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Kölner Kolloquium 2026 nimmt Kanalsysteme und Abwasserinfrastruktur in den Blick

Aktuelle Anforderungen an Kanalsysteme und die Abwasserinfrastruktur stehen am 14. und 15. September 2026 beim 24. Kölner Kanal und Kläranlagen Kolloquium auf dem Programm. Die zweitägige Fachveranstaltung im Maternushaus in Köln verbindet Themen aus Kanalisationstechnik und Abwasserreinigung und wird von einer Fachausstellung begleitet.

Kanalsysteme zwischen Stadtentwicklung und Niederschlagswasser

Der erste Veranstaltungstag widmet sich der wassersensiblen Stadtentwicklung, der Öffentlichkeitswirksamkeit und dem dezentralen Niederschlagswassermanagement. Damit greift das Kolloquium Fragestellungen auf, die für Planung und Betrieb kommunaler Entwässerungsinfrastruktur zunehmend zusammen betrachtet werden müssen.

Die Veranstaltung beschäftigt sich bereits seit mehr als 20 Jahren mit Fragestellungen der Kanalisationstechnik. Zu den behandelten Themen gehören Bau, Betrieb, Zustandserfassung, Instandhaltung und Sanierung von Kanälen sowie Fremdwasser und rechtliche Rahmenbedingungen. Seit 2008 umfasst das Programm zusätzlich Fragen zu Technik, Betrieb und Unterhaltung von Abwasserreinigungsanlagen.

Kanalplanung, Kanalbau und digitale Instrumente

Am zweiten Veranstaltungstag stehen Infrastrukturbewirtschaftung und digitale Instrumente ebenso auf der Agenda wie Kanalplanung, Kanalbau und Kanalbetrieb. Weitere Themenblöcke befassen sich mit Abwasserreinigung, Klimaschutz und Klimaanpassung sowie Klärschlamm.

Damit deckt das Programm verschiedene Phasen der kommunalen Abwasserinfrastruktur ab – von der Planung und Bewirtschaftung der Kanalnetze bis zur Behandlung des Abwassers und des anfallenden Klärschlamms. Für Fachleute aus Rohrleitungsbau, Planung und Netzbetrieb bietet insbesondere die Verbindung von baulichen und betrieblichen Themen Anknüpfungspunkte.

Fachausstellung begleitet das Kolloquium

Begleitet wird das 24. Kölner Kanal und Kläranlagen Kolloquium von einer Fachausstellung. Anmeldeschluss für Teilnehmer:innen ist Freitag, 11. September 2026. Die Veranstaltung ist gemäß Fort- und Weiterbildungsordnung der Ingenieurkammer-Bau NRW anerkannt.

Zum Kolloquium

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Mikroalgen der Hochschule Darmstadt reinigen Abwasser und binden CO₂

Im Mittelpunkt der Forschung steht die einzellige Süßwasseralge Tetradesmus lagerheimii. Im Technikum des Fachbereichs Chemie- und Biotechnologie der h_da wird sie in grün leuchtenden Photobioreaktoren kultiviert. Dort untersuchen Prof. Dr. Rüdiger Graf, Doktorandin Samira Reuscher und Dr. Gerd Klock, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich, gemeinsam mit Partnern aus der Papierindustrie und der TU Darmstadt, wie sich Mikroalgen künftig in Klärwerken oder Industrieanlagen einsetzen lassen.

„Wir sind eins besser als das Ü-Ei“, stellt Prof. Dr. Rüdiger Graf fest und erklärt den ungewöhnlichen Vergleich: „Das Ü-Ei hat drei Pluspunkte – Spannung, Spielzeug und Schokolade. Wir nutzen Sonnenenergie, um Biomasse aufzubauen, binden dabei CO₂ und reinigen Abwasser. Und dann kommt noch der vierte Punkt dazu: Wir produzieren wertvolle Algenöle.“

Hormonell wirksame Stoffe aus dem Abwasser filtern

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Reinigung industrieller Abwässer. Zwar erfüllen sie alle gesetzlichen Vorgaben. Trotzdem können geringe Mengen hormonell wirksamer Stoffe zurückbleiben. Und hier kommen die Mikroalgen ins Spiel: Sie können diese Stoffe aufnehmen, anreichern und im besten Fall sogar vollständig abbauen.

„Die genauen molekularen Mechanismen sind zwar bisher nur teilweise erforscht“, erläutert Doktorandin Samira Reuscher. „Wir wissen aber, dass es funktioniert: Mikroalgen filtern hormonell wirksame Substanzen aus dem Abwasser.“

Natürliche Arbeitsteilung im Algen-Reaktor

Ganz ohne Nebenwirkungen geht das allerdings nicht. Durch ihren Stoffwechsel geben die Algen organische Stoffe ab, die die Wasserqualität mindern. Um das Problem zu lösen, setzen die Forschenden auf eine natürliche Arbeitsteilung im Algen-Reaktor: Verschiedene Bakterienstämme werden den Algenkulturen zugesetzt und bauen die unerwünschten Stoffwechselprodukte wieder ab.

„In der Natur sind die Algen auch mit anderen Organismen vergesellschaftet“, erklärt Dr. Gerd Klock. „Die verschiedenen Organismen müssen sich aufeinander einstellen.“

Algenöl statt Ackerflächen

Die Mikroalgen nutzen Sonnenlicht und Kohlendioxid zum Wachsen, sie binden CO₂ und vermehren sich dabei fleißig, bilden also Biomasse. Und die ist nicht nur die Grundlage für die Reinigung des Abwassers, sondern auch für den zweiten Nutzen des Forschungsprojekts: die Herstellung von Algenölen.

Unter idealen Bedingungen investieren die Algen ihre Energie vor allem in Wachstum. Erst wenn sie gezielt unter Stress gesetzt werden – etwa durch Nährstoffmangel oder weniger Licht –, verändern sie ihren Stoffwechsel und speichern Energiereserven in Form von Lipiden. Diese begehrten Algenöle können unter anderem zur Herstellung von Bio-Kraftstoffen verwendet werden. Im Gegensatz zu Mais oder Raps beanspruchen die Alleskönner-Algen dafür keine Ackerflächen.

„Man muss der Alge Stress machen, damit sie versteht: Jetzt muss ich Lipide herstellen, statt immer weiter Zellteilung zu betreiben“, beschreibt Prof. Dr. Rüdiger Graf die Herangehensweise.

Ziel der Forschenden ist es, dabei die richtige Balance zu finden: möglichst viel Biomasse zu erzeugen bei gleichzeitig hoher Ölproduktion.

Auf dem Weg in die großtechnische Anwendung

Noch ist das Verfahren nicht wirtschaftlich genug für den großtechnischen Einsatz.

„Deshalb arbeiten wir intensiv daran, unter anderem den Energiebedarf während des Kultivierungsprozesses zu senken“, sagt Graf.

Für das Forschungsteam steht das Potenzial der Technologie dennoch außer Frage: Künftig könnten modulare Algenanlagen direkt an Industrieunternehmen oder Klärwerke angeschlossen werden. Dort würden sie Abwasser reinigen, Kohlendioxid verwerten und gleichzeitig nachwachsende Rohstoffe erzeugen – eine Innovation mit vielen Vorteilen für Umwelt und Industrie. Das Kooperationsprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.


Quelle: Hochschule Darmstadt

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Forschungsprojekt nimmt Bakterien in Springbrunnen ins Visier

Bakterien in Springbrunnen können insbesondere dann zum hygienischen Risiko werden, wenn Menschen mit dem Wasser oder den entstehenden Aerosolen in Kontakt kommen. Im Forschungsprojekt SpriBak entwickelt ein Team der Fachhochschule Südwestfalen deshalb ein mikrobiologisches Überwachungssystem, das Bakterien automatisiert erkennen soll. Parallel untersuchen die Projektpartner, wie sich Springbrunnen technisch so gestalten lassen, dass bakterielle Belastungen reduziert werden.

Bakterien in Springbrunnen als hygienisches Risiko

Öffentliche Springbrunnen und Wasserspiele werden an heißen Tagen häufig zur Abkühlung genutzt. Nach Angaben der Fachhochschule Südwestfalen besteht durch Hautkontakt mit dem Wasser oder das Einatmen von Aerosolen jedoch ein erhöhtes Infektionsrisiko, insbesondere für Kinder. Genannt werden unter anderem Escherichia coli, Enterokokken und Pseudomonas. Diese Bakterien können beispielsweise Magen-Darm- und Wundinfektionen oder Lungenentzündungen verursachen.

„Öffentliche Springbrunnen sind keine Trinkwasserbrunnen“, erklärt Projektmitarbeiterin Dr. Jacqueline Hollensteiner.

Anders als bei Trinkwasser werde nicht permanent frisches und geprüftes Wasser zugeführt. Das Wasser zirkuliere in der Regel und werde lediglich von Zeit zu Zeit aufgefüllt.

„Der Eintrag von Nährstoffen und Fäkalien von Tieren in rezirkulierende Wassersysteme mit Becken, Pumpen und Filtern begünstigt die Keimbildung“, weiß die in Göttingen promovierte Mikrobiologin.

Hinzu kommt nach Angaben des Forschungsteams, dass für Springbrunnen im Vergleich zum Trinkwasser spezifische Regularien fehlen.

Vorstudie zeigt hohe bakterielle Belastung

Eine Vorstudie liefert Hinweise auf den Handlungsbedarf. Hollensteiner und Professor Dr. Dr. Alexander Prange werteten dafür Wasserproben aus öffentlichen Springbrunnen aus.

„Von 280 im Sommer 2023 in öffentlichen Springbrunnen genommenen Wasserproben entsprachen 65 Prozent nicht den Bewertungsgrenzen für die Bakterienbelastung“, verdeutlicht Hollensteiner.

Eine OpenStreetMap-Analyse des Teams ermittelte zudem 26.443 gemeldete Springbrunnenobjekte in Deutschland, davon mehr als 3.000 in Nordrhein-Westfalen. Das Forschungsteam geht von einem prognostizierten jährlichen Marktwachstum der Springbrunnen in deutschen Innenstädten von 3,5 Prozent aus.

Damit stellt sich auch die Frage, wie eine mikrobiologische Überwachung in größerem Umfang praktisch umgesetzt werden kann.

„Diese regelmäßig zu testen bedeutet erheblichen personellen und finanziellen Aufwand“, sagt Hollensteiner.

In die Anlagen integrierte Messsysteme könnten diesen Aufwand reduzieren.

Automatisierte Testkammer soll Wasserqualität überwachen

Unter Leitung von Professor Dr. Dr. Alexander Prange, Professor für Lebensmittel-Mikrobiologie, arbeitet die Fachhochschule Südwestfalen mit der AquaActiv Springbrunnen- und Wassertechnik GmbH aus Lage zusammen. Ein Projektziel ist die Entwicklung eines robusten Testsystems zur Überwachung der Wasserqualität in öffentlichen Springbrunnen.

Gleichzeitig soll der technische Aufbau der Anlagen optimiert werden, um bakterielle Belastungen möglichst zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren. Das Team arbeitet dafür derzeit an einer automatisierten Testkammer.

„Erste Laborversuche verlaufen vielversprechend, mit deren Hilfe Stoffwechselaktivitäten lebender Zellen sichtbar gemacht und das Vorhandensein von Bakterien nachgewiesen werden kann“, sagt Hollensteiner.

