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„Circularity is a must“: Interview zur IFAT mit Philipp Eisenmann

04. Mai 2026 um 07:36

Die IFAT Munich gilt als Gradmesser der internationalen Umweltbranche. Wie hat sich die Messe inhaltlich und thematisch mit dem globalen Wandel hin zu Kreislaufwirtschaft und Klimaneutralität entwickelt? 

Die IFAT feiert 2026 ihr 60-jähriges Bestehen – und spiegelt seit sechs Jahrzehnten die Entwicklung der Branche wider. Was einst als Fachmesse für klassische Abwassertechnik begann, ist heute die weltweit führende Plattform für ganzheitliche Ressourcen- und Infrastrukturkonzepte. Im Mittelpunkt stehen längst integrierte Wertschöpfungsketten, resiliente Infrastrukturen und zirkuläre Geschäftsmodelle. Unter dem Leitmotiv „Circularity is a must“ machen wir deutlich: Circularity ist weit mehr als nur Umweltschutz. Es ist strategische Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz. 

Umwelttechnologien sind längst kein Nischensegment mehr, sondern ein zentraler Innovationsmotor. Wo sehen Sie derzeit die stärksten Impulse – technologisch, politisch und wirtschaftlich? 

Technologisch erleben wir enorme Fortschritte bei der Rückgewinnung hochwertiger Sekundärrohstoffe, bei energieeffizienten Verfahren in der Wasser- und Abwasserbehandlung sowie bei der Integration von KI in Betriebsprozesse. Politisch sehen wir einen klaren Fokus auf Ressourcensicherheit, Dekarbonisierung und resilienten Infrastrukturen. Wirtschaftlich wird deutlich: Unternehmen investieren zunehmend in zirkuläre Geschäftsmodelle, weil sie Risiken in Lieferketten reduzieren und unabhängiger von volatilen Rohstoffmärkten werden wollen. Umwelttechnologien sind damit längst zu einem Stabilitäts- und Wachstumsmotor geworden. 

Digitalisierung und Datenmanagement spielen zunehmend eine Schlüsselrolle in der Wasser- und Abfallwirtschaft. Wie prägt dieser Wandel das Profil der IFAT Munich 2026? 

Die Digitalisierung verändert die Branche grundlegend. Digitale Zwillinge, KI-gestützte Prozessoptimierung, Sensorik in Echtzeit oder digitale Produktpässe machen Stoffströme transparent und steuerbar. Auf der IFAT Munich 2026 wird dieser Wandel in allen Hallen sichtbar: von intelligenten Abfallsammelsystemen über vernetzte Kläranlagen bis hin zu datenbasierten Plattformlösungen für Kommunen und Industrie. Wir verstehen Digitalisierung nicht als Add-on, sondern als Enabler für Effizienz, Nachweisbarkeit und Skalierbarkeit zirkulärer Prozesse. 

Die IFAT ist ein Treffpunkt für Entscheidungsträger weltweit. Welche neuen internationalen Partnerschaften oder Initiativen spiegeln den globalen Charakter der Messe besonders eindrucksvoll wider? 

Die IFAT Munich bringt wichtige Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und kommunaler Praxis zusammen. Stärker als bisher bilden wir die europäische Ebene ab. Dies zeigt sich auch darin, dass neben Bundesumweltminister Carsten Schneider auch EU-Kommissarin Jessika Roswall die Messe eröffnen wird. Wir erwarten aber auch darüber hinaus zahlreiche Delegationen und Minister aus dem Ausland.  

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Welche Rolle wird die IFAT Munich in den nächsten fünf bis zehn Jahren bei der Umsetzung weltweiter Umweltziele spielen?  

Sie wird noch stärker als Umsetzungsplattform wahrgenommen werden – als globale Instanz, die politisch-strategische Zielsetzungen in die Machbarkeit überführt. Dabei sind die grundlegenden strategischen aus meiner Sicht klar vorgezeichnet: In den kommenden Jahren wird es darum gehen, zirkuläre Lösungen schneller in den Markt zu bringen sowie Infrastrukturen klimafest und resilient zu machen. Die IFAT Munich wird dabei nicht nur Trends abbilden, sondern aktiv Impulse setzen – als globaler Marktplatz, Netzwerk und Taktgeber einer Branche, die für wirtschaftliche Stabilität und nachhaltige Entwicklung gleichermaßen steht. 

 

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der WaterSoutions. Holen Sie sich Ihr Exemplar auf der IFAT am Stand des Vulkan Verlags B2.300.

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Wussten Sie schon wie unverzichtbar Wasserresilienz ist?

