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Received today — 20. Oktober 2026Das Gesundheitswesen

Use of Infection Dynamic Modelling in Crisis Management at German University Hospitals during the COVID-19 PandemicNutzungscharakteristika von infektionsdynamischen Modellierungen im Krisenmanagement von deutschen Universitätskliniken während der COVID-19-Pandemie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2961-6456

The COVID-19 pandemic highlighted the need for university hospitals to have crisis management teams to anticipate the developing situation and plan resource allocation and staff distribution. To this end, mathematical modelling studies are a tool that can provide forecasts of future developments and their uncertainties. This study aimed to understand the role of mathematical modelling in crisis management teams at German university hospitals during the COVID-19 pandemic and to identify potential areas for improvement.As part of the project PREPARED of the Network of University Medicine, we administered questionnaires to all German university hospitals and analysed all data descriptively.Data were obtained from 24 of the 36 university hospitals that existed in Germany at this time (67%). All these reported having crisis management teams during the COVID-19 pandemic that had been set up specifically for the COVID-19 pandemic and were tasked with addressing the challenges of the pandemic. Of these 24 university hospitals, 19 hospitals (79%) used results from mathematical modelling studies when making decisions concerning the distribution of operational beds, restrictions on elective care, or staff allocation. Data from the Robert Koch Institute (n=9, 38%), data from the hospital itself (n=8, 33%), and/or local/regional data (n=11, 46%) were used as the basis for modelling.Modelling results played an important role in crisis management decision making at university hospitals in Germany during the COVID-19 pandemic. Automated access to interoperable, reliable data and locally applicable models should be created to secure the validity of modelling results in future crises.Die COVID-19-Pandemie hat deutlich gemacht, dass Universitätskliniken über geeignete Krisenstäbe verfügen müssen, um die sich entwickelnde Lage antizipieren und die Ressourcenzuweisung und Personalverteilung entsprechend planen zu können. Mathematische Modellierungsstudien stellen dabei ein Werkzeug dar, welches Prognosen für künftige Entwicklungen und deren Unsicherheiten liefern kann. Ziel dieser Studie war es, die Rolle der mathematischen Modellierung in den Krisenstäben deutscher Universitätskliniken während der COVID-19-Pandemie zu verstehen und potenzielle Verbesserungsbereiche zu identifizieren.Im Rahmen des Projektes PREPARED im Netzwerk Universitätsmedizin führten wir eine Befragung aller deutschen Universitätskliniken durch und werteten die Ergebnisse deskriptiv aus.Es konnten Daten von 24 der zu diesem Zeitpunkt existierenden 36 Universitätskliniken in Deutschland (67%) eingeschlossen werden. Alle berichteten, während der COVID-19-Pandemie über Krisenstäbe verfügt zu haben, die speziell für die COVID-19-Pandemie eingerichtet worden waren und mit deren Bewältigung betraut waren. Von diesen 24 Universitätskliniken nutzten 19 (79%) Ergebnisse mathematischer Modellierungsstudien, wenn sie Entscheidungen über die Verteilung von betreibbaren Betten, Einschränkungen bei der elektiven Versorgung oder Personalallokation trafen. Als Basis für die Modellierungen wurden Daten des Robert Koch-Instituts (n=9, 38%), Daten aus dem eigenen Klinikum (n=8, 33%) und/oder lokale/regionale Daten (n=11, 46%) eingesetzt.Modellierungsergebnisse spielten während der COVID-19-Pandemie eine wichtige Rolle bei den Entscheidungen der Krisenstäbe an Universitätskliniken in Deutschland. Ein automatisierter Zugang zu interoperablen, verlässlichen Daten und lokal anwendbaren Modellen sollte geschaffen werden, um die Zuverlässigkeit von Modellierungsergebnissen für zukünftige Krisen sicherstellen zu können.
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Qualitative Sekundäranalyse zu Kompetenzen von Community Health Nurses in Österreich: eine Anwendung des Public Health Intervention Wheel

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2967-1611

Community Health Nursing (CHN) stärkt präventive und gemeindenahe Versorgung auf Individual-, Community- und Systemebene. In Österreich wurde CHN 2022–2024 in 117 EU-geförderten Pilotprojekten erprobt; das Rollenprofil orientierte sich am Public Health Intervention Wheel (PHIW).Ziel war es Expert:inneneinschätzungen zur Anwendbarkeit des PHIW in Österreich zu erfassen und jene Kompetenzen zu identifizieren, die über die Grundausbildung diplomierter Gesundheits- und Krankenpflegepersonen hinaus für wirksame CHN-Praxis nötig sind.Qualitative Sekundäranalyse von 15 problemzentrierten Expert:inneninterviews; Auswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring. Das PHIW diente als heuristischer und analytischer Rahmen.Alle PHIW-Sektoren werden als relevant anerkannt, jedoch mit klarer Gewichtung. Stärken liegen bei Beratung/Edukation (blau), Koordination/Case-Management (grün) und fallnahen Assessments/Screening (rot). Deutliche Lücken zeigen sich auf Community- und Systemebene: Surveillance/Monitoring (rot) jenseits der Indivualebene, Coalition Building und Community Organizing (orange) sowie Advocacy, Policy und Social Marketing (gelb) sind wenig ausgeprägt. Wiederkehrend genannt werden Bedarf an Public-Health-Denken, System- und Schnittstellenwissen sowie didaktischer Kompetenz. Case-Management wird als Schlüsselkompetenz hervorgehoben, ist curricular jedoch nur in Grundzügen verankert. Kommunikation zeigte sich als zentrale Querschnittskompetenz für Beziehungsaufbau, Koordination, Navigation und interprofessionelle Zusammenarbeit.Das PHIW ist ein tragfähiger Orientierungsrahmen, benötigt aber kontextsensible Präzisierungen. Erforderlich sind eine klare Rollendefinition, inkl. Ebenenbezug, strukturierte Weiter- und Zusatzqualifikationen sowie ein breites Kompetenzprofil, das klinische Fertigkeiten, Public Health, Prävention, pädagogische Kompetenzen sowie Management- und Netzwerkkompetenzen umfasst. Dies bildet eine zentrale Voraussetzung für die wirksame Umsetzung einer integrierten, populationsorientierten CHN-Praxis.
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Received before yesterdayDas Gesundheitswesen

