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Nährstoffbilanzierung bleibt aus Sicht der Wasserwirtschaft unverzichtbar

22. Mai 2026 um 09:25

Anlässlich der Verhandlungen zur Novellierung des Düngegesetzes im Agrarausschuss des Bundesrates hat Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser Martin Weyand die Bedeutung einer verbindlichen betrieblichen Nährstoffbilanzierung betont. Aus Sicht der Wasserwirtschaft sei sie weiterhin notwendig, um Stickstoffüberschüsse verursachergerecht zu erfassen und gezielt zu reduzieren.

Wirkungsmonitoring ersetzt keine flächendeckende Bilanzierung

Das geplante Wirkungsmonitoring umfasse zwar zusätzliche Datenzugänge, Modellregionen und Auswertungen, könne jedoch keine systematische und flächendeckende Erfassung der Nährstoffflüsse ersetzen. Ohne einen Ersatz der bisherigen Stoffstrombilanz durch ein vergleichbares verbindliches Instrument würden die Anforderungen an eine nachvollziehbare Nährstoffbilanzierung nicht erfüllt.

Mit Blick auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sei nun eine rechtssichere und zugleich praxistaugliche Umsetzung der Vorgaben erforderlich. Nach Ansicht der Wasserwirtschaft braucht es zeitnah klare Lösungen für die bestehende Rechtslage, insbesondere im Zusammenhang mit den sogenannten roten Gebieten. Die rechtssichere Ausweisung dieser Gebiete im Sinne der europäischen Nitratrichtlinie sei dringend notwendig.

Warnung vor Folgen bei unzureichender Umsetzung

Nach Einschätzung des Verbandes könnten bei einer unzureichenden Umsetzung der Nitratrichtlinie nicht nur die Nitratbelastungen weiter bestehen bleiben. Zudem drohe eine Wiederaufnahme des Vertragsverletzungsverfahrens durch die EU-Kommission. Offen sei außerdem weiterhin, wie ein wirksames nationales Nitrat-Aktionsprogramm umgesetzt werden solle. Erfolgreich könne ein solches Programm nur sein, wenn damit eine tatsächliche Verringerung der Nitrateinträge erreicht werde.


Quelle: Bdew

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Nachruf: Berthold Bleser mit 69 Jahren verstorben

21. Mai 2026 um 14:58

Mit Berthold Bleser verliert die SITW eine Persönlichkeit, die den Verband über viele Jahre hinweg maßgeblich geprägt hat. Von September 2015 bis Oktober 2023 stand er der Fachvereinigung als 1. Vorsitzender vor und setzte sich mit großem persönlichem Engagement, hoher fachlicher Kompetenz und klarer Haltung für die Weiterentwicklung, Öffnung und stärkere Wahrnehmung der SITW innerhalb der Branche ein. Er gestaltete die konstruktive Arbeit in zahlreichen Gremien aktiv mit und trug mit seinem Sachverstand, seiner Verlässlichkeit und seiner integrativen Persönlichkeit wesentlich zur positiven Entwicklung des Verbandes bei.

Einsatz für Qualität und technische Standards

Sein Ziel war es stets, den Stellenwert der qualitätsgesicherten Instandsetzung von Trinkwasserbehältern zu stärken und das Bewusstsein für die hohen technischen und hygienischen Anforderungen in diesem sensiblen Bereich der Wasserversorgung weiter zu schärfen.

Seine hohe fachliche Expertise gründete dabei auch auf seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Geschäftsführer der GFB Gesellschaft für Bauwerksanierung und Instandsetzung mbH. Die Entwicklung dieses Unternehmens zu einem anerkannten Spezialunternehmen der Bauwerkssanierung gestaltete er maßgeblich mit. Während seiner Amtszeit entwickelte sich die SITW zu einer anerkannten Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Planung und ausführenden Unternehmen. Berthold Bleser war überzeugt davon, dass der langfristige Schutz und die sachgerechte Instandsetzung von Trinkwasserbehältern nur durch fundiertes Fachwissen, hohe Qualitätsstandards und die konsequente Anwendung anerkannter Regeln der Technik gewährleistet werden können. Diese Überzeugung prägte sein Wirken im Verband nachhaltig.

Fachlicher Austausch im Mittelpunkt

Die Förderung qualifizierter Ausführung, die Bedeutung von Hygieneanforderungen sowie die Zertifizierung nach den Vorgaben des DVGW waren ihm daher ein besonderes Anliegen. Mit seinem Wirken trug er maßgeblich dazu bei, die hohe Qualität der Trinkwasserversorgung in Deutschland dauerhaft zu sichern.

Die Mitglieder der SITW schätzten Berthold Bleser nicht nur als erfahrenen Fachmann und verlässlichen Vorsitzenden, sondern ebenso als integrative und menschlich zugewandte Persönlichkeit. Mit seiner ruhigen Art, seiner Verlässlichkeit und seinem hohen Anspruch an Qualität und Verantwortung war er für viele ein geschätzter Wegbegleiter und Impulsgeber.

Würdigung eines prägenden Wegbegleiters

Die SITW wird Berthold Bleser ein ehrendes Andenken bewahren. Sein Engagement für die Fachvereinigung, für Qualität in der Trinkwasserversorgung und für den offenen fachlichen Austausch innerhalb der Branche bleibt auch künftig Maßstab und Verpflichtung zugleich.


Quelle: SITW

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Bau der Klärschlammverwertungsanlage in Hürth schreitet voran

21. Mai 2026 um 12:57

Die Arbeiten an der Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage der Klärschlamm-Verwertung Rheinland GmbH (KVR) in Hürth-Knapsack schreiten weiter voran. Der Massivbau der Ofenhalle ist inzwischen abgeschlossen, gleichzeitig hat der Ausbau der technischen Anlagen begonnen. Bereits montiert wurden erste Bauteile des Ofens für die Wirbelschichtverbrennung sowie Komponenten des Kessels.

Bei einer Baustellenbesichtigung am 19. Mai 2026 informierten sich Vertreterinnen und Vertreter der Aufsichtsgremien und Vorstände von Erftverband, Wasserverband Eifel-Rur (WVER) und RWE Power gemeinsam mit Hürths Bürgermeister Dirk Breuer über den aktuellen Stand des Projekts. Die drei Partner hatten 2024 das Tochterunternehmen KVR gegründet, um die Anlage gemeinsam zu errichten und künftig zu betreiben.

„Die Arbeiten gehen sichtbar voran und wir sind auf Kurs. Die Fertigstellung der Anlage ist für das Jahr 2028 vorgesehen“, betonten die KVR-Geschäftsführer Stefan Ruchay und Peter Lindemann während des Termins.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der drei Partner in der KVR GmbH, die mit dem Projekt befasst sind.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der drei Partner in der KVR GmbH, die mit dem Projekt befasst sind. Quelle:KVR GmbH

 

Langfristige Entsorgungslösung für Klärschlamm

Mit dem Projekt wollen der Erftverband und der Wasserverband Eifel-Rur die Entsorgung ihrer Klärschlämme langfristig absichern. Ab 2029 sollen jährlich bis zu 148.000 Tonnen entwässerter Klärschlamm aus den Kläranlagen der beiden Wasserverbände nach Hürth-Knapsack geliefert werden. RWE Power übernimmt zusätzlich die Logistik für weitere Mengen bis zur Gesamtkapazität der Anlage von 180.000 Tonnen.

Der Klärschlamm wird dort künftig thermisch verwertet. Die Monoverbrennung gilt zugleich als wichtige Voraussetzung für die ab 2029 gesetzlich vorgeschriebene Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm.

Erftverbandsvorstand Prof. Heinrich Schäfer erklärte dazu: „Eine nachhaltige Wasserwirtschaft braucht verlässliche Entsorgung und Ressourcenschonung. Die Monoverbrennung schafft die Voraussetzung, Phosphor ab 2029 gezielt zurückzugewinnen – ein wichtiger Schritt im Interesse unserer Verbandsmitglieder.“

Weitere Anlagenteile sollen 2026 folgen

Im weiteren Verlauf des Jahres sind zusätzliche Baufortschritte vorgesehen. Bis zum Sommer soll der Klärschlammbunker fertiggestellt werden, der als Zwischenspeicher vor der eigentlichen Verbrennungsanlage dient. Für den Herbst ist der Einhub der beiden Trockner geplant. Diese senken den Wassergehalt des mechanisch entwässerten Klärschlamms auf rund 60 Prozent und gehören gemeinsam mit Ofen und Dampferzeuger zu den zentralen Komponenten der Anlage.

WVER-Vorstand Joachim Reichert betonte: „Mit der gemeinsamen Anlage setzen wir die Vorgaben der Klärschlammverordnung um und schaffen Planungssicherheit. Das Projekt verbindet Umweltziele mit einer langfristig wirtschaftlichen Lösung für die Menschen in der Region.“

Auch RWE Power sieht in dem Vorhaben einen wichtigen Baustein für die zukünftige Entwicklung des Standorts Knapsack.

Dr. Lars Kulik, Vorstandsmitglied von RWE Power, sagte: „Der Bau der neuen Anlagen und die Partnerschaft mit den Wasserverbänden sind wichtige Schritte für die Zukunft des Knapsacker Hügels nach dem Kohleausstieg. Künftig wird der Schwerpunkt auf Kreislaufwirtschaft, Entsorgungssicherheit und nachhaltiger Energieerzeugung liegen.“


Quelle:KVR GmbH

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25 Jahre sichere Trinkwasserversorgung an der Ruhr

21. Mai 2026 um 08:19

Strukturwandel als Ausgangspunkt

Die Wasserwerke Westfalen GmbH (WWW) wurde im Jahr 2001 von der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21) und der Gelsenwasser AG gegründet. Hintergrund war der deutlich gesunkene Wasserverbrauch im Ruhrgebiet infolge des Strukturwandels. Durch die Schließung vieler Betriebe aus Kohle-, Stahl- und Brauindustrie entstanden Überkapazitäten in den bestehenden Wasserwerken. Ziel der neuen Gesellschaft war es deshalb, die Trinkwasserproduktion effizienter zu organisieren und die vorhandenen Anlagen besser auszulasten.

Zum Start wurden acht Wasserwerke und rund 175 Mitarbeitende in der neuen Gesellschaft zusammengeführt. Aufgabe der WWW ist seitdem die Gewinnung, Aufbereitung und Förderung von Trinkwasser für die Gesellschafter. Im Laufe der Jahre wurde die Anzahl der Wasserwerke schrittweise reduziert. Mit der Stilllegung des Werks Villigst Ende vergangenen Jahres ist dieses Ziel nun erreicht. Heute sichern fünf modernisierte Wasserwerke mit weitergehender Aufbereitungstechnik die Versorgung großer Teile Westfalens.

Fokus auf Klimawandel und Versorgungssicherheit

Der Klimawandel gehört zu den zentralen Herausforderungen für die WWW. Besonders die trockenen und heißen Jahre zwischen 2018 und 2020 machten deutlich, dass neue Strategien für Niedrigwasserphasen notwendig sind. Gemeinsam mit weiteren Wasserwerken entlang der Ruhr setzte sich die WWW deshalb für eine Anpassung der gesetzlichen Regelungen zur Wasserbewirtschaftung ein. Seit 2025 kann der Ruhrverband flexibler auf Trockenperioden reagieren und die Wasserabgabe aus den Talsperren vorausschauender steuern.

Gleichzeitig rückte auch das Thema Hochwasserschutz stärker in den Fokus. Das Jahrhunderthochwasser im Sommer 2021 verursachte erhebliche Schäden an Wassergewinnungsanlagen und Wehren entlang der Ruhr. Trotz der extremen Wetterlage blieb die Trinkwasserversorgung jederzeit stabil. Seitdem investiert die WWW verstärkt in die Anpassung der Infrastruktur an höhere Pegelstände und häufigere Extremwetterereignisse.

Ausbau regenerativer Energien

Neben der Trinkwasserproduktion setzt die WWW zunehmend auf regenerative Energiegewinnung. Bereits heute erzeugt das Unternehmen mit Wasserkraft-, Photovoltaik- und Windkraftanlagen einen großen Teil des benötigten Stroms selbst. Neue Photovoltaikanlagen auf den Dächern der weitergehenden Aufbereitungsanlagen sowie zusätzliche Freiflächenanlagen sollen die Eigenstromversorgung weiter erhöhen.

Ergänzend dazu bezieht die WWW seit Anfang des Jahres zusätzlichen Grünstrom aus regionalen Windkraftanlagen über sogenannte Power-Purchase-Verträge. Die Nutzung regenerativer Energien verbessert nicht nur die CO₂-Bilanz der Trinkwasserproduktion, sondern stärkt auch die Versorgungssicherheit bei möglichen Stromausfällen. Wie wichtig diese Maßnahmen sind, zeigte sich zuletzt im Wasserwerk Echthausen, das mehrere längere Stromausfälle ohne Einschränkungen der Versorgung überbrücken konnte.

