in network coordination using the example of the Network ActiveOncoKids (NAOK)

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2786-4697

Pediatric cancer leads to various health issues that call for long-term, cross-sectoral aftercare. Physical activity and exercise are effective regarding many outcomes, but remain underused in pediatric oncology. Initiatives like the German ActiveOncoKids network (NAOK) aim to integrate physical activity into usual care. Effective cross-sectoral networks require coordination and leadership. NAOK has made recent advancements in network coordination. This study aimed to better understand the role of network coordination to strengthen future network development and explored the tasks of network coordination and the required competencies from the viewpoint of NAOK stakeholders.In an exploratory approach, qualitative, partly structured interviews were led with 23 stakeholders of NAOK: members of the project team and the advisory board, physicians and exercise therapists from acute clinics and aftercare as well as affected families. The interviews were analyzed using structuring content analysis with concurrent deductive and inductive creation of main categories, dimensions and expressions.Based on the interviews, 3 main categories were created: current tasks on an organizational level, current tasks on an individual level and required competencies with 11 dimensions and 33 expressions overall. Regarding organizational-level tasks, network management as well as public relations were mentioned. Additionally, contact with locations such as clinics and both research and implementation efforts were stressed. Tasks at the individual level were identified by interviewees in counseling for both affected families as well as professionals. Mentioned competencies stretched across professional, socio-communicative and personal ones.The findings provide first insights into tasks and competencies in network coordination at NAOK. Both tasks and competencies that are being mentioned are very broad, which reflects the nature of pediatric oncology and cross-sectoral physical activity promotion. The study offers hints for future task allocation of network coordination and indicates the need for a competency framework.
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Regionale Charakteristika der Diagnosehäufigkeit unter im Ärztlichen Dienst der Bundesagentur für Arbeit begutachteten Arbeitslosen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2754-1400

Grundsätzlich besteht ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und der Gesundheit der von Arbeitslosigkeit Betroffenen. Für Deutschland fehlen für diesen Zusammenhang aktuelle Daten, insbesondere auf der Basis ärztlich gestellter Diagnosen und unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten.Bundesweit wurden alle sozialmedizinischen Begutachtungen des Ärztlichen Dienstes der Bundesagentur für Arbeit zwischen 2016–2021 hinsichtlich Diagnosen, Beurteilung der Leistungsfähigkeit und regionaler Zuordnungen analysiert.Insgesamt wurden 4.249.028 Begutachtungen ausgewertet. Im Jahr 2021 wurden durchschnittlich 1,4% der erwerbsfähigen arbeitslosen Personen begutachtet, relativ am meisten in der Region Berlin-Brandenburg (1,9%), absolut am meisten in Nordrhein-Westfalen (19,2%). Relativ zur Arbeitslosenquote fanden die meisten Begutachtungen in Baden-Württemberg statt. In allen Regionen sind F-Diagnosen (psychische Erkrankungen) am häufigsten – vor allem bei den unter 25-Jährigen (3/4) und in Berlin-Brandenburg (62,4%). Am zweithäufigsten sind M-Diagnosen (muskulo-skelettale Erkrankungen) mit den höchsten Werten (35,9%) in Niedersachsen-Bremen und I-Diagnosen (Herz-/Kreislauferkrankungen) mit den höchsten Werten (14,8%) in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Während die gesamte Krankheitslast in Nordrhein-Westfalen am höchsten liegt, hat Berlin-Brandenburg mit 40,7% die höchste Anzahl von leistungsunfähigen arbeitslosen Personen, wobei bundesweit insgesamt 33,9% aller begutachteten arbeitslosen Personen als leistungsunfähig (<3 Stunden arbeitsfähig/Tag) eingestuft wurden.Erkrankungen sind ein wichtiges Hindernis für das Durchbrechen von Arbeitslosigkeit. Entsprechend kann eine Behandlung helfen, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Die hier aufgezeigten regionalen Varianzen weisen auf nur schwer erklärbare Unterschiede hin.
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Zufriedenheit mit der Patientenbegleitung durch Schlaganfall-Lotsen – Befragungsergebnisse aus Betroffenenperspektive