Inklusive Medizin in Deutschland: Handlungsempfehlungen und Zukunftsperspektiven aus dem Fachtag „Inklusive Medizin 2026“ in Fulda

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2967-1750

Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung (IB) weisen eine hohe Krankheitslast, eine deutlich reduzierte Lebenserwartung und einen erschwerten Zugang zur Gesundheitsversorgung auf. Trotz internationaler menschenrechtlicher Verpflichtungen bestehen gegenüber der Allgemeinbevölkerung weiterhin erhebliche Ungleichheiten in Prävention, Gesundheitsförderung und medizinischer Versorgung. Ziel des Fachtags Inklusive Medizin 2026 war die Identifikation zentraler Herausforderungen sowie die Entwicklung partizipativ erarbeiteter Handlungsempfehlungen für eine zukunftsfähige inklusive Gesundheitsversorgung.Es wurde eine multiprofessionelle und partizipative Zukunftswerkstatt mit rund 100 Teilnehmenden aus Gesundheitsversorgung, Wissenschaft, Eingliederungshilfe, Selbstvertretung, Kostenträgern sowie Menschen mit IB und Angehörigen während des Fachtags Inklusive Medizin in Fulda durchgeführt. Die Bearbeitung erfolgte in vier moderierten Arbeitsgruppen zu den Themen Finanzierung, Verantwortung, Koordination und Ausbildung. Handlungsempfehlungen wurden dokumentiert, im Plenum diskutiert und zusammengeführt.Die zentralen Herausforderungen lagen nicht in fehlenden medizinischen Möglichkeiten, sondern in strukturellen Defiziten des Versorgungssystems. Identifiziert wurden insbesondere Defizite in Finanzierung, Verantwortungszuweisung, sektorenübergreifender Koordination sowie Aus- und Weiterbildung. Aus den Diskussionen wurden zehn Handlungsempfehlungen abgeleitet. Im Rahmen des Fachtags wurde ein bundesweiter Forschungs- und Transferverbund gegründet, der Versorgung, Forschung, Evidenzgenerierung und Transfer systematisch vernetzen soll.Die Herausforderungen einer inklusiven Gesundheitsversorgung sind gut beschrieben. Der zentrale Handlungsbedarf liegt heute jedoch weniger in der Problemanalyse als vielmehr in der Entwicklung, Evaluation und nachhaltigen Implementierung evidenzbasierter Versorgungsmodelle. Interdisziplinäre Netzwerke, Gesundheitsreallabore und gemeinsame Datenstrukturen bilden hierfür zentrale Voraussetzungen.
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Neue Daten geben Auskunft über regionale Unterschiede in der Verfügbarkeit von Schwangerschaftsabbrüchen

08. Oktober 2026 um 10:17

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2957-3282

Seit einer Gesetzesänderung im November 2024 darf das Statistische Bundesamt (StBA) Daten der Schwangerschaftsabbruchstatistik unterhalb der Bundeslandebene auswerten. Ziel dieser Analyse ist es, regionale Unterschiede in der Verfügbarkeit von Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland zu beschreiben und die Aussagekraft der neuen regionalisierten Daten zu bewerten.Ausgewertet wurden die erstmals vorliegenden regionalisierten Daten für das Berichtsjahr 2023 auf Ebene der Raumordnungsregionen. Die Analyse basiert auf zwei Indikatoren: dem Verfügbarkeitsindex, der regionale Kapazitäten ins Verhältnis zum landesspezifischen Bedarf setzt, und der Anteil der grenzüberschreitenden Mitversorgung. Auf dieser Grundlage wurde eine Regionstypologie im Anschluss an Gannon und Pullan (2025) entwickelt.Es zeigen sich ausgeprägte regionale Unterschiede. Insbesondere in Westdeutschland finden sich viele versorgungsarme Regionen neben wenigen regionalen und überregionalen Versorgungszentren, die benachbarte Regionen oder Bundesländer mitversorgen. In Ostdeutschland überwiegen selbstversorgte Regionen. Insgesamt konnten rund zwei Drittel der Regionen typisiert werden.Die neuen Daten ermöglichen differenzierte Aussagen zu regionalen Verfügbarkeiten von Schwangerschaftsabbrüchen. Ihre Aussagekraft ist jedoch durch vom StBA vorgenommene Rundungen und räumliche Aggregationen begrenzt. Weitere Indikatoren und ergänzende Analysen sind notwendig, um regionale Versorgungslagen bei Schwangerschaftsabbruch umfassend zu bewerten.
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Gesundheit ist politisch, aber welche Politik hält gesund?

