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Heute — 20. Juli 2026GWF – News

Was ein Gartenpool für die Trinkwasserversorgung bedeutet

20. Juli 2026 um 12:21

Ein durchschnittlicher Aufstellpool mit 3,66 Metern Durchmesser fasst rund 6.500 Liter Wasser. Das entspricht mehr als dem 52-fachen des durchschnittlichen täglichen Trinkwassergebrauchs einer Person in Deutschland. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Trinkwassergebrauch pro Person und Tag bei 123 Litern. Seit 1990 ist dieser Wert um rund 16 Prozent gesunken – damals waren es noch durchschnittlich 147 Liter pro Person und Tag.

Hitzetage lassen den Wasserbedarf steigen

An heißen Sommertagen kann die Trinkwassernachfrage jedoch deutlich zunehmen. Bei großer Hitze steigt der Bedarf der Haushalte um bis zu 60 Prozent. Gärten werden bewässert, häufiger geduscht und immer mehr private Pools mit mehreren Tausend Litern Wasser befüllt.

„Der häufigste Grund für technische Engpässe in der Trinkwasserversorgung war in den vergangenen Sommern nicht Wassermangel, sondern, dass an heißen Sommertagen zu viel Wasser auf einmal angefordert wird“, erklärt Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser. „Das kann die Systeme überfordern, deren Pumpleistung, Aufbereitungs- oder Leitungs- und Hochbehälterkapazitäten auf einen niedrigeren Bedarf zugeschnitten sind. Können diese Systeme nicht mehr genügend Wasser pro Zeiteinheit weiterleiten, müssen Gemeinden kurzfristig Gartenbewässerung und Poolbefüllungen untersagen. Das gibt den Speichern Zeit, sich wieder zu füllen und die Trinkwasserversorgung zu sichern. Denn die hat absolute Priorität.“

Nach Angaben des BDEW sind die Kapazitäten in den allermeisten Regionen auch während Hitzeperioden ausreichend. Dennoch könne es sinnvoll sein, das Versorgungssystem zu entlasten – etwa indem Gärten nicht während der Mittagshitze bewässert oder Swimmingpools nicht zu den Hauptverbrauchszeiten am Vormittag oder frühen Abend befüllt werden.

Klimawandel erhöht den Anpassungsdruck

„Der Klimawandel schreitet voran und seine Folgen machen sich immer deutlicher bemerkbar. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, mit den Trinkwasserressourcen sorgsam umzugehen. Dies ist auch eine Herausforderung für die Wasserversorgung. Zwar haben wir in Deutschland grundsätzlich ausreichend Wasserressourcen, um den menschlichen Bedarf mit Trinkwasser zu decken, aber diese Ressourcen sind in Deutschland ungleichmäßig verteilt. Der Klimawandel macht eine stärkere Anpassung der Verhaltensweisen und Infrastrukturen erforderlich“, sagt Weyand.

„Um die Versorgung auch künftig sicherzustellen, sind unter anderem weitere Investitionen in die Wasserinfrastruktur, den Ausbau regionaler Verbundsysteme sowie ein effizienter und nachhaltiger Umgang mit Wasser erforderlich. Deshalb muss die Wasserwirtschaft von den Infrastrukturfördermitteln des Bundes profitieren. Wir müssen heute die richtigen Investitionsentscheidungen treffen, um auch morgen eine sichere und qualitativ hochwertige Wasserversorgung gewährleisten zu können.“

Die Ausgabe 7/8 der gwf Wasser/Abwasser stellt das Thema Trinkwasser in den Mittelpunkt und beleuchtet unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserversorgung. Sie erscheint am 21.08.2026.


Quelle: bdew

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Wie Moore Wasser in der Landschaft halten

20. Juli 2026 um 07:19

Moore erfüllen wichtige Funktionen für Klima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt – vorausgesetzt, sie sind nass. Doch die Wiedervernässung scheitert in der Praxis häufig an langwierigen Genehmigungsverfahren, unterschiedlichen Vorgaben der Behörden oder komplizierten Eigentumsverhältnissen. Um die Umsetzung von Moorschutzmaßnahmen zu erleichtern, hat das DBU Naturerbe im Modellprojekt „NaturErbeKlima“ einen Handlungsleitfaden für Naturschutzgebiete veröffentlicht.

Wiedervernässung als Beitrag zum Klimaschutz

Hitze, Dürre und Starkregen zeigen bereits heute, wie wichtig ein nachhaltiger Umgang mit Wasser ist. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) setzt sich deshalb seit Langem dafür ein, die Wiedervernässung von Mooren, Auen und anderen Feuchtlebensräumen voranzutreiben. Solche Ökosysteme können klimaschädliche Kohlenstoffdioxid-Emissionen reduzieren, Wasser zurückhalten und dadurch sowohl den Hochwasserschutz verbessern als auch Schäden für Siedlungen und landwirtschaftliche Flächen verringern. Der nun veröffentlichte Leitfaden des DBU Naturerbes soll die Planung und Umsetzung entsprechender Maßnahmen auf Naturschutzflächen unterstützen.

Coverbild Leitfaden zur Umsetzung von Moorschutzmaßnahmen auf Naturschutzflächen / Quelle: DBU

Moore erfüllen mehrere wichtige Funktionen

Ursprünglich bedeckten Moore in Deutschland rund 1,8 Millionen Hektar. Heute sind infolge der Entwässerung für die landwirtschaftliche Nutzung mehr als 90 Prozent dieser Flächen trockengelegt.

Die Folgen sind erheblich: „Bundesweit verursachen die trockenen Moore sieben Prozent der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen“, sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe.

Dabei handele es sich um wertvolle Ökosysteme: „Nasse Moore sind zugleich Kohlenstoffsenken, Wasserspeicher und Garant für Lebensvielfalt“, so Belting.

Der im Modellprojekt „NaturErbeKlima“ entwickelte Leitfaden solle die Wiederherstellung eines natürlichen Wasserhaushalts auf Naturschutzflächen erleichtern. Er richte sich insbesondere an Akteurinnen und Akteure im Naturschutz, die Maßnahmen des natürlichen Klimaschutzes in ihr Flächenmanagement integrieren möchten. Erfahrungen aus dem Projekt zeigten, dass alle, die erstmals mit einer Moorschutzplanung befasst seien, unweigerlich auf Herausforderungen stießen, sagte Dr. Charlotte Seifert, Projektkoordinatorin im DBU Naturerbe. Der Leitfaden zeige auf, wie sich diese meistern ließen.

Herausforderungen bei Planung und Genehmigung

Bei der Wiedervernässung spielen häufig komplexe Zuständigkeiten und rechtliche Vorgaben eine Rolle.

„Das Durchlaufen von Genehmigungsverfahren und die Klärung von Eigentumsverhältnissen gehören zu den größten Herausforderungen bei den Planungen“, sagt Lukas Stoot, Projektkoordinator im DBU Naturerbe.

Der Leitfaden biete hierfür Orientierung und eine strukturierte Übersicht.

Auch die Abstimmung mit den zuständigen Behörden sei entscheidend. Stoot nennt als Beispiel die Wasserrahmenrichtlinie: „Eine Rolle bei Wiedervernässungen spielt etwa die Wasserrahmenrichtlinie, die besagt, dass Fließgewässer für Fische und andere Lebewesen durchgängig sein müssen.“

Gleichzeitig erfordere eine Moorwiedervernässung oft das Verschließen wasserabführender Gräben. „Um Wasser in der Landschaft zu halten, müssen wasserabführende Gräben verschlossen werden. Herausfordernd wird es dann, wenn diese als Fließgewässer eingestuft wurden und somit laut Richtlinie durchgängig bleiben müssen.“ Zuständig seien dafür – je nach Bundesland – kommunale, regionale oder Landeswasserbehörden.

Trotz solcher Zielkonflikte überwögen nach Angaben von Stoot häufig die gemeinsamen Vorteile. Auf den meisten Flächen ergäben sich Synergien. Voraussetzung seien eine integrierte wasserwirtschaftliche Planung und eine sorgfältige fachliche Abwägung, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu erhöhen.

Modellprojekt liefert Erfahrungen für die Praxis

Eine erfolgreiche Wiedervernässung komme nicht nur der Natur zugute, sondern auch den Menschen.

„Intakte und wiedervernässte Moore helfen nicht nur, klimabedingte Extremereignisse abzumildern, sondern stabilisieren auch die Wasserverfügbarkeit ganzer Regionen“, sagt Seifert. Das gelinge, indem sie Wasser speichern, Verdunstungskühlung fördern sowie als natürliche Puffer gegenüber Hochwasser und Dürre wirken.

Die Machbarkeitsstudie „NaturErbeKlima“ startete vor zwei Jahren. Als eines der ersten Modellprojekte im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) wird sie bis September durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit rund 2,2 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert.

„Wir haben auf 15 ausgewählten DBU-Naturerbeflächen in sieben Bundesländern im Sinne des natürlichen Klimaschutzes Maßnahmen geplant“, sagt Seifert.

Zum DBU Naturerbe gehören 66 Flächen des Nationalen Naturerbes mit insgesamt 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Im Mittelpunkt standen insbesondere Vernässungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen von Mooren, Feuchtlebensräumen und Auen. Darüber hinaus umfassten die Planungen die Entwicklung von Wald und Wildnis sowie ein praxisorientiertes Monitoringkonzept.

Auf der rund 9.600 Hektar großen DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide in Mecklenburg-Vorpommern wurden bereits erste Maßnahmen umgesetzt. „Mit über 100 gesetzten Grabenplomben, etwa 15 verschlossenen Durchlassrohren und der Verfüllung eines Grabenabschnitts auf über 100 Meter wird das Wasser nicht mehr abgeleitet, sondern in der Fläche gehalten“, sagt Seifert. Weitere Arbeiten sollen dort noch folgen. Die Erfahrungen aus dem Modellprojekt flossen in den jetzt veröffentlichten Handlungsleitfaden ein.


Quelle: Wie Moore wieder nass werden

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Ältere BeiträgeGWF – News

GEOMAR startet Ostsee-Expeditionen zur Erforschung von Seegras und Phytoplankton

17. Juli 2026 um 12:35

17Mit dem Forschungssegler Malizia Explorer hat heute die erste von insgesamt drei Kurz-Expeditionen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel begonnen. Bis zum 24. Juli untersuchen die Forschungsteams Seegraswiesen und Phytoplankton in der westlichen Ostsee. Die wissenschaftlichen Fahrten sollen neue Erkenntnisse über den Zustand des Meeresökosystems und seine Bedeutung für den Klimaschutz liefern.

Die Ostsee übernimmt wichtige Funktionen für Klima und Küstenregionen: Sie bindet Kohlendioxid (CO₂), produziert Sauerstoff und dient zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum. Gleichzeitig steht das Binnenmeer unter erheblichem Druck. Überdüngung, steigende Wassertemperaturen, Algenblüten sowie sauerstoffarme Zonen beeinträchtigen das Ökosystem zunehmend. Mit einer Erwärmung von rund 0,6 °C pro Jahrzehnt zählt die Ostsee zu den weltweit am stärksten vom Menschen veränderten Meeresgebieten.

Seegraswiesen als Kohlenstoffspeicher

Der erste und dritte Fahrtabschnitt führen die Forschenden an die Küste Süddänemarks sowie in die Mecklenburger Bucht. Dort erfassen sie den Zustand und die Ausdehnung von Seegraswiesen und entnehmen Sedimentkerne, um deren Fähigkeit zur langfristigen Kohlenstoffspeicherung zu untersuchen. Die Arbeiten sind Teil der Projekte ZOBLUC und SeaStore II. Seegraswiesen gelten als Hotspots der Biodiversität. Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum, speichern Kohlenstoff im Sediment und schützen Küsten vor Erosion, indem sie Wellen abbremsen und den Meeresboden stabilisieren.

„In Schleswig-Holstein haben wir schon viele Seegraswiesen mit unserem Forschungskutter Littorina beprobt. Nun haben wir die Möglichkeit, mit der Malizia Explorer umweltfreundlich weiter entfernte Wiesen in Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark zu bereisen“, sagt Jana Silva Willim, Doctoral Researcher in der Forschungsgruppe „Marine Evolutionsökologie“ und verantwortlich für die Fahrtabschnitte zur Seegrasforschung.

Die Malizia Explorer wurde speziell für wissenschaftliche Einsätze umgebaut. Sie verfügt unter anderem über Probenlager, ein Beiboot und einen Bordkran für Forschungsgeräte. Dank ihres geringen Tiefgangs eignet sie sich besonders für Arbeiten in küstennahen Bereichen. Das GEOMAR ist seit dem Stapellauf des Schiffes im Jahr 2025 wissenschaftlicher Partner des Forschungsschiffes und arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit dem Team Malizia zusammen.

