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FlashPhos: Phosphor für die Industrie gewinnen

Weißer Phosphor (P₄) ist für die Chemie-, Pharma-, Lebensmittel- und Elektronikindustrie ein unverzichtbarer Rohstoff.

„Wir wollen eine nachhaltige Versorgung mit Rohstoffen sicherstellen, die für die Wirtschaft wichtig, aber schwer zugänglich sind und nur noch begrenzt zur Verfügung stehen“, sagt Prof. Markus Reinmöller, Leiter des Instituts für Energieverfahrenstechnik und Dynamik in Energiesystemen (IED) der Universität Stuttgart. „Das gelingt aber nur, wenn wir diese kritischen Rohstoffe in einer Kreislaufwirtschaft herstellen – so wie mit dem neuen FlashPhos-Verfahren.“

Herkömmliche Methoden gewinnen Phosphor aus Klärschlamm zurück, um damit Düngemittel herzustellen. FlashPhos produziert mit P₄ einen Grundstoff für eine Vielzahl industrieller Anwendungen, unter anderem für die Herstellung von Autobatterien, Flammschutzmitteln, Katalysatoren und Computerchips. Die Abhängigkeit von diesem Ausgangsstoff ist hoch, da der globale P4-Bedarf aktuell von nur vier produzierenden Ländern gedeckt wird.

Klärschlamm entsorgen und Kreislaufwirtschaft stärken

Wirtschaftlich abbaubare Phosphatvorkommen sind global ungleich verteilt. In ganz Europa gibt es, bis auf kleinere Vorkommen in Finnland, keine aktuell abbaubaren Vorkommen. Auch bekannte Vorkommen in Norwegen sind nur schwer zu erschließen. Seit 2012 der letzte P4-produzierende Ofen geschlossen wurde, ist die Europäische Union (EU) vollkommen von Importen abhängig.

Wegen seiner hohen wirtschaftlichen Bedeutung, der Abhängigkeit von Importen und der begrenzten Ressourcen, stuft die EU weißen Phosphor als kritischen Rohstoff ein. Gleichzeitig sind die phosphorhaltigen Klärschlämme, die bei der Abwasserreinigung in Kläranlagen anfallen, ein wachsendes Umwelt- und Entsorgungsproblem. Deswegen ist in Deutschland ab 2029 eine Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm verpflichtend vorgeschrieben.

FlashPhos-Anlagen sollen zukünftig eine umweltfreundliche Klärschlammentsorgung mit einer vollkommenen Nutzung der enthaltenen Stoffe ermöglichen. Neben dem weißen Phosphor liefert der Prozess nutzbare Stoffe, mit denen CO₂-intensive Rohstoffe ersetzt werden können.

„Damit machen wir uns unabhängiger von Importen und stärken eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft“, erläutert Christian Schmidberger, Wissenschaftler am IED und FlashPhos-Koordinator.

Messungen am Flashreaktor: Er wandelt den pulverisierten Klärschlamm in ein brennbares Gas und phosphathaltige Klärschlammschlacke um. (Quelle: Universität Stuttgart / Christian Schmidberger)

Messungen am Flashreaktor: Er wandelt den pulverisierten Klärschlamm in ein brennbares Gas und phosphathaltige Klärschlammschlacke um. (Quelle: Universität Stuttgart / Christian Schmidberger)

Innovatives Verfahren in drei Schritten

Das FlashPhos-Verfahren besteht aus drei Prozessschritten, in denen die Abtrennung des Phosphors vom Klärschlamm vorbereitet und durchgeführt wird. Als erstes wird in einem neu entwickelten Mahltrockner („Dryer-Grinder“) aus dem feuchten Klärschlamm ein feines, nahezu wasserfreies Pulver gewonnen. Dieses Pulver wird dann im „Flash-Reaktor“ in Millisekunden in ein brennbares Gas und phosphathaltige Klärschlammschlacke umgewandelt. Der Prozess findet bei Temperaturen von 1.600°C statt. Die benötigte Energie stammt aus den organischen (kohlenstoffhaltigen) Bestandteilen des Klärschlammpulvers. Die Klärschlammschlacke wird im letzten Prozessschritt, dem sogenannten „Refiner“, bei ähnlichen Temperaturen „veredelt“. Als Hauptprodukt entsteht elementarer weißer Phosphor. Weitere Produkte sind ein klimafreundlicher Zementersatz, eine Eisenlegierung und ein Schwermetallkonzentrat für die Metallindustrie. Gase und Abwärme, die während des FlashPhos-Prozesses entstehen, können in weiteren industriellen Prozessen Anwendung finden und fossile Brennstoffe ersetzen.

Skalierung für die industrielle Produktion

Der vom Projektpartner Buss-SMS-Canzler GmbH (SMS) entwickelte Mahltrockner wurde am Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA) der Universität Stuttgart erprobt und optimiert. Die Demonstratoren des Flash- und Refiner-Reaktors wurden gemeinsam von zahlreichen Projektpartnern entwickelt und beim Projektpartner Aufbereitung Recycling und Prüftechnik GmbH (ARP) im österreichischen Leoben aufgebaut. Die Pilotanlage verarbeitet bis zu 250 kg Klärschlammpulver pro Stunde.

Im nächsten Schritt soll eine erste große Produktionsanlage entwickelt und gebaut werden. 2028 wollen die an FlashPhos beteiligten Industriepartner beginnen, weißen Phosphor im industriellen Maßstab herzustellen. Eine Herausforderung ist unter anderem noch die Beschaffung des Klärschlamms. Das Aufkommen ist nur in dicht besiedelten Regionen hoch genug.

„Ballungszentren wie das Ruhrgebiet, Barcelona, Madrid oder Mailand wären prädestiniert dafür“, sagt Schmidberger. Bis 2050 sollen FlashPhos-Anlagen die Hälfte des europäischen P₄-Bedarfs decken können. Das Forschungsteam denkt bereits über weitere Anwendungen nach. „Am IED ist unser langfristiges Ziel, auch weitere kritische Rohmaterialien aus Abfallströmen zu gewinnen“, sagt Reinmöller.

Zum Verbundprojekt FlashPhos

Das Projekt FlashPhos (Laufzeit: Mai 2021 bis April 2026) wird im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizon 2020“ (Fördervereinbarung 958267) von der Europäischen Union mit rund 12 Millionen Euro gefördert. Unter Koordination der Universität Stuttgart beteiligen sich insgesamt 17 Partner aus Industrie und Wissenschaft aus Österreich, Deutschland, Belgien, Italien und Spanien an dem Projekt.

Die Abschlusskonferenz des Projekts findet am 21.04.2026 im Communications Center Donawitz in Leoben statt, inklusive einer Führung durch die Versuchshallen.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Christian Schmidberger, Universität Stuttgart, Institut für Energieverfahrenstechnik und Dynamik in Energiesystemen, Tel: +49 711 685-67762, christian.schmidberger@ied.uni-stuttgart.de

Prof. Markus Reinmöller, Universität Stuttgart, Institut für Energieverfahrenstechnik und Dynamik in Energiesystemen, Tel: +49 711 685-63488, E-Mail: markus.reinmoeller@ied.uni-stuttgart.de

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Die unbekannte Insel in der Antarktis

„Auf unserem Weg war in der Seekarte ein Gebiet mit unerforschten Gefahren für die Navigation eingezeichnet, von dem nicht klar war, worum es sich handelt und woher die Information stammte“, berichtet Simon Dreutter aus der Bathymetrie am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Als Fachmann für Unterwasserkartierungen weckte dies seine Neugier.

Land in Sicht

Er erzählt weiter: „Ich habe im Bathymetrielabor alles an Küstenlinien durchforstet, was wir hier so haben und bin zurück auf die Brücke. Beim Blick aus dem Fenster haben wir dann einen ‚Eisberg‘ gesehen, der irgendwie dreckig aussah. Bei näherer Betrachtung wurde klar, dass es sich dabei vermutlich um Fels handelt. Daraufhin haben wir den Kurs geändert und sind in die Richtung gefahren und dann wurde zunehmend deutlich, dass wir eine Insel vor uns haben!“

Die Nautiker auf der Brücke fuhren die Polarstern vorsichtig an die Insel heran, immer mit mindestens 50 Metern Wasser unter dem Kiel. So konnte sich der Eisbrecher ihr bis auf 150 Meter nähern, umrundete sie und vermaß den Meeresboden mit dem bordeigenen Fächerecholot. Außerdem wurde eine Drohne eingesetzt und die Bilddaten wurden photogrammetrisch ausgewertet, um ein Höhenmodell sowie ein georeferenziertes Luftbild zu bekommen, um damit die Küstenlinien einzumessen. Auf diese Weise wurde die Insel das erste Mal systematisch vermessen und erfasst. Ergebnis: Die Insel ist etwa 130 Meter lang, 50 Meter breit (also etwas länger als die Polarstern mit ihren 118 Metern und etwa doppelt so breit) und ragt ungefähr 16 Meter aus dem Wasser.

Teilnehmende einer Antarktis-Expedition mit der Polarstern haben im Weddellmeer eine Insel entdeckt, die bisher auf Seekarten noch nicht verzeichnet ist. Die Insel ist etwa 130 Meter lang, 50 Meter breit und ragt ungefähr 16 Meter aus dem Wasser. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Simon Dreutter)

Teilnehmende einer Antarktis-Expedition mit der Polarstern haben im Weddellmeer eine Insel entdeckt, die bisher auf Seekarten noch nicht verzeichnet ist. Die Insel ist etwa 130 Meter lang, 50 Meter breit und ragt ungefähr 16 Meter aus dem Wasser. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Simon Dreutter)

Eine Insel zwischen Eisbergen

Warum die Insel als Gefahrenzone in der Seekarte, aber nicht als Küstenlinie in anderen Datensätzen eingezeichnet ist und warum die verzeichnete Position in der Seekarte etwa eine Seemeile neben der tatsächlichen Position liegt, ist den Fachleuten unklar. Auf den untersuchten Satellitenbildern ließ sich die Insel wegen ihrer Eisauflage kaum von den Eisbergen unterscheiden, die in der unmittelbaren Umgebung zahlreich umhertreiben.

Da es keine offizielle internationale namentliche Eintragung der Insel gibt, gilt es jetzt, den Benennungsprozess für eine solche Entdeckung zu durchlaufen. Damit hat Dr. Boris Dorschel-Herr, Leiter der AWI-Bathymetrie und ebenfalls an Bord der Polarstern, schon Erfahrungen: Im Jahr 2014 hatten er und sein Team dafür gesorgt, dass zwei Unterwasserberge auf den Seekarten des Südatlantiks und des Weddellmeers eingezeichnet wurden. Die genaue Position der Insel wird das Team mit Abschluss des Namensgebungsprozesses veröffentlichen und auch dafür sorgen, dass die Information auch in die internationalen Seekarten und andere wichtige Datensätze eingefügt werden. Gerade für bathymetrische Meeresbodenkarten wie IBCSO (International Bathymetric Chart of the Southern Ocean) sind derartige Informationen essentiell, da durch die dünne Abdeckung mit Messdaten und Interpolation solche unkartierten Objekte einfach ausradiert werden.

Erforschung des antarktischen Meereises

Das Bathymetrieteam arbeitet mit anderen Forschungsgruppen an Bord eng zusammen, beispielsweise mit der physikalischen Ozeanographie. So konnten die Forschenden entlang mehrerer Schnitte von der Tiefsee auf den Kontinentalschelf verschiedene Wassermassen verfolgen und die Besiedelung des Meeresbodens untersuchen. Dabei gewannen sie wichtige Erkenntnisse zum Rückgang des antarktischen Tiefenwassers im Vergleich zu den Langzeitdatenerfassungen, die das AWI in der Region über ozeanographische Messungen im Rahmen des Hybrid Antarctic Float Observing System (HAFOS) seit dem Jahr 2002 durchführt. Außerdem konnten die Abflusswege kalten Wassers von den Larsen-Schelfeisen eingegrenzt werden. Diese Wassermassen beeinflussen maßgeblich die globalen Meeresströmungen und das Schmelzen des Meereises insbesondere auf dem Kontinentalschelf.

Das antarktische Meereis galt anders als das im Norden lange Zeit als relativ stabil. Jedoch ging die sommerliche Meereisausdehnung etwa seit dem Jahr 2017 im nordwestlichen Weddellmeer stark zurück, vermutlich infolge wärmeren Oberflächenwassers.

