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Lese-Ansicht

Akershus University Hospital in Oslo, von C.F. Møller Architects

Infrastrukturen |
Best Practice

Akershus University Hospital in Norwegen, von C.F. Møller Architects

Im Jahr 2000 gewannen C.F. Møller Architects den Wettbewerb zur Realisierung des neuen Universitätskrankenhauses, New Ahus. Das Krankenhaus wurde 2015 final fertiggestellt. Den Architekt*innen war für ihren Entwurf die Beziehung von Innen- und Außenraum von Bedeutung. Viel Tageslicht und der Bezug zur Natur sind ein wesentliches Gestaltungselement, das sich in den unterschiedlichen Bereichen des Krankenhauses widerspiegelt.

Informationen zum Projekt
Architekt*innen

C.F. Møller Architects, Aarhus I Berlin I Copenhagen

Gebäudetypologie

Krankenhaus

Grundrisstypologie

Krankenhaus

Bauvorhaben

Neubau

Fertigstellung

2015


Standort

Nordbyhagen, Norwegen

BGF

118,000 m2 im Neubau

Bettenanzahl

565 Betten

Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod

Das Universitätskrankenhaus liegt nordöstlich von Oslo in der Provinz Akerhus, die zum Großraum Oslo gehört. Eingebettet in einen grünen Universitätscampus liegt der Haupteingang im Norden des Geländes und wird über einen Vorplatz betreten.

Der offen und einladend gestaltete Entwurf der Architekt*innen empfängt die Patient*innen und Angehörigen am Haupteingang und leitet sie entlang einer großzügigen Achse zu den unterschiedlichen Funktionsbereichen. Ein großes Auditorium sowie eine Kantine schließen direkt an den Eingangsbereich im Norden an. Im Erdgeschoss sind entlang der Erschließungsachse Freiflächen, Begegnungsflächen, Rückzugsflächen und öffentliche Funktionen wie eine Apotheke, ein Friseur oder ein Café angeordnet. Das große Glasdach und die Fassadenelemente ermöglichen einen Bezug zur Natur und bieten eine gute Orientierung. Entlang der Achse sind Erschließungskerne angeordnet, die einen Zugang zu den unterschiedlichen Funktionsbereichen des Universitätskrankenhauses ermöglichen. Gläserne Brücken durch die Erschließungsachse, verbinden die gegenüberliegenden Erschließungskerne der unterschiedlichen Funktionsbereiche miteinander.

Auf der östlichen Seite, in den Fingern der Kammstruktur, befinden sich im Erdgeschoss ambulante Stationen. In den oberen Geschossen befinden sich stationäre Bettenstationen. Die Patient*innenzimmer sind beidseitig an der Fassade angeordnet und werden über einen innenliegenden Erschließungsbereich erschlossen. Zwischen den einzelnen Bettenstationen sind die Funktionsbereiche für die Versorgung parallel zur Erschließungsachse angeordnet. Die Räumlichkeiten orientieren sich dabei sowohl zum Luftraum der Erschließungsachse als auch zum Außenraum.

Auf der westlichen Seite liegen Büro- und Verwaltungsräume ebenfalls parallel zur Erschließungsachse. Die Finger der Kammstruktur sind auf dieser Seite mit einem Riegel verbunden, sodass ein Innenhof ausgebildet wird. Um die beiden nördlichen Innenhöfe orientieren sich in den unteren Etagen u.a. Tagesklinik, Aufwachräume, Radiologie und Schmerzklinik. Die Stationen sind so strukturiert, dass der Leitgedanke des Entwurfes, die Verbindung von Innen- und Außenraum sowie Tageslicht in allen Arbeitsbereichen, ermöglicht wird. Dies wird besonders in der fünften Etage, in der sich die Operationsbereiche befinden, verdeutlicht. Die Operationssäle und alle dienenden Räume sind an die Fassade angeschlossen und werden so mit direktem Tageslicht versorgt.

Die Notaufnahme wird über die westliche Fassadenseite erschlossen. Durch einen Geländeversprung erfolgt die Liegendanfahrt, sowie der Eingang zur Notaufnahme, über die zweite Etage. Die Triage, der Notfall-Operationsbereich und der Behandlungsbereich schließen sich hier ebenfalls direkt an und orientieren sich um die beiden südlichen Innenhöfe herum. Im südlichen Gebäudeteil schließt direkt zwischen Notaufnahme und Erschließungsachse ein Kopfbau an, in dem die Kinder- und Frauenheilkunde untergebracht ist. Hier befinden sich u.a. die Neonatologie, Geburtsstationen und Kinderklinik. Dieser Funktionsbereich wird über einen separaten Eingang im Süden der Erschließungsachse betreten und bietet Kindern und ihren Familien einen geschützten Raum.

