Ukrainische Fachkräfte erneut zu Gast beim OOWV
Erneut hat der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) Fachkolleginnen und Fachkollegen aus der Ukraine zu einer Hospitation begrüßt. Drei Teilnehmende des OOWV-Partners Chernihivvodokanal aus Chernihiv und zwei Teilnehmende des Unternehmens Miskvodokanal aus Sumy nutzten den Aufenthalt, um ihr Wissen in den Bereichen Kanalsanierung und Abwasser zu vertiefen. Begleitet und fachlich betreut wurde die Gruppe von den OOWV-Mitarbeitern Marc Meierholz, Mario Marotzki und Juri Wunder.
Schlauchlinersanierung direkt auf der Baustelle
Zum Auftakt besuchte die Gruppe ein Großprojekt, bei dem sie eine Schlauchlinersanierung live vor Ort verfolgen konnte. Projektleiter Jan-Niklas Girod stellte das Projekt vor und gab den Gästen einen praxisnahen Einblick in den Ablauf der Sanierungsmaßnahme. Bei diesem Verfahren erhalten sowohl Kanalhaltungen als auch Schächte eine neue Innenauskleidung aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), ohne dass umfangreiche Erdarbeiten notwendig sind. Dazu wird ein mit Harz imprägnierter, glasfaserverstärkter Kunststoffschlauch in den bestehenden Kanal eingebracht und anschließend ausgehärtet. Auf diese Weise entsteht innerhalb des bestehenden Kanals eine neue und dauerhafte Rohrinnenwand.
Wie wichtig solche Verfahren für die ukrainischen Gäste sind, machte einer der Teilnehmenden im Gespräch deutlich: „Dies ist besonders interessant, da wir zwar auf Rohrbrüche stoßen, unsere technischen Möglichkeiten jedoch eine vollständige Erneuerung des Systems nicht möglich machen.“
Die Rohrbrüche müssten dennoch repariert werden. Dabei erschweren unter anderem ein dichtes Netz benachbarter Versorgungsleitungen, große Verlegetiefen und die Bedingungen in einem dicht bebauten städtischen Umfeld die Arbeiten.
Praktische Schulung mit Geopolymermörtel
Ein weiterer Programmpunkt war eine Anwenderschulung für Geopolymermörtel durch die Scholten GmbH. Nach einer theoretischen Einführung in den Räumlichkeiten der Betriebsstelle Elsfleth ging es zur Firma Tiesler-Bau. Dort konnten die ukrainischen Gäste auf dem Betriebshof selbst an einem Teststück arbeiten und lernen, wie der Mörtel fachgerecht aufgetragen und verarbeitet wird.
Dank gebühre dabei den beiden beteiligten Firmen sowie den Kolleginnen und Kollegen der Betriebsstelle Elsfleth für die Unterstützung, sagt Lena Sophie Sept, die für den OOWV die Projektleitung übernommen hat.Ergänzt wurde das Programm durch den Besuch einer Baustelle in Lemwerder. Bei der dortigen Tiefbaumaßnahme konnte die Delegation erleben, wie im Baustellenalltag mit Treibsand umgegangen wird. Eine Herausforderung, mit der auch die ukrainischen Partner immer wieder konfrontiert sind.
Abwassertechnik und praktische Anwendungen
Zum Abschluss der Hospitationswoche rückte das Thema Abwasser in den Mittelpunkt. Auf dem Programm standen Besuche der Kläranlage Brake einschließlich der neuen Brauchwasseranlage sowie der Kläranlage Sandstedt.
Zusätzlich demonstrierte die Stadt.Land.Grün GmbH, eine hundertprozentige Tochter des OOWV, den Einsatz eines Spülanhängers mit unterschiedlichen Düsen sowie einer Schiebekamera. Ein vergleichbarer Spülanhänger wurde bereits erfolgreich für die ukrainischen Partner beschafft. Auch die Anschaffung einer entsprechenden Kamera ist zeitnah vorgesehen. Die Gäste hatten somit bereits während ihres Aufenthalts die Möglichkeit, das Gerät und seinen Einsatz kennenzulernen.
Aus Fachkollegen werden vertraute Partner
Die gesamte Hospitationswoche war von einer geradezu familiären Atmosphäre geprägt. Wie eng die Beteiligten inzwischen miteinander verbunden sind, zeigte sich am Ende des Besuchs: Statt mit einem Handschlag verabschiedeten sich die Teilnehmenden mit einer herzlichen Umarmung.
Der Dolmetscher brachte die Entwicklung der Partnerschaft auf den Punkt: „Beim zweiten Mal umarmt man sich.”
Für November 2026 ist bereits eine weitere Hospitation geplant. Dann wollen beide Seiten den Austausch zu den Themen Kurzlinersanierung und Installation von Sonden auf der Kläranlage vertiefen.
Solidarpartnerschaft seit Beginn des Ukraine-Krieges
Die ersten Kontakte zwischen den Wasserversorgern der ukrainischen Städte Sumy und Chernihiv und dem OOWV entstanden bereits kurz nach Beginn der russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022. Daraus entwickelte sich eine Solidarpartnerschaft, die bis heute fortgeführt wird.
In der ersten Phase stand vor allem die technische Unterstützung im Mittelpunkt, sagt Projektleiterin Lena Sophie Sept. Unter anderem wurden ein Saugfahrzeug sowie Analysegeräte für den Trinkwasserbereich in die Ukraine geliefert. Inzwischen liegt der Schwerpunkt der Partnerschaft verstärkt auf dem Austausch von Fachwissen.
Quelle: OOWV
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