Professionelle Gesundheitskompetenz als Bestandteil der Akademisierung des Hebammenwesens? Eine quantitative Studie unter Studierenden der Hebammenwissenschaft in Deutschland
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2871-4734
Der Hebammenberuf ist seit 2020 der erste Gesundheitsfachberuf in
Deutschland, der vollständig in die Akademisierung überführt wurde.
Allerdings ist unklar, ob die angehenden Hebammen durch das Studium auch die
notwendige professionelle Gesundheitskompetenz vermittelt bekommen, um den
steigenden Herausforderungen des Gesundheitswesens begegnen zu können – etwa
dem enormen Zuwachs an verfügbarem Fachwissen oder den veränderten
Versorgungs- und Mitbestimmungsansprüchen von Patient/-innen. Ob und wie die
nun angehenden Hebammen über die notwendigen Voraussetzungen verfügen, auf
neue Herausforderungen des Gesundheitswesens reagieren können, wird durch
die sogenannte professionelle Gesundheitskompetenz erfasst. Das Ziel der
vorliegenden Arbeit ist es daher, den Status Quo der professionellen
Gesundheitskompetenz von Studierenden der Hebammenwissenschaft
aufzuzeigen.Die Erhebung erfolgte im Rahmen der HELPER-Studie. Es wurden 140
Hebammenstudierende aus Bayern eingeschlossen. Ermittelt wurde die
professionelle Gesundheitskompetenz anhand des Erhebungsinstruments
PROF-HL-Q, welches aus 34 Items besteht und vier Aufgabenbereiche umfasst.
Die Ergebnisse werden deskriptiv dargestellt. Im Anschluss werden
Korrelationsanalysen durchgeführt, um mögliche Zusammenhänge mit
soziodemographischen Merkmalen und studienbezogenen Parametern zu
identifizieren.Im Durchschnitt schätzen die Studierenden ihre professionelle
Gesundheitskompetenz als positiv ein und erreichen in den vier
Aufgabenbereichen zwischen 51,4 und 78,7 von 100 möglichen Punkten. Dabei
fällt den Hebammenstudierenden die patientenzentrierte Kommunikation am
leichtesten und die professionelle digitale Gesundheitskompetenz am
schwersten. Besonders schwer fällt ihnen das Einordnen statistischer
Ergebnisse, der Umgang mit falschinformierten Patient/-innen sowie die
Unterstützung von Patient/-innen beim Finden digitaler
Gesundheitsinformationen. Insgesamt zeigen sich nur geringe Korrelationen
mit den getesteten Bezugsgrößen.Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, in welchen Bereichen die Kompetenzen
der Hebammenstudierenden noch gestärkt werden müssen und lassen somit
Schlussfolgerungen für die Gestaltung der Lehrcurricula zu, besonders mit
Blick auf die fortschreitende Digitalisierung und die weitere
Professionalisierung des Hebammenberufes.
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