07. Oktober 2026 um 01:00

Gesundheitswesen 2026; 88: 565-566
DOI: 10.1055/a-2882-3712

„Gesundheit ist politisch“ war das Motto des diesjährigen Kongresses Armut und Gesundheit. Dieser Bericht von der Tagung identifiziert ein noch wenig beleuchtetes Forschungsfeld bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen der politischen Kultur in der Gesundheit gestaltet wird
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Transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen ÖGD und universitärer Einrichtung. Reflexion und Handlungsempfehlungen aus dem BMG-geförderten Verbundforschungsprojekt I.N.Ge

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2918-6206

Kooperationen zwischen dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) und universitären Einrichtungen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Politische Maßnahmen wie der Pakt für den ÖGD fordern eine stärkere Vernetzung, um wissenschaftliche Erkenntnisse schneller zu gewinnen, in die Praxis zu übertragen und evidenzbasierte Gesundheitsmaßnahmen zu fördern. Im Rahmen des BMG-geförderten Verbundprojekts Infektionsschutz.Neu.Gestalten (I.N.Ge) wurde dieser Anspruch erprobt.Die Reflexion der Zusammenarbeit erfolgte unter Verwendung der partizipativen Methode World Café. Verbundpartner*innen aus Gesundheitsämtern und universitärer Forschung diskutierten wesentliche Erfahrungen, die mittels Clusterung systematisch ausgewertet wurden, wobei zentrale Aspekte der Art der Zusammenarbeit, Methodik und Organisation identifiziert wurden.Die Analyse zeigt, dass ein Verbundforschungsprojekt wie I.N.Ge eine klare Rollenverteilung, eine frühzeitige und kontinuierliche Abstimmung sowie ein gemeinsames Verständnis von wissenschaftlichem Arbeiten und Forschung erfordert. Die Zusammenarbeit führte zu einem besseren Verständnis der jeweiligen Arbeitsweisen und förderte den wechselseitigen Wissenstransfer. Herausforderungen ergaben sich durch unterschiedliche institutionelle Strukturen, Kulturen und Arbeitswelten sowie begrenzte personelle Ressourcen. Zudem unterschieden sich die Erwartungen prioritärer Aufgaben und Ziele der jeweiligen Institutionen (Forschung und Bevölkerungsgesundheit etc.).Die Analyse verdeutlicht, dass transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen ÖGD und universitärer Einrichtung nicht nur eine stärkere wissenschaftliche Verankerung im ÖGD ermöglichen, sondern auch zur Praxisrelevanz universitärer Forschung beitragen. Gleichzeitig wird deutlich, dass strukturelle Unterschiede zwischen Verwaltung und wissenschaftlichen Einrichtungen weiterhin eine Herausforderung darstellen und adressiert werden müssen, um nachhaltige Kooperation zu ermöglichen.Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen die Notwendigkeit langfristiger angelegter kooperativer Strukturen, um eine nachhaltige Integration von wissenschaftlicher Expertise im ÖGD zu gewährleisten. Kooperationen sollten bestmöglich verstetigt, mit angemessenen Ressourcen ausgestattet und durch klare Kommunikations- und Entscheidungswege unterstützt werden. Darauf basierend lassen sich Handlungsempfehlungen zur Stärkung und Weiterentwicklung der Zusammenarbeit ableiten.
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Der Einfluss von Motivation auf die digitale Transformation des deutschen Gesundheitswesens – eine explorative Herleitung