Das geplante System verbindet damit mikrobiologische Detektion und Anlagentechnik. Der Kurztitel SpriBak steht für Springbrunnen-Bakterien. Entwickelt werden soll eine keimsensible Wasseraufbereitungsanlage mit integrierter Messeinheit, Filterung und Entkeimungsvorrichtung.

Wasserhygiene gewinnt bei städtischen Wasserspielen an Bedeutung

Mit steigenden Temperaturen können Springbrunnen und Wasserspiele zugleich für die Gestaltung des städtischen Mikroklimas an Bedeutung gewinnen. Eine intensivere Nutzung erhöht jedoch auch die Anforderungen an die hygienische Bewertung solcher Anlagen.

Sogenannte städtische Hitzeinseln werden in Zuge des Klimawandels zunehmen und Springbrunnen oder Wasserspiele können helfen, das städtische Mikroklima im Sommer zu kühlen. Eine steigende Frequentierung durch die Bevölkerung mache nach Einschätzung der Mikrobiologin eine Risikoanalyse und Risikominimierung umso notwendiger.

SpriBak wird über das ZIM-Programm gefördert

Das Forschungsprojekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Es wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) gefördert. Ziel ist, bis zum Ende der Projektlaufzeit ein funktionierendes Testsystem für die mikrobiologische Überwachung von Springbrunnen zu entwickeln.


Quelle: Fachhochschule Südwestfalen

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Der Mensch im Mittelpunkt – das Vermächtnis von Dorothee Bürkert

Als Firmengründer Christian Bürkert im Oktober 1971 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, galt die Zukunft des Unternehmens als ungewiss. Das Land steckte in einer Rezession, Rücklagen gab es nach Angaben der Stiftung so gut wie keine. Dennoch entschied sich Dorothee Bürkert gegen einen Verkauf und übernahm die Verantwortung für das Familienunternehmen. Anlässlich ihres 100. Geburtstags am 19. August erinnert die Christian und Dorothee Bürkert Stiftung an diese Entscheidung und das Wirken der Unternehmerin.

Verantwortung in einer schwierigen Phase übernommen

„Ein bezeichnendes Merkmal Dorles war Treue“, sagt ihr Bruder Ulrich Gauss, ehemaliger Oberbürgermeister von Waiblingen und heute 94. „Für sie kam es praktisch nicht infrage zu sagen: Ich höre auf, weil es schwierig wird.“

Unter ihrer Leitung entwickelte sich Bürkert Fluid Control Systems von einer patriarchalisch geprägten Firma zu einer kooperativen Organisation. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit mehr als 3.700 Mitarbeitende und unterhält Produktionsstandorte in Deutschland, Frankreich, China, den USA und Indien.

Mitarbeiterorientierung früh als Führungsprinzip verankert

Bereits 1984 verankerte Dorothee Bürkert Führungsgrundsätze, die den Menschen in den Mittelpunkt stellten – lange bevor Mitarbeiterorientierung zu einem wirtschaftlichen Schlagwort wurde.

Ihre Haltung brachte sie selbst auf den Punkt: „Wenn dem Management nichts Besseres einfällt, als aus Kostengründen in Billiglohnländer zu gehen, dann sollten nicht die Mitarbeiter entlassen werden, sondern das Management.“

Statt wie viele Unternehmen in den 1990er-Jahren die Produktion ins Ausland zu verlagern, schuf Bürkert nach Angaben der Stiftung flexible Strukturen in der Region – ohne Entlassungen.

Stiftung führt gesellschaftliches Engagement fort

Bereits 1978 gründete Dorothee Bürkert die Christian Bürkert Stiftung und verwirklichte damit die Idee ihres Mannes, Erträge des Unternehmens dem Gemeinwohl zugutekommen zu lassen. Seit 2024 wird dieses Vermächtnis durch die Christian und Dorothee Bürkert Stiftung fortgeführt. Auf sie wurde die Beteiligung an der Unternehmensgruppe übertragen; seither trägt die Stiftung auch den Namen Dorothee Bürkerts.

Nach Angaben der Stiftung fördert sie junge Talente, engagiert sich für faire Bildungschancen, unterstützt Forschungsprojekte sowie soziale und kulturelle Projekte im Umfeld der Unternehmensstandorte. So kannte Dorothee Bürkert die Namen der Auszubildenden und richtete eine „Freud-und-Leid-Kasse“ ein, aus der Beschäftigte in Notlagen unterstützt wurden.

Für ihr unternehmerisches Wirken erhielt Dorothee Bürkert 1996 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Die Stadt Ingelfingen ernannte sie zudem zur Ehrenbürgerin.

Dorothee Bürkert starb am 19. Juli 2012, einen Monat vor ihrem 86. Geburtstag.


Quelle: Christian und Dorothee Bürkert Stiftung

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Die verborgenen Anatomie der Wolken

Wolkentröpfchen sind in flachen Cumulus-Wolken offenbar deutlich ungleichmäßiger verteilt als bislang angenommen. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (MPI-DS) haben Bereiche von weniger als einem Meter nachgewiesen, in denen sich die Tröpfchen lokal konzentrieren. Die veröffentlichten Ergebnisse liefern neue Hinweise darauf, wie Regen in Wolken ohne Eiskristalle entstehen kann.

Wolkentröpfchen geben Einblick in die Entstehung von Regen

Flache Wolken kommen sowohl über Ozeanen als auch über Land vor. Insbesondere flache Cumulus-Wolken können ausschließlich aus kleinen flüssigen Wassertropfen bestehen. Eiskristalle, die als Keime für die Niederschlagsbildung dienen könnten, fehlen dort. Dennoch können diese Wolken innerhalb weniger Minuten Regen erzeugen.

Damit Niederschlag entsteht, müssen kleine Tröpfchen miteinander kollidieren und größere Tropfen bilden, die schließlich zu Boden fallen. Wie die dafür notwendigen ersten Kollisionen zustande kommen, ist eine bislang nicht abschließend geklärte Frage der Atmosphärenwissenschaft.

„Wir haben die Struktur einer flachen, warmen Wolke mit hoher räumlicher Auflösung untersucht“, sagt Mohsen Bagheri, Gruppenleiter am MPI-DS und einer der Leiter der Studie. „Es ist wie ein 3D-Mikroskop in den Wolken zu nutzen, das Partikelgröße und -verteilung untersucht“, fährt er fort.

CloudKite untersucht Wolken mit hoher räumlicher Auflösung

Flache Wolken weisen Bereiche mit hoher Partikelkonzentration auf, die möglicherweise der Schlüssel zur Regenbildung sind. (Quelle: MPI)

Für ihre Untersuchungen entwickelten Forschende des MPI-DS um Mohsen Bagheri und Institutsdirektor Eberhard Bodenschatz die Messplattform CloudKite. Grundlage ist ein Helikite-Ballon, der die Messinstrumente mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 Metern pro Sekunde durch die Wolken bewegt. Damit ist die Plattform deutlich langsamer als Forschungsflugzeuge.

Das Observatorium verfügt über zwei speziell entwickelte optische Bildgebungssysteme mit Lasern und Hochgeschwindigkeitskameras. Eines der Systeme kann die dreidimensionalen Positionen und Größen einzelner Wolkentröpfchen 75-mal pro Sekunde rekonstruieren. Das zweite System erfasst die Turbulenz innerhalb der Wolken mittels Partikelbild-Velozimetrie.

Beide Instrumente arbeiten autonom und ermöglichen die gleichzeitige Untersuchung von Wolkenmikrophysik und Turbulenz über unterschiedliche räumliche Skalen.

„Zusammen mit der hohen Bildaufnahmerate des Instruments ermöglicht dies Messungen im Abstand von 12 Zentimetern – etwa 250-mal häufiger als bei früheren Beobachtungen aus der Luft“, sagt Eberhard Bodenschatz. „Der CloudKite eröffnet somit ein gänzlich neues Beobachtungsfenster in die Wolken“, fasst er zusammen.

Lokales Clustering der Wolkentröpfchen

Mit den CloudKite-Daten rekonstruierten die Forschenden die innere Struktur eines 55 Meter langen Abschnitts einer flachen Cumulus-Wolke. Dabei zeigte sich, dass die Tröpfchen nicht gleichmäßig verteilt waren. Stattdessen identifizierte das Team stark lokalisierte Bereiche mit einem Durchmesser von etwa einem Meter oder weniger.

In diesen Hotspots liegen die Tröpfchen näher beieinander als in anderen Teilen der Wolke. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie miteinander kollidieren und größere Tropfen entstehen. Die Messungen stellen damit die bisherige Annahme infrage, wonach Tröpfchen lediglich schwach und vergleichsweise gleichmäßig verteilt clustern.

„Da die Tröpfchen dort clustern, werden Kollisionen viel wahrscheinlicher. Diese lokal begrenzten Hotspots könnten daher die Stellen sein, an denen es in flachen Cumuluswolken zu regnen beginnt“, sagt Birte Thiede, Erstautorin der Studie.

Bedeutung für Wetter- und Klimamodelle

Das MPI-DS-Team untersucht derzeit, wie Turbulenz und die beobachteten Clustering-Hotspots zusammenhängen. Weitere Feldkampagnen mit dem CloudKite-Observatorium sind in Amazonien, an der Ostsee und in Nordfinnland geplant.

Die Prozesse in warmen Wolken sind auch für Wetter- und Klimamodelle relevant. Wie effizient sich kleine Wolkentröpfchen zu Regentropfen entwickeln, beeinflusst die Lebensdauer der Wolken und ihre Fähigkeit, Sonnenlicht zurück ins All zu reflektieren. Die Beschreibung dieser Prozesse ist daher ein wichtiger Faktor für die Modellierung von Niederschlag und Energiehaushalt.

„Die Aufdeckung der verborgenen Struktur warmer Wolken wird zu besseren Beschreibungen der Regenbildung und genaueren Wettervorhersagen führen“, fasst Mohsen Bagheri zusammen.


Originalpublikation: B. Thiede, M.L. Larsen, F. Nordsiek, O. Schlenczek, Y. Kim, E. Bodenschatz, & G. Bagheri, Highly localized droplet clustering in shallow cumulus clouds, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 123 (32) e2602976123, https://doi.org/10.1073/pnas.2602976123 (2026).

Quelle: Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

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Raus aus dem Abwasser, zurück in den Kreislauf: Pilotanlage gewinnt Ammoniak

Eine Pilotanlage im Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm soll Ammonium aus Abwasser entfernen und den enthaltenen Stickstoff zurückgewinnen. Das Verfahren haben Forschende des Instituts für Chemieingenieurwesen der Universität Ulm gemeinsam mit dem Zweckverband Klärwerk Steinhäule (ZVK) entwickelt. Seit Mai 2026 wird die Anlage unter Praxisbedingungen getestet.

Ammonium aus Abwasser für die weitere Nutzung zurückgewinnen

Hintergrund des Projekts sind steigende Anforderungen an die Entfernung von Stickstoff und Phosphor aus kommunalen Abwässern. Nach Angaben der Projektpartner verpflichtet die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie die Kommunen ab August 2027 dazu, in ihren Kläranlagen deutlich mehr Stickstoff und Phosphor zu entfernen als bislang.

Ein Teil des Stickstoffs liegt im Abwasser als Ammonium vor. Zu hohe Einträge von Stickstoff und Phosphor können zur Eutrophierung von Gewässern beitragen. Ammonium ist zudem für Fische giftig. Die Projektgruppe unter Leitung von Professor Thomas Grützner verfolgt deshalb einen Ansatz, der die Entfernung des Stickstoffs mit seiner Rückgewinnung verbindet.