„Um festzustellen, wie viel Kohlenstoff im Sediment unter der Seegraswiese steckt, nehmen wir Sedimentkerne. Das bedeutet, dass wir ungefähr sechs Zentimeter breite Metallrohre in den Meeresboden einschlagen, das Sediment herausziehen und dann analysieren, wie viel Kohlenstoff darin steckt“, sagt Jana Silva Willim. „Außerdem wollen wir auch feststellen, wie es insgesamt um die Seegraswiesen beschaffen ist. Wir untersuchen zum Beispiel, aus wie vielen Individuen so eine Seegraswiese eigentlich besteht, dafür nehmen wir genetische Proben.“

Phytoplankton als Indikator für den Zustand der Ostsee

Der zweite Fahrtabschnitt führt entlang der schleswig-holsteinischen Küste bis in den Kleinen Belt vor Dänemark. Dort steht das Phytoplankton im Mittelpunkt der Untersuchungen. Die Forschenden analysieren die Artenzusammensetzung und Aktivität der Mikroalgen, um deren Beitrag zur Kohlenstoffaufnahme sowie ihre Eignung als Indikator für den ökologischen Zustand der Ostsee besser zu verstehen. Die Untersuchungen liefern Daten für die Projekte RECOVER und KIMMCO.

„Auf unserer Expedition mit der Malizia Explorer steht die Erforschung von Phytoplankton im Fokus. Phytoplankton bindet sehr viel CO2, es ist für 40 Prozent der weltweiten CO2-Aufnahme durch Photosynthese verantwortlich. Gleichzeitig reagiert Phytoplankton sehr sensibel gegenüber Umweltverhältnissen wie Temperatur, Licht und Nährstoffe. Wir können also aus Phytoplankton auch den Zustand der Ostsee ablesen. Deshalb ist es so wichtig, die verschiedenen Arten des Phytoplanktons besser zu verstehen und zu kategorisieren. Da wir eine große Datengrundlage benötigen, hilft uns dabei der Einsatz von KI“, sagt Prof. Dr. Anja Engel, Leiterin des Forschungsbereichs Marine Biogeochemie am GEOMAR und verantwortlich für den zweiten Fahrtabschnitt.

Daten für den Schutz der Ostsee

Mit den drei Expeditionen wollen die Forschenden den ökologischen Zustand der Ostsee genauer erfassen und Veränderungen besser nachvollziehen. Die gewonnenen Daten sollen dazu beitragen, den Einfluss des Klimawandels auf das Meeresökosystem besser zu verstehen und wissenschaftliche Grundlagen für künftige Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen zu schaffen. Im Projekt RECOVER fließen die Ergebnisse unter anderem in die Entwicklung eines digitalen Zwillings der südwestlichen Ostsee ein, mit dem sich Klimaszenarien simulieren und verschiedene Managementmaßnahmen bewerten lassen.

Mehr Informationen


Quelle: Ostsee-Expeditionen mit Malizia Explorer gestartet

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Warum das 100-jährliche Hochwasser künftig öfter auftreten könnte

17. Juli 2026 um 08:35

Das Hochwasser im Alpenraum könnte sich infolge des Klimawandels deutlich stärker verändern als bisher prognostiziert. Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) simulierte SLF-Hydrologe Paul Astagneau die Entwicklung der Hochwasser bis Ende des Jahrhunderts.

Hochwasser: Stündliche Daten liefern ein anderes Bild

Bisherige Klimastudien stützten sich überwiegend auf tägliche Abflussdaten. Dadurch werden kurze, intensive Starkniederschläge nur unzureichend erfasst, da sich deren Auswirkungen rechnerisch über den gesamten Tag verteilen. Die neue Untersuchung verwendet stattdessen stündliche Messwerte und bildet damit kurzzeitige Niederschlagsereignisse wesentlich genauer ab.

Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) simulierte der SLF-Hydrologe Paul Astagneau die Entwicklung der Hochwasser bis Ende des Jahrhunderts. Grundlage waren ein hydrologisches Modell sowie stündliche Abflussdaten von 384 Flüssen in der Schweiz und Österreich.

Starkniederschläge kompensieren den Rückgang der Schneeschmelze

Während frühere Untersuchungen aufgrund abnehmender Schneemengen teilweise von rückläufigen Hochwasserabflüssen ausgingen, zeigen die neuen Berechnungen ein differenzierteres Bild. Mit jedem Grad globaler Erwärmung nehmen stündliche Starkniederschläge um rund sieben Prozent zu. Dieser Effekt übertrifft den Rückgang der Schneeschmelze und führt insbesondere in alpinen Einzugsgebieten zu höheren Hochwasserspitzen.

Nach den Modellrechnungen steigt die Abflussspitze eines statistischen 100-jährlichen Hochwassers bis Ende des Jahrhunderts um etwa fünf bis 15 Prozent. Gleichzeitig könnte ein Ereignis dieser Größenordnung künftig bereits alle 45 bis 80 Jahre auftreten. Moderate Hochwasser bleiben zwar tendenziell rückläufig, allerdings deutlich weniger stark als bisher angenommen.

Die Modellierungen zeigen, dass extreme Hochwasserereignisse im Alpenraum künftig häufiger und intensiver auftreten könnten als bisher angenommen. Grundlage hierfür ist die Berücksichtigung stündlicher Abflussdaten, mit denen sich kurzzeitige Starkniederschläge detaillierter abbilden lassen.


Quelle: WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL)

Originalpublikation:
Paul Astagneau et al. Hourly climate information reveals stronger increases in flood extremes across the Alps, Science Advances, DOI: 10.1126/sciadv.aed6012

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Wie Klimamuster die Widerstandskraft von Korallenriffen beeinflussen

17. Juli 2026 um 07:18

Warum überstehen manche Korallenriffe marine Hitzewellen besser als andere? Eine in Scientific Reports veröffentlichte Studie zeigt, dass dafür nicht nur lokale ozeanographische Bedingungen verantwortlich sind. Entscheidend sind auch großräumige Klimamuster, die ganze Ozeanbecken beeinflussen. Forschende um Erstautorin Dr. Hana Camelia sowie Dr. Thomas Felis vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen kombinierten langjährige ozeanographische Messreihen mit chemischen Analysen von Korallenskeletten. Dadurch konnten sie nachweisen, wie großräumige Klimaschwankungen die natürliche Kühlung beeinflussen, die Korallenriffe während mariner Hitzewellen schützen kann.

Untersucht wurde ein Korallenriff in der Andamanensee im nordöstlichen Indischen Ozean. Dort gelangt regelmäßig kühles Wasser aus tieferen Meeresschichten in flache Riffbereiche. Verantwortlich dafür sind interne Wellen und eine schwankende Thermokline – die Grenzschicht zwischen warmem Oberflächen- und kühlerem Tiefenwasser. Diese Prozesse können Hitzestress deutlich verringern. Die Studie zeigt jedoch, dass ihre Schutzwirkung keineswegs konstant ist, sondern stark von großräumigen Klimaschwankungen im tropischen Indopazifik abhängt.

Korallen liefern Einblicke in vergangene Umweltbedingungen

Um die natürliche Kühlung über längere Zeiträume zu untersuchen, verglich das internationale Forschungsteam Temperaturmessungen aus tieferen Wasserschichten mit geochemischen Analysen von Korallenskeletten. Korallen dienen dabei als natürliche Umweltarchive, da sie während ihres Wachstums kontinuierlich Informationen über die Bedingungen des umgebenden Meerwassers speichern. Mithilfe des Strontium-Calcium-Verhältnisses (Sr/Ca) im Korallenskelett rekonstruierten die Forschenden frühere Wassertemperaturen. Ergänzend lieferten Kohlenstoffisotope Hinweise darauf, wie Korallen ihren Stoffwechsel unter Hitzestress anpassten. Zusammen ermöglichen diese Proxydaten detaillierte Einblicke in die zeitliche Dynamik der Abkühlungsphasen und die biologischen Reaktionen der Korallen.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der Einfluss zweier bedeutender Klimaphänomene: der El Niño-Südlichen Oszillation (ENSO) und des Indischen-Ozean-Dipols (IOD). Beide verändern Windmuster und die Lage der Thermokline und beeinflussen dadurch, wie effizient kühles Tiefenwasser in flache Riffbereiche gelangt.

Besonders starke Abkühlung beobachteten die Forschenden während des außergewöhnlichen El-Niño-Ereignisses 1997/1998, das zeitgleich mit einem ausgeprägten positiven Indischen-Ozean-Dipol auftrat. In dieser Phase hob sich die Thermokline ungewöhnlich stark an, sodass interne Wellen vermehrt kühles Wasser in Richtung Riff transportierten. Obwohl dieses Ereignis weltweit eine der schwersten Korallenbleichen verursachte, verringerte die natürliche Kühlung den Hitzestress am untersuchten Standort deutlich.

Quelle: Adobestock/ 338263893

Flexible Reaktion auf Hitzestress

Die chemischen Signaturen der Korallenskelette zeigen außerdem, dass Korallen ihre Ernährungsstrategie an veränderte Umweltbedingungen anpassen können. Normalerweise beziehen riffbildende Korallen den Großteil ihrer Energie aus der Symbiose mit einzelligen Algen. Während Bleiche-Ereignissen kann diese Lebensgemeinschaft jedoch gestört werden.

Die Kohlenstoffisotopen-Analysen weisen darauf hin, dass die Korallen während vieler Bleiche-Phasen verstärkt heterotroph wurden und zusätzliche Nahrungspartikel aus dem Wasser aufnahmen. Während des Ereignisses von 1998 war dieser Effekt jedoch deutlich schwächer ausgeprägt. Das deutet darauf hin, dass die außergewöhnlich starke natürliche Kühlung den Korallen half, ihre übliche Ernährungsweise weitgehend beizubehalten.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass Korallenrefugien keine dauerhaft geschützten Rückzugsräume sind. Ihre Schutzwirkung hängt vielmehr vom jeweiligen Zustand des großräumigen Klimasystems ab. Da sich ozeanisch-atmosphärische Zirkulationsmuster über Jahre und Jahrzehnte verändern, schwankt auch die Wirksamkeit dieser natürlich gekühlten Riffe. Ein besseres Verständnis dieser Dynamik kann helfen vorherzusagen, welche Korallenriffe zukünftige marine Hitzewellen besonders gut überstehen. Gleichzeitig liefert die Studie wichtige Grundlagen für den Schutz und das Management von Riffsystemen, die unter künftigen Klimabedingungen als natürliche Refugien dienen könnten.

Dynamische Schutzräume statt dauerhafter Rückzugsorte

Die Studie zeigt, dass natürlich gekühlte Korallenriffe keinen dauerhaften Schutz vor den Folgen des Klimawandels bieten. Vielmehr verändert sich ihre Schutzfunktion mit der natürlichen Klimavariabilität der Tropen. Durch die Kombination von Korallen-Geochemie und langjährigen ozeanographischen Beobachtungen wird deutlich, wie Prozesse auf der Ebene ganzer Ozeanbecken das Schicksal einzelner Korallenriffe beeinflussen.

Angesichts immer häufiger auftretender mariner Hitzewellen wird es zunehmend wichtiger zu verstehen, wann und wo diese natürlichen Kühlmechanismen Korallenriffe wirksam schützen können.


Quelle: Tropical climate modes control strength and distribution of thermal stress mitigation in a coral reef refugia | Scientific Reports

 

 

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Intelligente Steuerung für die Küstenentwässerung

16. Juli 2026 um 12:13

Funktionierende Entwässerungssysteme sind für den Schutz von Siedlungen, Verkehrswegen und landwirtschaftlichen Flächen in Küstenregionen unverzichtbar. Gleichzeitig erhöhen der Klimawandel, steigende Energiepreise und der wachsende Wasserbedarf der Industrie den Druck auf das bestehende Wassermanagement. Im Verbundprojekt „ForeCoast“ entwickelt die Technische Universität Braunschweig deshalb ein intelligentes Wasser- und Energiemanagementsystem, das Hochwasserschutz, Energieeffizienz und Versorgungssicherheit miteinander verbindet. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben mit rund 1,5 Millionen Euro.

Kern des Projekts ist ein neues Steuerungsmodell für Siele und Schöpfwerke, die das Deichhinterland entwässern. Es verknüpft hydrometeorologische Vorhersagen, Wasserbedarfsprognosen sowie Informationen über die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, Strompreise und Netzbedingungen. So soll der Entwässerungsbetrieb künftig vorausschauend und datenbasiert gesteuert werden – unter Berücksichtigung ökologischer und wirtschaftlicher Anforderungen.