Zukunftssichere Infrastruktur und resiliente Systeme

Neben technischen Investitionen spielen auch Digitalisierung, Sicherheitsmaßnahmen und Personalentwicklung eine wichtige Rolle für die Zukunft des Unternehmens. Dazu gehören unter anderem Schutzmaßnahmen gegen Cyberangriffe, moderne Sicherheitskonzepte für die Anlagen sowie die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeitenden.

Darüber hinaus arbeitet die WWW gemeinsam mit ihren Gesellschaftern am weiteren Ausbau regionaler Versorgungsverbünde. Ziel ist es, die Trinkwasserversorgung langfristig zuverlässig, effizient und qualitativ hochwertig sicherzustellen – auch unter sich verändernden klimatischen und gesellschaftlichen Bedingungen.

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Neue KI soll Extremwetter besser vorhersagen

20. Mai 2026 um 07:41

Extreme Wetterereignisse wie Stürme oder Dürren entstehen durch komplexe Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Landoberfläche und Wasserkreislauf. Forschende aus dem ETH-Bereich haben nun ein neues KI-Modell entwickelt, das diese Zusammenhänge eigenständig analysieren kann. Das sogenannte Earth System Foundation Model (ESFM) verarbeitet dabei unterschiedlichste Umwelt- und Wetterdaten gemeinsam und kann sogar fehlende Informationen ergänzen. Ziel ist es, Wetter- und Klimaprozesse präziser zu verstehen und langfristig bessere Vorhersagen zu ermöglichen.

Supertaifun Doksuri als Praxistest

Die Folgen waren gravierend: In kürzester Zeit verstärkte sich der Tropensturm Doksuri im Juli 2023 zu einem Supertaifun. Aussergewöhnlich starke Winde rissen entlang der Küsten Chinas und der Philippinen Dächer von Häusern, entwurzelten Bäume, und sintflutartige Regenfälle überfluteten Strassen und Wohngebiete. Vielerorts kam das öffentliche Leben vorübergehend zum Erliegen.

Extreme Ereignisse wie der Supertaifun Doksuri sind für Wetter- und Klimamodelle besonders schwer vorherzusagen, da sie aus komplexen Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Landoberfläche und Wasserkreislauf entstehen. Forschende aus dem ETH-Bereich haben nun ein neues Modell der künstlichen Intelligenz (KI) vorgestellt, das genau diese Rückkopplungen selbstständig – und ohne menschliche Anleitung – erlernt hat und im Vergleich zu bisherigen KI-Modellen präziser versteht, wie Luft, Land und Wasser auf der Erde zusammenspielen.

Die Forschenden testeten ihr Modell am Beispiel des Supertaifuns Doksuri. Dieser war nicht Teil der Trainingsdaten. Dennoch sagte ESFM die Windstärke über mehrere Tage hinweg mit bemerkenswerter Genauigkeit voraus und bildete zugleich realistisch ab, wo sich der Sturm jeweils befand, wie schnell er sich bewegte und wie er sich räumlich ausdehnte. Dabei zeigte sich, wie gut das neue Modell sehr grosse, komplexe und heterogene Datensätze gemeinsam verarbeiten kann.

KI verknüpft Luft, Land und Wasser

Das neue Earth System Foundation Model (ESFM) behandelt atmosphärische und hydrologische, also wasserbezogene Prozesse nicht isoliert, sondern bildet sie als Teil des vernetzten Systems der Erde ab.

«Bisherige KI-Wettermodelle konzentrieren sich oft stark auf die Atmosphäre. Unser Modell dagegen verknüpft gezielt atmosphärische Wetterdaten mit hydrologischen und landbezogenen Daten. Auf dieser Grundlage erkennt die KI zentrale Muster, Trends und Zusammenhänge im Wettergeschehen auf der Erde – und erstellt darauf basierend Prognosen, selbst wenn wichtige Daten fehlen», erklärt Fanny Lehmann.

Sie ist Mathematikerin, ETH AI Center Postdoctoral Fellow und Mitglied des Teams, das das neue Modell entwickelt hat.

«Die eigentliche Stärke unseres Modells liegt darin, dass es die für das Wetter entscheidenden Wechselwirkungen aus verschiedenen Datenquellen erlernt. Dadurch kann das ESFM sehr unterschiedliche und schwer vergleichbare Datentypen zusammenführen und erstmals gemeinsam auswerten.»

Umgang mit unterschiedlichen und fehlenden Daten

Der integrative Ansatz des ESFM entspricht einem Bedarf in den Klima- und Umweltwissenschaften. In der Forschungspraxis sind Daten oft sehr unterschiedlich: Manche stammen aus Satellitenbildern, andere aus Wetterballons, Bodenstationen oder weiteren Sensoren. Entsprechend reichen sie von hochaufgelösten, kurzfristigen Messungen bis hin zu grossräumigen, langfristigen Beobachtungen. Auch die Datentypen unterscheiden sich stark: Während Satellitenbilder und Klimamodelle ihre Daten in Form grossflächiger Rasterkarten liefern, erfassen Bodenstationen oder Messbrunnen typische Grössen wie Temperatur, Luftdruck, Windgeschwindigkeit oder Wasserstand punktuell an bestimmten Orten und zu definierten Zeitpunkten.

Um diese unterschiedlichen Umweltdaten zusammenzuführen, verfolgt das ESFM einen integrativen, mehrstufigen Ansatz: Statt alle Daten von Beginn an in ein einheitliches Format zu zwingen, behandelt es sie zunächst je nach Typ getrennt – ob es Satelliten- oder Stationsdaten sind – und versieht sie mit Angaben dazu, wann und wo sie gemessen wurden. So lassen sich sehr unterschiedliche Daten in einem gemeinsamen räumlichen und zeitlichen Rahmen zusammenführen, ohne dass die datenspezifische Information dabei verloren geht. Auf dieser Grundlage erlernt das Modell die typischen, wiederkehrenden Prozessketten und die grundlegenden Wirkungszusammenhänge zwischen Land, Luft und Wasser.

Präzisere Vorhersagen trotz Datenlücken

«Frühere KI-Modelle für Wettervorhersagen wurden – anders als ESFM – oft nur mit einem einzelnen Datentyp oder wenigen, ähnlich aufgebauten Datensätzen trainiert», erklärt Firat Ozdemir, leitender Entwickler des ESFM-Teams und Senior Data Scientist am gemeinsamen Swiss Data Science Center von ETH Zürich und EPFL. «Sie verlieren oft an Leistungsfähigkeit, wenn sie mit sehr heterogenen oder unvollständigen Daten arbeiten müssen. ESFM hingegen integriert Daten aus mehreren Quellen und schliesst Datenlücken deutlich effizienter.»

«Das ESFM ist weder ein klassisches Klimamodell noch ein reines Wettervorhersage- oder spezielles Sturmwarnmodell, sondern es gehört zu einer eigenen Modellkategorie, die als flexible Basis für verschiedene Aufgaben in der Klima- und Wetterforschung dienen kann», sagt der Atmosphärenwissenschaftler Sebastian Schemm, Professor an der University of Cambridge und zuvor an der ETH Zürich. «Sein Vorteil liegt in einem erlernten Systemverständnis, dank dem es in vielen Fällen auch bei unvollständigen oder lückenhaften Daten plausible Vorhersagen liefern kann.»

Das ESFM hingegen ist nun gezielt darauf ausgelegt, mit fehlenden Daten umzugehen und unvollständige Beobachtungen intern zu rekonstruieren – etwa lückenhafte Satellitenbilder. Nach dem Training gelingt es dem Modell sogar selbst bei Satellitendaten, bei denen nur rund drei Prozent der Bildpunkte verfügbar sind, zuverlässige Vorhersagen zu liefern.

Die Forschenden, zu denen auch Benedikt Soja, Professor für Weltraumgeodäsie an der ETH Zürich, zählt, konnten sowohl für Wetterdaten aus Bodenstationen als auch für den langfristigen globalen ERA5-Datensatz zeigen, dass ihr Modell Datenlücken zuverlässig schliesst. Darauf aufbauend kann das Modell plausible Vorhersagen zum Wettergeschehen erstellen.

Flexible Einsatzmöglichkeiten des Modells

«Durch das Training mit sehr unterschiedlichen Datentypen erwerben Modelle wie das ESFM eine Art Grundwissen und können flexibel vielfältige Aufgaben lösen. In der KI-Forschung gelten sie daher als Basismodelle – oder auf Englisch: Foundation Models», sagt Torsten Hoefler, Informatikprofessor an der ETH Zürich, der am Supercomputing-Zentrum CSCS in Lugano federführend an neuen KI-Ansätzen mitwirkt.

Wie alle Basismodelle lässt sich das ESFM für verschiedene Aufgaben einsetzen und zudem gezielt an konkrete Anwendungen anpassen – in einem Prozess, der als Fine-Tuning bezeichnet wird. Das Team konnte zeigen, dass das ESFM grundlegende physikalische Gesetzmässigkeiten konsistent und zuverlässig anwendet – auch bei neuen Fällen oder Messgrössen, für die es nicht speziell trainiert wurde. Künftig können das ESFM oder gezielt feinjustierte Versionen somit zuverlässige Vorhersagen von Wetter- und Wasserprozessen liefern. «Wir wollen die Stärke des Modells für Bereiche wie Landwirtschaft, Biodiversität und Hydrologie erschliessen», sagt Mathieu Salzmann, Senior Scientist an der EPFL und stellvertretender Chief Data Scientist am Swiss Data Science Center (SDSC).

———————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————-Originalpublikation: Ozdemir F, Cheng Y, Mohebi S, Lehmann F, Adamov S, Trentini L, Huang L, Lingsch L, Zhang Z, Fuhrer O, Soja B, Mishra S, Hoefler T, Schemm S, Salzmann M: ESFM – A foundation model framework for heterogeneous data integration. EGU General Assembly 2026, Wien, 3. –8. Mai 2026, EGU26-18011. DOI: 10.5194/egusphere-egu26-18011

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Regen für die Wüste: Hohenheimer Forschung untersucht neue Ansätze

19. Mai 2026 um 07:31

 

Ausreichend große und clever angelegt Solarparks könnten das Wetter in küstennahen Wüstengebieten so beeinflussen, dass es regnet. Ein ähnlicher Effekt lässt sich voraussichtlich auch durch künstliche Dünen mit mehreren 100 Meter Höhe erreichen. So lauten die Einschätzung eines Forschungsteams der Universität Hohenheim. Ihre These wollen sie jetzt in der Wüste der arabischen Halbinsel erhärten. Geplant sind intensive 3-D-Wetter-Analysen und hochauflösende Computer-Simulation. Möglich macht dies ein hochdotierter Forschungspreis der Vereinigten Arabischen Emirate: Das sogenannte UAEREP-Programm schreibt jedes Jahr 5 Millionen US-Dollar aus, um internationale Spitzenforschung für verstärkten Regen in Wüsten und Halbwüsten zu verwirklichen. In diesem Jahr erhielten insgesamt drei Forschungsteams die Spitzenförderung – aus weltweit insgesamt 120 Einreichungen. Die Universität Hohenheim ist bereits zum zweiten Mal darunter.

Forschung zu Wetterprozessen in der Wüste

Das Wetter in Wüsten studieren sie bereits seit über zehn Jahren. Und auch mit den Wüsten der arabischen Halbinsel sind sie bereits gut vertraut: Dr. Oliver Branch und Prof. Dr. Volker Wulfmeyer von der Universität Hohenheim. Nun glauben die Erdsystem-Wissenschaftler, einen neuen Ansatz gefunden zu haben, um Regen in die Trockenregion zu bringen.

Die Forschung von Dr. Branch und seinem Team vom Institut für Physik und Meteorologie könnte dazu führen, das Landschaftsbild in küstennahen Wüstenregionen einmal radikal verändern. Ihre Vision: eine Kulturlandschaft, in der riesige Solarparks schwarz in der Sonne glitzern. Dazwischen bauen großflächige Felder mit Ölfrüchten wie Jojoba oder Jatropha neuen Boden auf. Aus dieser Ebene ragen pyramidenförmige Dünen auf – aufgeschüttet von Menschenhand und mehrere 100 Meter hoch.

Wie Solarparks Regen fördern könnten

In dieser Zukunft treibt ein Bruchteil des Solarstroms die Pumpen an, die die Pflanzungen mit Grundwasser aus Zisternen bewässern. Die Pflanzen kühlen die heiße Luft herunter, was den Wirkungsgrad der Solarmodule erhöht. Vom nahen Meer strömen Winde heran. Im Sommer bilden sich an günstigen Tagen Wolken, die sich mit Regen entladen. Den Effekt, den die Forscher nutzen wollen: Schon jetzt erwärmt sich die Luft über schwarzen Solarmodulen stärker als in der Umgebung. Vom Meer strömen feuchte Winde nach. Die warme Luft steigt auf und Turbulenz entsteht.

