Zeitlicher Versatz von Diagnoseinformationen aus unterschiedlichen Datenquellen in Data-Linkage-Projekten: Ein Problem? Eine Analyse am Beispiel von ADHS-Diagnosedaten aus dem Projekt INTEGRATE-ADHD
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2918-2975
Im Projekt INTEGRATE-ADHD wurden Routinedaten einer gesetzlichen Krankenkasse
(DAK-Gesundheit) mit Daten aus einer Onlinebefragung und einer klinischen
Online-Diagnostik verknüpft. Zwischen der Dokumentation einer ADHS-Diagnose
eines Kindes in den Routinedaten und dem Elternbericht der Diagnose bei der
Befragung lagen mindestens neun und höchstens 32 Monate. Die klinische
Online-Diagnostik erfolgte nach AWMF-S3-Leitlinienstandard im Abstand von
weiteren drei bis fünf Monaten nach der Befragung. Nur etwa zwei Drittel der
Eltern hatten die ADHS-Diagnose des Kindes bei der Onlinebefragung berichtet und
nur knapp zwei Drittel der administrativen ADHS-Diagnosen wurden in der
Online-Diagnostik klinisch bestätigt. Diese Studie untersucht auf Basis der
Daten von 1355 Kindern und Jugendlichen mit inzidenter ADHS-Diagnose mittels
deskriptiver Statistiken und logistischer Regression, ob der zeitliche Versatz
zwischen dem Dokumentationszeitpunkt der Diagnose und dem Elternbericht in der
Befragung respektive der Diagnose in der klinischen Untersuchung, etwa aufgrund
von Recall-Bias der Eltern oder Veränderungen in der Symptompräsentation bei
betroffenen Kindern, die Diskrepanzen zwischen den jeweiligen Diagnosedaten
erklären kann. Der Kodierzeitpunkt der Diagnose ließ sich mit dem Beginn- und
Enddatum des Behandlungszeitraums, in dem die Diagnose dokumentiert wurde,
approximieren. Im Anschluss wurde der Effekt des zeitlichen Versatzes deskriptiv
und multivariat analysiert. Auch bei unterschiedlicher Approximation des
Kodierzeitpunkts zeigte sich kein statistischer Zusammenhang zwischen dem
zeitlichen Versatz und den Diskrepanzen zwischen den jeweiligen Diagnosedaten.
Damit ergaben sich in den vorliegenden Analysen keine Hinweise darauf, dass ein
zeitabhängiger Recall-Bias der Eltern oder Veränderungen der Symptompräsentation
mit nicht berichteten bzw. klinisch nicht bestätigten ADHS-Diagnosen assoziiert
sind.
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