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Arbeitsbelastung durch Arzneimittellieferengpässe in hausärztlichen Praxen in Deutschland: Ergebnisse einer Querschnittsstudie mit Medizinischen Fachangestellten

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2886-2966

Arzneimittellieferengpässe stellen seit 2020 ein zunehmendes Problem für Patient:innen, Apotheken sowie den Arbeitsalltag in hausärztlichen Praxen dar. Diese Studie untersucht die daraus resultierende Mehrbelastung und die Auswirkung auf das Stressempfinden der Medizinischen Fachangestellten (MFA) in deutschen Hausarztpraxen.In einer partizipativ entwickelten Querschnittstudie wurden Anfragen zu nicht verfügbaren rezeptpflichtigen Arzneimitteln in 30 hausärztlichen Praxen dokumentiert. Erfasst wurden unter anderem Präparat, Bearbeitungsdauer, erneute Arztkonsultation und empfundener Stress. Die Erhebungen fanden für jeweils eine Woche im November 2023 und April 2024 statt.Ergänzend wurde eine partizipativ entwickelte Prozessanalyse durchgeführt, deren Inhalte zuvor gemeinsam mit MFA in einem Workshop erarbeitet worden waren. Auf dieser Grundlage erfolgte eine gesundheitsökonomische Modellrechnung.Von den teilnehmenden 61 MFA (alle weiblich, Durchschnittsalter 42,7 Jahre) wurden 162 Anfragen zu Lieferengpässen von Arzneimitteln dokumentiert. Betroffen waren vor allem Antibiotika, Diabetes, Asthma- und Herz-Kreislauf-Medikamente. 49,3% der Anfragen erforderten mehr als fünf Minuten Bearbeitungszeit, 65,8% erforderten eine Rücksprache mit den zuständigen Ärzt:innen, 4,3% der Anfragen blieben ungelöst.Etwa die Hälfte der MFA (53,6%) empfand Anfragen zu nicht verfügbaren Arzneimitteln als stressiger im Vergleich zu anderen Anfragen im üblichen Praxisalltag. 60% der MFA fühlten sich ausreichend informiert, um die Anfragen zu bearbeiten. Die Prozessanalyse ergab eine theoretische minimale Bearbeitungszeit von 9 Minuten pro Anfrage. Bei einem Engpassanteil von 1,2% ergibt sich daraus ein zusätzlicher Zeitaufwand von 1 Stunde und 35 Minuten pro Quartal und Praxis – scheinbar gering, aber potenziell relevant im Kontext ohnehin knapper Personalressourcen.Mehr als die Hälfte der Anfragen führt zu einer relevanten Arbeitsbelastung, da diese eine Bearbeitungszeit von mehr als fünf Minuten in Anspruch nehmen, einer Rücksprache mit Ärzt:innen notwendig ist oder eine erhöhte Stressbelastung darstellen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Arzneimittellieferengpässe nicht nur Patient:innen betreffen, sondern auch zu einer erheblichen Mehrbelastung für Praxisteams, insbesondere für MFA in hausärztlichen Praxen.
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Evaluation eines Modellprojekts zur medizinischen Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung in Bremen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2833-6480

Es wird geschätzt, dass in Deutschland zwischen einer halben und einer Million Menschen ohne Krankenversicherung leben. Wenn sie versorgt werden, erfolgt dies in sehr begrenztem Rahmen durch Kommunen, gemeinnützige Organisationen oder ehrenamtliche Tätigkeit. Das Land Bremen richtete 2022 ein Modellprojekt (MVP) mit Beratungs- und Behandlungsstelle ein. Es bietet medizinische Hilfe, Beratung zur möglichen (Wieder-)Eingliederung Betroffener in einen Leistungsanspruch („Clearing“) und Behandlungsscheine zur Versorgung im regulären Gesundheitssystem. Ziele einer Evaluation des Projekts waren die Analyse der Versorgungs- und Kostendaten sowie der Perspektive von Akteuren und Nutzer*innen.Versorgungsdaten wurden vom MVP und Kostendaten zusätzlich vom Klinikverbund Gesundheit Nord Bremen erhoben. Es wurden Interviews mit fünf Mitarbeitenden des MVP, acht abrechnenden Versorgenden, drei Nutzer*innen und acht Mitarbeitenden von Organisationen, die diese Personengruppen unterstützen geführt. Abrechnende Versorgende wurde zusätzlich in einer Online-Befragung adressiert. Quantitative Daten wurden deskriptiv, qualitative inhaltsanalytisch ausgewertet.Im Zeitraum vom 01.07.2022–31.12.2023 haben 971 Personen aus 76 Ländern das Angebot des Projekts genutzt. 886 (91,2% der) Nutzer*innen führten mindestens ein Clearinggespräch. Davon konnte für 142 (16%) ein bestehender Versicherungsschutz festgestellt und für weitere 168 (19%) ein Versicherungsschutz hergestellt werden. Es wurden 2933 Behandlungsscheine ausgeben. Insgesamt wurden 1 327 679 Euro ausgegeben, davon entfielen 52% auf stationäre und 10,5% auf ambulante Behandlungen. Ergebnisse aus Interviews und Befragung zeigten eine hohe Zufriedenheit mit Zugang und Qualität der Versorgung. Besonders hervorgehoben wurden Verbesserungen in der spezialfachärztlichen Behandlung sowie der Abbau finanzieller Hürden für die Beteiligten. Als Herausforderungen wurden die begrenzten personellen Kapazitäten, die unsichere finanzielle Absicherung des Projekts, die eingeschränkte räumliche Erreichbarkeit sowie Sprachbarrieren wahrgenommen.Das Modellprojekt führte zu einer deutlich verbesserten Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung. Limitierend waren begrenzte Ressourcen und hohe Kosten im stationären Bereich. Unklar bleibt, wie viele Betroffene trotz Bedarf das Angebot nicht genutzt haben. Eine zeitliche und räumliche Ausweitung des Modellprojekts ist empfehlenswert.
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Klinische Krisenintervention und psychosoziale Unterstützung in somatischen Kliniken in Deutschland – Ergebnisse einer deutschlandweite Querschnittsstudie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2872-3200

