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Welche Rolle spielen luftübertragbare Erreger im Krankenhaus und welche Risikobereiche für eine Luftübertragung gibt es?

Welche Rolle spielen luftübertragbare Erreger im Krankenhaus und welche Risikobereiche für eine Luftübertragung gibt es?

Welche Rolle spielen luftübertragbare Erreger im Krankenhaus und welche Risikobereiche für eine Luftübertragung gibt es?

Erreger können auf unterschiedlichen Wegen übertragen werden. Viele respiratorische Erreger, wie z.B. SARS-CoV-2 oder Influenza werden über die Luft, das heißt über Tröpfchen oder Aerosole übertragen und können sich vor allem bei schlechter Belüftung schnell ausbreiten. Um nosokomiale Infektionen zu vermeiden, sind gute Infektionspräventionsmaßnahmen im Krankenhaus essentiell.  In diesem Artikel sollen die Herausforderungen bei der Prävention luftübertragbarer Erreger thematisiert werden, sowie besondere Risikobereiche für die Luftübertragung im Krankenhaus definiert werden.

Relevanz und luftübertragbarer Erreger im Krankenhaus

Im Krankenhaus treffen unterschiedliche Personengruppen aufeinander: Patient*innen die mit bzw. wegen respiratorischen Erkrankungen behandelt werden, Patient*innen die wegen anderen akuten oder chronischen Erkrankungen aufgenommen werden, ambulante Patient*innen und Mitarbeitende verschiedener Berufsgruppen, sowie Besucher*innen. Es ist essentiell die Übertragung von Infektionserregern von bereits infizierten Personen auf andere Personen, zu verhindern.

SARS-CoV-2, ein typisches luftübertragbares Virus, wird hauptsächlich über Tröpfchen und Aerosole übertragen, welche beispielweise beim Sprechen, Atmen, Husten und Niesen entstehen. Tröpfchen können bei nahem Kontakt (bis ca. 1,5 m) direkt auf die Schleimhäute einer anderen Person übertragen werden.  Aerosole können sich schnell im Raum verbreiten und insbesondere bei geringem Luftaustausch oder in kleinen Räumen über längere Zeiträume in der Luft verbleiben und infektiös bleiben. Bei geöffneter Tür oder bei nicht korrekt eingestellten Lüftungsanlagen, können sich Aerosole in angrenzende Bereiche ausbreiten. Weitere Personen können die Aerosole einatmen und sich ggf. infizieren. Eine strikte Unterscheidung zwischen Übertragungen durch Tröpfchen und Aerosolen ist nicht sinnvoll, da es hier einen fließenden Übergang gibt.

Prinzipiell können sich alle Personen im Krankenhaus mit luftübertragbaren Erregern infizieren, weshalb theoretisch alle Bereiche des Krankenhauses, in denen Menschen aufeinandertreffen als Risikobereiche anzusehen sind. Im Folgenden werden Bereiche mit darüberhinausgehendem Risiko für die Übertragung von luftübertragbaren Erregern betrachtet.

 

Risikobereiche im Krankenhaus für Luftübertragung

Als Risikobereiche für eine Luftübertragung gelten Räume mit hohem Personenaufkommen, längerer Aufenthaltsdauer der Personen und schlechter Belüftung, da dies die Wahrscheinlichkeit einer Aerosolverbreitung und damit das Risiko einer Exposition erhöht. Dazu zählen beispielsweise Wartebereiche für Patient*innen, Notaufnahmen, der Aufwachraum im OP oder Pausenräume für das Personal. Ebenfalls kritisch sind Stationen mit Mehrbettzimmern. Hier besteht bei einem infizierten Patienten das Risiko, dass gleich mehrere Mitpatientinnen exponiert werden – was die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Ausbreitung steigert. Hinzu kommt, dass häufige Patientenverlegungen mit wechselnden Zimmernachbarn die Kontrolle der Infektionsketten weiter erschwert.