„Wir wollen aus komplexen Daten konkrete, umsetzbare Entscheidungen für den Betrieb von Schöpfwerken ableiten – in Echtzeit und über verschiedene Planungshorizonte hinweg“, sagt Projektleiter Professor Kai Schröter vom Leichtweiß-Institut für Wasserbau der TU Braunschweig.

Küstenniederungen stehen vor neuen Herausforderungen

Rund 12.000 Quadratkilometer Land an der deutschen Nordseeküste liegen weniger als 2,5 Meter über Normalhöhennull. Diese Flächen besitzen große Bedeutung für Wirtschaft, Industrie und Landwirtschaft und sind auf eine zuverlässige Entwässerung angewiesen. Allein in Niedersachsen und Schleswig-Holstein übernehmen mehr als 860 Siele und Schöpfwerke diese Aufgabe und verbrauchen dafür jährlich rund 80 Gigawattstunden Strom.

Bislang basiert der Betrieb der Anlagen überwiegend auf lokaler Erfahrung sowie der Einschätzung von Wetter- und Gezeitenprognosen. Mit steigenden Meeresspiegeln, häufigeren Starkregenereignissen sowie veränderten Tide- und Sturmflutverhältnissen wächst jedoch der Bedarf an Pumpenergie. Gleichzeitig gewinnt Wasser aus Oberflächengewässern zunehmend an Bedeutung, etwa für die Wasserstoff- und Batterieproduktion.

Hier setzt „ForeCoast“ an: Erstmals werden Wasser- und Energiesektor in einem integrierten Steuerungssystem systematisch miteinander verbunden. Wissenschaftliche Modellierung, energiewirtschaftliche Analysen und praktische Betriebserfahrung fließen dabei zusammen.

Gemeinsam entwickeln die Technische Universität Braunschweig, die Leuphana Universität Lüneburg, die Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth, NAECO Blue sowie der Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen ein System, das wasser- und energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen simuliert, Unsicherheiten bewertet, Entwässerungsanlagen optimiert steuert, Speicherpotenziale und künftige Wasserbedarfe berücksichtigt und unter realen Bedingungen erprobt.

Datenbasierte Entscheidungen für den Betrieb

Grundlage des Systems sind unter anderem Verfahren des maschinellen Lernens, prozessbasierte Simulationen sowie Optimierungsmethoden unter Unsicherheit. Dadurch soll der Entwässerungsbetrieb künftig flexibler und vorausschauender gesteuert werden.

Das System unterstützt unter anderem:

  • die dynamische Anpassung von Pumplaufzeiten an Strompreise und die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien,
  • die Senkung der Energiekosten,
  • einen netzdienlichen Betrieb zur Stabilisierung des Stromnetzes,
  • die Einhaltung der Zielwasserstände und den Hochwasserschutz sowie
  • die bedarfsgerechte Wasserbereitstellung für Landwirtschaft und Industrie.

Ergänzend bewertet ein integriertes Risikomanagement unterschiedliche Handlungsoptionen und schafft belastbare Entscheidungsgrundlagen für Betreiber und Behörden.

Erprobung an zwei Pilotstandorten

Die Praxistauglichkeit des Systems wird an zwei Standorten demonstriert: in Brunsbüttel-Süd in Schleswig-Holstein, einem wichtigen Industrie- und Wasserstoffstandort, sowie am Siel und Schöpfwerk Knock in Niedersachsen, das eines der größten Entwässerungsgebiete des Bundeslandes versorgt.

Mit seinem Ansatz trägt „ForeCoast“ dazu bei, die Wechselwirkungen zwischen Wasser- und Energiesystemen besser zu verstehen und Lösungen für eine klimaangepasste und nachhaltige Infrastrukturentwicklung zu entwickeln. Damit unterstützt das Projekt zugleich die Ziele der Hightech Agenda Deutschland und der Nationalen Wasserstrategie.


Quelle: Neue Wege für die Entwässerung von Küstenregionen

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Wenn die Heimat im Giftsee versinkt

16. Juli 2026 um 11:00

Matthäus, zuallererst eine Frage, die mir keine Ruhe gelassen hat: Was ist mit Păuna, der Kuh von Valeria, passiert?

Matthäus Wörle: Diese Frage bekomme ich oft zu hören. Păuna hatte gesundheitliche Probleme, die vermutlich mit dem belasteten Grundwasser zusammenhingen. Grund für ihren Tod war allerdings ein Sturz im Stall, bei dem sie sich ein Hinterbein brach. Für ein so großes Tier bedeutete das leider das Ende.

Für Valeria, der Protagonistin des Films, ein herber Schlag.

Ja, die Tiere bedeuten ihr viel und Păuna war für sie ein Familienmitglied.

Der Film erzählt die Geschichte des Dorfes Geamăna mit einem starken persönlichen Fokus auf Valeria, einer der letzten Bewohnerinnen des Dorfes. Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Film über dieses Dorf und den giftigen See zu drehen?

Ich habe mich schon immer für Umweltthemen interessiert. Während meines Studiums suchte ich nach einem geeigneten Filmstoff und stieß bei meinen Recherchen auf Bilder dieses Ortes. Die Landschaft mit ihren ungewöhnlichen Farben hat mich sofort fasziniert. Als ich 2020 zum ersten Mal dorthin fuhr, wurde mir schnell klar, dass hinter diesen Bildern eine viel größere Geschichte steckt.

War sofort klar, dass Valeria die Hauptfigur des Films werden würde?

Nicht sofort. Ich habe viele Menschen getroffen und zahlreiche Gespräche geführt. Bei Valeria hatte ich aber schnell das Gefühl, dass ihre Geschichte weit über die Umweltproblematik hinausgeht. Ihre Geschichte verbindet viele Ebenen: Umweltzerstörung, Vertreibung, Verlust von Heimat und die wirtschaftliche Abhängigkeit einer ganzen Region vom Bergbau. Durch sie konnte ich zeigen, welche konkreten Auswirkungen die Umweltprobleme auf das Leben der Menschen haben.

Im Film wirkt es so, als hätte die Geschichte nur wenige Monate umfasst. Wie lange hast du tatsächlich gedreht?

Insgesamt hat das gesamte Filmprojekt vier Jahre gedauert – von der ersten Recherche bis zum fertigen Film. Die ersten Aufnahmen entstanden 2020, die letzten 2022. Ich war immer wieder für längere Zeit vor Ort. Allein die Dreharbeiten erstreckten sich über etwa zwei Jahre.

Das Dorf Geamăna in den rumänischen Karpaten wurde Ende der 1970er-Jahre unter dem kommunistischen Regime für den Bau eines Absetzbeckens des nahegelegenen Kupferbergwerks Roșia Poieni enteignet. Die versprochene Umsiedlung blieb jedoch weitgehend aus: Stattdessen mussten die Bewohner ihre Heimat nach und nach verlassen, als der mit Rückständen aus dem Kupferabbau gefüllte Schlammsee immer weiter anstieg. Viele blieben bis zuletzt und gingen erst, als das Wasser bereits an ihren Häusern stand. Die Entschädigungen fielen meist gering aus. Heute ragt nur noch der Kirchturm aus dem toxischen Schlammsee heraus und erinnert an eines der größten Umweltunglücke Rumäniens. Das Kupfebergwerk Roșia Poieni zählt noch immer zu den größten Kupferlagerstätten Europas

Eindrucksvoll ist auch das historische Archivmaterial, dessen Einspielungen zeigen, als wie „ungefährlich“ die Einleitungen des Kupferbergwerks dargestellt wurden. Wie bist du an das Material gelangt?

Wir haben im Archiv des rumänischen Fernsehens gezielt nach Material gesucht. Die Nutzung solcher Aufnahmen ist allerdings sehr teuer. Deshalb mussten wir sehr genau auswählen, welche Szenen wir tatsächlich verwenden.

Welche Rolle spielt das Kupferbergwerk für die Region?

Das Kupferbergwerk ist nach wie vor einer der wichtigsten Arbeitgeber der Gegend. Rund 700 Menschen arbeiten dort. Deshalb ist die Situation sehr komplex. Viele Bewohnerinnen und Bewohner wissen um die ökologischen Probleme, sind aber gleichzeitig wirtschaftlich auf das Bergwerk angewiesen. Mir war wichtig, diese Ambivalenz im Film sichtbar zu machen und keine einfachen Schuldzuweisungen vorzunehmen.

Konntest du auch mit Vertretern des Kupferbergwerks sprechen?

Ja, allerdings nur unter schwierigen Bedingungen. Viele Menschen wollten nicht öffentlich vor der Kamera auftreten. Selbst Gespräche mit Verantwortlichen fanden eher im Hintergrund statt. Das zeigt bereits, wie sensibel das Thema vor Ort ist.

Im Zentrum des Films steht der See. Wie hat sich dieser während deiner Dreharbeiten verändert?

Die Veränderungen waren enorm. Als ich mit den Dreharbeiten begann, lag der See noch etwa 50 Meter vom Haus meiner Protagonistin entfernt. Bereits ein Jahr später war das Wasser deutlich näher gerückt. Der See steigt jedes Jahr um etwa ein bis eineinhalb Meter an. Am Ende der Dreharbeiten war klar, dass Valerias Grundstück langfristig verschwinden wird.

Wodurch wächst der See überhaupt weiter an?

In den See gelangen kontinuierlich Rückstände aus dem Bergbau sowie Wasser aus umliegenden Bergbächen. Solange im Kupferbergwerk weiter gearbeitet wird, wächst auch der See weiter. Nach Aussagen der Betreiber soll der Abbau noch mindestens zwei Jahrzehnte fortgesetzt werden.

Wie stark ist die Umwelt vor Ort belastet?

Matthäus Wörle, geboren 1991 in Weilheim, studierte Journalistik in Eichstätt-Ingolstadt und Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Nach einem Videojournalismus-Stipendium der Mediaschool Bayern arbeitete er unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, den Bayerischen Rundfunk und Nautilusfilm. Heute ist er als freier Regisseur und Videojournalist tätig. Seine Filme wurden national und international auf Festivals gezeigt und ausgezeichnet.

Die Auswirkungen sind mit bloßem Auge sichtbar. Der See enthält Abraum und Rückstände aus dem Kupferabbau. Es gab in der Vergangenheit sogar Vorfälle, bei denen Teile eines Damms brachen und belastetes Wasser in Flüsse gelangte. Die Folgen waren bis nach Ungarn spürbar. Für mich war die Situation so offensichtlich, dass ich im Film bewusst auf viele wissenschaftliche Kennzahlen verzichtet habe.

Warum?

Ich wollte keinen klassischen Fernsehbeitrag mit vielen Zahlen produzieren. Für mich spricht die Landschaft bereits für sich selbst. Die Farben des Sees sind Warnsignale. Der Film ist ein dokumentarisches Porträt. Mich interessiert vor allem die menschliche Perspektive. Ich wollte, dass das Publikum gemeinsam mit Valeria erlebt, was der Verlust von Heimat bedeutet. Ich glaube, dass persönliche Geschichten oft stärker wirken als reine Fakten.

Was sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer aus dem Film mitnehmen?

Vor allem die Erkenntnis, dass Umweltprobleme immer auch gesellschaftliche und menschliche Folgen haben. Es geht nicht nur um verschmutztes Wasser oder steigende Pegelstände, sondern um die Frage, wie Menschen mit dem Verlust ihrer Heimat umgehen und welche Verantwortung wir als Gesellschaft tragen.

Arbeitest du bereits an einem neuen Projekt?

Ja. Mein aktueller Film beschäftigt sich mit Seeleuten, die von Reedereien mitsamt ihren Schiffen auf den Weltmeeren zurückgelassen werden. Das ist ein großes soziales und ökologisches Problem, über das kaum berichtet wird.

Davon hört man tatsächlich nur sehr wenig.

Das liegt auch daran, dass diese Geschichten schwer zugänglich sind. Viele Ereignisse spielen sich weit entfernt von der Öffentlichkeit ab, und Dreharbeiten sind oft schwierig.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Matthäus. Wir freuen uns bereits auf deinen neuen Film.

Zum Film „where we used to sleep“

Der Film wird zudem am 27. Juli 2026 auf 3sat ausgestrahlt.


Das Interview führte Sina Ruhwedel.

