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Intelligente Steuerung für die Küstenentwässerung

16. Juli 2026 um 12:13

Funktionierende Entwässerungssysteme sind für den Schutz von Siedlungen, Verkehrswegen und landwirtschaftlichen Flächen in Küstenregionen unverzichtbar. Gleichzeitig erhöhen der Klimawandel, steigende Energiepreise und der wachsende Wasserbedarf der Industrie den Druck auf das bestehende Wassermanagement. Im Verbundprojekt „ForeCoast“ entwickelt die Technische Universität Braunschweig deshalb ein intelligentes Wasser- und Energiemanagementsystem, das Hochwasserschutz, Energieeffizienz und Versorgungssicherheit miteinander verbindet. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben mit rund 1,5 Millionen Euro.

Kern des Projekts ist ein neues Steuerungsmodell für Siele und Schöpfwerke, die das Deichhinterland entwässern. Es verknüpft hydrometeorologische Vorhersagen, Wasserbedarfsprognosen sowie Informationen über die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, Strompreise und Netzbedingungen. So soll der Entwässerungsbetrieb künftig vorausschauend und datenbasiert gesteuert werden – unter Berücksichtigung ökologischer und wirtschaftlicher Anforderungen.

„Wir wollen aus komplexen Daten konkrete, umsetzbare Entscheidungen für den Betrieb von Schöpfwerken ableiten – in Echtzeit und über verschiedene Planungshorizonte hinweg“, sagt Projektleiter Professor Kai Schröter vom Leichtweiß-Institut für Wasserbau der TU Braunschweig.

Küstenniederungen stehen vor neuen Herausforderungen

Rund 12.000 Quadratkilometer Land an der deutschen Nordseeküste liegen weniger als 2,5 Meter über Normalhöhennull. Diese Flächen besitzen große Bedeutung für Wirtschaft, Industrie und Landwirtschaft und sind auf eine zuverlässige Entwässerung angewiesen. Allein in Niedersachsen und Schleswig-Holstein übernehmen mehr als 860 Siele und Schöpfwerke diese Aufgabe und verbrauchen dafür jährlich rund 80 Gigawattstunden Strom.

Bislang basiert der Betrieb der Anlagen überwiegend auf lokaler Erfahrung sowie der Einschätzung von Wetter- und Gezeitenprognosen. Mit steigenden Meeresspiegeln, häufigeren Starkregenereignissen sowie veränderten Tide- und Sturmflutverhältnissen wächst jedoch der Bedarf an Pumpenergie. Gleichzeitig gewinnt Wasser aus Oberflächengewässern zunehmend an Bedeutung, etwa für die Wasserstoff- und Batterieproduktion.

Hier setzt „ForeCoast“ an: Erstmals werden Wasser- und Energiesektor in einem integrierten Steuerungssystem systematisch miteinander verbunden. Wissenschaftliche Modellierung, energiewirtschaftliche Analysen und praktische Betriebserfahrung fließen dabei zusammen.

Gemeinsam entwickeln die Technische Universität Braunschweig, die Leuphana Universität Lüneburg, die Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth, NAECO Blue sowie der Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen ein System, das wasser- und energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen simuliert, Unsicherheiten bewertet, Entwässerungsanlagen optimiert steuert, Speicherpotenziale und künftige Wasserbedarfe berücksichtigt und unter realen Bedingungen erprobt.

Datenbasierte Entscheidungen für den Betrieb

Grundlage des Systems sind unter anderem Verfahren des maschinellen Lernens, prozessbasierte Simulationen sowie Optimierungsmethoden unter Unsicherheit. Dadurch soll der Entwässerungsbetrieb künftig flexibler und vorausschauender gesteuert werden.

Das System unterstützt unter anderem:

  • die dynamische Anpassung von Pumplaufzeiten an Strompreise und die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien,
  • die Senkung der Energiekosten,
  • einen netzdienlichen Betrieb zur Stabilisierung des Stromnetzes,
  • die Einhaltung der Zielwasserstände und den Hochwasserschutz sowie
  • die bedarfsgerechte Wasserbereitstellung für Landwirtschaft und Industrie.

Ergänzend bewertet ein integriertes Risikomanagement unterschiedliche Handlungsoptionen und schafft belastbare Entscheidungsgrundlagen für Betreiber und Behörden.

Erprobung an zwei Pilotstandorten

Die Praxistauglichkeit des Systems wird an zwei Standorten demonstriert: in Brunsbüttel-Süd in Schleswig-Holstein, einem wichtigen Industrie- und Wasserstoffstandort, sowie am Siel und Schöpfwerk Knock in Niedersachsen, das eines der größten Entwässerungsgebiete des Bundeslandes versorgt.

Mit seinem Ansatz trägt „ForeCoast“ dazu bei, die Wechselwirkungen zwischen Wasser- und Energiesystemen besser zu verstehen und Lösungen für eine klimaangepasste und nachhaltige Infrastrukturentwicklung zu entwickeln. Damit unterstützt das Projekt zugleich die Ziele der Hightech Agenda Deutschland und der Nationalen Wasserstrategie.


Quelle: Neue Wege für die Entwässerung von Küstenregionen

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Wenn die Heimat im Giftsee versinkt

16. Juli 2026 um 11:00

Matthäus, zuallererst eine Frage, die mir keine Ruhe gelassen hat: Was ist mit Păuna, der Kuh von Valeria, passiert?

Matthäus Wörle: Diese Frage bekomme ich oft zu hören. Păuna hatte gesundheitliche Probleme, die vermutlich mit dem belasteten Grundwasser zusammenhingen. Grund für ihren Tod war allerdings ein Sturz im Stall, bei dem sie sich ein Hinterbein brach. Für ein so großes Tier bedeutete das leider das Ende.

Für Valeria, der Protagonistin des Films, ein herber Schlag.

Ja, die Tiere bedeuten ihr viel und Păuna war für sie ein Familienmitglied.

Der Film erzählt die Geschichte des Dorfes Geamăna mit einem starken persönlichen Fokus auf Valeria, einer der letzten Bewohnerinnen des Dorfes. Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Film über dieses Dorf und den giftigen See zu drehen?

Ich habe mich schon immer für Umweltthemen interessiert. Während meines Studiums suchte ich nach einem geeigneten Filmstoff und stieß bei meinen Recherchen auf Bilder dieses Ortes. Die Landschaft mit ihren ungewöhnlichen Farben hat mich sofort fasziniert. Als ich 2020 zum ersten Mal dorthin fuhr, wurde mir schnell klar, dass hinter diesen Bildern eine viel größere Geschichte steckt.

War sofort klar, dass Valeria die Hauptfigur des Films werden würde?

Nicht sofort. Ich habe viele Menschen getroffen und zahlreiche Gespräche geführt. Bei Valeria hatte ich aber schnell das Gefühl, dass ihre Geschichte weit über die Umweltproblematik hinausgeht. Ihre Geschichte verbindet viele Ebenen: Umweltzerstörung, Vertreibung, Verlust von Heimat und die wirtschaftliche Abhängigkeit einer ganzen Region vom Bergbau. Durch sie konnte ich zeigen, welche konkreten Auswirkungen die Umweltprobleme auf das Leben der Menschen haben.

Im Film wirkt es so, als hätte die Geschichte nur wenige Monate umfasst. Wie lange hast du tatsächlich gedreht?

Insgesamt hat das gesamte Filmprojekt vier Jahre gedauert – von der ersten Recherche bis zum fertigen Film. Die ersten Aufnahmen entstanden 2020, die letzten 2022. Ich war immer wieder für längere Zeit vor Ort. Allein die Dreharbeiten erstreckten sich über etwa zwei Jahre.

Das Dorf Geamăna in den rumänischen Karpaten wurde Ende der 1970er-Jahre unter dem kommunistischen Regime für den Bau eines Absetzbeckens des nahegelegenen Kupferbergwerks Roșia Poieni enteignet. Die versprochene Umsiedlung blieb jedoch weitgehend aus: Stattdessen mussten die Bewohner ihre Heimat nach und nach verlassen, als der mit Rückständen aus dem Kupferabbau gefüllte Schlammsee immer weiter anstieg. Viele blieben bis zuletzt und gingen erst, als das Wasser bereits an ihren Häusern stand. Die Entschädigungen fielen meist gering aus. Heute ragt nur noch der Kirchturm aus dem toxischen Schlammsee heraus und erinnert an eines der größten Umweltunglücke Rumäniens. Das Kupfebergwerk Roșia Poieni zählt noch immer zu den größten Kupferlagerstätten Europas

Eindrucksvoll ist auch das historische Archivmaterial, dessen Einspielungen zeigen, als wie „ungefährlich“ die Einleitungen des Kupferbergwerks dargestellt wurden. Wie bist du an das Material gelangt?

Wir haben im Archiv des rumänischen Fernsehens gezielt nach Material gesucht. Die Nutzung solcher Aufnahmen ist allerdings sehr teuer. Deshalb mussten wir sehr genau auswählen, welche Szenen wir tatsächlich verwenden.

Welche Rolle spielt das Kupferbergwerk für die Region?

Das Kupferbergwerk ist nach wie vor einer der wichtigsten Arbeitgeber der Gegend. Rund 700 Menschen arbeiten dort. Deshalb ist die Situation sehr komplex. Viele Bewohnerinnen und Bewohner wissen um die ökologischen Probleme, sind aber gleichzeitig wirtschaftlich auf das Bergwerk angewiesen. Mir war wichtig, diese Ambivalenz im Film sichtbar zu machen und keine einfachen Schuldzuweisungen vorzunehmen.

Konntest du auch mit Vertretern des Kupferbergwerks sprechen?

Ja, allerdings nur unter schwierigen Bedingungen. Viele Menschen wollten nicht öffentlich vor der Kamera auftreten. Selbst Gespräche mit Verantwortlichen fanden eher im Hintergrund statt. Das zeigt bereits, wie sensibel das Thema vor Ort ist.

Im Zentrum des Films steht der See. Wie hat sich dieser während deiner Dreharbeiten verändert?

Die Veränderungen waren enorm. Als ich mit den Dreharbeiten begann, lag der See noch etwa 50 Meter vom Haus meiner Protagonistin entfernt. Bereits ein Jahr später war das Wasser deutlich näher gerückt. Der See steigt jedes Jahr um etwa ein bis eineinhalb Meter an. Am Ende der Dreharbeiten war klar, dass Valerias Grundstück langfristig verschwinden wird.

Wodurch wächst der See überhaupt weiter an?

In den See gelangen kontinuierlich Rückstände aus dem Bergbau sowie Wasser aus umliegenden Bergbächen. Solange im Kupferbergwerk weiter gearbeitet wird, wächst auch der See weiter. Nach Aussagen der Betreiber soll der Abbau noch mindestens zwei Jahrzehnte fortgesetzt werden.

Wie stark ist die Umwelt vor Ort belastet?

Matthäus Wörle, geboren 1991 in Weilheim, studierte Journalistik in Eichstätt-Ingolstadt und Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Nach einem Videojournalismus-Stipendium der Mediaschool Bayern arbeitete er unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, den Bayerischen Rundfunk und Nautilusfilm. Heute ist er als freier Regisseur und Videojournalist tätig. Seine Filme wurden national und international auf Festivals gezeigt und ausgezeichnet.

Die Auswirkungen sind mit bloßem Auge sichtbar. Der See enthält Abraum und Rückstände aus dem Kupferabbau. Es gab in der Vergangenheit sogar Vorfälle, bei denen Teile eines Damms brachen und belastetes Wasser in Flüsse gelangte. Die Folgen waren bis nach Ungarn spürbar. Für mich war die Situation so offensichtlich, dass ich im Film bewusst auf viele wissenschaftliche Kennzahlen verzichtet habe.

Warum?

Ich wollte keinen klassischen Fernsehbeitrag mit vielen Zahlen produzieren. Für mich spricht die Landschaft bereits für sich selbst. Die Farben des Sees sind Warnsignale. Der Film ist ein dokumentarisches Porträt. Mich interessiert vor allem die menschliche Perspektive. Ich wollte, dass das Publikum gemeinsam mit Valeria erlebt, was der Verlust von Heimat bedeutet. Ich glaube, dass persönliche Geschichten oft stärker wirken als reine Fakten.

Was sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer aus dem Film mitnehmen?

Vor allem die Erkenntnis, dass Umweltprobleme immer auch gesellschaftliche und menschliche Folgen haben. Es geht nicht nur um verschmutztes Wasser oder steigende Pegelstände, sondern um die Frage, wie Menschen mit dem Verlust ihrer Heimat umgehen und welche Verantwortung wir als Gesellschaft tragen.

Arbeitest du bereits an einem neuen Projekt?

Ja. Mein aktueller Film beschäftigt sich mit Seeleuten, die von Reedereien mitsamt ihren Schiffen auf den Weltmeeren zurückgelassen werden. Das ist ein großes soziales und ökologisches Problem, über das kaum berichtet wird.

Davon hört man tatsächlich nur sehr wenig.

Das liegt auch daran, dass diese Geschichten schwer zugänglich sind. Viele Ereignisse spielen sich weit entfernt von der Öffentlichkeit ab, und Dreharbeiten sind oft schwierig.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Matthäus. Wir freuen uns bereits auf deinen neuen Film.

Zum Film „where we used to sleep“

Der Film wird zudem am 27. Juli 2026 auf 3sat ausgestrahlt.


Das Interview führte Sina Ruhwedel.

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Bundesweites Informationssystem bündelt Niedrigwasserdaten

15. Juli 2026 um 11:10

Mit dem Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS steht seit dem 15. Juli 2026 erstmals ein bundesweites Informationsangebot zur aktuellen Niedrigwassersituation in Deutschland zur Verfügung. Betrieben wird das System von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Ziel ist es, eine einheitliche und vergleichbare Datengrundlage für Bundes- und Landesbehörden, Wirtschaft, Wissenschaft sowie die Öffentlichkeit bereitzustellen.

