Wer profitiert von zahnmedizinischer Routine- und Sekundärdatenanalyse in Deutschland? – Ein Scoping Review zu Datenquellen und identifizierten vulnerablen Personengruppen zahnmedizinischer Versorgung in Deutschland
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2876-6533
Orale Erkrankungen zählen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen weltweit und sind stark durch soziale Ungleichheiten beeinflusst. Zahnmedizinische Routine- und Sekundärdaten können wertvolle Einblicke in die Versorgung liefern, um Versorgungslücken und Risikofaktoren zu identifizieren. Ziel dieser Arbeit ist die Analyse des aktuellen Stands zur wissenschaftlichen Routine- und Sekundärdatennutzung, das Aufzeigen von Forschungslücken und die Entwicklung von Implikationen für das Fachgebiet.Scoping Review gemäß dem Konzept von Arksey und O’Malley und partieller Weiterentwicklung von Levac, Colqhoun & O’Brien. Hierbei wurden mehrere Datenbanken (PubMed/MEDLINE, SCOPUS, PubPsych) durchsucht. Insgesamt konnten 5.823 Artikel identifiziert werden, von denen 38 Publikationen die Einschlusskriterien erfüllten. Drei erfahrene Reviewer bewerteten die Studien mithilfe kriteriengeleiteter Codebooks.Der Großteil der Publikationen (n=29; 76,3%) ist international und in den letzten zehn Jahren (n=33; 86,8%) publiziert worden. Die Mehrheit der Veröffentlichungen (n=34; 89,5%) konzentrierte sich auf eine einzige Datenquelle, lediglich vier Publikationen verknüpften verschiedene Datensätze (Data Linkage). Die meisten Publikationen beschäftigten sich mit Kosten-Nutzen-Analysen und wirtschaftlichen Aspekten (n=15; 39,5%). 13 Publikationen nutzten Routine- und Sekundärdaten zur Beschreibung des Inanspruchnahmeverhaltens und spezifischer Risikofaktoren von vulnerablen Gruppen, wovon mit vier Publikationen die meisten auf die Gruppe der Kinder und Jugendliche entfielen.Routine- und Sekundärdatenanalysen in der Zahnmedizin bieten ein großes Potenzial, Versorgungslücken aufzudecken sowie spezifische Bedürfnisse und Risikofaktoren zu identifizieren. Es konnte aufgezeigt werden, dass es eine grobe Dreiteilung in der inhaltlichen Zielsetzung der zahnmedizinischen Routine- und Sekundärdatenanalyse zu geben scheint, welche sich in 1. Klinische Fragestellungen, 2. Wirtschaftlichkeit und 3. Beschreibung bzw. Identifikation von vulnerablen Personengruppen gliedert. Letzteres fokussiert sich auch im internationalen Diskurs auf Menschen mit komorbiden somatischen Erkrankungen, im höheren Lebensalter, mit Behinderungen oder Kinder und Jugendliche. Um die zahnmedizinische Versorgungsforschung zu stärken, müssen zahnmedizinische Routine- und Sekundärdaten in Deutschland besser zugänglich und nutzbar gemacht werden.
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