Besonders deutlich wurde auf der IFAT 2026, dass die Wasserwirtschaft zunehmend als strategischer Standortfaktor verstanden wird. In der Welcome Lounge von DVGW und DWA diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wasserwirtschaft darüber, wie Versorgungssicherheit, Klimaanpassung und wirtschaftliche Stabilität künftig zusammengedacht werden müssen. Die Botschaft der technisch-wissenschaftlichen Spitzenverbände war klar: Eine resiliente Wasserwirtschaft braucht nicht nur Innovationen, sondern auch verlässliche politische Rahmenbedingungen, langfristige Finanzierung und beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber verwies auf das novellierte Wassergesetz und den Wassercent als Instrumente, um der Ressource Wasser einen klareren Wert zu geben.
Nordrhein-Westfalens Umweltminister Oliver Krischer betonte: „Wir haben Wasser zu lange als selbstverständlich betrachtet. Dabei ist es eine unverzichtbare Lebensgrundlage und eine begrenzte Ressource. Eine leistungsfähige Wasserwirtschaft ist entscheidend, um diese Ressource nachhaltig zu sichern. Nur so können wir unsere Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft resilient und zukunftsfähig aufstellen. In Nordrhein-Westfalen verankern wir diesen Anspruch in der Zukunftsstrategie Wasser NRW vorausschauend und langfristig.“
Auch Dunja Kreiser, wasserpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, hob hervor, dass resiliente Wasserinfrastruktur Grundlage für Versorgungssicherheit, Klimaanpassung und wirtschaftliche Stabilität sei.
DWA-Präsident Prof. Uli Paetzel brachte die strategische Bedeutung der Branche auf den Punkt: „Nur eine resiliente Wasserwirtschaft schafft Handlungssicherheit für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft. Wasser ist ein Stabilitäts- und Zukunftsfaktor unseres Landes, Wasser muss bei politischen Entscheidungen zentral mitgedacht werden.“
Dr. Dirk Waider, DVGW-Vizepräsident Wasser, warnte zugleich vor künftigen Nutzungskonkurrenzen, wenn angesichts des Klimawandels und wachsender Regionen nicht rechtzeitig politische Vorsorge getroffen werde. Damit wurde auf der IFAT deutlich: Die Wasserwirtschaft ist nicht nur technischer Dienstleister, sondern Kern kritischer Infrastruktur.
Interview mit Dirk Waider
Auch die Messe München zog eine positive Bilanz. Stefan Rummel, CEO der Messe München, bezeichnete Kreislauf- und Wasserwirtschaft als systemrelevante Zukunftsbranchen. Die IFAT habe gezeigt, wie wichtig der Wissenstransfer zwischen Unternehmen, Politik, Kommunen und Verbänden sei. Bundesumweltminister Carsten Schneider unterstrich auf der Messe, Umwelttechnologien seien eine Voraussetzung für Souveränität, Sicherheit und Wohlstand.
Branchenüberblick
Die Branchenzahlen des VDMA zeigten parallel ein differenziertes wirtschaftliches Bild. Während einzelne Weltmärkte schwächeln, gewinnt Europa als Absatz- und Wachstumstreiber an Bedeutung. In der Abfall- und Recyclingtechnik erwarten die Hersteller für 2026 ein nominales Umsatzwachstum von 2,3 Prozent und einen Orderzuwachs von 4,5 Prozent. Rund 60 Prozent der Exporte dieser Branche sollen 2026 auf EU-Staaten entfallen.
Für die Wasser- und Abwassertechnik, eine Teilbranche der Verfahrenstechnik, meldete der VDMA für 2025 ein Exportplus von 5,6 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Gleichzeitig gingen die Ausfuhren in den ersten beiden Monaten 2026 um 5,3 Prozent zurück; besonders schwach entwickelte sich der US-Markt mit einem Exportrückgang von 17,9 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich: Die Umwelttechnik bleibt ein Wachstumsfeld, ist aber nicht immun gegen geopolitische Unsicherheiten, hohe Energiepreise, Investitionszurückhaltung und schwierige Standortbedingungen.
Kreislaufwirtschaft und Resilienz

Messe München CEO Stefan Rummel begrüßte rund 3.400 Aussteller in München. Sein Fazit: „Die Rekordbeteiligung auf der IFAT Munich 2026 zeigt deutlich: Kreislauf- und Wasserwirtschaft hat Systemrelevanz und ist die nächste globale Schlüsselindustrie.“ (Quelle: Messe München GmbH)
Ein zentrales Thema der IFAT war die Kreislaufwirtschaft. Eine auf der Messe vorgestellte Studie der Boston Consulting Group im Auftrag des BDI beziffert das Potenzial der zirkulären Bruttowertschöpfung in Deutschland auf bis zu 125 Milliarden Euro im Jahr 2045 — gegenüber heute rund 60 Milliarden Euro. Kumuliert könnten sich zusätzliche Wertschöpfungseffekte bis 2045 auf bis zu 880 Milliarden Euro summieren.
Gleichzeitig wurde in München sichtbar, dass Resilienz nicht allein eine Frage der Technik ist. Wasser- und Abwassersysteme müssen künftig sowohl gegen Extremwetter wie Starkregen, Überschwemmungen, Hitze und Wassermangel als auch gegen gezielte Eingriffe, Sabotage oder Cyberangriffe geschützt werden. Die IFAT rückte damit die Frage in den Vordergrund, wie Infrastrukturen nicht nur effizienter, sondern auch widerstandsfähiger werden können.
Für DVGW und DWA ergibt sich daraus ein klarer Auftrag an die Politik: Die Nationale Wasserstrategie müsse nun zügig und praxisnah umgesetzt werden. Bereits mit ihrer Roadmap 2030 hatten die Verbände einen Fahrplan für die Zukunft der Wasserwirtschaft vorgelegt. Entscheidend seien nun modernisierungsfreundliche Rahmenbedingungen, eine gesicherte Finanzierung sowie gezielte Forschungs- und Fördermaßnahmen.
Die IFAT Munich 2026 hat damit mehr gezeigt als neue Maschinen, Verfahren und digitale Lösungen. Sie war ein politisches und wirtschaftliches Stimmungsbild einer Branche, deren Bedeutung wächst. Wasser, Abwasser, Recycling und Kreislaufwirtschaft sind Schlüsselbereiche für Klimaanpassung, Ressourcensicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Die nächste IFAT Munich findet vom 29. Mai bis 1. Juni 2028 statt.
Quellen: DVGW, VDMA, DWA, IFAT
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