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2776-2308

Viele Schlaganfall-Betroffene sind mit der Steuerung und Aufrechterhaltung ihrer komplexen Versorgung und Therapie in der Nachsorge überfordert [1]. Schlaganfall-Lotsen unterstützen und koordinieren den Übergang in die Nachsorge und stehen den Betroffenen für 12 Monate nach dem Schlaganfall, zu mindestens sechs Kontaktzeitpunkten, als Ansprechpartner zur Verfügung.Postalische Befragung von Schlaganfall-Betroffenen, die im Rahmen eines Selektivvertrages nach §140 SGB V in Ostwestfalen-Lippe durch Lotsen begleitet wurden. Berichtet werden die Ergebnisse der aktuellen Befragung (n=101) und in Summe die Gesamtergebnisse aller bisher befragten Personen (n=335), die durch einen Schlaganfall-Lotsen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe begleitet wurden.Die Begleitung durch einen Schlaganfall-Lotsen wird von den Betroffenen als nützliche und sinnvolle Unterstützung wahrgenommen. Die kumulierte Zufriedenheit (Zustimmung oder volle Zustimmung auf einer vierstufigen Likert-Skala) in Bezug auf die Kontakthäufigkeit (96%), die Erreichbarkeit (95%) und den persönlichen Umgang mit Betroffenen und ggf. Angehörigen (98%) wird sehr positiv bewertet. 82% der Befragten geben als größte wahrgenommene Unterstützung das Vorhandensein eines persönlichen Ansprechpartners an. Zudem melden die Betroffenen zurück, dass die Lotsen einen Einfluss auf die Achtsamkeit und den Umgang mit Risiko- und Lebensstilfaktoren haben. Es besteht eine hohe Zufriedenheit mit der Begleitung und die Befragten empfehlen auf Grund ihrer Erfahrungen eine Übernahme der Intervention in die Regelversorgung für alle Schlaganfall-Betroffenen (99%).Die entwickelte Intervention wird von den Betroffenen gut angenommen und führt zu einer Entlastung für Betroffene und Angehörige. Eine hohe Akzeptanz auf Seiten der Betroffenen und eine bedarfsgerechte Ausgestaltung der Lotsentätigkeit stellt eine zentrale Voraussetzung zur bundesweiten Etablierung von Schlaganfall-Lotsen in der Regelversorgung dar und ergänzt die bisherigen Ergebnisse des Lotsenmodells um den zentralen Aspekt der Betroffenenperspektive.
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Gute Kartographische Praxis im Gesundheitswesen – Kurzfassung der Version 2

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2778-0259

In gesundheitswissenschaftlichen Studien und der Gesundheitsberichterstattung werden zunehmend Karten aufgrund des wachsenden Interesses an regionalen Fragestellungen verwendet. Bei fehlenden methodischen Kenntnissen für die Erstellung von Karten können Probleme bei der Interpretation kartographischer Darstellungen entstehen. Aufgrund dessen wurde von einem Expertenkreis aus Geographie, Kartographie, Epidemiologie und Gesundheitswissenschaften die „Gute Kartographische Praxis im Gesundheitswesen (GKPiG)“ entwickelt und einer ersten Revision unterzogen. Diese dient als Orientierungshilfe zur Erstellung und Interpretation von Karten mit gesundheitlichem Bezug nach aktuellen wissenschaftlichen Standards. Vor der eigentlichen Kartenerstellung erfolgt die Planung der Karte, um die Rahmenbedingungen und Anforderungen an die Darstellungsform der Karte festzulegen. Diese umfasst die Definition der Zielsetzung, des Mediums und der Zielgruppe. Der weitere Arbeitsprozess gliedert sich in die Arbeitsvorbereitung, die Datenaufbereitung sowie den Erstellungsprozess der Karte, welcher in mehrere Teilaspekte subsummiert ist. Für jede dieser Arbeitsphasen wurden spezifische Empfehlungen zur Umsetzung erarbeitet. Zur Nachvollziehbarkeit der Karte sollten Hinweise zum Verständnis der Karte gegeben werden, um Endnutzer*innen die Interpretation zu erleichtern. Entsprechende Empfehlungen für die Umsetzung wurden ebenfalls formuliert.
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E-Zigaretten – Fallstrick bei der Belohnung des Rauchstopps in der Schwangerschaft?

