Patient*innen- und Bevölkerungsbeteiligung im Gesundheitssystem: Über die (Un)Möglichkeit einer umfassenden Erhebung
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2606-2053
Die Weltgesundheitsversammlung fordert in ihrer Resolution zur sozialen
Partizipation Mitgliedstaaten auf, Patient*innen und die Bevölkerung an
Entscheidungsprozessen im Gesundheitssystem zu beteiligen. In der Resolution
wird ein Monitoring von Beteiligungsprozessen gefordert. Einem solchen
Monitoring kommt für Österreich die 2023 durchgeführte Erhebung von
Anwendungsbeispielen von Beteiligung im Kontext Gesundheit am nächsten. Der
Beitrag fasst Lernerfahrungen der Erhebung zusammen.Die Lernerfahrungen basieren auf der Auswertung von prozessproduzierten Daten
einer Fragebogenerhebung zu Anwendungsbeispielen von Patient*innen- und
Bevölkerungsbeteiligung im Gesundheitssystem im Auftrag des
Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz in
Österreich. Einbezogene Daten waren Pretest-Ergebnissen, Workshopprotokolle
zur Reflexion von Erhebungsinstrument und Ergebnissen sowie Limitationen im
Erhebungsbericht. Die Inhalte der einbezogenen Dokumente wurden
paraphrasiert und thematisch ausgewertet.Die Reflexionsergebnisse der Fragebogenerhebung zeigen, dass für die Planung
und Durchführung einer Erhebung (1) die Zielsetzung der Erhebung u. a. mit
Klärung der Zielsetzung und den abzudeckenden Bereichen, (2) die Zielgruppe
u. a. mit der Klärung der Zielgruppe und einer an diese angepassten
Anforderungen und (3) die Zielgruppenerreichung u. a. Motivatoren, Wortwahl
und Disseminationskanäle zentral sind. Die Lernerfahrungen wurden in zehn
Leitfragen für die Entwicklung ähnlich gelagerter Erhebungsinstrumente
aufbereitet.Eine Erhebung von Anwendungsbeispielen von Beteiligung ist möglich und
erlaubt einen Überblick, in welchen Bereichen, welche Gruppen, wie beteiligt
werden. Ohne konkrete Vorgaben, woran welche Gruppen beteiligt werden
sollen, bleibt die Erhebung explorativ und erlaubt keine Rückschlüsse auf
die Repräsentativität. Die Gestaltung der Erhebung steht zudem im
Spannungsfeld zwischen Breite (kurzer Fragebogen mit potentiell hohem
Rücklauf) und Tiefe (langer Fragebogen mit geringerem Rücklauf). Die
vorgestellte Checkliste soll ähnlich gelagerte Erhebungen unterstützen. Ohne
einen Orientierungsrahmen, wo Beteiligung stattfinden soll und wer für diese
Prozesse als Ansprechperson fungiert, bleiben solche Erhebungen
explorativ.
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