Worauf kommt es an? Lebensqualitätspräferenzen in der Lungenkrebsversorgung aus Sicht von Patienten und Ärzten – Ein systematischer Review
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2887-7962
Das Lungenkarzinom hat einen hohen Stellenwert in der onkologischen Versorgung und kann zu erheblichen Einschränkungen in der Lebensqualität (LQ) führen. Für eine patientenzentrierte Versorgung sollten Patientenpräferenzen in den Fokus der Behandlung gestellt werden. Die aktuelle Studienlage weist diesbezüglich allerdings auf heterogene Patienten- und Arztpräferenzen hin. Ziel der Untersuchung ist es, anhand eines systematischen Literaturreviews Präferenzen von Lungenkrebspatienten zur Bedeutung von LQ-Dimensionen zu identifizieren und diesen denen der behandelnden Ärzteschaft gegenüberzustellen.Es wurde ein systematischer Literaturreview in biomedizinischen Datenbanken (The Cochrane Library, PubMed via Medline) durchgeführt. Die Literatursuche berücksichtigte Primärstudien für den Zeitraum 2012 bis 2024 in englischer sowie deutscher Sprache und wurde durch eine Handsuche mittels Schneeballmethodik ergänzt. Die Studienergebnisse wurden aggregiert, nach der Patienten- und Arztperspektive kategorisiert sowie Kernaussagen abgeleitet. Die Bewertung der Studienqualität erfolgte anhand von Checklisten des Critical Appraisal Skills Programme (CASP).Von 9.781 Publikationen wurden 21 Studien identifiziert, die sich auf LQ-Dimensionen und deren Bedeutung in der Lungenkrebsversorgung fokussieren. Davon betrachten 16 Studien die Perspektive der Patienten, zwei Studien die der Ärzte und drei Studien beide Perspektiven. Insgesamt wurden 46 Dimensionen mit Bezug zur LQ identifiziert. Für Patienten zählen Übelkeit, Fatigue/Müdigkeit, Finanzielle Schwierigkeiten/Sorgen und Schmerzen zu den bedeutendsten LQ-Dimensionen. Für Ärzte sind Übelkeit, Erbrechen, Finanzielle Schwierigkeiten/Sorgen und das Risiko von Nebenwirkungen am relevantesten. Aspekte der psychischen und funktionalen Dimension spielen aus Patientensicht eine zentrale Rolle, haben in arztbezogenen Studien bislang jedoch keine Berücksichtigung gefunden.Die Ergebnisse zeigen heterogene Präferenzen zur Bedeutung von LQ-Dimensionen zwischen Lungenkrebspatienten und Ärzten auf. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Patienten- und Arztpräferenzen stärker im Versorgungsalltag zu berücksichtigen. Die Erkenntnisse können die Arzt-Patienten-Kommunikation verbessern, eine ganzheitliche, patientenzentrierte Behandlung fördern sowie langfristig zur Steigerung der LQ von Lungenkrebspatienten beitragen.
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