„Unser Kalkül: Sobald künftige Solarparks eine bestimmte Größe überschreiten, würden sie der warmen Luft genug Auftrieb geben, dass diese Atmosphärenschichten erreicht, in denen sich Wolken bilden können. Dort kondensierte das Wasser. Es entstehen Regen und Gewitter“, erklärt Dr. Branch.

Eine ähnliche Wirkung könnten auch große künstliche Dünen haben. „Aus der Forschung wissen wir, dass zum Beispiel Bergkuppen Windströmungen so umleiten, dass sie aufeinanderprallen, aufsteigen, Wolken formen und abregnen“, ergänzt der Institutsleiter, Prof. Dr. Volker Wulfmeyer.

Komplexe Analysen und Wettermodelle

So einfach die Theorie erscheinen mag, so komplex ist der Forschungsbedarf: „Die Grundprinzipien sind bekannt, für ein solches Projekt kommt es auf die Details an. Dazu müssen wir die Prozesse vor Ort ganz genau studieren“, so Dr. Branch.

Für diese Messungen setzt das Team der Universität Hohenheim auf Hochleistung-Lasersysteme, die sie neben bestehende Solarparks aufstellen: sogenannte LiDARs.

„Mit diesen LiDARs können wir die Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und Windbewegungen dreidimensional vermessen: vom Solarpark bis zur Küste und senkrecht hoch bis in die Luftschichten, in denen Wolken entstehen.“

Dabei hilft, dass in den Vereinigten Arabischen Emiraten bereits einige der größten Solaranlagen der Welt stehen. Darunter der Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solar Park nahe Dubai als weltgrößter Standort. Mit diesen Messdaten entwickelt die Arbeitsgruppe der Universität Hohenheim ein hochauflösendes Computermodell, das die Prozesse genau simuliert.

„Im ersten Schritt trainieren wir das Modell mit den Messdaten, bis es die realen Prozesse genau abbildet. In einem zweiten Schritt können wir dann Vorhersagen machen: Wie wirkt es sich aus, wenn wir den Solarpark vergrößern oder Form und Größe einer künstlichen Düne verändern? Auf diese Weise können wir dann den optimalen Standort, das optimale Ausmaß und passende Design von Solarparks und Kunstdünen ermitteln.“

Bis auf 100 Meter genau soll das Computermodell die Wettervorgänge darstellen. Möglich ist dies nur im Verbund mit den Hochleistungsrechnern „Hunter“ und „HoreKa“ an der Universität Stuttgart und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Forschungspreis und Herausforderungen vor Ort

Mit diesem Ansatz überzeugte der Wissenschaftler der Universität Hohenheim auch die Fachgremien des Research Programm für Rain Enhancement Sciences. In diesem Programm schreibt die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) jährlich weltweit 5 Millionen US-Dollar für internationale Spitzenforschung aus. Das Ziel sind wissenschaftlich fundierte Methoden, um die Regenbildung über Wüsten und Halbwüsten zu verstärken. Jedes Jahr sollen maximal fünf Forschungsprojekte für jeweils drei Jahre finanziert werden.

Verliehen wurde die Forschungsförderung in Form eines Preises bei einem Gala-Abend am 22. Januar in Abu Dhabi (VAE). Neben dem Projekt von Dr. Branch wurden noch je ein Team aus Österreich und aus den USA ausgezeichnet. Für Prof. Dr. Wulfmeyer war es bereits das zweite Mal, dass er sich bei diesem Event unter den Gästen befand: 2015 gehörte er selbst zu den ersten drei Preisträgern des Programms. Damals als junger Postdoc in seinem Team: Dr. Branch, der diesmal als Projektleiter geehrt wurde.

Auf ihre damaligen Arbeiten kann Dr. Branch nun zurückgreifen – und weiter in Richtung Praxisreife entwickeln.

Damals betraten die Meteorologen auch technisches Neuland in der Wüste: „Selbst in Europa müssen wir unsere Laser kühlen. Die Wüstentemperaturen waren für diese Klimaanlagen eine besondere Herausforderung, denn ohne zusätzliche Kühlung hätte es leicht passieren können, dass die Elektronik heiß läuft oder die Optik sich verbiegt“, so Prof. Dr. Wulfmeyer.

Ein weiteres Problem, das die Wissenschaftler im Auge behalten müssen: freilaufende Kamele.

„Wir wurden gewarnt, dass die Tiere nachts gern mal Kabel durchknabbern“, berichtet Dr. Branch.

Doch auch dafür werden er und sein Team noch eine Lösung finden.

Weitere Informationen

———————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————-Quelle: Strom & Regen: Solar-Parks und Kunst-Dünen sollen Regen in Wüsten auslösen

 

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Emschergenossenschaft investiert in Hochwasserschutz und Gewässerumbau

18. Mai 2026 um 10:46

Emscher-Gebiet. Hochwasserschutz, Klimafolgenanpassung und die ökologische Verbesserung der Gewässer gehören weiterhin zu den zentralen Aufgaben der Emschergenossenschaft. Bei einer Sitzung des Genossenschaftsrates in der Bochumer EBZ Business School informierte der Wasserwirtschaftsverband über den aktuellen Stand verschiedener Projekte in der Region. Insgesamt plant die Emschergenossenschaft jährliche Investitionen von rund 300 Millionen Euro.

„Ein wirksamer Hochwasserschutz ist für unsere Region von zentraler Bedeutung – er schützt Menschen, Infrastruktur und damit auch die Lebensqualität in der gesamten Region. Gerade in einer dicht besiedelten Industrieregion wie dem Emscher-Gebiet sind vorausschauende Maßnahmen dringend geboten, um ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Mit Blick auf die zunehmenden Extremwetterereignisse gewinnen Investitionen in den Hochwasserschutz und in die ökologische Verbesserung der Gewässer zusätzlich an Bedeutung“, sagt Dr. Frank Dudda, Vorsitzender des Genossenschaftsrates der Emschergenossenschaft und Oberbürgermeister der Stadt Herne.

Der Genossenschaftsrat der Emschergenossenschaft ist das Aufsichtsgremium des Wasserwirtschaftsverbandes. Die Mitglieder werden alle fünf Jahre demokratisch gewählt. Das Gremium setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedskommunen sowie weiterer institutioneller Mitglieder zusammen.

Deichertüchtigung entlang der Emscher

Mit dem Deichertüchtigungsprogramm hat die Emschergenossenschaft nach dem Emscher-Umbau ein weiteres langfristig angelegtes Infrastrukturprojekt gestartet. In Oberhausen-Eisenheim erfolgte in diesem Frühjahr der Baustart des ersten Bauabschnitts. Dieser gilt als Pilotprojekt für weitere Maßnahmen entlang der Emscher.

Auf Höhe des Gasometers wird der Deich derzeit auf einer Länge von 300 Metern saniert, um die Anlage langfristig widerstandsfähiger zu machen. Hintergrund der Maßnahmen sind unter anderem das zunehmende Alter der Emscher-Deiche sowie häufiger auftretende Extremwetterereignisse. Die Emschergenossenschaft berücksichtigt dabei einen Klimawandelfolgenzuschlag von 20 Zentimetern bei der Erhöhung der Anlagen. Die Arbeiten in Oberhausen-Eisenheim sollen voraussichtlich Ende 2027 abgeschlossen werden. Das Gesamtprojekt ist Teil der „Roadmap Krisenhochwasser“, mit der die Emschergenossenschaft und der Lippeverband den Hochwasserschutz in der Region weiter ausbauen wollen.

Renaturierung des Hörder Bachs

Auch die ökologische Verbesserung des Hörder Bachs in Dortmund-Hörde wird aktuell weiter vorangetrieben. Gemeinsam mit der Stadt Dortmund arbeitet die Emschergenossenschaft an der Umgestaltung des letzten rund 600 Meter langen Abschnitts. Dabei werden Betonsohlschalen zurückgebaut und naturnahe Uferbereiche geschaffen.

Neben dem Hörder Bach wird auch ein Abschnitt des städtischen Marksbachs in die Maßnahmen einbezogen. Beide Gewässer werden dadurch an das bereits renaturierte Emscher-System angebunden. Für die blaugrüne Bachrevitalisierung investieren die Emschergenossenschaft und die Stadt Dortmund insgesamt rund 850.000 Euro. 70 Prozent der Kosten übernimmt die Emschergenossenschaft, 30 Prozent entfallen auf die Stadt Dortmund. Zusätzlich werden Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Förderrichtlinie „Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie“ eingesetzt. Die Emschergenossenschaft erhält dabei eine Förderung von 70 Prozent ihres Anteils, die Stadt Dortmund eine Förderung von 80 Prozent.

Arbeiten an der Aspelflötte in Bottrop

In Bottrop laufen parallel die Arbeiten zur ökologischen Verbesserung der Aspelflötte. Das Projekt ist Teil des interkommunalen Stadtentwicklungsprojektes „Freiheit Emscher“. Auf einer Länge von rund 930 Metern werden bestehende Betonsohlschalen entfernt und das Gewässer naturnah umgestaltet. Zusätzlich wird die Aspelflötte auf weiteren rund 1265 Metern komplett neu angelegt und modelliert.

Insgesamt investiert die Emschergenossenschaft 24,1 Millionen Euro in das Vorhaben. Rund 16,3 Millionen Euro stammen aus Fördermitteln des Just Transition Fonds (JTF) des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union. Die Stadt Bottrop sowie die RAG beteiligen sich jeweils mit rund 2,7 Millionen Euro, die Emschergenossenschaft übernimmt rund 2,4 Millionen Euro. Die Emschergenossenschaft wurde am 14. Dezember 1899 gegründet und ist gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband heute Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Zu den Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens zählen die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung.

Bekanntestes Projekt war der Emscher-Umbau, der zwischen 1992 und 2021 umgesetzt wurde. Dabei entstanden 436 Kilometer neue unterirdische Abwasserkanäle und vier Großkläranlagen. Insgesamt werden rund 340 Kilometer Gewässer renaturiert. Darüber hinaus entstanden gemeinsam mit kommunalen Partnern mehr als 360 Kilometer Rad- und Fußwege entlang der Emscher und ihrer Nebenläufe.

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Quelle:EGLV

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„Der Mensch bleibt die letzte Entscheidungsinstanz“

13. Mai 2026 um 07:41

Herr Dr. Waider, 2016 sagten Sie in einem Interview mit uns, das Thema Digitalisierung sei in der klassischen Wasserwirtschaft noch nicht wirklich angekommen. Heute, zehn Jahre später, wirkt die Lage deutlich anders. Wie angekommen ist die Digitalisierung inzwischen – gerade vor dem Hintergrund von KI?

Digitalisierung ist in der Wasserwirtschaft heute eindeutig angekommen, aber anders, als man das aus klassischen Industrie-4.0-Umfeldern kennt. Bei uns verläuft diese Entwicklung eher evolutionär als disruptiv. Sie ist stark sicherheits-, prozessund gemeinwohlgetrieben. Das heißt: Es geht weniger um maximale Automatisierung oder Time-to-Market, sondern um Versorgungssicherheit, Resilienz und nachhaltige Betriebsführung. Bei Gelsenwasser sehen wir das ganz konkret an der Digitalisierung interner Verwaltungs- und Instandhaltungsprozesse, an datenbasierten Assistenzsystemen im Wasserwerksbetrieb und an einer deutlich intensiveren OT- und IT-Überwachung als Teil unserer KRITIS-Resilienz. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine wichtige Rolle. Nicht nur Chatmodelle, die sehr gut darin sind Text und Sprache zu analysieren und aufzubereiten, auch die Analyse von großen Datenmengen zur Bestimmung von Mustern und Ableitung von Handlungsempfehlungen ist ein Bereich, in dem KI große Vorteile ausspielen kann. KI wird bei Gelsenwasser aber nicht als Autopilot für die Versorgung genutzt, sondern als Werkzeug zur Entscheidungsunterstützung und Effizienzsteigerung.

Sie haben schon vor zehn Jahren betont, dass Gelsenwasser Daten- und Netzstrukturen im Zweifel komplett entkoppeln kann. Ist das in einer heute viel stärker vernetzten Infrastruktur überhaupt noch realistisch?

Ja, absolut. Eine konsequente Trennung beziehungsweise Entkopplung ist in der Wasserversorgung auch heute weiterhin realistisch und sinnvoll – allerdings nicht mehr als starres Alles-oder-nichts-Prinzip. Moderne Infrastrukturen sind heute viel stärker vernetzt, aber genau deshalb ist die saubere Trennung von Bereichen so wichtig. Wir teilen Netze bewusst in klar abgegrenzte Segmente auf, um Risiken einzudämmen.

Welche Segmente sind das?