„Der ZVK hat großes Interesse am Einsatz zukunftsfähiger Technologien in allen Bereichen des Klärwerks, insbesondere an solchen, die auf Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft abzielen“, sagt Jonathan Fuchs, Abteilungsleiter Betrieb und Labor beim Zweckverband Klärwerk Steinhäule über die Kooperation mit der Uni Ulm.

Die Testanlage im Neu-Ulmer Klärwerk Steinhäule entfernt Ammoniak aus Klärschlamm. Dafür wird Wasserdampf in den Sumpf einer Stripping-Kolonne geleitet. (Christine Liebhardt / Uni Ulm)

Dampfstrippung trennt Ammoniak vom Zentratwasser

Technische Grundlage der Pilotanlage ist die Dampfstrippung. Bei diesem thermischen Trennverfahren nimmt Wasserdampf eine leicht flüchtige Komponente aus einer Flüssigkeit auf. Die Anlage behandelt sogenanntes Zentratwasser, das bei der Klärschlammentwässerung entsteht und stark mit Ammonium belastet ist.

Das Zentrat aus dem Faulschlamm wird in einer Kolonne im Gegenstrom zum aufsteigenden Dampf geführt. Dabei erwärmt der Wasserdampf das Zentrat auf Siedebedingungen. Das ursprünglich gebundene Ammonium geht als Ammoniak in die Gasphase über und wird mit dem Dampf nach oben aus der Anlage transportiert.

Am unteren Ende der Kolonne verlässt das gereinigte Zentrat die Anlage. Es enthält nur noch geringe Mengen Ammonium, die anschließend im biologischen Klärprozess entfernt werden. Den oben austretenden Dampf mit dem enthaltenen Ammoniak kondensiert die Anlage.

Kondensat wird zu Ammoniakwasser aufkonzentriert

Ein Teil des Kondensats gelangt zurück in die Kolonne. Dadurch lässt sich der Ammoniumgehalt im Kondensat erhöhen. Der übrige Anteil kann bei Bedarf in einem zusätzlichen Verfahrensschritt weiter aufkonzentriert werden. Als Produkt entsteht konzentriertes Ammoniakwasser.

Für diesen Stoff sehen die Forschenden weitere Anwendungsmöglichkeiten.

„Ammoniakwasser kann zum Beispiel eingesetzt werden, um CO2 aus industriellen Abgasen zu entfernen“, erläutert Grützner.

Damit zielt das Verfahren nicht allein auf eine weitergehende Stickstoffelimination in der Abwasserreinigung. Der im Prozesswasser enthaltene Stickstoff soll zugleich als nutzbarer Stoff zurückgewonnen werden.

Pilotbetrieb soll Daten für die Hochskalierung liefern

Die Pilotanlage wurde gemeinsam mit Spezialisten für thermische Trenntechnik der Iludest GmbH entworfen. An den vorausgegangenen Arbeiten der Projektgruppe waren neben Professor Grützner auch Chiara Lukas, Lorraine Arzner und Yannick Waibel beteiligt.

„Wir sind sehr stolz darauf, dass wir unseren kommunalen Partner bei Entwicklung und Bau dieser Pilotanlage unterstützen und so einen deutlichen Mehrwert für unsere Region generieren können“, freut sich Professor Thomas Grützner.

Der mehrmonatige Betrieb im Klärwerk Steinhäule dient nun dazu, das entwickelte Verfahren unter Praxisbedingungen zu testen. Auf dieser Grundlage soll geprüft werden, wie sich der Prozess später in den industriellen Maßstab hochskalieren lässt.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr.-Ing. Thomas Grützner
Universität Ulm, Institut für Chemieingenieurwesen
thomas.gruetzner@uni-ulm.de

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Wasserkraftverband warnt vor Folgen der neuen 25-kW-Grenze

Der Wasserkraftverband Mitteldeutschland sieht in der geplanten EEG-Novelle 2027 Risiken für kleine Wasserkraftprojekte und damit auch für die Wasserwirtschaft. Nach Angaben des Verbands sollen neue Wasserkraftanlagen mit einer installierten Leistung von weniger als 25 Kilowatt künftig keine EEG-Vergütung mehr erhalten. Bestehende Anlagen wären von dieser Regelung nicht betroffen.

Wasserwirtschaft: Querbauwerke vor Rückbau prüfen

Der Verband verbindet seine Kritik an der geplanten EEG-Regelung mit der Diskussion über bestehende Querbauwerke. Gerade während trockener Perioden könnten Wasserkraftwerke und andere Querbauwerke nach seiner Einschätzung dazu beitragen, Wasser in der Landschaft zurückzuhalten. Deshalb fordert er erneut ein Moratorium gegen den Abriss solcher Bauwerke.

Vor einem Rückbau sollten die energetischen, gewässerökologischen und denkmalpflegerischen Potenziale eines Standorts unabhängig untersucht werden. Bestehende Staustufen könnten nach Auffassung des Verbands saniert und teilweise gleichzeitig zur Erzeugung erneuerbaren Stroms genutzt werden. Bei einer Reaktivierung seien zudem Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung möglich.

„Es ist widersinnig, bestehende Querbauwerke mit öffentlichen Mitteln abzureißen und gleichzeitig privaten Investoren die wirtschaftliche Grundlage dafür zu entziehen, genau diese Standorte zu sanieren und für die Energiewende nutzbar zu machen“, sagt Martin Richter, Präsident des Wasserkraftverbandes Mitteldeutschland. „Wir sollten Wasser in der Landschaft halten, bestehende Infrastruktur sinnvoll weiterentwickeln und dort erneuerbaren Strom erzeugen, wo dies ökologisch verträglich möglich ist. Das verbindet Gewässerschutz, Klimaschutz und einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld.“

25-kW-Grenze könnte Reaktivierung kleiner Standorte erschweren

Nach Darstellung des Wasserkraftverbands betrifft die geplante 25-kW-Grenze neue Anlagen. Dazu zählt der Verband auch Projekte, bei denen bislang ungenutzte oder stillgelegte Staustufen erstmals oder erneut für die Stromerzeugung erschlossen werden. Gerade kleinere Querbauwerke könnten in eine Leistungsklasse unterhalb von 25 kW fallen.

Ohne eine verlässliche EEG-Vergütung würde sich nach Einschätzung des Verbands die wirtschaftliche Grundlage solcher Projekte verschlechtern. Das könne Investitionen in Turbinen, die ökologische Durchgängigkeit und die Sanierung wasserbaulicher Infrastruktur beeinflussen.

„Die 25-Kilowatt-Grenze verhindert im schlimmsten Fall genau die Projekte, die wir eigentlich brauchen“, so Richter. „Eine vorhandene Staustufe könnte erhalten und saniert werden, sie könnte zum Wasserrückhalt beitragen und gleichzeitig zuverlässig erneuerbaren Strom erzeugen. Wenn die EEG-Novelle solchen Projekten die wirtschaftliche Perspektive nimmt, ist weder der Energiewende noch unseren Gewässern geholfen.“

Verband fordert Prüfung ökologischer und energetischer Nutzung

Der Wasserkraftverband leitet daraus zwei Forderungen ab. Vor dem Rückbau bestehender Querbauwerke soll grundsätzlich geprüft werden, ob eine ökologische und energetische Weiternutzung möglich ist. Außerdem fordert der Verband, die vorgesehene 25-kW-Grenze für neue Wasserkraftanlagen aus dem EEG-Entwurf zu streichen.

Als rechtlichen Bezug nennt der Verband § 2 EEG. Danach liegen Errichtung und Betrieb von Anlagen sowie den dazugehörigen Nebenanlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien im überragenden öffentlichen Interesse und dienen der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit. In seiner Pressemitteilung fordert der Verband, diesen Stellenwert auch beim Umgang mit vorhandener wasserbaulicher Infrastruktur zu berücksichtigen.

Wasserrückhalt und Gewässerschutz im Blick

Für die Wasserwirtschaft berührt die Debatte mehrere Ziele gleichzeitig: den Umgang mit bestehenden Querbauwerken, den Wasserrückhalt, die ökologische Entwicklung von Gewässern und die Nutzung vorhandener Infrastruktur zur Energieerzeugung. Der Wasserkraftverband spricht sich dafür aus, diese Aspekte standortbezogen zu prüfen, anstatt Querbauwerke grundsätzlich zurückzubauen.

Als Beispiel verweist der Verband auf das Walkmühlenwehr in Bautzen. Dort hatte er bereits argumentiert, eine energetische Nutzung sei nach seiner Einschätzung zu einem Bruchteil der für den Rückbau vorgesehenen öffentlichen Mittel möglich gewesen. Konkrete Vergleichszahlen nennt die aktuelle Pressemitteilung dazu nicht.


Quelle: Wasserkraftverband Mitteldeutschland e.V.

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Restaurierungsstopp lässt Phosphorproblem im Arendsee ungelöst

Die Phosphorbelastung im Arendsee bleibt trotz der vorerst gestoppten Restaurierung ein Problem. Ende Juli hat der Altmarkkreis Salzwedel die Genehmigung für das Restaurierungskonzept versagt. Nach den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen sind sowohl eine Verminderung der Nährstoffeinträge von außen als auch eine Reduzierung des bereits im See vorhandenen Phosphors erforderlich.

Phosphorbelastung im Arendsee seit Jahrzehnten zu hoch

Die Nährstoffkonzentrationen im Arendsee sind seit Jahrzehnten erhöht. Zu den Folgen zählen Sauerstoffmangel, Algenmassenentwicklungen, das Verschwinden der Unterwasservegetation, Fischsterben und Badeverbote. Das Land Sachsen-Anhalt unternimmt deshalb seit 2010 finanzielle und organisatorische Anstrengungen, um die Ursachen der Belastung zu ermitteln und eine Restaurierungsstrategie zu entwickeln.

Fachleute aus verschiedenen Bereichen der Wasserwirtschaft haben dazu in einer Projektarbeitsgruppe mögliche Maßnahmen diskutiert und priorisiert. Nach ihrer Einschätzung erfordert ein langfristiger Erfolg die Kombination zweier Ansätze: Die Nährstoffeinträge von außen müssen vermindert und der bereits im See vorhandene Phosphor reduziert werden.

Grundwasser transportiert Phosphor aus dem Siedlungsbereich

Die Suche nach den Quellen der Nährstoffbelastung führte zu Ergebnissen, die ursprüngliche Annahmen widerlegten.

IGB-Forscher Dr. Jörg Lewandowski erklärt: „Bevor wir mit unseren Untersuchungen begonnen haben, war man davon überzeugt, dass entweder Nährstoffe aus der Landwirtschaft oder nordische Gänse für die zu hohe Nährstoffbelastung verantwortlich sind.“

Nach den Untersuchungen gelangt etwa die Hälfte des Phosphors über das Grundwasser aus dem Siedlungsbereich der Stadt in den Arendsee. Der Eintrag ist menschengemacht. Die ehemalige Abwasserverrieselung und das ehemalige Düngemittellager im Bahnhofsbereich konnten als Ursachen ausgeschlossen werden.

Als mögliche Quellen kommen nicht ordnungsgemäß zurückgebaute Sickergruben, eine übermäßige Düngung in Privatgärten sowie undichte private oder öffentliche Kanalisation infrage.