30. September 2026 um 12:41

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2943-1025

Im internationalen Vergleich hängt das deutsche Gesundheitswesen in der digitalen Transformation zurück. Gründe werden bezüglich fehlender Partizipation der Berufsgruppen, spezifischer digitaler Tools und des Aufbaus digitaler Kompetenz sowie struktureller Faktoren beschrieben. Im Folgenden wird der Einfluss von Motivation auf die digitale Transformation im deutschen Gesundheitswesen in den Mittelpunkt gerückt.Auf Basis einer Sekundärdatenanalyse von 249 Datensätzen aus einer Fragebogenerhebung zur subjektiven Einschätzung digitaler Kompetenzen von Berufsgruppen im Gesundheitswesen werden Indikatoren und Determinanten zur Motivation abgeleitet. Da nicht explizit Motivation erhoben wurde, werden Teilannahmen zu Wechselwirkungen mit dem psychologischen Wohlbefinden anhand des WHO-5-Indexs, zur Nutzungshäufigkeit spezifischer digitaler Tools anhand einer fünfstufigen Likert-Skala und zur organisationalen Veränderungsbereitschaft mittels Organizational Readiness for Implementing Change (ORIC) als Annäherungen an Motivation herangezogen.Die Nutzungshäufigkeit variiert entsprechend verschiedener digitaler Tools. Des Weiteren wurde ein mittleres psychologisches Wohlbefinden festgestellt. Bei einer höheren organisatorische Veränderungsbereitschaft sind sowohl ein höheres Engagement (MW=3,0, SD=0,9) als auch eine höhere Veränderungskapazität (MW=3,9, SD=1,1) erkennbar. In Summe wird die Veränderungskapazität höher eingestuft als das Veränderungsengagement. Hohe Standardabweichungen weisen auf sehr heterogene Einschätzungen, besonders bei den Mediziner*innen und Pflegeberufen hin.Basierend auf den angenommenen Wechselwirkungen lässt sich eine geringe bis mittler Motivation der Berufsgruppen bezüglich der digitalen Transformation im deutschen Gesundheitswesen herleiten. Hierarchische Strukturen des Gesundheitswesens, gesetzlich bedingte Zugriffs- und Nutzungsregelungen, aber auch die Verfügbarkeit und Risikoeinschätzungen zur Nutzung digitaler Tools vor dem Hintergrund altersbedingter, Kontext- und Sozialisationsunterschiede der gesellschaftlichen Generationen können als Einflussfaktoren angesehen werden.Die hergeleiteten Indikatoren und Determinanten bezüglich Motivation zum Aufbau digitaler Kompetenz von versorgenden Berufsgruppen im deutschen Gesundheitswesen sind in vertiefenden Studien zur Erfassung von Motivation zu verifizieren.
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Regionale Verteilung depressiver Störungen bei Erwachsenen in Bayern: Eine multivariable Analyse sozioökonomischer, siedlungsstruktureller und umweltbezogener Faktoren

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2940-0095

Depressive Störungen tragen wesentlich zur Krankheitslast in Deutschland bei und können mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen assoziiert sein. Im regionalen Vergleich zeigen sich in Bayern unterschiedliche Häufigkeiten depressiver Störungen. Daher zielt die Analyse darauf ab, auf regionaler Ebene in Bayern Zusammenhänge zwischen sozioökonomischen, siedlungsstrukturellen und umweltbezogenen Faktoren und der Rate depressiver Störungen bei Erwachsenen zu untersuchen.Datengrundlage der Querschnittsstudie stellen die ambulanten Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) für depressive Störungen (F32, F33) gesetzlich versicherter Patienten aus den Jahren 2018–2023 auf Ebene der 96 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte dar. Als Prädiktoren wurden der German Index of Socioeconomic Deprivation (sozioökonomischer Faktor), der siedlungsstrukturelle Kreistyp (siedlungsstruktureller Faktor) und der Anteil an Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen sowie Grünanlagen (umweltbezogener Faktor) auf Kreisebene einbezogen. Zur Kontrolle potenzieller Confounder wurden demografische Merkmale berücksichtigt. Die Analyse der Zusammenhänge dieser Faktoren und der Rate depressiver Störungen im Jahr 2023 erfolgte mittels multivariabler negativer Binomialregression sowohl in einem Gesamtmodell als auch in Modellen stratifiziert nach Geschlecht.In der multivariablen Analyse zeigte sich mit zunehmender sozioökonomischer Deprivation ein Anstieg der Rate depressiver Störungen. Der stärkste Effekt ergab sich in Quintil 5 (RR=1,17; 95%-KI=1,08–1,28) im Vergleich zum Quintil der niedrigsten Deprivation (Q1). Die Quintile 1–4 der umweltbezogenen Fläche wiesen geringere Rate Ratios für depressive Störungen im Vergleich zu Q5 (höchster Flächenanteil) auf. Für den siedlungsstrukturellen Kreistyp waren keine signifikanten Effekte feststellbar.Sozioökonomische und umweltbezogene Faktoren waren mit der in der ambulanten Versorgung dokumentierten Rate depressiver Störungen auf regionaler Ebene in Bayern assoziiert. Zur Reduktion regionaler Ungleichheiten sollte ein besonderer Fokus auf sozioökonomisch deprivierte Kreise gelegt werden. Weiterführende kleinräumige Analysen zu anderen umweltbezogenen Flächen sowie zu ihrer Beschaffenheit sind für zielgerichtete verhältnispräventive Maßnahmen erforderlich.
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Routinedatenanalyse räumlicher Aspekte der HIV-Präexpositionsprophylaxe und -Schwerpunkttherapie in ausgewählten KV-Regionen in den Jahren 2019 bis 2022