Besonders schützenswert sind die operativen Systeme unserer Wasserwerke und Netze. Diese OT-Netze sind vom restlichen IT-Umfeld weitgehend abgeschottet und unterliegen den höchsten Sicherheitsanforderungen. Informationen werden dort in der Regel nur nach außen gespiegelt, etwa für Überwachung oder Auswertung. Eine Rückübertragung zur direkten Steuerung aus anderen Netzen ist grundsätzlich nicht vorgesehen. Zusätzlich halten wir die Fähigkeit vor, Verbindungen gezielt zu unterbrechen und Anlagen isoliert weiterzufahren – und das wird aktiv geübt. Für KRITIS-Betreiber bleibt diese Architektur zentral: Sie begrenzt mögliche Auswirkungen von Störungen oder Angriffen und stellt sicher, dass die Versorgung auch bei IT-Problemen stabil aufrechterhalten werden kann.

Wie real ist aus Ihrer Sicht das Szenario eines gezielten Cyberangriffs auf die Wasserversorgung in Deutschland?

Sehr real. Wir nehmen diese Gefahr sehr ernst. Unsere Systeme zur Angriffserkennung registrieren täglich Angriffsversuche auf unsere IT- und OT-Infrastrukturen. Im IT-Umfeld sehen wir vor allem Bedrohungen wie Ransomware, also Versuche, Systeme zu verschlüsseln, Lösegeld zu erpressen oder gezielt den Ruf eines Versorgers zu beschädigen. Im OT-Umfeld ist das Lagebild noch einmal anders. Dort gehen wir eher von staatlichen oder staatlich unterstützten Akteuren aus, die sich langfristig in Systeme einnisten, Informationen sammeln und im Ernstfall gezielt ausnutzen wollen. Dabei stehen nicht nur technische Systeme im Fokus, sondern ebenso Menschen, Dienstleister und Lieferketten. Genau deshalb ist für uns ein tiefes Prozessverständnis im eigenen Haus so wichtig.

Wie reagieren Sie auf die zunehmende Bedrohung, um weiterhin Ihre kritische Infrastruktur bestmöglich zu schützen?

Mit einem ganzheitlichen Sicherheitsansatz. Bei Gelsenwasser tragen eigene spezialisierte Expertinnen und Experten Verantwortung für Governance, Standards, technische Schutzmaßnahmen, Angriffserkennung, Incident Response und regelmäßige Übungen. Prävention hat einen sehr hohen Stellenwert. In internen Risikoworkshops identifizieren wir systematisch Schwachstellen und schließen blinde Flecken. Gleichzeitig bereiten wir uns bewusst auf den Ernstfall vor – mit Wiederanlaufkonzepten,…

>> Lesen Sie das komplette Interview in der Maiausgabe der gwf Wasser+Abwasser (ET: 22. Mai 2026)

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Das war die IFAT 2026!

11. Mai 2026 um 11:17

Besonders deutlich wurde auf der IFAT 2026, dass die Wasserwirtschaft zunehmend als strategischer Standortfaktor verstanden wird. In der Welcome Lounge von DVGW und DWA diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wasserwirtschaft darüber, wie Versorgungssicherheit, Klimaanpassung und wirtschaftliche Stabilität künftig zusammengedacht werden müssen. Die Botschaft der technisch-wissenschaftlichen Spitzenverbände war klar: Eine resiliente Wasserwirtschaft braucht nicht nur Innovationen, sondern auch verlässliche politische Rahmenbedingungen, langfristige Finanzierung und beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber verwies auf das novellierte Wassergesetz und den Wassercent als Instrumente, um der Ressource Wasser einen klareren Wert zu geben.

Nordrhein-Westfalens Umweltminister Oliver Krischer betonte: „Wir haben Wasser zu lange als selbstverständlich betrachtet. Dabei ist es eine unverzichtbare Lebensgrundlage und eine begrenzte Ressource. Eine leistungsfähige Wasserwirtschaft ist entscheidend, um diese Ressource nachhaltig zu sichern. Nur so können wir unsere Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft resilient und zukunftsfähig aufstellen. In Nordrhein-Westfalen verankern wir diesen Anspruch in der Zukunftsstrategie Wasser NRW vorausschauend und langfristig.“

Auch Dunja Kreiser, wasserpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, hob hervor, dass resiliente Wasserinfrastruktur Grundlage für Versorgungssicherheit, Klimaanpassung und wirtschaftliche Stabilität sei.

DWA-Präsident Prof. Uli Paetzel brachte die strategische Bedeutung der Branche auf den Punkt: „Nur eine resiliente Wasserwirtschaft schafft Handlungssicherheit für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft. Wasser ist ein Stabilitäts- und Zukunftsfaktor unseres Landes, Wasser muss bei politischen Entscheidungen zentral mitgedacht werden.“

Dr. Dirk Waider, DVGW-Vizepräsident Wasser, warnte zugleich vor künftigen Nutzungskonkurrenzen, wenn angesichts des Klimawandels und wachsender Regionen nicht rechtzeitig politische Vorsorge getroffen werde. Damit wurde auf der IFAT deutlich: Die Wasserwirtschaft ist nicht nur technischer Dienstleister, sondern Kern kritischer Infrastruktur.

Interview mit Dirk Waider

Auch die Messe München zog eine positive Bilanz. Stefan Rummel, CEO der Messe München, bezeichnete Kreislauf- und Wasserwirtschaft als systemrelevante Zukunftsbranchen. Die IFAT habe gezeigt, wie wichtig der Wissenstransfer zwischen Unternehmen, Politik, Kommunen und Verbänden sei. Bundesumweltminister Carsten Schneider unterstrich auf der Messe, Umwelttechnologien seien eine Voraussetzung für Souveränität, Sicherheit und Wohlstand.

Branchenüberblick

Die Branchenzahlen des VDMA zeigten parallel ein differenziertes wirtschaftliches Bild. Während einzelne Weltmärkte schwächeln, gewinnt Europa als Absatz- und Wachstumstreiber an Bedeutung. In der Abfall- und Recyclingtechnik erwarten die Hersteller für 2026 ein nominales Umsatzwachstum von 2,3 Prozent und einen Orderzuwachs von 4,5 Prozent. Rund 60 Prozent der Exporte dieser Branche sollen 2026 auf EU-Staaten entfallen.

Für die Wasser- und Abwassertechnik, eine Teilbranche der Verfahrenstechnik, meldete der VDMA für 2025 ein Exportplus von 5,6 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Gleichzeitig gingen die Ausfuhren in den ersten beiden Monaten 2026 um 5,3 Prozent zurück; besonders schwach entwickelte sich der US-Markt mit einem Exportrückgang von 17,9 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich: Die Umwelttechnik bleibt ein Wachstumsfeld, ist aber nicht immun gegen geopolitische Unsicherheiten, hohe Energiepreise, Investitionszurückhaltung und schwierige Standortbedingungen.

Kreislaufwirtschaft und Resilienz

Messe München CEO Stefan Rummel begrüßte rund 3.400 Aussteller in München. Sein Fazit: „Die Rekordbeteiligung auf der IFAT Munich 2026 zeigt deutlich: Kreislauf- und Wasserwirtschaft hat Systemrelevanz und ist die nächste globale Schlüsselindustrie." (Quelle: Messe München GmbH)

Messe München CEO Stefan Rummel begrüßte rund 3.400 Aussteller in München. Sein Fazit: „Die Rekordbeteiligung auf der IFAT Munich 2026 zeigt deutlich: Kreislauf- und Wasserwirtschaft hat Systemrelevanz und ist die nächste globale Schlüsselindustrie.“ (Quelle: Messe München GmbH)

Ein zentrales Thema der IFAT war die Kreislaufwirtschaft. Eine auf der Messe vorgestellte Studie der Boston Consulting Group im Auftrag des BDI beziffert das Potenzial der zirkulären Bruttowertschöpfung in Deutschland auf bis zu 125 Milliarden Euro im Jahr 2045 — gegenüber heute rund 60 Milliarden Euro. Kumuliert könnten sich zusätzliche Wertschöpfungseffekte bis 2045 auf bis zu 880 Milliarden Euro summieren.

Gleichzeitig wurde in München sichtbar, dass Resilienz nicht allein eine Frage der Technik ist. Wasser- und Abwassersysteme müssen künftig sowohl gegen Extremwetter wie Starkregen, Überschwemmungen, Hitze und Wassermangel als auch gegen gezielte Eingriffe, Sabotage oder Cyberangriffe geschützt werden. Die IFAT rückte damit die Frage in den Vordergrund, wie Infrastrukturen nicht nur effizienter, sondern auch widerstandsfähiger werden können.

Für DVGW und DWA ergibt sich daraus ein klarer Auftrag an die Politik: Die Nationale Wasserstrategie müsse nun zügig und praxisnah umgesetzt werden. Bereits mit ihrer Roadmap 2030 hatten die Verbände einen Fahrplan für die Zukunft der Wasserwirtschaft vorgelegt. Entscheidend seien nun modernisierungsfreundliche Rahmenbedingungen, eine gesicherte Finanzierung sowie gezielte Forschungs- und Fördermaßnahmen.

Die IFAT Munich 2026 hat damit mehr gezeigt als neue Maschinen, Verfahren und digitale Lösungen. Sie war ein politisches und wirtschaftliches Stimmungsbild einer Branche, deren Bedeutung wächst. Wasser, Abwasser, Recycling und Kreislaufwirtschaft sind Schlüsselbereiche für Klimaanpassung, Ressourcensicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Die nächste IFAT Munich findet vom 29. Mai bis 1. Juni 2028 statt.


Quellen: DVGW, VDMA, DWA, IFAT

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Mit Mikroblasen gegen Mikroplastik im Niederschlagswasser

11. Mai 2026 um 07:10

Allein in NRW gibt es rund 1.500 Regenklärbecken. Diese werden beispielsweise zur Behandlung von verschmutztem Niederschlagswasser von Straßen eingesetzt. Sie speichern und reinigen Niederschlagswasser bei Regen und geben es in angeschlossene Gewässer ab. Das Niederschlagswasser führt jedoch auch jede Menge Feinpartikel wie Mikroplastik mit sich, das in erster Linie durch den Abrieb von Autoreifen entsteht und sich von den Regenklärbecken aus in andere Gewässer weiter verteilen kann: Etwa ein Drittel des Mikroplastiks im Meer stammt heute von Reifen.

„Ein wichtiger Schritt wäre es deshalb, das Mikroplastik schon früh im Wasserkreislauf, beispielsweise in den Regenklärbecken, aus dem Wasser zu entfernen, bevor es in die Gewässer gelangt. In klassischen Regenklärbecken, deren Wirkung auf der Sedimentation beruht, funktioniert der Rückhalt dieser feinen und leichten Partikel jedoch nur sehr eingeschränkt “, erklärt Professor Dr. Nina Altensell, Expertin für Siedlungswasser- und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bielefeld (HSBI).

Genau hierfür hat das Start-up MicroBubbles eine neuartige Behandlungsidee entwickelt. Diese hat sich Altensell im Wintersemester gemeinsam mit Studierenden des Bachelorstudiengangs Bauingenieurwesen, ihrem Kollegen Michael Koltermann und dem Physiker Tim Robertino Baumann aus dem Projekt InCamS@BI von HSBI und Universität Bielefeld angeschaut. Auch Baumann arbeitet bereits seit mehreren Jahren an einem Filter für Mikroplastik.

Die Technologie

Seit 2021 wird das Start-up MicroBubbles von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) gefördert. Bis zum kommenden Mai hat MicroBubbles das Ziel, mit seinem Verfahren die Marktreife zu erlangen. Das steckt hinter ihrer Idee: Zur Entfernung des Mikroplastiks aus dem Wasser in Regenwasserbehandlungsanlagen wie Regenklärbecken nutzt MicroBubbles Milliarden winziger Blasen, die im Becken freigesetzt werden. Die Blasen bilden eine wolkenähnliche Struktur mit einer extrem hohen Dichte. Sie steigen im Wasser auf und ziehen dabei feinste Mikroplastikpartikel an. Diese werden gemeinsam mit den Blasen an die Wasseroberfläche transportiert.

„Dort können wir dann alle Verunreinigungen mit einer Art Skimmer entfernen, wie er für die Reinigung von Swimmingpools eingesetzt wird. Die einzelnen Partikel untersuchen wir dann im Nachgang im Labor“, erklärt Phillip Traphöner, Technischer Leiter bei MicroBubbles, seinen Gästen.

Die MicroBubbles im Einsatz

Die Studierenden des Bachelorstudiengangs Bauingenieurwesen schauten sich mit ihren Lehrenden während einer Exkursion im Wintersemester das Start-up MicroBubbles an.

Die Studierenden des Bachelorstudiengangs Bauingenieurwesen schauten sich mit ihren Lehrenden während einer Exkursion im Wintersemester das Start-up MicroBubbles an.

