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Anwendungsbegleitende Erfolgsmessung (AbEM) bei Digitalen Gesundheitsanwendungen: Optimierung aus Sicht der Versorgungsforschung für eine zielgerichtete und versorgungsrelevante Erfolgsmessung

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2907-9867

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind Bestandteil der Regelversorgung in Deutschland. Mit dem Digital-Gesetz wird ab 2026 eine anwendungsbegleitende Erfolgsmessung (AbEM) verpflichtend, um Nutzung und Wirksamkeit von DiGA unter Alltagsbedingungen zu bewerten. Ziel des Positionspapiers ist es, Anforderungen an AbEM zu formulieren, die eine valide und praxisrelevante Bewertung ermöglichen. Zudem wurden Vorschläge zur praktischen Umsetzung dieser Anforderungen erarbeitet.In 24 Treffen von Expert:innen aus Versorgungsforschung, Medizin und Digital Health wurde die AbEM diskutiert und bewertet. Bestehende Konzepte zur Qualitätsmessung und zu Patient-reported Outcome und Experience Measures (PROMs, PREMs) wurden gesichtet und auf ihre Übertragbarkeit hin geprüft. Weiterhin wurden spezifische Anforderungen an Datenerhebungen und -auswertungen bei AbEM herausgearbeitet.Zusätzlich zu den vorgeschlagenen Messinstrumenten für die AbEM, insbesondere PROMs und PREMs, und den Nutzungsdaten, die innerhalb der DiGA erfasst werden, sollten Abbruchgründe und Langzeitwirkungen sowie unerwünschte DiGA-Wirkungen kategorisiert erhoben werden. Die patientenseitige Einschätzung der Outcomes sollte durch eine therapeutenseitige Einschätzung am Ende der DiGA-Nutzung ergänzt werden. Eine aktive Abbruchlogik in den Anwendungen, standardisierte Erhebungsprotokolle und eine ePA-Schnittstelle, über die pseudonymisierte AbEM-Daten in einen gemeinsamen AbEM-Datenpool ausgeleitet und DiGA-spezifisch sowie herstellerunabhängig ausgewertet werden, könnten den Erkenntnisgewinn der AbEM und ihren Nutzen als Forschungsressource steigern. Vergleiche zwischen DiGA oder zu Therapiealternativen im Rahmen der AbEM werden aufgrund methodischer Limitationen derzeit abgelehnt. Perspektivisch könnte die Einbeziehung medizinischer Register, die standardisierte und interoperable DiGA-Stammdatensätze integrieren, oder die Etablierung eigenständiger DiGA-Register Nutzungsmöglichkeiten und Erkenntnisgewinne der AbEM-Daten von DiGA verbessern.AbEM bietet die Chance, DiGA-Nutzung transparent zu machen und eine qualitätsorientierte Vergütung zu fördern. Voraussetzung ist eine valide, unabhängige und interoperable Datenerhebung, die patientenrelevante Ergebnisse fokussiert, die Perspektive der Verordnenden einbezieht und die Integration von (Routine-)Daten ermöglicht. Die aktuelle Umsetzung der DiGA-AbEM berücksichtigt diese zentralen Punkte noch nicht ausreichend.
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Georg Thieme Verlag KG Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany

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Bedarf und Verschreibungspraxis Digitaler Gesundheitsanwendungen für psychische Erkrankungen aus Sicht Psychologischer Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2754-1539

Seit 2020 können Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen digitale Gesundheitsanwendungen für psychische Erkrankungen (PsyDiGA) verschreiben. Ziel der Studie war es, die Bedeutung von PsyDiGA in der Versorgungsrealität zu erfassen und zu erfahren, wie Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen den Bedarf an PsyDiGA einschätzen und wie häufig sie diese tatsächlich verschreiben. Darüber hinaus interessierten wir uns für mögliche Motive für die (fehlende) Verschreibung von PsyDiGA.Im Frühjahr 2024 wurden 1000 bundesweit im Register der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gelistete Psychologische Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen stratifiziert nach Bundesland und Gemeindegröße ausgewählt. Diese erhielten postalisch einen eigens entwickelten Fragebogen, der darüber hinaus u. a. über Fachgesellschaften online veröffentlicht wurde. Zudem wurden leitfadenbasierte Interviews mit ausgewählten Teilnehmenden geführt. Die Ergebnisse der Fragebogenerhebung wurden deskriptiv sowie mittels Spearman-Rangkorrelationstests ausgewertet. Für die Interviews wurde eine qualitative Inhaltsanalyse in Anlehnung an Mayring durchgeführt.Insgesamt 321 Befragte füllten den Fragebogen aus, 16 nahmen an den Interviews teil. Den Bedarf an PsyDiGA auf einer Skala von 0–10 schätzten 61% (n=198) als≤2 (Median 2) ein. Im Median lag die Anzahl der PsyDiGA-Verschreibungen in einem gewöhnlichen Quartal bei 0, die Spannweite reichte bis zu 20 verschriebene PsyDiGA. Der Anteil an Personen mit mindestens einer PsyDiGA-Verschreibung lag unter Ärzt:innen geringfügig höher (n=23, 29%) als unter Psychologischen Psychotherapeut:innen (n=60, 25%). Die Bedarfseinschätzung unterschied sich nicht zwischen den beiden Berufsgruppen. Laut den Interviews stellen die Gewährleistung von Datenschutz, ein ausreichender Wirksamkeitsnachweis sowie eigenes Wissen über die Inhalte von PsyDiGA Voraussetzungen für das Vertrauen in beziehungsweise die Verschreibung von PsyDiGA dar.Wenig Erfahrungen mit oder eine fehlende wahrgenommene Notwendigkeit von PsyDiGA im eigenen Praxisablauf könnten Gründe für die geringe Verschreibungspraxis bzw. Bedarfseinschätzung sein. Die geforderte Transparenz hinsichtlich Datenschutz, Wirksamkeit und Inhalten von PsyDiGA spricht für hohe Qualitätsanforderungen, die Behandelnde an PsyDiGA haben.
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