Ressourcenbedarf und telemedizinisches Potenzial im Ärztlichen Bereitschaftsdienst: Eine explorative Befragung unter Ärzten
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2745-8944
Der Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) ist Teil des gesetzlichen
Sicherstellungsauftrags der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und
gewährleistet die ambulante Versorgung außerhalb regulärer
Sprechstundenzeiten. Trotz koordinierter Erreichbarkeit über die Rufnummer
116117 bestehen strukturelle und qualitative Unterschiede in der
Ausgestaltung des ÄBD, insbesondere im Hinblick auf apparative Ausstattung
und personelle Ressourcen. Vor dem Hintergrund zunehmender Erwartungen an
eine sektorenübergreifende Versorgung und dem bestehenden Fachkräftemangel
stellt sich die Frage, welche im ÄBD fehlenden Ressourcen zu vermeidbaren
Notaufnahmeeinweisungen führen und inwieweit telemedizinische Optionen aus
ärztlicher Sicht zur Entlastung beitragen können.Die Datenerhebung erfolgte zwischen 01.06.2023–31.08.2023 mittels einer
anonymisierten online Fragebogenerhebung nach Einladung durch die KVen. Der
Fragebogen umfasste Angaben zu demografischen und beruflichen
Charakteristika, zum Ressourcenbedarf im ÄBD sowie der Nutzung und dem
Potenzial von telemedizinischen Angeboten im ÄBD. Die Auswertung erfolgte
deskriptiv und analytisch.Insgesamt nahmen 4052 im ÄBD tätige Ärzte teil. Fehlende Ressourcen, die eine
Einweisung zur Folge haben, waren Labordiagnostik, Sonografie und eine
andere Fachexpertise. Das höchste Potenzial für telemedizinische Angebote
sahen die Ärzte für die fachliche Rücksprache zu Erkrankungsbildern und
Therapien sowie der radiologischen Befundung. Knapp 67% der Ärzte gaben an,
dass Hausbesuche durch nichtärztliches Personal mit telemedizinischer
Unterstützung umsetzbar wären.Der gezielte Einsatz telemedizinischer Anwendungen und der Zugang zu
diagnostischen Ressourcen können aus Sicht der befragten Ärzte den ÄBD
stärken und unnötige Einweisungen vermeiden. Besonders bei fachlichen
Konsultationen, Diagnostik und der Unterstützung nichtärztlicher Hausbesuche
sehen sie großes Potenzial – auch als Beitrag zur Lösung des
Fachkräftemangels. Voraussetzung ist jedoch eine differenzierte
Implementierung unter Berücksichtigung rechtlicher, technischer, personeller
und finanzieller Rahmenbedingungen.
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