Prof. Dr. Christian Haas, Leiter der Polarstern-Expedition und der AWI-Meereisphysik sagt zu den ersten Ergebnissen von SWOS (Summer Weddell Sea Outflow Study): „Die Eisdicke zeigte eine große regionale Variabilität. Insbesondere auf dem westlichen, flachen Kontinentalschelf war das Eis bis zu vier Meter dick, was wir auf starke Deformation durch die Gezeiten und die Küstennähe zurückführen können. Das Eis weiter östlich kam von den großen Ronne- und Filchner-Schelfeisen und war wenig deformiert mit Dicken um eineinhalb Meter.“

Insgesamt wies das Meereis überraschend starkes Oberflächenschmelzen auf, was sich vor allem auf die Schneebedeckung und die obersten Eisschichten auswirkte und zu fast arktischen Verhältnissen führte, wo das Eis mit vielen Schmelztümpeln bedeckt ist.

Christian Haas berichtet: „Zwar haben wir nur sehr wenige Schmelztümpel gefunden, aber das Eis war vielfach fast schneefrei und hatte eine bläuliche oder gräuliche Oberfläche. Durch neuartige Messungen des Wassers direkt unter dem Eis mit Turbulenz- und biologischen Sonden fanden wir insbesondere größere Mengen süßen Schmelzwassers im und unter dem Eis. Dies wirkt sich stark auf die biologische Besiedelung des Eises und die Wechselwirkungen mit dem Meerwasser unter dem Eis aus, denn solche Süßwasserlinsen halten die Wärme aus dem Ozean vom Meereis fern.“

Welchen Beitrag die im und unter dem Meereis lebenden Organismen beispielsweise für den Kohlenstoffkreislauf im Südlichen Ozean leisten, werden zukünftige Analysen und Modellierungen zeigen. Diese führen die Forschenden jedoch erst nach der Expedition durch, die planmäßig am 9. April 2026 auf den Falklandinseln (Malvinas) endet. Die Polarstern startet von dort den Transit quer über den Atlantik und wird Mitte Mai in ihrem Heimathafen Bremerhaven zurückerwartet.


Quelle: Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)

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Verunreingungen mittels Smartphone-Schnelltest erkennen

Weltweit nutzen Milliarden Menschen Wasserquellen, deren hygienische Qualität unklar oder schwer zu überwachen ist. Klassische mikrobiologische Verfahren für die Analyse benötigen bis zu 24 Stunden, sind kostenintensiv und erfordern spezialisierte Labore für die Auswertung. Diese Verzögerungen erschweren eine sichere Trinkwasserversorgung, Entscheidungen bei Hochwasserereignissen oder in Regionen mit unzureichender Laborinfrastruktur. Genau hier setzt der neue BAM-Schnelltest an.

Das Forschungsteam hat ein hochsensitives Nachweisverfahren entwickelt, das das Indikatormolekül Urobilin – ein von allen Säugetieren ausgeschiedenes Stoffwechselprodukt – innerhalb weniger Sekunden sichtbar macht. Die Methode arbeitet mit einem speziellen Teststreifen, der beim Kontakt mit mikrobiell verunreinigtem Wasser leuchtet.

Das Besondere: Der Test lässt sich direkt mit einem Smartphone kombinieren. Eine kleine LED Lampe in einem 3D gedruckten Aufsatz des Testsets wird über das Handy mit Strom versorgt und die Smartphone Kamera misst das Leuchten des Teststreifens. Zusätzliche Laborgeräte oder weitere Chemikalien sind nicht erforderlich.

Das „Drop-and-detect“-Prinzip

Ein einziger Tropfen Wasser genügt, um eine zuverlässige Analyse durchzuführen. Der Test zeigt in Vergleichsmessungen eine hohe Stabilität und Genauigkeit. Selbst sehr geringe Mengen des Indikatormoleküls können identifiziert werden – deutlich schneller und einfacher als bei herkömmlichen Analyseverfahren.

„Auch im Praxistest hat das System überzeugt: Der Schnelltest wurde erfolgreich an realen Wasserproben aus Flüssen sowie am Zu- und Ablauf einer Berliner Kläranlage überprüft“, erklärt Swayam Prakash, der den Schnelltest als Marie-Curie Fellow an der BAM zusammen mit Knut Rurack, Experte für chemische und optische Sensorik, entwickelt hat. „Selbst unter komplexen Umweltbedingungen mit natürlichen Störstoffen konnte Urobilin zuverlässig nachgewiesen werden.“

Durch den Verzicht auf zusätzliche Arbeitsschritte oder Laborgeräte eignet sich das Verfahren besonders für Feldeinsätze, Entwicklungsregionen, Krisengebiete und mobile Überwachungsprogramme. Mit seiner Kombination aus Schnelligkeit, Empfindlichkeit und Benutzerfreundlichkeit erfüllt der neue BAM-Schnelltest zentrale Anforderungen moderner Wasserqualitätsdiagnostik und trägt zu einer verbesserten Grundversorgung weltweit bei.

Zugleich zeigt die Technologie, wie leistungsfähig zukünftige Lösungen in der Wasserüberwachung sein können: Da der Test digital ausgewertet werden kann und das System robust und sofort einsatzbereit ist, lässt es sich in vielen Bereichen nutzen, in denen kompakte und zuverlässige Technik besonders wichtig ist. Das aufgezeigte Innovationspotenzial bildet eine solide Grundlage für Weiterentwicklungen, die vor allem für Unternehmen in der Umweltanalytik, der mobilen Diagnostik und bei intelligenten Monitoring-Systemen interessant sein dürften.


Originalpublikation:
Prakash, S., Bell, J., Rurack, K.: Rapid Onsite Detection of Fecal Contamination in Water Using a Portable Fluorometric Assay, in: ACS Sens. 2026, 11, 2, 1570–1578, https://doi.org/10.1021/acssensors.5c03922

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Wie Forschung die Renaturierung europäischer Fließgewässer voranbringt

Um die EU-Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (WVO) zu unterstützen, liefert die Studie einen praktischen, schrittweisen Prozess, der wissenschaftliche Prioritäten direkt mit politischen Maßnahmen verknüpft. Der Prozess skizziert, wie die Renaturierung durch iterative Phasen gesteuert werden kann – von der Bestandsaufnahme des Zustands der Flüsse über die gemeinsame Entwicklung von Lösungen mit den Interessengruppen bis hin zur Finanzierung, Umsetzung und langfristigen Kontrolle. Durch die Abstimmung der wichtigsten Forschungsprioritäten auf bestehende europäische Rechtsvorschriften und Indikatoren hilft das Rahmenwerk dabei, ehrgeizige Ziele in konkrete, kontextspezifische Maßnahmen vor Ort umzusetzen.

„Was wir anbieten, ist keine Einheitslösung, sondern ein strukturierter Prozess, der den Staaten hilft, von der Planung zur Umsetzung zu gelangen“, sagt Twan Stoffers, Erstautor der Studie. „Indem wir Wissenschaft, Politik und die Einbindung von Interessengruppen auf iterative Weise miteinander verknüpfen, bieten wir einen realistischen Weg, um die Renaturierung von Flüssen in der Praxis zum Erfolg zu führen.“

In der Studie wurde das Fachwissen von Forschenden, Praktiker*innen, aus Wasserwirtschaft, Politik und Verbänden aus 45 Ländern zusammengefasst und dabei 27 verschiedene Prioritäten für die Renaturierung von Flüssen ermittelt.

„Diese Vielzahl an Prioritäten zeigt, dass Renaturierungsstrategien nicht universell sein können, sondern an lokale und regionale politische, institutionelle und ökologische Bedingungen angepasst werden müssen. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse schlagen wir einen strukturierten Priorisierungsrahmen vor, der den Abbau von Querbauwerken, das Wiederherstellen der Konnektivität, Governance-Mechanismen und politische Instrumente mit kontextspezifischen Bedürfnissen verknüpft“, erklärt Twan Stoffers.

Die Prioritäten

Um die entwickelte Agenda innerhalb der aktuellen politischen Rahmenbedingungen der EU, wie der WVO und der EU-Biodiversitätsstrategie, umzusetzen, haben die Forschenden die zehn am höchsten bewerteten Forschungsprioritäten mit den einschlägigen Rechtsvorschriften und potenziellen Indikatoren abgeglichen. Die drei wichtigsten identifizierten Forschungsprioritäten sind:

  1. die Verbesserung der biologischen Vielfalt und der Ökosystemfunktionen in Fließgewässern,
  2. die Entwicklung von Priorisierungsstrategien für gezielte Renaturierungsmaßnahmen und
  3. die Festlegung von Renaturierungsstandards.

Die Renaturierung ist ein umfassender Prozess, der alle Beteiligten einbinden muss

„Unsere Ergebnisse verdeutlichen die Schlüsselelemente eines Prozesses zur Renaturierung frei fließender Flüsse: die Festlegung klarer Ziele auf verschiedenen Ebenen und die Priorisierung von Maßnahmen nicht nur auf der Grundlage des ökologischen Potenzials oder der Kosten, sondern auch unter Berücksichtigung soziokultureller Faktoren wie dem Wohlergehen der Bevölkerung“, betont die IGB-Forscherin Phoebe Griffith, Mitautorin der Studie. „Die Arbeit zeigt, dass die Renaturierung von Flüssen ein sozioökologischer Prozess ist. Das bedeutet, gemeinsame Renaturierungsziele zu definieren, die sozialen und ökologischen Perspektiven integrieren, und diese Ziele dann in gemeinsames Handeln umzusetzen – gestützt auf fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse.“

Das Forschungsteam betont, dass entgegen einiger aktueller politischer Tendenzen in Europa die frühzeitige Einbindung von Interessengruppen eine entscheidende Rolle für eine wirksame Renaturierung und nachhaltige Wasserwirtschaft spielt. In der Praxis erfordert dies strukturierte Co-Design-Prozesse, in denen Forschende, Politik, Behörden und lokale Interessengruppen gemeinsam Renaturierungsziele definieren, unterstützt durch partizipative Planung, Entscheidungshilfetools und kontinuierliches Feedback durch Monitoring und adaptives Management.

Auch die Forschung muss sich an neue Herausforderungen und Bedarfe anpassen

Darüber hinaus werfen die Forschenden auch einen selbstkritischen Blick auf ihr eigenes Arbeitsfeld: Trotz der wachsenden Erkenntnis, dass mehr Integration notwendig ist, bleibt eine echte Zusammenarbeit zwischen Natur- und Sozialwissenschaften selten. Hartnäckige Hindernisse wie disziplinäre Paradigmen, unzureichende institutionelle Unterstützung und begrenzte Kooperationsfähigkeiten schränken diese Integration von unterschiedlichen Ansätzen weiterhin ein. Mit dieser neuen Studie wollen die Autorinnen und Autoren daher auch zur Weiterentwicklung inter- und transdisziplinärer Ansätze in der Flussrenaturierung beitragen.


Originalpublikation:
Stoffers, T., Vuorinen, K.E.M., Schroer, S. et al. A collaborative research agenda for restoring free-flowing rivers. Commun Earth Environ 7, 303 (2026). https://doi.org/10.1038/s43247-026-03428-9

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Windparks verändern Nordsee-Strömungen

Offshore-Windparks sind ein zentraler Bestandteil der EU-Strategie für erneuerbare Energien: Bis 2050 soll die installierte Leistung in der Nordsee auf mehr als das Zehnfache steigen. Eine aktuelle Studie des Helmholtz-Zentrums Hereon zeigt jedoch, dass dieser Ausbau weitreichende Folgen hat. Demnach kann die zunehmende Nutzung der Offshore-Windenergie den natürlichen Transport sowie die Ablagerung von Sedimenten großräumig und dauerhaft verändern. Besonders stark betroffen ist die Deutsche Bucht. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Communications Earth & Environment veröffentlicht.

Schwebstoffe sind ein wesentlicher Bestandteil der Dynamik in der Nordsee. Sie stammen vom Meeresboden, werden durch Wellen und Strömungen aufgewirbelt, gelangen über den Ärmelkanal aus dem Atlantik in die Nordsee oder werden durch Flüsse eingetragen. Diese Partikel durchlaufen kontinuierlich Zyklen aus Ablagerung und erneuter Aufwirbelung, bis sie sich in strömungsarmen Bereichen als Schlamm absetzen.

Offshore-Windkraftanlagen greifen in diese Prozesse ein, da sie sowohl in der Luft als auch im Wasser als Hindernisse wirken. Sie beeinflussen unter anderem die Schichtung des Meeres in unterschiedlich warme Wasserschichten und verlangsamen die Strömungen über große Distanzen hinweg. Genau diese Faktoren bestimmen, wie sich Schwebstoffe und organische Partikel im Meer bewegen und wo sie letztlich abgelagert werden. Die Forschenden konnten zeigen, dass bestehende Windparks bereits heute eine deutliche räumliche Umverteilung der Sedimente verursachen – betroffen sind jährlich bis zu 1,5 Millionen Tonnen Schlamm inklusive des darin gebundenen Kohlenstoffs.