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Gewässer im Amazonas stoßen mehr Methan aus als gedacht

16. Juli 2026 um 07:40

Methan (CH₄) ist ein starkes Treibhausgas, dessen Konzentration in der Erdatmosphäre in den vergangenen Jahrzehnten stark angestiegen ist. Feuchtgebiete gelten als die größte natürliche Quelle für Methan, doch die genaue Höhe der Emissionen ist unklar. Insbesondere ist ungewiss, wie stark die Methanfreisetzung aus Feuchtgebieten aufgrund des Klimawandels zunehmen könnte. Tropische Feuchtgebiete, darunter auch im Amazonas, tragen erheblich zur globalen Methanfreisetzung bei. Die genaue Abschätzung der Emissionsquellen und -mengen ist jedoch nach wie vor schwierig. Ein Grund dafür sind fehlende Messdaten, insbesondere in den Tropen, wo dichte Wolkendecken die Satellitenbeobachtung erschweren und es nur wenige bodengestützte Messungen gibt.

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Chemie hat nun mithilfe von Flugzeugmessungen festgestellt, dass die tatsächlichen Emissionen im Amazonasgebiet deutlich höher waren als von Klima- und Erdsystem-Modellen ermittelt. In bestimmten Gebieten wird sogar viermal so viel Methan abgegeben wie zuvor berechnet. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht. Sie sind von großer Bedeutung für die Genauigkeit von Klimaprognosen.

Etablierte Modelle stoßen an Grenzen

„Die Abweichungen zwischen Modellberechnungen und Realität haben mich motiviert, herauszufinden, woher das fehlende Methan stammt,“ sagt Linda Ort vom Max-Planck-Institut für Chemie.

Die Atmosphärenchemikerin und Erstautorin der Studie stellt fest, dass in Flughöhen ab sechs Kilometer die Mess- und die Modelldaten recht gut übereinstimmen. Je kleiner der Abstand zur Erdoberfläche jedoch war, umso größer wurden die Abweichung. Die gemessenen Methanwerte lagen im Durchschnitt etwa doppelt so weit über dem Hintergrundwert wie die entsprechenden Modellwerte. Zum Zeitpunkt der Messung im Dezember 2022 und Januar 2023 betrug der Hintergrundwert in der Atmosphäre etwa 1907 Teile pro Milliarde (ppb), ist seitdem jedoch erneut angestiegen. Die Einheit ppb (parts per billion) wird dabei verwendet, um sehr geringe Mischungsverhältnisse, wie sie bei Spurengasen in der Atmosphäre auftreten, präzise zu beschreiben. Die Ursache sieht Ort darin, dass sich Methan in großen Höhen atmosphärisch gut durchmischt und die Modelle den Transport von Luftmassen und Durchmischungseffekte gut abbilden. Für niedrigere Höhen versagen die Modelle jedoch.

Bei genauerer Betrachtung hinsichtlich der Quellen zeigte sich, dass an einigen Stellen in den Amazonas-Feuchtgebieten bis zu viermal so viel Methan in die Luft abgeben wird wie bisher angenommen. Unterteilt in die Art der Feuchtgebiete waren die Werte zum Beispiel an Flussdeltas um 26 Prozent erhöht, an Stauseen um 19 Prozent, und an regelmäßig überschwemmten Flussgebieten um 13 Prozent.

Die Forschenden sammelten ihre Daten über einen Zeitraum von zwei Monaten zwischen Dezember 2022 und Januar 2023. Dieses Zeitfenster liegt genau im Übergang von der Trocken- zur Regenzeit – einer Phase, in der typischerweise keine Brandrodung stattfindet und somit die Messungen nicht durch menschliche Eingriffe verfälscht wurden. In der eigentlichen Regenzeit sind die Methanemissionen zwar nochmals höher, in der Trockenzeit allerdings niedriger, wodurch sich die Mengen in etwa ausgleichen. Somit entsprechen die zwei Monate, in denen die Messungen stattfanden, in etwa dem Jahresmittel der Feuchtgebietsemissionen.

Umfangreiche Messflüge zwischen Trocken- und Regenzeit

Mit Hilfe von Sensoren an Bord des Forschungsflugzeugs HALO maßen Ort und das internationale Team die Methankonzentrationen in unterschiedlichen Höhen über einer riesigen Fläche des brasilianischen Regenwalds. Die Flughöhe reichte von nur 200 Metern über den Baumwipfeln bis in über 14 Kilometer Höhe. An über 7.000 Messpunkten erfassten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Daten mit einem speziell für den Einsatz an Bord von HALO entwickelten Absorptionsspektrometer, das das Spurengas Methan auch bei niedrigen Luftdrücken, wie sie in großen Höhen herrschen, präzise bestimmt.

Die Studie wurde von einem internationalen Team unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz durchgeführt. Beteiligt waren zudem Wissenschaftler:innen der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, des Forschungszentrums Jülich, des Cyprus Institute in Nikosia, Zypern, des California Institute of Technology in Pasadena, USA, sowie der University of Washington und der University of Michigan, USA.
Die Flugzeugmessungen zu den Methanemissionen waren Teil der wissenschaftlichen Kampagne CAFE BRAZIL (Chemistry of the Atmosphere: Field Experiment in Brazil). Mit dem Forschungsflugzeug HALO untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Dezember 2022 und Januar 2023 die natürlichen chemischen Prozesse über dem Amazonas-Regenwald; Ballons, Drohnen und die Forschungsstation ATTO ergänzten die Messungen vom Boden aus. Ein Ziel war es zu verstehen, wie sich der Wald und seine Pflanzenemissionen auf atmosphärische Prozesse wie die Entstehung von Wolken auswirken. Entscheidend für die Umsetzung der Forschungsmission war die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern in Brasilien: Forscher:innen des INPA (National Institute of Amazonian Research) sowie der Universität São Paulo brachten ihre Expertise vor Ort ein.

Für ihre Analysen unterteilten sie die gesamte Amazonasregion in Rasterzellen von 0,1 Grad × 0,1 Grad – eine für Emissionskarten hohe Auflösung. Um das in der Luft gemessene Methan dann den Quellen am Boden zuordnen zu können, berechneten die Forschenden mithilfe eines Transportmodells den Weg der Luftmassen zeitlich rückwärts bis zur jeweiligen Rasterzelle am Boden. Mithilfe eines für Feuchtgebiete gut etablierten Modellsatzes der NASA und eines komplexen numerischen Verfahrens berechneten sie dann die tatsächlich freigesetzten Methanmengen. Der Modellsatz der NASA schätzt Methanemissionen indirekt auf Basis von Satellitenmessungen der Bodenbeschaffenheit wie Feuchtigkeit, Vegetation und Temperatur ab.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es in tropischen Feuchtgebieten wie dem Amazonas-Regenwald noch viele unterschätzte Methanquellen gibt,“ sagt Linda Ort, die bei vielen Messflügen mit an Bord war.

Um die teils stark variierenden Methanquellen besser identifizieren zu können und Klima- und Erdmodelle zu verbessern, seien laut Ort mehr Messdaten nötig.

Methanemissionen: 35% aus der Natur, 65% menschengemacht

Rund 65 Prozent der weltweiten Methanemissionen stammen aus anthropogenen Quellen wie der Landwirtschaft, der Gewinnung und Nutzung von fossilen Brennstoffen und der Abfallwirtschaft. Die übrigen 35 Prozent werden bei natürlichen Prozessen freigesetzt. So entsteht Methan in größeren Mengen, wenn organisches Material, wie abgestorbene Pflanzen und Blätter, unter Wasser von Mikroorganismen zersetzt wird. Ein Beispiel hierfür sind Staudämme, wenn dabei große Waldflächen überschwemmt werden. Die künstlichen Bauwerke dienen in der Regel der Stromgewinnung, gelten aber als natürliche Methanquellen.

„Diese Ergebnisse unterstreichen wie wichtig es ist, die Prozesse besser zu verstehen, die die Methanbildung in Feuchtgebieten steuern“, sagt Eric Kort, Direktor der Abteilung Atmosphärenchemie am Max-Planck-Institut für Chemie und Mitautor der Studie. „Um den globalen Methanhaushalt zuverlässig zu erfassen, brauchen wir deutlich mehr Messungen nicht nur im Amazonasgebiet, sondern auch in anderen datenarmen Tropenregionen wie Zentralafrika und Südostasien.“


Quelle: Max-Planck-Institut für Chemie

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Bundesweites Informationssystem bündelt Niedrigwasserdaten

15. Juli 2026 um 11:10

Mit dem Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS steht seit dem 15. Juli 2026 erstmals ein bundesweites Informationsangebot zur aktuellen Niedrigwassersituation in Deutschland zur Verfügung. Betrieben wird das System von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Ziel ist es, eine einheitliche und vergleichbare Datengrundlage für Bundes- und Landesbehörden, Wirtschaft, Wissenschaft sowie die Öffentlichkeit bereitzustellen.

NIWIS bündelt und visualisiert Messdaten zu Wasserständen, Abflüssen, Grundwasserständen, Quellschüttungen und Niederschlagsverhältnissen. Durch die Kombination räumlicher Analysen und zeitlicher Auswertungen lassen sich Niedrigwasserereignisse schnell überregional bewerten. Interaktive Karten, statistische Kennwerte und historische Vergleiche erleichtern die Einordnung der aktuellen Lage.

Ergänzung bestehender Landesangebote

Das System ergänzt bestehende Informationsangebote der Bundesländer und macht Messdaten erstmals auf Bundesebene sichtbar. Regionale Portale bleiben weiterhin relevant, da sie detailliertere Informationen mit höherer räumlicher Auflösung liefern.

Zusätzlich stellt NIWIS Hintergrundinformationen zum Thema Niedrigwasser bereit und trägt dazu bei, hydrologische Daten und wissenschaftliche Analysen verständlich aufzubereiten.

 

Die Startseite fasst die aktuelle Niedrigwassersituation kompakt zusammen. Quelle: NIWIS

Steigender Bedarf durch Klimaveränderungen

Veränderungen der globalen Zirkulationsmuster erhöhen in Mitteleuropa die Wahrscheinlichkeit von langanhaltenden Trocken- und Niedrigwasserphasen. Diese Entwicklungen stellen Wasserwirtschaft, Schifffahrt, Landwirtschaft, Ökologie und Trinkwasserversorgung vor zunehmende Herausforderungen.

Vor diesem Hintergrund wächst der Bedarf an verlässlichen, einheitlich bewerteten und tagesaktuellen Informationen zum Wasserdargebot. NIWIS schafft hierfür eine zentrale Wissensbasis und erleichtert die Entscheidungsfindung für unterschiedliche Akteure.

Für die Schifffahrt und die Bundeswasserstraßen bietet das System ein belastbares Lagebild sowie eine vergleichbare Bewertung der Niedrigwassersituation über verschiedene Gewässer hinweg. Damit dient NIWIS auch als fachliche Grundlage für Management- und Kommunikationsprozesse.

Entwicklung im Verbund von Bund und Ländern

Das Informationssystem wurde in Zusammenarbeit mit Bundes- und Landesbehörden innerhalb der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) entwickelt. Es ist Teil der Nationalen Wasserstrategie des BMUKN.

Mit NIWIS übernimmt die BfG eine zentrale Rolle als nationales Datenzentrum „Wasser“ und bringt ihre Expertise im Datenmanagement sowie in der wissenschaftlichen Analyse ein. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern ermöglicht eine übergreifende Bereitstellung von Informationen zum Niedrigwassermanagement.

Ausbau und zukünftige Erweiterungen

Dank des modularen Aufbaus kann das System kontinuierlich weiterentwickelt werden. Geplant ist die Integration zusätzlicher Parameter, Modelldaten sowie eine geografische Erweiterung über Deutschland hinaus. Auch Rückmeldungen der Nutzenden sollen in zukünftige Anpassungen einfließen.

Die Datengrundlage umfasst derzeit Messwerte aus rund 350 Messstellen an Oberflächengewässern sowie etwa 200 Grundwassermessstellen. Ergänzt werden diese durch hydrometeorologische Daten des Deutschen Wetterdienstes.

Mit NIWIS steht damit erstmals eine zentrale Plattform zur Verfügung, die umfassende und vergleichbare Informationen zur Niedrigwassersituation in Deutschland bereitstellt und den Umgang mit Wasserknappheit unterstützt.

Zu NIWIS

Quelle: BfG – Aktuelles – Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS gestartet

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Extremhitze bringt Flüsse an ihre Belastungsgrenze

15. Juli 2026 um 07:42

 

Die Hitzewelle im Juni 2026 zählt zu den außergewöhnlichsten Wetterereignissen, die Europa bislang erlebt hat. In zahlreichen Ländern wurden neue Temperaturrekorde gemessen, vielerorts sanken die Temperaturen selbst in den Nachtstunden kaum ab. Ein interdisziplinäres Forschungsteam des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Ursachen der langanhaltenden Hitze sowie deren Auswirkungen auf Wasserhaushalt, Energieversorgung, Infrastruktur und Gesundheit untersucht.