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2776-2650

Im Pilotprojekt „Materielle Bonifizierung des Rauchstopps in der Schwangerschaft“ wird eine Intervention aus Belohnung und psychosozialer Unterstützung bei rauchenden Frauen ab der 15. Schwangerschaftswoche erprobt. Eine Belohnung von 25 € wird ausgezahlt, wenn an zwei Tagen einer Woche, der Kohlenmonoxidgehalt (=CO-Wert) maximal 4 Teilchen pro einer Million Teilchen in der Ausatemluft beträgt. Anhand des Fallbeispiels von Frau T. wird nachgewiesen, dass der CO-Wert zu Validierung von Selbstaussagen, durch den potenziellen Umstieg auf Tabak- und Nikotinprodukte ohne klassische Verbrennung wie E-Zigaretten, nicht geeignet ist. Als Alternativen gelten der Nachweis von Kotinin als Abbauprodukt des Nikotins im Speichel oder im Urin. Deren Akzeptanz ist bei Betroffenen und denjenigen, die sie anwenden, bislang nicht gut untersucht. Methoden der Validierung von Selbstaussagen zum Rauchstatus in der Schwangerschaft sowie generell in der Tabakentwöhnung, sind an Produktentwicklungen anzupassen. Dies ist notwendig um Fehlanreize, wie bei Frau T. zu vermeiden und ein zuverlässiges Monitoring des Rauchstatus’ in der Tabakentwöhnung zu gewährleisten.
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‘It’s okay!’ – underestimated needs and lack of information regarding informal caregiver counselling„Es geht schon!“ – unterschätzter Bedarf und mangelnde Information bezüglich der Pflegeberatung bei pflegenden Angehörigen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2770-7720