Sedimentverlagerung beeinflusst auch die Kohlenstoffspeicherung

Ein Teil der Sedimente besteht aus organischem Material, etwa aus abgestorbenen Meerestieren und Pflanzen. Dieses enthält sogenannten partikulären organischen Kohlenstoff (POC), der gemeinsam mit den Partikeln auf den Meeresboden absinkt und dort über sehr lange Zeiträume gespeichert werden kann. Der Meeresboden fungiert somit als Kohlenstoffsenke. Insgesamt leisten die Ozeane einen wichtigen Beitrag zur Bindung von Kohlenstoff und wirken damit dem Klimawandel entgegen.

Deutsche Bucht im Fokus der Veränderungen

Für ihre Untersuchungen nutzten die Forschenden ein neu entwickeltes Computermodell, das erstmals verschiedene Einflussfaktoren wie Atmosphäre, Wellen, Strömungen und Sedimenttransport gemeinsam abbildet. Grundlage dafür waren frühere Studien des Hereon zum Einfluss von Offshore-Windkraftanlagen auf Luft- und Meeresströmungen.

„Unsere Simulationen legen nahe, dass sich der Effekt durch den Ausbau der Offshore-Windparks über die kommenden Jahrzehnte hinweg deutlich verstärken wird. Das kann die langfristige Funktionsweise des Ökosystems und der Kohlenstoffspeicherung in der Nordsee beeinflussen“, sagt Jiayue Chen, Erstautorin der Studie und Wissenschaftlerin am Hereon-Institut für Küstensysteme – Analyse und Modellierung.

Auch Infrastrukturen wie Häfen und Fahrrinnen könnten sich dadurch verändern. Bemerkenswert sei zudem, dass etwa 52 Prozent der gesamten Sedimentumverteilung in der Nordsee im Gebiet der Deutschen Bucht stattfindet. „Das hebt diese Region als besonders betroffen hervor.“ Die Forschenden wollen nun untersuchen, welche Auswirkungen dies auf besonders empfindliche Küstenregionen wie das Wattenmeer hat, für das eine kontinuierliche Sedimentzufuhr essenziell ist, um den ansteigenden Meeresspiegel auszugleichen. Außerdem wird untersucht, inwiefern diese Effekte die Rolle des Meeres als Kohlenstoffsenke beeinflussen.

„Mit einem verbesserten Verständnis der Sedimentverteilung und Kohlenstoffspeicherung in der Nordsee können wir langfristige Risiken für die Küstenstabilität, Navigationssicherheit in der Schifffahrt und die Funktionsweise von Ökosystemen in der Deutschen Bucht abschätzen“, sagt Jiayue Chen. „Unsere Ergebnisse liefern wertvolle Grundlagen für den nachhaltigen Ausbau der Offshore-Windenergie und helfen Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Industrie, neue Windparks umweltfreundlich zu planen.“

Forschung für Klima, Küste und Gesellschaft

Das Helmholtz-Zentrum Hereon verfolgt das Ziel, wissenschaftliche Grundlagen für eine lebenswerte Zukunft zu schaffen. Rund 1000 Mitarbeitende erforschen Technologien und Zusammenhänge, die Resilienz und Nachhaltigkeit stärken – insbesondere in den Bereichen Klima, Küste und Mensch. Dabei werden experimentelle Studien, Modellierungen, künstliche Intelligenz und Digitale Zwillinge kombiniert, um komplexe Systeme besser zu verstehen und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Als Teil nationaler und internationaler Forschungsnetzwerke sowie der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt das Hereon den Transfer von Wissen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um nachhaltige Entwicklungen voranzutreiben.


Originalpublikation: Sediment transport pathways and organic carbon burial impacted by offshore wind farms in shelf seas | Communications Earth & Environment

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Goldrausch im Regenwald – Wenn Flüsse zu Gift werden

Illegaler Goldbergbau breitet sich rasch in bislang unberührte Regionen des Amazonas in Peru aus und stellt eine schwere Umwelt- und Gesundheitskrise dar, die irreparable Schäden verursachen könnte.

Lange Zeit war die illegale Goldgewinnung vor allem in der südlichen Amazonasregion Madre de Dios konzentriert. Inzwischen verlagert sie sich aber in neue Gebiete im Norden, darunter die Regionen Loreto, Ucayali und Huánuco. Treibende Kräfte hinter dieser Expansion sind unter anderem steigende Goldpreise nahe 2.000 US-Dollar pro Unze.

Folgen der Goldgewinnung

Forschende, Umweltorganisationen und indigene Gemeinden berichten, dass die Aktivitäten die Entwaldung beschleunigen, Flüsse mit Quecksilber kontaminieren, und in indigene Territorien vordringen. Auf dem Boden hinterlassen die illegalen Minen trübe, zerstörte Flusslandschaften, während einst üppige Wälder innerhalb weniger Wochen degradiert werden. Zudem sind Verbrechen und Gewalt von kriminellen Netzwerken Teil dieses expandierenden Bergbaus.

Die peruanische Regierung hat zwar einige Maßnahmen ergriffen, darunter die Bildung einer multisektoralen Kommission zur Bekämpfung des illegalen Bergbaus und Beschlagnahmen von Ausrüstung im Wert von über 16 Millionen US-Dollar. Doch diese Schritte zeigen bislang nur begrenzte Wirkung vor Ort.

Einsatz von Quecksilber

Ein besonders schwerwiegendes Problem ist der Einsatz von Quecksilber bei der Goldgewinnung. Es wird verwendet, um Goldpartikel zu trennen, gelangt aber in die Flüsse und reichert sich in Fischen und Menschen an. Wissenschaftler warnen, dass dies zu einer weiten Quecksilbervergiftung in der Bevölkerung führen könnte – analog zur historischen Minamata-Krankheit in Japan.

Indigene Gemeinschaften, die auf Fisch und Flusswasser angewiesen sind, stehen dabei besonders im Risiko. Dies macht die Krise nicht nur zu einem ökologischen, sondern auch zu einem sozialen und gesundheitlichen Problem, das weit über Peru hinaus wirkt.


Quelle: APNews

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Weltwassertag 2026: Water and Gender

Der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches arbeitet gemeinsam mit den Versorgungsunternehmen daran, diese für Gesellschaft und Wirtschaft unverzichtbare Ressource dauerhaft zu schützen und die Weichen für eine robuste Wasserzukunft zu stellen. Denn die Branche in Deutschland steht vor tiefgreifenden Herausforderungen. Steigende Anforderungen an Versorgungssicherheit, Netzinfrastruktur und Gewässerschutz im Klimawandel verlangen entschlossenes Handeln. Zugleich gewinnt die Fachkräftesicherung weiter an Bedeutung – ebenso wie die stärkere Aktivierung von Frauen für technische Berufe, die für die Zukunftsfähigkeit der Wasserwirtschaft unverzichtbar sind.

Klimawandel und Resilienz der Wasserressourcen

Hitze- und Trockenperioden, regional sinkende Grundwasserstände und Nutzungskonkurrenzen verstärken den Druck auf die Ressource Wasser. Mit neuen Technischen Regeln, Forschung zu resilienter Ressourcenbewirtschaftung und Leitfäden für regionale Kooperationen stärkt der DVGW die Handlungsfähigkeit und Planungssicherheit der Branche.

Schutz der Wasserressourcen vor neuen Stoffeinträgen

Nitrat, PFAS, Pflanzenschutzmittel und Arzneimittelrückstände geraten zunehmend in den Blick. Der DVGW setzt sich für einen vorsorgenden Gewässerschutz ein und fordert strengere Eintragskontrollen und klare regulatorische Rahmenbedingungen – damit Verursacher künftig stärker zur Verantwortung gezogen werden können.

Digitalisierung und Effizienz im Asset-Management

Moderne Monitoring-Systeme, KI-gestützte Netzüberwachung und digitale Zwillinge eröffnen neue Möglichkeiten in Planung, Betrieb und Instandhaltung. Der DVGW entwickelt Standards und wissenschaftlich fundierte Ansätze, die Versorgern helfen, diese Technologien sicher, effizient und wirtschaftlich einzusetzen.

Fachkräftesicherung und Aktivierung von Frauen

In den aktuell 24 DVGW‑Berufs- und Hochschulgruppen wird der technisch-gewerbliche und akademische Nachwuchs bereits während der Ausbildung durch Praxiskontakte zu über 4.000 DVGW‑Mitgliedsunternehmen begleitet. Kostenfreie Förderangebote wie das verbandsübergreifende Mentoring-Programm oder die Teilnahme an Fachtagungen und Kongressen schaffen zusätzliche Räume für Wissensaustausch und den Aufbau beruflicher Netzwerke. Seit der Gründung des „Jungen DVGW“ im Jahr 2024 und mit den darauf abgestimmten zielgruppenorientierten Formaten verzeichnet der DVGW eine stabile Mitgliederentwicklung bei den unter 36‑Jährigen. Besonders erfreulich: Der Anteil engagierter junger Frauen wächst kontinuierlich und liegt inzwischen bei 20 Prozent dieser Altersgruppe.

Wolf Merkel, Vorstand Wasser des DVGW, unterstreicht: „Die Anforderungen an eine sichere und qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung steigen stetig. Trotz aller Herausforderungen bleibt die Branche handlungsfähig: Mit starken Technischen Regeln, wissenschaftlicher Expertise und strategischer Kompetenz schaffen wir die Grundlage für eine zukunftsfeste Versorgung. Gleichzeitig leistet der DVGW mit der gezielten Förderung junger Fachkräfte einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Stabilität der Energie- und Wasserwirtschaft. Diesen Weg werden wir konsequent weitergehen – damit die Versorgung mit hochwertigem Wasser resilient, nachhaltig und für alle Menschen in Deutschland verlässlich bleibt.“

Der Weltwassertag wird seit 1993 jährlich am 22. März begangen. Er macht auf die Bedeutung von Wasser als unverzichtbare Lebensgrundlage aufmerksam.


Quelle: DVGW


Auch BDEW-Hauptgeschäftsführer Martin Weyand, dass ein gerechter Zugang zu Wasser und Sanitätsversorgung für alle Menschen weltweit gewährleistet werden sollte. Er erklärt:

„Der Zugang zu sauberem Trinkwasser in ausreichender Menge und Qualität ist ein Grundrecht und die Basis gesellschaftlicher Teilhabe und Gesundheit. In Deutschland gewährleistet die öffentliche Wasserwirtschaft ein hohes Versorgungsniveau – darauf können sich alle Menschen unabhängig von Lebenssituation oder sozialem Hintergrund verlassen.

Um die hohe Qualität unserer Wasserressourcen dauerhaft zu sichern, ist der Schutz vor Belastungen entscheidend. In Deutschland stellen insbesondere Einträge von Nitrat aus der Landwirtschaft in Grund- und Oberflächengewässern eine Herausforderung für die Wasserqualität dar. Der nachhaltige und ressourceneffiziente Umgang mit Nährstoffen ist deshalb als entschiedenes Leitprinzip im Düngegesetz verankert. Ein effizienter Umgang mit Düngemitteln ist schließlich nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Dennoch wird in Deutschland und auch in anderen EU-Staaten der in der EU-Nitratrichtlinie festgelegte Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter im Grundwasser nicht flächendeckend erreicht.

Grund- und Oberflächengewässer sind eine zentrale Lebensgrundlage, Basis der Trinkwasserversorgung und ein unverzichtbares öffentliches Gut. Eine Abschwächung der Nitrat-Richtlinie oder des nationalen Düngerechts würde den hohen Stellenwert des Gewässerschutzes diskreditieren und ein falsches Signal im Angesicht einer weiterhin bestehenden Belastungssituation senden. Entscheidend zur Verminderung von Düngeeinträgen ist neben der Rechtsicherheit die konsequente Umsetzung wirksamer Maßnahmen. Dazu gehört ein verursachergerechtes und wissenschaftlich fundiertes Wirkungsmonitoring, das eine ganzheitliche Bilanzierung von Nährstoffen in landwirtschaftlichen Betrieben und somit Rückschlüsse auf die tatsächliche Wirksamkeit von Maßnahmen in der Praxis ermöglicht.“


Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V

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KRITIS-Dachgesetz: Neuer Rahmen für mehr Resilienz und Sicherheit

Am 6. März 2026 hat der Bundesrat dem KRITIS-Dachgesetz endgültig zugestimmt. Damit werden erstmals einheitliche Standards für den physischen Schutz kritischer Infrastrukturen erlassen. Energie-, Wasser- und Telekommunikationsversorger sowie Abwasser- und Abfallbetriebe sollen künftig Risikoanalysen erstellen, Sicherheitsmaßnahmen umsetzen und schwere Störungen melden. Ziel ist, die Versorgung besser gegen Sabotage, extreme Wetterereignisse und Terrorangriffe zu schützen. Für die Wasserwirtschaft bedeutet das: Risiken müssen systematisch analysiert, Resilienzmaßnahmen umgesetzt und sicherheitsrelevante Störungen verpflichtend gemeldet werden.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßte die Entscheidung. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing sagt: „Das jahrelange Warten hat ein Ende. Die Einigung ist ein wichtiger Schritt für den Schutz kritischer Infrastrukturen. Die Unternehmen haben damit endlich Rechts- und Planungssicherheit für ihre Investitionen.“ Die Zustimmung des Bundesrats sei überfällig.