Im Versorgungsalltag somatischer Kliniken sind Patient:innen, Zu- und Angehörige sowie Mitarbeitende mit krisenhaften und potenziell traumatisierenden Situationen konfrontiert. Während im prä- und außerklinischen Bereich etablierte Standards der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) existieren, fehlt im innerklinischen Bereich eine vergleichbare Systematisierung.Klinische Krisenintervention (KKI) und psychosoziale Unterstützung (PSU) befinden sich gegenwärtig am Beginn ihrer Professionalisierung. Bestehende Unterstützungsangebote variieren hinsichtlich ihrer Ausrichtung, Zielgruppenspezifik und internen Umsetzung. Die unterschiedliche Terminologie stellt eine zusätzliche Herausforderung dar.Die Studie untersucht erstmalig die Strukturen der KKI und PSU in deutschen Kliniken mit somatischen Versorgungsauftrag über alle Fachabteilungen hinweg. Analysier-wurden u. a. Verfügbarkeit, strukturelle Merkmale, Zufriedenheit sowie Implementierungsbarrieren.Bundesweite multizentrische Querschnittsstudie mit explorativem Charakter mittels standardisierter Online-Erhebung (Lime-Survey; Juni–Juli 2025).Nach systematischer Datenbereinigung verbleiben 94 auswertbare Datensätze aus 13 Bundesländern (Netto-Rücklaufquote: 9,2%). 78,7% der Kliniken verfügen über Unterstützungsangebot. 70,3% stellen Angebote für alle drei Zielgruppen – Patient:innen, Zu- und Angehörige sowie Mitarbeitende – bereit. Die Teamzusammensetzung ist überwiegend interdisziplinär. Die Bedarfseinschätzung für mitarbeitendenspezifische Angebote fällt mit 47,5% niedriger aus als für Patient:innen (64,6%) und Zu- und Ange-hörige (66,7%). Als Implementierungsbarrieren wurden finanzielle Ressourcen, Personalmangel und fehlende Refinanzierungsmöglichkeiten genannt. Die Rücklaufquote und regionale Verteilung schränken die Generalisierbarkeit ein. Der Feldzugang war aufgrund fehlender Systematisierung und heterogener Organisationsstrukturen erschwert. Eine formale Validitäts- und Reliabilitätsprüfung erfolgte nicht, jedoch wurde der Erhebungsbogen iterativ mittels Pretests optimiert.Die Studie zeigt eine erhebliche Heterogenität vorhandener KKI- und PSU-Strukturen. Es besteht Handlungsbedarf für verbindliche Definitionen, Qualitätsstandards und nachhaltige Finanzierungsmodelle.
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Geschlechtsunterschiede in der Transformationsbereitschaft zur interprofessionellen hausärztlichen Teampraxis

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2854-0128

Interprofessionelle Teampraxen werden als Lösung für die derzeitigen hausärztlichen Versorgungsprobleme angesehen. Da zukünftig ein hoher Anteil der hausärztlich tätigen Personen weiblich sein wird, ist es wichtig, Erwartungen und Bedürfnisse von Frauen in der Allgemeinmedizin zu erheben. Das Ziel der Studie besteht darin, zu untersuchen, inwieweit sich die Geschlechter hinsichtlich ihrer Bereitschaft zur Transformation zu einer Teampraxis unterscheiden.Mit Hilfe von qualitativen Fokusgruppen- und Einzelinterviews wurden Chancen und Barrieren der Teampraxiskonzepte bayerischer Hausärztinnen und Hausärzte (HÄ) erhoben und anhand der framework Methode geschlechtsspezifisch ausgewertet. Anschließend wurden die gewonnenen Erkenntnisse mit Hilfe einer quantitativen Online-Befragung erweitert. Die quantitative Befragung richtete sich an alle HÄ in Bayern.An den qualitativen Interviews nahmen n=37, an der quantitativen Befragung n=336 bayerische HÄ teil. Unabhängig vom Geschlecht zeigte sich eine hohe Transformationsbereitschaft zu interprofessioneller Zusammenarbeit. Männer gaben dabei eher als Frauen an, die Gesamtleitung einer Teampraxis übernehmen zu wollen. Gemeinsame Teamentscheidungen sowie soziale Umstände im Team erachteten hingegen Frauen als wichtiger als Männer.Die geschlechtsspezifische Darstellung der Chancen und Barrieren, von denen HÄ in interprofessionellen Teams ausgehen, kann Realisierungsprojekte zur Erprobung unterstützen. Beispielsweise sollten Pilotierungsprojekte mit Hausärztinnen insbesondere soziale Umstände und die Wertschätzung im Arbeitsteam fokussieren. Für Projekte mit Männern in der Allgemeinmedizin sind vor allem ein Ausbau des Qualitätsmanagements und der Kompetenzen im Bereich Personalführung zu bedenken.
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‚Pediatric Migrant & Public Health Center Munich‘ (PMPH Munich): ein Modell für integrierte und umfassende Tuberkulose-Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Flucht- oder Migrationshintergrund

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2886-5418

Die Tuberkulose (TB) stellt insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit Flucht- oder Migrationshintergrund ein wachsendes Gesundheitsproblem in Deutschland dar. Komplexe Diagnostik und strukturelle Barrieren im Zugang zur Versorgung erfordern migrationssensible Maßnahmen.In einer retrospektiven Analyse wurden Daten von 31 480 Kindern und Jugendlichen (0 bis 17 Jahre) mit Flucht- oder Migrationshintergrund, die zwischen 2015 und 2024 im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen TB-Screenings erhoben wurden, ausgewertet.Die Zahl der Screenings schwankte stark: Höchststand 2015 (41%) im Kontext der Syrienkrise, Tiefpunkt 2020 (3%) während der COVID-19-Pandemie. Insgesamt wurden 190 aktive TB-Fälle diagnostiziert. Als Reaktion auf bestehende Versorgungsdefizite wurde das ‚Pediatric Migrant & Public Health Center Munich (PMPH Munich)‘ entwickelt – ein sektorenübergreifender, interdisziplinärer Versorgungsansatz, der klinische Einrichtungen und den öffentlichen Gesundheitsdienst eng verzahnt.Das PMPH verbindet klinische und Public Health Expertise, bietet kindgerechte Diagnostik, psychosoziale Begleitung und kultursensible Betreuung. Ziel ist eine frühzeitige TB Erkennung und Behandlung bei vulnerablen Gruppen. Eine geplante Wirksamkeitsevaluation soll Aufschluss über die Qualität und Übertragbarkeit des Versorgungsansatzes geben.
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Schulunfälle revisited – Ein Vergleich zweier Fünf-Jahres-Zeiträume