Rekordhitze mit weitreichenden Folgen

„Die Hitzewelle hat nicht nur Rekorde gebrochen – sie tat dies zeitgleich über einen ungewöhnlich großen Teil Europas hinweg“, sagt Professor Michael Kunz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT, einer der Autoren des Berichts und Sprecher des CEDIM. „Allein in Deutschland wurden an 252 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) neue Allzeitrekorde der Tageshöchsttemperaturen verzeichnet. Europaweit zeigt unsere Analyse, dass die räumliche Ausdehnung der Juni-Hitzewelle alles übertrifft, was seit Beginn der Wetteraufzeichnung in den Datensätzen beobachtet wurde.“

Neben den außergewöhnlich hohen Tageswerten seien vor allem die warmen Nächte bemerkenswert gewesen, die Mensch und Umwelt kaum Zeit zur Erholung ließen.

„Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung waren erheblich. Das Robert Koch-Institut geht von bis zu 5 200 Sterbefällen aus“, so Kunz.

Flüsse und Ökosysteme unter Druck

Die Hitze wirkte sich nicht nur auf die Lufttemperaturen aus, sondern auch auf die Gewässer. Steigende Wassertemperaturen, sinkende Sauerstoffgehalte und früh einsetzendes Niedrigwasser belasteten Flüsse und ihre Ökosysteme erheblich. Regional kam es zu Fischsterben, zugleich verschärften sich die Einschränkungen für Schifffahrt sowie die Nutzung der Flüsse als Kühlwasserquelle.

„Im Bereich der Obermosel sank der Sauerstoffgehalt zeitweise auf nur noch 2,6 Milligramm pro Liter; vorher lag er bei rund sechs Milligramm pro Liter. Gleichzeitig überschritten Rhein und Mosel eine Wassertemperatur von über 28 Grad“, sagt der Experte. „Solche Entwicklungen gefährden Ökosysteme, beeinträchtigen die Schifffahrt und schränken die Nutzung der Flüsse als Kühlwasserquelle für Industrie und Energiewirtschaft ein.“

Wechselwirkungen erhöhen das Risiko

Aus Sicht der Forschenden sind vor allem die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Folgen der Hitze entscheidend. Während die Photovoltaik von der intensiven Sonneneinstrahlung profitierte, ging die Windstromerzeugung gleichzeitig deutlich zurück. Treffen diese Entwicklungen auf Niedrigwasser und hohe Kühlwassertemperaturen, können mehrere kritische Infrastrukturen gleichzeitig unter Druck geraten.

„Hitze erzeugt Kaskadeneffekte. Während die Photovoltaikproduktion in Deutschland im Untersuchungszeitraum vom 13. bis 29. Juni um rund 31 Prozent zunahm, ging die Windstromerzeugung gleichzeitig um fast 29 Prozent zurück“, erklärt Kunz. „Kommen diese Veränderungen mit niedrigen Flusspegeln und hohen Kühlwassertemperaturen zusammen, die den Betrieb thermischer Kraftwerke einschränken können, geraten mehrere Versorgungssysteme gleichzeitig unter Druck.“

Aus den gemeinsam mit dem CEDIM-Team erarbeiteten Ergebnissen zieht Kunz ein klares Fazit: „Genau diese Wechselwirkungen werden künftig entscheidend sein. Anhaltende Hitze ist ein Systemrisiko für Europa.“

Fünf Tipps für heiße Tage

  • Ausreichend trinken – regelmäßig Wasser oder ungesüßte Getränke trinken, auch ohne Durstgefühl.
  • Hitze meiden – körperliche Anstrengungen möglichst in die frühen Morgen- oder Abendstunden verlegen.
  • Wohnräume kühl halten – tagsüber Fenster geschlossen halten und verschatten, nachts lüften.
  • Körper kühlen – lauwarme Duschen, feuchte Tücher oder kühle Fußbäder helfen, die Körpertemperatur zu senken.
  • Besonders gefährdete Menschen im Blick behalten – ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke benötigen bei Hitze oft zusätzliche Unterstützung.

 

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Hitzerekord in Deutschlands Seen

15. Juli 2026 um 07:35

Das IGB bestimmt bereits seit über 45 Jahren mehrmals täglich automatisiert an einer Messstation (auf dem See, rund 200 Meter vom Ufer entfernt) die Wassertemperatur des Müggelsees an der Oberfläche und in fünf Metern Tiefe. Außerdem werden andere Werte in Wasser und Luft gemessen, darunter die Sichttiefe, der Sauerstoffgehalt oder die Lufttemperatur.

„Wir hatten bereits in den Jahren 2006 und 2018 Hitzewellen mit Temperaturen knapp unter 30 Grad, gemessen in einem halben Meter Wassertiefe an unserer Messstation. Aber die Messungen Ende Juni 2026 mit 30,2 °C sind ein neuer Rekord für den Müggelsee. Direkt am Ufer haben waren es sogar 32,7 °C Wassertemperatur”, sagt Dr. Tom Shatwell, Forscher am IGB.

Aber auch am tiefsten Messpunkt der Station in fünf Metern Tiefe war das Wasser mit etwa 20 Grad Celsius recht warm.

Seen werden allgemein wärmer

„Diese hohe Temperatur ist zwar ein Rekord, aber grundsätzlich nehmen die Temperaturen im Müggelsee zu“, sagt Tom Shatwell.

Die Daten der letzten Jahrzehnte zeigen für den Müggelsee einen Anstieg der Durchschnittstemperaturen im Sommer von 0,5 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Das sind also mehr als zwei Grad seit den 1980-er Jahren. Damit liegt der Müggelsee genau im deutschen Durchschnitt: Eine Studie des IGB aus dem Jahr 2025 zeigt anhand von Langzeitdaten aus 46 deutschen Seen, dass sich die Oberflächentemperatur des Wassers in den letzten 30 Jahren stärker erhöht hat als die Lufttemperatur. Zwischen 1990 und 2020 haben sich die Seen im Jahresmittel um 0,5 °C pro Dekade erwärmt, die Luft um 0,43 °C.

Wenn sich der See nicht durchmischt, fehlt Sauerstoff

Im Frühjahr und Sommer kann sich das Oberflächenwasser von Seen schneller erwärmen als das Tiefenwasser. Da warmes Wasser leichter ist als kaltes, schwimmt das wärmere Oberflächenwasser auf dem kälteren Tiefenwasser. Dieser Zustand wird als Schichtung bezeichnet und verhindert, dass sich der Wasserkörper durchmischt. Dadurch gelangt kein sauerstoffreiches Wasser mehr zum Grund.

Eine Schichtung bildet sich in tiefen Seen kontinuierlich vom Frühjahr bis in den Herbst aus. Ein flacher See wie der Müggelsee, mit einer Maximaltiefe von acht Metern, wird hingegen in der Regel durch den Wind bis zum Grund durchmischt. Eine stabile Schichtung tritt dort nur zeitweise auf, beispielsweise bei Hitzewellen. Beim Baden kann man diese Temperaturschichtung manchmal spüren.

„Häufigere und intensivere Hitzewellen infolge des Klimawandels führen dazu, dass sich flache Seen häufiger schichten. Das kann zu Sauerstoffarmut am Gewässergrund führen“, sagt Tom Shatwell.

So bildete der Müggelsee vom 17. Juni bis zum 4. Juli 2026 eine stabile Temperaturschichtung aus. In dieser Zeit nahm der Sauerstoffgehalt am Gewässergrund deutlich ab: Lag der Sauerstoffgehalt an der Wasseroberfläche bei rund 10 mg/Liter, waren es in 5 Metern Tiefe nur noch 2,5 mg/Liter und weniger.

„Zwei Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser ist der Schwellenwert für das Überleben vieler sauerstoffbedürftiger Organismen im See“, so der Wissenschaftler.

Was ist eigentlich ein See?

In Deutschland gibt es rund 300.000 stehende Gewässer. Doch nicht alle können tatsächlich als See bezeichnet werden. In der Regel versteht man unter einem See ein Binnengewässer, das über einen Hektar groß ist und eine Wasserverweilzeit von mindestens drei Tagen hat. Seen sind immer Sammelbecken der Einflüsse aus dem Einzugsgebiet. Die Anreicherung von Nährstoffen (aus kommunalen oder industriellen Einleitungen, Einträge von Düngemitteln aus der Landwirtschaft, etc.) ist nach wie vor ein Hauptproblem der Gewässerqualität von Seen. Für Seen über 50 Hektar Größe gilt die EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL). Das Ziel: einen guten ökologischen und chemischen Zustand für diese Gewässer zu erreichen. Sie unterliegen einem Verschlechterungsverbot. Der überwiegende Teil der Seen in Deutschland ist deutlich kleiner als 50 Hektar, weshalb dort keine Berichtspflicht für die EU-WRRL besteht. Dabei wird häufig übersehen, dass nach EU-WRRL auch die nicht berichtspflichtigen Gewässer einen guten ökologischen Zustand erreichen müssen.

Bei hohen Temperaturen bindet Wasser weniger Sauerstoff und es wird mehr verbraucht

Zusätzlich zur Schichtung kommen noch zwei weitere Faktoren hinzu, die den Sauerstoff bei Hitze knapp werden lassen. Dazu ein kleiner Exkurs in den Chemieunterricht: Wenn die Wassertemperatur steigt, sinkt die Kapazität des Wassers, Sauerstoff zu lösen. Bei einer Temperatur um die 10 °C sind etwa zwölf Milligramm Sauerstoff pro Liter Seewasser zu finden, bei 25 °C nur noch sieben bis acht Milligramm. Außerdem führt das wärmere Wasser zu einer höheren Sauerstoffzehrung, weil der Stoffkreislauf des Gewässers angeregt wird; Mikroorganismen mehr organisches Material abbauen.

Dadurch kann die Sauerstoffkonzentration im Tiefenwasser während einer Schichtungsphase innerhalb kurzer Zeit deutlich abnehmen. Und auch das ist ein erkennbarer Trend: In der oben genannten IGB-Studie von 2025 ist zu sehen, dass die Sauerstoffkonzentration der 46 untersuchten deutschen Seen zwischen 1990 und 2020 deutlich gesunken ist. In 51 Prozent der Sommermessungen lag die Sauerstoffkonzentration unter zwei Milligramm pro Liter.

„Temperaturlebensräume“ gehen verloren

Wie gehen also die Fische mit den steigenden Temperaturen und sinkenden Sauerstoffkonzentrationen um?

„Im Müggelsee kommen insgesamt 26 Fischarten vor, darunter Karpfen, Flussbarsch, Zander, Plötze, Wels und Aal. All diese Arten sind recht temperaturtolerant. Das bedeutet, dass sie bei Sauerstoffmangel auch in andere Wasserschichten umziehen können“, sagt IGB-Fischökologe Thomas Mehner. In vielen tiefen Seen wie dem Stechlinsee oder dem Bodensee gibt es jedoch auch besonders kälteliebende Arten wie die Maräne. „Für die kälteliebenden Arten schrumpfen die sogenannten Temperaturlebensräume, wenn die Sauerstoffkonzentration im Tiefenwasser sinkt. Das sind die Bereiche im Wasser, in denen sie sich aufhalten können, ohne Wärmestress zu erfahren“, sagt der Forscher.

Wasserpflanzen durch trüberes Wasser beeinflusst

Amine Mahdjoub vom IGB kombiniert Freilandbeobachtungen am Müggelsee mit Laborexperimenten, um zu untersuchen, wie Wasserpflanzen die vom Gewässergrund aufwachsen auf Umweltbelastungen wie Erwärmung und Sauerstoffmangel reagieren. Den Stress bestimmt er mithilfe der Effizienz der Photosynthese. Sein Modell ist das Kamm-Laichkraut (Stuckenia pectinata). Diese Pflanze wächst am Gewässergrund und kommt typischerweise in vielen Seen und langsam fließenden Gewässern vor.

„Ein moderater Temperaturanstieg kommt den Pflanzen zunächst zugute, da Photosynthese und Stoffwechsel angeregt werden“, erklärt der Forscher. „Selbst zwei Tage bei 33 °C lösen keinen messbaren Stress aus. Meine Experimente zeigen jedoch, dass etwa zehn aufeinanderfolgende Tage bei 32–33 °C zu einem deutlichen Rückgang der Photosynthese-Leistung führen.“

Eine derart anhaltende Hitzewelle wurde am Müggelsee bisher noch nicht verzeichnet. Auch wenn ein kurzzeitiger Temperaturanstieg keinen Stress auslöst, gibt es indirekte Effekte.

