Der Hausarztvermittlungsfall in der ambulanten Versorgungspraxis – zwischen Koordination, Spannungen und Verbesserung der Patientenversorgung: Ergebnisse qualitativer Fokusgruppen
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2924-0374
Der Hausarztvermittlungsfall wurde 2019 eingeführt, um medizinisch dringliche
Fälle schneller von der hausärztlichen in die spezialisiert fachärztliche
Versorgung zu überführen. Mit der Reform 2023 gewann das Instrument an
Bedeutung – sowohl gesundheitspolitisch als auch im Versorgungsgeschehen.
Ziel der Studie war es, die ärztliche Wahrnehmung, die Umsetzung in der
Praxis sowie mögliche Auswirkungen auf Versorgung, interdisziplinäre
Zusammenarbeit und das Arzt-Patienten-Verhältnis zu untersuchen.Es wurden acht qualitative Fokusgruppen mit 40 Ärztinnen und Ärzten
verschiedener Fachrichtungen durchgeführt. Die Auswertung erfolgte mittels
qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz.Es wurde betont, dass Patientinnen und Patienten mit HAFA schneller Termine
bei unterversorgten Fachrichtungen bekommen. Hausärztinnen und Hausärzte
empfinden den mit dem Hausarztvermittlungsfall verbundenen zusätzlichen
organisatorischen Aufwand als Belastung. Die Regelung verändert die Dynamik
zwischen Haus- und spezialisierter Fachärzteschaft – sowohl kooperativ als
auch konflikthaft. Zudem zeigen sich unerwünschte Effekte wie
Zweckentfremdung.Der Hausarztvermittlungsfall sorgt für eine schnellere Terminvergabe mit
höherer Verbindlichkeit, offenbart aber auch strukturelle Spannungen im
ambulanten Versorgungssystem. Um Zweckentfremdung zu verhindern, bedarf es
einer Weiterentwicklung mit klareren Kriterien und eindeutigen
Steuerungsmechanismen.
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