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Bedarf und Verschreibungspraxis Digitaler Gesundheitsanwendungen für psychische Erkrankungen aus Sicht Psychologischer Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen

Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2754-1539

Seit 2020 können Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen digitale Gesundheitsanwendungen für psychische Erkrankungen (PsyDiGA) verschreiben. Ziel der Studie war es, die Bedeutung von PsyDiGA in der Versorgungsrealität zu erfassen und zu erfahren, wie Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen den Bedarf an PsyDiGA einschätzen und wie häufig sie diese tatsächlich verschreiben. Darüber hinaus interessierten wir uns für mögliche Motive für die (fehlende) Verschreibung von PsyDiGA.Im Frühjahr 2024 wurden 1000 bundesweit im Register der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gelistete Psychologische Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen stratifiziert nach Bundesland und Gemeindegröße ausgewählt. Diese erhielten postalisch einen eigens entwickelten Fragebogen, der darüber hinaus u. a. über Fachgesellschaften online veröffentlicht wurde. Zudem wurden leitfadenbasierte Interviews mit ausgewählten Teilnehmenden geführt. Die Ergebnisse der Fragebogenerhebung wurden deskriptiv sowie mittels Spearman-Rangkorrelationstests ausgewertet. Für die Interviews wurde eine qualitative Inhaltsanalyse in Anlehnung an Mayring durchgeführt.Insgesamt 321 Befragte füllten den Fragebogen aus, 16 nahmen an den Interviews teil. Den Bedarf an PsyDiGA auf einer Skala von 0–10 schätzten 61% (n=198) als≤2 (Median 2) ein. Im Median lag die Anzahl der PsyDiGA-Verschreibungen in einem gewöhnlichen Quartal bei 0, die Spannweite reichte bis zu 20 verschriebene PsyDiGA. Der Anteil an Personen mit mindestens einer PsyDiGA-Verschreibung lag unter Ärzt:innen geringfügig höher (n=23, 29%) als unter Psychologischen Psychotherapeut:innen (n=60, 25%). Die Bedarfseinschätzung unterschied sich nicht zwischen den beiden Berufsgruppen. Laut den Interviews stellen die Gewährleistung von Datenschutz, ein ausreichender Wirksamkeitsnachweis sowie eigenes Wissen über die Inhalte von PsyDiGA Voraussetzungen für das Vertrauen in beziehungsweise die Verschreibung von PsyDiGA dar.Wenig Erfahrungen mit oder eine fehlende wahrgenommene Notwendigkeit von PsyDiGA im eigenen Praxisablauf könnten Gründe für die geringe Verschreibungspraxis bzw. Bedarfseinschätzung sein. Die geforderte Transparenz hinsichtlich Datenschutz, Wirksamkeit und Inhalten von PsyDiGA spricht für hohe Qualitätsanforderungen, die Behandelnde an PsyDiGA haben.
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