Auch in Aktion können sich die Studierenden, Tim Robertino Baumann und Prof. Dr. Altensell das Verfahren anschauen: In einem Labor des Start-ups gibt es ein Modell eines Regenklärbeckens im Maßstab 1:10. Dieses ähnelt einem Aquarium mit Wänden aus Plexiglas. So kann von außen gut beobachtet werden, wie die kleinen Blasen im Wasser aufsteigen und dabei hydrophobe Schwebstoffe nach oben transportieren. Nach der Betrachtung im Labor fährt die Gruppe gemeinsam mit dem MicroBubbles-Team zu einem Regenklärbecken an der Mastbruchstraße in Paderborn. Dort führt Phillip Traphöner die Technologie vor und erklärt die technische Anlage.

„Durch unseren Besuch haben sich heute spannende Einblicke ergeben“, resümiert Nina Altensell. „MicroBubbles verfolgt einen Ansatz mit hohem Potential für den Schutz der Gewässer. Zudem könnte das Start-up künftig für unsere Studierenden ein spannender Arbeitgeber sein.“

Ein Filtersystem für das Abwasser von Haushalten

Auch an anderer Stelle im Wasserkreislauf, beispielsweise beim Abwasser von Haushalten, gibt es Ideen und Ansätze, um Mikroplastik auszufiltern. Tim Robertino Baumann ist Technologiescout im Transferprojekt InCamS@BI von HSBI und Universität Bielefeld – die Abkürzung steht für Innovation Campus für Sustainable Solutions. Der Biophysiker arbeitet seit mehr als drei Jahren an einem Filtersystem, das sich beispielsweise in Waschmaschinen einsetzen ließe. Denn insbesondere bei den ersten Waschgängen synthetischer Kleidungsstücke lösen sich viele Kunststoffpartikel und gelangen ins Abwasser – neben dem Abrieb von Autoreifen ein zweiter riesiger Verursacher von Mikroplastik. Diese Partikel könnte Baumanns Filtersystem auffangen. Inspiriert wurde der Wissenschaftler zu seiner Idee vom Riesenmanta: Der Fisch ernährt sich von Zooplankton und filtert die Kleinstlebewesen beim Schwimmen direkt aus dem Wasser.

„Könnte man das Abwasser von Waschmaschinen filtern, wäre das ein großer Stellhebel für die Verringerung des Mikroplastiks in unseren Gewässern“, erklärt Baumann das Ziel seines Ansatzes.

Zukünftige Zusammenarbeit

Den Besuch bei MicroBubbles nutzen Baumann und das Team des Start-ups zum fachlichen Austausch. Gemeinsam werden Pläne für eine weitere Zusammenarbeit festgelegt: Der Wissenschaftler will das Start-up beispielsweise bei der Suche nach einer Sensorik unterstützen. Mit dieser ließen sich die verschiedenen Bestandteile der ausgefilterten Partikel noch genauer erkennen und so möglicherweise auch gezielt entfernen. Auch weitere längerfristige Kooperationen etwa in Form von Abschlussarbeiten oder gemeinsamen Forschungsanträgen zwischen der HSBI und MicroBubbles sind denkbar.


Quelle: Hochschule Bielefeld

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Neuer Atlas der Klimaextreme erschienen

11. Mai 2026 um 07:05

Tagespolitik und Krisen binden viel Aufmerksamkeit – doch der Klimawandel bleibt eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Extremwetter, Dürren, Waldbrände, schmelzende Eisschilde und Gletscher, tauende Permafrostböden und steigender Meeresspiegel: Die Folgen des Klimawandels sind längst sichtbar und bedrohen zunehmend auch unseren Lebensraum als Menschen. Im Jahr 2025 erreichten die weltweiten CO2-Emissionen, als eine der Hauptursachen des Klimawandels, einen neuen Höchstwert. Eine Umkehr dieses Trends ist trotz internationaler Bemühungen bislang nicht absehbar.

Der neue „Atlas der Klimaextreme“, machr die Klimaentwicklung seit 1881 in Deutschland und auf Bundeslandebene auf Basis von Daten des Deutschen Wetterdienstes sichtbar. (Quelle: Alfred-Wegener-Institut / REKLIM)

Aber was bedeutet das für Deutschland? Und wie lässt sich die Entwicklung des Klimas hierzulande verlässlich einordnen? Orientierung bietet der neue „Atlas der Klimaextreme“ des Helmholtz-Forschungsverbunds Regionale Klimaänderungen und Mensch (REKLIM) mit Sitz am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Auf Basis der seit dem Jahr 1881 erhobenen und frei zugänglichen Daten des Deutschen Wetterdienstes zeichnet der Atlas die Entwicklung des Klimas in Deutschland systematisch nach. Die Autor:innen haben die stationsbasierten, öffentlich zugänglichen Messdaten umfassend ausgewertet und in Karten, Grafiken und Analysen detailliert aufbereitet. So werden Klimaveränderungen über lange Zeiträume hinweg für Gesamtdeutschland und die Bundesländer sichtbar und als Grundlage für konkrete Entscheidungen vor Ort nutzbar.

Dr. Klaus Grosfeld, Leiter des Forschungsverbundes REKLIM, fügt hinzu: „Für uns ist der Atlas ein Werkzeug, um Wissen in die Gesellschaft zu bringen und Veränderungen sichtbar zu machen. Mir ist wichtig, dass nachvollziehbar wird: Wer die Entwicklungen vor Ort erkennt, entwickelt auch ein Bewusstsein für Verantwortung – und die Bereitschaft zu handeln.“

26 Ausklappseiten mit über 2.000 Deutschlandkarten zu zentralen Klimaparametern und Klimakenntagen (Zeitraum: 1951–2024)
210 Grafiken und Karten sowie 87 Tabellen zur detaillierten Darstellung und Analyse der jahreszeitlichen Klimaentwicklung in den Bundesländern – für die Parameter Temperatur, Niederschlag und Wasserbilanz (SPEI) (1881–2024)
126 Grafiken und 9 Tabellen zu vergleichenden Zeitreihenanalysen von 9 ausgewählten Klimakenntagen in den Bundesländern (1951–2024)
132 Karten und 11 Tabellen zur dekadischen Analyse von 12 Klimaparametern und Klimakenntagen (1951–2024)

Dr. Monica Ionita, Meteorologin, AWI-Klimawissenschaftlerin und Erstautorin, beschreibt die Intention den Atlas zu erstellen: „Wetter und Klima in Deutschland haben sich in den letzten 50 Jahren deutlich verändert – und diese Veränderungen verlaufen nicht einheitlich. Sie variieren von Region zu Region, und um sie zu verstehen, muss man über nationale Durchschnittswerte hinausblicken und die lokale und regionale Ebene betrachten. Dieser Atlas wurde mit diesem Ziel entwickelt.“

Komplexe Daten verständlich aufbereitet

Durch die Darstellung von Klimadaten auf Ebene der einzelnen Bundesländer vermittelt der Atlas ein klareres Bild davon, wie sich die Bedingungen im ganzen Land verändert haben – von Temperaturtrends und Niederschlagsmustern bis hin zur Häufigkeit extremer Wetterereignisse. Jedes Bundesland erzählt seine eigene Geschichte, geprägt von Geografie, Landnutzung und lokaler Klimadynamik. Im Saarland ist beispielsweise die Jahresmitteltemperatur im Zeitraum 1881–2024 gegenüber der Referenzperiode 1971–2000 von allen Bundesländern am stärksten gestiegen, um 2,1 °C, gefolgt von den Bundesländern Bayern und Rheinland-Pfalz mit 2,0 °C.

Für Monica Ionita und ihre Mit-Autor:innen ist klar: „Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel sollten für alle zugänglich sein, nicht nur für Fachleute. Die Übersetzung komplexer Daten in verständliche, regional spezifische Informationen ermöglicht es politischen Entscheidungsträgern, Planern und der breiten Öffentlichkeit gleichermaßen, die Situation in ihrem Teil des Landes besser zu verstehen und darauf basierend fundierte Entscheidungen zu treffen. Dieser Atlas ist ein Beitrag zu diesem Vorhaben – ein Nachschlagewerk für alle, die den aktuellen Zustand unseres Klimas verstehen möchten, datenbasiert und verständlich präsentiert.“

Monica Ionita ist zudem eine der Leitautorinnen des neuen IPCC-Berichts, der 2028 erscheinen wird und den aktuellen globalen Stand der Forschung zum Klimawandel zusammenfasst.

Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft des Landes Bremen: „Die Autor:innen haben die Daten verständlich aufbereitet – mit Karten, Grafiken und klaren Analysen. So wird sichtbar, wie sich das Klima über viele Jahre hinweg in Deutschland und den Bundesländern verändert hat. Die Fakten sind eindeutig und lassen sich nicht schönreden. Eine wichtige Grundlage für Entscheidungen vor Ort. Ein wirklich gelungener Atlas der Klimaextreme. Was man nicht außer Acht lassen sollte: Obwohl Klima natürlich ein globales Thema ist, können wir vor Ort viel tun. Mehr Bäume, mehr Grünflächen und bessere Regenwasserspeicherung helfen, unsere Städte lebenswerter zu machen und die Folgen abzumildern – ganz konkret hier vor der eigenen Haustür.“

Der ‚Atlas der Klimaextreme‘ kann beim Helmholtz-Forschungsverbund REKLIM kostenlos bestellt werden und ist zudem auch als interaktives PDF abrufbar. Karten und Grafiken stehen außerdem online zur Verfügung.


Quelle: Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

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DVGW und KDW: Gemeinsam für eine sichere digitale Wasserwirtschaft

07. Mai 2026 um 08:13

Die Wasserwirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Klimawandel, steigende Anforderungen an Resilienz und IT-Sicherheit, Fachkräftemangel sowie neue nationale und europäische Vorgaben erhöhen den Handlungsdruck. Digitale Anwendungen können dabei helfen, Prozesse effizienter zu gestalten, Anlagen sicherer zu betreiben und die Versorgung langfristig leistungsfähig zu halten. Voraussetzung dafür ist, dass Digitalisierung von Beginn an sicher, praxisnah und branchengerecht umgesetzt wird.

„Die Kooperation mit dem DVGW ist für uns ein wichtiger Schritt, um digitale Transformation noch stärker aus der Praxis der Wasserwirtschaft heraus zu gestalten. KDW und DVGW bringen unterschiedliche, sich sehr gut ergänzende Perspektiven ein: technologische und sicherheitsbezogene Expertise auf der einen, wasserfachliche Kompetenz und Technische Regelsetzung auf der anderen Seite. Genau daraus entsteht ein Mehrwert für die Branche“, sagt Ronald Derler, Geschäftsführer des KDW.

Interview mit Ronald Derler

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen der fachliche Austausch, gemeinsame Veranstaltungen und Seminare sowie die Mitwirkung an Technischen Regelwerken. Das KDW bringt seine Kompetenzen in den Bereichen IT-Sicherheit, Cybersecurity Services und digitale Transformation der Wasserwirtschaft ein. Der DVGW steuert seine wasserfachliche Expertise, sein Netzwerk sowie seine Erfahrung in Regelsetzung, Forschung, Bildung und Zertifizierung ein.

„Die Digitalisierung stellt hohe Anforderungen an Wasserversorgungsunternehmen. Mit der Kooperation stärken wir den praxisnahen und sicheren Einsatz digitaler Lösungen in der Wasserwirtschaft. Wir schaffen eine Brücke zwischen IT Sicherheit, Digitalisierung und Technischen Regeln, indem wir zentrale Aspekte daraus in die Regelsetzungsarbeit einfließen lassen. Das erhöht die Orientierung und Planungssicherheit für die Branche“, erklärt Dr. Wolf Merkel, Vorstand des DVGW.

Beide Organisationen verfolgen mit der Vereinbarung das Ziel, Synergien zu nutzen und die Wasserwirtschaft bei der Bewältigung digitaler und sicherheitsrelevanter Anforderungen zu unterstützen.