Lewandowski erläutert: „Wir konnten im Grundwasser neben Phosphor auch Chemikalien wie Süßstoffe und Arzneimittelrückstände nachweisen. Die können eigentlich nur aus undichter Abwasserkanalisation stammen.“

Sanierung und Restaurierung müssen nicht gleichzeitig erfolgen

Eine alleinige Reduzierung der Einträge über das Grundwasser würde nach Einschätzung der Wissenschaftler erst langfristig Wirkung zeigen. Ursache ist die Wassererneuerungszeit des Arendsees von mehr als 50 Jahren.

IGB-Wissenschaftler Prof. Dr. Michael Hupfer, der seit drei Jahrzehnten am Arendsee forscht, sagt: „Beschränkt man sich nur darauf, die Einträge über das Grundwasser zu reduzieren, würde es nach Abschluss der Maßnahmen mehrere Jahrzehnte dauern, bis der See wieder natürliche Nährstoffkonzentrationen erreicht. Grund dafür ist die lange Wassererneuerungszeit des Sees von mehr als 50 Jahren. Wenn der Phosphor mit einer Fällung schlagartig verringert wird, gewinnt man wertvolle Zeit für die Planung und Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen.“

Die Untere Wasserbehörde des Altmarkkreises Salzwedel macht die Genehmigungsfähigkeit der Fällung unter anderem davon abhängig, dass gleichzeitig die Ursachen der Belastung bekämpft werden. Ein entsprechendes Konzept liege bislang nicht vor.

Hupfer hält eine zeitgleiche Umsetzung jedoch nicht für erforderlich: „Unsere Berechnungen haben gezeigt, dass Sanierung und Restaurierung erforderlich sind, aber nicht zwingend gleichzeitig erfolgen müssen“. Sollten die Phosphoreinträge über das Grundwasser dauerhaft bestehen bleiben, müsste die Fällung nach den Berechnungen ähnlich wie beim Barleber See nach 20 bis 30 Jahren wiederholt werden.

Ökologische Risiken auch ohne Phosphorfällung

Nach Einschätzung der Wissenschaftler birgt auch ein Verzicht auf Maßnahmen Risiken für den Arendsee.

Lewandowski kritisiert: „Die Argumentation des Altmarkkreises, dass ein Einsatz von Fällmittel ein unkalkulierbares Risiko für das Ökosystem darstelle, ist nicht nachvollziehbar, denn wir haben es hier mit einer erprobten Technik zu tun. Die Versagung der Fällung berücksichtigt nicht, dass auch ein Verzicht auf Maßnahmen erhebliche ökologische Risiken für den See birgt“.

Die Sauerstoffsituation im Tiefenwasser ist seit Jahren kritisch. Mit dem Klimawandel werden nach den Angaben Massenentwicklungen von Algen häufiger auftreten, während sich der Lebensraum für Organismen mit Sauerstoffbedarf weiter verkleinert. Betroffen ist auch die Kleine Maräne. Ihr Bestand kann derzeit nur durch Besatz aufrechterhalten werden, da eine natürliche Fortpflanzung wegen des Sauerstoffmangels unter heutigen Bedingungen kaum möglich ist.

Phosphorreduktion als Teil der Klimaanpassung

Wissenschaftliche Untersuchungen an zahlreichen deutschen Seen zeigen nach Angaben des IGB, dass Seen mit niedrigeren Phosphorkonzentrationen widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels sind. Hupfer fasst die Ergebnisse zusammen: „Die beste Methode um Seen auf weiteren Klimawandel vorzubereiten, ist die Senkung der Phosphorkonzentration“.

Phosphorfällungen werden seit fünf Jahrzehnten weltweit in Seen eingesetzt. Bei fachgerechter Anwendung lassen sich nach den Angaben ökologische Risiken minimieren. Das Fällprodukt soll dauerhaft im Sediment verbleiben und dort weiteren Phosphor binden.

Eine spätere Rücklösung des Phosphors erwarten die Wissenschaftler für den Arendsee nicht.

Lewandowski erklärt: „Der Arendsee ist ein tiefer See mit steil abfallenden Ufern, bei dem Wind die Fällprodukte nicht aufwirbeln kann. Deshalb spielen Rücklösungsprozesse hier keine Rolle.“

Auch die Größe des Sees steht demnach einer Fällung nicht entgegen, wenn die Dosierung entsprechend angepasst wird.

Mehr als 25 Tonnen Phosphor im Arendsee

Die Menge des im See gesammelten Phosphors beträgt mehr als 25 Tonnen. Eine seeinterne Fällung wäre auch mit anderen Fällmitteln als Polyaluminiumchlorid möglich. Als Alternative werden externe Reinigungsanlagen genannt, bei denen ebenfalls Fällmittel eingesetzt werden. Das behandelte Wasser könnte anschließend in den See zurückgeführt werden.

Die frühere Tiefenwasserableitung war nach Einschätzung Hupfers dagegen nicht erfolgreich: „Die frühere Tiefenwasserableitung hat nicht funktioniert, weil die Wasseraufenthaltszeit im See sehr lang ist und damit die entnehmbare Wasser- und Nährstoffmenge viel zu klein ist, als dass man einen Erfolg erzielen könnte“.

Technische Optionen für die Phosphoreinträge aus dem Grundwasser

Zur Verringerung der Phosphoreinträge aus dem Grundwasser werden neben der Suche nach den Quellen und deren Sanierung sogenannte End-of-Pipe-Technologien als Möglichkeit genannt. Dabei würden die Phosphorkonzentrationen unmittelbar an den Zutrittsstellen im Uferbereich des Arendsees gesenkt.

Eine Option wären Grundwasserentnahmebrunnen entlang der betroffenen Uferabschnitte. Durch die entstehenden Absenkungstrichter soll verhindert werden, dass anströmendes Grundwasser unmittelbar in den See gelangt. Das geförderte Wasser müsste anschließend technisch in einer Phosphor-Eliminationsanlage oder naturbasiert in großflächigen Pflanzenkläranlagen behandelt und danach in den Arendsee eingeleitet werden.

Als weitere technische Möglichkeit werden durchlässige aktive Barrieren genannt, mit denen Phosphor an besonders betroffenen Uferabschnitten entfernt werden könnte.

Hupfer sieht weiterhin Handlungsbedarf: „Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen vor Ort und die zuständigen Fachbehörden den Ernst der Lage erkennen. Nichtstun und Verhindern sind keine Alternative, wenn der Arendsee als Perle der Altmark wieder in neuem Glanz erstrahlen soll“.


Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

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Weniger Stagnation im Netz: Bigge erneuert Trinkwasserleitung

Die Hochsauerlandwasser GmbH (HSW) erneuert im Zentrum von Bigge rund 530 Meter einer Trinkwasserleitung. Die bestehende Hauptleitung stammt in weiten Teilen aus den 1950er Jahren und hat nach Angaben des Versorgers ihr technisches Nutzungsalter erreicht. Mit der Sanierung wird zugleich der Leitungsquerschnitt von 300 auf 150 Millimeter reduziert. Damit soll insbesondere das Stagnationsrisiko im Trinkwassernetz verringert werden.

Trinkwasserleitung aus den 1950er Jahren wird ersetzt

Die Arbeiten betreffen den Bereich Bigger Platz, Josef-Rüther-Straße und Stehestraße. Am Bigger Platz laufen die Bauarbeiten bereits seit einigen Wochen. Rund die Hälfte des Projekts ist nach Angaben der HSW abgeschlossen. Anschließend werden die Arbeiten im Bereich der Josef-Rüther- und Stehestraße fortgesetzt.

„Die Arbeiten gehen gut voran“, erläutert Dipl.-Ing. Philipp Hegener, Bereichsleiter Trinkwasserversorgung der HSW.

Neben dem Alter der vorhandenen Leitung nennt der Versorger defekte Armaturen als Grund für die Erneuerung. Diese erschweren den Betrieb. Zudem ist die bestehende Graugussleitung mit einem Querschnitt von 300 Millimetern für den heutigen Bedarf deutlich zu groß dimensioniert.

Kleinerer Querschnitt soll Stagnationsrisiko reduzieren

„Wahrscheinlich hat man in früheren Jahrzehnten mit stark steigenden Verbräuchen oder auch einem erheblichen Bevölkerungswachstum gerechnet“, vermutet Hegener.

Die neue Trinkwasserleitung besteht aus duktilem Gussrohr und weist einen Querschnitt von 150 Millimetern auf. Die Anpassung der Dimensionierung ist insbesondere unter hygienischen Gesichtspunkten relevant: Ein dem tatsächlichen Bedarf entsprechender Leitungsquerschnitt soll das Risiko längerer Stagnationszeiten reduzieren.

„Das bietet Vorteile vor allem für die Trinkwasserhygiene, aber auch für die Wirtschaftlichkeit“, erklärt Hegener.

Offene Bauweise und Einzug in bestehende Leitung

Der überwiegende Teil des neuen duktilen Gussrohres wird in offener Bauweise verlegt. Auf einem 65 Meter langen Teilabschnitt nutzt HSW dagegen die vorhandene Leitung: Dort wird das neue Rohr in die bisherige Leitung eingezogen. Im Zuge der Arbeiten werden außerdem zwölf Hausanschlüsse erneuert oder saniert.

Hauptleitung versorgt weite Teile des östlichen Bigge

Die sanierte Hauptleitung übernimmt eine zentrale Funktion in der örtlichen Trinkwasserversorgung. Vom Hochbehälter Hagen wird das Trinkwasser zunächst in Richtung Ruhrufer geführt. Von dort zweigt die Hauptleitung nach Osten ab und versorgt weite Teile des östlichen Bereichs von Bigge.

Für die Erneuerung der rund 530 Meter langen Hauptleitung investiert die Hochsauerlandwasser GmbH nach eigenen Angaben rund 280.000 Euro.


Quelle: Hochsauerlandwasser

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16 Hochwasser in zwei Jahren: Europas vergessene Flutserie

Das Hochwasser 1342, bekannt als Magdalenenflut, war nach neuen Forschungsergebnissen kein isoliertes Extremereignis. Ein internationales Forschungsteam hat für den Zeitraum vom Winter 1341/42 bis Ende 1343 insgesamt 16 große, überregionale Hochwasser in Europa rekonstruiert. Vier davon erreichten statistische Wiederkehrperioden von 500 bis 1.000 Jahren. Die in Nature veröffentlichte Untersuchung liefert damit auch Anhaltspunkte für die Bewertung aufeinanderfolgender Extremhochwasser im heutigen Risikomanagement.

Hochwasser 1342 als Teil einer außergewöhnlichen Ereigniskette

Die Magdalenenflut vom Juli 1342 gilt als das schwerste Hochwasser Mitteleuropas im vergangenen Jahrtausend und als größtes Bodenerosionsereignis seit dem Ende der letzten Eiszeit. Die neue Untersuchung ordnet das Ereignis in einen größeren zeitlichen und räumlichen Zusammenhang ein.

Zwischen dem Winter 1341/42 und Ende 1343 identifizierten die Forschenden 16 große Hochwasser in weiten Teilen Europas. Neben der Magdalenenflut erreichten auch die als Lichtmess-, Jakobs- und Bartholomäusflut bezeichneten Ereignisse statistische Wiederkehrperioden von 500 bis 1.000 Jahren. Den Ergebnissen zufolge war 1342 das hochwasserreichste Jahr der vergangenen 700 Jahre. Auch 1343 zählt zu den zehn extremsten Jahren dieses Zeitraums.