Durch die Verwendung von Holz als natürliches Material und den direkten Einfall von natürlichem Licht wird eine wohltuende Atmosphäre erzeugt.

Quelle: Jorgen True
Quelle: Torben Ekserod
Quelle: Torben Ekserod
Warum handelt es sich um ein Best-Practice-Beispiel?

Bei einem Universitätskrankenhaus steht selbstverständlich der Gesundheitsschutz im Vordergrund. Ein Entwurf kann durch die Struktur zu optimierten Arbeitsprozessen, aber auch aufgrund der Materialwahl oder Bauteilfügung zur Infektionsprävention beitragen.

Die große Erschließungsachse im Universitätskrankenhaus Akershus trägt zur guten Orientierung innerhalb der Gebäudestruktur bei. Von dieser Magistrale, an der sich alle öffentlichen Funktionen anordnen, erfolgt über dezentrale Erschließungskerne die Erschließung der unterschiedlichen ambulanten und stationären Funktionsbereiche. Somit ist einerseits eine gezielte Erschließung möglich, wodurch Personenströme direkt geleitet werden können und nicht notwendige Kontakte vermieden werden. Andererseits ist die Kohortierung der einzelnen Bettenstationen, aber auch der Operationsbereiche oder weiterer Fachbereiche voneinander möglich. Des Weiteren ermöglichen Fluchttreppenhäuser, an den Kopfseiten der Kämme, eine direkte Erschließung aus dem Außenraum.

Die separate Erschließung der Notaufnahme mit direkter Anbindung an den OP-Bereich unterstützt die Arbeitsprozesse im Notfall. Zusätzlich ist die Frauen- und Kinderklinik noch einmal mit einem separaten Gebäudetrakt von den weiteren Funktionsbereichen getrennt, sodass sich Personenströme nicht begegnen und im Notfall eine prozessorientierte Versorgung durch die kurzen Wege bspw. zwischen Kreißsaal und Neonatologie erfolgen kann.

Direkte und kurze Wege zwischen den Fachbereichen und dem bspw. Operationsbereich sowie die Verbindung über Brücken in die Bettenstationen ermöglichen kurze Wege zwischen Behandlungen und im Notfall.

Nutzernahe Lagerflächen, bspw. durch die Anordnung der Versorgungsräume direkt am  Zugang zur Bettenstation, ermöglichen eine dezentrale Lagerung von Materialien, die bedarfsgerecht und prozessorientiert aufgefüllt werden können.

Kohortierbarkeit EG
Erschließung EG
Kurze Wege EG
Orientierung EG
Kohortierbarkeit OG
Erschließung OG
Kurze Wege OG
Orientierung OG

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Bedeutung und Umsetzung des baulichen Gesundheitsschutzes in der Zentralen Notaufnahme (ZNA)

Bedeutung und Umsetzung des baulichen Gesundheitsschutzes in der Zentralen Notaufnahme (ZNA)

Bedeutung und Umsetzung des baulichen Gesundheitsschutzes in der Zentralen Notaufnahme (ZNA)

Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) ist eine besonders sensible Funktionseinheit des Krankenhauses. Als häufig erstere Kontaktpunkt der stationären Versorgung treffen hier täglich zahlreiche Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen und häufig unbekanntem Infektionsstatus aufeinander. Hohe Patientenzahlen, zeitkritische Behandlungsabläufe, begrenzte räumliche Kapazitäten und enge Kontakte zwischen Patienten und medizinischem Personal stellen besondere Herausforderungen an die Infektionsprävention, die im Weiteren identifiziert werden.

Warum ist der bauliche Gesundheitsschutz in der ZNA wichtig?

In Notaufnahmen treffen potenziell infektiöse und nichtinfektiöse Patient*innen häufig auf engem Raum zusammen. Insbesondere gemeinsam genutzte Warte-, Holding- und Behandlungsbereiche begünstigen die Übertragung von Krankheitserregern durch direkten Kontakt, kontaminierte Oberflächen sowie durch Tröpfchen und Aerosole.