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2871-9822

Kinder und Jugendliche verbringen bis zu 50% des wach erlebten Tages mit dem Schulbesuch, in dessen Verlauf sie verunfallen und Verletzungen erleiden können. Die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) etablierte daher 1971 die Schüler-Unfallversicherung. Ziel der Untersuchung war es, erstmals die Veränderungen im Aufkommen und der Schwere von Unfällen in Zusammenhang mit dem Schulbesuch über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren herauszuarbeiten.Retrospektiv wurden anhand der Krankenunterlagen einer deutschen Universitätsklinik alle Schulunfälle aus einem 5 Jahres-Zeitraum von 1/2019 bis 12/2023 und deren Verletzungsursache, Verletzungsausmaß und Behandlungsaufwand erfasst und mit Hilfe deskriptiver Statistik aufgearbeitet. Zum Vergleich standen nahezu identische Daten derselben Klinik aus dem Zeitraum 7/1999 bis 6/2004 zur Verfügung.Insgesamt wurden 3031 Schulunfälle identifiziert (Vergleichszeitraum: 1399). Der Altersdurchschnitt lag bei 10,7 Jahren (11,8). Insbesondere die Altersgruppe der 5–8 Jährigen legte überdurchschnittlich zu (p<0,001). Während im ersten Untersuchungszeitraum der Sport die häufigste Unfallursache war, war dies im zweiten die Pausen- und Freizeitgestaltung (p<0,001). Die Verteilung der Verletzungen auf die Körperregionen war in etwa gleich. Der Anteil narkosebedürftiger Behandlungen ging von 16,4% auf 5,1% zurück (p<0,001).Insgesamt hat die Zahl der nach einem Schulunfall behandelten Kinder und Jugendlichen im Vergleich der beiden Zeiträumen enorm zugenommen. Minderschwere Verletzungen überwiegen dabei. Über die Ursachen kann bis dato nur spekuliert werden. Allein zahlenmäßig bedeutet die Zunahme jedoch eine erhebliche personelle und logistische Herausforderung für das D-Arzt Wesen. Unsere Daten können helfen, hier die Kapazitäten gezielt und bedarfsgerecht zu erweitern. Des Weiteren können ggf. die Schwerpunkte der Verletzungsprävention im Schulbetrieb angepasst werden.
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Adaptations to Climate Change–Related Environmental Phenomena to Achieve Physical Activity Recommendations for Adults Aged 65 and OlderAnpassungen auf klimawandel-bedingte Umweltphänomene zum Erreichen der Bewegungsempfehlungen für Menschen ab 65 Jahren

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2872-3795

Regular physical activity promotes health, quality of life, and functional independence in older adults. However, climate change is leading to increasing environmental stressors such as heat, air pollution, and pollen exposure, which increase health risks and hinder adherence to physical activity recommendations. Older adults, particularly those with cardiovascular or respiratory conditions and pollen allergies, are especially affected. The aim of this project was to develop evidence-based recommendations to safely enable physical activity under climatically challenging conditions.The recommendations were developed through a three-step process: (1) a systematic online search of relevant guidelines, professional and governmental publications, and information from patient organisations; (2) an interdisciplinary expert workshop to refine and adapt recommendations for the target group; (3) a modified Delphi process with experts to finalise recommendations through multiple feedback rounds.A total of 54 relevant articles published by 24 institutions were identified and compiled into a preliminary catalogue. The developed recommendations for heat, air pollution, and pollen exposure include: adaptation of activity according to timing and location (using climatically favourable time windows and indoor spaces), selection of appropriate intensity and types of exercise, breaks, hydration, sun protection, and self-monitoring of physiological warning signs. For individuals with pollen allergies, indoor activities, low-pollen locations, and the use of pollen forecasts are recommended. The recommendations provide practical guidance to maintain physical activity despite adverse environmental conditions.An evidence-based, systematic approach to complement physical activity recommendations with climate-change-related environmental stressors is feasible and necessary. Older adults can remain active, reduce health risks, and preserve independence. Tailored presentation and practical implementation of the recommendations represent the next crucial step.Regelmäßige körperliche Aktivität fördert Gesundheit, Lebensqualität und funktionale Selbstständigkeit im höheren Lebensalter. Der Klimawandel führt jedoch zu zunehmenden Umweltbelastungen wie Hitze, Luftverschmutzung und Pollenbelastung, die gesundheitliche Risiken erhöhen und die Umsetzung der Bewegungsempfehlungen erschweren. Ältere Menschen, insbesondere jene mit Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen sowie Pollenallergien, sind hiervon besonders betroffen. Ein Ziel dieses Projekts war die Entwicklung evidenzbasierter Empfehlungen, um körperliche Aktivität unter klimatisch herausfordernden Bedingungen sicher zu ermöglichen.Die Empfehlungen wurden in einem dreistufigen Prozess entwickelt: (1) Systematische Internetrecherche relevanter Leitlinien, Fachgesellschafts- und Behördenpublikationen sowie Informationen von Selbsthilfeorganisationen, (2) interdisziplinärer Expert*innenworkshop zur Präzisierung und Zielgruppenanpassung, (3) modifizierter Delphi-Prozess mit Expert*innen zur Finalisierung durch mehrere Rückkoppelungsschleifen.Insgesamt wurden 54 relevante Artikel, herausgegeben von 24 Institutionen, identifiziert und in einem vorläufigen Katalog zusammengefasst. Die erarbeiteten Empfehlungen bei Hitze, Luftverschmutzung und Pollenbelastung enthalten: zeitliche und räumliche Anpassung der Aktivität (Nutzung klimatisch günstiger Zeitfenster und Innenräume), Wahl geeigneter Intensität und Sportarten, Pausen, Flüssigkeitszufuhr, Sonnenschutz sowie Selbstbeobachtung körperlicher Warnsignale. Für Personen mit Pollenallergie werden Innenaktivitäten, pollenarme Orte und die Nutzung von Pollenfluginformationen empfohlen. Die Empfehlungen bieten praxisnahe Handlungshilfen, um körperliche Aktivität trotz klimatisch belastender Bedingungen aufrechtzuerhalten.Ein evidenzbasierter, systematischer Ansatz zur Ergänzung von Bewegungsempfehlungen an die Auswirkungen klimawandelbedingter Umweltbelastungen ist machbar und notwendig. Ältere Menschen können so aktiv bleiben, gesundheitliche Risiken reduzieren und ihre Selbstständigkeit wahren. Zielgruppenspezifische Aufbereitung und praxisgerechte Umsetzung der Empfehlungen sind als nächster wichtiger Schritt entscheidend.
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Profil der Klient*innen, die von 2019 bis 2024 die STI-Beratung des Gesundheitsamtes Ludwigsburg in Anspruch genommen haben: Eine retrospektive Querschnittsstudie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2888-6360