03. Mai 2026 um 14:22
Die Europäische Kommission hat eine Wasserresilienzstrategie vorgelegt, um die Wasserversorgung in Europa zu sichern, wasserbedingte Risiken besser zu bewältigen und die Wasserwirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen.
Im Mittelpunkt der Wasserresilienzstrategie steht nicht nur der Schutz der Ressource Wasser, sondern auch ihre Bedeutung für Versorgungssicherheit, Gesundheit und wirtschaftliche Stabilität. Die Strategie versteht Wasserresilienz damit als Querschnittsaufgabe für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Fakten zur Wasserwirtschaft

Die Kommission verweist auf mehrere Kennzahlen, die die wirtschaftliche und technologische Bedeutung des Sektors unterstreichen. Europa ist demnach bei Wassertechnik mit 40 Prozent aller Patentanmeldungen weltweit führend. Die Wasserindustrie erwirtschaftet laut Kommission 107 Milliarden Euro und bietet 1,7 Millionen Menschen Arbeit.

Resilienz in der öffentlichen Wasserversorgung

Im Rahmen seines Zukunftsprogramms Wasser hat der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. das Forschungsvorhaben “ResilJetzt!” abgeschlossen. Es diente dazu, die zukünftige Resilienz der öffentlichen Wasserversorgung im Klimawandel zu ermitteln, Resilienzoptionen und -potenziale im Hinblick auf wasserwirtschaftliche Infrastrukturen zu analysieren und weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit zu untersuchen.
Als Projektergebnis wurden praxisnahe technische und organisatorische Resilienzoptionen identifiziert:
  • Sicherung und Erhöhung der Ressourcenverfügbarkeit
  • Anschluss an bzw. Gründung von Versorgungsverbünden
  • Nutzung von Fernwasser
  • Sicherung bzw. Ausbau von Speicherkapazitäten
  • Bewusstseinssteigerung der Bevölkerung für den Wert von Wasser und Daseinsvorsorge
  • Anpassung rechtlicher Instrumente
  • Austausch und Kooperation zwischen Kommunen und Wasserversorgungsunternehmen
  • Erhöhung personeller Kapazitäten in den Behörden
  • Dynamische Wasserentgelte, wie zum Beispiel saisonale Tarife.

Wasserresilienz in der Stadt

Quelle: AdobeStock/Fisnanda

München will die Fußgängerzone mit mehr als 150 neuen Bäumen klimafester machen, damit die Innenstadt an heißen Sommertagen stärker verschattet und gekühlt wird.

Der Kölner Smart-City-Anbieter dataMatters hat ein urbanes Bewässerungssystem entwickelt, bei dem die Bäume per Funk mitteilen, wann sie wieviel Wasser benötigen. Dadurch kann die Stadt gezielte Gießrouten fahren, statt pauschal alles zu bewässern. „Urban Tree Intelligence“ heißt das Konzept, das dataMatters bereits in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz gebracht hat.
„Städte sind Brennpunkte des Klimawandels. Sie verbrauchen rund 80 % der weltweiten Energie, verursachen mehr als 70 % der CO2-Emissionen – und leiden gleichzeitig am stärksten unter den Folgen: Hitzewellen, schlechte Luftqualität, überhitzte Plätze und ein zunehmender Verlust an Lebensqualität. In diesem Kontext sind Stadtbäume, wie sie München plant, weit mehr als nur grüne Kulisse. Sie sind natürliche Klimaanlagen, CO2-Speicher und Lebensraum in einem“, sagt Dr. Daniel Trauth.
So kann ein einziger, ausgewachsener Laubbaum an einem heißen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser verdunsten; das entspricht einer Kühlleistung, die spürbar die Umgebungstemperatur senkt. Gleichzeitig bindet ein Baum über sein Leben hinweg mehrere Tonnen CO2, filtert Feinstaub und bietet Schatten auf über 150 Quadratmetern Fläche.
„Doch all diese Leistungen stehen auf einem Fundament, das viel zu oft unterschätzt wird – Wasser“, erläutert Dr. Daniel Trauth die Bedeutung des datenbasierten und KI-gestützten Bewässerungssystems seines Unternehmens.

Neugierig geworden? Mehr dazu lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe gwf Wasser/Abwasser 5/26

Zukunftslösung Schwammstadt?

Wie Wasser sich auf die Resilienz von Städten auswirkt, haben wir für Sie in den BlueFacts unserer Zeitschrift WaterSolutions zusammengestellt.

Besuchen Sie uns gerne auf der IFAT in Halle B2. Stand 300 und sichern Sie sich Ihr Exemplar.