Since 2009, informal caregivers (CGs) have been able to obtain information on support options and receive initial relief through consultation as part of informal caregiver counselling (ICC) in accordance with § 7a SGB XI. However, this offer has been used infrequently, and scientific evidence on non-users is lacking.The data were obtained from the cross-sectional study ‘Progress in Home Care (ProCare)’ and constituted a representative sample of CGs caring for care receivers (CRs) who were covered by statutory insurance in Bavaria (n=2,824). The analysis of use was based on Bradshaw’s taxonomy of social need. The characteristics of (non-)users of ICC were identified descriptively (expressed need), and difference and regression analyses were computed (comparative need). For non-users of ICC, the reasons for non-use were evaluated (felt need), and the subjective and objective need for using ICC were compared (felt vs. normative need). Furthermore, information sources on care-related topics were analysed for CGs who were not aware that they were entitled to ICC.ICC was used by 20.97% (n=593) of CGs in the previous three months, of whom 85.91% stated that they benefited from the ICC. Multivariate binary logistic regression revealed that CGs of CRs who were older (OR=1.01) or had a higher level of care (OR=1.33) or dementia (OR=1.30) used ICC more frequently. Functional coping was also associated with more frequent use (OR=1.10). 53.99% of non-users stated that they had no need for ICC to date. However, only 36.73% of this group demonstrated no normative need. CGs who were not yet aware of ICC can be reached in the future via the Internet and social media (55.92%), doctors (53.13%), and their immediate environment (49.65%).The high level of satisfaction with ICC highlights its potential, underscoring the necessity for its utilisation to be augmented. In order to prevent high burden at an early stage, preventative, ongoing use should be achieved instead of the current late utilisation and functional coping strategies of CGs should be strengthened. Additionally, there is a large discrepancy between objective and subjective perceptions of CGs burden and associated needs, as well as a lack of knowledge about ICC. In order to raise awareness in CGs, a wider range of targeted information sources should be used.Seit 2009 können pflegende Angehörige (pA) sich im Rahmen der Pflegeberatung (PB) nach § 7a SGB XI über passende Unterstützungsmöglichkeiten informieren und eine erste Entlastung durch ein Gespräch erhalten. Dieses Angebot wird bisher jedoch wenig genutzt und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu den Nicht-Nutzenden fehlen.Die Daten stammen aus der Querschnittsstudie „Fortschritt in der häuslichen Pflege (ProCare)“ und bilden eine repräsentative Stichprobe der pA von gesetzlich versicherten Pflegebedürftigen (pP) aus Bayern (N=2824). Die Analyse der Nutzung erfolgte in Anlehnung an „Bradshaw‘s taxonomy of social needs“. Charakteristika der (Nicht-)Nutzenden der PB wurden deskriptiv herausgearbeitet (expressed need) sowie Unterschieds- und Regressionsanalysen durchgeführt (comparative need). Bei den Nicht-Nutzenden wurden die Gründe der Nicht-Nutzung ausgewertet (felt need) und der subjektive und objektive Bedarf für die Nutzung einer PB verglichen (felt vs. normative need). Zudem wurden Informationsquellen pflegerelevanter Themen der pA analysiert, die nicht von ihrem Anspruch auf eine PB wussten.Die PB wurde in den letzten 3 Monaten von 20,97% (n=593) der pA genutzt, von diesen gaben 85,91% an, von der PB profitiert zu haben. Die multivariate binär-logistische Regression zeigte: pA von pP, die älter waren (OR=1,01), einen höheren Pflegegrad (OR=1,33) oder eine Demenz (OR=1,30) aufwiesen, nutzten häufiger eine PB. Auch funktionales Coping war mit einer häufigeren Nutzung (OR=1,10) assoziiert. 53,99% der Nicht-Nutzenden gaben an, bisher keinen Bedarf für die PB zu haben. Von dieser Gruppe zeigten allerdings nur 36,73% keinen normative need. Bisher nicht von der PB wissende pA könnten in Zukunft vor allem über das Internet und soziale Medien (55,92%), Ärzt*innen (53,13%) und das direkte Umfeld (49,65%) erreicht werden.Die hohe Zufriedenheit mit der PB verdeutlicht deren Potential, weshalb die Nutzungsrate weiterhin gesteigert werden sollte. Um schon früh einer hohen Belastung vorzubeugen sollte dazu, statt der aktuell späten Inanspruchnahme, eine präventive, begleitende Nutzung erfolgen sowie die funktionalen Copingstrategien von pA gezielt gestärkt werden. Darüber hinaus besteht eine Diskrepanz zwischen der objektiven und subjektiven Einschätzung der eigenen Belastung und des damit verbundenen Bedarfs sowie eine Unkenntnis über die PB. Um pA entsprechend zu sensibilisieren und aufzuklären, bedarf es der Nutzung eines breiteren Spektrums an gezielten Informationsquellen.
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Geschlechtersensible Medizin – Regionale und zeitliche Analyse der Letalität von Frauen und Männern mit Myokard-Infarkt