„Wir können Monat für Monat rekonstruieren, welche Regionen Europas wann betroffen waren. Das zeigt deutlich, dass sich die Hochwasser wie eine Perlenkette durch die Jahre 1341 bis 1343 ziehen – nicht alle gleich verheerend, nicht alle am selben Ort, aber alle klar miteinander verbunden“, sagt Andrea Kiss, Erstautorin der Studie sowie Historikerin und Geographin an der Technischen Universität Wien.

Mehr als 1.000 historische Quellen ausgewertet

Hochwassermarke an der Pfarrkirche St. Blasius in Hann.-Münden mit einer Gedenkinschrift an dieser Kirche mit Angabe der Wasserhöhe. (Quelle: Martin Bauch)

Grundlage der Rekonstruktion sind mehr als 1.000 Einträge aus historischen Originalquellen. Dazu gehören Chroniken, Rechnungsbücher, Urkunden und Briefe. Die Studie entstand unter Leitung von Andrea Kiss und Günter Blöschl von der Technischen Universität Wien gemeinsam mit einem interdisziplinären Team von mehr als 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Europa.

An der Rekonstruktion war auch der Mittelalterspezialist Martin Bauch vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) in Leipzig beteiligt. Er brachte insbesondere Quellen aus Mitteldeutschland, Böhmen und dem östlichen Mitteleuropa in die Untersuchung ein und überführte die ausgewerteten Informationen in historische Datenbanken.

Flutserie traf Mitteldeutschland und östliches Mitteleuropa

Besonders stark betroffen waren Mitteldeutschland und das östliche Mitteleuropa. In Prag zerstörte die Moldau die steinerne Judithbrücke, die Vorgängerin der heutigen Karlsbrücke. An der Elbe stürzten Brücken in Dresden und Meißen ein. Weitere Brückeneinstürze sind unter anderem für Erfurt, Vacha, Meiningen, Eisenach und Bautzen überliefert.

Die räumliche Ausdehnung der Hochwasser reichte über Böhmen bis in den Karpatenraum und nach Ungarn. Entlang der Donau berichtete der Chronist Johann von Winterthur von rund 6.000 Todesopfern. Europaweit forderte die Hochwasserserie nach den ausgewerteten Quellen viele Tausend Opfer.

Vulkanausbrüche und arktisches Meereis als mögliche Faktoren

Als mögliche Ursache für die außergewöhnliche Häufung nennen die Forschenden das Zusammentreffen mehrerer Faktoren. Um 1340 ereignete sich demnach eine Serie großer Vulkanausbrüche, darunter mindestens fünf tropische Vulkane sowie ein Ausbruch der isländischen Hekla. Gleichzeitig ging das arktische Meereis über mehrere Jahre zurück.

Nach Einschätzung des Forschungsteams veränderten diese Faktoren die Luftströmungen über Europa und begünstigten extreme und langanhaltende Niederschläge. Die Untersuchung verbindet damit historische Quellen mit Erkenntnissen zur Klima- und Umweltgeschichte.

„Die Magdalenenflut ist bis heute im kollektiven Gedächtnis präsent, weil sie mit Hochwassermarken und Gedenktafeln festgehalten wurde, aber auch durch jährlich wiederholte Bittprozessionen. Dass sie nur ein Ereignis in einer ganzen Kette von Katastrophen war, ist über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Diese Jahre gehören zur großen Krise des 14. Jahrhunderts, die wenige Jahre später im Schwarzen Tod gipfelte. Unsere Ergebnisse zeigen, wie eng Umwelt-, Klima- und Gesellschaftsgeschichte in dieser Zeit verflochten waren“, erklärt Martin Bauch.

Hochwasserrisiko: Ereignisse nicht isoliert betrachten

Für die Wasserwirtschaft ist insbesondere die zeitliche Abhängigkeit extremer Hochwasser relevant. Die Studie stellt die Annahme infrage, dass seltene Hochwasser grundsätzlich als voneinander unabhängige Einzelereignisse betrachtet werden können.

„Hochwasser sind statistisch nicht unabhängig voneinander: Sie treten nicht einfach zufällig ein wie Lottogewinne, sondern können statistisch und ursächlich zusammenhängen“, betont der Wiener Hydrologe Günter Blöschl.

Nach Angaben des Forschungsteams werden Sequenzen mehrerer Extremhochwasser innerhalb weniger Monate im heutigen Risikomanagement bislang kaum berücksichtigt. Die Autorinnen und Autoren sprechen sich deshalb für anpassungsfähige Schutzstrategien aus, die neben einzelnen seltenen Extremereignissen auch mögliche Ereignisketten berücksichtigen. Nach ihrer Einschätzung kann der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit solcher Häufungen künftig erhöhen.


Originalpublikation: Kiss, A., Viglione, A., Barrientos, M., Enzi, S., Bauch, M. et al. (2026): Cascading continental-scale floods across Europe in 1342–1343. Nature. DOI: 10.1038/s41586-026-10888-8

Quelle: Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO)

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KoNexus verbindet Abwasserreinigung und Power-to-Gas

Power-to-Gas auf Kläranlagen steht im Mittelpunkt des Forschungs- und Demonstrationsvorhabens KoNexus. Partner aus Wasserwirtschaft, Energiewirtschaft, Forschung und Technologieentwicklung untersuchen, wie sich Power-to-Gas-Technologien technisch, wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll auf Kläranlagen einsetzen lassen.

Power-to-Gas auf Kläranlagen für die Sektorkopplung

Im Zentrum des Vorhabens steht die Idee, Kläranlagen als flexible Knotenpunkte einer klimafreundlichen Energieversorgung zu nutzen. Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien kann dort per Elektrolyse in grünen Wasserstoff umgewandelt werden. Dieser kann direkt genutzt oder gemeinsam mit biogenem Kohlendioxid aus Klärgas zu Biomethan weiterverarbeitet werden.

Bei diesen Prozessen entstehen Koppelprodukte wie Sauerstoff und Abwärme. Der Sauerstoff kann für die Ozonung oder Belüftung in der Abwasserbehandlung eingesetzt werden. Die Abwärme soll für Prozesse auf der Kläranlage genutzt werden.

„Kläranlagen bringen viele Voraussetzungen mit, die für Power-to-Gas-Konzepte entscheidend sind: Wasserströme, Klärgas, Wärmebedarfe, technische Infrastruktur und zunehmend eigene erneuerbare Energiequellen. KoNexus soll zeigen, wie daraus ein tragfähiges Gesamtsystem entstehen kann“, sagt Dr.-Ing. Christian Remy, Gruppenleiter Energie und Ressourcen am KWB.

Demonstrationsbetrieb im Klärwerk Schönerlinde

Mehrere Fallstudien sollen das Zusammenspiel marktreifer Technologien im realen Anlagenbetrieb demonstrieren. Auf dem Klärwerk der Berliner Wasserbetriebe in Schönerlinde werden bestehende Komponenten wie Elektrolyse, Methanisierung, Gasspeicher, Sauerstoffnutzung und Ozonung in einen automatisierten Demonstrationsbetrieb eingebunden.

In Cottbus wird ein Rieselbettreaktor zur Biomethanisierung weiterentwickelt. In Eberswalde betreibt die Barnimer Energiebeteiligungsgesellschaft einen großtechnischen 2-MW-Elektrolyseur und untersucht Synergien mit einer nahegelegenen Kläranlage. Dazu gehören unter anderem die Nutzung von Sauerstoff und aufbereitetem Kläranlagenablauf.

Kläranlagenablauf als Speisewasser für Elektrolyseure

Das Kompetenzzentrum Wasser Berlin übernimmt im Projekt wissenschaftliche und transferorientierte Aufgaben. Dazu gehören Untersuchungen zur Nutzung von Elektrolysesauerstoff in der Ozonung sowie die Optimierung der Aufbereitung von Kläranlagenablauf als Speisewasser für Elektrolyseure.

Das KWB erstellt außerdem Ökobilanzen zur Bewertung von Nachhaltigkeit, Klimaschutzwirkung und Dekarbonisierungspotenzialen. Hinzu kommt die Erstellung eines Leitfadens für den sicheren Datenaustausch zwischen Wasser- und Energiebetreibern unter KRITIS-Anforderungen.

Praxistransfer als Schwerpunkt von KoNexus

Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt auf dem Transfer in die Praxis. Die Projektergebnisse sollen in nationale Fachgremien und Regelwerke eingebracht werden. Zudem ist ein praxisnaher Leitfaden für Planung und Betrieb von Power-to-Gas-Konzepten auf Kläranlagen vorgesehen.

Koordiniert wird KoNexus durch das Kompetenzzentrum Wasser Berlin. Im Projekt involviert sind das Reiner Lemoine Institut gGmbH (RLI), die Berliner Wasserbetriebe AöR (BWB), die Technische Universität München – Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft (TUM), die Gicon®-Großmann Ingenieur Consult GmbH (GICON) und die Barnimer Energiebeteiligungsgesellschaft mbH (BEBG).

KoNexus ist ein Forschungs- und Demonstrationsvorhaben in der BMFTR-Fördermaßnahme „Wasser-Energie-Nexus“ (WENex) zur Sektorkopplung von Wasser- und Energiewirtschaft durch Power-to-Gas-Technologien auf Kläranlage


Quelle: Kompetenzzentrum Wasser Berlin

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Digitale Lösungen stärken die Hochwasservorsorge bei Starkregen

Die Wasserwirtschaft steht angesichts zunehmender Hochwasser- und Starkregenereignisse vor wachsenden Herausforderungen. Während der Hochwasserschutz an großen Flüssen in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut wurde, rücken lokale Starkregenereignisse, kleinere Gewässer und oberflächliche Abflusswege verstärkt in den Fokus. Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) untersucht, welchen Beitrag digitale Technologien zur kommunalen Hochwasservorsorge leisten können.

Digitale Technologien unterstützen die Wasserwirtschaft bei der Hochwasservorsorge

Die Untersuchung beschreibt digitale Werkzeuge entlang des gesamten Vorsorgezyklus – von der Risikoanalyse über die Planung geeigneter Schutzmaßnahmen bis hin zur Warnung der Bevölkerung. Sensoren erfassen Pegel- und Niederschlagsdaten in Echtzeit, während Datenplattformen Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen. Urbane Digitale Zwillinge ermöglichen darüber hinaus die Simulation von Überflutungsszenarien und zeigen auf, welche Straßen, Gebäude oder kritischen Infrastrukturen bei Starkregen besonders gefährdet sind.

Auf dieser Grundlage können Kommunen Risiken fundierter bewerten, Maßnahmen zielgerichteter planen und Einsatzkräfte im Ereignisfall besser unterstützen.

(Copyright: BBSR; Foto: Juan Manuel Sanchez on Unsplash)

Praxisbeispiele aus den Modellprojekten Smart Cities

Die Studie stellt fünf Anwendungsbeispiele aus den Modellprojekten Smart Cities vor. Berlin und Dresden nutzen digitale Modelle, um Starkregenabflüsse zu analysieren und blau-grüne Infrastruktur wie Retentionsräume, Parks und Versickerungsflächen gezielt zu planen.

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm verbessern zusätzliche Sensoren die Datengrundlage an kleineren Fließgewässern. Darauf aufbauend entsteht ein KI-gestütztes Frühwarnsystem für Hochwasserereignisse.