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2949-5865

Die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) gilt als eine effektive Möglichkeit zur Vermeidung von HIV-Neuinfektionen und ist in Deutschland seit September 2019 für Menschen mit gesetzlicher Krankenversicherung mit einem substantiellen HIV-Infektionsrisiko erstattungsfähig. Relevant für einen optimalen Erfolg der Prävention ist es, dass die Versorgungsstrukturen möglichst viele Personen mit erhöhtem HIV-Infektionsrisiko erreichen und kontinuierlich einbinden. Ziel der hier berichteten Analysen ist eine Deskription der PrEP- und HIV-Versorgung von Personen, die in den in Bezug auf die HIV-Schwerpunkt-Versorgung weniger ausgebauten Regionen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein leben.In anonymen Routinedaten der BARMER aus den Jahren 2019 bis 2022 wurden Personen mit PrEP-Nutzung sowie Personen, die mit HIV leben, mit einer Versorgung entsprechend der Qualitätssicherungsvereinbarung gemäß § 135 Abs. 2 SGB V, selektiert. Für diese Personen wurden die KV-Region der Ärztinnen und Ärzte ermittelt, die die PrEP verschrieben beziehungsweise die HIV-Behandlung erbrachten. Deskriptiv wurde eine Gegenüberstellung der KV-Regionen vorgenommen, in der die Versicherten leben und in denen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte praktizieren.Zwischen den betrachteten Regionen bestehen deutliche Unterschiede hinsichtlich der Rate an Personen, die in der KV-Region mit der PrEP versorgt wird, in der sie wohnt. Während die PrEP brandenburgischer Nutzenden ausschließlich außerhalb von Brandenburg verordnet werden, werden 775 der Verordnungen von niedersächsischen PrEP-Nutzenden in der eigenen Region erbracht und nur 164 Verordnungen in anderen KV-Regionen. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind hierzwischen einzuordnen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der HIV-Versorgung, mit der Ausnahme, dass hier auch in Brandenburg zu beobachten ist, dass Personen in der eigenen KV-Region versorgt werden. In beiden Analysen zeigt sich die Relevanz der Versorgungsstrukturen insbesondere in Berlin und Hamburg für die Versorgung von Personen aus den KV-Regionen der benachbarten Flächenstaaten.Beobachtet werden kann, dass Versorgungsstrukturen in beispielsweise Berlin oder Hamburg in hohem Maße PrEP-Nutzende und Personen, die mit HIV leben, aus anderen KV-Regionen mitversorgen. Zudem könnten die Ergebnisse darauf hinweisen, dass in Regionen, in denen ein Großteil der eingeschlossenen Personen Leistungen in anderen KV-Regionen beziehen, möglicherweise Personen unterversorgt sind, die die damit verbundenen Mobilitätsanforderungen nicht erfüllen können.
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Ludwig Teleky und die Sozialmedizin der Zwischenkriegszeit: Eine qualitative Inhaltsanalyse seiner innovativen gesundheitswissenschaftlichen Konzepte

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2951-3603

Das sozialhygienische Denken des Arztes und Sozialmediziners Ludwig Teleky (1872–1957) im Kontext der Sozialmedizin im Deutschland der Zwischenkriegszeit zeichnete sich durch eine wegweisende gesundheitswissenschaftliche Konzeption aus. Ziel dieser Literaturstudie war es, sein Werk systematisch zu erschließen und medizinhistorisch einzuordnen.Auf Basis eines systematischen Literatur-Screenings wurden neun substanzielle Primärtexte Telekys identifiziert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Das Kategoriesystem wurde deduktiv entwickelt und im Analyseverlauf durch induktive Subkategorien ergänzt. Die Analyse wurde mit MAXQDA sowie einer tabellarischen Kodierung durchgeführt.Telekys Schriften zeigen ein mehrdimensionales Verständnis von Gesundheit, das soziale, berufliche und individuelle Faktoren integriert. Seine Schriften thematisieren zentrale Elemente einer sozialhygienischen Gesundheitsversorgung: staatliche Fürsorgeverantwortung, präventive Aufklärung, berufsspezifische Krankheitsrisiken, statistisch-epidemiologische Methodik und normative Leitideen wie Solidarität und soziale Gerechtigkeit.Als Vorreiter einer ressourcenorientierten Sozialmedizin verstand Teleky Gesundheit als kollektives Gut und gesellschaftliche Aufgabe. Seine wegweisenden Konzepte lassen sich als Bindeglied zwischen traditioneller Sozialmedizin und modernen Public-Health-Ansätzen verstehen und waren seiner Zeit weit voraus.
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Strukturelle Barrieren der Implementierung: Klinikinitiierte Öffentlichkeitsarbeit und die Bekanntheit familienorientierter Versorgungsangebote bei ambulanten Fachkräften

