Klinische Krisenintervention und psychosoziale Unterstützung in somatischen Kliniken in Deutschland – Ergebnisse einer deutschlandweite Querschnittsstudie
Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-2872-3200
Im Versorgungsalltag somatischer Kliniken sind Patient:innen, Zu- und
Angehörige sowie Mitarbeitende mit krisenhaften und potenziell
traumatisierenden Situationen konfrontiert. Während im prä- und
außerklinischen Bereich etablierte Standards der psychosozialen
Notfallversorgung (PSNV) existieren, fehlt im innerklinischen Bereich eine
vergleichbare Systematisierung.Klinische Krisenintervention (KKI) und psychosoziale Unterstützung (PSU)
befinden sich gegenwärtig am Beginn ihrer Professionalisierung. Bestehende
Unterstützungsangebote variieren hinsichtlich ihrer Ausrichtung,
Zielgruppenspezifik und internen Umsetzung. Die unterschiedliche
Terminologie stellt eine zusätzliche Herausforderung dar.Die Studie untersucht erstmalig die Strukturen der KKI und PSU in deutschen
Kliniken mit somatischen Versorgungsauftrag über alle Fachabteilungen
hinweg. Analysier-wurden u. a. Verfügbarkeit, strukturelle Merkmale,
Zufriedenheit sowie Implementierungsbarrieren.Bundesweite multizentrische Querschnittsstudie mit explorativem Charakter
mittels standardisierter Online-Erhebung (Lime-Survey; Juni–Juli 2025).Nach systematischer Datenbereinigung verbleiben 94 auswertbare Datensätze aus
13 Bundesländern (Netto-Rücklaufquote: 9,2%). 78,7% der Kliniken verfügen
über Unterstützungsangebot. 70,3% stellen Angebote für alle drei Zielgruppen
– Patient:innen, Zu- und Angehörige sowie Mitarbeitende – bereit. Die
Teamzusammensetzung ist überwiegend interdisziplinär. Die
Bedarfseinschätzung für mitarbeitendenspezifische Angebote fällt mit 47,5%
niedriger aus als für Patient:innen (64,6%) und Zu- und Ange-hörige (66,7%).
Als Implementierungsbarrieren wurden finanzielle Ressourcen, Personalmangel
und fehlende Refinanzierungsmöglichkeiten genannt. Die Rücklaufquote und regionale Verteilung schränken die Generalisierbarkeit
ein. Der Feldzugang war aufgrund fehlender Systematisierung und heterogener
Organisationsstrukturen erschwert. Eine formale Validitäts- und
Reliabilitätsprüfung erfolgte nicht, jedoch wurde der Erhebungsbogen
iterativ mittels Pretests optimiert.Die Studie zeigt eine erhebliche Heterogenität vorhandener KKI- und
PSU-Strukturen. Es besteht Handlungsbedarf für verbindliche Definitionen,
Qualitätsstandards und nachhaltige Finanzierungsmodelle.
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