Normale Ansicht

Ältere BeiträgeDas Gesundheitswesen

Wie gelingen klinische Studien im hausärztlichen Setting – Herausforderungen und Lösungsstrategien – eine Befragung forschungsaktiver Praxen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2939-7615

Patient*innen in hausärztlichen Praxen sind für eine Teilnahme an klinischen Studien häufig unzureichend erreichbar. Da ein Großteil der Versorgung ambulant erfolgt, ist es essenziell, diesen Sektor und insbesondere die hausärztliche Ebene als Dreh- und Angelpunkt bei der Ausgestaltung künftiger Forschungsinfrastrukturen zu berücksichtigen. Die NAPKON (Nationales Pandemie Kohorten Netzwerk) Therapeutische Interventionsplattform (NAPKON-TIP) ist ein Projekt des Netzwerks Universitätsmedizin und schafft eine Infrastruktur für klinische Studien unter Einbezug des ambulanten Sektors.Ziel der Studie ist es, Hindernisse für die Studienrekrutierung von Patient*innen in hausärztlichen Praxen sowie Strategien zu deren Überwindung zu identifizieren.Von 12/2024 bis 02/2025 erfolgte ein Online-Survey mit Fragen zu Rekrutierungshindernissen, die Hausärzt*innen und Medizinische Fachangestellte (MFA) bei klinischen Studien wahrnehmen. Der Survey wurde per E-Mail an allgemeinmedizinische Forschungspraxen der Initiative Deutscher Forschungspraxennetze – DEGAM-ForNet versendet. Zur Steigerung der Teilnahme wurden Erinnerungsmails eingesetzt. Die Fragebogendaten wurden deskriptiv in SPSS und die Freitextantworten inhaltsanalytisch in MAXQDA ausgewertet.An der Befragung beteiligten sich 62 Personen. Die Rücklaufquote lag bei 7,2%. Der Großteil der Teilnehmenden waren Hausärzt*innen (83,9%), 16,1% waren MFA. Als häufigste Rekrutierungshindernisse wurden ein hoher administrativer und zeitlicher Aufwand (88,7%), unzureichende Vergütung (58,1%) sowie Personalmangel (56,4%) genannt. Qualitativ inhaltsanalytisch wurden Hürden im Studiendesign, etwa durch komplexe Einschlusskriterien, Barrieren im Praxisteam wie Personalmangel, Hindernisse im Praxisalltag durch schwer integrierbare Abläufe sowie patientenbezogene Schwierigkeiten wie Überforderung mit dem Studienaufwand als Rekrutierungshindernisse identifiziert. Als Lösungsansätze wurden u. a. die Stärkung der Rolle von Praxisteams und Patient*innen als aktive Forschungspartner im Sinne einer echten Partizipation, die Schaffung finanzieller und ideeller Anreize sowie eine vereinfachte, digitale Studienlogistik benannt.Studien sollten an die Bedürfnisse der ambulanten Versorgung angepasst und in enger Zusammenarbeit mit bestehenden Forschungspraxen geplant werden. Dies kann hausärztlichen Praxen die Studienteilnahme erleichtern und die Grundlage für eine sektorenübergreifende Forschungsinfrastruktur schaffen, in der der ambulante Sektor gleichberechtigt vertreten ist. Bei der vorliegenden Befragung ist nicht auszuschließen, dass Ärzt*innen und MFA teilweise in derselben Praxis arbeiteten und die Teilnahme zwischen den Praxen dadurch nicht ausgewogen war.
[...]

Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany

Article in Thieme eJournals:
Table of contents  |  Abstract  |  open access Full text

❌
❌