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2935-5938

Trotz positiver Evaluationsergebnisse erreichen neue Versorgungsangebote ambulante Fachkräfte als potenzielle Zuweiser häufig unzureichend. Frühere Analysen zur familienorientierten Versorgungsform CHIMPS-NET zeigten für zentral gesteuerte Informationskampagnen keinen messbaren Effekt auf den Bekanntheitsgrad in dieser Gruppe. Geprüft wird, ob dezentral organisierte, klinikinitiierte Öffentlichkeitsarbeit mit einer höheren Bekanntheit des Modells zusammenhängt.Datengrundlage ist eine postalische und elektronische Vollerhebung ambulanter Fachkräfte an 18 psychiatrischen Klinikstandorten in Deutschland. Das Implementation Outcome Reach/Penetration wurde gemäß der Taxonomie von Proctor et al. über die binär erfasste Bekanntheit des Versorgungsangebots operationalisiert. Klinikinitiierte Öffentlichkeitsmaßnahmen wurden anhand projektinterner Dokumentation durch zwei verblindete Rater:innen in drei Intensitätsstufen kategorisiert und der Zusammenhang mittels binär-logistischer Regression geprüft.Von 2.828 kontaktierten Fachkräften nahmen 203 teil (Rücklaufquote 7,2%). Lediglich 9,4% der Teilnehmenden (19/203) gaben an, die neue Versorgungsform zu kennen. Die Regression zeigte keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Intensität der Öffentlichkeitsarbeit und Bekanntheitsgrad (χ2(2)=0,411; p=0,814; Nagelkerke R2=0,003).Weder zentral noch dezentral organisierte Öffentlichkeitsmaßnahmen konnten die Bekanntheit des Versorgungsangebots bei ambulanten Fachkräften messbar steigern. Die Befunde legen nahe, dass eine nachhaltige Implementierung neuer Versorgungsformen strukturelle Ansätze erfordert, etwa die Verankerung relevanter Kriterien in Behandlungsleitlinien oder abrechnungsrelevante Anreize im kassenärztlichen System.
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Kostensätze zur monetären Bewertung des Ressourcenverbrauchs von Menschen mit psychischen Erkrankungen im Gesundheits- und Sozialfürsorgesektor: Ergebnisse des EU-Projekts PECUNIA für Deutschland

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2951-8273

Bisher gab es keine einheitliche Methode zur Ermittlung von Kostensätzen (KS) für den Ressourcenverbrauch von Menschen mit psychischen Erkrankungen im Gesundheits- und Sozialsektor. Dadurch war ein länderübergreifender Kostenvergleich schwierig.Basierend auf dem harmonisierten Vorgehen zur Kostenerhebung des PECUNIA-Projekts wurden 23 KS zur Bewertung des Ressourcenverbrauchs ermittelt. Die Daten zur Ermittlung der KS wurden durch Literatur- und Internetrecherche sowie direkt mit Kostenträgern oder Proxys erhoben. Die KS wurden in Euro berechnet und gegebenenfalls mithilfe des Verbraucherpreisindexes auf das Jahr 2025 inflationiert.Es wurden KS für die Leistungen Krankenhaus, Hausarzt, Facharzt, Radiologie, Zahnarzt, Informelle Pflege, Rettungs- und Krankenwagen, Ärztlicher Hausbesuch, Notaufnahme, Ganzheitliche Medizin, Hospiz, Pflegeheim, Betreutes Wohnen, Therapeutische Wohngruppe, Sozialarbeiter, Therapeutisches Tageszentrum, Sorgentelefon, Psychologische Onlinebetreuung, Berufsausbildung, Tagesförderstätten / Werkstatt, Inklusionsbetrieb und betriebliche Eingliederungsmaßnahme berechnet.Die mit den PECUNIA Methoden ermittelten KS erlauben den internationalen Vergleich von Ressourcenverbräuchen im Gesundheits- und Sozialfürsorgesektor. Die KS aktualisieren und ergänzen die zuletzt 2017 für Deutschland veröffentlichten KS für psychische Erkrankungen.
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Ergebnisse des Länderarbeitskreises zur Hygiene in der außerklinischen Intensivpflege

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2871-6109

Als Reaktion auf die Novellierung im Infektionsschutzgesetz (IfSG) hat sich ein im Jahr 2019 gegründeter Arbeitskreis mit der Hygiene in der außerklinischen Intensivpflege beschäftigt und länderübergreifend einheitliche Dokumente für Gesundheitsämter zur Durchführung von Begehungen erarbeitet. Diese Dokumente stehen vor allem als praktische Unterstützung für die zuständigen Gesundheitsämter zur Verfügung. Perspektivisch soll die Checkliste modular aufgebaut und um weitere Inhalte ergänzt werden. In Planung ist ein Modul zur Abfrage baulicher Strukturen.
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Aerobic physical activity and chronic diseases in Austrian adults aged 65 years and older: a model-based population attributable fraction studyAusdauerbewegung und chronische Krankheiten in der österreichischen Bevölkerung ab 65 Jahren: eine modellbasierte Population Attributable Fractions Studie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2870-5575