Solingen setzt Umweltsensoren und digitale Kommunikationswege ein, um die Bevölkerung bei Extremwetterlagen schneller zu informieren. Der Landkreis Hof nutzt einen Digitalen Zwilling zur Visualisierung von Hochwasserrisiken und bündelt Daten, Analysen und Fachwissen in einer zentralen Beratungsstelle für seine kreisangehörigen Kommunen.

Digitale Anwendungen ergänzen klassische Schutzmaßnahmen

Nach den Ergebnissen der Studie ersetzen digitale Technologien weder technische Hochwasserschutzanlagen noch Rückhalteräume oder eine klimaangepasste Stadtentwicklung. Sie ergänzen bestehende Maßnahmen, indem sie Risiken frühzeitig sichtbar machen, Entscheidungsgrundlagen verbessern und Warnprozesse beschleunigen.

Voraussetzung für ihren erfolgreichen Einsatz sind verlässliche Daten, klar definierte Zuständigkeiten sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und weiteren Fachdisziplinen. Ebenso wichtig ist die langfristige Integration digitaler Anwendungen in kommunale Arbeitsabläufe sowie der Aufbau entsprechender Fachkompetenzen.


Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

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Wasserkraftzuflüsse im Alpenraum nahe historischem Tiefstand

Die Wasserwirtschaft im Alpenraum ist derzeit von außergewöhnlich geringen Wasserzuflüssen geprägt. Nach einer Analyse des Energieinformationsanbieters Montel lagen die Zuflüsse zu Speicherseen und Laufwasserkraftwerken in Österreich und der Schweiz im Juli rund 50 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Auch für die kommenden Wochen erwarten die Analysten aufgrund der anhaltenden Trockenperiode keine grundlegende Verbesserung.

Historisch geringe Zuflüsse beeinträchtigen die Wasserkrafterzeugung

Die niedrigen Zuflüsse wirken sich unmittelbar auf die Stromerzeugung aus Wasserkraft aus. In Österreich erreichte die Wasserkraftproduktion im Juli lediglich 51 Prozent des 15-Jahres-Durchschnitts. In der Schweiz lag sie bei 48 Prozent des Normalwerts, in Deutschland bei 63 Prozent und in Frankreich bei 68 Prozent.

Nach Einschätzung von Eylert Ellefsen, Senior Hydrology Analyst bei Montel, ist frühestens im September mit einer Verbesserung zu rechnen. Die Wetterprognosen für die kommenden zwei Wochen deuteten weiterhin auf eine trockene Witterung hin.

Versorger melden außergewöhnlich schwache Wasserführung

Der österreichische Energieversorger Verbund bezeichnete die aktuelle Situation als das schlechteste Wasserkraftjahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Vorstandsvorsitzender Michael Strugl erklärte, dem Unternehmen fehle rund ein Drittel der Wassermenge, die unter normalen Bedingungen durch die Wasserkraftwerke fließen würde. Aufgrund der schwachen Zuflüsse senkte Verbund seine Prognose für die Wasserkrafterzeugung im Gesamtjahr um 12 Prozent.

Auch andere Betreiber berichten über unterdurchschnittliche Erzeugungswerte. Tiwag lag mit seinem Wasserkraftwerkspark im ersten Halbjahr 17 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Der Schweizer Energieversorger Alpiq meldete für seine Laufwasserkraftwerke eine um 15 Prozent geringere Stromproduktion als üblich.

Anhaltende Trockenheit belastet das europäische Energiesystem

Nach Angaben mehrerer Wasserkraftbetreiber ist kurzfristig nicht mit einer deutlichen Verbesserung der hydrologischen Situation zu rechnen. Gleichzeitig weisen die Unternehmen darauf hin, dass Speicherkraftwerke künftig eine wichtige Rolle beim Ausgleich von Angebot und Nachfrage im Stromsystem spielen werden.

Die anhaltende Hitze- und Trockenperiode belastet darüber hinaus weitere Bereiche der europäischen Energieversorgung. Betroffen sind unter anderem Kernkraftwerke in Frankreich und Ungarn, während gleichzeitig der Strombedarf für Kühlung steigt.


Quelle: Montel

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Wasserbewusste Stadtentwicklung braucht langfristige Finanzierung

Klimaanpassung steht nach Angaben der Allianz „Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung“ angesichts von Hitze, Dürreperioden, Starkregen und Überschwemmungen zunehmend im Fokus. Das Netzwerk fordert, die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe nach Artikel 91a des Grundgesetzes zu verankern. Ziel ist eine langfristig gesicherte Finanzierung von Präventions-, Anpassungs- und Investitionsmaßnahmen durch Bund, Länder und Kommunen.

Klimaanpassung und wasserbewusste Stadtentwicklung

Nach Angaben der Allianz belasten Hitze, Dürreperioden, Starkregen und Überschwemmungen die Menschen in Städten und Gemeinden zunehmend. Grün-blaue Infrastrukturen mit Grün- und Wasserflächen sowie entsiegelten Bereichen tragen nach Darstellung des Netzwerks dazu bei, Städte auch bei zunehmender Hitze funktionsfähig zu halten. Sie schützen die Gesundheit der Bevölkerung, sichern die Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten, senken Folgekosten und erhöhen die Attraktivität für Unternehmen und Fachkräfte.

Langfristige Finanzierung gefordert

Nach Angaben der Allianz ist der klimaangepasste und wasserbewusste Umbau von Städten und Gemeinden notwendig und mit Kosten verbunden. Während wasserwirtschaftliche Anlagen über Gebühren finanziert werden, hängen Klimaanpassungsmaßnahmen wie das Anlegen und Unterhalten von Stadtgrün von der allgemeinen kommunalen Haushaltslage ab. Die Allianz fordert deshalb eine langfristig gesicherte Finanzierung. Kurzfristige Förderprogramme und zeitlich begrenzte Mittelbereitstellungen seien dafür nicht ausreichend.

Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung

Die Allianz fordert, die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe nach Artikel 91a des Grundgesetzes zu verankern. Nach ihrer Auffassung würde dies Bund, Ländern und Kommunen ermöglichen, dauerhaft gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und die Klimaanpassung rechtlich abgesichert, strategisch abgestimmt und langfristig finanziert umzusetzen.

Allianz für wasserbewusste Stadtentwicklung

Die Allianz „Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung“ ist ein von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) initiiertes und koordiniertes Netzwerk von Verbänden und Institutionen verschiedener Fachdisziplinen. Sie setzt sich für eine bundesweite Umsetzung wasserbewusster Stadtentwicklung ein und fördert die Zusammenarbeit zwischen Wasserwirtschaft, Stadtentwicklung, Freiraumentwicklung, Straßenplanung, Wissenschaft, Praxis und Entscheidungsträgern.

Zur gwf WA-Ausgabe 6 mit Schwerpunkt „Schwammstadt“ Weitere Informationen zur wasserbewussten Stadt

Quelle: DVGW

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Cyberangriffe auf Wasserwerke: FBI und EPA warnen vor Angriffen auf OT-Systeme

Cyberangriffe auf Wasserwerke nehmen nach Einschätzung US-amerikanischer Sicherheitsbehörden zu. Das Federal Bureau of Investigation (FBI) und die US-Umweltbehörde EPA warnen gemeinsam mit weiteren Behörden vor Angriffen auf internetseitig erreichbare Steuerungen in Wasser- und Abwasseranlagen. Die Angriffe hätten in mehreren Fällen bereits zu betrieblichen Beeinträchtigungen geführt.

FBI und EPA warnen vor Angriffen auf SPS-Systeme

Das FBI schreibt in einer aktuellen Sicherheitswarnung, dass Angreifer gezielt internetseitig erreichbare speicherprogrammierbare Steuerungen (Programmable Logic Controllers, PLC) in kritischen Infrastrukturen angreifen. Betroffen seien insbesondere Wasser- und Abwasseranlagen, deren Automatisierungssysteme direkt aus dem Internet erreichbar sind. Nach Angaben der Behörden wurden dabei unter anderem Passwörter verändert und Betriebsabläufe gestört.

Die US-Umweltbehörde EPA unterstützt die Warnung und verweist darauf, dass bereits einfache organisatorische und technische Maßnahmen die Widerstandsfähigkeit vieler Anlagen deutlich erhöhen können. Betreiber sollten insbesondere die direkte Internetanbindung von OT-Komponenten vermeiden und bestehende Fernzugänge absichern.

Angriffe in mindestens sieben US-Bundesstaaten

NBC News berichtet unter Berufung auf das FBI, dass innerhalb einer Woche Wasser- und Abwasseranlagen in mindestens sieben US-Bundesstaaten Ziel koordinierter Cyberangriffe wurden. Nach Behördenangaben wurden allein in Minnesota mehr als 30 Wasserversorgungssysteme attackiert. Die Vorfälle führten unter anderem zu kurzfristigen Betriebsstörungen, Kommunikationsausfällen sowie Veränderungen an Steuerungssystemen. Die Trinkwasserqualität sei nach bisherigem Kenntnisstand jedoch nicht beeinträchtigt worden.

Wie Heise Online berichtet, sehen FBI und EPA eine zunehmende Bedrohung für Betreiber kritischer Wasserinfrastrukturen. Im Mittelpunkt stehen dabei Operational-Technology-Systeme (OT), deren Komponenten häufig über Jahre im Einsatz bleiben und ursprünglich nicht für eine direkte Anbindung an öffentliche Netzwerke entwickelt wurden.

Behörden empfehlen grundlegende Schutzmaßnahmen

Das FBI empfiehlt Betreibern unter anderem, SPS-Systeme grundsätzlich nicht direkt über das Internet erreichbar zu machen, werkseitige Standardpasswörter konsequent zu ersetzen und Fernzugriffe ausschließlich über abgesicherte Verbindungen bereitzustellen. Darüber hinaus sollten Netzwerke segmentiert, Sicherheitsupdates zeitnah eingespielt sowie Protokollierungen und Überwachungsmaßnahmen eingerichtet werden.

Die Behörden weisen darauf hin, dass insbesondere kleinere Versorgungsunternehmen häufig nur über begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen für die Cybersicherheit verfügen. Deshalb stellen EPA und CISA zusätzliche technische Hilfen, Leitfäden und Unterstützungsangebote für Betreiber der Wasserwirtschaft bereit.

Wie es um die Cybersicherheit der deutschen Wasserwirtschaft steht, lesen Sie im Interview mit Ronald Derler, Geschäftsführer Kompetenzzentrum Digitale Wasserwirtschaft.


Quellen:

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Umwelt 2026: Drei Tage im Zeichen von Wasser, Schadstoffen und Gewässerschutz

Die Wasserwirtschaft gehört zu den zentralen Themen der gemeinsamen Jahrestagung „Umwelt 2026“, die vom 2. bis 4. September 2026 an der Universität Duisburg-Essen stattfindet. Unter dem Leitthema „Zwischen Krise und Wandel: Schadstoffe, Gesundheit und Ökosysteme im Anthropozän“ diskutieren Fachleute aus Forschung, Behörden und Praxis aktuelle Entwicklungen der Umweltchemie und Ökotoxikologie mit besonderem Bezug zum Gewässerschutz und zur Wasserqualität.