Im Jahr 2020 wurde das Kompetenzzentrum Digitale Wasserwirtschaft gemeinnützige GmbH (KDW) vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und großen Unternehmen der Wasserwirtschaft gegründet, um digitale Themen und Projekte zu fördern und digitale Services für und in der Wasserwirtschaft zu entwickeln. Seit 2023 sorgt das KDW mit seinem branchenspezifischen Netzwerk und Informationsangebot auch im öffentlichen Auftrag für die Weiterentwicklung von Cybersecurity Services innerhalb der Wasserwirtschaft. Mit der Aufnahme des Livebetriebs des Security Operation Center (SOC) Lagezentrum CyberSec@Wasser im April 2024 bietet das KDW der Wasserwirtschaft einen Service zum Schutz vor den zunehmenden Cyberangriffen.
Der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. fördert das Gas- und Wasserfach mit den Schwerpunkten Sicherheit, Hygiene und Umweltschutz. Mit seinen rund 14.000 Mitgliedern erarbeitet der DVGW die allgemein anerkannten Regeln der Technik für Gas und Wasser. Der Verein initiiert und fördert Forschungsvorhaben und schult zum gesamten Themenspektrum des Gas- und Wasserfaches. Darüber hinaus unterhält er ein Prüf- und Zertifizierungswesen für Produkte, Personen sowie Unternehmen. Die technischen Regeln des DVGW bilden das Fundament für die technische Selbstverwaltung und Eigenverantwortung der Gas- und Wasserwirtschaft in Deutschland. Der gemeinnützige Verein wurde 1859 in Frankfurt am Main gegründet. Der DVGW ist wirtschaftlich unabhängig und politisch neutral. Mit neun Landesgruppen und 62 Bezirksgruppen agiert der DVGW auf lokaler sowie überregionaler Ebene und ist in der ganzen Bundesrepublik vertreten. Themen mit bundesweiter oder europäischer Dimension werden durch die Hauptgeschäftsstelle in Bonn mit Büros in Berlin und Brüssel und die enge Zusammenarbeit mit dem europäischen Wasserwirtschaftsverband EurEau abgedeckt.

>> Lesen Sie mehr zu den Themen Digitalisierung und Cybersecurity in der Wasserwirtschaft in der Maiausgabe 2026 (Erscheinungsdatum: 22.5.2026).

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Vernetzt. Intelligent. Verwundbar

03. Mai 2026 um 15:50

Beispielsweise im Gewässermonitoring zeigt sich, wie stark sich die Branche verändert. Sensorik, Fernerkundung und digitale Plattformen ermöglichen heute eine erheblich dichtere Beobachtung von Wasserständen, Stofffrachten, Temperaturentwicklungen oder mikrobiologischen Belastungen. Europäische und internationale Programme stützen diese Entwicklung zunehmend mit risikobasierten Ansätzen in Überwachung und Vorsorge.

Die WHO betont, dass Water Safety Plans auf einer Risikoanalyse und einem Risikomanagement entlang der gesamten Versorgungskette beruhen müssen und nach ihren Leitlinien das wirksamste Mittel sind, um die Sicherheit und Akzeptanz der Trinkwasserversorgung dauerhaft zu gewährleisten. [1] Parallel wächst mit Copernicus und anderen Erdbeobachtungsdiensten die Fähigkeit, Gewässerzustände großräumig und zeitnah zu erfassen; Copernicus stellt etwa globale Lake-Water-Quality-Produkte auf Basis von Sentinel-3-Daten mit regelmäßiger, zeitnaher Bereitstellung bereit. [2]

Der Einsatz künstlicher Intelligenz

Der nächste Entwicklungsschritt ist der gezielte Einsatz künstlicher Intelligenz. UNESCO beschreibt KI und Machine Learning inzwischen ausdrücklich als Technologien, die das Wassermanagement transformieren können – von Monitoring-Systemen bis zu Fragen einer ethisch verantwortungsvollen Einführung. [3] In der Praxis können solche Systeme historische und Echtzeitdaten zusammenführen, Anomalien früher sichtbar machen, Prognosen unterstützen und damit den Übergang von reaktiver zu proaktiver Betriebsführung beschleunigen.

Mehr Digitalisierung eröffnet mehr Angriffsmöglichkeiten

Doch jeder Fortschritt in der Digitalisierung erweitert auch die Angriffsfläche. Die NIS2-Richtlinie schafft einen EU-weiten Rahmen für Cybersicherheit in kritischen Sektoren. In Deutschland trat die NIS2-Umsetzungsrichtlinie im Dezember 2025 in Kraft. Trinkwasser- und Abwasserbereiche fallen dabei unter die relevanten kritischen Sektoren. [4] Die ENISA (European Union Agency for Cybersecurity) weist zugleich auf Nachholbedarf im Wassersektor hin: Trinkwasser- und Abwassersektor zeigen im Vergleich zu anderen NIS2-Sektoren eine eher niedrige Cybersicherheitsreife; zudem nehmen Cloud-, IoT- und vernetzte Technologien zu, wodurch die Exposition gegenüber Cyberrisiken steigt. Das ist ein Warnsignal, denn ein Cybervorfall in der Wasserwirtschaft ist nie nur ein IT-Problem: ENISA hält fest, dass ein Vorfall im Trinkwassersektor zu Versorgungsunterbrechungen oder beeinträchtigter Wasserqualität führen kann, mit spürbaren Auswirkungen innerhalb weniger Stunden. [5]

Verantwortungsvoller Umgang mit Daten und Technologien

Damit wird deutlich: Die Zukunft der Wasserwirtschaft liegt nicht allein in mehr Daten, mehr Sensorik oder mehr Automatisierung. Entscheidend ist, diese Technologien verantwortungsvoll, sicher und resilient einzusetzen. KI kann helfen, Risiken früher zu erkennen und Entscheidungen besser abzusichern – sie darf aber nicht als isolierte Effizienztechnologie verstanden werden.

Gerade weil Wasserver- und Abwasserentsorgung kritische Infrastrukturen sind, müssen Digitalisierung, Cybersicherheit, organisatorische Vorsorge und regulatorische Anforderungen von Anfang an zusammengedacht werden. Nur so kann der Schritt von reaktiver Krisenbewältigung zu vorausschauender, robuster und vertrauenswürdiger Wasserbewirtschaftung gelingen.

>> Lesen Sie mehr zu den Themen Digitalisierung, KI und Cybersicherheit in der Maiausgabe 2026 der gwf Wasser/Abwasser (ET: 22.5.2026).


[1] https://www.who.int/teams/environment-climate-change-and-health/water-sanitation-and-health/water-safety-and-quality/water-safety-planning
[2] https://land.copernicus.eu/en/products/water-bodies/lake-water-quality-near-real-time-v2-1-300m
[3] https://www.unesco.org/en/articles/applications-artificial-intelligence-water-management
[4] https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/nis2-directive?utm_source=chatgpt.com
[5] https://www.enisa.europa.eu/sites/default/files/2025-03/ENISA%20-%20NIS360%20-%202024_0.pdf

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Wussten Sie schon wie unverzichtbar Wasserresilienz ist?

03. Mai 2026 um 14:22
Die Europäische Kommission hat eine Wasserresilienzstrategie vorgelegt, um die Wasserversorgung in Europa zu sichern, wasserbedingte Risiken besser zu bewältigen und die Wasserwirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen.
Im Mittelpunkt der Wasserresilienzstrategie steht nicht nur der Schutz der Ressource Wasser, sondern auch ihre Bedeutung für Versorgungssicherheit, Gesundheit und wirtschaftliche Stabilität. Die Strategie versteht Wasserresilienz damit als Querschnittsaufgabe für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Fakten zur Wasserwirtschaft

Die Kommission verweist auf mehrere Kennzahlen, die die wirtschaftliche und technologische Bedeutung des Sektors unterstreichen. Europa ist demnach bei Wassertechnik mit 40 Prozent aller Patentanmeldungen weltweit führend. Die Wasserindustrie erwirtschaftet laut Kommission 107 Milliarden Euro und bietet 1,7 Millionen Menschen Arbeit.

Resilienz in der öffentlichen Wasserversorgung

Im Rahmen seines Zukunftsprogramms Wasser hat der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. das Forschungsvorhaben “ResilJetzt!” abgeschlossen. Es diente dazu, die zukünftige Resilienz der öffentlichen Wasserversorgung im Klimawandel zu ermitteln, Resilienzoptionen und -potenziale im Hinblick auf wasserwirtschaftliche Infrastrukturen zu analysieren und weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit zu untersuchen.
Als Projektergebnis wurden praxisnahe technische und organisatorische Resilienzoptionen identifiziert:
  • Sicherung und Erhöhung der Ressourcenverfügbarkeit
  • Anschluss an bzw. Gründung von Versorgungsverbünden
  • Nutzung von Fernwasser
  • Sicherung bzw. Ausbau von Speicherkapazitäten
  • Bewusstseinssteigerung der Bevölkerung für den Wert von Wasser und Daseinsvorsorge
  • Anpassung rechtlicher Instrumente
  • Austausch und Kooperation zwischen Kommunen und Wasserversorgungsunternehmen
  • Erhöhung personeller Kapazitäten in den Behörden
  • Dynamische Wasserentgelte, wie zum Beispiel saisonale Tarife.

Wasserresilienz in der Stadt

Quelle: AdobeStock/Fisnanda

München will die Fußgängerzone mit mehr als 150 neuen Bäumen klimafester machen, damit die Innenstadt an heißen Sommertagen stärker verschattet und gekühlt wird.

Der Kölner Smart-City-Anbieter dataMatters hat ein urbanes Bewässerungssystem entwickelt, bei dem die Bäume per Funk mitteilen, wann sie wieviel Wasser benötigen. Dadurch kann die Stadt gezielte Gießrouten fahren, statt pauschal alles zu bewässern. „Urban Tree Intelligence“ heißt das Konzept, das dataMatters bereits in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz gebracht hat.
„Städte sind Brennpunkte des Klimawandels. Sie verbrauchen rund 80 % der weltweiten Energie, verursachen mehr als 70 % der CO2-Emissionen – und leiden gleichzeitig am stärksten unter den Folgen: Hitzewellen, schlechte Luftqualität, überhitzte Plätze und ein zunehmender Verlust an Lebensqualität. In diesem Kontext sind Stadtbäume, wie sie München plant, weit mehr als nur grüne Kulisse. Sie sind natürliche Klimaanlagen, CO2-Speicher und Lebensraum in einem“, sagt Dr. Daniel Trauth.
So kann ein einziger, ausgewachsener Laubbaum an einem heißen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser verdunsten; das entspricht einer Kühlleistung, die spürbar die Umgebungstemperatur senkt. Gleichzeitig bindet ein Baum über sein Leben hinweg mehrere Tonnen CO2, filtert Feinstaub und bietet Schatten auf über 150 Quadratmetern Fläche.
„Doch all diese Leistungen stehen auf einem Fundament, das viel zu oft unterschätzt wird – Wasser“, erläutert Dr. Daniel Trauth die Bedeutung des datenbasierten und KI-gestützten Bewässerungssystems seines Unternehmens.

Neugierig geworden? Mehr dazu lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe gwf Wasser/Abwasser 5/26

Zukunftslösung Schwammstadt?

Wie Wasser sich auf die Resilienz von Städten auswirkt, haben wir für Sie in den BlueFacts unserer Zeitschrift WaterSolutions zusammengestellt.

Besuchen Sie uns gerne auf der IFAT in Halle B2. Stand 300 und sichern Sie sich Ihr Exemplar.

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Wasserwirtschaft im Fokus wachsender Cyberrisiken

29. April 2026 um 14:01

Die Wasserwirtschaft befindet sich mitten in einem grundlegenden Wandel. Unter dem Schlagwort „Wasser 4.0“ werden Prozesse zunehmend digitalisiert und automatisiert. Intelligente Mess-, Steuer- und Regelsysteme ersetzen klassische, manuelle Abläufe. Sensoren erfassen Daten in Echtzeit, Anlagen reagieren automatisiert auf Veränderungen, und komplexe Systeme lassen sich zentral überwachen und steuern.

Diese Entwicklung bringt klare Vorteile: Betriebsabläufe werden effizienter, Ressourcen können gezielter eingesetzt werden, und Entscheidungen basieren auf einer deutlich besseren Datengrundlage. Gleichzeitig verändert sich jedoch die technische Struktur der gesamten Infrastruktur. Systeme werden enger miteinander vernetzt, Schnittstellen nehmen zu, und die Abhängigkeit von digitaler Technik wächst kontinuierlich.

Mit dieser Entwicklung steigt auch die Verwundbarkeit. Wo zuvor physische Anlagen dominierten, entstehen nun digitale Angriffspunkte. Jede zusätzliche Schnittstelle, jedes vernetzte System und jede externe Verbindung erhöht potenziell das Risiko für Störungen oder gezielte Angriffe.

Steigende Angriffsflächen in kritischen Systemen

Die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung gehören zu den zentralen kritischen Infrastrukturen. Ein stabiler Betrieb ist essenziell für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Entsprechend gravierend können Störungen oder Ausfälle sein.

Durch die fortschreitende Digitalisierung entstehen neue Angriffsflächen, die in der bisherigen Entwicklung nicht immer ausreichend berücksichtigt wurden.

„Wir beobachten, dass die Anfälligkeit der digitalen Systeme sowohl für gezielte Sabotage und Cyberangriffe als auch für menschliches und technisches Versagen in der Fachdebatte zu Wasser 4.0 nicht hinreichend berücksichtigt wird,“ sagt Martin Zimmermann vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung.

