Sprachtherapie und Ergotherapie bei Demenz und leichten kognitiven Beeinträchtigungen: Analyse der Versorgungslage in Deutschland auf Basis von Routinedaten
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2800-8106
Nicht-medikamentöse Therapien wie Sprachtherapie und Ergotherapie gelten als
wichtige Bestandteile der Versorgung von Menschen mit Demenz und leichten
kognitiven Beeinträchtigungen. Daten zur tatsächlichen Nutzung dieser
Leistungen in der Regelversorgung fehlen bislang. Ziel dieser Arbeit ist es,
die Inanspruchnahme dieser Angebote auf Basis von Routinedaten zu
untersuchen.Basierend auf Routinedaten der Forschungsdatenbank des Instituts für
angewandte Gesundheitsforschung Berlin (InGef) (2017–2022) wurden unter
Berücksichtigung der jährlichen Prävalenz von Demenz/leichten kognitiven
Beeinträchtigungen die jährlichen Leistungsdichten von Sprachtherapie und
Ergotherapie berechnet und länderspezifisch analysiert. Zudem wurden alle
Personen mit Erstdiagnose im Jahr 2017 im Rahmen einer Längsschnittstudie
über die folgenden fünf Jahre in Hinblick auf die Inanspruchnahme
therapeutischer Leistungen verfolgt.Die 6-Jahres-Prävalenz betrug 5,1%, im Jahresdurchschnitt wurden n=85.496
Personen mit Demenz/leichten kognitiven Störungen identifiziert. Die
durchschnittlichen Leistungsdichten lagen bei 2,5% für Sprachtherapie und
7,0% für Ergotherapie. Nordrhein-Westfalen wies die höchste, Bremen die
niedrigste Leistungsdichte auf. Im Längsschnitt erhielten 9,4% der
Betroffenen (n=13.746) mindestens eine Verordnung. Die Inanspruchnahme sank
mit zunehmender Erkrankungsdauer, während die Häufigkeit von Hausbesuchen
zunahm.Trotz etablierter Leitlinienempfehlungen werden Sprachtherapie und
Ergotherapie bei Personen mit Demenz oder leichter kognitiver
Beeinträchtigung bundesweit wenig genutzt. Um Versorgungslücken zu
schließen, sollten Informationsangebote für beteiligte Akteur/-innen sowie
interdisziplinäre Behandlungspfade etabliert und in die Regelversorgung
implementiert werden.
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