NIWIS bündelt und visualisiert Messdaten zu Wasserständen, Abflüssen, Grundwasserständen, Quellschüttungen und Niederschlagsverhältnissen. Durch die Kombination räumlicher Analysen und zeitlicher Auswertungen lassen sich Niedrigwasserereignisse schnell überregional bewerten. Interaktive Karten, statistische Kennwerte und historische Vergleiche erleichtern die Einordnung der aktuellen Lage.

Ergänzung bestehender Landesangebote

Das System ergänzt bestehende Informationsangebote der Bundesländer und macht Messdaten erstmals auf Bundesebene sichtbar. Regionale Portale bleiben weiterhin relevant, da sie detailliertere Informationen mit höherer räumlicher Auflösung liefern.

Zusätzlich stellt NIWIS Hintergrundinformationen zum Thema Niedrigwasser bereit und trägt dazu bei, hydrologische Daten und wissenschaftliche Analysen verständlich aufzubereiten.

 

Die Startseite fasst die aktuelle Niedrigwassersituation kompakt zusammen. Quelle: NIWIS

Steigender Bedarf durch Klimaveränderungen

Veränderungen der globalen Zirkulationsmuster erhöhen in Mitteleuropa die Wahrscheinlichkeit von langanhaltenden Trocken- und Niedrigwasserphasen. Diese Entwicklungen stellen Wasserwirtschaft, Schifffahrt, Landwirtschaft, Ökologie und Trinkwasserversorgung vor zunehmende Herausforderungen.

Vor diesem Hintergrund wächst der Bedarf an verlässlichen, einheitlich bewerteten und tagesaktuellen Informationen zum Wasserdargebot. NIWIS schafft hierfür eine zentrale Wissensbasis und erleichtert die Entscheidungsfindung für unterschiedliche Akteure.

Für die Schifffahrt und die Bundeswasserstraßen bietet das System ein belastbares Lagebild sowie eine vergleichbare Bewertung der Niedrigwassersituation über verschiedene Gewässer hinweg. Damit dient NIWIS auch als fachliche Grundlage für Management- und Kommunikationsprozesse.

Entwicklung im Verbund von Bund und Ländern

Das Informationssystem wurde in Zusammenarbeit mit Bundes- und Landesbehörden innerhalb der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) entwickelt. Es ist Teil der Nationalen Wasserstrategie des BMUKN.

Mit NIWIS übernimmt die BfG eine zentrale Rolle als nationales Datenzentrum „Wasser“ und bringt ihre Expertise im Datenmanagement sowie in der wissenschaftlichen Analyse ein. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern ermöglicht eine übergreifende Bereitstellung von Informationen zum Niedrigwassermanagement.

Ausbau und zukünftige Erweiterungen

Dank des modularen Aufbaus kann das System kontinuierlich weiterentwickelt werden. Geplant ist die Integration zusätzlicher Parameter, Modelldaten sowie eine geografische Erweiterung über Deutschland hinaus. Auch Rückmeldungen der Nutzenden sollen in zukünftige Anpassungen einfließen.

Die Datengrundlage umfasst derzeit Messwerte aus rund 350 Messstellen an Oberflächengewässern sowie etwa 200 Grundwassermessstellen. Ergänzt werden diese durch hydrometeorologische Daten des Deutschen Wetterdienstes.

Mit NIWIS steht damit erstmals eine zentrale Plattform zur Verfügung, die umfassende und vergleichbare Informationen zur Niedrigwassersituation in Deutschland bereitstellt und den Umgang mit Wasserknappheit unterstützt.

Zu NIWIS

Quelle: BfG – Aktuelles – Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS gestartet

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Extremhitze bringt Flüsse an ihre Belastungsgrenze

15. Juli 2026 um 07:42

 

Die Hitzewelle im Juni 2026 zählt zu den außergewöhnlichsten Wetterereignissen, die Europa bislang erlebt hat. In zahlreichen Ländern wurden neue Temperaturrekorde gemessen, vielerorts sanken die Temperaturen selbst in den Nachtstunden kaum ab. Ein interdisziplinäres Forschungsteam des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Ursachen der langanhaltenden Hitze sowie deren Auswirkungen auf Wasserhaushalt, Energieversorgung, Infrastruktur und Gesundheit untersucht.

Rekordhitze mit weitreichenden Folgen

„Die Hitzewelle hat nicht nur Rekorde gebrochen – sie tat dies zeitgleich über einen ungewöhnlich großen Teil Europas hinweg“, sagt Professor Michael Kunz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT, einer der Autoren des Berichts und Sprecher des CEDIM. „Allein in Deutschland wurden an 252 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) neue Allzeitrekorde der Tageshöchsttemperaturen verzeichnet. Europaweit zeigt unsere Analyse, dass die räumliche Ausdehnung der Juni-Hitzewelle alles übertrifft, was seit Beginn der Wetteraufzeichnung in den Datensätzen beobachtet wurde.“

Neben den außergewöhnlich hohen Tageswerten seien vor allem die warmen Nächte bemerkenswert gewesen, die Mensch und Umwelt kaum Zeit zur Erholung ließen.

„Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung waren erheblich. Das Robert Koch-Institut geht von bis zu 5 200 Sterbefällen aus“, so Kunz.

Flüsse und Ökosysteme unter Druck

Die Hitze wirkte sich nicht nur auf die Lufttemperaturen aus, sondern auch auf die Gewässer. Steigende Wassertemperaturen, sinkende Sauerstoffgehalte und früh einsetzendes Niedrigwasser belasteten Flüsse und ihre Ökosysteme erheblich. Regional kam es zu Fischsterben, zugleich verschärften sich die Einschränkungen für Schifffahrt sowie die Nutzung der Flüsse als Kühlwasserquelle.

„Im Bereich der Obermosel sank der Sauerstoffgehalt zeitweise auf nur noch 2,6 Milligramm pro Liter; vorher lag er bei rund sechs Milligramm pro Liter. Gleichzeitig überschritten Rhein und Mosel eine Wassertemperatur von über 28 Grad“, sagt der Experte. „Solche Entwicklungen gefährden Ökosysteme, beeinträchtigen die Schifffahrt und schränken die Nutzung der Flüsse als Kühlwasserquelle für Industrie und Energiewirtschaft ein.“

Wechselwirkungen erhöhen das Risiko

Aus Sicht der Forschenden sind vor allem die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Folgen der Hitze entscheidend. Während die Photovoltaik von der intensiven Sonneneinstrahlung profitierte, ging die Windstromerzeugung gleichzeitig deutlich zurück. Treffen diese Entwicklungen auf Niedrigwasser und hohe Kühlwassertemperaturen, können mehrere kritische Infrastrukturen gleichzeitig unter Druck geraten.

„Hitze erzeugt Kaskadeneffekte. Während die Photovoltaikproduktion in Deutschland im Untersuchungszeitraum vom 13. bis 29. Juni um rund 31 Prozent zunahm, ging die Windstromerzeugung gleichzeitig um fast 29 Prozent zurück“, erklärt Kunz. „Kommen diese Veränderungen mit niedrigen Flusspegeln und hohen Kühlwassertemperaturen zusammen, die den Betrieb thermischer Kraftwerke einschränken können, geraten mehrere Versorgungssysteme gleichzeitig unter Druck.“

Aus den gemeinsam mit dem CEDIM-Team erarbeiteten Ergebnissen zieht Kunz ein klares Fazit: „Genau diese Wechselwirkungen werden künftig entscheidend sein. Anhaltende Hitze ist ein Systemrisiko für Europa.“

Fünf Tipps für heiße Tage

  • Ausreichend trinken – regelmäßig Wasser oder ungesüßte Getränke trinken, auch ohne Durstgefühl.
  • Hitze meiden – körperliche Anstrengungen möglichst in die frühen Morgen- oder Abendstunden verlegen.
  • Wohnräume kühl halten – tagsüber Fenster geschlossen halten und verschatten, nachts lüften.
  • Körper kühlen – lauwarme Duschen, feuchte Tücher oder kühle Fußbäder helfen, die Körpertemperatur zu senken.
  • Besonders gefährdete Menschen im Blick behalten – ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke benötigen bei Hitze oft zusätzliche Unterstützung.

 

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Aus der Katastrophe gelernt: Wie die Flut 2021 das THW verändert hat

14. Juli 2026 um 07:26

Die ersten THW-Helferinnen und Helfer begannen bereits am 14. Juli 2021, nur wenige Stunden nachdem der Starkregen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eingesetzt hatte, Menschen aus den Fluten zu retten und Wassermassen abzupumpen. Außerdem räumten sie Treibgut und Schutt von den Straßen und stützten Bauwerke ab. Im weiteren Verlauf des Einsatzes stellten die ehrenamtlichen Einsatzkräfte kurzfristig provisorische Infrastruktur bereit; darunter Strom, Trinkwasser und Behelfsbrücken. Um das breite Einsatzspektrum abzudecken, waren erstmals in der THW-Geschichte Spezialistinnen und Spezialisten aller Typen von Teileinheiten gleichzeitig im Einsatz.

Dank und Anerkennung für das Ehrenamt

In mehr als 2,7 Millionen Einsatzstunden haben insgesamt 17.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus allen damals noch 668 THW-Ortsverbänden bundesweit der Bevölkerung vor Ort geholfen. In der Spitze waren bis zu 4.000 Einsatzkräfte gleichzeitig aktiv. Einen Einsatz dieser Größe durchzuführen, war nur durch die enorme Leistung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte möglich. Im Nachgang wurden sie dafür mit der Einsatzmedaille „Fluthilfe 2021“ ausgezeichnet.

Mit Sandsäcken bereiten die Helfer:innen die Gebiete auf neuen Regen vor. Die Fluten hatten zuvor viele Befestigungen und Deiche weggespült. (Quelle: THW/Maximilian Cjrist)

Mit Sandsäcken bereiten die Helfer:innen die Gebiete auf neuen Regen vor. Die Fluten hatten zuvor viele Befestigungen und Deiche weggespült. (Quelle: THW/Maximilian Christ)

„Dank gilt auch den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern: Dass so viele THW-Einsatzkräfte über einen so langen Zeitraum im Einsatz sind, ist nur möglich, wenn sie dafür ihre berufliche Tätigkeit ruhen lassen können“, betont die THW-Präsidentin.

Zukunftsfähig durch Lehren aus dem Einsatz

Schon während des monatelangen Einsatzes begann dessen Auswertung – mit konkreten Ergebnissen: Die Einsatzbekleidung wurde weiterentwickelt, um die Einsatzkräfte bei Unwettereinsätzen besser zu schützen. Auch in der Ausbildung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte wurden die Erfahrungen aus dem größten Einsatz der THW-Geschichte berücksichtigt. Außerdem beschaffte das THW zwölf neue, wendige Mobilkräne, die schwere Brückenbauteile und kurze Brücken im Gesamten anheben und positionieren können. In den Fuhrpark nahm das THW außerdem 66 neue geländegängige Unimogs mit Ladekran auf, die überflutete oder mit Treibgut und Schutt versperrte Wege passieren können.


Quelle: THW

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Mit moderner Technik für sauberes Trinkwasser

13. Juli 2026 um 12:32

Mit der Inbetriebnahme der Weitergehenden Aufbereitungsanlage (WAA) im Wasserwerk Halingen hat die Wasserwerke Westfalen GmbH (WWW) die Modernisierung ihrer Trinkwasseraufbereitung abgeschlossen. Zehn Jahre nach der ersten Anlage im Wasserwerk Echthausen verfügen nun alle fünf Wasserwerke des Unternehmens über zusätzliche technische Aufbereitungsstufen, die das bewährte naturnahe Verfahren ergänzen und die Trinkwasserversorgung langfristig absichern.

„Mit der heutigen Inbetriebnahme der WAA Halingen haben wir das Ende unseres Modernisierungsmarathons erfolgreich abgeschlossen. Nun stellen fünf hochmoderne Wasserwerke die Trinkwasserversorgung im Netzverbund mit Gelsenwasser und DEW21 sicher“, sagt WWW-Geschäftsführer Bernd Heinz.

160 Millionen Euro für die Trinkwasserversorgung

Insgesamt investierten Wasserwerke Westfalen gemeinsam mit den Gesellschaftern DEW21 und Gelsenwasser rund 160 Millionen Euro in die Modernisierung der Wasserwerke. Rund 40 Millionen Euro entfielen auf den Standort Halingen. Ziel der Investitionen ist es, die Versorgung auch gegenüber heute noch unbekannten mikrobiologischen oder chemischen Belastungen zukunftssicher aufzustellen.

„Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und gemeinsam übernehmen wir Verantwortung für seinen Schutz. Durch diese Investition sind wir auf heute noch nicht bekannte, möglicherweise in Zukunft neu auftretende mikrobiologische oder chemische Belastungen vorbereitet“, erklärt Peter Flosbach, Geschäftsführer von DEW21.

Auch Dr. Dirk Waider, Vorstand von Gelsenwasser, hebt die Bedeutung der Investition hervor: „Die Ruhr ist die wichtigste Trinkwasserressource in NRW. Mit der Umsetzung der erweiterten Aufbereitung sichern wir die Trinkwasserqualität für die nächste Generation. Ich bin froh, dass diese große, komplexe Investition im geplanten Budget umgesetzt wurde.“

Naturnahe Aufbereitung durch moderne Verfahren ergänzt

Mit den neuen Anlagen setzt WWW die Vorgaben des Programms „Reine Ruhr“ des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums um. Die bestehende naturnahe Wasseraufbereitung wurde um zusätzliche technische Verfahrensschritte ergänzt. Dazu zählen die Ozonung, Flockung, Mehrschichtfiltration sowie die Adsorption an Kornaktivkohle. Dadurch können unter anderem Trübstoffe, organische Verbindungen, Pflanzenschutzmittel und Medikamentenrückstände noch effektiver entfernt werden.