Das KRITIS-Dachgesetz ist ein Bekenntnis zur Resilienz

Hinter der politischen Einigung steht mehr als eine reine Verwaltungsvorgabe. Das Dachgesetz ist ein Bekenntnis zur Resilienz, wie sie in Zeiten zunehmender Sabotagerisiken, extremer Wetterereignisse und geopolitischer Spannungen dringlicher denn je wird. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt das Gesetz grundsätzlich, warnt jedoch vor übermäßiger Bürokratie. „Resilienz ist kein Selbstläufer“, betont der VKU. Ohne eine fundierte nationale Risikoanalyse, praktikable Meldepflichten und eine finanzielle Flankierung könne das Gesetz zu einer „halben Lösung“ werden.

Liebing verwies zudem auf die Grenzen der Betreiber. „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagt er. „Die Abwehr von Terrorangriffen bleibt Aufgabe von Bund und Ländern. Stadtwerke, Wasserversorger und Müllabfuhren sind nicht die Polizei.“

Gleichzeitig erneuert der VKU seine Vorschläge für den besseren Schutz kritischer Infrastrukturen:

  1. Schutz kritischer Infrastrukturen zum überragenden öffentlichen Interesse erklären, um Abwägungen zu beschleunigen und Sicherheitsinteressen zu priorisieren.
  2. Neubewertung und Anpassung von Transparenzpflichten
  3. Nationale Gesamtstrategie und Risikoanalyse vorlegen, wie es die CER‑Richtlinie bereits seit Januar verlangt.
  4. Nationale Notfallreserve aufbauen, u. a. mit Großgeräten für Inselnetzversorgung binnen 24 Stunden.
  5. Finanzierung sichern, u. a. über die Ausnahme von der Schuldenbremse (Art. 109 GG) und das SVIK.

Infrastrukturbetreiber müssen heute viele Daten offenlegen, zum Beispiel durch Transparenzregeln, das Informationsfreiheitsgesetz oder Open-Data-Vorgaben. Dort, wo solche Offenlegungen aber die physische und/oder IT-Sicherheit gefährden, sollten die Regeln überprüft und angepasst werden. Der VKU begrüßt, dass dieser Aspekt in der Protokollerklärung der Bundesregierung aufgegriffen wurde.

Hintergrund zum Dachgesetz

Das Kritis-Dachgesetz schafft erstmals Mindeststandards für den Schutz kritischer Infrastrukturen vor physischen Angriffen, verpflichtet zu Risiko- und Resilienzplänen und Einführung von Krisenmanagementsystemen sowie zur Meldung größerer Störungen oder Vorfälle an Behörden wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) oder Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Das Kritis-Dachgesetz schreibt außer einer Risikoanalyse und Risikobewertung keine weiteren konkreten Maßnahmen vor. Was Unternehmen konkret machen müssen, wird erst später in entsprechenden Gesetzen und Verordnungen des Bundesministeriums des Inneren bzw. später der Fachministerien oder durch branchenspezifische Sicherheitsstandards geregelt. Insgesamt werden elf Sektoren adressiert, unter anderem Energie-, Wasser-, Abfall- und Telekommunikationswirtschaft.

Mit dem Kritis-Dachgesetz will Deutschland die EU-Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen (sog. CER-Richtlinie) in deutsches Recht umsetzen. Das hätte eigentlich schon bis zum 17. Oktober 2024 passieren müssen. Deshalb hat die EU-Kommission bereits ein Vertragsverletzungsverfahren in Gang gesetzt. Frist zur Umsetzung der Maßnahmen ist der 17. Juli 2026. Schutz vor Cyber-Angriffen adressiert wiederum die NIS2-Richtlinie.

Statement des VKU, bevor der Bundesrat am 6.3. zugestimmt hat

KRITIS Gipfel 2026 von BDEW und VKU

Mit dem ersten KRITIS‑Gipfel 2026 am 10. März in Berlin senden der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) ein Signal: Der Schutz kritischer Infrastrukturen muss in Deutschland deutlich stärker in den Fokus rücken.

Zum Auftakt gaben BDEW‑Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae, VKU‑Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing, Hans‑Georg Engelke, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, sowie Generalleutnant André Bodemann Impulse zu strategischer Vorsorge und aktuellen Bedrohungslagen. Anschließend diskutierten zwei Panels die Lehren aus dem jüngsten Stromausfall in Berlin sowie den aktuellen Stand der zivilen Verteidigung in Deutschland.

Zentrale Forderungen von BDEW und VKU

Anlässlich des Gipfels formulieren BDEW und VKU drei zentrale Forderungen für einen wirksamen Schutz kritischer Infrastrukturen:

Neubewertung und Anpassung von Transparenzpflichten

Energieunternehmen müssen heute viele Daten offenlegen, zum Beispiel durch Transparenzregeln, das Informationsfreiheitsgesetz oder Open-Data-Vorgaben. Dort, wo solche Offenlegungen aber die physische und/oder IT-Sicherheit gefährden, etwa weil Angreifer dadurch Schwachstellen erkennen können, sollten die Regeln überprüft und angepasst werden. Ziel ist es, Angriffsflächen so gering wie möglich zu halten.

Ausfallsichere Kommunikation

Für Krisenfälle braucht es auch dann funktionierende Kommunikationswege zwischen Betreibern und Behörden, wenn das „normale“ Netz ausfällt. Wichtig ist deshalb eine ausfallsichere Kommunikationsinfrastruktur für einen schnellen Versorgungs- und Netzwiederaufbau, die selbst im Blackout weiterläuft. Ein Beispiel dafür ist das schwarzfallfeste 450-MHz-Funknetz für die Energie- und Wasserwirtschaft.

Finanzierung erhöhter Schutz- und Resilienzmaßnahmen

Die Sicherheit kritischer Infrastrukturen braucht klare gesetzliche Vorgaben und eine (regulatorisch) gesicherte Kosten- bzw. Entgeltanerkennung. Dazu gehört auch, dass Kosten für Schutzmaßnahmen, Reparaturen nach Angriffen oder Notfallpläne (wie Krisen- und Business Continuity Management) anerkannt und übernommen werden. Die Finanzierung sollte teilweise über den Verteidigungshaushalt, der nicht unter die Schuldenbremse fällt, sowie einen noch einzurichtenden Resilienzfonds erfolgen.

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae (Thomas Imo Photothek/BDEW)

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae:

„Ein lückenloser Schutz kritischer Infrastruktur wird nie vollständig möglich sein. Umso entscheidender ist es, dass Betreiber schnell Klarheit und belastbare Vorgaben haben, um Risiken realistisch bewerten und wirksame Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. Eine zentrale Lehre aus dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz ist vor diesem Hintergrund, bestehende Transparenzpflichten neu zu bewerten. Die Verfügbarkeit von Leistungs- und Geodaten kritischer Infrastrukturen schafft Vertrauen, sollte aber so gestaltet sein, dass operative Angriffsflächen vermieden werden. Gleichzeitig müssen wir unsere Fähigkeit stärken, Störungen schnell zu bewältigen und Systeme wiederherzustellen. Dafür sind eine enge Zusammenarbeit und ein kontinuierlicher Informationsaustausch zwischen Branche und Behörden unverzichtbar. Und wir brauchen einen institutionalisierten Austausch zwischen Unternehmen kritischer Infrastrukturen, Politik und Behörden bis hin zum Nationalen Sicherheitsrat. Nur so lassen sich ein gemeinsames Lagebild und ein schneller Informationsfluss sicherstellen.“

VKU‑Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing:

„Der Schutz kritischer Infrastrukturen ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. Ohne starke kommunale und regionale Strukturen bleibt jedoch jede Strategie Stückwerk. Gleichzeitig müssen wir klar über die Grenzen der Betreiber sprechen: 100‑prozentige Sicherheit gibt es nicht. Die Abwehr von Terrorangriffen bleibt Aufgabe von Bund und Ländern. Stadtwerke sind nicht die Polizei. Wir brauchen deshalb eindeutige politische Prioritäten, schnellere Verfahren und eine verlässliche Finanzierung. Resilienz ist nicht optional. Sie ist Grundlage dafür, dass unsere Gesellschaft funktionieren kann. Deshalb sollte der Bund auch eine nationale Notfallreserve aufbauen, unter anderem mit mobilen Großaggregaten zur Wiederherstellung von Inselnetzstrukturen, um die Energieversorgung idealerweise innerhalb von 24 Stunden wiederherzustellen.“


Quellen: VKU, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, BDEW

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Über 40 Prozent der großen Süßwassertierarten in fremde Gewässer eingeführt

Der Nilbarsch im Viktoriasee ist ein prominentes Beispiel für die komplexen ökologischen und sozioökonomischen Auswirkungen, die durch gebietsfremde Süßwasser-Megafauna verursacht werden. Die gezielte Ansiedlung dieser großen Fischart im Viktoriasee sollte die Fischerei eigentlich verbessern – doch sie hatte gravierende, unterschätzte Folgen: Die Bestände einheimischer Fische gingen zurück, lokale Fischer verloren ihre Lebensgrundlage, und in den umliegenden Gemeinden nahm die chronische Unterernährung bei Kindern und Müttern zu.

„Solche schädlichen Auswirkungen eingeführter großer Süßwassertiere – insbesondere auf gefährdete oder marginalisierte lokale Gemeinschaften – sind oft komplex und erfordern eine langfristige Beobachtung, um ihr Ausmaß zu verstehen. Im Vergleich zu den Vorteilen könnten die negativen Effekte auf die lokale Bevölkerung in vielen Regionen unterschätzt sein“, sagt Fengzhi He, Professor am Institut für Geographie und Agrarökologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sowie Gastwissenschaftler am IGB.

Er beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit Süßwasser-Megafauna und ist Letztautor dieser Studie, in der das Team die erste globale Bewertung der sozioökonomischen Auswirkungen gebietsfremder Süßwasser-Megafauna durchgeführt hat.

Basierend auf dem Rahmenwerk „Nature’s Contributions to People“ (NCP) und dem Rahmenwerk „Socio-Economic Impact Classification for Alien Taxa“ (SEICAT) kategorisierten die Forschenden sowohl positive als auch negative Auswirkungen und quantifizierten das Ausmaß der Auswirkungen.

40 Prozent der Megafauna-Arten in 142 Länder und Regionen bewusst eingeschleppt

Kleine Arten gelangen oft unbemerkt in neue Gewässer – sie haften an Schiffsrümpfen oder Fischereiausrüstung oder werden von Vögeln transportiert. Süßwasser-Megafauna-Arten sind Tiere mit einem Gewicht von mindestens 30 Kilogramm. Sie werden oft absichtlich außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets eingeführt, weil sie mit einem hohen wirtschaftlichen oder ästhetischen Wert in Verbindung gebracht werden. Das Team identifizierte 93 gebietsfremde Süßwasser-Megafauna-Arten (43 Prozent der 216 existierenden Arten), die außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets eingeführt wurden. Diese Einführungen erstrecken sich über 142 Länder und Regionen auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Die USA haben die höchste Anzahl an eingeführten Süßwasser-Megafauna-Arten (52), gefolgt von China (28), Kanada (23), Russland (19), Belgien (18) und Deutschland (17).

Fast jede zweite untersuchte eingeschleppte Megafauna-Art birgt auch Probleme

Die Studie zeigt, dass von 59 gebietsfremden großen Süßwassertieren, für die ein Nutzen dokumentiert ist, 26 auch negative Auswirkungen haben. Dies gilt insbesondere für große Fischarten wie Karpfen, Lachsartige und Welse. Fast jede zweite dieser Arten bringt demnach nicht nur Vorteile, sondern verursacht Probleme für die heimische Artenvielfalt oder die lokale Bevölkerung. Hierzu zählen neben einer verminderten Ernährungssicherheit auch erhöhte Risiken für die menschliche Gesundheit, Sicherheitsrisiken durch aggressive oder giftige Arten oder Schäden an Eigentum und Infrastruktur.