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Der Zopf des Grauens

20. Februar 2026 um 08:30

Auch wenn es fast an Kunst erinnert: So sollte es dort wirklich nicht aussehen. Feuchttücher, die sich zu unzerstörbaren Klumpen verbünden, Wattestäbchen als Rohrkiller, Hygieneartikel, Essensreste und Zigarettenstummel – sie alle überfordern Kanäle und Kläranlagen und treiben Entsorgungsbetriebe in teure Notfälle. Um auf immer größere Mengen an Müll im Abwasser aufmerksam zu machen, rief die Stadtentwässerung Dresden im Januar 2017 zu einem Reimwettbewerb auf. Dort hieß es dann acht Wochen lang „Reimscheißen statt Reinschmeißen“.

Titelthema: Abwasserbehandlung

In der Februarausgabe der gwf Wasser|Abwasser stehen Kläranlagen, besonders aber das Thema Abwasserbehandlung im Mittelpunkt.

Kläranlagen spielen eine zentrale Rolle für Umwelt und Gesellschaft. Sie reinigen täglich riesige Mengen Abwasser und verhindern, dass Schadstoffe in Flüsse und Böden gelangen. Die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie, KARL, wartet mit teils vollkommen neuen Anforderungen und Herausforderungen für die Wasserwirtschaft auf.

Zur neuen Ausgabe gwf wasser|Abwasser

 

Manchmal landen Dinge in der Kläranlage – das glaubt man gar nicht: Uhren, Gebisse, Spielzeugautos, Handys … Eher unwahrscheinlich, dass diese Gegenstände mit Absicht in der Toilette landen. Vieles, was nicht ins Klo gehört, wird jedoch völlig bewusst runtergespült. Und dann wird’s richtig eklig! Der Entsorgungsverband Saar zeigt, was so alles aus der Kanalsystem gefischt werden muss.

Um massiven Verschmutzungen entgegenzuwirken rief die Stadtentwässerung Dresden im Januar 2017 zu einem Reimwettbewerb auf. Unter dem Motto „Reimscheißen statt Reinschmeißen“ machte sie auf die immer größere Müllmenge im Abwasser aufmerksam. 8 Wochen lang konnte zum Thema „Kein Müll ins Klo“ gereimt werden. Insgesamt wurden fast 400 Reime und Gedichte eingesandt.

Mehr zum Reimscheißer-Wettbewerb

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Pharma- und Kosmetikindustrie ohne Erfolg vor dem EuG: Gericht stützt Rechtsauffassung von BDEW und VKU

19. Februar 2026 um 15:17

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßen die Entscheidung des Gerichts der Europäischen Union (EuG), die Klagen der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie gegen zentrale Elemente der novellierten Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) als unzulässig abzuweisen. Damit folgt das Gericht der Rechtsauffassung von BDEW und VKU, die sich im Verfahren als Streithelfer positioniert hatten.

Gericht bestätigt erweiterte Herstellerverantwortung

Insgesamt hatten 16 Verfahren, zusammengefasst in drei Hauptverfahren, das Ziel, die in der Richtlinie festgeschriebene erweiterte Herstellerverantwortung aufzuheben. Diese verpflichtet erstmals auch Hersteller von Arznei- und Kosmetikprodukten, sich an den Kosten der sogenannten vierten Reinigungsstufe in Kläranlagen zu beteiligen. Also an der Entfernung von Mikroschadstoffen, die aus ihren Produkten stammen.

Die Gerichtsentscheidung entspricht der Rechtsauffassung von BDEW und VKU, wonach die Klagen vor dem europäischen Gericht keinen Bestand haben konnten. Vor diesem Hintergrund hatten die beiden Verbände den Streitbeitritt vor dem Europäischen Gericht gegen die Klagen der Pharma- und Kosmetikindustrie beantragt.

Meilenstein für Umweltökonomie und Gewässerschutz

Nach Auffassung von BDEW und VKU markiert die Gerichtsentscheidung einen umweltökonomischen Meilenstein für den Gewässer- und Gesundheitsschutz in Europa. Sie setze das Verursacherprinzip konsequent um und lege die Grundlage für eine nachhaltigere Finanzierung der Abwasserreinigung in Europa. Entscheidend sei nun, dass Deutschland die überarbeiteten EU-Vorgaben zügig und ohne nationale Sonderregelungen in nationales Recht überführt.

Appell an die Industrie: Vom Klagen zum Mitgestalten

Die beiden Verbände rufen die Pharma- und Kosmetikindustrie dazu auf, ihre bisherige Abwehrhaltung aufzugeben und sich aktiv an der Umsetzung der Richtlinie zu beteiligen. „Die Richtlinie ist beschlossen – jetzt ist die Zeit für Dialog und gemeinsame Verantwortung“, betonen BDEW und VKU. Sie fordern die pharmazeutische und kosmetische Industrie auf, sich aktiv und konstruktiv an der Umsetzung zu beteiligen sowie Verantwortung für die von ihnen verursachten Spurenstoffe zu übernehmen.

 


Quelle: BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

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