Auch die Nachbehandlung wurde modernisiert. Die bisherige chemische Entsäuerung wurde durch ein rein physikalisches Verfahren ersetzt. Zudem erfolgt die Desinfektion heute mittels UV-Licht, wodurch auf Chlordioxid verzichtet werden kann.

Modernisierung im Jubiläumsjahr abgeschlossen

Der Abschluss des Projekts fällt in das 25. Jubiläumsjahr der Wasserwerke Westfalen GmbH. Seit der Gründung des Unternehmens wurden die ursprünglich acht Wasserwerke schrittweise auf fünf Standorte reduziert, um Synergien zu nutzen und die Trinkwasserversorgung wirtschaftlich sowie technisch weiterzuentwickeln. Mit der Fertigstellung der WAA Halingen ist dieser Modernisierungsprozess nun abgeschlossen.

„Mit der Zusammenlegung der Wasserwerke von DEW21 und Gelsenwasser im Jahr 2001 konnte eine Fokussierung bei den Standorten erfolgen und die neuen Aufbereitungsanlagen somit im Verbund kosten-, kompetenz- und prozessoptimiert umgesetzt werden – eine echte Erfolgsgeschichte“, berichtet WWW-Geschäftsführerin Friederike Konold-Rüsel.


Quelle: Wasserwerke Westfalen

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OOWV treibt Ausbau der Infrastruktur weiter voran

08. Juli 2026 um 14:00

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat seine Investitionen in die Infrastruktur erneut erhöht. Im vergangenen Jahr flossen 107 Millionen Euro in die Wasserversorgung und weitere 58 Millionen Euro in die Abwasserbeseitigung. Das geht aus dem Jahresabschluss hervor, den die Verbandsversammlung am Dienstag beschlossen hat. Gegenüber 2024 entspricht dies einer weiteren leichten Steigerung.

Klimawandel, steigender Wasserbedarf und höhere Anforderungen an die kritische Infrastruktur prägen die Arbeit des OOWV zunehmend.

„Die Herausforderungen für die Wasserwirtschaft haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Netze, Anlagen und Werke konsequent weiterentwickeln und auf die Anforderungen der Zukunft vorbereiten“, sagte Verbandsvorsteher Sven Ambrosy. „Mit diesen Investitionen schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass die Menschen und Unternehmen im Nordwesten auch künftig auf eine sichere Wasserver- und Abwasserentsorgung vertrauen können.“

OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht verwies auf die langfristige Entwicklung: „Die Investitionen in die Wasserversorgung haben sich seit 2018 nahezu verfünffacht. Das zeigt, wie konsequent wir den Ausbau und die Modernisierung unserer Infrastruktur in den vergangenen Jahren vorangetrieben haben.“

Anhaltend hoher Wasserbedarf

Wie notwendig dieser Kurs ist, zeigt der anhaltend hohe Wasserbedarf. Die Trinkwasserabgabe lag 2025 bei 84,8 Millionen Kubikmetern – 1,1 Millionen Kubikmeter mehr als im Vorjahr und 4,3 Millionen Kubikmeter mehr als 2023.

Zu den größten Projekten zählt der Neubau des Wasserwerks Marienhafe im Landkreis Aurich. Das moderne Wasserwerk befindet sich inzwischen auf der Zielgeraden und soll die Trinkwasserversorgung in der Region langfristig sichern sowie flexibler auf künftige Anforderungen reagieren. Ein weiteres Schlüsselprojekt ist die Wassertransportleitung von Sandelermöns im Landkreis Friesland nach Diekmannshausen in der Wesermarsch. Sie soll künftig zusätzliche Möglichkeiten schaffen, Wassermengen innerhalb des Versorgungsnetzes zu verteilen und damit insbesondere in Trockenzeiten die Versorgungssicherheit weiter erhöhen.

Wie wichtig solche Maßnahmen sind, zeigte sich erst in der vergangenen Woche. Am 26. Juni gaben die 13 OOWV-Wasserwerke innerhalb von 24 Stunden 320.163 Kubikmeter Trinkwasser ab. An einem gewöhnlichen Tag liegt die Abgabemenge zwischen 220.000 und 230.000 Kubikmetern. Darüber hinaus zählt die Brauchwasseranlage Nordenham in der Wesermarsch zu den zentralen Bausteinen der Wasserstrategie des OOWV. Ziel ist es, Industrieunternehmen verstärkt mit Brauchwasser zu versorgen und so wertvolle Trinkwasserressourcen zu schonen. Weitere Investitionen flossen unter anderem in das Speicherpumpwerk Kneheim sowie in zahlreiche Projekte zur Modernisierung und Erneuerung der bestehenden Infrastruktur.

Kläranlagen werden modernisiert und erweitert

Auch im Bereich der Abwasserbeseitigung setzte der OOWV zahlreiche Ausbau- und Modernisierungsprojekte um. Auf der Kläranlage Oldenburg wurde die Modernisierung und Erweiterung der Schlammbehandlung fortgeführt. Gleichzeitig wird die energetische Eigenversorgung des Standorts ausgebaut. Mit einem neuen Faulturm und der Erneuerung weiterer technischer Anlagen schafft der Verband die Voraussetzungen, um den steigenden Anforderungen an die Abwasserreinigung und Klärschlammverwertung langfristig gerecht zu werden. Die Anlage übernimmt dabei eine zentrale Rolle für die Klärschlammbehandlung im Verbandsgebiet und bildet einen wichtigen Baustein für die künftige Klärschlammverwertung über die Monoverbrennungsanlage KENOW in Bremen, die der OOWV gemeinsam mit Partnern realisiert hat.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Kläranlagen Lindern im Landkreis Cloppenburg und Esens im Landkreis Wittmund. In Lindern wird die Abwasserreinigung umfassend modernisiert, um einen langfristig sicheren und energieeffizienten Betrieb zu gewährleisten. In Esens erweitert der OOWV die Kapazität der Anlage, um dem regionalen Wachstum und den saisonal stark schwankenden Abwassermengen gerecht zu werden. Zusätzlich setzte der Verband weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und Eigenversorgung seiner Anlagen um.

„Die Anforderungen an die Abwasserbeseitigung nehmen kontinuierlich zu – sei es durch neue gesetzliche Vorgaben, den Klimawandel oder steigende Erwartungen an den Gewässer- und Umweltschutz“, sagte OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht. „Unsere Investitionen dienen deshalb nicht nur dem Erhalt bestehender Anlagen. Sie erhöhen die Entsorgungssicherheit, stärken die Resilienz unserer Infrastruktur und schaffen die Voraussetzungen dafür, auch künftig verlässlich handeln zu können.“

Die Verbandsversammlung entlastete Vorstand und Geschäftsführung einstimmig für das Wirtschaftsjahr 2025.

Zum OOWV


Quelle: OOWV

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OOWV zeichnet erfolgreiche Ausbildungsabsolventen aus

07. Juli 2026 um 13:29

13 Nachwuchskräfte haben ihre Ausbildung beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) erfolgreich abgeschlossen. Gemeinsam mit ihren Ausbilderinnen und Ausbildern feierten sie am Dienstag im Wasser-Wald-Zentrum (WWZ) in Schortens ihren Ausbildungsabschluss. Der außerschulische Lernstandort des OOWV verdeutlicht die enge Verbindung von Wasser- und Waldschutz und zeigt zugleich die Bedeutung der Aufgaben, die die Nachwuchskräfte künftig übernehmen.

„Ausreichend sauberes Wasser ist lebenswichtig für jeden Einzelnen von uns und unentbehrlich für die Gesellschaft als Ganzes“, sagte Karsten Wünsche, OOWV-Bereichsleiter für Unternehmensentwicklung und Struktur. „Wer wie wir – und alle rund 1130 Mitarbeitenden des OOWV – in der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung arbeitet, kann dies mit dem guten Gefühl tun, eine sinnvolle, ja unentbehrliche Aufgabe zu erfüllen.“

Auszeichnung für besondere Ausbildungsleistungen

Besonders erfolgreich verlief der Ausbildungsabschluss für drei Nachwuchskräfte: Chemielaborantin Teresa Klose, die im Trinkwasserlabor in Nethen ausgebildet wurde, verkürzte ihre Ausbildungszeit und schloss mit der Bestnote „sehr gut“ ab. Ebenfalls ihre Ausbildung verkürzt hat Metallbauer Renke Gronau aus der Metallwerkstatt der Kläranlage Oldenburg, der zudem als Jahrgangsbester seines Ausbildungsberufs ausgezeichnet wurde. Florian Fitz, der im Wasserwerk Aurich ausgebildet wurde, erzielte ebenfalls den besten Abschluss seines Ausbildungsberufs und wurde darüber hinaus Landesbester im Beruf Fachkraft für Wasserversorgungstechnik. Auch die Industriekaufleute Janne Brandt und Bastian Schwiede schlossen ihre Ausbildung verkürzt ab.

„Auf solche gut qualifizierten Mitarbeitenden sind wir angewiesen“, betonte die für Personalmanagement zuständige Abteilungsleiterin Lisa Schuldei.

Um Fachkräfte langfristig an den Verband zu binden, bietet der OOWV neben einer Tätigkeit in der Daseinsvorsorge vielfältige Fortbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten an. Florian Fitz nutzt dieses Angebot unmittelbar nach seinem Ausbildungsabschluss und beginnt ein Duales Studium der Siedlungswasserwirtschaft beim OOWV.

Im aktuellen Abschlussjahrgang waren sieben kaufmännische und gewerbliche Ausbildungsberufe sowie ein dualer Studiengang vertreten. Im August starten zudem 13 neue Auszubildende beim OOWV. Das Ausbildungsangebot reicht von den dualen Studiengängen Wirtschaftsinformatik und Siedlungswasserwirtschaft über kaufmännische Berufe, Fachinformatik, Chemielabor, Metallbau bis hin zu Umwelttechnologen für Wasserversorgungstechnik oder Abwasserbewirtschaftung. Informationen zu den Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten bietet der OOWV auf seinem Karriereportal


Quelle: OOWV

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2,4 Mio. Euro für PFAS-Technologie

07. Juli 2026 um 10:50

Das 2025 gegründete Deeptech-Unternehmen Porelio hat eine überzeichnete Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 2,4 Mio. Euro abgeschlossen. Das Kapital soll in die industrielle Skalierung von Hightech-Materialien fließen, die sowohl zur Rückgewinnung von Edelmetallen aus Industrieströmen als auch zur Entfernung von PFAS aus Wasser eingesetzt werden.

Angeführt wird die Finanzierungsrunde von Faber aus Portugal. Beteiligt sind außerdem Polytechnique Ventures aus Frankreich, Grupo Tecnológica aus Spanien sowie better ventures aus Deutschland. Über better ventures investieren zudem die Business Angels Henning Emmrich, Robert Levenhagen, Michal Bartmanski und Thomas Gottheil. Zuvor hatte das Unternehmen bereits 2,5 Mio. Euro an öffentlichen Fördermitteln für die Entwicklung seiner Technologie erhalten.

Edelmetalle zurückgewinnen und PFAS entfernen

Industrie- und Kommunalabwässer enthalten sowohl wertvolle Edelmetalle wie Platin, Gold, Silber, Palladium und Rhodium als auch langlebige Schadstoffe wie PFAS. Während Edelmetalle wirtschaftlich zurückgewonnen werden können, müssen PFAS zuverlässig aus dem Wasser entfernt werden.

Nach Angaben des Unternehmens stoßen herkömmliche Verfahren wie Aktivkohle oder Ionenaustauscherharze dabei an Grenzen. Sie könnten Edelmetalle nicht gezielt zurückgewinnen und würden einen Teil der PFAS im Wasser belassen.

Technologie für den industriellen Einsatz

Die Technologie von Porelio basiert auf funktionalisierten geordneten mesoporösen Silicamaterialien (FOMS), die gezielt bestimmte Moleküle binden und andere Bestandteile des Stoffstroms passieren lassen. Die patentierte Innovation besteht in einem kontinuierlichen Herstellungsverfahren, mit dem sich diese Materialien erstmals im industriellen Maßstab produzieren lassen.

Nach Unternehmensangaben arbeitet das Verfahren unter nachhaltigeren Bedingungen und ist rund 30-mal schneller als herkömmliche Produktionsmethoden. Zudem lassen sich die Materialien regenerieren, was eine kosteneffizientere Aufbereitung von Wasser und Industrieströmen ermöglichen soll.

Porelio adressiert damit zwei wachsende Märkte. Im Bereich der Metallrückgewinnung konnte das Unternehmen nachweisen, dass seine Technologie Palladium etwa sechsmal schneller aufnimmt als eine Standard-Adsorptionstechnologie. Im Bereich der PFAS-Entfernung entfernte sie unter realen Bedingungen nahezu die Hälfte der im Wasser enthaltenen Trifluoressigsäure (TFA) und nahm innerhalb von fünf Minuten fast sechsmal mehr TFA auf als kommerzielle Aktivkohle im gleichen Test.

Fokus auf industrielle Skalierung

Mit der Finanzierung will das neunköpfige Unternehmen seine Produktion von einem Pilotmaßstab von Kilogramm pro Tag auf einen industriellen Maßstab von Tonnen pro Jahr ausbauen. Nach mehreren erfolgreichen Proof-of-Concept-Projekten in Europa liegt der Schwerpunkt nun darauf, industrielle Kooperationen in kommerzielle Partnerschaften zu überführen.

„Diese Chemie lag dreißig Jahre lang auf Laborbänken. Jeder konnte ihr Potenzial erkennen; niemand hatte sie im entscheidenden Maßstab hergestellt. Ein Material, das im Grammbereich funktioniert, kann weder eine kontaminierte Wasserversorgung reinigen noch das in einem Industriestrom verlorene Metall zurückgewinnen. Wir haben das Skalierungsproblem gelöst, sodass es diese Arbeit endlich leisten kann,“ erklärt Dr. Rhea Machado, CEO und Mitgründerin von Porelio.