Weltweit infizieren sich täglich mehr als eine Million Menschen mit sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Obwohl die meisten davon asymptomatisch verlaufen, können sie langfristig gesundheitliche Schäden verursachen. Im Jahr 2024 wurden allein in Deutschland etwa 3259 neue HIV-Fälle diagnostiziert. Um neue STI-Fälle frühzeitig zu erkennen und damit Infektionsketten zu unterbrechen, bieten die Gesundheitsämter in Deutschland auf Grundlage des § 19 Infektionsschutzgesetzes und der länderspezifischen Gesundheitsdienstgesetze anonyme STI-Beratungen an.Das Ziel dieser Studie ist es, das Profil der Klient*innen zu ermitteln, welche die STI-Beratung des Gesundheitsamtes Ludwigsburg in Anspruch genommen haben, sowie den Anteil der STI-Diagnosen und die damit assoziierten Faktoren zu analysieren.In dieser retrospektiven Querschnittstudie wurden Daten der STI-Beratungen des Gesundheitsamtes Ludwigsburg aus den Jahren 2019 bis 2024 einbezogen. Zunächst wurde eine deskriptive Analyse durchgeführt. Zur Untersuchung von Assoziationen zwischen Infektionen und soziodemografischen bzw. verhaltensbezogenen Merkmalen wurde der exakte Fisher-Test verwendet.Die Positivitätsraten für Chlamydien und Gonorrhö wurden zwischen den anatomischen Regionen mittels eines Tests auf Gleichheit von Anteilen auf Basis der Chi-Quadrat-Approximation analysiert. Paarweise Vergleiche von Anteilen mit Bonferroni-Korrektur erfolgten, um die spezifischen Unterschiede zwischen den betroffenen anatomischen Regionen zu untersuchen.Zur Analyse zeitlicher Trends kamen der Cochrane-Armitage-Test sowie der Mann-Kendall-Test zum Einsatz. Das Signifikanzniveau wurde auf p<0,05 festgelegt. Alle statistischen Analysen wurden mit der Software R durchgeführt.Es wurden Daten aus 2232 STI-Beratungen analysiert. Im Rahmen dieser STI-Beratungen wurden 9440 Tests durchgeführt und dabei 135 neue Infektionen diagnostiziert. Am häufigsten traten Infektionen mit Chlamydien und Gonorrhö auf, insbesondere in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sowie bei Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Diese Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an niedrigschwelligen, zielgruppenspezifischen Präventionsstrategien sowie an langfristigen Investitionen in die STI-Prävention.
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Adaptation to Climate Change and Climate Protection in Geriatric Care for Older People: Strategies, Infrastructure, and Good Practice ExamplesAnpassung an Klimawandel und Klimaschutz in der geriatrischen und pflegerischen Versorgung älterer Menschen: Strategien, Infrastruktur und Good-Practice-Beispiele

