Einfluss der Krankenhausstrukturreform und sozio-ökonomischer Deprivation in NRW auf die Erreichbarkeit spezialisierter stationärer Palliativversorgung
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2633-5943
Palliativmedizin zielt darauf ab, die Lebensqualität von Patient*innen mit
potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen und deren Angehörigen zu
verbessern, indem Leiden und Symptome in körperlicher, psychosozialer und
spiritueller Hinsicht frühzeitig erkannt und behandelt werden. Die
vorliegende Studie untersucht die Auswirkungen der am 01.04.2025 in Kraft
getretenen Krankenhausstrukturreform in Nordrhein-Westfalen (NRW) auf die
Erreichbarkeit von Einrichtungen mit spezialisierter stationärer
palliativmedizinischer Versorgung.Krankenhäuser mit spezialisierter stationärer Palliativversorgung wurden über
das Palliativregister und die §136b Daten an den Gemeinsamen Bundesausschuss
identifiziert. Mittlere gewichtete Fahrzeiten zu diesen Einrichtungen wurden
ermittelt und mit den Standorten verglichen, die im Rahmen der
Krankenhausstrukturreform NRW in der Leistungsgruppe 29 „Palliativmedizin“
vorgesehen sind. Die Erreichbarkeit wurde mit der sozioökonomischen
Deprivation (German Index of Socioeconomic Deprivation, GISD) auf
Gemeindeebene korreliert.Insgesamt wurden 162 Kliniken in NRW identifiziert, die spezialisierte
palliativmedizinische Versorgung anbieten. Im Jahr 2022 betrug die mittlere
gewichtete Fahrzeit zu diesen Kliniken 11,4 min, wobei 53% der Bevölkerung
eine Klinik innerhalb von 10 Minuten und 97% in 30 min erreichen konnten. Es
zeigte sich keine signifikante Korrelation zwischen der Erreichbarkeit
spezialisierter stationärer palliativmedizinischer Einrichtungen und der
sozioökonomischen Deprivation. Im Rahmen der Krankenhausstrukturreform wird
die mittlere Fahrzeit auf 12,2 min ansteigen. 48% der Bevölkerung werden
eine Klinik mit Palliativmedizin innerhalb von knapp 10 min und 96% in
30 min erreichen.Die Ergebnisse legen nahe, dass die geplante Reform nur einen marginalen
Einfluss auf die Erreichbarkeit spezialisierter palliativmedizinischer
Versorgung in NRW haben wird. Obwohl die durchschnittlichen Fahrzeiten
geringfügig ansteigen, bleibt der Zugang für die Mehrheit der Bevölkerung
weiterhin innerhalb kurzer Zeit realisierbar.
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