„Porelio adressiert einen äußerst relevanten Bedarf, indem es Unternehmen ermöglicht, kritische Metalle zurückzugewinnen und komplexe Industrieströme erheblich effizienter zu behandeln. Die Plattformtechnologie hat ein breites Potenzial in mehreren Sektoren. Wir sind stolz darauf, das Team auf seinem Weg von industriellen Proof-of-Concepts zum kommerziellen Roll-out zu unterstützen“, sagt Rita Sousa, Partnerin bei Faber.

„Die Wasserqualität ist zu einer großen gesellschaftlichen Herausforderung geworden, und die Beseitigung persistenter Schadstoffe ist heute eine dringende Umwelt- und öffentliche Gesundheitsfrage. Die Technologie von Porelio bietet eine wirksame, nachhaltige Lösung für diese Herausforderung im industriellen Maßstab. Wir freuen uns, das Team bei der Verwirklichung seiner europäischen Ambitionen zu unterstützen“, sagt Cécile Tharaud, Gründungspartnerin bei Polytechnique Ventures.


Quelle:  Porelio

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Interview mit Dr.-Ing. Sonja Schlipf – Vertreterin von Hamburg Wasser bei RISA

06. Juli 2026 um 12:38

Frau Schlipf, welche Themen stehen bei RISA derzeit ganz oben auf der Agenda?

Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Wir verfolgen die verschiedenen RISA-Ziele inzwischen sehr gleichwertig. Dazu gehören die Starkregenvorsorge, die Annäherung an einen naturnahen Wasserhaushalt, die Regenwasserbehandlung zum Schutz der Gewässer sowie die Wiederverwendung von Regenwasser als Ressource. Gleichzeitig geht es natürlich auch um Themen wie Stadtklima und Klimafolgenanpassung. Das Besondere ist, dass diese Themen heute nicht mehr isoliert betrachtet werden. Wir entwickeln Strategien, schaffen Datengrundlagen, setzen konkrete Projekte um und vernetzen unterschiedliche Akteure miteinander. Ein Schwerpunkt der vergangenen Jahre war dabei die Frage, wie wir Flächen multifunktional nutzen können.“

Was bedeutet das konkret?

Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Hamburg ist ein Stadtstaat mit sehr begrenzten Flächenressourcen. Deshalb müssen wir überlegen, wie sich Regenwasserrückhalt, Aufenthaltsqualität, Verkehr, Grünflächen oder Freizeitnutzung miteinander verbinden lassen. Das führt automatisch dazu, dass wir stärker ressortübergreifend arbeiten müssen. Gleichzeitig stellen sich dabei ganz praktische Fragen: Wie funktioniert Verkehrssicherung? Wer ist später für Pflege und Unterhaltung verantwortlich? Und wie lassen sich solche Lösungen rechtlich in Bauleitplanung und Genehmigungsprozesse integrieren?
Parallel dazu treiben wir das Thema Starkregenvorsorge weiter voran. Dafür wurden in den vergangenen Jahren Risikoanalysen erstellt, die jetzt in die Bezirke ausgerollt werden, damit dort priorisiert Maßnahmen umgesetzt werden können.“

Verändert dieses Denken in multifunktionalen Flächen auch die Art, wie Stadtplanung künftig gedacht werden muss?

Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Ja, definitiv. Früher wurden viele Funktionen im Stadtraum eher getrennt betrachtet – Verkehr, Grünflächen, Wasserwirtschaft oder Freizeitnutzung. Heute müssen wir viel stärker überlegen, wie dieselben Flächen mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen können. Das ist anspruchsvoll, weil unterschiedliche Fachbereiche teilweise auch unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was Multifunktionalität bedeutet. Aus Sicht der Grün- und Landschaftsplanung kann das etwas anderes heißen als aus Sicht der Wasserwirtschaft. Gleichzeitig liegt genau darin aber auch eine große Chance für eine klimaangepasste Stadtentwicklung.“

Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Behörden und Ressorts ist oft schwierig. Wie erleben Sie das in Hamburg?

Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Natürlich gibt es unterschiedliche Interessen und Perspektiven. Gleichzeitig ist es wichtig, dass jedes Ressort zunächst für sich klärt, warum Klimaanpassung und Regenwassermanagement für die eigenen Ziele relevant sind. Genau das ist in den vergangenen Jahren passiert. Die Verkehrsbehörde beschäftigt sich beispielsweise mit klimaresilienten Straßenräumen, die Stadtentwicklung integriert Klimaanpassung inzwischen systematisch in Förderprogramme und Stadtentwicklungsprojekte. Auch die Bezirke arbeiten an eigenen Klimaanpassungskonzepten. Entscheidend ist, dass man anschließend wieder zusammenkommt und gemeinsame Ziele formuliert. Genau dieser Austausch findet inzwischen deutlich stärker statt als noch vor einigen Jahren – und das ist aus meiner Sicht eine sehr positive Entwicklung.“

Lesen Sie das komplette Interview in der Ausgabe 6

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Grundwasser braucht mehr als Grenzwerte

03. Juli 2026 um 13:55

Grundwasser ist weltweit die wichtigste Trinkwasserquelle und eine zentrale Ressource für die Nahrungsmittelproduktion. Zugleich erfüllt es als Lebensraum für endemische Organismen wichtige ökologische Funktionen und trägt zur Biodiversität bei. Klimawandel, Übernutzung und Schadstoffeinträge setzen Grundwasserkörper jedoch zunehmend unter Druck.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verfolgt das Ziel, bis 2027 einen guten mengenmäßigen und chemischen Zustand der Gewässer zu erreichen. Nach aktuellem Stand wird dieses Ziel in vielen Regionen voraussichtlich nicht vollständig erreicht. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von regional unterschiedlichen Wasserverfügbarkeiten und komplexen hydrogeologischen Bedingungen über klimatische Veränderungen bis hin zu historisch gewachsenen Bewirtschaftungsformen.

Rechtlicher Handlungsbedarf nach 2027

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Weiterentwicklung des rechtlichen Rahmens für den Grundwasserschutz an Bedeutung. Die ISOE-Forschungsgruppe regulate zeigt, dass Grundwassersysteme zunehmend durch sogenannte Telekopplungen geprägt sind – also durch räumlich entfernte Wechselwirkungen zwischen Umweltbelastungen und sozioökonomischen sowie politischen Entwicklungen.

Das vom ISOE beauftragte Gutachten greift diese Perspektive auf und analysiert den europäischen Rechtsrahmen für den Grundwasserschutz. Es kommt zu dem Ergebnis, dass zentrale Elemente der EU-Wasserrahmenrichtlinie solche räumlich und sektorübergreifend vernetzten Wirkungszusammenhänge nur begrenzt abbilden. Mit dem Auslaufen der Umsetzungsfrist im Jahr 2027 verändern sich zudem die rechtlichen Rahmenbedingungen. Da Ausnahmeregelungen künftig enger gefasst werden, gewinnt die konsequente Anwendung und Durchsetzung bestehender Instrumente an Bedeutung. Der tatsächliche Schutz des Grundwassers hängt damit stärker als bisher davon ab, wie Behörden, Gerichte und Verbände vorhandene rechtliche Spielräume nutzen und weiterentwickeln.

Schutzlücken in Karstregionen und bei Grundwasserökosystemen

Besonderen Klärungsbedarf identifiziert das Gutachten in Karstregionen. Aufgrund ihrer komplexen hydrogeologischen Struktur lassen sich Grundwassereinzugsgebiete dort nur eingeschränkt eindeutig abgrenzen. Dadurch stoßen etablierte Bewertungs- und Monitoringansätze an ihre Grenzen. Das Gutachten weist darauf hin, dass die bestehenden Regelungen zwar gewisse Spielräume bei der Abgrenzung und Klassifizierung von Grundwasserkörpern eröffnen, diese jedoch zu unterschiedlichen Auslegungen führen können. Dies kann die Vergleichbarkeit von Schutzstandards beeinträchtigen und eine einheitliche Anwendung des Wasserrechts erschweren.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Schutz von Grundwasser als eigenständigem Ökosystem. Insbesondere dort, wo Grundwasserleiter nicht unmittelbar für die Trinkwassernutzung erschlossen sind, besteht das Risiko, dass ihr Schutzstatus nicht ausreichend berücksichtigt wird. Das Gutachten zeigt, dass die bestehenden Regelungen vor allem auf die Sicherung von Menge und Qualität als Ressource ausgerichtet sind, ökologische Funktionen des Grundwassers jedoch bislang nur begrenzt adressieren.

Grenzüberschreitende Wirkungszusammenhänge und Verursacherprinzip

Zunehmend relevant sind zudem grenz- und sektorübergreifende Wirkungszusammenhänge. Die Forschung zu telegekoppelten Systemen verdeutlicht, dass Belastungen des Grundwassers häufig nicht ausschließlich lokal entstehen, sondern durch räumlich entfernte Nutzungs- und Entscheidungsstrukturen mit beeinflusst werden. Vor diesem Hintergrund analysiert das Gutachten die Umsetzung des Verursacherprinzips im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie, insbesondere im Hinblick auf die Wassergebührenpolitik.

Im Zentrum steht die Frage, ob bestehende Regelungen ausreichende Anreize für einen effizienten Umgang mit Wasser setzen. Zudem wird geprüft, inwieweit umwelt- und ressourcenbezogene Kosten in die Kostendeckungssysteme einbezogen werden und ob zentrale Wassernutzer – darunter Landwirtschaft, Industrie und Haushalte – einen angemessenen Beitrag zu den Kosten der Wasserdienstleistungen leisten. Die praktische Umsetzung dieser Anforderungen ist weiterhin mit Herausforderungen verbunden, insbesondere, wenn wasserwirtschaftliche Kosten- und Wirkungszusammenhänge räumlich und sektorübergreifend verteilt sind.

Europäische Steuerungsansätze und Reformbedarf im Grundwasserschutz

Das Gutachten unterstreicht die Dringlichkeit, einen klaren Handlungsrahmen im Grundwasserschutz und der Grundwasserbewirtschaftung in Deutschland und in Europa zu schaffen. Dies betrifft insbesondere den Schutz des Grundwassers als eigenständiges Ökosystem sowie die Berücksichtigung von Wechselwirkungen mit neuen wasserwirtschaftlichen Entwicklungen, etwa dem Ausbau von Fernwasserversorgungsnetzen im Kontext europäischer und nationaler Resilienzstrategien.

Zugleich wird deutlich, dass die Zielerreichung im europäischen Gewässerschutz maßgeblich von der konsequenten Anwendung und Durchsetzung bestehender rechtlicher Instrumente abhängt. In der Vergangenheit erfolgte dies nicht durchgängig im Einklang mit dem Verursacherprinzip. Künftig wird daher entscheidend sein, wie Umwelt- und Wasserverbände ihre rechtlichen Möglichkeiten nutzen und wie Behörden und Gerichte bestehende Regelungen auslegen und weiterentwickeln.

Mit der im Jahr 2025 eingeführten Europäischen Wasserresilienzstrategie gewinnt zudem eine stärker koordinierte wasserpolitische Steuerung an Bedeutung, die wirtschaftliche, infrastrukturelle und ökologische Ziele enger miteinander verknüpft. Neben ordnungsrechtlichen Instrumenten rücken dabei auch strategische und nicht-ordnungsrechtliche Ansätze stärker in den Fokus. Vor diesem Hintergrund bleibt offen, wie sich der Schutz des Grundwassers und das Verursacherprinzip in komplexen Interessens- und Nutzungskonstellationen künftig weiterentwickeln und wirksam zur Anwendung kommen.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Fanny Frick-Trzebitzky
Leiterin des Bereichs Praktiken und Infrastrukturen

Originalpublikation:
Douhaire, Caroline, Mathea Schmitt, Fanny Frick-Trzebitzky (2026): Rechtliche Fragen im Grundwassermanagement. Gutachterlicher Vermerk zur Umsetzung der EU-WRRL angesichts zukünftiger Unsicherheiten und sozial-ökologischer Wechselwirkungen. Groundwater Dimensions 7. Frankfurt am Main: Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE).


Quelle: ISOE

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Sewerin erweitert Standort Gütersloh mit neuem Logistikzentrum

03. Juli 2026 um 07:54

 

Mit der Einweihung eines neuen Logistikzentrums hat die Hermann Sewerin GmbH ihren Stammsitz in Gütersloh erweitert. Nach Angaben des Unternehmens beläuft sich die Investition auf rund 6 Mio. Euro. Ziel des Neubaus ist es, die Logistikprozesse auszubauen, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und künftig wieder alle Gütersloher Mitarbeitenden an einem Standort zusammenzuführen.

Neues Logistikzentrum für den Stammsitz

Der Neubau ist Teil der langfristigen Standortentwicklung. Seit 1985 ist die Gebäudefläche am Stammsitz von 4.171 auf 9.050 Quadratmeter gewachsen. Mit dem Logistikzentrum sollen die Voraussetzungen für steigende Anforderungen in Produktion und Logistik geschaffen werden.

„Mit dem neuen Logistikzentrum investieren wir nicht nur in moderne Gebäude und Technik, sondern vor allem in die Zukunft unseres Unternehmens. Effiziente Prozesse, kurze Wege und gute Arbeitsbedingungen sind die Grundlage dafür, unsere Kunden auch künftig zuverlässig zu beliefern und weiter erfolgreich zu wachsen“, betonte Benjamin Sewerin, Geschäftsführer der Hermann Sewerin GmbH, anlässlich der Einweihung.