Physical activity (PA) plays an important role in maintaining health and preventing chronic diseases, particularly among older adults. This study aimed to estimate the proportions of four major chronic diseases that could potentially be avoided if all older adults in Austria engaged in sufficient aerobic PA.Data from the 3,995 participants of the representative Austrian Health Interview Survey 2019 (ATHIS) aged 65+ years was analysed. Sufficient aerobic PA (minimum of 150 minutes moderate aerobic PA per week) was assessed using the European Health Interview Survey Physical Activity Questionnaire (EHIS-PAQ). Self-reported myocardial infarction or related health issues, stroke or resulting health problems, diabetes mellitus, and cancer were investigated as outcomes. Observed and counterfactual risks were estimated using survey-weighted logistic regression models, adjusted for sex, age, education, income, smoking status, and daily portions of fruits or vegetables. Model-based population attributable fractions (PAFs) were calculated from these predictions.The recommendations for aerobic PA were fulfilled by 29.6% of participants. Model-based PAFs indicated that up to 46.6% (95% confidence interval (CI): 21.0 to 67.5%) of strokes, 40.8% (95% CI: 15.5 to 62.1%) of myocardial infarctions, and 35.8% (95% CI: 23.8 to 47.4%) of diabetes mellitus cases could possibly have been prevented if all participants fulfilled the recommendations for aerobic PA. The PAF for cancers (21.3%; 95% CI: -1.6 to 42.7%) was not statistically significant.Insufficient aerobic PA may account for substantial proportions of several chronic diseases in older Austrians. Given the cross-sectional study design and the possibility of reverse causality, the estimates should be interpreted as hypothetical upper bounds. Nonetheless, they underscore the importance of aerobic PA for disease prevention in older adults.Körperliche Aktivität ist wichtig für die Gesundheit und die Prävention chronischer Krankheiten, insbesondere im höheren Lebensalter. Ziel dieser Studie war es, den Anteil vier chronischer Erkrankungen bei älteren Erwachsenen in Österreich zu schätzen, der potenziell vermeidbar wäre, wenn alle ausreichend Ausdauerbewegung ausüben würden. Analysiert wurden Daten der 3.995 Teilnehmenden der repräsentativen Österreichischen Gesundheitsbefragung (ATHIS) 2019 ab 65 Jahren. Ausreichende Ausdauerbewegung (mindestens 150 Minuten bei moderater Intensität pro Woche) wurde mithilfe des Physical Activity Questionnaire des European Health Interview Survey (EHIS-PAQ) erfasst. Untersucht wurden selbstberichtete Myokardinfarkte oder resultierende chronische Beschwerden, Schlaganfälle oder dadurch verursachte chronische Gesundheitsprobleme, Diabetes mellitus, und Krebserkrankungen. Beobachtete und kontrafaktische Risiken wurden mittels survey-gewichteten logistischen Regressionsmodellen geschätzt, adjustiert nach Geschlecht, Alter, Bildungsniveau, Einkommen, Rauchstatus sowie täglich konsumierte Portionen Obst oder Gemüse. Basierend auf diesen Schätzungen wurden modellbasierte Population Attributable Fractions (PAFs) berechnet. Insgesamt erfüllten 29,6% der Teilnehmenden die Empfehlungen zur Ausdauerbewegung. Die PAF-Schätzungen zeigten, dass bis zu 46,6% (95%-Konfidenzintervall (KI): 21,0 bis 67,5%) der Schlaganfälle, 40,8% (95%-KI: 15,5 bis 62,1%) der Myokardinfarkte und 35,8% (95%-KI: 23,8 bis 47,4%) der Diabetes mellitus Fälle potenziell vermeidbar gewesen wären, wenn alle Teilnehmenden die Empfehlungen erfüllt hätten. Die PAF für Krebserkrankungen (21,3%; 95%-KI: -1,6 bis 42,7%) war nicht statistisch signifikant.Unzureichende Ausdauerbewegung war mit einem erheblichen Anteil chronischer Erkrankungen assoziiert. Aufgrund des Querschnitt-Studiendesigns und der Möglichkeit von umgekehrter Kausalität sollten diese Schätzungen als hypothetische obere Grenzwerte interpretiert werden, dennoch unterstreichen sie die große Bedeutung von Ausdauerbewegung in der Krankheitsprävention bei älteren Erwachsenen.
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Was braucht es für eine bessere Telemedizin in ländlichen Regionen? Handlungsbedarfe und Forschungsdesiderate aus der Sicht von Expertinnen und Experten

16. September 2026 um 08:18

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2904-5209

Der Telemedizin werden große Potenziale zugeschrieben, die Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen Deutschlands aufrechtzuerhalten oder zu verbessern. Zugleich stehen einer effektiven und effizienten Implementierung der digitalen Lösungen vielfach hohe Hürden gegenüber. Jenseits von projektspezifischen Evaluationen ist der Kenntnisstand zu den Chancen und Herausforderungen der Telemedizin in ländlichen Regionen Deutschlands noch lückenhaft und über die Diskurse unterschiedlicher Fachdisziplinen verstreut.Dementsprechend zielte die hier zugrunde liegende Studie darauf ab, Perspektiven an den Schnittstellen von Forschung und Praxis tätiger Expert*innen zu rekonstruieren und in Bezug zueinander zu setzen. Der vorliegende Beitrag erörtert, welche praktischen Veränderungen und neuen Forschungserkenntnisse aus Sicht dieser Fachleute notwendig sind, um die Potenziale der Telemedizin in ländlichen Räumen besser ausschöpfen zu können.Im Ergebnis werden in den 27 Interviews mit 33 Personen Ansatzpunkte auf unterschiedlichen Ebenen artikuliert: Operative Verbesserungsbedarfe treten in konkreten Behandlungssituationen und Arbeitsprozessen zutage. Organisationale und professionelle Bedarfe beziehen sich auf weiter reichende organisatorische und kenntnisbezogene Voraussetzungen dafür, dass bestimmte Arztgruppen telemedizinische Lösungen effektiv und effizient einsetzen können. Strukturelle und systemische Anforderungen adressieren das kooperative Gesundheitssystem und die regionale Vielfalt der Bundesrepublik in Gänze sowie die Ebene grundlegend zu verhandelnder Normen und Werte.Zentrale Schlussfolgerungen zielen darauf ab, bedarfsgerechte telemedizinische Ansätze in größere, integrierte Konzepte der Gesundheitsversorgung einzubetten, digitale Lösungen gemeinsam mit den Nutzenden zu entwickeln und die Grenzen der Digitalisierung nicht aus den Augen zu verlieren.
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Opportunities and Challenges of Routine Healthcare Data in Oncological Health Services Research in GermanyPotenziale und Herausforderungen der Nutzung versorgungsnaher Daten in der onkologischen Versorgungsforschung in Deutschland