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2886-3229

Anthropogenic climate change presents significant health challenges for older people with care needs across all care settings, from private homes and supported living arrangements to institutional care facilities. Those particularly at risk include individuals with limited mobility, multimorbidity, or social isolation. Care and support systems therefore need to implement measures for both climate change mitigation and adaptation. Mitigation encompasses reducing energy and water consumption, minimising waste, decreasing reliance on fossil fuels, managing chemicals, and strengthening political and regulatory cooperation. Adaptation involves capacity building, technological innovation, financial management, education and research, monitoring and evaluation, as well as institutional and social support. The effectiveness of structural, organisational, and social measures, such as thermally resilient buildings, efficient ventilation and cooling systems, emergency power supply, secure water and waste infrastructure, hygiene standards, and community-based support services, is well documented. Good practice examples, including community-based support in home settings, structural and technical modernisation in care facilities, and strategic instruments in procurement and governance, demonstrate that climate-resilient strategies enhance care security, support the prevention of care dependency, improve the quality of life of older people, and simultaneously achieve ecological and economic objectives. Climate mitigation and adaptation are integral components of future-oriented, needs-based care, positioning care facilities and community structures as key levers for sustainable transformation.Der menschengemachte Klimawandel stellt ältere, pflegebedürftige Menschen in allen Versorgungssettings, von zu Hause über betreute Wohnformen bis hin zu Pflegeeinrichtungen, vor erhebliche gesundheitliche Herausforderungen. Besonders vulnerabel sind Personen mit eingeschränkter Mobilität, Multimorbidität oder sozialer Isolation. Pflege- und Betreuungsstrukturen müssen daher Maßnahmen zur Klimawandelminderung (Mitigation) und Klimawandelanpassung (Adaptation) umsetzen. Mitigation umfasst die Reduktion von Energie- und Wasserverbrauch, Abfallminimierung, Senkung fossiler Brennstoffnutzung, Chemikalienmanagement sowie politische und regulatorische Kooperation. Adaptation beinhaltet Kapazitätsaufbau, technologische Innovation, finanzielle Steuerung, Bildung und Forschung, Monitoring, Evaluation sowie institutionellen und sozialen Support. Die Wirksamkeit baulicher, organisatorischer und sozialer Maßnahmen, etwa thermisch robuste Gebäude, effiziente Belüftungs- und Kühlsysteme, Notstromversorgung, sichere Wasser- und Abfallinfrastruktur, Hygienestandards und kommunale Unterstützungsangebote, ist gut dokumentiert. Good-Practice-Beispiele wie kommunale Unterstützungsangebote im häuslichen Umfeld, bauliche und technische Modernisierungen in Pflegeeinrichtungen sowie strategische Instrumente im Beschaffungs- und Governancebereich zeigen, dass klimaresiliente Strategien die Versorgungssicherheit erhöhen, Pflegebedarfsprävention fördern, die Lebensqualität älterer Menschen verbessern und gleichzeitig ökologische sowie ökonomische Ziele erreichen. Klimaschutz und Klimaanpassung sind integrale Bestandteile einer zukunftsfähigen, bedarfsgerechten Versorgung und machen Pflegeeinrichtungen sowie kommunale Strukturen zu Hebeln für nachhaltigen Wandel.
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Worauf kommt es an? Lebensqualitätspräferenzen in der Lungenkrebsversorgung aus Sicht von Patienten und Ärzten – Ein systematischer Review

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2887-7962

Das Lungenkarzinom hat einen hohen Stellenwert in der onkologischen Versorgung und kann zu erheblichen Einschränkungen in der Lebensqualität (LQ) führen. Für eine patientenzentrierte Versorgung sollten Patientenpräferenzen in den Fokus der Behandlung gestellt werden. Die aktuelle Studienlage weist diesbezüglich allerdings auf heterogene Patienten- und Arztpräferenzen hin. Ziel der Untersuchung ist es, anhand eines systematischen Literaturreviews Präferenzen von Lungenkrebspatienten zur Bedeutung von LQ-Dimensionen zu identifizieren und diesen denen der behandelnden Ärzteschaft gegenüberzustellen.Es wurde ein systematischer Literaturreview in biomedizinischen Datenbanken (The Cochrane Library, PubMed via Medline) durchgeführt. Die Literatursuche berücksichtigte Primärstudien für den Zeitraum 2012 bis 2024 in englischer sowie deutscher Sprache und wurde durch eine Handsuche mittels Schneeballmethodik ergänzt. Die Studienergebnisse wurden aggregiert, nach der Patienten- und Arztperspektive kategorisiert sowie Kernaussagen abgeleitet. Die Bewertung der Studienqualität erfolgte anhand von Checklisten des Critical Appraisal Skills Programme (CASP).Von 9.781 Publikationen wurden 21 Studien identifiziert, die sich auf LQ-Dimensionen und deren Bedeutung in der Lungenkrebsversorgung fokussieren. Davon betrachten 16 Studien die Perspektive der Patienten, zwei Studien die der Ärzte und drei Studien beide Perspektiven. Insgesamt wurden 46 Dimensionen mit Bezug zur LQ identifiziert. Für Patienten zählen Übelkeit, Fatigue/Müdigkeit, Finanzielle Schwierigkeiten/Sorgen und Schmerzen zu den bedeutendsten LQ-Dimensionen. Für Ärzte sind Übelkeit, Erbrechen, Finanzielle Schwierigkeiten/Sorgen und das Risiko von Nebenwirkungen am relevantesten. Aspekte der psychischen und funktionalen Dimension spielen aus Patientensicht eine zentrale Rolle, haben in arztbezogenen Studien bislang jedoch keine Berücksichtigung gefunden.Die Ergebnisse zeigen heterogene Präferenzen zur Bedeutung von LQ-Dimensionen zwischen Lungenkrebspatienten und Ärzten auf. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Patienten- und Arztpräferenzen stärker im Versorgungsalltag zu berücksichtigen. Die Erkenntnisse können die Arzt-Patienten-Kommunikation verbessern, eine ganzheitliche, patientenzentrierte Behandlung fördern sowie langfristig zur Steigerung der LQ von Lungenkrebspatienten beitragen.
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Sozioökonomische Prädiktoren für ADHS: Eine epidemiologische Studie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2890-1158

Das Auftreten einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und ADHS-typischer Symptomatik bei Kindern und Jugendlichen variiert in Abhängigkeit von soziodemografischen und regionalen Faktoren. Ziel dieser Studie war es, die Verteilung von auffälliger Hyperaktivität und die Zusammenhänge mit soziodemografischen und regionalen Faktoren im Rahmen von Schuleingangsuntersuchungen zu analysieren. Dazu wurden 2023/2024 in den hessischen Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Fulda Querschnittsdaten, mittels des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ), erhoben (n=2832 Kinder; Gesamtpopulation der beiden Landkreise: 465 088 [1]). Die Daten wurden deskriptiv sowie bi- und multivariat analysiert, um soziodemografische und regionale Prädiktoren für ein erhöhtes Hyperaktivitätslevel zu identifizieren. 7,2% der Kinder zeigten gemäß SDQ ein auffälliges Hyperaktivitätslevel; männliches Geschlecht, ein niedriger subjektiver sozioökonomischer Status (SES) und eine städtische Urbanität waren signifikant mit dem Auftreten ADHS-typischer Symptomatik assoziiert.
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Interesse stärken, Perspektiven eröffnen: Eine Badegewässerbegehung als extracurriculares Angebot zur ärztlichen Nachwuchsgewinnung im Öffentlichen Gesundheitsdienst – Pilotprojekt mit Evaluation