Erweiterte Lagerkapazitäten und optimierte Abläufe

Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Erweiterung der Lagerkapazitäten und die Optimierung der internen Abläufe. Die Lagerfläche wurde vergrößert, die Lagerhöhe erhöht und die Zahl der Palettenstellplätze von 250 auf 650 ausgebaut. Moderne Lagerlifte sollen eine kompaktere Lagerung, kürzere Laufwege und ergonomischere Arbeitsplätze ermöglichen. Zudem kommt künftig die Ware zum Mitarbeitenden, wodurch die internen Logistikprozesse effizienter gestaltet werden sollen.

Unternehmensbereiche künftig an einem Standort

Neben den Logistikflächen entstanden im Neubau 22 Büroarbeitsplätze. Darüber hinaus werden künftig wieder alle Gütersloher Unternehmensbereiche – von Fertigung, Forschung und Entwicklung über Vertrieb und Marketing bis hin zu Service und Qualitätsmanagement – an einem gemeinsamen Standort arbeiten. Nach Angaben des Unternehmens sollen dadurch die Zusammenarbeit erleichtert und Entscheidungswege verkürzt werden. Dem Bauvorhaben ging eine Analyse der bestehenden Prozesse voraus. Der Spatenstich erfolgte im April 2025, die Fertigstellung und Einweihung im Juni 2026. Nach dem Umzug des Lagers sollen bestehende Flächen neu organisiert und weitere Maßnahmen der Unternehmensstrategie umgesetzt werden.

Mit der Inbetriebnahme des Logistikzentrums sind die Standortentwicklungen nach Unternehmensangaben noch nicht abgeschlossen. Nach der Neuorganisation der Flächen sollen weitere Maßnahmen umgesetzt werden. Ziel ist es, die internationale Marktposition auszubauen, Innovationen weiterzuentwickeln und Kunden auch künftig mit Lösungen zum Schutz der Ressourcen Wasser und Gas zu unterstützen.


Quelle: Hermann Sewerin GmbH

 

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Webplattform unterstützt kommunale Hitzeplanung

02. Juli 2026 um 13:25

Viele Städte und Gemeinden stehen vor der Herausforderung, wirksame Maßnahmen gegen zunehmende Hitze zu entwickeln. Dabei stellt sich die Frage, an welchen Standorten Begrünung, Entsiegelung oder andere Maßnahmen den größten Effekt erzielen. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP unterstützt Planende, Städte und Kommunen mit der Webplattform OASITY. Sie ermöglicht es, die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen bereits vor der Umsetzung zu simulieren und unterschiedliche Szenarien miteinander zu vergleichen.

In dicht bebauten und stark versiegelten Stadtquartieren liegen die Temperaturen häufig mehrere Grad über denen des Umlands. Auch in den Nachtstunden bleibt es dort oft wärmer, da Asphalt und Beton die tagsüber gespeicherte Wärme nur langsam wieder abgeben. Der Deutsche Wetterdienst hat zuletzt bundesweit vor extremer Hitze und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken gewarnt. Gleichzeitig steigt der Handlungsdruck für Kommunen: Seit 2024 verpflichtet das Bundes-Klimaanpassungsgesetz Länder und Kommunen dazu, Strategien zur Anpassung an Hitze und weitere Klimafolgen zu entwickeln. OASITY soll dabei helfen, die Wirksamkeit geplanter Maßnahmen bereits im Vorfeld zu bewerten.

Maßnahmen gezielt bewerten

Viele Kommunen setzen bereits auf Maßnahmen wie Baumpflanzungen, Dachbegrünungen oder die Entsiegelung von Flächen, um die Hitzebelastung zu verringern. Gleichzeitig stehen sie unter finanziellem Druck und müssen nachvollziehbar darlegen, welche Maßnahmen den größten Nutzen bringen.

»Viele Städte wissen, dass sie handeln müssen. Die entscheidende Frage ist: Welche Maßnahme wirkt an welchem Ort am stärksten?«, sagt Matthias Winkler, Gruppenleiter Stadtbauphysikalische Modellierung am Fraunhofer IBP. »Simulationen helfen dabei, diese Frage auf Basis von Daten zu beantworten, bevor teure Investitionen getätigt werden.«

Stadtklima vorab simulieren

Die Grundlage von OASITY bildet das frei verfügbare Stadtklimamodell PALM-4U. Es bildet unter anderem thermischen Komfort, Luftströmungen, Kaltluftbewegungen sowie die Ausbreitung von Schadstoffen auf Stadt- und Quartiersebene ab. Während solche Simulationen bislang überwiegend in Forschung und Spezialanwendungen genutzt wurden, können Planungsbüros und kommunale Planungsämter sie mit OASITY eigenständig durchführen und unterschiedliche Szenarien vergleichen. So lässt sich beispielsweise untersuchen, welchen Kühleffekt eine Baumreihe entlang einer Straße erzielt oder welche Auswirkungen die Entsiegelung eines asphaltierten Platzes hat. Die Plattform kann zudem in bestehende digitale Stadtmodelle und urbane digitale Zwillinge integriert werden.

Begrünung senkt Hitze und Energieverbrauch

Simulationen und Messungen des Fraunhofer IBP zeigen, dass Begrünungsmaßnahmen die Erwärmung von Gebäuden deutlich reduzieren können. An heißen Sommertagen können die Oberflächentemperaturen unbegrünter Fassaden um bis zu 20 Grad Celsius höher liegen als die begrünter Fassaden. Dadurch heizen sich auch Innenräume weniger stark auf, wodurch der Bedarf an aktiver Kühlung sinkt. Ebenso profitieren Lüftungs- und Klimaanlagen, wenn sie sich in einem durch Begrünung gekühlten Umfeld befinden.

Die geringere Erwärmung der Gebäudehülle wirkt sich zudem auf den Energiebedarf aus. Durch den reduzierten Kühlbedarf kann der Energieverbrauch von Gebäuden sinken. Begrünungsmaßnahmen leisten damit sowohl einen Beitrag zur Anpassung an zunehmende Hitzebelastungen als auch zur Senkung des Energiebedarfs.

Auch auf Quartiersebene zeigen sich deutliche Effekte. Simulationen mit OASITY weisen darauf hin, dass Begrünungsmaßnahmen die Hitzebelastung in dicht bebauten Stadtgebieten spürbar verringern können. Modellrechnungen für Rosenheim ergaben, dass die gefühlte Temperatur an einem heißen Sommernachmittag lokal um bis zu fünf Grad Celsius sinken kann. Für den Münchner Stadtteil Giesing zeigen Simulationen eine Verringerung der Hitzebelastung um drei bis sieben Grad Celsius – abhängig von Standort und Ausgestaltung der Begrünung.

Grundlage für kommunale Entscheidungen

»Simulationen ersetzen keine politische Abwägung“, sagt Winkler. „Sie machen jedoch sichtbar, welche Effekte verschiedene Maßnahmen im Stadtraum tatsächlich haben, und reduzieren damit Unsicherheiten in der Planung. «

Die Modelle bilden physikalische Faktoren wie Temperatur, Wind oder Strahlung ab. Soziale oder nutzungsbezogene Aspekte werden nicht simuliert, können jedoch mit den Ergebnissen kombiniert und gemeinsam ausgewertet werden. Die Nachfrage nach der Plattform wächst. Mehr als zehn Kommunen und Planungsbüros nutzen OASITY bereits, weitere erproben die Plattform in Pilotprojekten. Seit 2024 wurden zudem mehr als 100 Fachleute aus Planungsbüros und Planungsämtern geschult. Für 2027 plant das Fraunhofer IBP eine Erweiterung der Plattform um zusätzliche Module zur Analyse weiterer Klimarisiken.

Weitere Informationen


Quelle: Kommunen können Klimaanpassung mit Fraunhofer-Plattform simulieren

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121 Millionen SEK: Sweco übernimmt Hochwasserschutz-Planung in Polen

02. Juli 2026 um 08:00

Das Projekt ist Teil der polnischen Initiativen im Rahmen der EU-Hochwasserrichtlinie zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber künftigen Hochwasserereignissen. Sweco wird ein Konsortium leiten, das für die Aktualisierung der Pläne für sechs Flussgebietseinheiten in Polen zuständig ist, darunter die Einzugsgebiete von Weichsel und Oder.

„Diese Überprüfung und Aktualisierung der polnischen Hochwasserrisikomanagementpläne ist ein Schlüsselelement des sechsjährigen Planungszyklus im Rahmen der EU-Hochwasserrichtlinie. Durch die Bündelung von Fachwissen in den Bereichen Wasserwirtschaft, Umwelt- und Raumanalyse, wirtschaftliche Bewertung sowie Einbindung von Interessengruppen wird Sweco ‚Polish Waters‘ dabei unterstützen, die Widerstandsfähigkeit Polens gegenüber künftigen klimabedingten Hochwasserereignissen zu stärken“, sagt Maciej Chrzanowski, Präsident von Sweco in Polen.

Sweco kann auf eine langjährige Zusammenarbeit mit „Polish Waters“ (Państwowe Gospodarstwo Wodne Wody Polskie) zurückblicken, vor allem in den Bereichen Hochwasserrisikominderung, Stauseeplanung sowie Klimaanpassung und Wasserinfrastruktur.

Die neue Vereinbarung spiegelt den wachsenden Fokus auf Klimaresilienz in ganz Europa wider. Sie steht im Einklang mit Swecos jüngstem Bericht „Too much, too little, too polluted“, der sich auf europäische Daten und Swecos Fachwissen im Wassersektor aus verschiedenen Märkten stützt.


Quelle: Sweco

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Lindauer Seminar zeigt Lösungen für die Kanalnetze von morgen

29. Juni 2026 um 14:00

Auch 2026 wurde das Lindauer Seminar seinem Ruf als eine der bedeutendsten Fachveranstaltungen im Bereich Kanalmanagement gerecht. Mehr als 670 Teilnehmende aus Wissenschaft, Kommunen, Ingenieurbüros und Unternehmen nutzten die Veranstaltung, um aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze für die Siedlungsentwässerung zu diskutieren. Ergänzt wurde das Fachprogramm durch eine Fachausstellung mit über 90 Unternehmen aus den Bereichen Reinigung, Inspektion und Sanierung.

Klimawandel, Investitionsdruck und Cybersicherheit

Zum Auftakt des Seminars standen die großen Herausforderungen der Branche im Mittelpunkt. Prof. Dr.-Ing. Max Dohmann blickte auf die Entwicklung der Siedlungsentwässerung in den vergangenen Jahrzehnten zurück und spannte den Bogen von ersten optischen Inspektionsverfahren bis hin zu heutigen Anwendungen der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Erneuerung der alternden Kanalnetze weiterhin erhebliche Investitionen erfordert und die Anforderungen der Klimaanpassung die überwiegend gebührenfinanzierte Siedlungsentwässerung zunehmend unter wirtschaftlichen Druck setzen.

Wie stark Kommunen bereits heute gefordert sind, zeigte Dr.-Ing. Suzanne Mösel anhand verschiedener Beispiele zur klimaresilienten Stadtentwicklung. Maßnahmen wie Flächenentsiegelung, dezentrale Versickerung, Retentionsflächen und blau-grüne Infrastruktur seien wichtige Bausteine, stießen jedoch häufig an finanzielle, personelle und gesellschaftliche Grenzen. Die Anpassung an den Klimawandel erfordere vielerorts einen grundlegenden Umbau bestehender Strukturen.

Neben den Auswirkungen des Klimawandels rückte auch die Sicherheit kritischer Infrastrukturen in den Fokus. Moritz Samrock verdeutlichte, dass Cyberangriffe längst zu einem realen Risiko für Versorgungs- und Kommunikationssysteme geworden sind. Gleichzeitig betonte er, dass Resilienz und Schutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert wurden und kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen.

Kommunale Praxis zwischen Sanierung und Fachkräftemangel

Die Herausforderungen im kommunalen Alltag standen im Mittelpunkt weiterer Vorträge. Anne Lang berichtete über die Auswirkungen steigender Grundwasserstände auf Abwasseranlagen und die daraus resultierenden betrieblichen Belastungen. Um die Leistungsfähigkeit der Netze langfristig zu sichern, wurden umfangreiche Maßnahmen zur Abdichtung von Schächten und Leitungen umgesetzt. Neue Wege bei der Umsetzung großer Infrastrukturprojekte stellte Dr.-Ing. Christian Falk von der Stadtentwässerung Dortmund vor. Im Fokus stand das Modell des Totalunternehmers, bei dem Planung, Bau und weitere Leistungen gebündelt vergeben werden. Vor dem Hintergrund knapper personeller Ressourcen könne dieses Vorgehen die Projektabwicklung beschleunigen und Kommunen deutlich entlasten.

Aktuelle Erkenntnisse aus dem KomNetAbwasser präsentierte Christian Bone vom IKT. Neben dem Erfahrungsaustausch zwischen Netzbetreibern wurden neue technische Entwicklungen vorgestellt, darunter der Einsatz von Drohnen für die Inspektion von Abwasseranlagen.

Digitalisierung verändert das Kanalmanagement

Einen breiten Raum nahm die Digitalisierung ein. Nora Blase zeigte anhand von Open-Source-Lösungen wie QGIS und QKan, welche Möglichkeiten insbesondere kleinen und mittleren Netzbetreibern für Datenverwaltung, Zustandsbewertung und Sanierungsplanung zur Verfügung stehen.

Mit digitalen Werkzeugen für die Steuerung komplexer Infrastrukturprojekte beschäftigte sich Carl Philipp Friedinger. Sein Ansatz eines „Digitalen Projektrisiko-Zwillings“ soll helfen, Kosten, Termine und Risiken transparenter darzustellen und frühzeitig zu bewerten.