Programmüberblick: Wasserwirtschaft an drei Tagen

Mittwoch, 2. September: Auftakt mit Wasserwirtschaft und Spurenstoffmonitoring

Der erste Veranstaltungstag beginnt mit dem Jungen Umweltforum und einem Rahmenprogramm. Für die Wasserbranche stehen insbesondere die Exkursion zur Kläranlage Bottrop sowie der Eröffnungsvortrag „Spurenstoffmonitoring als Grundlage einer zukunftsfähigen Wasserwirtschaft“ im Mittelpunkt. Anschließend startet das wissenschaftliche Programm mit einem Plenarvortrag über die Auswirkungen chemischer Stoffgemische auf Umwelt und Gesundheit.

Donnerstag, 3. September: PFAS, Schadstoffe und neue Monitoringmethoden

Der Donnerstag steht im Zeichen der wissenschaftlichen Fachsessions. Mehrere Vortragsblöcke widmen sich PFAS und behandeln Analytik, Umweltmonitoring, Summenparameter, Non-Target-Screening sowie Sanierungsansätze. Weitere Sessions befassen sich mit dem Verhalten und Verbleib von Schadstoffen in der Umwelt, Mikroplastik, Grundwasser, Gewässerqualität sowie neuen Methoden der Umweltchemie und Ökotoxikologie. Ergänzt wird das Programm durch Posterpräsentationen und die Verleihung wissenschaftlicher Preise.

Freitag, 4. September: Von Gewässermonitoring bis Risikobewertung

Am Abschlusstag rücken Fortschritte im biologischen und chemischen Monitoring sowie Spurenstoffe im Abwasser und urbanen Raum in den Mittelpunkt. Auf dem Programm stehen unter anderem Beiträge zu Grundwassermonitoring, Mischwasserüberläufen, Arzneimitteln im Wasserkreislauf, der Bewertung der vierten Reinigungsstufe kommunaler Kläranlagen sowie regulatorischen Fragestellungen der chemischen Risikobewertung. Den Abschluss bilden die Preisverleihung für die besten Vorträge und Poster sowie die Verabschiedung der Teilnehmenden.

Breites Spektrum wasserrelevanter Forschung

Über alle drei Veranstaltungstage hinweg spannt die Tagung den Bogen von der Grundlagenforschung bis zur praktischen Anwendung in der Wasser- und Abwasserwirtschaft. Im Fokus stehen unter anderem PFAS, Spurenstoffe, Mikroplastik, Gewässermonitoring, Non-Target-Analytik, Umwelt-DNA, Risikobewertung und neue analytische Verfahren. Damit bietet das Programm einen umfassenden Überblick über aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen mit Bedeutung für Wasserversorger, Abwasserbetriebe, Behörden und Forschungseinrichtungen.

Zum Programm Zur Anmeldung

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Schwammregion soll Wasserrückhalt im Naturpark Soonwald-Nahe stärken

Die Schwammregion soll im Naturpark Soonwald-Nahe künftig dazu beitragen, Wasser länger in der Landschaft zu halten und die Folgen von Trockenheit sowie Starkregen zu mindern. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Vorhaben der Hochschule Geisenheim mit rund 175.000 Euro. Kommunen sowie Land- und Forstwirtschaft sollen dabei eng zusammenarbeiten, um geeignete Maßnahmen für einen besseren Wasserrückhalt umzusetzen.

Schwammregion als Beitrag zur Klimaanpassung

Was Schwammstadt-Konzepte im urbanen Raum leisten sollen, soll im Naturpark Soonwald-Nahe auf ländliche Gebiete übertragen werden. Wälder und Felder sollen bei Starkregen möglichst viel Wasser aufnehmen und bei Trockenheit kontrolliert wieder an die Landschaft abgeben. Dadurch soll der landschaftliche Wasserrückhalt gestärkt werden.

Projektmanagerin Jenny Eckes von der Hochschule Geisenheim erläutert den Ansatz:

„Ein Leitfaden listet erfolgreiche Beispiele für Wasserrückhalt auf. Außerdem helfen wir Betrieben aus Forst- und Landwirtschaft bei der Realisierung neuer Maßnahmen.“

Das Projektteam entwickelt den Leitfaden unter der Leitung von Dr. Jörn Schultheiß und Prof. Dr. Eckhard Jedicke. Neben der Dokumentation geeigneter Ansätze steht deren praktische Umsetzung in der Region im Mittelpunkt.

DBU-Generalsekretär Alexander Bonde unterstreicht die Bedeutung solcher Projekte für die Klimaanpassung:

„Denn manchmal sind Anpassungen erforderlich, damit Natur gegen Klimaveränderungen robust wird.“

Nach seinen Worten sichere dies die Lebensgrundlage der Kommunen und ermögliche den langfristigen Erhalt mittelständischer Forst- und Landwirtschaft.

Maßnahmen für einen verbesserten Wasserrückhalt

Nach Angaben des Projektteams besitzt die Region aufgrund jahrhundertelanger menschlicher Eingriffe derzeit nur ein geringes Potenzial, Wasser in der Landschaft zu halten. Zu den Ursachen zählen unter anderem Entwässerungsgräben an Feldern und im Wald, die den Wasserabfluss begünstigen und die Anfälligkeit gegenüber Trockenheit und Überschwemmungen erhöhen können.

Jenny Eckes betont, dass das Projekt Landnutzung und Umwelt miteinander verbinden soll:

„Unser Ziel ist ein Miteinander von Landnutzung und Umwelt, auch wenn wir vergangene Eingriffe nicht rückgängig machen können.“

Eine mögliche Maßnahme besteht darin, Gräben im Wald an mehreren Stellen zu verplomben. Dadurch soll Wasser wieder stärker in den Wald geleitet und der Abfluss reduziert werden. Weitere Ansätze sind kleine Wasserrückhaltebecken, bodenschonende Bewirtschaftung und die Pflanzung von Gehölzen zum Erosionsschutz auf Ackerflächen.

In Zusammenarbeit mit dem Bergwaldprojekt e.V. entstehen zudem Holzkästen im Wald, die vor Geröll und Schlamm schützen sollen.

Bedeutung der Schwammregion für Wasserwirtschaft und Kommunen

Der Wasserrückhalt betrifft nicht nur Wälder und landwirtschaftliche Flächen. Ohne ausreichende Versickerung können Starkregenereignisse auch für angrenzende Kommunen zum Risiko werden. In Trockenperioden können sinkende Grundwasserstände zudem die Trinkwasserversorgung beeinträchtigen.

Jenny Eckes beschreibt die möglichen Folgen eines verminderten Wasserrückhalts:

„Wenn zum Beispiel Wälder weniger Wasser aufnehmen können, droht bei Starkregen eine Überflutung nahliegender Äcker. Pflanzen werden zerstört, fruchtbare Erde geht verloren.“

Kommunen sowie Land- und Forstwirtschaft sind deshalb nach Einschätzung des Projektteams auf eine enge Zusammenarbeit angewiesen. Nach Angaben der Hochschule sollen die Maßnahmen dazu beitragen, den landschaftlichen Wasserrückhalt zu verbessern und Risiken durch Trockenheit, Erosion und Starkregen zu verringern.

Eckes hebt zudem den gesellschaftlichen Nutzen hervor:

„Wenn Menschen gemeinsam anpacken, um die Landschaft vor Ort klimaresilienter zu machen, stärkt das die ganze Region.“

Leitfaden soll auf andere Regionen übertragbar sein

Die DBU betrachtet das Projekt im Naturpark Soonwald-Nahe als Vorhaben mit Modellcharakter. Der entstehende Leitfaden soll Maßnahmen bündeln, die sich an unterschiedliche regionale Bedingungen anpassen lassen.

DBU-Referentin Dr. Sina Volz erklärt:

„Die im Leitfaden gesammelten Maßnahmen lassen sich mit regionalen Anpassungen gut auf andere deutsche und europäische Gebiete übertragen.“

Das während der Projektlaufzeit entstehende Netzwerk soll auch nach dem Ende der Förderung bestehen bleiben und den langfristigen Aufbau der Schwammregion unterstützen.

Fazit

Das Projekt im Naturpark Soonwald-Nahe verfolgt das Ziel, den landschaftlichen Wasserrückhalt zu verbessern und damit die Folgen von Trockenheit, Starkregen und Bodenerosion abzumildern. Dafür sollen Kommunen sowie Land- und Forstwirtschaft eng zusammenarbeiten und geeignete Maßnahmen gemeinsam voranbringen. Jenny Eckes fasst den angestrebten Nutzen für die Region zusammen:

„Eine umweltverträgliche Schwammregion kommt allen Menschen vor Ort zugute. Städte sind geschützter vor Überschwemmungen. Lokale Landwirtschaft gewährleistet sichere Lebensmittelversorgung und Wälder und Wiesen können Wasser besser speichern.“

Der Leitfaden und das regionale Netzwerk sollen dazu beitragen, die Maßnahmen dauerhaft zu verankern und Erfahrungen für weitere Schwammregionen bereitzustellen.


Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt

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Wiederbelebung des Aralsees könnte das Klima entlasten

Der seit Jahrzehnten stark geschrumpfte Aralsee gilt als eines der bekanntesten Umweltprobleme der Welt. Forschende des Centre for Advanced Studies of Blanes (CEAB-CSIC) und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) kommen zu dem Ergebnis, dass eine Teilrenaturierung des Aralsees helfen könnte, große Mengen an Kohlendioxid zu binden und weitere Emissionen aus den freigelegten Sedimenten zu vermeiden.

Aralsee als unerwarteter Emittent

Der ausgetrocknete Aralsee könnte bei einer Wiederflutung nicht nur ökologisch profitieren, sondern auch einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Eine neue Studie zeigt, dass die freigelegten Sedimente seit 1960 bereits rund 748 Megatonnen Kohlendioxid freigesetzt haben und eine Renaturierung weitere Emissionen in Höhe von etwa 605 Megatonnen verhindern könnte.

Renaturierung könnte Kohlenstoff binden

Die Forschenden betonen, dass Seen und Binnenmeere wichtige Kohlenstoffspeicher sind, deren Funktion sich bei Austrocknung umkehren kann.

Rafael Marcé vom CEAB-CSIC sagt: „Unter dem Aralsee verbirgt sich ein wahrer Kohlenstoffvorrat. Bleiben diese Sedimente freigelegt, wird weiterhin Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt. Wird der See jedoch wieder geflutet, könnte derselbe Kohlenstoff von einer Emissionsquelle zu einem Teil der Klimalösung werden.“

Núria Catalán, Mitautorin der Studie und ebenfalls Forscherin am CEAB-CSIC, fügt hinzu: „Wenn ein See austrocknet, stehen wir nicht nur vor einem hydrologischen, ökologischen oder sozioökonomischen Problem. Auch der Kohlenstoffkreislauf wird in einer Weise verändert, die in der Klimabilanzierung bislang weitgehend unberücksichtigt geblieben ist.“

Klimavorteil und wirtschaftliches Potenzial

Auch aus wirtschaftlicher Sicht könnte die Wiederherstellung des Sees relevant sein. Die Autor*innen schätzen, dass sich durch handelbare Emissionszertifikate ein Wert von 3,6 bis 18 Milliarden US-Dollar ergeben könnte; bei einer Investition von rund 9,7 Milliarden US-Dollar in die Wasserwirtschaft sei sogar eine Wiederherstellung von etwa 50 Prozent der Fläche von 1960 denkbar.