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2796-4998

Epidemiologische Kennzahlen bilden die statistische Grundlage für medizinische Forschungsfragen und haben einen Einfluss auf die subjektive Bewertung der Relevanz eines Forschungsthemas. Zeitliche, monetäre und humane Ressourcen werden eingesetzt, um ergebnisbasiert die medizinische Versorgung zu verbessern. Kennzahlen wie Morbidität und Mortalität werden vorrangig berichtet und geben Auskunft über die Anzahl der Krankheits- und Sterbefälle in Bezug auf die Gesamtbevölkerung. Was ist aber mit der Letalität? Diese beschreibt die Anzahl der verstorbenen Fälle als Anteil der Zahl der tatsächlich erkrankten Fälle. Aus geschlechtersensibler Sicht ist die Kenntnis der 30-Tage Letalität wichtig, um medizinische Behandlungserfolge sowohl beim weiblichen Geschlecht und beim männlichen Geschlecht im Vergleich beurteilen zu können. Wie sieht es mit der aktuellen Datengrundlage aus, um eine regionale und zeitliche Analyse der Letalität von Frauen und Männern mit Myokardinfarkt (AMI) in Deutschland durchführen zu können?Eine systematische PubMed-Recherche (PRISMA, 28.01.2025) identifizierte Publikationen (2017–2025) zur geschlechterspezifischen 28-Tage-Letalität nach AMI, die Evidenz wurde nach GRADE bewertet. Zusätzlich erfolgte eine Sekundäranalyse öffentlich zugänglicher Daten (Destatis, MONICA/KORA, RHESA, GBE-Bund). Fälle wurden per ICD-10 I21.0–I21.9 definiert. Ergebnisse Die Recherche identifizierte 18 relevante Publikationen. Drei Studien mit hoher methodischer Qualität (AOK, MONICA/KORA, GBE-Bund) zeigen konsistent eine höhere 28-Tage-Letalität bei Frauen (RR 1,12–1,30), vor allem<60 Jahre; in höheren Altersgruppen gleichen sich die Werte an. Regionale Unterschiede sind ausgeprägt: ostdeutsche Länder weisen höhere Letalitätsraten auf (z. B. Brandenburg 19%, Berlin 12%).Die Ergebnisse zeigen eine rudimentäre Datenlage zur Sterblichkeit an einem AMI 30 Tage nach der Diagnosestellung. Bisherige bekannte Erkenntnisse wie eine frühere Diagnosestellung bei Männern, Unterschiede in den Risikofaktoren und Behandlungsdisparitäten, können die beobachteten Trends zum Teil erklären. Allerdings fehlen evidenzbasierte tiefergehende Analysen und insbesondere Daten, die geschlechter- und altersspezifische Analysen überhaupt erst möglich machen. Eine konsequente Einbindung poststationärer Verlaufsdaten ist damit unerlässlich, um die Versorgungsqualität vollständig abzubilden und gezielte, geschlechtersensible Präventions- und Behandlungsstrategien zu entwickeln.
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Sprachtherapie und Ergotherapie bei Demenz und leichten kognitiven Beeinträchtigungen: Analyse der Versorgungslage in Deutschland auf Basis von Routinedaten

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2800-8106

Nicht-medikamentöse Therapien wie Sprachtherapie und Ergotherapie gelten als wichtige Bestandteile der Versorgung von Menschen mit Demenz und leichten kognitiven Beeinträchtigungen. Daten zur tatsächlichen Nutzung dieser Leistungen in der Regelversorgung fehlen bislang. Ziel dieser Arbeit ist es, die Inanspruchnahme dieser Angebote auf Basis von Routinedaten zu untersuchen.Basierend auf Routinedaten der Forschungsdatenbank des Instituts für angewandte Gesundheitsforschung Berlin (InGef) (2017–2022) wurden unter Berücksichtigung der jährlichen Prävalenz von Demenz/leichten kognitiven Beeinträchtigungen die jährlichen Leistungsdichten von Sprachtherapie und Ergotherapie berechnet und länderspezifisch analysiert. Zudem wurden alle Personen mit Erstdiagnose im Jahr 2017 im Rahmen einer Längsschnittstudie über die folgenden fünf Jahre in Hinblick auf die Inanspruchnahme therapeutischer Leistungen verfolgt.Die 6-Jahres-Prävalenz betrug 5,1%, im Jahresdurchschnitt wurden n=85.496 Personen mit Demenz/leichten kognitiven Störungen identifiziert. Die durchschnittlichen Leistungsdichten lagen bei 2,5% für Sprachtherapie und 7,0% für Ergotherapie. Nordrhein-Westfalen wies die höchste, Bremen die niedrigste Leistungsdichte auf. Im Längsschnitt erhielten 9,4% der Betroffenen (n=13.746) mindestens eine Verordnung. Die Inanspruchnahme sank mit zunehmender Erkrankungsdauer, während die Häufigkeit von Hausbesuchen zunahm.Trotz etablierter Leitlinienempfehlungen werden Sprachtherapie und Ergotherapie bei Personen mit Demenz oder leichter kognitiver Beeinträchtigung bundesweit wenig genutzt. Um Versorgungslücken zu schließen, sollten Informationsangebote für beteiligte Akteur/-innen sowie interdisziplinäre Behandlungspfade etabliert und in die Regelversorgung implementiert werden.
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Auswirkungen der zunehmenden Teilung von psychotherapeutischen Praxissitzen auf die Versorgungskapazität