Prof. Florian Winter widmete sich der zunehmenden Bedeutung von Building Information Modeling (BIM) in der Siedlungsentwässerung. Ergänzend stellte Maximilian Erb Praxisbeispiele für die digitale Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern, Ingenieurbüros und Dienstleistern vor. Moderne WebGIS-Anwendungen ermöglichen dabei einen effizienteren Datenaustausch und unterstützen die Planung und Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen.

KI eröffnet neue Möglichkeiten

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Potenzialen der Künstlichen Intelligenz. Phillip Grimm präsentierte neue Ansätze zur Analyse und Lokalisierung von Fremdwasser in Kanalnetzen. Mithilfe vorhandener Messdaten und Machine-Learning-Verfahren können Untersuchungen und Sanierungsmaßnahmen gezielter geplant werden. Auch bei der Kanalinspektion und Zustandsbewertung gewinnt KI zunehmend an Bedeutung. Roman Streubel zeigte aktuelle Entwicklungen bei bildbasierten Inspektionsverfahren und der Erstellung digitaler Punktwolken. Kai Gantenbrinker berichtete aus der Praxis über KI-gestützte Zustandsbewertungen, die bereits heute Effizienzsteigerungen ermöglichen, jedoch weiterhin eine fachliche Nachbewertung erfordern.

Dass mit der Nutzung von KI auch neue Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit verbunden sind, machte Moritz Samrock in einem weiteren Vortrag deutlich. Neben technischen Schwachstellen rückten dabei insbesondere organisatorische Sicherheitsmaßnahmen und der verantwortungsvolle Umgang mit Daten in den Vordergrund.

Nachhaltigkeit und Zukunftsthemen der Branche

Nachhaltigkeitsaspekte spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. Prof. Dr.-Ing. Karsten Kerres stellte Methoden zur Bilanzierung von CO₂-Emissionen in der Kanalinstandhaltung vor und zeigte auf, welche Potenziale insbesondere grabenlose Verfahren zur Emissionsreduzierung bieten können.

Mit der Abwasserwärmenutzung beschäftigte sich Prof. Dr.-Ing. Karsten Körkemeyer. Vorgestellt wurden unterschiedliche technische Lösungen sowie die Anforderungen an Betrieb, Überwachung und Inspektion entsprechender Systeme.

Einen Blick auf die Zukunft des Berufsfeldes warf Dr. Linda Schlusemann. Sie erläuterte die Weiterentwicklung des Berufsbildes vom RKI zum Umwelttechnologen beziehungsweise zur Umwelttechnologin für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen. Digitalisierung, Nachhaltigkeit und moderne Ausbildungsformate spielen dabei eine immer wichtigere Rolle.

Effiziente Strategien für Betrieb und Werterhalt

Zum Abschluss standen Fragen der Instandhaltung und Betriebsoptimierung im Mittelpunkt. Arno Bauer stellte zustandsorientierte Inspektionsstrategien vor, die eine wirtschaftlichere Überwachung von Kanalnetzen ermöglichen. Ergänzend zeigte Jörg Otterbach anhand verschiedener Praxisbeispiele die Potenziale von Value Engineering für komplexe Infrastrukturprojekte auf.

Michael Mahr verdeutlichte die Bedeutung langfristiger Sanierungskonzepte für kommunale Entwässerungssysteme. Strategische Planungen können helfen, Investitionen gezielter einzusetzen und Fehlinvestitionen zu vermeiden. Jan Döring stellte schließlich digitale Schacht-Zoom-Kameras als ressourcenschonende Alternative zur klassischen TV-Inspektion vor.

Abschied von Prof. Max Dohmann

Mit der 38. Veranstaltung endete zugleich die langjährige Tätigkeit von Prof. Dr.-Ing. Max Dohmann als wissenschaftlicher Leiter des Lindauer Seminars. Über Jahrzehnte prägte er die fachliche Ausrichtung der Veranstaltung und trug maßgeblich dazu bei, das Seminar zu einer der wichtigsten Plattformen für den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis im Bereich der Siedlungsentwässerung zu entwickeln.

Fazit

Die Beiträge des Lindauer Seminars 2026 machten deutlich, dass die Branche vor vielfältigen Herausforderungen steht. Gleichzeitig wurden zahlreiche praxisnahe Lösungen vorgestellt – von digitalen Werkzeugen und KI-Anwendungen über nachhaltige Infrastrukturstrategien bis hin zu neuen Ansätzen für Betrieb, Sanierung und Klimaanpassung. Damit bot die Veranstaltung erneut wertvolle Impulse für Netzbetreiber, Kommunen, Ingenieurbüros und Dienstleister.


Quelle: JT_elektronik GmbH

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Grundfos stärkt Wasseraufbereitung

29. Juni 2026 um 13:15

 

Angesichts der weltweit wachsenden Herausforderungen im Bereich Wasser gewinnt eine zuverlässige, nachhaltige und effiziente Wasseraufbereitung für die Getränkeindustrie zunehmend an Bedeutung. Mit der Übernahme des deutschen Unternehmens EUWA baut Grundfos seine Kompetenzen in diesem Bereich weiter aus und richtet den Fokus verstärkt auf Lösungen für die Getränke- und Lebensmittelindustrie.

Fokus auf Wasseraufbereitung für die Getränkeindustrie

EUWA ist auf Wasseraufbereitungslösungen für die Getränkeindustrie spezialisiert. Das Unternehmen entwickelt, konstruiert und liefert Anlagen für Brauereien sowie Hersteller von Erfrischungsgetränken in mehr als 110 Ländern und zählt dabei einige der weltweit größten Getränkehersteller zu seinen Kunden.

Das Unternehmen gilt als Technologieführer im Bereich der Wasseraufbereitung für die Herstellung von Bier und Erfrischungsgetränken. Mit fundiertem Prozess-Know-how sowie flexiblen, effizienten und maßgeschneiderten Lösungen trägt EUWA dazu bei, den Verbrauch von Wasser, Chemikalien und Energie zu reduzieren.

Tom Finke, Head of Water Treatment bei Grundfos, sagt zur Übernahme: „EUWA setzt ebenso wie Grundfos auf starke Werte und einen klaren Fokus auf Nachhaltigkeit. Die fundierten Prozesskenntnisse und die einzigartige Technologie von EUWA, darunter auch die hygienischen Designs für die Getränkeindustrie, stärken unsere Fähigkeit, die komplexen Herausforderungen unserer Kunden zu adressieren. Die Übernahme ist ein logischer Schritt im Rahmen des weiteren Ausbaus unseres Wasseraufbereitungsgeschäfts und Ausdruck unserer Ambition, die Getränkeindustrie künftig noch besser zu bedienen.“

Die Übernahme von EUWA ist Teil einer Reihe von Investitionen, mit denen das dänische Unternehmen seine Kompetenzen im Bereich Wasseraufbereitung weiter ausbauen möchte.

Reibungsloser Übergang geplant

Auch Michael Eumann, Geschäftsführer von EUWA, begrüßt den Schritt: „Ich bin sehr stolz darauf, dass das Erbe und die Lösungen von Euwa – geprägt von starken Werten und engen Kundenbeziehungen – künftig noch mehr Kunden weltweit erreichen werden. Dass Grundfos den Wert dessen erkennt, was wir aufgebaut haben, gibt mir großes Vertrauen, dass Euwa auch in Zukunft weiter wachsen und unsere Kunden bestmöglich bedienen wird. Ich freue mich darauf, die weitere Entwicklung des Unternehmens zu verfolgen.“

EUWA wird mit sofortiger Wirkung Teil von Grundfos. Der Fokus liegt nun auf einem reibungslosen Übergang. Gleichzeitig will das Unternehmen den stabilen Betrieb für Kunden, Partner und Mitarbeitende sicherstellen.


Quelle: Grundfos /EUWA

 

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Städte gegen Hitze wappnen

29. Juni 2026 um 07:17

Neue Hitzerekorde werden in immer kürzeren Abständen gemessen, gleichzeitig nehmen Starkregen- und Hagelereignisse zu. Für Städte entstehen dadurch erhebliche Herausforderungen. Dach- und Fassadenbegrünungen gelten als wirksame und nachhaltige Maßnahme, um den Folgen dieser Entwicklungen zu begegnen. Begrünte Dächer können große Mengen Niederschlagswasser aufnehmen und zurückhalten. Zudem schützen Dach- und Fassadenbegrünungen Gebäude vor direkter Sonneneinstrahlung und sorgen durch Verdunstung für eine natürliche Kühlung. Damit tragen sie zur Klimaanpassung und zur Verbesserung der Lebensqualität in Städten bei.

Bereits 2018 belegte eine deutschlandweite Studie der Gesundheitsökonomen Karlsson und Ziebarth die negativen Auswirkungen von Hitzetagen auf die Gesundheit. Grundlage waren bundesweite Gesundheits- und Wetterdaten über einen Zeitraum von zehn Jahren. Demnach stieg während Hitzeereignissen die Sterblichkeit um rund 12 %, die Zahl der Krankenhauseinweisungen um etwa 6 %. Die gesundheitsbezogenen Kosten wurden auf bis zu 5 Mio. € pro 10 Millionen Einwohner und heißem Tag (über 30 °C) geschätzt.

Gebäudegrün als Baustein der Klimaanpassung

Die zunehmenden Temperaturrekorde und Extremwetterereignisse verdeutlichen nach Ansicht des Bundesverbands GebäudeGrün e.V. (BuGG), wie wichtig die Anpassung von Städten an die Folgen des Klimawandels ist. Die Vermeidung von Hitzestress und Überflutungen werde zu einer zentralen Aufgabe der Stadtentwicklung.

Im Mittelpunkt steht dabei eine wassersensible Planung mit Gründächern, die dazu beitragen können, Überschwemmungen vorzubeugen. Gleichzeitig übernehmen Pflanzen auf Dächern und an Fassaden wichtige Funktionen bei der Hitzeanpassung. Durch Verschattung und Verdunstung kühlen sie Gebäude und ihr Umfeld und wirken damit dem städtischen Hitzeinseleffekt entgegen. Der Fachverband verweist in diesem Zusammenhang auf verschiedene Fakten und Studien zu den positiven Wirkungen von Gebäudegrün.

Kühlende Wirkung im urbanen Raum

Mehrere Studien belegen die positiven Effekte von Dach- und Fassadenbegrünungen auf das Stadtklima. Eine Modellanalyse des Deutschen Wetterdienstes und des Bundesverbands GebäudeGrün (BuGG) für die Stadt Essen zeigt, dass Bereiche mit einem sehr hohen Anteil begrünter Dachflächen von einer Abkühlung um bis zu 0,7 Kelvin profitieren. Auch Fassadenbegrünungen können einen spürbaren Beitrag zur Temperaturreduzierung leisten. Laut einer Studie von BOKU und TU Wien entspricht die Transpirationsleistung und Sauerstoffproduktion von 850 m² Fassadenbegrünung der Leistung von 45 Klimakühlgeräten mit acht Stunden Betriebsdauer und einer Leistung von jeweils 3.000 Watt.

Eine Untersuchung der TU Berlin kommt zu dem Ergebnis, dass eine flächendeckende Fassadenbegrünung die sommerliche Wärmebelastung insbesondere in stark versiegelten Bereichen mit geringer Luftzirkulation um bis zu 52 % reduzieren kann. Eine internationale Analyse mehrerer europäischer Städte zeigt zudem, dass vertikale Begrünungen die lokale Lufttemperatur je nach Standort, Begrünungsdichte und Bewässerung um bis zu 5 °C senken können.

Rückhalt von Regenwasser bei Starkregen

Neben den klimatischen Vorteilen leisten Gründächer auch einen wichtigen Beitrag zum Regenwassermanagement. Insbesondere Retentionsgründächer speichern Niederschlagswasser in einer speziellen Dränschicht und geben es zeitverzögert wieder ab. Dadurch können bei Starkregenereignissen große Wassermengen zurückgehalten und die Kanalisation entlastet werden. Dies verringert den Bedarf an größeren Rohrdimensionierungen und zusätzlichen Regenwasserrückhaltebecken. Gleichzeitig steht ein Teil des gespeicherten Wassers den Pflanzen zur Verfügung.

Bei einer höheren extensiven Dachbegrünung mit einer Substrathöhe von 16 cm liegt der Spitzenabflussbeiwert Cs bei 0,3. Das bedeutet, dass rund 70 % eines Starkregens nicht unmittelbar abgeleitet werden und somit die Kanalisation entlasten.

Längere Lebensdauer der Dachabdichtung

Nach einer gemeinsamen Umfrage des Bundesverbands GebäudeGrün (BuGG) und des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks unter Dachdeckerbetrieben profitieren Dachabdichtungen unter Gründächern von einer längeren Lebensdauer. In rund 55 % der Fälle beträgt die Zeit bis zur ersten größeren Reparatur mehr als 20 Jahre. Bei Solargründächern liegt dieser Anteil bei etwa 45 %.

Bei ungeschützten Dachabdichtungen fällt die Lebensdauer dagegen kürzer aus. Hier liegt sie in etwa 35 % der Fälle zwischen 16 und 20 Jahren, während nur rund 25 % der Dachabdichtungen eine Lebensdauer von mehr als 20 Jahren erreichen. Bei nicht begrünten Dachabdichtungen mit PV-Anlage beträgt dieser Anteil etwa 15 %, weitere rund 25 % erreichen eine Lebensdauer zwischen 16 und 20 Jahren.

Die vielen Vorteile von Dach- und Fassadenbegrünungen sind in der BuGG-Fachinformation „Positive Wirkungen von Gebäudebegrünungen“ übersichtlich zusammengefasst. Die Broschüre ist kostenfrei auf der
Webseite des BuGG erhältlich.