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2853-8208

Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) hat im Humanmedizinstudium bislang eine geringe Präsenz. Dadurch fehlt es Studierenden an Kenntnissen über seine praktischen Aufgaben, sodass der ÖGD bei der Berufswahl kaum berücksichtigt wird. Diese Situation trägt wesentlich zur ärztlichen Nachwuchslücke in den Gesundheitsämtern bei. Wahltertiale im Praktischen Jahr sollen Studierende für den ÖGD gewinnen, doch Auswertungen zeigen, dass die angebotenen Plätze nicht ausgeschöpft werden, obwohl die Evaluationen positiv ausfallen. Projektbeschreibung Um das Interesse am ÖGD frühzeitig und niederschwellig zu fördern, wurde an der Justus-Liebig-Universität Gießen ein extracurriculares Lehrangebot als ergänzendes Wahlangebot zum Querschnittsbereich 3 Gesundheitsökonomie, Gesundheitssystem und Öffentliches Gesundheitswesen entwickelt. Im Sommersemester 2025 fand erstmals eine 90-minütige Badegewässerbegehung in Kooperation mit dem Gesundheitsamt Gießen statt. Ziel war es, Studierenden praxisnah Einblicke in die Arbeit des ÖGD im Bereich Wasser- und Umwelthygiene zu ermöglichen und gleichzeitig den persönlichen Kontakt zu Mitarbeitenden der Ämter herzustellen.Die Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen, dass die Veranstaltung sowohl fachlich als auch in Hinblick auf die Berufsorientierung als bereichernd empfunden wurde. Im Unterschied zu Famulaturen oder PJ-Wahltertialen ermöglicht das Format einen sehr niederschwelligen Zugang, ohne dass Studierende sich gegen andere Fachgebiete entscheiden müssen.Extracurriculare Wahlangebote wie die Badegewässerbegehung können als ergänzende Strategie dienen, Studierende frühzeitig für den ÖGD zu sensibilisieren und damit langfristig zur Nachwuchsgewinnung beizutragen.
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Social Prescribing: Soziale Bedarfe erfordern professionelle Expertise – Ein Zwischenruf aus der Sozialen Arbeit

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2786-3073

Social Prescribing ist ein in Großbritannien entwickelter Interventionsansatz, der die Brücke zwischen der Primärversorgung und (psycho-)sozialen sowie kulturellen Angeboten außerhalb der Gesundheitsversorgung schlagen soll, die für die Erhaltung und Verbesserung der individuellen Gesundheit eine wichtige Rolle spielen können [1, 2]. Er fußt auf einem bio-psycho-sozialen Gesundheitsverständnis und der Erkenntnis, dass soziale und emotionale Bedürfnisse bzw. Ressourcen von Patient*innen sowie soziale Determinanten von Gesundheit (insb. Wohnen, Arbeit, Einkommen) zwar einen wichtigen Einfluss auf deren Gesundheit haben, diese Faktoren aber in der Gesundheitsversorgung oft nur unzureichend adressiert werden. Social Prescribing umfasst im wesentlichen drei Bestandteile: Die Erfassung sozialer Bedarfe der Patienten im Rahmen der ärztlichen Versorgung, eine Verschreibung bzw. ein „Soziales Rezept“ als formale Überweisung an sogenannte Linkworker sowie die Beratung der Patient*innen durch diese Linkworker, die die konkreten Bedarfe näher eruieren und passgenauer Versorgung zuführen.Social Prescribing wird mittlerweile in Österreich, Skandinavien, den Niederlanden, den USA, Kanada, Japan und Australien umgesetzt [3]. Auch in Deutschland findet das Konzept großes Interesse [4–6]. Im Mai 2024 fand die zweite bundesweite Konferenz zum Thema statt, seit Januar 2025 wird Social Prescrbing im Rahmen eines EU-Projektes für fünf Jahre modellhaft erprobt (Social Prescribing EU – health and care services for people in vulnerable situations).Mit diesem Artikel wollen wir aus der Perspektive der Sozialen Arbeit und der Gemeinwesenarbeit einen Debattenbeitrag zur Entwicklung von Social Prescribing in Deutschland leisten.
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Die hausärztliche Versorgung von Menschen mit Behinderungen in München: Ergebnisse einer Querschnittstudie

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2833-6852

Trotz gesetzlicher Vorgaben zur diskriminierungsfreien ärztlichen Versorgung empfinden Menschen mit Behinderungen (MmB) ihre hausärztliche Versorgung häufig als unzureichend. Sie berichten von Barrieren beim Zugang zur Versorgung und Unsicherheiten des medizinischen Personals. Während Kinder in sozialpädiatrischen Zentren betreut werden, gibt es für Erwachsene mit Behinderungen keine Alternativen. Zwar etablieren sich Medizinische Zentren für Erwachsene mit Behinderungen, allerdings sind diese nicht dafür gedacht, Mängel in der ambulanten Versorgung von MmB abzufangen. Ziel dieser Studie war es, die hausärztliche Versorgungssituation von MmB aus Sicht der MmB in München zu untersuchen.In einer Querschnittstudie wurden MmB ohne Ausschlusskriterien in München mittels eines Fragebogens von August bis Oktober 2024 zu ihrer hausärztlichen Versorgung befragt. Die Befragung konnte in Alltags- und leichter Sprache online und schriftlich durchgeführt werden. Mit Hilfe deskriptiver Statistik und bivariater Analysen wurden Häufigkeiten und Zusammenhänge untersucht. Durch eine logistische Regressionsanalyse wurden Prädiktoren für die Wahrscheinlichkeit, Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Hausarzt zu haben oder gehabt zu haben berechnet.An der Befragung nahmen 306 Personen teil. Davon gaben 95% (n=291) an, eine Hausärztin/ einen Hausarzt zu haben und über 80% waren mit ärztlichem (n=253) bzw. Praxispersonal (n=252) zufrieden. Dennoch berichteten 39% (n=111) von Schwierigkeiten bei der Ärztin-/Arztsuche und 33% (n=91) wurden schon einmal von einer Praxis abgewiesen. Es zeigten sich Unterschiede in der Versorgung hinsichtlich der Inanspruchnahme von Terminen, der Notwendigkeit des Besuches des Hausarztes/ der Hausärztin aufgrund der Beeinträchtigung, Schwierigkeiten bei der Suche nach einer ärztlichen Praxis sowie bei der freien Ärztin/Arztwahl und der Aufnahme in eine hausärztliche Praxis, in Abhängigkeit von Geschlecht, Wohnform und Art der Beeinträchtigung sowie bei der Notwendigkeit von Hausbesuchen. Zudem ergaben die multivariaten Analysen, dass MmB ein signifikant höheres Risiko für Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Hausärztin/ einem Hausarzt haben, wenn sie schon einmal von einer Praxis abgewiesen wurden, beim Arztbesuch eingeschränkt sind oder Hausbesuche benötigen.Die Studie zeigt, dass die hausärztliche Versorgung aus Sicht der MmB als zufriedenstellend eingestuft wurde, jedoch Zugangsprobleme aufgrund baulicher, sprachlicher sowie sozialer Barrieren bestehen. Sie bietet erste Ergebnisse und Hinweise auf daraus entstehende Herausforderungen bei Hausarztbesuchen. Die Ergebnisse können dazu beitragen, Akteur*innen praxisnahe Argumente für eine Verbesserung der Versorgungssituation zu liefern.
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Bildung von erkrankungs- und bedarfsbezogen homogenen Versichertengruppen – PopGrouper 1.0