„Während des Hitzewellen-Wochenendes im Juni 2026 kam es im Müggelsee zu einem erheblichen Anstieg von Kleinstlebewesen und Fadenalgen. Das Wasser verlor an Klarheit, wodurch weniger Licht für die Pflanzen nach unten drang“, so Amine Mahdjoub.

Muscheln: Die wichtigen Filtrierer machen schlapp

Algen und Cyanobakterien wachsen bei wärmeren Temperaturen besonders gut und können niedrige Sauerstoffkonzentrationen verkraften. Wie eine aktuelle Studie des IGB-Forschers Jonas Mauch zeigt, werden sie bei hohen Temperaturen auch weniger von Muscheln aus dem Wasser herausgefiltert. Muscheln leiden nämlich auch unter wärmeren Wassertemperaturen. Jonas Mauch untersuchte die Filterleistung der invasiven Quagga-Muschel. Diese macht rund 97 Prozent der Biomasse an Muscheln im Müggelsee aus. Sie bedecken ein Drittel des Gewässergrunds und können Dichten von 46.000 Individuen pro Quadratmeter erreichen.

„Seit sie im Müggelsee leben, ist das Wasser viel klarer geworden, denn sie filtern es fast zwei Mal am Tag komplett durch“, sagt Jonas Mauch.

So reduzieren die Quagga-Muschel beispielsweise auch die Cyanobakterien („Blaualgen“) im See. Eine Studie von Jonas Mauch aus dem April 2026 zeigt jedoch, dass diese Leistung mit zunehmender Temperatur abnimmt.

„Infolge der Hitzewelle sind viele Muscheln gestorben. In Experimenten konnten wir zeigen, dass die Muscheln bereits nach vier Stunden bei einer Temperatur von 32 °C sterben“, so der Forscher.

Laut der Studie hören die Muscheln ab einer Temperatur von 28 °C auf, zu filtrieren, weshalb sich die Cyanobakterien oberhalb dieser Temperatur wieder stärker im Müggelsee vermehren können.

Kurz gesagt

Der Müggelsee hat mit 32,7 °C an der Wasseroberfläche am Gewässerrand im Juni 2026 Rekordtemperaturen erreicht. Von der IGB-Messstation aus, 299 Meter vom Ufer entfernt, waren es in einem halben Meter Wassertiefe 30,2 °C.

Dies ist keine Ausnahme, sondern ein Trend in Deutschlands Seen: Die Oberflächentemperaturen der deutschen Seen sind zwischen 1990 und 2020 im Jahresmittel um rund 0,5 °C pro Dekade angestiegen.

Selbst flache Seen bilden immer häufiger Temperaturschichten aus, auch der Müggelsee. Durch die Faktoren Schichtung, verringerte Sauerstofflösung bei hohen Temperaturen und einen höheren Sauerstoffverbrauch durch Stoffwechselprozesse kann der Sauerstoff im Gewässer knapp werden. Der kritische Schwellenwert für aquatische Organismen liegt bei 2 mg/Liter.

Viele Fischarten in deutschen Seen haben zwar eine größere Temperaturtoleranz, kälteliebende Arten verlieren jedoch ihre „Temperaturlebensräume“. Wasserpflanzen leiden eher indirekt: Weil das Wasser trüber wird, bleibt weniger Licht für die Photosynthese und damit für das Wachstum.

Muscheln sind wichtige Filtrierer und halten das Wasser sauber. Die im Müggelsee vorkommende invasive Quagga-Muschel (die häufigste Muschelart im Müggelsee) stellt das Filtrieren bei 28°C ein und stirbt bei 32°C.

Leitfaden: Hilfe für Seen im schlechten Zustand

Quelle: IGB

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Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main wählt neuen Vorstand

14. Juli 2026 um 12:51

Auf der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main (WRM) im Juni haben die Mitglieder den Vorstand für die neue Amtsperiode gewählt. Elisabeth Jreisat, Geschäftsführerin der Hessenwasser GmbH & Co. KG, wurde als Vorsitzende des WRM-Vorstands im Amt bestätigt. Ebenfalls wiedergewählt wurden Joachim Arnold, Vorstand der Oberhessischen Versorgungsbetriebe AG, und Armin Kromer, Geschäftsführer und Verbandsdirektor des Wasserbeschaffungsverbands Riedgruppe-Ost, als stellvertretende Vorsitzende. Neu in den Vorstand wurde Gerrit Kania, Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO), gewählt.

Mit der Geschäftsführung und Leitung der WRM-Geschäftsstelle am Standort der Hessenwasser in Dornheim wurde erneut Nadja Dohmen, Abteilungsleiterin Kunden- und Bezugsmanagement bei Hessenwasser, betraut. Die Geschäftsstelle verantwortet das operative Geschäft der Arbeitsgemeinschaft und koordiniert die laufende fachliche sowie organisatorische Arbeit der WRM.

Dank für das Vertrauen und neues Vorstandsmitglied

Jreisat bedankte sich bei den Mitgliedern der WRM für das erneute Vertrauen und die konstruktive Zusammenarbeit: „Die Wahl ist ein starkes Zeichen für den gemeinsamen Willen, die Wasserversorgung in der Rhein-Main-Region fachlich fundiert, partnerschaftlich und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Mein Dank gilt allen Mitgliedern, die sich mit hoher Expertise und großem Verantwortungsbewusstsein in die Arbeit der WRM einbringen“, so Jreisat.

Zugleich begrüßte sie Gerrit Kania als neues Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft.

„Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Gerrit Kania im WRM-Vorstand. Mit ihm wird die langjährige und bewährte Einbindung des ZWO in die Arbeit der WRM in neuer personeller Besetzung fortgeführt“, sagte Jreisat.

Leitungsverbund und Versorgungssicherheit im Fokus

Ein zentrales Vorhaben der kommenden Amtsperiode ist die Fortschreibung der Leitungsverbundstudie. Dabei sollen die Leistungsfähigkeit und die Weiterentwicklung des regionalen Verbundsystems erneut umfassend untersucht werden. Ziel ist es, die Wasserversorgung in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main weiter zu stärken, an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen und die Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.

Mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen betonte Jreisat: „Klimawandel, längere Trockenphasen, steigende Anforderungen an die Infrastruktur und die dynamische Entwicklung der Region machen deutlich: Eine sichere Trinkwasserversorgung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die WRM bietet dafür den fachlichen Rahmen, um über kommunale und institutionelle Grenzen hinweg tragfähige Lösungen zu entwickeln“.


Quelle: Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main (WRM)

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Aus der Katastrophe gelernt: Wie die Flut 2021 das THW verändert hat

14. Juli 2026 um 07:26

Die ersten THW-Helferinnen und Helfer begannen bereits am 14. Juli 2021, nur wenige Stunden nachdem der Starkregen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eingesetzt hatte, Menschen aus den Fluten zu retten und Wassermassen abzupumpen. Außerdem räumten sie Treibgut und Schutt von den Straßen und stützten Bauwerke ab. Im weiteren Verlauf des Einsatzes stellten die ehrenamtlichen Einsatzkräfte kurzfristig provisorische Infrastruktur bereit; darunter Strom, Trinkwasser und Behelfsbrücken. Um das breite Einsatzspektrum abzudecken, waren erstmals in der THW-Geschichte Spezialistinnen und Spezialisten aller Typen von Teileinheiten gleichzeitig im Einsatz.

Dank und Anerkennung für das Ehrenamt

In mehr als 2,7 Millionen Einsatzstunden haben insgesamt 17.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus allen damals noch 668 THW-Ortsverbänden bundesweit der Bevölkerung vor Ort geholfen. In der Spitze waren bis zu 4.000 Einsatzkräfte gleichzeitig aktiv. Einen Einsatz dieser Größe durchzuführen, war nur durch die enorme Leistung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte möglich. Im Nachgang wurden sie dafür mit der Einsatzmedaille „Fluthilfe 2021“ ausgezeichnet.

Mit Sandsäcken bereiten die Helfer:innen die Gebiete auf neuen Regen vor. Die Fluten hatten zuvor viele Befestigungen und Deiche weggespült. (Quelle: THW/Maximilian Cjrist)

Mit Sandsäcken bereiten die Helfer:innen die Gebiete auf neuen Regen vor. Die Fluten hatten zuvor viele Befestigungen und Deiche weggespült. (Quelle: THW/Maximilian Christ)

„Dank gilt auch den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern: Dass so viele THW-Einsatzkräfte über einen so langen Zeitraum im Einsatz sind, ist nur möglich, wenn sie dafür ihre berufliche Tätigkeit ruhen lassen können“, betont die THW-Präsidentin.

Zukunftsfähig durch Lehren aus dem Einsatz

Schon während des monatelangen Einsatzes begann dessen Auswertung – mit konkreten Ergebnissen: Die Einsatzbekleidung wurde weiterentwickelt, um die Einsatzkräfte bei Unwettereinsätzen besser zu schützen. Auch in der Ausbildung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte wurden die Erfahrungen aus dem größten Einsatz der THW-Geschichte berücksichtigt. Außerdem beschaffte das THW zwölf neue, wendige Mobilkräne, die schwere Brückenbauteile und kurze Brücken im Gesamten anheben und positionieren können. In den Fuhrpark nahm das THW außerdem 66 neue geländegängige Unimogs mit Ladekran auf, die überflutete oder mit Treibgut und Schutt versperrte Wege passieren können.


Quelle: THW

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Mit moderner Technik für sauberes Trinkwasser

13. Juli 2026 um 12:32

Mit der Inbetriebnahme der Weitergehenden Aufbereitungsanlage (WAA) im Wasserwerk Halingen hat die Wasserwerke Westfalen GmbH (WWW) die Modernisierung ihrer Trinkwasseraufbereitung abgeschlossen. Zehn Jahre nach der ersten Anlage im Wasserwerk Echthausen verfügen nun alle fünf Wasserwerke des Unternehmens über zusätzliche technische Aufbereitungsstufen, die das bewährte naturnahe Verfahren ergänzen und die Trinkwasserversorgung langfristig absichern.

„Mit der heutigen Inbetriebnahme der WAA Halingen haben wir das Ende unseres Modernisierungsmarathons erfolgreich abgeschlossen. Nun stellen fünf hochmoderne Wasserwerke die Trinkwasserversorgung im Netzverbund mit Gelsenwasser und DEW21 sicher“, sagt WWW-Geschäftsführer Bernd Heinz.

160 Millionen Euro für die Trinkwasserversorgung

Insgesamt investierten Wasserwerke Westfalen gemeinsam mit den Gesellschaftern DEW21 und Gelsenwasser rund 160 Millionen Euro in die Modernisierung der Wasserwerke. Rund 40 Millionen Euro entfielen auf den Standort Halingen. Ziel der Investitionen ist es, die Versorgung auch gegenüber heute noch unbekannten mikrobiologischen oder chemischen Belastungen zukunftssicher aufzustellen.

„Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und gemeinsam übernehmen wir Verantwortung für seinen Schutz. Durch diese Investition sind wir auf heute noch nicht bekannte, möglicherweise in Zukunft neu auftretende mikrobiologische oder chemische Belastungen vorbereitet“, erklärt Peter Flosbach, Geschäftsführer von DEW21.

Auch Dr. Dirk Waider, Vorstand von Gelsenwasser, hebt die Bedeutung der Investition hervor: „Die Ruhr ist die wichtigste Trinkwasserressource in NRW. Mit der Umsetzung der erweiterten Aufbereitung sichern wir die Trinkwasserqualität für die nächste Generation. Ich bin froh, dass diese große, komplexe Investition im geplanten Budget umgesetzt wurde.“

Naturnahe Aufbereitung durch moderne Verfahren ergänzt

Mit den neuen Anlagen setzt WWW die Vorgaben des Programms „Reine Ruhr“ des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums um. Die bestehende naturnahe Wasseraufbereitung wurde um zusätzliche technische Verfahrensschritte ergänzt. Dazu zählen die Ozonung, Flockung, Mehrschichtfiltration sowie die Adsorption an Kornaktivkohle. Dadurch können unter anderem Trübstoffe, organische Verbindungen, Pflanzenschutzmittel und Medikamentenrückstände noch effektiver entfernt werden.

Auch die Nachbehandlung wurde modernisiert. Die bisherige chemische Entsäuerung wurde durch ein rein physikalisches Verfahren ersetzt. Zudem erfolgt die Desinfektion heute mittels UV-Licht, wodurch auf Chlordioxid verzichtet werden kann.