Mehr Informationen

Quelle: Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG)

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Schwammstadt-Projekt am Steinbach erhält infra.green.award 2026

26. Juni 2026 um 12:21

Der Bundesfachverband Betonkanalsysteme e.V. (FBS) hat auf der IFAT 2026 in München zum zweiten Mal den infra.green.award verliehen. Die Auszeichnung ging an die Zink Ingenieure aus Lauf für das Projekt „Wie der Steinbach zum Vorbild wird – eine innovative Kombination aus Hochwasserschutz, naturraumgerechter Gewässerentwicklung und intelligenter Nutzung von Betonfertigteilen im Sinne des Schwammstadtkonzepts.“

Mit dem infra.green.award zeichnet der FBS innovative Projekte, Ideen und Konzepte aus, die Betonbauteile für eine nachhaltige und ressourcenschonende Regenwassernutzung einsetzen. Ziel ist es, zukunftsweisende Ansätze für eine klimaangepasste Infrastruktur sichtbar zu machen und deren Umsetzung zu fördern. Teilnahmeberechtigt sind öffentliche Netzbetreiber und Ingenieurbüros, die mit ihren Projekten im Regenwassermanagement zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Hochwasserschutz am Steinbach neu gedacht

Das ausgezeichnete Projekt wurde am Steinbach im Raum Baden-Baden/Bühl umgesetzt. Dort wurde auf einer Länge von rund 340 Metern eine hydraulische Engstelle im Bereich der Sportschule Steinbach beseitigt. Gleichzeitig wurden instabile Böschungen gesichert, um den Gewässerabschnitt gegen ein 100-jährliches Hochwasser zu wappnen und die ökologische Durchgängigkeit zu verbessern.

Grundlage der Maßnahme sind großformatige Betonfertigteile in U-Form. Entwickelt wurde die Lösung gemeinsam vom Zweckverband Hochwasserschutz Raum Baden-Baden/Bühl, dem Ingenieurbüro Zink Ingenieure, dem Betonwerk Beton Müller aus Achern und dem Bauunternehmen Josef Welle GmbH. Die individuell gefertigten U-Profile sorgen für einen sicheren Wasserabfluss bei hohen Wasserständen, erhöhen die Standsicherheit der Ufer und reduzieren den Flächenbedarf sowie Eingriffe in die vorhandene Infrastruktur.

Naturnahe Gestaltung des Gewässers

Neben dem technischen Hochwasserschutz spielte auch die ökologische Aufwertung des Baches eine wichtige Rolle. Der Boden des bisherigen Bachbetts wurde als Substrat im neuen Gewässerprofil wiederverwendet, um die natürlichen Lebensraumbedingungen zu erhalten.

Ergänzend wurden Natursteine als sogenannte Störsteine in den Fließweg eingebaut. Sie schaffen unterschiedliche Strömungsverhältnisse, verhindern die Auswaschung von Substrat und unterstützen die natürliche Entwicklung des Gewässers.

„Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit“, betont Johannes Sackmann, Mitglied der Geschäftsführung von Zink Ingenieure. „Zweckverband, Planer, Betonwerk und Bauunternehmen haben von Beginn an gemeinsam nach der besten Lösung gesucht und gezeigt, wie sich technischer Hochwasserschutz und ökologische Aufwertung erfolgreich vereinen lassen.“

Auszeichnung für klimaangepasste Infrastruktur

Die Investitionssumme des Projekts liegt bei rund 4,9 Millionen Euro. Gefördert wird die Maßnahme durch das Land Baden-Württemberg. Für den Zweckverband Hochwasserschutz Raum Baden-Baden/Bühl stellt das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit im Verbandsgebiet dar und gilt zugleich als Beispiel für eine moderne Wasserwirtschaft.

„Für mich sind immer die direkt betroffenen Anwohner wichtig – und auch die sind hier in Steinbach sehr zufrieden“, unterstreicht Viviane Walzok, Geschäftsführerin des Zweckverbandes.

Auch Joachim Strack, Geschäftsführer von Beton Müller, hebt die Bedeutung des Projekts hervor: „Dieses Projekt zeigt beispielhaft, wie man die Stärken des mineralischen Baustoffs Beton nutzen kann, um Hochwasserschutz und Umweltbelange miteinander zu verbinden. Beton wird hier nicht als Gegensatz zur Natur verstanden, sondern als konstruktiver Möglichmacher für mehr Sicherheit, ökologische Vielfalt und Klimaanpassung.“

Mit der Auszeichnung des Projekts „Wie der Steinbach zum Vorbild wird“ unterstreicht der infra.green.award 2026 die Bedeutung innovativer Betonanwendungen für eine nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung und eine klimaresiliente Infrastruktur.

Weitere Informationen

Quelle: Bundesfachverband Betonkanalsysteme e.V. (FBS)

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Interview mit Christian Funke, Matthias Funke und Dr. Tobias Westhues: „Nachhaltigkeit bedeutet für uns intelligente Materialentscheidungen“

26. Juni 2026 um 08:49

Seit mehr als 30 Jahren zählt das HS®-Kanalrohrsystem zu den prägenden Lösungen von Funke Kunststoffe im Kanalbau. Was einst den Grundstein für den Wandel vom klassischen Rohrhersteller zum Systemanbieter legte, steht heute zugleich für Innovation, Qualität und Nachhaltigkeit. Mit den neuen Produktreihen Funke Pipe2Pipe® und Funke Plant2Pipe® entwickelt das Unternehmen diesen Ansatz konsequent weiter und setzt verstärkt auf Ressourcenschonung, CO₂-Reduktion und die Schließung von Wertstoffkreisläufen.

Im Interview sprechen Christian Funke, kaufmännischer Geschäftsführer, Matthias Funke, technischer Geschäftsführer, und Dr. Tobias Westhues, Team Produktmanagement/-entwicklung, über die Entwicklung des HS®-Kanalrohrsystems, den Stellenwert nachhaltiger Systemlösungen und die Herausforderungen auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Infrastruktur.

Inwiefern beeinflusst der Anspruch auf Generationengerechtigkeit die Entwicklung langlebiger und nachhaltiger Rohrsysteme sowie Ihre langfristige Unternehmensstrategie?

Christian Funke: „Generationengerechtigkeit verstehen wir als einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Das beginnt in der Produktion. Wir stellen unsere Produkte so her, dass sie qualitativ hochwertig, langlebig und funktional sind, aber ohne Rohstoffe zu verschwenden. Gleichzeitig achten wir darauf, anfallende Reststoffe oder Ausschuss konsequent in Kreisläufen weiter zu nutzen und damit Ressourcen möglichst effizient einzusetzen.Darüber hinaus spielt die Gestaltung unserer Lieferketten eine wesentliche Rolle. Wir setzen bewusst auf kurze, möglichst regionale Beschaffungswege und auf europäische Lieferanten, wo immer das sinnvoll und möglich ist. Das reduziert nicht nur Emissionen, sondern sorgt auch für Transparenz, Rechtssicherheit und Stabilität in der Wertschöpfung. Gerade im Einkauf zeigt sich immer wieder, wie viele Vorprodukte tatsächlich regional verfügbar sind – oft mehr, als man zunächst erwartet.“

Matthias Funke: „Darüber hinaus ist uns noch ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang wichtig. Nachhaltiges und generationengerechtes Handeln ist bei uns kein Top-down-Thema. Dieser Ansatz wird von unseren Mitarbeitenden einerseits mitgetragen, andererseits aber auch im Arbeitsalltag immer wieder konstruktiv hinterfragt. Dieses gemeinsame Bewusstsein, Ressourcen, Prozesse und Entscheidungen kritisch zu prüfen, verstehen wir als wesentlichen Bestandteil unserer Unternehmenskultur – und als unseren Beitrag zu einer verantwortungsvollen Zukunftsgestaltung über Generationen hinweg.“

Aber bleibt man konkurrenzfähig, wenn man auf regionale Produkte zurückgreift?

Christian Funke: „Ja, man kann auch mit regionalen Produkten konkurrenzfähig bleiben, allerdings nicht ohne Abwägung. Die Frage nach regionaler Beschaffung ist immer eine Frage der Stückzahlen und der Gesamtbetrachtung. Bei kleineren und mittleren Volumina stellt sich sehr konkret die Frage, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, Materialien über große Distanzen – etwa aus Asien – zu beziehen, wenn vergleichbare Produkte regional oder zumindest europäisch verfügbar sind. Transportwege verursachen Kosten, binden Zeit und erhöhen Risiken in der Lieferkette. Ab einem bestimmten Volumen können sich globale Beschaffungsmodelle zwar preislich rechnen, sie zahlen jedoch nicht auf Nachhaltigkeitsaspekte ein.“

Matthias Funke: „Und natürlich stehen wir als größeres Unternehmen grundsätzlich immer unter Preisdruck. Dies gilt für den Einkauf genauso wie für den Verkauf und für die Produktion. Gleichzeitig ist es unsere unternehmerische Verantwortung, diese Zielkonflikte bewusst zu steuern. Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und eine verlässliche Rohstoffverfügbarkeit müssen in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden.“

Das HS®-Kanalrohrsystem ist eine wesentliche Säule der Funke Entwicklungsarbeit. Wie würden Sie den besonderen USP dieses Produktes beschreiben?

Matthias Funke: „Der besondere USP des HS®-Kanalrohrsystems liegt in der einzigartigen Verbindung aus einer konsequenten Innovationsorientierung, technischer Zuverlässigkeit und umfassender Systemkompetenz – und das bereits seit über 30 Jahren. Seit seiner Markteinführung prägt das HS®-System den modernen Kanalbau durch wandverstärkte Vollwandrohre aus PVC-U nach DIN EN 1401-1 mit erhöhten Ringsteifigkeiten von SN 12 und SN 16. Es deckt alle Anwendungen von der Grundstücksentwässerung bis zur Erschließung großer Neubaugebiete ab und bietet Lösungen für Nennweiten von DN/OD 110 bis 800. Montagefreundliche, dichte Verbindungstechniken, klare Systemlogik und die farbliche Trennung von Schmutz- und Regenwasser sorgen für hohe Sicherheit und Effizienz auf der Baustelle. Entscheidend ist jedoch der ganzheitliche Systemgedanke. Ein kontinuierlich wachsendes Sortiment rund um Rohre, Schächte und Anschlüsse bietet Planern und Anwendern abgestimmte Komplettlösungen. Ergänzt wird dies durch eine klare Nachhaltigkeitsstrategie, CO₂-reduzierte Produktlinien und den verantwortungsvollen Einsatz von Rezyklaten. Damit steht das HS®-Kanalrohrsystem für zukunftssichere Qualität im Tiefbau.“

Kann man das HS®-Kanalrohrsystem vor diesem Hintergrund als Keimzelle des unternehmerischen Erfolges von Funke werten?

Christian Funke: „Ja, mit der Einführung des HS®-Kanalrohrsystems hat sich vieles grundlegend geändert. Die maßgeblichen unternehmerischen Leitgedanken waren zwar bereits vorhanden, doch mit dem Aufbau des Standorts Hamm und der Inbetriebnahme der ersten Extrusionslinien um das Jahr 2000 wurden diese erstmals in eine industrielle Struktur überführt. Davor – von den frühen 1960er-Jahren bis in die 1990er hinein – war das Unternehmen konsequent auf die Massenproduktion von Kunststoffrohren ausgerichtet. Der Fokus lag auf Effizienz, Stückzahlen und Standardprodukten. Diese industrielle Basis war wichtig, stieß jedoch mit zunehmender Marktdifferenzierung an ihre Grenzen. Der entscheidende Paradigmenwechsel bestand sodann darin, den reinen Mengenansatz zu verlassen und Flexibilität sowie Systemdenken in den Mittelpunkt zu stellen. Wir begannen, den Markt ganzheitlicher zu betrachten und uns gezielt mit den realen Einbausituationen auseinanderzusetzen.“

Matthias Funke: „Das HS®-Kanalrohrsystem zahlte somit von Beginn an auf diese veränderte Marktansprache ein. Es vereinte industrielle Effizienz mit technischer Systematik und klar definierten Qualitätsstandards. Damit entstand nicht nur ein erfolgreiches Produkt, sondern zugleich die Grundlage für hohe Prozesssicherheit, wirtschaftliche Fertigung und einen konsequent umgesetzten Systemgedanken. Die dann folgende Erweiterung des Portfolios – etwa durch Hausanschlussleitungen und passende Übergangslösungen zum Sammler – markierte für uns dann endgültig den Wandel vom reinen Rohrproduzenten zum Lösungsanbieter. Auch in weiteren Bereichen wie beispielsweise Regenwasserbewirtschaftung oder Baumversorgung. Dieser Perspektivwechsel hat maßgeblich zur nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit und zur positiven Weiterentwicklung des Unternehmens beigetragen.“

Gab es schwierige Phasen und Herausforderungen, die es zu meistern galt?

Christian Funke: „Ja, die gab es durchaus. Entscheidend ist jedoch, dass wir daraus gelernt haben. Ein prägnantes Beispiel ist das Thema Formteile. In der Anfangsphase wurden Formteile zunächst lediglich farblich an das System angepasst, technisch entsprachen sie jedoch noch dünnwandigen Ausführungen. Die Folge waren Reklamationen durch gebrochene oder gerissene Bauteile. Diese Rückmeldungen aus der Praxis waren ein wichtiger Wendepunkt. Anfang der 2000er-Jahre wurde daraufhin mit der vollständigen Umstellung des Formteilprogramms auf SDR 34 eine konsequente Entscheidung getroffen. Das war ein erheblicher Investitionsaufwand – sowohl in Werkzeuge als auch in Prozesse – den in dieser Konsequenz kein anderer Marktteilnehmer gegangen ist. Diese Entscheidung wurde vom Markt wahrgenommen und langfristig honoriert. Auch wenn sich der Erfolg nicht isoliert in Stückzahlen messen lässt, sind wir überzeugt, dass die höhere Systemqualität ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Etablierung des HS®-Kanalrohrsystems war. Dass zahlreiche Kommunen und Auftraggeber diesen Weg seit mehr als zwei Jahrzehnten mit uns gemeinsam gehen, verstehen wir als klare Bestätigung dieses Lernprozesses und als Ausdruck nachhaltigen Vertrauens.“

Das Produkt HS®-Kanalrohrsystem steht auch beispielhaft für den Umgang mit dem wichtigen Thema Nachhaltigkeit. Was versteht man bei Funke Kunststoffe darunter?