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2872-0161

Für eine differenzierte Erhebung und Darstellung des Versorgungsbedarfs werden in verschiedenen Ländern bevölkerungsbezogene Klassifikationssysteme genutzt. Das PopGroup Projekt hatte zum Ziel, ein solches Klassifikationssystem für den deutschen Versorgungskontext zu entwickeln. Der PopGrouper liegt zwischenzeitlich in der Version 1.0 vor und ordnet jede Person genau einer PopGroup (PG) zu. Nach einer vorausgehenden Publikation zu Gruppierungen von Erkrankungen mit Zuordnungen von Schweregraden sollen im vorliegenden Artikel Folgeschritte zur exklusiven Gruppierung aller Versicherten auf mehreren Ebenen vorgestellt und erläutert werden, womit die methodische Beschreibung des Groupers komplettiert wird.Für die Entwicklung der Version 1.0 wurden Trainings- und Testdaten zu insgesamt 8,8 Mio. Versicherten der BARMER-Krankenkasse im Verhältnis 4 zu 1 aus dem Jahr 2022 genutzt. Nach einer inhaltlich-klinisch orientierten Gruppierung erfolgten weitere Aufteilungen algorithmisch, wozu in Trainingsdaten mehrfach sog. Entscheidungslisten und Regressionsbäume mit spezifischer Implementierung genutzt wurden. So konnte ein Regelwerk erstellt werden, das auch zur Gruppierung anderweitiger Populationen geeignet ist.Alle Personen wurden auf 4 hierarchischen Ebenen jeweils genau einer von 10, 427, bzw. 610 Gruppen sowie abschließend genau einer der 776 PGs zugeordnet, die in Testdaten 38,8% der Varianz von versichertenbezogen dokumentierten Kosten für die gesundheitliche Versorgung erklärten. Nach Anwendung der Gruppierungsregeln in Daten zu 2021 sowie 2023 zeigten sich ähnliche Ergebnisse, wobei erklärte Varianzanteile auf allen Gruppierungsebenen in Daten zu 2023 tendenziell höher als 2022 lagen.Mit dem PopGrouper 1.0 liegt erstmals ein für Daten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland angepasster bevölkerungsbezogener Grouper vor, der umfassend dokumentiert ist und frei genutzt werden kann. Ergebnisse deuten auf gut nutzbare Gruppierungen für die Datenjahre 2021 bis 2023 hin, für die bereits vollständige Gruppierungsregeln existieren. Anpassungen für Folgejahre sollten angestrebt werden, wobei geprüft werden könnte, inwiefern Vereinfachungen des Groupers und seiner Pflege ohne Qualitätsverluste möglich sind.
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Professionelle Gesundheitskompetenz als Bestandteil der Akademisierung des Hebammenwesens? Eine quantitative Studie unter Studierenden der Hebammenwissenschaft in Deutschland

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2871-4734

Der Hebammenberuf ist seit 2020 der erste Gesundheitsfachberuf in Deutschland, der vollständig in die Akademisierung überführt wurde. Allerdings ist unklar, ob die angehenden Hebammen durch das Studium auch die notwendige professionelle Gesundheitskompetenz vermittelt bekommen, um den steigenden Herausforderungen des Gesundheitswesens begegnen zu können – etwa dem enormen Zuwachs an verfügbarem Fachwissen oder den veränderten Versorgungs- und Mitbestimmungsansprüchen von Patient/-innen. Ob und wie die nun angehenden Hebammen über die notwendigen Voraussetzungen verfügen, auf neue Herausforderungen des Gesundheitswesens reagieren können, wird durch die sogenannte professionelle Gesundheitskompetenz erfasst. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, den Status Quo der professionellen Gesundheitskompetenz von Studierenden der Hebammenwissenschaft aufzuzeigen.Die Erhebung erfolgte im Rahmen der HELPER-Studie. Es wurden 140 Hebammenstudierende aus Bayern eingeschlossen. Ermittelt wurde die professionelle Gesundheitskompetenz anhand des Erhebungsinstruments PROF-HL-Q, welches aus 34 Items besteht und vier Aufgabenbereiche umfasst. Die Ergebnisse werden deskriptiv dargestellt. Im Anschluss werden Korrelationsanalysen durchgeführt, um mögliche Zusammenhänge mit soziodemographischen Merkmalen und studienbezogenen Parametern zu identifizieren.Im Durchschnitt schätzen die Studierenden ihre professionelle Gesundheitskompetenz als positiv ein und erreichen in den vier Aufgabenbereichen zwischen 51,4 und 78,7 von 100 möglichen Punkten. Dabei fällt den Hebammenstudierenden die patientenzentrierte Kommunikation am leichtesten und die professionelle digitale Gesundheitskompetenz am schwersten. Besonders schwer fällt ihnen das Einordnen statistischer Ergebnisse, der Umgang mit falschinformierten Patient/-innen sowie die Unterstützung von Patient/-innen beim Finden digitaler Gesundheitsinformationen. Insgesamt zeigen sich nur geringe Korrelationen mit den getesteten Bezugsgrößen.Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, in welchen Bereichen die Kompetenzen der Hebammenstudierenden noch gestärkt werden müssen und lassen somit Schlussfolgerungen für die Gestaltung der Lehrcurricula zu, besonders mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung und die weitere Professionalisierung des Hebammenberufes.
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Health-related quality of life among patients with colorectal und pancreatic cancer: results from a monocentric registry study