Eingeschleppte Arten bergen Gefahren für einheimische Arten. Hier zu sehen ein Wels. (Quelle: Michel Roggo)

Wirtschaftliche Vorteile für einzelne Gruppen treiben die Einführung voran

Die Studie ergab zudem, dass die sozioökonomischen Vorteile der eingeführten Süßwasser-Megafauna häufig nur für bestimmte Personengruppen in den betreffenden Regionen entstehen. Die Vorteile wurden vor allem in der Aquakultur und in der Fischerei dokumentiert (57 Prozent), gefolgt von Freizeitaktivitäten wie Angeln und Ökotourismus (20 Prozent) sowie der Bereitstellung von Materialien und der Nutzung als exotische Heimtiere (12 Prozent). Große Süßwassertiere wurden auch in der Hoffnung eingeführt, die natürliche Umwelt zu verbessern. Beispielsweise wurden Silberkarpfen und Marmorkarpfen eingesetzt, um übermäßiges Phytoplanktonwachstum zu kontrollieren, während Graskarpfen zur Reduktion von Wasserpflanzen eingeführt wurden.

Einige Süßwasser-Megafauna-Arten wurden absichtlich für den Handel mit Heimtieren oder für Lederprodukte importiert.

„Wir waren sehr überrascht, dass einige Krokodile für den Handel mit Heimtieren eingeführt wurden. Zum Beispiel werden Brillenkaimane in den USA als Heimtiere gehalten“, sagte Dr. Xing Chen, ehemaliger Doktorand am IGB und Hauptautor der Studie. „In China werden sie oft wegen ihrer Haut eingebracht, um Lederprodukte herzustellen.“

Eine strengere Risikobewertung ist wünschenswert

Da die Einführung von Süßwasser-Megafauna aufgrund der erwarteten wirtschaftlichen Vorteile voraussichtlich weiter zunimmt, empfehlen die Autor*innen eine fundierte Risikobewertung, eine verbesserte Überwachung sowie eine transparenten Kommunikation der positiven wie negativen Folgen.

„Um wirtschaftliche Entwicklung, Biodiversitätsschutz und menschliches Wohlergehen in Einklang zu bringen, braucht es ein umfassendes Verständnis der Chancen und Risiken von Arteinführungen“, sagt Prof. Sonja Jähnig, ebenfalls Letztautorin der Studie und Direktorin des IGB.


Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Sonja Jähnig, IGB

Originalpublikation:
Xing Chen, Thomas G. Evans, Jonathan M. Jeschke, Phoebe Griffith, Sonja C. Jähnig, Fengzhi He, Global assessment of alien freshwater megafauna reveals complex socio-economic impacts, One Earth, 2026, 101623, ISSN 2590-3322,
https://doi.org/10.1016/j.oneear.2026.101623

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Wien erneuert Hochquellenleitung

Während der Wartungsarbeiten bleibt die Wasserversorgung über die I. Hochquellenleitung und die Grundwasserbrunnen in den Wiener Schutzgebieten gewährleistet, so die Stadt.

„Die Hochquellenleitungen sind die Grundsäulen der Wiener Wasserversorgung. Die Mitarbeiter*innen von Wiener Wasser tragen mit der Instandhaltung der 330 km langen Leitungen eine große Verantwortung“, betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und ergänzt: „Die Hochquellenleitungen liefern unser wichtigstes Lebensmittel in bester Qualität und ersparen Wien enorme Energiekosten.“

Wien investiert jährlich rund 130 Mio. Euro in die Wasser-Infrastruktur. Ziel der Stadt ist es, die Versorgungssicherheit weiter zu stärken und die Systeme an steigenden Wasserbedarf und Klimaherauforderungen anzupassen. Grundlage ist die Strategie „Wiener Wasser 2050“, die auch die laufende Wartung historischer Bauwerke umfasst.

Sanierung der Düker entlang der II. Hochquellenleitung

Neben der regelmäßigen Instandhaltung ist bei der II. Hochquellenleitung die Sanierung ihrer sogenannten Düker vorgesehen – jene Druckleitungen, mit denen die Leitung 19 Täler und Flüsse unterquert. Da in diesen Abschnitten hoher Wasserdruck herrscht, ist die Beanspruchung des Materials besonders groß. In den kommenden Jahren werden daher vier der Düker schrittweise saniert.

„Die Wienerinnen und Wiener können sicher sein, dass wir alles tun, um unsere Hochquellenleitungen in einem top Zustand zu erhalten“, erklärt der Wiener-Wasser-Chef Paul Hellmeier. „Das ist angesichts des hohen Alters der beiden Bauwerke manchmal eine Herausforderung. Aber generell muss man – angesichts der damaligen technischen Möglichkeiten – die zukunftsfähige Bauweise wertschätzen.“

Regelmäßige Wartung im Rahmen der „Abkehr“

Die Wartungsarbeiten an den Hochquellenleitungen erfolgen im Frühjahr und Herbst, wenn der Wasserverbrauch niedriger ist. Je Leitung wird die sogenannte „Abkehr“ viermal jährlich durchgeführt. Dabei wird das Quellwasser im Quellgebiet in die Salza oder Schwarza ausgeleitet, um den Zugang zum Stollen zu ermöglichen. Während dieser bis zu fünf Tage dauernden Arbeiten werden die Leitungen gereinigt, inspiziert und gegebenenfalls Fugen instandgesetzt. Im Zuge der aktuellen Frühjahrsarbeiten besuchen Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und Gemeinderätin Susanne Haase die Baustelle im Bereich Hofstetten (NÖ). Czernohorszky betont:

„Der Frühjahrsputz in der II. Hochquellenleitung ist nur möglich, weil sich die Wiener Wasserversorgung auf unterschiedliche Wasserressourcen stützt. Das zeigt, wie wichtig die Wiener Trinkwasser-Strategie ist, mit der die verfügbaren Wassermengen erhöht und höhere Wassermengen gespeichert werden sollen. In Neusiedl am Steinfeld (NÖ) etwa entsteht derzeit der größte Trinkwasserbehälter der Welt, in dem in Zukunft rund 1 Mrd. Liter Wasser gespeichert werden können.“

Während der Abkehr werden die 29 Wiener Wasserbehälter bis zum maximalen Pegelstand gefüllt. Zusätzlich kann bei Bedarf Wasser aus rund 30 Brunnen in das Netz eingespeist werden. Nach Abschluss der Arbeiten fließt wieder Hochquellwasser aus beiden Leitungen in die Stadt.


(Quelle: Stadt Wien)

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Studie zur Kohlenstofffreisetzung aus Torfseen im Kongobecken

Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter der Leitung der ETH Zürich hat in den letzten zehn Jahren untersucht, welche Rolle große Schwarzwasserseen im zentralen Kongobecken für den globalen Kohlenstoffkreislauf spielen. Im Fokus standen der Lac Mai Ndombe und der Lac Tumba in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Forschenden analysierten das im Seewasser gelöste CO2 mithilfe von Radiokarbondatierungen, um dessen Herkunft und Alter zu bestimmen. Dabei zeigte sich, dass ein erheblicher Teil des freigesetzten Kohlenstoffs nicht aus jüngst abgestorbener Biomasse stammt.

Bis zu 40 Prozent aus Jahrtausende altem Torf

Den Ergebnissen zufolge stammen bis zu 40 Prozent des emittierten Kohlenstoffs aus Torf, der sich in den umliegenden Sumpf- und Waldgebieten über Tausende von Jahren angesammelt hat. Damit widerlegen die Daten die bisherige Annahme, dass dieser Kohlenstoff langfristig stabil gebunden bleibt.

Die Torfgebiete des Kongobeckens nehmen lediglich rund 0,3 Prozent der globalen Landfläche ein, speichern jedoch etwa ein Drittel des Kohlenstoffs tropischer Torfgebiete. Ihre Bedeutung für das globale Klimasystem gilt daher als hoch.

Bedeutung tropischer Torfökosysteme

Tropische Sumpf- und Torfgebiete spielen demnach eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Im Amazonasbecken, im Kongobecken und in den Feuchtgebieten Südostasiens lagern große Mengen an Kohlenstoff in Form von abgestorbenem, nur langsam zersetztem Pflanzenmaterial. Schätzungen zufolge speichern diese Ökosysteme rund 100 Gigatonnen Kohlenstoff und übernehmen damit eine wichtige Funktion für die langfristige Bindung von Treibhausgasen.

Mechanismen noch ungeklärt

Unklar bleibt, wie der alte Kohlenstoff mobilisiert wird und auf welchem Weg er in die Seen gelangt. Die Forschenden wollen klären, ob es sich um ein langfristig stabiles Gleichgewicht handelt oder um einen Prozess, der auf eine Destabilisierung des Ökosystems hinweist.

Klimatische Veränderungen könnten diesen Prozess verstärken. Längere Trocknungsperioden würden das Austrocknen von Torfschichten begünstigen, wodurch Sauerstoff in tiefere Schichten eindringt und mikrobieller Abbau gefördert wird.

Einfluss von Wasserstand und Landnutzung

In einer ergänzenden Untersuchung analysierte das Team auch Methan- und Lachgasemissionen aus dem Lac Mai Ndombe. Dabei zeigte sich, dass der Wasserstand einen deutlichen Einfluss auf die Methanfreisetzung hat: Niedrige Pegel begünstigen höhere Emissionen.

„Wir befürchten, dass der Klimawandel auch dieses Gleichgewicht aus dem Lot bringt. Werden Trockenheiten länger und intensiver, könnten die Schwarzwasserseen dieser Region zu bedeutenden Quellen von Methan werden, die das globale Klima beeinflussen. Wann der Kipppunkt erreicht ist, wissen wir derzeit nicht“, so ETH-Professor Jordon Hemingway.

Neben klimatischen Faktoren könnten auch Landnutzungsänderungen, etwa Entwaldung und die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen, den Wasserhaushalt und damit die Emissionen beeinflussen.

„Wir alle kennen die Analogie: Wälder sind die grüne Lunge der Erde. Sie sind jedoch nicht nur für den Gasaustausch verantwortlich wie die Lunge, sondern sie verdunsten über ihre Blätter Wasser und reichern damit die Atmosphäre mit Wasserdampf an. Das fördert die Wolkenbildung und den Niederschlag, der wiederum Flüsse und Seen speist“, so Matti Barthel von der ETH Zürich.

Die Arbeiten entstanden im Rahmen des von der ETH Zürich geleiteten Projekts TropSED in Zusammenarbeit mit der Universität Louvain in Belgien sowie der Demokratischen Republik Kongo. Der Schweizerische Nationalfonds förderte das Projekt.


(Quelle: ETH Zürich)

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Wettlauf mit der Tide: Leitungsreparatur auf Wangerooge

Nach Abschluss der Bauarbeiten im Meeresboden kann der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) die Nordseeinsel wieder über drei parallel verlaufende Leitungen mit frischem Trinkwasser beliefern. Das bedeutet volle Versorgungssicherheit rechtzeitig vor dem Beginn der Osterferien, wenn zusätzlich zu den knapp 1.100 Einheimischen zahlreiche Feriengäste Wasser benötigen. Insgesamt sind es etwa 190.000 Kubikmeter Wasser im Jahr, die aus den OOWV-Wasserwerken Harlingerland und Sandelermöns nach Wangerooge strömen.

Bis das Wasser wiederkommt

Das neue blaue Rohrstück ist eingesetzt. Jetzt muss noch gespült werden, bis die Leitung wieder Trinkwasser zur Insel liefert.

Das neue blaue Rohrstück ist eingesetzt. Jetzt muss noch gespült werden, bis die Leitung wieder Trinkwasser zur Insel liefert. (Quelle: Matthias Ziegs/OOWV)

Für diesen Reparatureinsatz war frühes Aufstehen und Hand-in-Hand-Arbeit von mehreren Wattenmeer-erfahrenen Partnern gefragt – sowie im Vorfeld ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Behörden. Noch vor dem Morgengrauen waren drei mit extrabreiten Kettenlaufwerken ausgestattete Bagger der ostfriesischen Baufirma Jeschke im Hafen Harlesiel auf ein Arbeitsboot der Wittmunder Reederei Warrings gerollt. Dieses ließ sich einige Stunden später mitten im Watt, gut vier Kilometer vom Festland entfernt, trockenfallen – und für den Bautrupp des Wilhelmshavener Unternehmens Ludwig Freytag und die unterstützenden OOWV-Kollegen begann die Uhr zu ticken.