Dr. Tobias Westhues: „Nachhaltigkeit verstehen wir bei Funke ganzheitlich und faktenbasiert. Ausgangspunkt war eine detaillierte Analyse des Produktfußabdrucks unseres HS®-Kanalrohrsystems. Dabei haben wir uns bewusst auf die Lebenszyklusphasen A1 bis A3 („cradle to gate“) konzentriert – also bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Produkt unser Werk verlässt. Diese Analyse hat sehr deutlich gezeigt, dass rund 90 Prozent des CO₂-Fußabdrucks eines Rohres auf den eingesetzten Werkstoff zurückzuführen sind. Wenn man also wirklich eine relevante Reduktion erreichen will, muss man beim Material ansetzen.

Parallel dazu haben wir auch unseren Unternehmensfußabdruck betrachtet. Hier besteht eine direkte Verbindung: Je mehr Kunststoffprodukte wir herstellen und verkaufen, desto größer ist zwangsläufig auch der Impact auf Unternehmensebene. Die Reduktion des Materialfußabdrucks wirkt sich somit doppelt positiv aus, also auf das einzelne Produkt ebenso wie auf den gesamten Unternehmensfußabdruck. Diese Synergie war für uns ein wichtiger Treiber. Vor diesem Hintergrund war unser Anspruch, das etablierte HS®-Kanalrohrsystem weiterhin in der bekannten Qualität anzubieten und gleichzeitig nachhaltigere Alternativen für Kunden zu schaffen, die bereits heute bewusstere Entscheidungen treffen möchten. Daraus sind zwei ergänzende Ansätze entstanden.“

Würden Sie uns diese nachhaltigeren Alternativen einmal näher erläutern?

Dr. Tobias Westhues: „Ja selbstverständlich. Hier geht es um unsere beiden noch klimafreundlicheren Produktreihen Funke Pipe2Pipe® und Funke Plant2Pipe®. Bei Funke Plant2Pipe® mit bio-attributed PVC-U handelt es sich um eine sogenannte Drop-in-Lösung: Die chemische Struktur und die Verarbeitung des Kunststoffs bleiben identisch, jedoch wird der fossile Kohlenstoff durch biogenen Kohlenstoff aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzt. Der entscheidende Vorteil besteht darin, dass kein neuer fossiler Kohlenstoff in den Kreislauf eingebracht wird. Dadurch lässt sich der CO₂-Fußabdruck des Produkts deutlich reduzieren, ohne Kompromisse bei Qualität, Normerfüllung oder Verarbeitung einzugehen. Darüber hinaus treiben wir mit Funke Pipe2Pipe® gezielt die Kreislaufwirtschaft voran. Hier setzen wir einen deutlich erhöhten Rezyklatanteil ein, um Rückläufer und Altmaterial wieder in den Wertstoffkreislauf zu integrieren. Während die geltende Norm DIN EN 1401 einen Rezyklatanteil von bis zu 20 Prozent vorsieht, gehen wir bewusst darüber hinaus und erreichen einen Anteil von rund 50 Prozent. Das liegt außerhalb der Norm, ist aber aus unserer Sicht notwendig, um echte Fortschritte zu erzielen. Entscheidend ist: Dieser erhöhte Rezyklatanteil hat keinerlei negativen Einfluss auf die Rohrqualität. Die Produkte unterliegen denselben strengen Prüf- und Überwachungsprozessen wie alle anderen HS®-Rohre und erfüllen die geforderten mechanischen Kennwerte vollständig.“

Wie wird das vom Markt aufgenommen?

Dr. Tobias Westhues: „Der Markt reagiert auf das Thema Nachhaltigkeit grundsätzlich positiv. Natürlich gibt es nach wie vor Vorbehalte gegenüber Rezyklaten, die häufig mit einer vermeintlich geringeren Qualität gleichgesetzt werden. Diese Sichtweise halten wir für überholt. Rohstoffe sind endlich, und ohne eine konsequente Rückführung in den Kreislauf wird nachhaltiges Wirtschaften langfristig nicht möglich sein. Gerade langlebige Produkte wie Kunststoffrohre eignen sich hervorragend für das werkstoffliche Recycling, da sie aus einem homogenen Material bestehen, gut aufbereitet und erneut verarbeitet werden können. Im Gegensatz zu komplexen Mehrschichtmaterialien – etwa aus dem Verpackungsbereich – ist hier eine hochwertige Wiederverwertung sehr gut realisierbar. Nachhaltigkeit bedeutet für uns daher nicht Verzicht, sondern intelligente Materialentscheidungen, die ökologische Verantwortung mit technischer Leistungsfähigkeit und langfristiger Versorgungssicherheit verbinden.“

Die technische Betrachtung ist ein Aspekt. Aber wie sieht es mit der wirtschaftlichen Einordnung solcher Systemlösungen aus?

Christian Funke: „Das ist leider genau der Punkt. Zwar bekennen sich viele Marktteilnehmer, ob Kommunen, Ingenieurbüros oder private Akteure, zu nachhaltigen Lösungen. Dieses Bekenntnis stößt jedoch auch sehr schnell an seine Grenzen, sobald Nachhaltigkeit mit höheren Kosten verbunden ist. Gerade in unserem Segment ist die Ausgangslage anspruchsvoll: Unsere Rohre sind in der Beschaffung nicht die günstigsten, gleichwohl aber mit Blick auf den Werkstoff, die Qualität und die Lebensdauer nach unserer Einschätzung äußerst langlebig und damit wirtschaftlich. Wenn wir nun aber noch zusätzlich nachhaltige Konzepte wie Funke Pipe2Pipe® oder Funke Plant2Pipe® umsetzen, erhöht sich der Preis initial nochmals gegenüber einem klassischen HS®-Rohr. An diesem Punkt erleben wir dann häufig, dass Kunden abspringen. Das zeigt sehr deutlich die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Nachhaltigkeit und der tatsächlichen Zahlungsbereitschaft. Solange keine verbindlichen gesetzlichen Vorgaben existieren, bleibt das System stark preisgetrieben. In Ausschreibungen entscheidet am Ende häufig der niedrigste Preis, selbst wenn dafür Produkte mit einem deutlich schlechteren ökologischen Fußabdruck gewählt werden. Das ist kein individuelles Fehlverhalten, sondern systemimmanent.“

Wie kann man diese offenkundig nicht mehr zeitgemäße Systemlogik aufbrechen?

Matthias Funke: „Was aus unserer Sicht fehlt, sind klare regulatorische Rahmenbedingungen. Kommunen und öffentliche Auftraggeber müssten stärker verpflichtet werden, nachhaltige Lösungen zu berücksichtigen – auch wenn diese initial teurer sind. Darüber hinaus wäre eine angepasste Bewertungslogik sinnvoll: Der Nachhaltigkeitsaspekt sollte wie eine Art Gutschrift behandelt werden. Produkte mit einem schlechteren CO₂-Fußabdruck „erkaufen“ sich heute ihren günstigeren Preis durch eine höhere Umweltbelastung. Umgekehrt müssen Produkte mit geringerer Umweltwirkung, aber höheren Kosten, in der Gesamtbewertung kompensiert werden. Nur wenn Nachhaltigkeit verbindlich bewertet und wirtschaftlich ausgeglichen wird, kann sich der Markt dauerhaft in Richtung nachhaltigerer Produkte bewegen – weg von reinen Lippenbekenntnissen hin zu echten Entscheidungen.“


Quelle: Funke Kunststoffe GmbH

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Baden-Württemberg stärkt Hochwasserschutz und Klimaanpassung

25. Juni 2026 um 13:41

Das Frühjahr 2026 hat in Baden-Württemberg Rekorde gebrochen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) waren die Monate Januar bis Mai nicht nur außergewöhnlich mild, sondern auch außergewöhnlich trocken. Mit nur knapp der Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge fiel deutlich weniger Regen als in einem durchschnittlichen Frühjahr.

Klimawandel erhöht Risiko von Starkregen und Hochwasser

Gleichzeitig prognostizieren aktuelle Klimamodelle neben längeren Trockenphasen auch intensivere Niederschlagsereignisse. Demnach könnten Extremniederschläge, die Hochwasser und Starkregenschäden verursachen, bis zum Ende des 21. Jahrhunderts etwa zwei- bis dreimal häufiger auftreten als noch gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Über die Vorbereitungen des Landes auf diese Entwicklungen informierte Umweltministerin Thekla Walker am 9. Juni das Kabinett.

„Der Klimawandel ist längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern nicht erst seit der aktuellen Niedrigwassersituation am Bodensee oder der Sturzflut von Braunsbach vor ziemlich genau zehn Jahren schonungslose Realität. Die Folgen solcher Ereignisse können verheerend sein: Schäden in Millionenhöhe, menschliches Leid und starke Beeinträchtigungen der Umwelt. Als Landesregierung haben wir das Wassermanagement fest im Blick und sind aktiv. Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, dass der Hochwasserschutz Vorrang haben muss, insbesondere dort, wo Leib und Leben in Gefahr sind und große Sach- und Vermögensschäden drohen“, so Ministerpräsident Cem Özdemir im Anschluss an die Sitzung des Ministerrats.

Investitionen in Prävention und Infrastruktur

Umweltministerin Thekla Walker betonte die Bedeutung einer vorausschauenden Anpassung an die Folgen der Erderwärmung: „Wir wollen die Anpassung an die nicht mehr zu vermeidende Erderwärmung nutzen, um die Lebensqualität zu verbessern. Mehr Grün und Wasser in den Orten erhöht diese genauso wie die Renaturierung von Gewässern und die Schaffung von Auenlandschaften für den Hochwasserschutz. Um Schäden für Mensch und Umwelt so gering wie möglich zu halten, investieren wir daher in Infrastruktur und Prävention.“

Ein Schwerpunkt der Landesstrategie liegt auf der Trinkwasserversorgung. Auf Grundlage des Masterplans Wasserversorgung soll eine Strategie für die Wasserversorgung 2050 entwickelt und schrittweise umgesetzt werden. Für Maßnahmen der Wasserversorgung stellt das Land im Jahr 2026 rund 88 Millionen Euro bereit. Zudem wurde im Koalitionsvertrag das Ziel festgeschrieben, dass künftig jede Kommune ihren Wasserbedarf im Krisenfall vollständig über eine alternative Wasserversorgung decken kann.

Investitionen in Hochwasser- und Starkregenvorsorge

Für Hochwasserschutzmaßnahmen an den Landesgewässern plant Baden-Württemberg jährlich rund 80 Millionen Euro ein. Darüber hinaus standen in der aktuellen Förderperiode etwa 70 Millionen Euro für kommunale Hochwasserschutzmaßnahmen zur Verfügung. Weitere 32 Millionen Euro wurden bislang bereitgestellt, damit Kommunen Konzepte für das Starkregenrisikomanagement entwickeln können. Mehr als die Hälfte der Städte und Gemeinden im Land verfügt bereits über ein entsprechendes Konzept oder arbeitet derzeit daran.

Hochwasservorhersage mit digitalen Technologien

Die Hochwasservorhersage-Zentrale (HVZ) der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) stellt im Ereignisfall viertelstündlich aktuelle Messwerte und stündlich aktualisierte Hochwasservorhersagen für 120 Vorhersagepegel bereit. Grundlage sind die Daten von mehr als 300 Pegeln. Künftig sollen neue Ansätze im Bereich der Künstlichen Intelligenz genutzt werden, um auf Basis von Hochwassergefahrenkarten die voraussichtlichen Überflutungsflächen – insbesondere in Siedlungsgebieten – vorherzusagen. Ergänzend bietet die HVZ eine Hochwasserwarnkarte für Flusseinzugsgebiete und Flussabschnitte an, sodass auch Kommunen ohne Landespegel oder an kleineren Gewässern frühzeitig gewarnt werden können.

Informationen zu Dürre- und Niedrigwasserrisiken

Seit Januar 2024 unterstützt das Niedrigwasser-Informationszentrum (NIZ) der LUBW Kommunen bei der Einschätzung von Dürre- und Niedrigwasserrisiken. Dafür stellt es aktuelle Daten zu Abflussmengen, Wassertemperaturen, Grundwasserständen, Niederschlägen und Lufttemperaturen bereit. Die Informationen ermöglichen es Stadt- und Landkreisen, die jeweilige Situation frühzeitig zu bewerten und erforderliche Maßnahmen, etwa Einschränkungen des Gemeingebrauchs an Oberflächengewässern, rechtzeitig vorzubereiten.

Förderung von Schwammstadt-Maßnahmen

Seit 2025 können Kommunen zudem Mittel aus dem Förderprogramm KLIMOPASS beantragen. Damit lassen sich Maßnahmen der Landesstrategie Urbanes Wasserressourcenmanagement umsetzen. Dazu gehören beispielsweise Dach- und Fassadenbegrünungen, Entsiegelungen, Tiefbeete, Baumpflanzungen und Baumerhaltungsmaßnahmen in Verbindung mit Bewässerungsanlagen, Regenwasserzuleitungen oder Zisternen.

Pilotregionen für mehr Wasserrückhalt

Um den Wasserrückhalt in der Fläche zu stärken, sollen künftig Pilotregionen eingerichtet werden. Ziel ist es, die natürlichen Speicherfähigkeiten der Landschaft zu verbessern. In einer Modellregion im Kraichgau wird derzeit untersucht, wie Wasser durch eine angepasste Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen besser in der Landschaft gehalten werden kann.


Quelle: Land rüstet sich für Extremwasserereignisse: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

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