Erlebte Autonomie von Patient:innen in Hausarztpraxen: eine multizentrische Querschnittsstudie
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2918-6420
Der Respekt vor der Patient:innenautonomie ist eines der leitenden
Grundprinzipien der heutigen Medizinethik. Autonomieunterstützung kann die
Gesundheitskompetenzen von Patient:innen verbessern und deren Adhärenz und
das Outcome medizinischer Therapien fördern. Es fehlt an quantitativen
Studien zum Autonomieerleben von Patient:innen sowie zu möglichen
Prädiktoren im hausärztlichen Setting.2024 wurden in einer multizentrischen Querschnittsstudie Patient:innen in
drei Hausarztpraxen in Niedersachsen befragt. Mittels eines Fragebogens
wurden Patient:innenmerkmale sowie die erlebte Autonomie mit der deutschen
Version des Health Care Climate Questionnaire (HCCQ) erfasst.Daten von n=637 Personen wurden eingeschlossen. Teilnehmer:innen zeigen im
Mittel ein hohes Maß an Autonomieerleben auf einer Skala von 1–7 (M=6,1,
SD=1,1). Das Alter der Patient:innen (ß=0,127; T=2,609; p=0,009), das
Vorhandensein einer Partnerschaft (ß=0,101; T=2,421; p=0,016) und der
formale Bildungsstand (ß=−0,112; T=−2,518; p=0,012) erwiesen sich als
signifikante Prädiktoren des Autonomieerlebens.In dieser Studie wurde das Autonomieerleben von Patient:innen erstmals im
hausärztlichen Setting in Deutschland quantitativ erfasst. Insgesamt zeigt
sich ein höheres Autonomieerleben als in Studien im stationären Setting. Es
wird diskutiert, inwiefern dieser Befund auf eine
Ärzt:innen-Patient:innen-Beziehung auf Augenhöhe hinweist und sich
Patient:innen in ihrer individuellen Autonomie bereits gut wahrgenommen
fühlen. Die Analyse von Prädiktoren gibt Hinweise darauf, dass bestimmte
Gruppen, z. B. mit niedrigem Bildungsstand, gezielt in ihrer Autonomie
gefördert werden sollten.
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