Der hohe Patientendurchsatz und die medizinische Dringlichkeit können die konsequente Umsetzung hygienischer Maßnahmen erschweren. Kurze Wechselzeiten zwischen Behandlungen erhöhen zusätzlich die Anforderungen an Reinigung und Desinfektion.

Beschäftigte haben regelmäßig Kontakt zu vielen Patient*innen und können selbst Infektionen erwerben oder unbeabsichtigt Krankheitserreger zwischen Behandlungsbereichen oder Patient*innen übertragen. Eine geeignete bauliche Struktur kann solche Kontakte reduzieren und hygienisch sichere Arbeitsabläufe unterstützen.

Wie kann der bauliche Gesundheitsschutz umgesetzt werden?

Besonders relevant in der ZNA sind die räumliche Separierung, die bedarfsgerechte Flächengestaltung, die Dezentralisierung von Funktionsbereichen und die Optimierung der Lüftung.

Räumliche Separierung von Patienten und Behandlungsbereichen

Die räumliche Trennung stellt eine der wirksamsten untersuchten Maßnahmen dar. Ziel ist es, direkte Kontakte und gemeinsame Aufenthalte unterschiedlicher Patientengruppen zu reduzieren.

Mögliche Umsetzungen sind:

  • Einrichtung von Einzelbehandlungs-/Untersuchungsräumen anstelle großer gemeinsamer Behandlungsbereiche.
  • Abtrennung einzelner Behandlungsplätze durch feste Wände, flexible Trennwände oder Paravents, welche jedoch wischdesinfizierbar sein müssen.
  • Räumliche Trennung und Isolierung von Patient*innen mit Verdacht auf übertragbare Infektionskrankheiten oder Besiedlung mit isolationspflichtigen Multiresistenten Erregern.
  • Aufteilung großer Holding- und Wartebereiche in kleinere, voneinander getrennte Einheiten.
  • Festlegung eindeutig abgegrenzter infektiöser und nichtinfektiöser Versorgungsbereiche.
  • Remote Erfassung des Krankheitsbildes der Patienten bereits vor deren Betreten der ZNA.

Das Projekt InnoBRI zeigt anhand von Simulationen, dass die Separierung von Behandlungsbereichen die wirksamste untersuchte unabhängige Intervention für die gesamte modellierte Notaufnahme darstellt. Abhängig vom untersuchten Erreger konnten relative Reduktionen der Übertragungs- beziehungsweise Besiedlungsereignisse von etwa 10 bis 22 % für die gesamte ZNA modelliert werden.

Optimierung der Raumgrößen und räumlichen Organisation

Ausreichend dimensionierte Räume schaffen die Voraussetzungen für hygienisch sichere Behandlungsabläufe. Enge Behandlungsräume und überfüllte Funktionsbereiche erhöhen die Wahrscheinlichkeit enger Kontakte und erschweren die Trennung unterschiedlicher Arbeitsprozesse.

Eine geeignete Planung umfasst deshalb:

  • Ausreichend große Untersuchungs- und Behandlungsräume.
  • Vermeidung räumlicher Überbelegung.
  • Flächenreserven für wechselnde Patientenaufkommen.
  • Bedarfsgerechte räumliche Verteilung von Arbeitsplätzen und Versorgungseinrichtungen.
  • Ausreichende Bewegungsflächen für medizinisches Personal und Behandlungsvorgänge.

Ein weiterer Ansatz ist die Dezentralisierung von Funktionsbereichen, beispielsweise durch die Aufteilung eines zentralen Pflegestützpunktes auf mehrere kleinere Einheiten je nach Krankheitsbild. Dadurch können sich Personalbewegungen und Kontaktkonzentrationen verändern.

Hygienegerechte Oberflächen und technische Ausstattung

Neben der Raumaufteilung sind die Kontaktflächen innerhalb der ZNA von Bedeutung. Häufig berührte Gegenstände und Oberflächen können mit Krankheitserregern kontaminiert werden und als mögliche Übertragungsquellen dienen. Daher sollten bei der baulichen Planung Oberflächen und Einbauten berücksichtigt werden, die eine zuverlässige Reinigung und Desinfektion ermöglichen. Dies betrifft insbesondere Türen, Arbeitsflächen, medizinische Versorgungsbereiche und patientennahe Ausstattung, sowie medizinische Geräte. Darüber hinaus ist auf eine Ausstattung mit gut erreichbaren Händedesinfektionsmittelspendern zu achten.

