Unterstützung der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in hausärztlichen Praxen: Eine Mixed-Methods-Evaluation des Modellprojekts ‚KUNOLand‘
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2853-8370
Die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist regional
ungleich verteilt; insbesondere im ländlichen Raum fehlen fachärztliche
Angebote. Im Modellprojekt KUNOLand rotieren Weiterbildungsassistent:innen
(WBAs) der Kinder- und Jugendmedizin für sechs Monate aus der Klinik in zwei
allgemeinärztliche Praxen im ländlichen Raum Ostbayerns, um die heimatnahe
Versorgung zu stärken. Ziel dieser Arbeit ist die formative und summative
Evaluation hinsichtlich Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit.Die Wirkmechanismen des Modellprojektes wurden anhand eines logischen Modells
spezifiziert. Im Evaluationszeitraum (April 2022 bis März 2025) wurden
folgende Datenerhebungen durchgeführt: Semi-standardisierte Interviews mit
Projektbeteiligten, Dokumentation von Klinik-Kontakten, Praxis-Routinedaten
und eine Online-Umfrage bei Eltern. Quantitative Daten wurden deskriptiv
ausgewertet, qualitative Daten computergestützt nach Kuckartz (2012)
analysiert.Das Konzept ist bei Erfüllung bestimmter Rahmenbedingungen umsetzbar, etwa
durch die kontinuierliche Beteiligung der Praxen, Freistellung der WBAs
durch die Klinik und strukturierte Einbindung der Rotation in die
Weiterbildung. Die ärztliche Tätigkeit der WBAs ließ sich erfolgreich in den
Praxisalltag integrieren. Rücksprachen mit der Klinik erfolgten meist
telefonisch (Median: 2,5 Kontakte/Monat); die datenschutzkonforme
Telemedizin-App wurde kaum genutzt. Die Behandlungszahlen stiegen deutlich,
besonders bei jüngeren Kindern, und das Versorgungsspektrum erweiterte sich.
Eltern zeigten eine hohe Zufriedenheit, häufig konnte ein weiterer
ärztlicher Kontakt vermieden werden. WBAs und Praxispersonal berichteten von
einem substanziellen Kompetenzgewinn. Das Projekt trug zur Gewinnung neuer
pädiatrischer Patient:innen bei und stärkte die regionale Versorgung.Das Modellprojekt zeigt, dass die strukturierte Einbindung von WBAs in
allgemeinärztliche Praxen im ländlichen Raum sowohl Versorgung als auch
Weiterbildung stärkt. Die Ergebnisse sprechen für eine gute Übertragbarkeit
auf vergleichbare Regionen. Durch die gestärkte Weiterbildung kann das
Projekt ein wirksamer Beitrag zur Nachwuchsgewinnung sein.
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