„Das Zeitfenster für die Reparatur ist kurz, es stehen maximal drei Stunden zur Verfügung, bis das Wasser wiederkommt“, beschreibt Matthias Ziegs die Herausforderung.

Er ist Leiter der OOWV-Betriebsstelle in Schortens, deren Team die 7,5 Kilometer lange Wattleitung vom Festland aus technisch betreut. Dabei arbeitet er eng mit Kai Selke zusammen, Anlagenkoordinator für das Wasserwerk Wangerooge, das als Speicherpumpwerk genutzt und ansonsten für den Notfall bereitgehalten wird.

„Die Überwachung aus der Ferne funktioniert problemlos. Den Leitungsdefekt haben wir mit Kai Selke durch einen gemessenen Druckabfall direkt bemerkt“, berichtet Matthias Ziegs.

Unterstützung durch Drohneneinsatz

Mit dieser Rettungsdrohne unterstützte die DLRG den OOWV im Rahmen eines Ausbildungsflugs beim Aufspüren der Schadstelle.

Mit dieser Rettungsdrohne unterstützte die DLRG den OOWV im Rahmen eines Ausbildungsflugs beim Aufspüren der Schadstelle.

Beim Auffinden des Lecks in der 1962 verlegten und 125 Millimeter starken Rohrleitung hatte das OOWV-Team Unterstützung aus der Luft. Die Fernerkundungsstaffel der Ortsgruppe Varel der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) half im Rahmen eines Ausbildungsflugs mit ihrer Rettungsdrohne, die Stelle zu finden, wo das wärmere Trinkwasser ins noch winterlich kalte Meer sprudelte.

„Schon nach 20 Minuten Suche hatte die DLRG-Drohne den Rohrschaden mithilfe ihrer Wärmebildkamera lokalisiert. GPS-Koordinaten und eine 360-Grad-Aufnahme der Schadstelle wurden gleich mitgeliefert“, freut sich der für die Landkreise Wittmund und Friesland zuständige OOWV-Regionalleiter Bernd Janssen über die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen DLRG und Wasserverband.

„Das hat wunderbar geklappt und ist für uns eine wertvolle Katastrophenschutz-Übung“, bestätigt Yasha Kube, Leiter Einsatz der DLRG Varel.

Mithilfe einer Wärmebildkamera war das Leck schnell gefunden und das DLRG-Team konnte dem OOWV die genaue Lage übermitteln.

Mithilfe einer Wärmebildkamera war das Leck schnell gefunden und das DLRG-Team konnte dem OOWV die genaue Lage übermitteln. (Quelle: Matthias Ziegs/OOWV)

Die beim Drohneneinsatz gesammelten Daten, Bilder und Videos halfen, auf Anhieb exakt den richtigen Abschnitt der mehrere Meter unter dem Meeresboden verlaufenden Leitung freizulegen. Erst mit Baggern und später mit Spaten für die Feinarbeit tastete sich der Bautrupp am Mittwoch an die Schadstelle heran. Dann galt es, das defekte Rohrstück herauszutrennen und die Versorgungsleitung mit zwei Muffen und einem Stück neuen Rohr wieder zu verbinden. Schließlich hieß es „Wasser marsch“ – zunächst testweise, denn bevor die reparierte Leitung wieder ans Netz genommen werden kann, sind noch Spülungen nötig. In der Zwischenzeit stellen eine weitere, auch von 1962 datierende und ebenfalls 125 Millimeter starke Rohrleitung sowie die neuere, größere 200er-Trinkwasserleitung die Wasserversorgung auf der Insel sicher.

Wasserversorgung der Ostfriesischen Inseln

Insgesamt sind es vier Ostfriesische Inseln, auf denen der OOWV für die Trinkwasserversorgung zuständig ist. Auf Langeoog und Spiekeroog sind Wasserwerke in Betrieb, die die jeweilige Süßwasserlinse als Ressource nutzen. Baltrum und Wangerooge werden mit Leitungen vom Festland aus versorgt. Im Meeresboden sind diese Festlandleitungen durch Verschiebungen im Untergrund, auch infolge von Gezeiten und Stürmen, hohen Belastungen ausgesetzt. Durch diese Beanspruchung kam es bereits vor zwei Jahren zu einem vergleichbaren Defekt an derselben Leitung, der sich allerdings in den Salzwiesen unmittelbar vor der Insel befand und schnell repariert werden konnte.


Quelle: OOWV

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BIM Basiskurs Siedlungswasserwirtschaft

Im BIM Basiskurs Siedlungswasserwirtschaft erhalten die Teilnehmer einen Überblick über den Stand der nationalen Standardisierung und lernen Modelle, Prozesse und Rollen in BIM-Projekten kennen. Behandelt werden unter anderem BIM gemäß ISO 19650, BIM-Werkzeuge und openBIM, BIM im Unternehmen, die Normenlandschaft sowie die Digitalisierung in der Siedlungswasserwirtschaft.

Veranstaltungsflyer

Der Kurs findet vom 27. bis zum 29. April 2026 täglich von 10:00 bis etwa 17:30 Uhr statt. Er richtet sich an Fachleute aus der Siedlungswasserwirtschaft, die in die BIM-Thematik einsteigen möchten.

Der Kurs findet in Kooperation mit der BIM Baumeister Akademie und dem Institut für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e. V. statt. Optional können Teilnehmende den Kurs mit einer Zertifikatsprüfung nach VDI 2552 Blatt 8.1 abschließen. Bei Bestehen der Prüfung erhalten Teilnehmende das international anerkannte BIM-Zertifikat von BuildingSMART (Stufe 1). >> Weitere Informationen zum Zertifikat

Zum Kurs

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Wie krisenfest ist die deutsche Wasserversorgung?

Die Sicherheit der Wasserversorgung entwickelt sich aus Sicht der Bevölkerung zu einer zentralen Risiko- und Standortfrage für Deutschland. Der IFAT Circularity Monitor, eine repräsentative YouGov-Umfrage* der IFAT Munich im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz, zeigt: 63 Prozent der Befragten halten Deutschland auf Krisen in der Wasserversorgung eher schlecht oder gar nicht vorbereitet. Nur drei Prozent bewerten die Vorbereitung als sehr gut. Besonders hoch ist die Sorge vor gezielten Eingriffen in die Infrastruktur – durch physische Sabotage (67 Prozent)** oder Cyberangriffe (66 Prozent)**.

„Das hohe Risikobewusstsein in der Bevölkerung zeigt, dass der Schutz der Wasserversorgung sicherheitspolitisch neu gedacht werden muss“, sagt Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz. „Gerade im Sinne einer Green Defense gehört die Resilienz kritischer, nachhaltiger Infrastrukturen – einschließlich ihres Schutzes vor Sabotage und Cyberangriffen – ins Zentrum der nationalen Sicherheitsstrategie.“

Während auf der Munich Security Conference die strategischen Dimensionen solcher Bedrohungen diskutiert werden, rückt die IFAT Munich die praktische Umsetzbarkeit in den Mittelpunkt.

Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz (Bild:MSC/Kuhlmann)

IFAT Munich als Plattform für resiliente Lösungen

Die Weltleitmesse für Umwelttechnologien, die vom 4. bis 7. Mai 2026 in München stattfindet, versteht sich als Plattform, auf der auch sicherheitspolitische Fragestellungen in konkrete Lösungen übersetzt werden.

„Unter dem Leitgedanken der von Wolfgang Ischinger angesprochenen Green Defense werden Technologien, Konzepte und Best Practices vorgestellt, mit denen sich Wasser- und Abwassersysteme widerstandsfähiger, sicherer und zukunftsfähig gestalten lassen“, sagt Exhibition Director Philipp Eisenmann.

Hohes Risikobewusstsein für Sabotage und Cyberangriffe

Grundsätzlich ist das Vertrauen in die Sicherheit der Trinkwasserversorgung in Deutschland hoch, wie zuletzt wieder im Branchenbild der Wasserwirtschaft 2025 bestätigt wurde. Doch zukünftige Bedrohungen bereiten zunehmend Sorgen; es rückt ein Themenbereich in den Fokus, der lange als technisch beherrschbar galt, inzwischen aber zunehmend als Teil der nationalen Sicherheitsarchitektur wahrgenommen wird.

„Die Umfrage macht deutlich, dass Wasserinfrastruktur nicht mehr nur als technische Aufgabe verstanden wird, sondern als sicherheitsrelevanter Faktor“, sagt Wolf Merkel, Vorstand des DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches. „Versorgungssicherheit lässt sich heute nicht isoliert denken. Sie erfordert integrierte Konzepte, die physischen Schutz, Cyberresilienz und Klimaanpassung zusammenführen.“

Auffällig ist, dass Extremwetterereignisse von den Befragten zwar als relevantes Risiko wahrgenommen werden, jedoch hinter gezielten Angriffen zurückbleiben: 59 Prozent sehen sie als wahrscheinliche Bedrohung für die Wasserversorgung. Das verweist auf ein verändertes Sicherheitsverständnis in einer Zeit hybrider Bedrohungen und zunehmender geopolitischer Spannungen.

Abwasser als unterschätzte Schlüsselressource

Ein besonders hohes Problembewusstsein zeigt sich beim Thema Abwasser. 91 Prozent der Befragten erkennen Störungen in der Abwasserentsorgung als ernsthafte Gefahr für Umwelt, Gesundheit und öffentliche Sicherheit. Gleichzeitig gilt dieser Teil der Infrastruktur im Alltag als weitgehend unsichtbar – und wird entsprechend selten strategisch diskutiert.

Bei der Abwasserinfrastruktur ermittelt der IFAT Circularity Monitor Extremwetter als das am größten wahrgenommen Risiko (63 Prozent)**, gefolgt von physischer Sabotage und technischen Defekten (jeweils 62 Prozent)**. Für die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) unterstreichen die Ergebnisse den Handlungsdruck.

„Abwasseranlagen sind systemrelevant, auch wenn sie im öffentlichen Bewusstsein oft im Hintergrund stehen“, sagt Vorständin Lisa Irwin-Broß. „Dass die Bevölkerung diese Zusammenhänge so klar erkennt, ist ein wichtiges Signal. Die Wasserwirtschaft setzt sich mit großem Engagement dafür ein, die Versorgungssicherheit auch zukünftig jederzeit zu gewährleisten. Beim Stromausfall in Berlin zum Jahreswechsel hat die Wasserwirtschaft ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll bewiesen, die Berliner Wasserbetriebe konnten aufgrund der vorhandenen Notstromversorgung die Wasserver- und Abwasserentsorgung aufrechterhalten.“

 

* Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 12. und 14.01.2026 insgesamt 2103 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

** Sehr oder eher wahrscheinlich


Quelle: IFAT

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Die unsichtbaren Welten unter unseren Füßen

Bisherige Einblicke in mikrobielle Gemeinschaften im Grundwasser basieren vor allem auf Proben von frei im Wasser schwebenden Mikroorganismen. Vorangegangene Studien deuteten jedoch bereits darauf hin, dass dies nur einen kleinen Teil des Bildes erfasst. Tatsächlich leben die allermeisten Mikroorganismen im Untergrund als Biofilme fest an Gesteinsoberflächen – sie sind dort bis zu tausendmal häufiger als freischwimmende Organismen.

Um die bislang kaum untersuchte Lebensweise dieser „angehefteten“ Mikroorganismen besser zu verstehen, analysierte das Team mikrobielle Gemeinschaften, die sich auf Karbonatgestein in einem natürlichen Grundwasserleiter im Thüringer Hainich angesiedelt hatten. Mithilfe moderner Genom-Analysen verglichen die Forschenden die angehefteten Gemeinschaften mit freilebenden Mikroorganismen aus dem gleichen System.

Zwei kontrastierende mikrobielle Ökosysteme

Das Ergebnis ist eindeutig: Trotz ihres engen räumlichen Kontakts und möglicher Wechselwirkungen bilden die Mikroorganismen im Wasser und am Gestein zwei stark kontrastierende ökologische Gemeinschaften. Nicht nur unterscheiden sich die Arten stark, auch ihre Fähigkeiten sind grundlegend verschieden.

„Wir haben herausgefunden, dass die Lebensweise der Mikroorganismen – angeheftet am Gestein oder frei im Wasser schweben – einen stärkeren Einfluss auf die Struktur der Lebensgemeinschaft haben als Umweltfaktoren, wie beispielsweise die Verfügbarkeit von Sauerstoff“, erläutert Alisha Sharma, die die Studie im Rahmen ihrer Promotion durchgeführt hat.

Die an Gestein gebundenen Mikroben sind hoch spezialisiert. Sie können Energie aus anorganischen Stoffen wie Eisen oder Schwefel gewinnen und dabei Kohlendioxid binden. Damit tragen sie aktiv zur Kohlenstoffspeicherung im Untergrund bei. Die frei im Wasser lebenden Mikroorganismen sind dagegen funktionell deutlich eingeschränkter.