Bedeutung für weitere austrocknende Gewässer

Die Forschenden sehen den Aralsee als extremes Beispiel, aber nicht als Einzelfall. Ähnliche Folgen für den Kohlenstoffkreislauf könnten auch beim Great Salt Lake, dem Salton Sea, dem Urmiasee, dem Tschadsee und dem Kaspischen Meer auftreten. Damit verweist die Studie auf ein Problem, das über Zentralasien hinaus Bedeutung für Klima-, Wasser- und Umweltpolitik hat.


Originalpublikation: Rafael Marcé et al.,Drying of the Aral Sea reshapes the anthropogenic carbon inventory of Central Asia.Science393,300-305(2026). DOI:10.1126/science.aeb2344

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

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Warum das 100-jährliche Hochwasser künftig öfter auftreten könnte

Das Hochwasser im Alpenraum könnte sich infolge des Klimawandels deutlich stärker verändern als bisher prognostiziert. Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) simulierte SLF-Hydrologe Paul Astagneau die Entwicklung der Hochwasser bis Ende des Jahrhunderts.

Hochwasser: Stündliche Daten liefern ein anderes Bild

Bisherige Klimastudien stützten sich überwiegend auf tägliche Abflussdaten. Dadurch werden kurze, intensive Starkniederschläge nur unzureichend erfasst, da sich deren Auswirkungen rechnerisch über den gesamten Tag verteilen. Die neue Untersuchung verwendet stattdessen stündliche Messwerte und bildet damit kurzzeitige Niederschlagsereignisse wesentlich genauer ab.

Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) simulierte der SLF-Hydrologe Paul Astagneau die Entwicklung der Hochwasser bis Ende des Jahrhunderts. Grundlage waren ein hydrologisches Modell sowie stündliche Abflussdaten von 384 Flüssen in der Schweiz und Österreich.

Starkniederschläge kompensieren den Rückgang der Schneeschmelze

Während frühere Untersuchungen aufgrund abnehmender Schneemengen teilweise von rückläufigen Hochwasserabflüssen ausgingen, zeigen die neuen Berechnungen ein differenzierteres Bild. Mit jedem Grad globaler Erwärmung nehmen stündliche Starkniederschläge um rund sieben Prozent zu. Dieser Effekt übertrifft den Rückgang der Schneeschmelze und führt insbesondere in alpinen Einzugsgebieten zu höheren Hochwasserspitzen.

Nach den Modellrechnungen steigt die Abflussspitze eines statistischen 100-jährlichen Hochwassers bis Ende des Jahrhunderts um etwa fünf bis 15 Prozent. Gleichzeitig könnte ein Ereignis dieser Größenordnung künftig bereits alle 45 bis 80 Jahre auftreten. Moderate Hochwasser bleiben zwar tendenziell rückläufig, allerdings deutlich weniger stark als bisher angenommen.

Die Modellierungen zeigen, dass extreme Hochwasserereignisse im Alpenraum künftig häufiger und intensiver auftreten könnten als bisher angenommen. Grundlage hierfür ist die Berücksichtigung stündlicher Abflussdaten, mit denen sich kurzzeitige Starkniederschläge detaillierter abbilden lassen.


Quelle: WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL)

Originalpublikation:
Paul Astagneau et al. Hourly climate information reveals stronger increases in flood extremes across the Alps, Science Advances, DOI: 10.1126/sciadv.aed6012

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Wenn die Heimat im Giftsee versinkt

Matthäus, zuallererst eine Frage, die mir keine Ruhe gelassen hat: Was ist mit Păuna, der Kuh von Valeria, passiert?

Matthäus Wörle: Diese Frage bekomme ich oft zu hören. Păuna hatte gesundheitliche Probleme, die vermutlich mit dem belasteten Grundwasser zusammenhingen. Grund für ihren Tod war allerdings ein Sturz im Stall, bei dem sie sich ein Hinterbein brach. Für ein so großes Tier bedeutete das leider das Ende.

Für Valeria, der Protagonistin des Films, ein herber Schlag.

Ja, die Tiere bedeuten ihr viel und Păuna war für sie ein Familienmitglied.

Der Film erzählt die Geschichte des Dorfes Geamăna mit einem starken persönlichen Fokus auf Valeria, einer der letzten Bewohnerinnen des Dorfes. Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Film über dieses Dorf und den giftigen See zu drehen?

Ich habe mich schon immer für Umweltthemen interessiert. Während meines Studiums suchte ich nach einem geeigneten Filmstoff und stieß bei meinen Recherchen auf Bilder dieses Ortes. Die Landschaft mit ihren ungewöhnlichen Farben hat mich sofort fasziniert. Als ich 2020 zum ersten Mal dorthin fuhr, wurde mir schnell klar, dass hinter diesen Bildern eine viel größere Geschichte steckt.

War sofort klar, dass Valeria die Hauptfigur des Films werden würde?

Nicht sofort. Ich habe viele Menschen getroffen und zahlreiche Gespräche geführt. Bei Valeria hatte ich aber schnell das Gefühl, dass ihre Geschichte weit über die Umweltproblematik hinausgeht. Ihre Geschichte verbindet viele Ebenen: Umweltzerstörung, Vertreibung, Verlust von Heimat und die wirtschaftliche Abhängigkeit einer ganzen Region vom Bergbau. Durch sie konnte ich zeigen, welche konkreten Auswirkungen die Umweltprobleme auf das Leben der Menschen haben.

Im Film wirkt es so, als hätte die Geschichte nur wenige Monate umfasst. Wie lange hast du tatsächlich gedreht?

Insgesamt hat das gesamte Filmprojekt vier Jahre gedauert – von der ersten Recherche bis zum fertigen Film. Die ersten Aufnahmen entstanden 2020, die letzten 2022. Ich war immer wieder für längere Zeit vor Ort. Allein die Dreharbeiten erstreckten sich über etwa zwei Jahre.

Das Dorf Geamăna in den rumänischen Karpaten wurde Ende der 1970er-Jahre unter dem kommunistischen Regime für den Bau eines Absetzbeckens des nahegelegenen Kupferbergwerks Roșia Poieni enteignet. Die versprochene Umsiedlung blieb jedoch weitgehend aus: Stattdessen mussten die Bewohner ihre Heimat nach und nach verlassen, als der mit Rückständen aus dem Kupferabbau gefüllte Schlammsee immer weiter anstieg. Viele blieben bis zuletzt und gingen erst, als das Wasser bereits an ihren Häusern stand. Die Entschädigungen fielen meist gering aus. Heute ragt nur noch der Kirchturm aus dem toxischen Schlammsee heraus und erinnert an eines der größten Umweltunglücke Rumäniens. Das Kupfebergwerk Roșia Poieni zählt noch immer zu den größten Kupferlagerstätten Europas

Eindrucksvoll ist auch das historische Archivmaterial, dessen Einspielungen zeigen, als wie „ungefährlich“ die Einleitungen des Kupferbergwerks dargestellt wurden. Wie bist du an das Material gelangt?

Wir haben im Archiv des rumänischen Fernsehens gezielt nach Material gesucht. Die Nutzung solcher Aufnahmen ist allerdings sehr teuer. Deshalb mussten wir sehr genau auswählen, welche Szenen wir tatsächlich verwenden.

Welche Rolle spielt das Kupferbergwerk für die Region?

Das Kupferbergwerk ist nach wie vor einer der wichtigsten Arbeitgeber der Gegend. Rund 700 Menschen arbeiten dort. Deshalb ist die Situation sehr komplex. Viele Bewohnerinnen und Bewohner wissen um die ökologischen Probleme, sind aber gleichzeitig wirtschaftlich auf das Bergwerk angewiesen. Mir war wichtig, diese Ambivalenz im Film sichtbar zu machen und keine einfachen Schuldzuweisungen vorzunehmen.

Konntest du auch mit Vertretern des Kupferbergwerks sprechen?

Ja, allerdings nur unter schwierigen Bedingungen. Viele Menschen wollten nicht öffentlich vor der Kamera auftreten. Selbst Gespräche mit Verantwortlichen fanden eher im Hintergrund statt. Das zeigt bereits, wie sensibel das Thema vor Ort ist.

Im Zentrum des Films steht der See. Wie hat sich dieser während deiner Dreharbeiten verändert?

Die Veränderungen waren enorm. Als ich mit den Dreharbeiten begann, lag der See noch etwa 50 Meter vom Haus meiner Protagonistin entfernt. Bereits ein Jahr später war das Wasser deutlich näher gerückt. Der See steigt jedes Jahr um etwa ein bis eineinhalb Meter an. Am Ende der Dreharbeiten war klar, dass Valerias Grundstück langfristig verschwinden wird.

Wodurch wächst der See überhaupt weiter an?

In den See gelangen kontinuierlich Rückstände aus dem Bergbau sowie Wasser aus umliegenden Bergbächen. Solange im Kupferbergwerk weiter gearbeitet wird, wächst auch der See weiter. Nach Aussagen der Betreiber soll der Abbau noch mindestens zwei Jahrzehnte fortgesetzt werden.

Wie stark ist die Umwelt vor Ort belastet?

Matthäus Wörle, geboren 1991 in Weilheim, studierte Journalistik in Eichstätt-Ingolstadt und Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Nach einem Videojournalismus-Stipendium der Mediaschool Bayern arbeitete er unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, den Bayerischen Rundfunk und Nautilusfilm. Heute ist er als freier Regisseur und Videojournalist tätig. Seine Filme wurden national und international auf Festivals gezeigt und ausgezeichnet.

Die Auswirkungen sind mit bloßem Auge sichtbar. Der See enthält Abraum und Rückstände aus dem Kupferabbau. Es gab in der Vergangenheit sogar Vorfälle, bei denen Teile eines Damms brachen und belastetes Wasser in Flüsse gelangte. Die Folgen waren bis nach Ungarn spürbar. Für mich war die Situation so offensichtlich, dass ich im Film bewusst auf viele wissenschaftliche Kennzahlen verzichtet habe.

Warum?

Ich wollte keinen klassischen Fernsehbeitrag mit vielen Zahlen produzieren. Für mich spricht die Landschaft bereits für sich selbst. Die Farben des Sees sind Warnsignale. Der Film ist ein dokumentarisches Porträt. Mich interessiert vor allem die menschliche Perspektive. Ich wollte, dass das Publikum gemeinsam mit Valeria erlebt, was der Verlust von Heimat bedeutet. Ich glaube, dass persönliche Geschichten oft stärker wirken als reine Fakten.

Was sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer aus dem Film mitnehmen?

Vor allem die Erkenntnis, dass Umweltprobleme immer auch gesellschaftliche und menschliche Folgen haben. Es geht nicht nur um verschmutztes Wasser oder steigende Pegelstände, sondern um die Frage, wie Menschen mit dem Verlust ihrer Heimat umgehen und welche Verantwortung wir als Gesellschaft tragen.

Arbeitest du bereits an einem neuen Projekt?

Ja. Mein aktueller Film beschäftigt sich mit Seeleuten, die von Reedereien mitsamt ihren Schiffen auf den Weltmeeren zurückgelassen werden. Das ist ein großes soziales und ökologisches Problem, über das kaum berichtet wird.

Davon hört man tatsächlich nur sehr wenig.

Das liegt auch daran, dass diese Geschichten schwer zugänglich sind. Viele Ereignisse spielen sich weit entfernt von der Öffentlichkeit ab, und Dreharbeiten sind oft schwierig.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Matthäus. Wir freuen uns bereits auf deinen neuen Film.

Zum Film „where we used to sleep“

Der Film wird zudem am 27. Juli 2026 auf 3sat ausgestrahlt.


Das Interview führte Sina Ruhwedel.

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