Neben gezielten Angriffen spielen auch Fehlbedienungen, technische Defekte oder unzureichend gesicherte Systeme eine Rolle. Die zunehmende Komplexität macht es schwieriger, alle Risiken vollständig zu kontrollieren.

Verwundbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Die Risiken betreffen nicht nur einzelne Anlagen, sondern die gesamte Siedlungswasserwirtschaft. Von der Rohwassergewinnung über die Aufbereitung bis hin zur Verteilung und Abwasserbehandlung entstehen potenzielle Angriffspunkte.

„In all diesen Bereichen der Siedlungswasserwirtschaft sind Manipulationsversuche grundsätzlich möglich“, sagt Martin Zimmermann.

Ein Eingriff in die Rohwassergewinnung kann die Qualität oder Verfügbarkeit beeinflussen. Störungen in Wasserwerken können die Aufbereitung beeinträchtigen. Auch zentrale technische Komponenten wie Pumpen oder Steuerungseinheiten lassen sich gezielt manipulieren oder außer Betrieb setzen. Darüber hinaus sind auch regionale oder punktuelle Angriffe denkbar, die gezielt bestimmte Gebiete oder Anlagen betreffen. Die Auswirkungen hängen stark vom jeweiligen Szenario ab, können jedoch weitreichend sein.

Strukturelle Herausforderungen für viele Betreiber

Ein zentrales Problem liegt in der Struktur der Wasserwirtschaft. In Deutschland ist sie stark kommunal organisiert. Neben großen Versorgern gibt es zahlreiche kleinere und mittlere Unternehmen, die oft mit begrenzten Ressourcen arbeiten. Gerade diese Unternehmen stehen vor besonderen Herausforderungen. Die Umsetzung umfassender IT-Sicherheitsmaßnahmen erfordert Fachwissen, Personal und finanzielle Mittel, die nicht überall in ausreichendem Umfang vorhanden sind.

Gleichzeitig orientieren sich viele bestehende Regelungen und Sicherheitskonzepte primär an großen Anlagen und Versorgungsstrukturen. Das führt dazu, dass kleinere Betreiber nicht immer angemessen berücksichtigt werden.

„Die verantwortlichen Behörden haben sich lange fatalerweise auf die großen Anlagen und Einzugsgebiete konzentriert. Da aber gerade in Deutschland die Siedlungswasserwirtschaft sehr stark kommunal organisiert ist, müssen Regularien zum Schutz der Kritischen Infrastrukturen künftig unbedingt auch den Bedarf der kleineren und mittleren Unternehmen berücksichtigen“, ist sich Martin Zimmermann sicher.

Cybersicherheit wird zur zentralen Aufgabe

Die zunehmende Digitalisierung macht IT-Sicherheit zu einem entscheidenden Faktor für die Stabilität der gesamten Infrastruktur. Technische Schutzmaßnahmen, organisatorische Konzepte und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Akteuren gewinnen an Bedeutung. Ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen können selbst einzelne Schwachstellen große Auswirkungen haben. Die Vernetzung führt dazu, dass Störungen sich schneller ausbreiten und mehrere Systeme gleichzeitig betreffen können.

Mögliche Folgen reichen von Störungen bis zum Totalausfall

Die Bandbreite möglicher Auswirkungen ist groß. Sie reicht von temporären Funktionsstörungen einzelner Komponenten bis hin zu umfassenden Ausfällen der Versorgung.

„Insgesamt betrachtet, sind die Bedrohungslagen für Gesellschaft und Natur vielfältig“, sagt Martin Zimmermann. „Für beide können sich je nach Szenario – vorübergehende Funktionsstörung einzelner Komponenten bis hin zum Totalausfall der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung – sehr unterschiedliche Reichweiten und Gefährdungslagen ergeben.“

Damit wird deutlich: Die Risiken betreffen nicht nur technische Systeme, sondern haben direkte Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt. Eine stabile und sichere Wasserversorgung hängt zunehmend davon ab, wie gut digitale Systeme geschützt sind.

———————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————-Originalpublikation: idw

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Beratungsangebot der VdS für KRITIS-Betreiber

28. April 2026 um 14:00

Der neue VdS-Leistungsbaukasten KRITIS verbindet jahrzehntelanges Know-how in ganzheitlichen Sicherheitsfragen mit neuen KRITIS-Anforderungen: Einen zentralen Schwerpunkt bilden dabei Unternehmen aus dem Bereich der Wasser- und Abwasserwirtschaft – von kommunalen Wasserwerken und Kläranlagen über regionale Versorgungsverbände bis hin zu Großpumpwerken und Trinkwasserspeichern.

Sicherheitsmanagement integrativ gedacht

Für Wasser- und Abwasserunternehmen ist die Sicherstellung einer kontinuierlichen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung nicht nur wirtschaftliche Pflicht, sondern systemrelevante Verantwortung. Gleichzeitig erhöhen steigende Risiken – etwa durch Sabotage, extreme Wetterereignisse wie Dürren oder fortschreitende Digitalisierung die Verwundbarkeit der Infrastruktur. Regulatorische Vorgaben verschärfen die Anforderungen an das Sicherheitsmanagement zusätzlich. Genau hier setzt das VdS-Angebot an.

„Mit unserem integrativen Lösungsansatz unterstützen wir KRITIS-Betreiber dabei, ihre Schutzmaßnahmen ganzheitlich auszurichten – von der strukturierten GAP-Analyse bis zur prüffähigen Umsetzung von Sicherheitskonzepten,“ betont Sebastian Brose, Bereichsleiter Security & Geo bei VdS. „Darüber hinaus sorgen wir durch regelmäßige Kontrollen auch dafür, dass der Schutz nachhaltig wirksam bleibt und kontinuierlich an neue Risiken angepasst wird.“

Der KRITIS-Leistungsbaukasten

Der VdS Leistungsbaukasten. (Quelle: VdS)

Bereits von der Konzeption an berücksichtigt VdS alle relevanten Richtlinien, Normen und Standards, sodass gesetzliche Auflagen und Versicherungsbedingungen erfüllt und Investitionen effizient sowie zukunftssicher ausgerichtet werden können. Das Ergebnis sind belastbare Schutzkonzepte und Maßnahmen, die auch im Krisenfall greifen und dabei förder- und compliance-taugliche Nachweise liefern.

VdS unterstützt mit seinem Leistungsbaukasten KRITIS-Betreiber in allen Phasen des Sicherheitsprozesses – von der Standortanalyse bis zur abschließenden Zertifizierung. Seine modularen Bausteine führen Verantwortliche nach individuellem Bedarf von der Erst-bewertung über konkrete Schutzkonzepte bis zur abschließenden oder wiederkehrenden Prüfung inklusive Dokumentation, die Fördergebern, Behörden und Versicherern standhält. Darüber hinaus ermöglicht VdS erforderliche Schulungen und Qualifizierungen in allen relevanten Fachbereichen.


Quelle: VdS

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IFAT Munich 2026: Der Countdown läuft

27. April 2026 um 10:18

Die Herausforderungen für Kommunen, Versorger und Industrie wachsen: Starkregen und Trockenperioden, alternde Infrastrukturen, steigende Anforderungen an Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung sowie neue regulatorische Vorgaben verlangen nach robusten, effizienten und zukunftsfähigen Systemen. Besonders im kommunalen Wassersektor rücken Themen wie PFAS, die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie, Phosphorrückgewinnung und klimaresiliente Infrastrukturen in den Mittelpunkt. Im Folgenden ein Auszug aus dem Programm der Blue Stage:

Digitalisierung/KI in der Wasser- und Abwassertechnik (Mo., 12h30-13h20) KI ist in aller Munde. Doch was kann Künstliche Intelligenz in der Wasser- und Abwassertechnik? Eine Auswahl an innovativen Lösungen und Einsatzmöglichkeiten innerhalb der Verfahrenstechnik. Moderierte Vortragssession mit Beiträgen der Unternehmen Siemens AG, WILO SE, EnviroChemie GmbH.
Abwasserrichtlinie in schwierigen Zeiten – Ambitionen, Kosten und europäische Resilienz (Mo., 13h30-14h20) Die Umsetzung der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie erfolgt in schwierigen Zeiten. Das Panel bringt Expert:innen aus Politik, Versorgungsunternehmen, Industrie und Ingenieurwesen zusammen, um zu diskutieren, wie regulatorischer Druck in Fortschritt umgewandelt werden kann. Begleiten Sie uns bei diesem Realitätscheck, der die Balance zwischen Ambitionen und Erschwinglichkeit diskutiert und präsentiert, wie nachhaltige Technologien „Made in Europe“ die Reslienz in Krisenzeiten stärken können.
Innovationspanel: Ideas2Impact: Von der Idee in den Markt (Di., 13h30-14h20) Fünf Akteure aus BMFTR, Forschung, Industrie und Verbänden diskutieren, wie Forschungsergebnisse und Innovationen im Sinne der Hightech Agenda Deutschland schneller in marktfähige Produkte und Anwendungen überführt werden können – mit dem Ziel, Deutschland als führenden Standort für Zukunftstechnologien im Cleantech-Sektor zu stärken.
Water4All-Partnerschaft – Europäische Innovationen und Lösungen (Mi., 11h30-12h20) An der Partnerschaft Water4All beteiligen sich 90 Institutionen aus 32 Ländern sowie drei europäische Netzwerke. Ziel ist es, die Wasserversorgung langfristig zu sichern, indem wasserbezogene Innovationen von der Forschung vorangetrieben werden. Die Session informiert über bisherige Aktivitäten und die kommende 3. Phase der Partnerschaft.
Membrantechnologie für den Klimaschutz und die Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels (Mi., 12h30-13h20) Wasser interagiert auf vielfältige Weise mit dem Klima. Aufbereitungsprozesse verbrauchen Ressourcen, benötigen Energie oder tragen direkt zum Klimawandel bei, etwa durch die Freisetzung von Treibhausgasen. Der Einsatz von Membranen bietet das Potenzial, Anpassungsstrategien zu unterstützen und negative Auswirkungen zu minimieren.
Der wasserwirtschaftliche Datenraum: Wie datenbasierte Entscheidungen die Wasserwirtschaft transformieren (Do., 09h30-10h20) Der wasserwirtschaftliche Datenraum vernetzt Sensorik- und Klimadaten mit geologischen Modellen in einer sicheren Plattform. So werden Risiken früh erkannt, Anlagen und Netze effizienter gesteuert und datenbasierte Entscheidungen ermög-licht. Smart data worx, ein Unternehmen der AKDB und des OOWV, zeigt praxisnah, wie diese Innovation die Branche transformiert.
Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen und die Munich Finance Facility (Do., 12h30-13h20) Erfahren Sie mehr über die Initiative der Landeshauptstadt München zur Einrichtung einer Munich Finance Facility, die Investitionen in Transformationsprojekte zur Erreichung des Netto-Null-Ziels erleichtern soll – nach einem kurzen Rückblick auf die wichtigsten Erkenntnisse der Financing Climate Action Conference auf der IFAT 2026 am Vortag (06. Mai 2026).

Zur Blue Stage

Auf der IFAT Munich 2026 zeigt die Branche, wie moderne Wasserwirtschaft künftig aussehen kann: von energieeffizienten Kläranlagen über Verfahren zur Spurenstoffelimination bis hin zu digitaler Netzüberwachung, Wasserwiederverwendung und vorausschauendem Infrastrukturmanagement. Das Fachprogramm legt dabei einen starken Schwerpunkt auf nachhaltige und klimaangepasste Wasserwirtschaft, Wasserreuse und energieeffiziente Abwasserbehandlung. Auch die Digitalisierung der Wasserwirtschaft wird in eigenen Formaten adressiert. Leitmotiv der Messe ist „Circularity is a must“.

Philipp Eisenmann, Exhibition Director IFAT Munich, erklärt dazu: „Für die Wasserwirtschaft bedeutet dies, Stoff- und Energiekreisläufe konsequenter zu schließen und Abwasser zunehmend als Ressource zu verstehen – sei es als Quelle für Energie, Nährstoffe oder wiederverwendbares Wasser.“

Ein besonderes Augenmerk gilt innovativen Ansätzen für die Praxis: Digitale Systeme ermöglichen eine präzisere Überwachung von Netzen und Anlagen, KI-gestützte Prognosen unterstützen beim Umgang mit Extremwetter, und neue Aufbereitungsverfahren helfen, Schadstoffe wirksamer aus dem Wasserkreislauf zu entfernen. Forschungseinrichtungen und Unternehmen präsentieren zudem Lösungen für die vierte Reinigungsstufe und die effiziente Entfernung von Spurenstoffen.

Geöffnet hat die IFAT an allen vier Tagen von 9 bis 18 Uhr.


Das Team der gwf Wasser+Abwasser freut sich auf Ihren Besuch in Halle B2, Stand 300. Stöbern Sie in den aktuellen Ausgaben, den Fachbuchklassikern und unseren Neuheiten! Und holen Sie sich ein Exemplar unserer Messe-Ausgabe!