Modernisierung im Jubiläumsjahr abgeschlossen

Der Abschluss des Projekts fällt in das 25. Jubiläumsjahr der Wasserwerke Westfalen GmbH. Seit der Gründung des Unternehmens wurden die ursprünglich acht Wasserwerke schrittweise auf fünf Standorte reduziert, um Synergien zu nutzen und die Trinkwasserversorgung wirtschaftlich sowie technisch weiterzuentwickeln. Mit der Fertigstellung der WAA Halingen ist dieser Modernisierungsprozess nun abgeschlossen.

„Mit der Zusammenlegung der Wasserwerke von DEW21 und Gelsenwasser im Jahr 2001 konnte eine Fokussierung bei den Standorten erfolgen und die neuen Aufbereitungsanlagen somit im Verbund kosten-, kompetenz- und prozessoptimiert umgesetzt werden – eine echte Erfolgsgeschichte“, berichtet WWW-Geschäftsführerin Friederike Konold-Rüsel.


Quelle: Wasserwerke Westfalen

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Mangroven, Seegras und Korallen im Schulterschluss gegen den Klimawandel

13. Juli 2026 um 07:20

„Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe gehören zu den wertvollsten und zugleich am stärksten bedrohten Küstenökosystemen der Erde. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Arten, schützen Küsten vor Wellen und Erosion, speichern Kohlenstoff und tragen zur Lebensgrundlage vieler Menschen bei“, erläutert Meeresökologe Professor Christian Wild von der Uni Bremen.

Wild zufolge werden diese Lebensräume bislang häufig getrennt erforscht, verwaltet und wiederhergestellt. In der Natur bildeten sie jedoch zusammenhängende Küstenökosysteme. Wasserbewegungen, Mikroorganismen, Fische, Seevögel und andere Lebewesen transportierten Nährstoffe, Kohlenstoff und Energie zwischen ihnen. Schäden an einem Ökosystem könnten daher auch die Funktionsfähigkeit und Widerstandskraft der anderen beeinträchtigen.

Wild koordiniert das Projekt gemeinsam mit der Riffökologin Dr. Sonia Bejarano vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen. Nach Einschätzung von Wild stärke die gemeinsame Koordination auch die interdisziplinäre Meeresforschung am Standort Bremen.

„SEASTRONG und Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung bündeln ihre Expertise innerhalb der U Bremen Research Alliance und übernehmen gemeinsam Verantwortung für ein internationales Konsortium am Standort Bremen“, sagt Christian Wild.

An dem Projekt SEASTRONG, „Stronger Together: The Role of Connectivity in Safeguarding Functioning Coastal Ecosystems under Global Change“, sind insgesamt 15 Partnerorganisationen aus neun Ländern beteiligt. Das Projekt wird im EU-Programm Horizon Europe mit sechs Millionen Euro gefördert und läuft viereinhalb Jahre.

Horizon Europe

Horizon Europe ist das zentrale Förderprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation. Es unterstützt internationale Zusammenarbeit und fördert Projekte, die wissenschaftliche Erkenntnisse für gesellschaftliche Herausforderungen nutzbar machen, etwa in den Bereichen Klimawandel und nachhaltige Entwicklung.

Forschung in drei Weltmeeren

SEASTRONG forscht an Standorten, an denen Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe gemeinsam vorkommen: in Belize in der Karibik, auf den Seychellen im Indischen Ozean und in Fidschi im Südpazifik. Das Projekt wurde von Beginn an gemeinsam mit sechs zentralen Partnern in diesen tropischen Ländern entwickelt. Sie übernehmen auch während der Laufzeit wichtige Aufgaben bei der Umsetzung.

Ein Schwerpunkt des Projekts ist die Wiederherstellung von Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffen. Bestehende Maßnahmen in den drei Untersuchungsregionen werden erfasst und bewertet. In Belize entstehen zudem gemeinsam mit lokalen Organisationen neue experimentelle Wiederherstellungsflächen.

Die Universität Bremen leitet Forschungsarbeiten dazu, welche Ansätze die Erholung der Ökosysteme besonders wirksam unterstützen.

„Wir untersuchen Wachstum, strukturelle Entwicklung, ökologische Funktion und Temperaturtoleranz ausgewählter Mangroven, Seegräser und Korallen“, sagt Christian Wild. „Laborexperimente und Modelle sollen Hinweise darauf liefern, welche Ansätze auch bei häufigeren und intensiveren marinen Hitzewellen erfolgversprechend bleiben könnten.“

Lokales Wissen einbeziehen

SEASTRONG betrachtet Küstenökosysteme nicht getrennt von den Menschen, die mit ihnen leben und von ihnen abhängig sind. Sozialwissenschaftlich arbeitende Mitglieder des Konsortiums untersuchen, wie lokale Gemeinschaften Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe nutzen, bewerten und verwalten.

Die Partner in den tropischen Untersuchungsregionen gestalten den Austausch mit Gemeinden, indigenen Bevölkerungsgruppen und lokalen Gemeinschaften, Umweltbehörden, Schutzgebietsverwaltungen, Fachleuten für Wiederherstellung und weiteren Beteiligten. Dabei werden lokale Prioritäten, traditionelles und lokales Wissen sowie Verwaltungsstrukturen einbezogen.

Sonia Bejarano vom ZMT zufolge will SEASTRONG ein Modell für faire internationale Zusammenarbeit sein.

„Wir verbinden wissenschaftliches und traditionelles Wissen, um tropische Küstenökosysteme in Belize, Fidschi und auf den Seychellen besser zu schützen und wiederherzustellen“, sagt Sonia Bejarano.

Ergebnisse für die Praxis

Im Projekt sollen frei zugängliche Werkzeuge und Ressourcen entstehen. Dazu gehören nach Angaben des Konsortiums unter anderem interaktive Karten zu Biodiversität, Vernetzung, Ökosystemfunktionen und Klimaresilienz, außerdem offene ökologische und hydrodynamische Modelle, Leitlinien fürs Monitoring, experimentelle Wiederherstellungsflächen sowie regionale Empfehlungen für klimabewussten Naturschutz und geeignete Finanzierungswege.

„Diese Ergebnisse können Behörden, Gemeinden, Naturschutzorganisationen und Fachleute für Wiederherstellung dabei helfen, begrenzte Ressourcen möglichst wirksam einzusetzen“, sagt Sonia Bejarano.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christian Wild
Universität Bremen
christian.wild@uni-bremen.de

Dr. Sonia Bejarano
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)
sonia.bejarano@leibniz-zmt.de


Quelle: Universität Bremen

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Auszeichnung für herausragende Projekte im Wasserbau

10. Juli 2026 um 13:26

Der Bundesvorstand des Bundes der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK) hat auf seiner Frühjahrssitzung 2026 beschlossen, künftig den Deutschen Wasserbaupreis zu vergeben. Mit der Auszeichnung sollen herausragende Leistungen des wasserwirtschaftlichen Ingenieurwesens gewürdigt werden, die Nachhaltigkeit, Funktionalität und technische Innovation im Wasserbau und in der Wasserwirtschaft vereinen. Gleichzeitig soll der Preis verdeutlichen, dass eine leistungsfähige wasserbauliche und wasserwirtschaftliche Infrastruktur ein unverzichtbarer Bestandteil der staatlichen Daseinsvorsorge ist.

Ingenieurleistungen sichtbar machen

Der Deutsche Wasserbaupreis ist undotiert. Er soll den gesellschaftlichen Wert von Ingenieurleistungen in den Bereichen Wasserwirtschaft, Wasserbau sowie Küsten- und Hochwasserschutz hervorheben und deren Bedeutung für Umwelt- und Klimaschutz stärker in den Fokus rücken. Künftig wird der Preis alle zwei Jahre vom BWK ausgelobt und im Rahmen der feierlichen Eröffnung des BWK-Bundeskongresses verliehen.

Teilnahme und Bewertung

Vorgeschlagen werden können Anlagen und Objekte der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur sowie des Hochwasser- und Küstenschutzes. Zugelassen sind Projekte aus den Bereichen Neubau, Instandsetzung, Sanierung, Erweiterung oder Ertüchtigung. Nach einer formalen Prüfung bewertet eine Jury die eingereichten Wettbewerbsunterlagen. Sie setzt sich aus den Mitgliedern des Ausschusses für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Klimawandel des BWK zusammen.

Bewerbungsberechtigt sind Planungsbüros, Bauunternehmen sowie Eigentümer oder Betreiber der Anlagen und Objekte. Bewerbungen von planenden Büros und ausführenden Unternehmen sind jedoch nur gemeinsam mit dem jeweiligen Eigentümer oder Betreiber zulässig.

Der Deutsche Wasserbaupreis wird erstmalig im Jahr 2027 vergeben. Er wird einer wasserwirtschaftlichen Anlage oder einem Objekt wasserwirtschaftlicher Infrastruktur verliehen und dem Eigentümer, Betreiber oder Unterhaltungspflichtigen übergeben. Teilnahmeberechtigt sind nur Anlagen oder Objekte, deren VOB-Abnahme zum Zeitpunkt des Endes der Bewerbungsfrist nicht länger als fünf Jahre zurück liegt. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Mai 2027.

Weitere Informationen

Quelle: BWK-Presse

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Aqua Urbanica 2026 in Kaiserslautern

10. Juli 2026 um 07:16

 

Vom 21. bis 23. September 2026 findet in Kaiserslautern die 15. Ausgabe der Aqua Urbanica statt. Die Fachtagung steht unter dem Motto „verstehen, was ist“ und wird von der RPTU Kaiserslautern-Landau, Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft, in Kooperation mit der DWA veranstaltet.

Messdaten als Grundlage für neue Modellansätze

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie reale Messdaten künftig stärker für die Bemessung und Modellierung von Systemen der Stadtentwässerung genutzt werden können. Während bislang häufig theoretische Modelle oder Laborversuche die Grundlage bilden, ermöglichen Fortschritte in der Mess- und Datentechnik inzwischen eine kontinuierliche Erfassung von Abfluss- und Stofftransporten in realen Systemen. Die gewonnenen Daten bestätigen teilweise bestehende Modellansätze, machen aber ebenso deutlich, dass etablierte Prozessmodelle überprüft oder neu gedacht werden müssen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Modellierung naturnaher Systeme der Regenwasserbewirtschaftung. Dabei gewinnen Prozesse wie die Wasseraufnahme und Verdunstung durch Pflanzen zunehmend an Bedeutung und sollen künftig stärker in stadthydrologischen Modellen berücksichtigt werden. Unter dem Leitthema „beobachten & modellieren, was ist“ widmet sich die Veranstaltung unter anderem den Themen Mischwasserüberläufe, Mikroverunreinigungen, Behandlung von Regenabflüssen, Monitoring von Entwässerungssystemen, blau-grüne Infrastrukturen, Wasserextreme sowie allgemeinen Fragestellungen der Wasserinfrastruktur.

Die Aqua Urbanica wird jährlich von sechs siedlungswasserwirtschaftlichen Schwesterinstitutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam mit den Fachverbänden DWA, ÖWAV und VSA ausgerichtet. Sie versteht sich als Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Planung, Behörden, Betriebspraxis und Unternehmen im deutschsprachigen Raum.

Zur Anmeldung


Quelle: RPTU Rheinland-Pfälzische Technische Universität

 

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BUND-Recherche zeigt Defizite beim Hochwasserschutz

09. Juli 2026 um 13:03

 

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ist Deutschland nach Einschätzung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) noch immer nicht ausreichend auf zunehmende Wetterextreme vorbereitet. Eine neue Recherche zeigt, dass Flüssen weiterhin wichtige Überschwemmungsflächen verloren gehen und Investitionen überwiegend in technische Schutzmaßnahmen fließen.

Flüsse verlieren weiter Überschwemmungsflächen

Nach Angaben des BUND wurden viele natürliche Überflutungsflächen in den vergangenen Jahrzehnten durch Siedlungen und Straßen ersetzt. Bundesweit haben Flüsse bereits zwei Drittel ihres ursprünglichen Raums zum Ausufern verloren. In Nordrhein-Westfalen beträgt der Verlust 39 Prozent, in Rheinland-Pfalz 24 Prozent und in Bayern 46 Prozent.

Angesichts der Klimakrise könne dies gravierende Folgen haben. Mit steigenden Temperaturen im Nordatlantik und im Mittelmeer sei künftig häufiger mit Starkregenereignissen und damit verbundenen Hochwassern zu rechnen. Erstmals liefert die BUND-Recherche einen Gesamtüberblick über den Verlust von Überschwemmungsflächen an den 79 größten Flüssen Deutschlands sowie über die Investitionen der Bundesländer in den Hochwasserschutz. Zwischen 2014 und 2024 flossen demnach jährlich durchschnittlich rund 301 Millionen Euro in Deiche und andere technische Maßnahmen, während für Deichrückverlegungen lediglich rund sieben Millionen Euro bereitgestellt wurden.