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2776-2703

Colorectal and pancreatic cancers impose profound physical, psychological, and social challenges on patients, underscoring the need for comprehensive assessments of their impact on health-related quality of life (HRQoL). This study aimed to evaluate HRQoL levels in colorectal and pancreatic cancer patients, including the comparison to the general population and the assessment of sociodemographic as well as disease- and treatment-related predictors.The analyses are based on data from a clinical registry of the NCT/UCC Dresden. Patients were recruited during consultation hours between August 2020 and December 2024. Baseline quality of life data and routine data from the tumor documentation system were used. The final analytical sample comprised n=417 patients in the colorectal study group and n=193 patients in the pancreatic study group. Multivariable linear regression analyses were calculated, with results presented as regression coefficients (b) and 95% confidence intervals (CI).Colorectal and pancreatic cancer patients exhibited significantly lower HRQoL compared to the general population, with large differences in social function and medium differences in role function and global health. Pancreatic cancer patients reported lower HRQoL across most domains compared to colorectal cancer patients. In the colorectal study group, statutory health insurance (b=–14.10, CI=–22.54; –5.66), living in rural counties with some urbanization (b=–5.34, CI=–10.51; –0.17) and recent chemotherapy (b=–9.10, CI=–16.36; –1.85) predicted worse global health. With regard to pancreatic cancers, residence in rural counties with some urbanization (b=–10.26, CI=–18.93; –1.59) was associated with worse global health, whereas longer time since diagnosis (b=0.06, CI=0.01; 0.12) was associated with better global health.Sociodemographic factors were the most consistent predictors of HRQoL in patients with pancreatic and colorectal cancer. These findings suggest social disparities, particularly for patients in rural areas and those with lower socioeconomic status. Efforts to improve access to healthcare, provide psychosocial support, and manage symptom burden are critical to enhancing the quality of life for these patients.
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Mobilitätsangebote in der hausärztlichen Versorgung: Ein Überblick bestehender Angebotstypen und Potenziale für das deutsche Gesundheitswesen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2800-6420

Aktuelle Entwicklungen in Deutschland führen zu Konzentrationsprozessen hausärztlicher Versorgungsangebote, aus denen insbesondere in ländlich geprägten Räumen längere Wegstrecken oder -zeiten resultieren können. Zwar existieren bislang lediglich Empfehlungen zur Zumutbarkeit des Aufwands zu ihrer Erreichbarkeit. Gleichwohl werden vermehrt Anstrengungen, z. B. für mobilitätseingeschränkte Menschen und chronisch Erkrankte gefordert, um mögliche Zugangsbarrieren abzubauen. Ein Diskussionsstrang der letzten Jahre ist die Weiterentwicklung zugehender und aufsuchender hausärztlicher Versorgungsangebote. Dabei werden u. a. mobile Hausarztpraxen sowie spezifische Beförderungsangebote für Patientinnen und Patienten als Ergänzung zum ÖPNV und Individualverkehr diskutiert. Bedarfe und Stellenwert entsprechender Angebote im deutschen Gesundheitssystem wurden jedoch bislang kaum untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über bestehende Angebotstypen zu geben, diese zu diskutieren und mögliche Potenziale für das deutsche Gesundheitswesen aufzuzeigen.Neben Datenbankrecherchen zur Identifizierung wissenschaftlicher Publikationen wurde eine Internetrecherche durchgeführt. Es wurden sowohl nationale als auch internationale Ergebnisse berücksichtigt.Die identifizierten Ansätze aus den 21 einbezogenen Publikationen wurden nach Angebotstypen geclustert. Es wurden die vier Cluster „Eigenständige mobile Arztpraxis“, „Mobile Zweigpraxis“, „Spezifische Beförderungsangebote für Patientinnen und Patienten als Ergänzung des Nahverkehrs“ und „Maklerleistungen zur Beförderung von Patientinnen und Patienten“ herausgearbeitet. Bei Konzeption und Implementierung förderlich, hat sich v. a. ein eng aufeinander abgestimmtes Vorgehen relevanter Akteure mit partizipativem Ansatz zur Berücksichtigung verschiedener Perspektiven gezeigt. Hemmend wirken neben rechtlichen Hürden v. a. nicht kostendeckende Wirtschaftlichkeitsaspekte, die oft mit der eher geringen Inanspruchnahme der Angebote assoziiert sind.Mobile Arztpraxen und Angebote zur Ergänzung bestehender Mobilitätsoptionen für Patientinnen und Patienten können potenziell einen Beitrag zum Abbau von Zugangsbarrieren zu einer wohnortnahen hausärztlichen Versorgung leisten, insbesondere wenn sie Teil eines Gesamtkonzeptes für eine multiprofessionelle Primärversorgung sind und die jeweiligen Bedarfslagen berücksichtigen. Zur Konkretisierung des Potenzials ist eine wissenschaftlich fundierte Evaluation etwaiger, weiterer Modellprojekte empfehlenswert. Dabei sollten regionale Bedarfe und Bedürfnisse konsequent berücksichtigt werden.
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