Eine weitere untersuchte Möglichkeit ist der Einsatz berührungsloser Türöffnungssysteme, um Kontakte mit häufig genutzten Türgriffen zu reduzieren. Diese Maßnahme wurde im InnoBRI-Projekt als mögliche Intervention beschrieben, jedoch nicht abschließend hinsichtlich ihrer Wirksamkeit modelliert.

Unterstützung sicherer Arbeits- und Patientenwege

Die Grundrissarchitektur einer ZNA muss medizinische Abläufe unterstützen und gleichzeitig unnötige Kontakte reduzieren. Hierzu gehören eine klare räumliche Zonierung, übersichtliche Erschließungswege und eine funktional sinnvolle Zuordnung unterschiedlicher Versorgungsbereiche.

Die Trennung hygienisch unterschiedlicher Tätigkeiten, beispielsweise septischer und aseptischer Arbeitsprozesse, kann durch die bauliche Organisation unterstützt werden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass eine stärkere räumliche Trennung auch Nachteile verursachen kann. Hierzu zählen eine eingeschränkte Übersichtlichkeit, längere Wege und zusätzlicher organisatorischer Aufwand. Entscheidend ist deshalb eine Planung, die Infektionsschutz, Patientenüberwachung, medizinische Erreichbarkeit und betriebliche Funktionalität gleichermaßen berücksichtigt.

Welche Wirksamkeit haben die baulichen Maßnahmen?

Die Ergebnisse des InnoBRI-Projekts verdeutlichen, dass bauliche Maßnahmen einen messbaren Beitrag zur Infektionsprävention leisten können.

Für SARS-CoV-2 ergab die Kombination aus Behandlungsraumseparierung, Flächenvariation/Dezentralisierung und Lüftungsanpassung sogar eine modellierte Reduktion der Infektionsinzidenz um rund 39 %. Die Wirksamkeit ist jedoch abhängig vom jeweiligen Krankheitserreger und dessen Übertragungswegen. Maßnahmen gegen aerogen übertragene Erreger müssen deshalb nicht gleichermaßen wirksam gegen kontaktübertragene Erreger sein.

Fazit

Der bauliche Gesundheitsschutz ist ein wesentlicher Bestandteil einer sicheren, leistungsfähigen und zukunftsfähigen Zentralen Notaufnahme. Durch geeignete architektonische und technische Maßnahmen können Infektionsübertragungen reduziert, hygienische Arbeitsprozesse unterstützt und die Sicherheit von Patient*innen und Beschäftigten verbessert werden. Insbesondere räumlichen Separierung von Behandlungsbereichen, der bedarfsgerechten Flächengestaltung, der Dezentralisierung von Funktionsstellen und der Optimierung der Raumlufttechnik  bieten Potenziale.

Den größten Nutzen versprechen aufeinander abgestimmte Maßnahmen, die unterschiedliche Übertragungswege berücksichtigen und gleichzeitig eine funktionierende Notfallversorgung gewährleisten. Damit ist der bauliche Gesundheitsschutz nicht als ergänzende Ausstattungsmaßnahme, sondern als grundlegendes Planungsprinzip für Neubau, Umbau und Modernisierung von Zentralen Notaufnahmen zu verstehen. Er verbindet Infektionsprävention mit wirtschaftlicher Nachhaltigkeit und trägt langfristig zu einer verbesserten Versorgungsqualität bei.

Quellengrundlage

InnoBRI-Ergebnisbericht, 21.11.2024, insbesondere Kapitel 1, 5, 6 und 7. Die beschriebenen Effekte stammen überwiegend aus Modellrechnungen.

Abbildung mit Darstellung verschiedener Übertragunsgwege von Krankheitserregern
Hygiene
Infektionsübertragungswege
Welche Übertragungswege von Krankheitserregern gibt es? Welche Erreger werden wie übertragen?
Bild mit vielen Personen in einem Wartebereich eines Krankenhauses
Hygiene
Welche Rolle spielen luftübertragbare Erreger im Krankenhaus und welche Risikobereiche für eine Luftübertragung gibt es?
Viele respiratorische Erreger werden über die Luft übertragen und können sich vor allem bei schlechter Belüftung schnell ausbreiten. In diesem Artikel werden die Herausforderungen bei der Prävention luftübertragbarer Erreger thematisiert, sowie besondere Risikobereiche für die Luftübertragung im Krankenhaus definiert.

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