Telemedizinische Post-COVID-Beratungen einer universitären Spezialambulanz: Fokusgruppenergebnisse zu Einflussfaktoren auf die Teilnahme von Hausärzt*innen
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2661-8280
Die Versorgung von Patient*innen mit Post-COVID-Syndrom stellt Hausärzt*innen
vor diverse Herausforderungen sowohl bei der Diagnostik und Behandlung als
auch bei der Koordination der weiterführenden Versorgungsmöglichkeiten auf
unterschiedlichen Ebenen (hausärztliche Primärversorgung, fachärztliche
Spezialversorgung und Maximalversorgung z. B. an Universitätskliniken). Die
Vernetzung zwischen Hausärzt*innen und Spezialversorgern ist gerade bei
komplexen Krankheitsbildern wie Post-COVID von großer Bedeutung. Hier setzt
das Projekt ViCoReK an, bei dem sich Hausärzt*innen und ihre Patient*innen
durch ein interdisziplinäres Team aus einer Universitätsklinik
telemedizinisch beraten lassen können. In der vorliegenden Arbeit soll die
Frage beantwortet werden, welche Faktoren die Teilnahme von Hausärzt*innen
an dem Angebot beeinflussen.Im Februar und April 2024 wurden zwei Fokusgruppen mit Hausärzt*innen, die
eine Beratung im Projekt ViCoReK in Anspruch nahmen, sowie solchen, die dies
nicht taten, durchgeführt und mithilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse
ausgewertet.Die Ergebnisse der 93- bzw. 102-minütigen Fokusgruppen mit 13 Hausärzt*innen
und einem Physician Assistant zeigen, dass zahlenmäßig nur noch wenige,
dafür aber schwer betroffene Patient*innen mit Post-COVID in den Praxen der
Befragten versorgt werden. Die Versorgung dieser Patient*innen ist mit hohem
zeitlichen Aufwand verbunden und erzeugt Druck bei den Hausärzt*innen, da
die aktuell zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten als nur bedingt
hilfreich erlebt werden. Das persönliche Engagement der Hausärzt*innen
fördert die Projektteilnahme: Sie wünschen sich einen Austausch mit
Expert*innen zum Thema „Post-COVID“ und engagieren sich für die Nutzung
digitaler Technologien in ihren Praxen. Die größten Barrieren für ihre
Teilnahme sind Probleme bei der Digitalisierung der Praxen, unzureichende
Möglichkeiten der Vergütung und mangelnde zeitliche Kapazitäten.Auch wenn die persönliche Bereitschaft von Hausärzt*innen, im Bereich
Post-COVID telemedizinische Angebote zur Vernetzung mit Spezialambulanzen zu
nutzen, grundsätzlich gegeben ist, stehen der Nutzung auf struktureller
Ebene größere technische, finanzielle und zeitliche Hürden entgegen.
Digitale Angebote zur Unterstützung der Versorgung bei Post-COVID sollten so
niedrigschwellig zugänglich und pragmatisch gestaltet werden, dass sie trotz
geringer zeitlicher Kapazität in hausärztlichen Praxen nutzbar sind.
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