„Wenn wir die an Gestein angeheftete Gemeinschaft ignorieren, übersehen wir einen wichtigen funktionellen Akteur im Grundwassersystem“, erklärt Dr. Martin Taubert, Arbeitsgruppenleiter im Exzellenzcluster. „Diese Mikroorganismen leisten einen wichtigen Beitrag zu zentralen chemischen Prozessen wie dem Kohlenstoffkreislauf.“

Bedeutung für Umwelt, Wasserwirtschaft und Klimamodelle

Die Erkenntnisse haben konkrete praktische Relevanz. Grundwasser ist eine der wichtigsten Trinkwasserressourcen weltweit. Ein besseres Verständnis der mikrobiellen Prozesse im Untergrund hilft, Stoffumsetzungen im Untergrund realistischer zu bewerten, etwa bei der natürlichen Selbstreinigung von Grundwasser oder bei der langfristigen Speicherung von Kohlenstoff.

Zudem legen die Ergebnisse nahe, dass Grundwasserökosysteme in Karbonatgestein deutlich mehr Kohlendioxid im Untergrund binden können als bisher angenommen – ein Aspekt, der für Klimamodelle und Bewertungen natürlicher Kohlenstoffsenken relevant ist.

Beitrag zum Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“

Die Studie steht exemplarisch für den Forschungsansatz des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“. Ziel des Clusters ist es, zu verstehen, wie mikrobielle Gemeinschaften ihre Umwelt formen – und wie umgekehrt Umweltbedingungen das mikrobielle Gleichgewicht beeinflussen.

„Mikroorganismen halten viele natürliche Systeme im Gleichgewicht, ohne dass wir es bemerken“, sagt Prof. Kirsten Küsel, Professorin für Aquatische Geomikrobiologie und Sprecherin des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“. „Indem wir ihre verborgenen Lebensräume erschließen, verstehen wir besser, wie stabil – oder verletzlich – diese Systeme wirklich sind.“

Die Arbeit zeigt eindrücklich, dass das mikrobielle Leben im Untergrund kein passiver Hintergrund ist, sondern ein aktiver Gestalter der Umwelt – mit Bedeutung weit über den Boden unter unseren Füßen hinaus.


Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Martin Taubert

Institut für Biodiversität, Ökologie und Evolution der Universität Jena
Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“
martin.taubert@uni-jena.de

Originalpublikation:
Sharma, A., Küsel, K., Wegner, CE. et al. Two worlds beneath: Distinct microbial strategies of the rock-attached and planktonic subsurface biosphere. Microbiome (2026). https://doi.org/10.1186/s40168-025-02325-1


Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena

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Wasserpflanzen stabilisieren den Wasserstand und das Grundwasser

Das IGB-Forschungsteam untersuchte Langzeitdaten zum Wasserdurchfluss, Wasserstand und zur Biomasse der Wasserpflanzen in einem über 32 Kilometer langen Abschnitt der Spree südöstlich von Berlin zwischen dem Wehr Große Tränke bei Fürstenwalde und dem Müggelsee. Die Wissenschaftler berechneten den Staueffekt der Wasserpflanzen und zeigten, dass dichte Bestände den Durchflussquerschnitt verengen und die hydraulische Reibung erhöhen. Dadurch steigt der Wasserstand bei gleicher Abflussmenge an. Als Abflussmenge wird in der Wasserforschung das Wasservolumen bezeichnet, das einen Gewässerabschnitt innerhalb einer bestimmten Zeit durchfließt.

Reduzierte Abflussmenge bei konstantem Wasserstand

Die Wasserpflanzen sorgten in den letzten Sommern für einen Wasseranstieg von rund 50 bis 60 Zentimetern im Vergleich zur Situation ohne Wasserpflanzen. So blieb der Wasserstand im Durchschnitt konstant, obwohl die abfließende Wassermenge laut der Studie seit den 1980-er Jahren im Durchschnitt um fast 50 Prozent gesunken ist. Ursachen hierfür sind die Stilllegung des großflächigen Braunkohletagebaus und die anschließende Flutung der Tagebaurinnen. Hinzu kommt die hohe Verdunstung aus den großen neuen Bergbauseen sowie den Fließen und der Vegetation im Spreewald.

„Wasserpflanzen bieten eine naturbasierte Lösung zur Stabilisierung des Wasserstands. Insbesondere für die Spree, die nach dem Ende des Tagebaus in der Lausitz vom Wassermangel betroffen ist und laut Berechnungen des Umweltbundesamts bis 2038 örtlich bis zu 75 Prozent weniger Wasser führen wird“, erläutert Dr. Jörg Lewandowski, Autor der Studie. „Das stärkste Pflanzenwachstum erfolgt von Juni bis August, also genau in der Zeit, in der Trockenheit, weniger Abfluss und erhöhte Verdunstung die Spree besonders belasten.“

Künstliche Barrieren oder Totholz im Flussbett haben zwar einen ähnlichen Staueffekt wie Wasserpflanzen, heben jedoch den Wasserstand auch bei hohem Abfluss und möglichem Hochwasser im Winter und Frühjahr an. Das kann ein Risiko darstellen. Zudem bieten ausgedehnte Wasserpflanzenbestände viel Lebensraum und Futter für Kleintiere und Fische und kommen somit dem gesamten Nahrungsnetz im Ökosystem zugute.

Auch höherer Grundwasserspiegel in der Flussaue

Aufgrund der hydrogeologischen Gegebenheiten – der Durchlässigkeit des Untergrunds in dieser Region – sind Fluss und Grundwasser gut miteinander verbunden. So zeigt sich der positive Staueffekt der Wasserpflanzen auch im angrenzenden Grundwasser. Veränderungen des Flusswasserstands beeinflussen den Grundwasserspiegel über mehrere hundert Meter in Querrichtung zum Flussverlauf. Der Staueffekt der Wasserpflanzen erhöhte das im Flusswasserkörper gespeicherte Wasservolumen um fast 20 Prozent und zusätzlich um das Anderthalbfache (bis zu 143 Prozent) im Grundwasserleiter der Aue (Sommerdurchschnitt, in den Jahren 2011–2021).

„Das zusätzliche Wasser im Grundwasserleiter hilft, plötzliche Schwankungen oder Rückgänge der Abflussmenge auszugleichen und die negativen Auswirkungen von Dürreperioden zu verringern“, so Jörg Lewandowski. „Ein erhöhter, konstanterer Grundwasserspiegel kann die Feuchtgebiete und Moore in der Aue feucht halten, ihre Remineralisierung – den Abbau torfbildender Substanz –verringern und die Nährstoffspeicherung in den Auenböden erhöhen. Das ist auch für die landwirtschaftliche Nutzung relevant, denn es profitieren dadurch auch Flächen, die extensiv beweidet werden.“

Mähen der Wasserpflanzenr reduziert den positiven Staueffekt

Wasserpflanzen werden auch in der Spree immer wieder gemäht. Die Forscher zeigten, dass das Mähen im Juli den positiven Staueffekt in der Spree für den Rest der Saison reduzierte, für den Wasserrückhalt also kontraproduktiv war. Das Mähen im September hatte hingegen keinen Einfluss auf den Staueffekt, da zu dieser Zeit ohnehin viele Wasserpflanzen natürlicherweise absterben.

Der wichtigste – und oft einzige – Grund für das Mähen von Flüssen, Bächen oder Gräben in Tieflandgebieten ist das vermutete höhere Hochwasserrisiko. Doch ob Wasserpflanzen wirklich gemäht werden müssen, sollte auch im Hinblick auf immer längere Dürrephasen sorgfältig abgewogen werden.

„Hohe Abflüsse sind im Sommer für die Flüsse in gemäßigten Tieflandgebieten sehr selten. Die meisten Hochwasserereignisse treten im Winter und Frühjahr auf, wenn keine Pflanzen wachsen. Dies gilt auch für andere Flüsse, Fließe und Grabensysteme und sollte von den zuständigen Bewirtschaftern – zum Beispiel den Wasser- und Bodenverbänden – stärker berücksichtigt werden. Wenn das Hochwasserrisiko gering oder der potenzielle Schaden tragbar ist, können die vielfältigen positiven Auswirkungen der aquatischen Vegetation dieses Risiko deutlich überwiegen“, sagt Dr. Jan Köhler, Autor der Studie.

Die Autoren weisen auch darauf hin, dass das Mähen außerdem schwere ökologische Auswirkungen haben kann. Dazu zählen die Zerstörung von Lebensräumen aquatischer Organismen, erhöhte Treibhausgasemissionen, die Remobilisierung von abgelagerten Partikeln und ein verringerter Rückhalt von Stickstoff.


Zur Datenerhebung

Das Team untersuchte einen 32,4 km langen Abschnitt der Spree südöstlich von Berlin zwischen Große Tränke und Müggelsee (Flusskilometer 302–334). Der Abfluss dieses Flusses in einer Tiefebene wird durch stromaufwärts gelegene Stauseen und durchflossene Seen sowie durch Entnahmen für andere Flusssysteme reguliert und ausgeglichen. In ihrem mittleren Abschnitt fließt die Spree durch eine Landschaft, die durch den Braunkohletagebau stark verändert wurde. Der Grundwasserspiegel wurde in einem Gebiet von etwa 2000 km² um bis zu 100 m abgesenkt, um die Tagebaue trocken zu halten.

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurden die meisten Tagebaue stillgelegt und der Grundwasserspiegel wieder angehoben. Die Wiederauffüllung der ehemaligen Gruben und des angrenzenden Grundwasserleiters verbrauchen rechnerisch große Teile des natürlichen Abflusses und durch eine erhöhte Verdunstung der entstehenden großen Wasserflächen geht der natürliche Abfluss dauerhaft zurück. Bis heute machen Sümpfungswässer aus der Lausitz bis zu 40 Prozent des sommerlichen Abflusses der Spree aus.

Der Wasserstand wurde an 14 Standorten kontinuierlich aufgezeichnet, der Abfluss an zwei Standorten in wöchentlichen bis zwei-wöchentlichen Abständen gemessen und die Wasserpflanzen fast jeden Sommer kartiert. Forschende des IGB untersuchten auch die Grundwasserstandsdaten entlang eines Transekts von Grundwassermessstellen, um die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Veränderungen des Grundwasserstands im Verhältnis zum Wasserstand im Fluss zu quantifizieren.


Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Jörg Lewandowski: https://www.igb-berlin.de/profile/joerg-lewandowski

Originalpublikation:
Jan Köhler, Jörg Lewandowski, Dense stands of aquatic plants retain water in lowland rivers and in adjacent floodplain aquifers, Journal of Hydrology, Volume 667, 2026, 134882, ISSN 0022-1694, https://doi.org/10.1016/j.jhydrol.2025.134882.

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Phosphorrecycling: Qualität und Marktfähigkeit sind entscheidend

Phosphor ist ein strategischer und nicht substituierbarer Rohstoff, dessen Verfügbarkeit aktuell in Deutschland vollständig von Importen abhängt.

Voraussetzung für eine ökologisch sinnvolle Kreislaufführung sind Verfahren, die den Phosphor vollständig aus der Aschematrix extrahieren und als klar definierte Produkte bereitstellen. Technologien und Verwendungen, bei denen der Phosphor in der Asche verbleibt, führen hingegen zu einer Rückführung von Schadstoffen in Boden- und Wasserkreisläufe und beeinträchtigen damit die Qualität der Trinkwasserressourcen.

Zugleich zeigt die Untersuchung, dass die Rückgewinnungspflicht allein nicht ausreicht, um einen tragfähigen Markt für Sekundärphosphor aufzubauen. Da die Preise für Primärphosphor ökologische und soziale Folgekosten nicht abbilden, empfiehlt die Studie die Einführung einer gesetzlich verankerten Rezyklatquote für den Handel mit Phosphor, um Investitionen abzusichern und verlässliche Nachfrage zu schaffen. Darüber hinaus kann Phosphorrecycling einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Versorgungssicherheit leisten.