Weitere Risikobereiche sind Abteilungen mit Patient*innen, die aufgrund einer geschwächten oder noch nicht ausgebildeten Immunabwehr besonders gefährdet sind, wie die Hämato-/Onkologie, Neonatologie oder Intensivstationen (ITS).
Außerdem kann auf pneumologischen Stationen ein erhöhtes Risiko für Luftübertragungen bestehen, da dort viele Patient*innen mit respiratorischen Infektionskrankheiten oder chronischen Atemwegserkrankungen behandelt werden. Diese Bereiche verfügen aber oft über eine gute infektionspräventive bauliche Ausstattung, wie das Vorhandensein mechanischer Lüftungssysteme zur Erzeugung eines Druckgradienten. Zudem verfügt das Personal in der Regel über eine hohe fachliche Kompetenz zur Prävention luftübertragbarer Erreger.

Ebenfalls risikobehaftet können bestimmte medizinische Tätigkeiten sein, sogenannte „Aerosol produzierende Tätigkeiten“ wie die Intubation, das offene Absaugen, Inhalationstherapie oder die Bronchoskopie. Durch diese Maßnahmen können potentiell infektiöse Aerosole vermehrt freigesetzt werden. Diese Prozesse können sowohl in Funktionsbereichen, wie der Bronchoskopie Abteilung stattfinden, im OP, oder auf ITS, aber zum Teil auch auf Normalstationen.

Ob es nach einer Exposition von luftübertragbaren Erregern zu einer Infektion kommt, wird vor allem von der individuellen Suszeptibilität (Empfänglichkeit) der Person für den Infektionserreger beeinflusst. Diese ist beispielweise abhängig von Alter, Grunderkrankungen, Immunitätslage, Impfstatus, etc..

 

Maßnahmen gegen die Ausbreitung luftübertragbarer Erreger

Bei bekannter Infektion mit einem luftübertragbaren Erreger oder bei entsprechender respiratorischer Symptomatik werden Patient*innen im Krankenhaus isoliert. Der Umfang der Isolationsmaßnahmen ist abhängig vom Erreger bzw. Übertragungsweg, sowie interner Vorgaben des Krankenhauses.  Zum Beispiel sollten die Patient*innen in Isolation wegen luftübertragbarer Erreger im Einzelzimmer, möglichst mit raumlufttechnischer Anlage, untergebracht werden. Bei der Versorgung der Patient*innen sollten vom Personal Masken getragen werden bzw. Patient*innen bei Verlassen des Zimmers eine Maske tragen. Damit die infektiösen Aerosole nicht in angrenzende Patientenzimmer oder Bereiche gelangen, sollten die Türen bei den isolierten Patient*innen geschlossen gehalten werden. Ein gutes Kontaktpersonenmanagement (z.B. Quarantäne mit Symptommonitoring von Kontaktpersonen, Testung bei Infektionsverdacht oder nach bestimmtem zeitlichem Intervall) kann dazu beitragen, mögliche Erregerübertragungen auf Kontaktpersonen frühzeitig zu erkennen und so die weitere Ausbreitung eines Erregers zu verhindern.

Eine Herausforderung der Infektionsprävention besteht bei Patient*innen, die sich noch in der präsymptomatischen Phase befinden oder bei welchen noch kein Testergebnis auf einen luftübertragbaren Erreger vorliegt. Hier kann bereits eine Infektiosität bestehen, ohne dass diese bekannt ist.

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass luftübertragbare Erreger wie SARS-CoV-2 oder Influenza im Krankenhaus ein Risiko für nosokomiale Atemwegsinfektionen darstellen, besonders bei schlechter Belüftung oder hoher Personendichte. Das Infektionsrisiko wird durch patientenbezogene Faktoren wie dem individuellen Immunstatus, der Expositionszeit, den durchgeführten Tätigkeiten, sowie baulichen Strukturen wie der Art der Unterbringung oder dem Vorhandensein einer raumlufttechnischen Anlage beeinflusst. Die Prävention erfordert daher eine Kombination aus baulich-strukturellen Maßnahmen, fachlicher Schulung des Personals und konsequenter Anwendung von infektionspräventiven Maßnahmen – auch bereits bei Verdachtsfällen.

 

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