Zur Buchauswahl

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PFAS-Verfahren: Stadtwerke Rastatt vor Gericht erfolgreich

23. April 2026 um 08:00

Das Landgericht Baden-Baden hat am Montag (13. April 2026) den Stadtwerken Rastatt weitgehend Recht gegeben: Es hat in der von den Stadtwerken geführten Zivilklage gegen die Umweltpartner Vogel AG ein Grundurteil erlassen. Dieses Urteil besagt, dass die Beklagte als Verursacherin der Grundwasserverunreinigung durch PFAS – also durch per- und polyfluorierte Chemikalien – im Einzugsgebiet der Rastatter Wasserwerke im Grunde nach zu Schadensersatz verpflichtet ist. Über die Höhe des Schadensersatzes sagt das Urteil noch nichts aus. Damit wird sich das Gericht im nächsten Schritt befassen.

Das Urteil bestätigt, dass die Aufbringung der Kompostgemische durch die Beklagte geeignet war, das Grundwasser großräumig mit PFAS zu verseuchen und die von den Stadtwerken Rastatt vorgebrachten Belastungen für die Sicherung der Trinkwasserversorgung herbeizuführen. Insbesondere verwirft das Gericht die von der Beklagten wiederholt vorgestellten alternativen Schadensursachen, namentlich die Ausbringung von Klärschlamm.

Große Schäden entstanden

Mit der Klage machen die Stadtwerke Kosten geltend, die ihr im Zusammenhang mit den festgestellten PFAS-Verunreinigungen entstanden sind.

„Konkret handelt es sich dabei um Mehraufwendungen in unseren Wasserwerken und der dazugehörigen Infrastruktur, die zur Gewährleistung der Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser erforderlich waren und sind,“ sagt Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt, der das heutige Urteil begrüßt. „Zum Zeitpunkt unserer Klageeinreichung vor sieben Jahren – im Mai 2019 – war uns bereits ein Schaden von 6,5 Millionen Euro für Maßnahmen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung entstanden. Dieses Geld – und auch den nach der Klageerhebung weiter entstandenen Schaden – wollen wir ersetzt haben. Es kann und darf nicht sein, dass die unbeteiligten Wasserverbraucher über den Wasserpreis die Kosten tragen müssen“, betont er weiter.

Über viele Jahre hinweg wurden Papierschlämme, die mit PFAS verseucht waren, großflächig auf Felder in der Region Mittelbaden aufgebracht. Durch sie ist es zur Belastung des Grundwassers gekommen.

Hintergrund

  • Der durch PFAS in Mittelbaden verursachte Umweltskandal ist flächenmäßig einer der größten in Deutschland. Belastet sind dort rund 1.100 Hektar Boden und rund 490 Millionen Kubikmeter Grundwasser auf einer Fläche von 127 Quadratkilometern. Das entspricht in etwa der Größe des Chiem- und Ammersees zusammen, Tendenz steigend.
  • Zur Sicherung der Trinkwasserversorgung mussten die Stadtwerke Rastatt umfangreiche Maßnahmen ergreifen, unter anderem ein Wasserwerk ganz stilllegen, zwei weitere mit aufwendigen Filteranlagen versehen, eine Vielzahl von Messstellen niederbringen und eine interkommunale Notverbindungsleitung legen.
  • PFAS sind deshalb so problematisch, weil sich die Chemikalien in der Natur nicht abbauen und im Verdacht stehen, gesundheitsgefährdend zu sein.

Quelle: Stadtwerke Rastatt

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Brasiliens Wassernetze modernisieren

14. April 2026 um 07:10

Sabesp erbringt Wasser- und Abwasserdienstleistungen für 375 Gemeinden im Bundesstaat São Paulo, in dem mehr als 45 Millionen Menschen leben. Das Unternehmen versorgt rund 28 Millionen Kunden. Im Rahmen der nationalen Bemühungen Brasiliens, die Wasserinfrastruktur auszubauen und zu modernisieren sowie bis 2033 einen universellen Zugang zu Wasser und Sanitäreinrichtungen zu erreichen, investiert das Unternehmen in die Erneuerung seiner Verteilnetze. Im Rahmen des Vertrags wird GF Polyethylenrohre liefern, um Sabesp bei der Verbesserung kommunaler Wassersysteme zu unterstützen.

Über Sabesp

Sabesp (Companhia de Saneamento Básico do Estado de São Paulo), gegründet 1973 und 2024 privatisiert, ist Brasiliens größtes Wasser- und Abwasserunternehmen und eines der weltweit größten gemessen an der versorgten Bevölkerung. Es erbringt Wasser- und Abwasserdienstleistungen für 375 Gemeinden im Bundesstaat São Paulo und versorgt rund 28 Millionen Menschen.

„Wasserversorger weltweit stehen unter wachsendem Druck, Verluste zu reduzieren und alternde Infrastrukturen zu modernisieren. Unsere Zusammenarbeit mit Sabesp zeigt, wie wir zur Bewältigung dieser Herausforderungen beitragen“, sagte Andreas Müller, GF CEO. „Sie spiegelt zudem unsere Strategie 2030 wider, unsere Führungsposition im Infrastrukturbereich durch innovative End-to-End-Lösungen für Versorgungsunternehmen und Infrastrukturkunden weiter zu stärken.“

Langjährige Zusammenarbeit

Die Vereinbarung baut auf einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen GF und Sabesp auf. Zuletzt lieferte GF im Jahr 2025 eine Pilotlösung der NeoFlow Druckmanagement-Kammer, die verschiedene Technologien von GF, VAG und Uponor in einer kompakten und einfach zu installierenden Lösung integriert.

„Nach der erfolgreichen Einführung der Druckmanagement-Kammer von GF bauen wir unsere Zusammenarbeit nun weiter aus, um die Modernisierung unserer Wasserverteilinfrastruktur voranzutreiben“, sagte Gustavo do Valle Fehlberg, Einkaufsdirektor bei Sabesp. „Diese nächste Phase wird die Erneuerung kritischer Netze in der Region beschleunigen und Millionen von Menschen mit sicherem Wasser versorgen.“


Quelle: GF

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Smarte Netze, bessere Daten

13. April 2026 um 06:56

Ziel des Projekts „DMeStHyA“ (Entwicklung eines digitalen Mess- und Steuerungssystems für hydrometeorologische Anwendungen, anwendungsbezogenes Upscaling mit Praxistest im Feld) ist die Modernisierung, Standardisierung und Digitalisierung eines bestehenden hydrometeorologischen Messnetzes, wie sie am Beispiel des Messnetzes des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK NRW) umgesetzt wurde.

Im Mittelpunkt stehen die technische Erneuerung der Messeinrichtungen, ein standardisiertes Stationsdesign sowie die Digitalisierung der Betriebsprozesse. Dazu gehören standardisierte Schaltschranklösungen, moderne Kommunikationsstrukturen und die Integration der Stationen in digitale Systeme zur Überwachung und zum Management des Messnetzbetriebs. Die Messstationen werden dadurch technisch vereinheitlicht und digital vernetzt. Das erleichtert Wartung und Betrieb, verbessert die Datenverfügbarkeit und ermöglicht es, Störungen frühzeitig zu erkennen.

Das Institut für nachhaltige Wassersysteme der Hochschule Hof (inwa) begleitet das Projekt wissenschaftlich. Zu den Aufgaben gehören die Analyse der Projektumsetzung, die Auswertung von Befragungen und Interviews mit Mitarbeitenden des Messnetzbetriebs sowie der Transfer der Ergebnisse in Forschung und Praxis.

„Die zuverlässige Erfassung und Bewertung hydrometeorologischer Daten wird mit Blick auf Klimawandel, Extremwetter und den Schutz kritischer Infrastrukturen immer wichtiger. Gerade deshalb ist die Beteiligung der Hochschule Hof in solchen Projekten von besonderer Bedeutung: Wir bringen wissenschaftliche Analyse, Praxisnähe und den Transfer der Ergebnisse zusammen“, sagt Günter Müller-Czygan, Professor an der Hochschule Hof und wissenschaftlicher Leiter der Projekte.

Durch die Modernisierung können Störungen schneller erkannt, Daten zügiger verarbeitet und Betriebsabläufe effizienter gestaltet werden. Ein besonderer Schwerpunkt der wissenschaftlichen Begleitung liegt auf der Frage, wie die Digitalisierung im praktischen Betrieb angenommen wird. Dazu wurden Mitarbeitende des LANUK befragt, um Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag systematisch auszuwerten und in die Weiterentwicklung der Systeme einfließen zu lassen.

„Unsere Beteiligung an beiden Projekten von Beginn an ermöglicht es uns, die Entwicklung der Digitalisierung im Messnetzbetrieb kontinuierlich zu begleiten“, sagt Dr. Viktoriya Tarasyuk vom inwa. „Dabei wird sichtbar, wie sich die Rolle der Mitarbeitenden an den hydrometeorologischen Stationen verändert und wie sie zunehmend in digitale Prozesse eingebunden werden.“

Plausibilisierung von Niederschlagsdaten mit KI

Auf dieser Grundlage setzt das Folgeprojekt NIQKI (Niederschlagsdaten-Qualitätskontrolle mit Künstlicher Intelligenz) auf. Im Mittelpunkt steht die automatisierte Plausibilisierung von Niederschlagsdaten mit KI. Das bedeutet, dass automatisch überprüft wird, ob Messdaten realistisch und vollständig sind. Ein Beispiel: Wenn in der Zeitreihe einer Messstation plötzlich ein Abschnitt ohne Daten oder mit auffälligen Werten erscheint, prüft das System automatisch, ob es sich um eine technische Störung, einen Übertragungsfehler oder um ein reales Ereignis handelt.

Ziel ist es, Verfahren zu entwickeln, mit denen Messdaten schneller und zuverlässiger bewertet werden können. Für die Plausibilisierung werden physikalische Grenzwerte, heuristische Prüfregeln aus der Betriebserfahrung sowie Methoden der künstlichen Intelligenz kombiniert. So lassen sich Messfehler, Sensorausfälle oder Übertragungsprobleme frühzeitig identifizieren und die Qualität der Daten systematisch bewerten.

Das Institut für nachhaltige Wassersysteme der Hochschule Hof (inwa) begleitet das Projekt wissenschaftlich. Zu den Aufgaben gehören die Analyse des aktuellen Stands von Forschung und Technik, die Unterstützung bei der Evaluation der entwickelten Verfahren sowie die Bewertung möglicher Anwendungsfelder.

„Wir kombinieren physikalische Grenzen, Erfahrungswerte und KI, um Messfehler, Sensorausfälle oder Übertragungsprobleme frühzeitig zu erkennen“, sagt Günter Müller-Czygan. „So können wir die Qualität der Daten deutlich verbessern.“

Eine Lösung mit Wirkung über die Region hinaus

Beide Projekte greifen eng ineinander: Während DMeStHyA die technische Grundlage durch ein modernisiertes und standardisiertes Messnetz schafft, ermöglicht NIQKI die systematische Bewertung der Datenqualität durch automatisierte Plausibilisierung. Gemeinsam verbessern sie damit die Verlässlichkeit hydrometeorologischer Daten und deren Nutzbarkeit für operative Anwendungen.

„Unsere Beteiligung an beiden Projekten ermöglicht es uns, die Entwicklung von Anfang an wissenschaftlich zu begleiten und Erkenntnisse direkt in die Praxis zu übertragen“, betont Günter Müller-Czygan.

Die Bedeutung dieser Arbeit reicht dabei weit über die Region hinaus. Verlässliche hydrometeorologische Umweltdaten sind nicht nur lokal wichtig, sondern gewinnen auch im internationalen Kontext zunehmend an Bedeutung – etwa bei der Vorhersage von Hochwasser oder im Katastrophenschutz.

Zusammenarbeit als Grundlage der Projektumsetzung

Beide Projekte werden in enger Zusammenarbeit zwischen Forschung, öffentlicher Verwaltung und Unternehmen umgesetzt. Im Projekt DMeStHyA sind unter anderem das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) sowie die HST Systemtechnik GmbH & Co. KG beteiligt. Das Folgeprojekt NIQKI wird von der Technischen Hochschule Köln koordiniert; weitere Partner sind unter anderem LANUK NRW, hydro & meteo GmbH sowie HST Systemtechnik GmbH & Co. KG.

Das Institut für nachhaltige Wassersysteme der Hochschule Hof (inwa) übernimmt in beiden Projekten die wissenschaftliche Begleitung und trägt dazu bei, die Ergebnisse systematisch auszuwerten und für weitere Anwendungen nutzbar zu machen.


Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Günter Müller-Czygan
+49 9281 409 – 4683
guenter.mueller-czygan(at)hof-university.de

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