Arbeitsbelastung durch Arzneimittellieferengpässe in hausärztlichen Praxen in Deutschland: Ergebnisse einer Querschnittsstudie mit Medizinischen Fachangestellten
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2886-2966
Arzneimittellieferengpässe stellen seit 2020 ein zunehmendes Problem für
Patient:innen, Apotheken sowie den Arbeitsalltag in hausärztlichen Praxen
dar. Diese Studie untersucht die daraus resultierende Mehrbelastung und die
Auswirkung auf das Stressempfinden der Medizinischen Fachangestellten (MFA)
in deutschen Hausarztpraxen.In einer partizipativ entwickelten Querschnittstudie wurden Anfragen zu nicht
verfügbaren rezeptpflichtigen Arzneimitteln in 30 hausärztlichen Praxen
dokumentiert. Erfasst wurden unter anderem Präparat, Bearbeitungsdauer,
erneute Arztkonsultation und empfundener Stress. Die Erhebungen fanden für
jeweils eine Woche im November 2023 und April 2024 statt.Ergänzend wurde eine partizipativ entwickelte Prozessanalyse durchgeführt,
deren Inhalte zuvor gemeinsam mit MFA in einem Workshop erarbeitet worden
waren. Auf dieser Grundlage erfolgte eine gesundheitsökonomische
Modellrechnung.Von den teilnehmenden 61 MFA (alle weiblich, Durchschnittsalter 42,7 Jahre)
wurden 162 Anfragen zu Lieferengpässen von Arzneimitteln dokumentiert.
Betroffen waren vor allem Antibiotika, Diabetes, Asthma- und
Herz-Kreislauf-Medikamente. 49,3% der Anfragen erforderten mehr als fünf
Minuten Bearbeitungszeit, 65,8% erforderten eine Rücksprache mit den
zuständigen Ärzt:innen, 4,3% der Anfragen blieben ungelöst.Etwa die Hälfte der MFA (53,6%) empfand Anfragen zu nicht verfügbaren
Arzneimitteln als stressiger im Vergleich zu anderen Anfragen im üblichen
Praxisalltag. 60% der MFA fühlten sich ausreichend informiert, um die
Anfragen zu bearbeiten. Die Prozessanalyse ergab eine theoretische minimale
Bearbeitungszeit von 9 Minuten pro Anfrage. Bei einem Engpassanteil von 1,2%
ergibt sich daraus ein zusätzlicher Zeitaufwand von 1 Stunde und 35 Minuten
pro Quartal und Praxis – scheinbar gering, aber potenziell relevant im
Kontext ohnehin knapper Personalressourcen.Mehr als die Hälfte der Anfragen führt zu einer relevanten Arbeitsbelastung,
da diese eine Bearbeitungszeit von mehr als fünf Minuten in Anspruch nehmen,
einer Rücksprache mit Ärzt:innen notwendig ist oder eine erhöhte
Stressbelastung darstellen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass
Arzneimittellieferengpässe nicht nur Patient:innen betreffen, sondern auch
zu einer erheblichen Mehrbelastung für Praxisteams, insbesondere für MFA in
hausärztlichen Praxen.
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