Klimawandel und Hitzemorbidität – Ausmaß und Trend der an Hitzetagen zusätzlich erforderlichen Rettungsdiensteinsätze in Frankfurt am Main 2014–2024
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2653-5815
Hitzeperioden führen zu erhöhter Morbidität und Mortalität. Es soll
untersucht werden, ob ein Trend der Rettungsdiensteinsätze an Hitzetagen mit
Tagesmaximaltemperaturen (Tmax)≥32°C von 2014 bis 2024 erkennbar ist, ob die
Zahl der Rettungseinsätze bereits bei geringeren Temperaturen (Tmax≥30°C
oder≥28°C) steigt und ob eine Expositions-Wirkungs-Kurve für den
Zusammenhang zwischen Tagesmaximaltemperaturen und der Zahl der
Rettungseinsätze erkennbar ist.Es wurden alle 250.507 Rettungsdiensteinsätze von Juni bis August 2014–2024
in Frankfurt am Main und Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der
Messstelle Frankfurt genutzt. Pro Jahr wurden die Einsätze an Hitzetagen mit
denen an Nicht-Hitzetagen verglichen (Differenz und Ratio). Mit den
Wertepaaren (Jahr, zusätzliche Zahl der Rettungseinsätze an Hitzetagen mit
Tmax≥32°C) wurde für die Jahre 2014 bis 2024 ein lineares Regressionsmodell
angepasst und die Änderung der zusätzlichen Zahl der Einsätze pro Jahr
geschätzt. Weitere Analysen erfolgten für Tmax≥30°C und≥28°C. Für die
Expositions-Wirkungs-Kurve wurde die relative Änderung der Zahl der Einsätze
über alle Jahre nach Tmax in 2°C-Schritten, mit Tmax<18°C als Referenz,
berechnet. Diese Analysen wurden für alle Patienten sowie für Altersgruppen
bis 59 Jahre, 60–79 Jahre und ab 80 Jahre durchgeführt.Zwischen 2014 und 2024 nahmen die zusätzlichen Rettungsdiensteinsätze an
Hitzetagen mit Tmax≥32°C deutlich ab von+25 (2014) auf − 6,6 (2024) (− 2,9
pro Jahr; 95% KI − 3,5 – − 2,4). Insgesamt wurden im gesamten Zeitraum 2014
– 2024 an Tagen mit Tmax≥32°C 6,2% (Ratio=1,062 (95% KI: 1,050–1,075)) mehr
Rettungsdiensteinsätze erforderlich als an Tagen ohne diese Definition. Der
zusätzliche Bedarf war vergleichbar an Tagen mit Tmax≥30°C (+6,3%;
Ratio=1,063 (95% KI: 1,053–1,073)), resp.≥28°C (+6,1%; Ratio=1,061 (95% KI:
1,052–1,069)). Die größte Zunahme zeigte sich bei Patienten<60 Jahren.
Die „Expositions-Wirkungs-Kurve“ zeigte eine lineare Zunahme um 27% bei
unter 60-Jährigen und 16% bei über 80-Jährigen, wobei bei den
über-80-Jährigen bereits ab Tmax von 28°C – 30°C ein Plateau erreicht
wird.Der abnehmende zusätzliche Bedarf an Rettungsdiensteinsätzen bei Tmax≥32°C
könnte auf eine Anpassung der Bevölkerung hinweisen. Die Zahl der
Rettungseinsätze steigt bereits an Tagen mit geringeren
Tagesmaximaltemperaturen. Da Menschen<60 Jahren besonders betroffen sind,
sollten die Präventionsmaßnahmen auch auf jüngere, berufstätige Personen
ausgeweitet werden.
[...]
Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
Article in Thieme eJournals:
Table of contents | Abstract | Full text