Transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen ÖGD und universitärer Einrichtung. Reflexion und Handlungsempfehlungen aus dem BMG-geförderten Verbundforschungsprojekt I.N.Ge
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2918-6206
Kooperationen zwischen dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) und
universitären Einrichtungen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Politische
Maßnahmen wie der Pakt für den ÖGD fordern eine stärkere Vernetzung, um
wissenschaftliche Erkenntnisse schneller zu gewinnen, in die Praxis zu
übertragen und evidenzbasierte Gesundheitsmaßnahmen zu fördern. Im Rahmen
des BMG-geförderten Verbundprojekts Infektionsschutz.Neu.Gestalten (I.N.Ge)
wurde dieser Anspruch erprobt.Die Reflexion der Zusammenarbeit erfolgte unter Verwendung der partizipativen
Methode World Café. Verbundpartner*innen aus Gesundheitsämtern und
universitärer Forschung diskutierten wesentliche Erfahrungen, die mittels
Clusterung systematisch ausgewertet wurden, wobei zentrale Aspekte der Art
der Zusammenarbeit, Methodik und Organisation identifiziert wurden.Die Analyse zeigt, dass ein Verbundforschungsprojekt wie I.N.Ge eine klare
Rollenverteilung, eine frühzeitige und kontinuierliche Abstimmung sowie ein
gemeinsames Verständnis von wissenschaftlichem Arbeiten und Forschung
erfordert. Die Zusammenarbeit führte zu einem besseren Verständnis der
jeweiligen Arbeitsweisen und förderte den wechselseitigen Wissenstransfer.
Herausforderungen ergaben sich durch unterschiedliche institutionelle
Strukturen, Kulturen und Arbeitswelten sowie begrenzte personelle
Ressourcen. Zudem unterschieden sich die Erwartungen prioritärer Aufgaben
und Ziele der jeweiligen Institutionen (Forschung und Bevölkerungsgesundheit
etc.).Die Analyse verdeutlicht, dass transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen ÖGD
und universitärer Einrichtung nicht nur eine stärkere wissenschaftliche
Verankerung im ÖGD ermöglichen, sondern auch zur Praxisrelevanz
universitärer Forschung beitragen. Gleichzeitig wird deutlich, dass
strukturelle Unterschiede zwischen Verwaltung und wissenschaftlichen
Einrichtungen weiterhin eine Herausforderung darstellen und adressiert
werden müssen, um nachhaltige Kooperation zu ermöglichen.Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen die Notwendigkeit langfristiger angelegter
kooperativer Strukturen, um eine nachhaltige Integration von
wissenschaftlicher Expertise im ÖGD zu gewährleisten. Kooperationen sollten
bestmöglich verstetigt, mit angemessenen Ressourcen ausgestattet und durch
klare Kommunikations- und Entscheidungswege unterstützt werden. Darauf
basierend lassen sich Handlungsempfehlungen zur Stärkung und
Weiterentwicklung der Zusammenarbeit ableiten.
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