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2752-0250

Die Teilung von Praxissitzen in 2 hälftige hat insbesondere bei psychotherapeutischen Versorgungsaufträgen stark zugenommen. Bisher wurde nicht systematisch untersucht, welche Auswirkungen die Teilung der Kassenartsitze auf die Versorgungskapazitäten hat.In einer anonymen Befragung von 132 Berliner Psychotherapiepraxen wurden die wöchentlich durchgeführten Patientenbehandlungsstunden differenziert in Sprechstunden, Akuttherapie und Richtlinienpsychotherapie erfragt. Es wurden Praxen mit vollem oder hälftigem Versorgungsauftrag verglichen.40 Praxen mit vollem und 92 Praxen mit hälftigem Versorgungsauftrag haben an der Studie teilgenommen. Bei 2 hälftigen Versorgungsaufträgen wurden mit einem Mittelwert von insgesamt 43 (SD 10,4) Behandlungsstunden pro Woche 57% mehr Stunden erbracht als mit 27,2 (SD 8,8) Stunden bei vollem Versorgungsauftrag. Für alle Leistungsarten Sprechstunden, Akuttherapie und Richtlinienpsychotherapie, wurden auf 2 hälftigen Zulassungen 104%, 91% bzw. 60% mehr Stunden pro Woche angeboten als bei vollem Versorgungsauftrag.Das Zusammentreffen von individuellen Interessen der Praxisinhaber*innen, der Schwierigkeit eine Zulassung zur Versorgung zu bekommen und dem steigendem Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung, führt durch die zunehmende Teilung der Versorgungsaufträge zu zusätzlichen psychotherapeutischen Kapazitäten, die einen Beitrag zur Sicherstellung der psychotherapeutischen Versorgung liefern.
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Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany

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Arbeitsorganisatorische Strategien und Maßnahmen zum Pandemiemanagement in der (akut-)stationären Pflege: Ergebnisse von Szenario-Workshops

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2764-6645

Ziel des Szenario-Workshops war es, in einem trans- und interdisziplinären Diskurs geeignete Maßnahmen und Strategien zu entwickeln, die das Pandemiemanagement in (akut-)stationären Pflegeeinrichtungen verbessern und somit zur Entlastung beruflich Pflegender beitragen können.Es wurden zwei Szenario-Workshops durchgeführt, einer für den Bereich der Akutpflege und einer für den der Langzeitpflege. Die Workshops folgten einem kollaborativen, transdisziplinären Ansatz, der Perspektiven aus der Pflegepraxis, -forschung und relevanten Institutionen integrierte. Mithilfe von Methoden der Zukunftsforschung wie „Futures Wheel“ oder „Ideation Canvas“ wurden potenzielle Ansatzpunkte zur Optimierung des Pandemiemanagements entwickelt. An den zweitägigen Workshops nahmen insgesamt 38 Teilnehmende teil (Akutpflege: 18; Langzeitpflege: 20)Die Teilnehmenden erarbeiteten Ergebnisse auf struktureller und arbeitsorganisatorischer Ebene sowie kurz- und langfristig wirksame Maßnahmen und Strategien. Zentrale Erkenntnisse betrafen Themenfelder wie Kommunikation, interne Organisation, Schnittstellenmanagement und der Einbezug von Pflegepraktiker:innen. Beispiele sind die (politische) Stärkung der Pflege und deren Partizipation, der Aufbau digitaler und interdisziplinärer Strukturen sowie von Skill-Grade-Mix-Teams. In beiden Workshops wurden eine verbindliche pflegerische Interessensvertretung und klare Kompetenzregelungen für den Pflegeberuf gefordert.Effektives Krisenmanagement in stationären Pflegeeinrichtungen erfordert einen systemischen Ansatz, der Maßnahmen auf allen Ebenen (Mikro, Meso, Makro) integriert. Ein koordiniertes Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft und Praxis ist entscheidend, um die Resilienz des Systems zu stärken und die Arbeitsbedingungen in den Gesundheitseinrichtungen langfristig zu verbessern.
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Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany

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