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2935-7861

Routine healthcare data are becoming increasingly important for oncological health services research, as they enable population-based analyses based on routinely collected data. In particular, the combined use of different routine healthcare data sources, such as data from cancer registries in accordance with § 65c of the German Social Code, Book V, and claims data from statutory health insurance funds, offer significant potential for generating reliable evidence. The aim of this article is to describe practical experience related to data application, case selection, data preparation and analysis, and challenges and potential associated with the use of these routine healthcare data sources. To illustrate these insights, a research project funded by the Innovation Fund of the Joint Federal Committee is used as an example. As part of this intervention study evaluating a new model of care, an external routine healthcare data control arm was established based on cancer registry data and linked with claims data from statutory health insurance funds. Cancer registry data include valid information on diagnoses, tumor characteristics, treatment courses, and vital status and thus enable precise case selection; however, data completeness varies across regions. Claims data allow for the longitudinal and cross-sectoral analysis of treatment courses, but are limited in terms of clinical details, diagnostic accuracy, and therapy assignment. In particular, record linkage projects involving multiple routine healthcare data sources require time-consuming coordination and approval processes. Data preparation and analysis require detailed knowledge of the respective data structures and their limitations, as well as expertise in oncology and statistical methodology. The use of cancer registry and claims data linked at the person level enables comprehensive analyses of oncological long-term outcomes, care structures, and health economic aspects. At the same time, legal frameworks, data quality, and methodological complexity remain key challenges. With the introduction of the Health Data Utilization Act and the establishment of the Research Data Centre for Health, new opportunities are emerging for the use of routine healthcare data. The development of competencies among future users is a key prerequisite for generating valid and reliable research results.Versorgungsnahe Daten (VeDa) gewinnen für die onkologische Versorgungsforschung an Bedeutung, da diese populationsbezogene Analysen auf Basis routinemäßig erhobener Versorgungsdaten ermöglichen. Insbesondere die kombinierte Nutzung unterschiedlicher VeDa-Quellen wie Daten der Krebsregister nach § 65c SGB V und Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen bietet ein hohes Potenzial zur Generierung belastbarer Evidenz. Ziel dieses Beitrags ist es, praktische Erfahrungen mit der Datenbeantragung, Fallselektion, Datenaufbereitung und -analyse sowie die Herausforderungen und Potenziale der Nutzung dieser VeDa-Quellen darzustellen. Zur Veranschaulichung wird exemplarisch ein durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördertes Forschungsprojekt herangezogen. Im Rahmen dieser Interventionsstudie zur Evaluation einer neuen Versorgungsform wurde ein externer VeDa-Kontrollarm auf Basis von Krebsregisterdaten gebildet und durch Abrechnungsdaten gesetzlicher Krankenkassen ergänzt. Krebsregisterdaten umfassen valide Angaben zu Diagnose, Tumorcharakteristika, Therapieverläufen und zum Vitalstatus und ermöglichen somit eine präzise Fallselektion, weisen jedoch regionale Unterschiede hinsichtlich der Datenvollständigkeit auf. Abrechnungsdaten erlauben eine longitudinale und intersektorale Abbildung von Behandlungsverläufen, sind jedoch hinsichtlich klinischer Detailtiefe, Diagnosegenauigkeit und Therapiezuordnung limitiert. Insbesondere Record Linkage Projekte unter Einbezug mehrerer VeDa-Quellen erfordern zeitintensive Abstimmungs- und Genehmigungsprozesse. Die Datenaufbereitung und -analyse setzen detaillierte Kenntnisse der jeweiligen Datenstrukturen und deren Limitationen sowie onkologisch-fachliche und statistisch-methodische Expertise voraus. Die Nutzung von auf Personenebene verlinkten Krebsregister- und Abrechnungsdaten ermöglicht umfassende Analysen, insbesondere von onkologischen Langzeitoutcomes, Versorgungsstrukturen und gesundheitsökonomischen Fragestellungen. Gleichzeitig stellen rechtliche Rahmenbedingungen, Datenqualität und methodische Komplexität weiterhin zentrale Herausforderungen dar. Mit dem Inkrafttreten des Gesundheitsdatennutzungsgesetzes (GDNG) und dem Aufbau des Forschungsdatenzentrums (FDZ) Gesundheit eröffnen sich neue Perspektiven für die VeDa-Nutzung. Der gezielte Kompetenzerwerb der zukünftigen Nutzer:innen ist dabei eine zentrale Voraussetzung für die Generierung valider, belastbarer Forschungsergebnisse.
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