Kurz-Ergebnisse der Studie

Es braucht verlässliche Rahmenbedingungen

Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser, erklärt zu den Studienergebnissen: „Phosphor ist ein unverzichtbarer Rohstoff für Ernährungssicherheit, Landwirtschaft und Industrie, gleichzeitig aber mit erheblichen geopolitischen, ökologischen und qualitativen Risiken verbunden. Die Studie zeigt deutlich, dass Phosphorrecycling aus Klärschlamm die Chance bietet, eine bislang kaum genutzte heimische Ressource zu erschließen und damit sowohl Umwelt- und Gewässerschutz als auch Versorgungssicherheit zu stärken. Voraussetzung dafür sind jedoch klare Qualitätsanforderungen: Ökologisch vertretbar und breit einsetzbar sind ausschließlich hochreine, schadstoffarme Rezyklate. Gleichzeitig braucht es verlässliche marktliche Rahmenbedingungen. Eine gesetzlich verankerte Rezyklatquote kann die notwendige Nachfrage schaffen, Investitionen absichern und dazu beitragen, die Rückgewinnung wirtschaftlich und praxisnah umzusetzen. Politik und Abwasserentsorger müssen gemeinsam die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Deutschland die Pflichten aus der Klärschlammverordnung erfüllen kann.“

Weitere Informationen

Quelle: BDEW

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Bakterien mit eingebautem Kompass

Einige Bakterienarten besitzen eine erstaunliche Fähigkeit: Sie nutzen das Erdmagnetfeld um sich daran zu orientieren. Um diesen Mechanismus besser zu verstehen hat das Team um Argovia-Professor Dr. Martino Poggio vom Swiss Nanoscience Institute und Departement Physik der Universität Basel das „magnetotaktische“ Bakterium Magnetospirillum gryphiswaldense genauer untersucht.

In seinem Inneren bildet dieses Bakterium eine Kette aus magnetischen Nanopartikeln – den sogenannten Magnetosomen. Diese wirken wie ein biologischer Kompass und ermöglichen dem Bakterium, sich am Erdmagnetfeld auszurichten.

In ihrem natürlichen Lebensraum, in Gewässern oder feuchten Sedimenten, hilft dieser Kompass den Bakterien, bei der Suche nach den besten Lebensbedingungen strukturiert vorzugehen. Ohne diese Orientierungshilfe würden sie sich zufälliger fortbewegen und mehr Zeit und Energie benötigen, um etwa optimale Sauerstoffbedingungen aufzuspüren.

Einsatz in der Medizin und zur Abwasserreinigung

Das Potenzial dieser Bakterien für Anwendungen ist groß: Sie könnten als magnetisch steuerbare „Mikroroboter“ in der Medizin eingesetzt werden – beispielsweise für den gezielten Transport von Wirkstoffen. Auch der Einsatz zur Reinigung von Abwasser ist denkbar, indem die Bakterien Schwermetalle aufnehmen und anschliessend über einen Magneten einfach aus dem Wasser entfernt werden.

Um solche Anwendungen zu ermöglichen, ist ein genaues Verständnis der magnetischen Eigenschaften der Bakterien entscheidend.

Ein Bakterium unter der Lupe

Die Basler Forschenden haben daher in Zusammenarbeit mit dem Mikrobiologen Prof. Dr. Dirk Schüler von der Universität Bayreuth die Magnetpartikel eines einzelnen Bakteriums untersucht. Auf Grund des extrem schwachen Magnetismus einer einzelnen Magnetosomkette ist dies eine große technische Herausforderung. Die meisten bisherigen Studien waren darauf beschränkt Ensembles von Bakterien zu untersuchen. Das interdisziplinäre Forschungsteam konnte nun aber messen, wie bei einem einzelnen Bakterium die Magneten unter Einfluss eines externen Magnetfeldes zusammenwirken.

„Wir haben zunächst ein einzelnes Bakterium an einen extrem dünnen Federbalken befestigt und dessen Schwingungen unter Magnetfeldern gemessen“, erklärt Mathias Claus, Erstautor der Studie und Doktorand in der SNI-Doktorandenschule. „Aus winzigen Änderungen der Schwingungsfrequenz konnten wir ableiten, wie stark das Bakterium magnetisch ist und wie stabil seine Magnetrichtung bleibt.“

Diese hochsensitiven Magnetometrie-Messungen hat das Team durch elektronenmikroskopische Analysen und Computersimulationen ergänzt. Die Forschenden konnten die Magnetstärke der Kette präzise bestimmen und so bestätigen, dass sie für das Bakterium ausreicht, um sich unter natürlichen Bedingungen parallel zum Erdmagnetfeld auszurichten und damit zielgerichtet zu bewegen.

„Sehr starke Magnetfelder können die Ausrichtung allerdings beeinflussen und damit die Orientierung der Bakterien stören. Das ist ein wichtiger Aspekt für mögliche technische Anwendungen, etwa als steuerbare Mikroroboter“, ergänzt Dr. Boris Gross aus dem Poggio-Team, der das Projekt initiiert und geleitet hat.

Interessanterweise wechselten bei einer Umpolung des Magnetfelds einzelne Magnete oder kleine Gruppen plötzlich ihre Richtung, wie auch die durchgeführten Simulationen bestätigen. Dies müssen die Bakterien im See aber nicht befürchten: weder ist das Erdmagnetfeld dafür stark genug, noch sind sie wie das untersuchte Bakterium an einem Kraftsensor fixiert. Sie drehen sich einfach, bis sie wieder mit dem Magnetfeld ausgerichtet sind, bevor es zu solch einer Umpolung kommen könnte.


Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Martino Poggio, Universität Basel, Swiss Nanoscience Institute
martino.poggio@unibas.ch

Originalpublikation: 
Mathias M. Claus, Marcus Wyss, Dirk Schüler, Martino Poggio, and Boris Gross: Magnetic properties of an individual Magnetospirillum gryphiswaldense cell, Phys. Rev. E 113, 014408
DOI: https://doi.org/10.1103/lffn-l7m6

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Wie alt ist unser Wasser?

Bei dem Begriff „Quantentechnologie“ denken viele an geheimnisvolle Computer, die eines Tages alle Codes knacken können. Tatsächlich steckt hinter der Quantentechnologie jedoch viel mehr: neue Messmethoden, mit denen sich Dinge sichtbar machen lassen, die sonst unsichtbar bleiben. In seinem Vortrag „Quantentechnologien für Klima und Umwelt: Unsere Ozeane, unser Eis, unser Trinkwasser – wenige Atome verraten Alter“ geht es Prof. Dr. Markus Oberthaler um ein konkretes Beispiel: eine Quantentechnologie, mit der sich das Alter von Wasser bestimmen lässt – egal, ob es sich um Trinkwasser, Gletscherwasser oder Wasser in den Ozeanen handelt. Sogar die Menge an menschengemachtem CO2, das bereits im Meer „geparkt“ ist, kann damit bestimmt werden.

Eines unter vielen Billionen

Die Natur verrät dieses Alter über seltene Atome, die in Spuren im Wasser vorkommen. Sie sind so selten, dass man sie im Grunde einzeln zählen muss – ungefähr eines unter vielen Billionen anderen. Genau das gelingt mit einer neuen Methode, der sogenannten Atom Trap Trace Analysis. Dabei werden einzelne Atome in einer Art „Lichtfalle“ eingefangen und zum Leuchten gebracht. So ist es möglich, das Alter einer Probe zu bestimmen, indem lediglich rund zehn Liter Wasser oder Eis untersucht werden.

In seinem Vortrag nimmt Oberthaler das Publikum mit auf die Reise einer Probe: von der Entnahme in der Natur über die Analyse im Labor bis hin zu dem Moment, in dem einzelne Atome im Dunkeln aufblitzen und ihre Geschichte erzählen. Anhand von Beispielen aus der Trinkwasserversorgung, den Ozeanen und den Gletschern wird deutlich, wie wenige Atome ausreichen, um neue Erkenntnisse über unsere Natur zu gewinnen.

Die Öffentlichkeit ist herzlich zum Vortrag „Quantentechnologien für Klima und Umwelt: Unsere Ozeane, unser Eis, unser Trinkwasser – wenige Atome verraten Alter“ am Donnerstag, 5. März 2026, um 20:00 Uhr im Hörsaal RW1, Haus Recht und Wirtschaft (ReWi), Jakob-Welder-Weg 9, 55128 Mainz eingeladen. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Der Vortrag erfolgt im Rahmen der Frühjahrstagung der Sektion Atome, Moleküle, Quantenoptik und Plasmen (SAMOP) der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Die Frühjahrstagungen sind ein zentraler Baustein der Aktivitäten der DPG. Sie sind wichtige Plattformen für Studierende, um hier ihre Forschungs- und Abschlussarbeiten oft zum ersten Mal einem größeren Fachpublikum vorzustellen. Darüber hinaus bietet sich Early Career Researchers hier die Möglichkeit, mit erfahrenen Physikerinnen und Physikern aus Wissenschaft und Industrie ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu knüpfen und Anregungen für die Berufs- und Karriereplanung zu sammeln.


Quelle: Deutsche Physikalische Gesellschaft e. V. (DPG) und Johannes Gutenberg-Universität Mainz

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26. Göttinger Abwassertage

Gerade für kommunale Entscheidungsträger/innen und Ingenieur/innen bietet die Teilnahme einen besonderen Mehrwert: Die Abwasserwirtschaft steht vor vielfältigen Herausforderungen wie Klimaanpassung, wachsendem Sanierungsbedarf, wirtschaftlichem Druck, steigenden gesetzlichen Anforderungen und dem Anspruch auf nachhaltige Lösungen. Die Göttinger Abwassertage 2026 liefern hierzu praxisnahe Orientierung, aktuelles Fachwissen und konkrete Lösungsansätze, die sich unmittelbar in die tägliche Arbeit integrieren lassen. Darüber hinaus schafft die Veranstaltung Raum für einen intensiven fachlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus der Region und dem gesamten Bundesgebiet – ein Vorteil, der von den Teilnehmenden Jahr für Jahr besonders geschätzt wird.

Schwerpunkte 2026

Kommunale Praxis im Fokus: Zukunftsstrategien aus erster Hand
Der Auftakt der Veranstaltung steht ganz im Zeichen kommunaler Erfahrungen und Lösungsansätze. Vertreter/innen aus Leopoldshöhe, Goslar, Hürth und Duisburg berichten aus der Praxis und zeigen auf, wie Kommunen Themen wie Klimaanpassung, Hochwasserschutz, Öffentlichkeitsarbeit und nachhaltige Sanierungsstrategien konkret umsetzen.

Klimaanpassung und nachhaltige Stadtentwicklung
Fachleute aus Verwaltung, Wissenschaft und Praxis geben Einblicke in aktuelle Entwicklungen rund um Niederschlagswasserbewirtschaftung, Versickerungskonzepte und digitale Anwendungen. Auf dem Programm stehen unter anderem:

  • „Neue Anforderungen an Planung, Bau und Betrieb von Versickerungsanlagen gemäß DWA-A 138-1“ (Prof. Dr.-Ing. Mathias Kaiser)

  • Digitalisierung im Starkregenmanagement

  • Drei Jahre kommunale Starkregenberatung in Göttingen – ein Praxisbericht

Rechtliche Entwicklungen – Sicherheit im Wandel
Rechtsfragen gewinnen in der Abwasserwirtschaft zunehmend an Gewicht. Ob neue EU-Vorgaben oder Haftungsfragen beim Überflutungsschutz – renommierte Fachjuristinnen und -juristen erläutern aktuelle Entwicklungen und geben praxisnahe Handlungsempfehlungen.

Technische Innovationen und Sanierungspraxis
Der zweite Veranstaltungstag widmet sich intensiv der Sanierung, Qualitätssicherung und technischen Weiterentwicklungen. Themen sind unter anderem:

  • Vergaberecht und Ingenieurleistungen

  • Qualitätssicherung in der Bauausführung

  • Sanierung von Anschlussleitungen

  • „Bestandskanäle und -leitungen in Wasserschutzgebieten: DWA-konforme Gefährdungsbeurteilung als Teil der Sanierungspriorisierung“ (Gregor Breedveld)

  • Praxisbeispiele aus urbanen und ländlichen Räumen


Ausstellung und Netzwerken

Parallel zur Fachtagung präsentieren zahlreiche Aussteller innovative Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Die Praxisblöcke ermöglichen den direkten Austausch mit Herstellern und Fachunternehmen. Ein gemeinsames Get-together am ersten Veranstaltungsabend schafft zudem Raum für vertiefte Gespräche und aktives Networking.


Zielgruppe

Die Göttinger Abwassertage richten sich an:

  • Kommunale Abwasserbetriebe und Stadtentwässerungen

  • Ingenieur- und Planungsbüros

  • Behörden und Einrichtungen der Wasserwirtschaft

  • Fachunternehmen der Kanal- und Sanierungstechnik

  • Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Kurzum: Die Veranstaltung ist ideal für alle, die Verantwortung für Planung, Betrieb und Weiterentwicklung der Abwasserinfrastruktur tragen und sich in einem dynamischen fachlichen Umfeld fundiert informieren und vernetzen möchten.

Zur Veranstaltung

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