Zwischen Gesundheitsversorgung und Bildungsteilhabe: Schulgesundheitsfachkräfte im Spiegel empirischer Daten
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2899-6768
Ziel der Studie ist die Inanspruchnahme, das Tätigkeitsspektrum sowie die
gesundheitlichen und psychosozialen Bedarfe von Schüler*innen durch
Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) im schulischen Setting differenziert zu
analysieren. Ein besonderer Fokus liegt auf den geschlechts- und
schultypspezifischen Unterschieden, der Rolle der SGFK in der medizinischen
und psychosozialen Versorgung sowie ihrem Beitrag zur Bildungsteilhabe.Im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes wurden routinemäßig erhobene,
softwaregestützt dokumentierte Daten aus 21 öffentlichen Schulen in
Brandenburg (2024–2025) ausgewertet. Quantitative Analysen (inkl.
Poisson-Regression) wurden mit einer qualitativen Inhaltsanalyse der
Freitextfelder kombiniert, um neben standardisierten Kontaktanlässen auch
komplexe gesundheitliche, psychische und soziale Problemlagen
abzubilden.Insgesamt wurden 27 778 Kontakte dokumentiert. Über 70% der Schüler*innen
nahmen das Angebot mindestens einmal in Anspruch. Akute Beschwerden (ca.
zwei Drittel) und Verletzungen (ca. ein Viertel) dominierten, während
psychosoziale und komplexe Problemlagen seltener, jedoch insbesondere in
höheren Klassenstufen deutlich häufiger auftraten. Mädchen suchten
signifikant häufiger Unterstützung, vor allem bei gesundheitlichen und
psychischen Beschwerden.Die ergänzende Analyse der Freitextfelder zeigte differenzierte Einblicke in
psychosoziale Problemlagen: In der Grundschule überwogen externalisierende
Verhaltensauffälligkeiten bei Jungen und internalisierende Beschwerden bei
Mädchen; in weiterführenden Schulen traten vermehrt komplexe und
schwerwiegende psychische Belastungen bis hin zu Krisensituationen auf.Die SGFK führten ein breites Spektrum an Maßnahmen durch, darunter Beratung,
emotionale Unterstützung, gesundheitliche Erstversorgung sowie die
Einleitung weiterführender medizinischer und psychosozialer Versorgung. In
rund 5% der Fälle wurden gezielte Empfehlungen ausgesprochen. In 85,5% der
Kontakte konnte eine Rückkehr in den Unterricht erreicht werden, was die
Bedeutung der SGFK für die Sicherung der Bildungsteilhabe unterstreicht.SGFK übernehmen eine zentrale Rolle als niedrigschwellige Versorgungsinstanz
im schulischen Alltag und stellen eine wichtige Schnittstelle zwischen
Bildung und Gesundheit dar. Die standardisierte, softwaregestützte
Dokumentation ist eine wesentliche Grundlage für die Qualitätssicherung der
Arbeit, die evidenzbasierte Weiterentwicklung und das gesundheitspolitische
Sichtbarmachen ihres Nutzens.
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