Verena Graichen, BUND-Geschäftsführerin Politik: „Wir wissen fünf Jahre nach der Ahrtalflut, dass wir uns besser vor Hochwasser schützen müssen. Aber enge Bebauung, höhere Deiche und immer mehr Polder sind keine adäquate Antwort – mit ihnen können die Fluten während der Hochwasserphase zwar gemanagt werden, ein absoluter Hochwasserschutz ist aber technisch weder machbar noch wirtschaftlich sinnvoll. Hinzu kommt: In Zeiten zunehmender Wasserknappheit und Grundwasserstress lassen wir unser kostbares Wasser dann einfach wegspülen, anstatt es im Boden zu speichern. Was wir brauchen ist mehr Raum für die Flüsse, Geld für die Wiederherstellung von Auen, ein Stopp bei der Flächenversiegelung und Investitionen in ökologischen Hochwasserschutz.“

Hochwasserschutz-Investitionen

Versiegelung schwächt den natürlichen Wasserrückhalt

Nur etwa ein Prozent der heutigen Auen befindet sich laut BUND noch in einem nahezu natürlichen Zustand. Auf 43 Prozent der ehemaligen Auen wird Grünland genutzt, weitere 26 Prozent entfallen auf Ackerflächen. Rund sieben Prozent werden heute als Siedlungs-, Verkehrs- oder Gewerbeflächen genutzt und sind entsprechend stark versiegelt. Feuchtgebiete und nasse Wiesen machen weniger als drei Prozent der heute noch regelmäßig überflutbaren Auen aus.

Zwar haben die heutigen Auen geringfügig an Fläche gewonnen, ihre Fähigkeit, Wasser zurückzuhalten, sei jedoch durch zunehmende Versiegelung gesunken. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) hat ermittelt, dass trotz Bebauungsverbotes in festgesetzten Überschwemmungsgebieten zwischen 2019 und 2023 der Anteil der bebauten Flächen in den rezenten Auen bundesweit um 2,75 km² (0,04 Prozent) zunahm. Das entspricht einer Fläche von rund 385 Fußballfeldern. Nach Einschätzung des BUND wurden die Fortschritte durch Deichrückverlegungen dadurch wieder aufgehoben.

Graichen: „In Deutschland wird zu viel Geld in die falschen Maßnahmen investiert. Bund, Länder und Kommunen sollten vermehrt auf ökologischen Hochwasserschutz setzen. Damit schützen wir uns am besten vor Starkregen und sorgen dafür, dass Wasser gespeichert wird, das uns in trockenen Sommern zur Verfügung steht.“

Wie wirkungsvoll Deichrückverlegungen sein können, zeigt nach Angaben des BUND das Beispiel Lenzen an der Elbe. Mit einer Fläche von 420 Hektar zählt die dortige Maßnahme zu den größten ihrer Art in Deutschland. Beim Elbe-Hochwasser 2013 sank der Wasserstand vor Ort dadurch um 50 Zentimeter. Gleichzeitig entstand eine wieder überflutbare Aue, die sowohl die biologische Vielfalt fördert als auch als Kohlenstoffspeicher dient.

BUND fordert mehr naturbasierte Lösungen

Die Recherche kommt zu dem Schluss, dass Bund, Länder und Kommunen weiterhin überwiegend in technischen Hochwasserschutz investieren, obwohl ökologischer Hochwasserschutz Hochwasserschäden mindern und gleichzeitig Natur und Umwelt stärken könne. Zudem seien zwei Drittel der ursprünglichen Altauen in Deutschland verloren gegangen, während die wenigen Erfolge durch Deichrückverlegungen durch neue Flächenversiegelungen wieder zunichtegemacht würden.

Der BUND fordert deshalb, dem ökologischen Hochwasserschutz Vorrang einzuräumen, die Neuversiegelung von Flächen auf null zu reduzieren, den Ausstoß von Treibhausgasen weiter zu senken und die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur stärker für die Verbesserung der Wasser- und Klimaresilienz zu nutzen.

Zur Studie


Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V.,

 

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Jubiläum für den Feuchtgebietsschutz

09. Juli 2026 um 07:12

Moore speichern enorme Mengen Kohlenstoff, Feuchtgebiete schützen vor Hochwasser, sichern Wasser in Trockenzeiten und bieten unzähligen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Dass diese Ökosysteme zu den wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise gehören, war die zentrale Botschaft der Festveranstaltung „50 Jahre Ramsar Konvention in Deutschland“. Dazu kamen am 29. Juni rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Naturschutz sowie Städten und Gemeinden im Inselhotel in Konstanz zusammen. Das Ramsar-Abkommen ist das einzige völkerrechtlich verbindliche Umweltabkommen weltweit, das sich dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten widmet.

Die im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUKN) sowie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) von der Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) organisierte Tagung zog Bilanz über fünf Jahrzehnte Ramsar-Arbeit in Deutschland und richtete zugleich den Blick auf künftige Herausforderungen.

Feuchtgebietsschutz als gemeinsame Aufgabe

Durch das Programm führte Moderator Christoph Tiemann. Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im BMUKN, eröffnete die Veranstaltung mit einer Rede zur zentralen Rolle intakter Feuchtgebiete für den globalen Klimaschutz.

Sie betonte, dass der Erhalt dieser Ökosysteme im Sinne der Ramsar-Leitlinien eine vordringliche internationale Verantwortung ist: „Angesichts der derzeitigen Hitzewelle und Trockenheit wird überdeutlich, wie wichtig Moore, Auen oder andere Feuchtgebiete für uns sind: Sie halten Wasser in der Landschaft, schützen also gegen Wasserknappheit und sie wirken abkühlend. Neben dieser für uns alle spürbaren Funktion sind sie noch viel mehr: sie sind wichtiger Lebensraum für diverse Tier- und Pflanzenarten, machen uns widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels und helfen gegen den Verlust biologischer Vielfalt. Sie sind wahre Alleskönner, auf die wir nicht verzichten können, und die wir deshalb schützen und stärken müssen“, so Rita Schwarzelühr-Sutter.

Daran anschließend rückte Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, gesunde Ökosysteme auf regionaler Ebene in den Mittelpunkt.

„Feuchtgebiete spielen in vielerlei Hinsicht eine bedeutende Rolle. Sie bieten Schutz und Raum für zahlreiche heimische Tiere und Pflanzen, binden wirksam Kohlenstoff, dienen als natürliche Wasserspeicher und helfen, die Folgen des Klimawandels abzumildern. Der Schutz von Feuchtgebieten, ihre nachhaltige Nutzung und Wiederherstellung ist daher in unser aller höchstem Interesse. Die Ramsar Konvention bietet hierfür einen stabilen internationalen Rahmen und ist von großer Bedeutung für Erhalt dieser einzigartigen Naturräume“, so Thekla Walker.

Der Konstanzer Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn begrüßte die Gäste in der Konzilsstadt und stellte unter dem Leitmotiv „global denken, lokal handeln“ kommunale Ansätze vor. Er hob hervor, wie wichtig es ist, Naturschutz, Naherholung, Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung im Sinne des „Wise Use“-Prinzips, also der nachhaltigen Nutzung, der Ramsar Konvention miteinander in Einklang zu bringen. Zugleich würdigte er die Arbeit lokaler Naturschutzorganisationen.

Exkursion ins Ramsar-Gebiet Mindelsee 2 Quelle: GNF

Internationale Perspektiven und praktische Beispiele

Einen globalen Überblick über die Chancen weltweiter Abkommen auf lokaler Ebene gab Dr. Musonda Mumba, Generalsekretärin der internationalen Feuchtgebiets-Konvention. Sie zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Akteure vor Ort und appellierte daran, eine starke Brücke zur nächsten Generation zu schlagen, um der Jugend einen intakten Planeten zu hinterlassen. Als Zeichen der Anerkennung überreichte Dr. Mumba eine offizielle Ramsar-Urkunde sowie die Ramsar-Flagge an das BMUKN, vertreten durch Rita Schwarzelühr-Sutter.

Wie die Instrumente der Konvention konkret angewendet werden, zeigten mehrere Praxisberichte. Dr. Kim Grützmacher, Leiterin des Fachgebiets Internationaler Naturschutz beim Bundesamt für Naturschutz (BfN), gab Einblicke in die bundesweite Umsetzung des Ramsar-Regelwerks. Dr. Raphael Rehm von der ARGE Schwäbisches Donaumoos e.V. präsentierte das Schwäbische Donaumoos als Modellregion für Klimaschutz und regionale Wertschöpfung. Susanne Pimentel vom Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört stellte die grenzüberschreitende Ramsar-Zusammenarbeit am Oberrhein vor und machte damit die internationale Dimension direkt vor der Haustür sichtbar.

Innovative Ansätze für den urbanen Feuchtgebietsschutz präsentierten Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des Global Nature Fund, Marion Klose, Leiterin des Amts für Stadtplanung und Umwelt der Stadt Konstanz, sowie Dr. Mathias Scholz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Im Mittelpunkt standen Zukunftsmodelle für eine nachhaltige städtische Entwicklung, darunter die Auszeichnung „Wetland City“ der Ramsar Konvention, sowie die Herausforderungen eines nachhaltigen städtischen Wassermanagements am Beispiel von Konstanz und der Renaturierung im Leipziger Auwald. Die Botschaft war eindeutig: Moderne Stadtentwicklung und wirksamer Naturschutz schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich.

Nationale und internationale Expertinnen und Experten, darunter Ann Christin Kornelsen, Gründerin der Mission to Marsh gGmbH, Elena Kmetova-Biro, Projektkoordinatorin LIFE WILDisland, der Ramsar-Jugendvertreter für Deutschland Moritz Röhlke sowie Dr. Mumba, diskutierten über die gesellschaftliche Wahrnehmung von Mooren und Feuchtgebieten. Weitere Themen waren internationale Kooperationen im Rahmen der Konvention, die Beteiligung junger Menschen sowie politische und praktische Herausforderungen beim Schutz und bei der Wiederherstellung von Feuchtgebieten. Die Diskussion zeigte auch Perspektiven für Deutschland auf und verdeutlichte, welche Chancen eine stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft bietet.

Zum Abschluss des Vormittages fand Rita Schwarzelühr-Sutter eindringliche Worte, die die Zukunftsrelevanz der Feuchtgebietsarbeit unterstrichen.

Exkursion ins Ramsar-Gebiet Wollmatinger Ried 2 . Quelle: Global Nature Fund

Ramsar-Gebiete als Orte gelebten Naturschutzes

Nach dem intensiven Vormittagsprogramm und einer Pause wechselten die Teilnehmenden bei hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad direkt in die Feuchtgebiete. Auf drei Exkursionsrouten erlebten sie Naturschutz im Feuchtgebiet internationaler Bedeutung „Bodensee: Wollmatinger Ried – Gierenmoos und Mindelsee“ aus nächster Nähe.

Die Führungen durch das Wollmatinger Ried, das größte und älteste Naturschutzgebiet am deutschen Bodenseeufer und Herzstück des dortigen Ramsar-Areals, wurden vom NABU-Bodenseezentrum geleitet. Der BUND Baden-Württemberg führte die Gruppe um den Mindelsee und zeigte, wie der Erhalt naturnaher Wälder und Niedermoore zur regionalen Biodiversität beiträgt und zugleich internationale Schutzstandards erfüllt. Die Exkursionen machten deutlich: Ramsar-Gebiete sind keine statischen Denkmäler, sondern vitale Zukunftsorte des globalen Klimaschutzes.

Die Jubiläumsveranstaltung veranschaulichte, dass Feuchtgebiete 50 Jahre nach dem Beitritt Deutschlands zur Ramsar-Konvention wichtiger denn je sind. Das gemeinschaftliche Engagement und die vielfältigen Beiträge machten den Tag zu einer Veranstaltung voller Begegnungen und starker Impulse für den bundesweiten Feuchtgebietsschutz.

 

 


Quelle: Global Nature Fund

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OOWV treibt Ausbau der Infrastruktur weiter voran

08. Juli 2026 um 14:00

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat seine Investitionen in die Infrastruktur erneut erhöht. Im vergangenen Jahr flossen 107 Millionen Euro in die Wasserversorgung und weitere 58 Millionen Euro in die Abwasserbeseitigung. Das geht aus dem Jahresabschluss hervor, den die Verbandsversammlung am Dienstag beschlossen hat. Gegenüber 2024 entspricht dies einer weiteren leichten Steigerung.

Klimawandel, steigender Wasserbedarf und höhere Anforderungen an die kritische Infrastruktur prägen die Arbeit des OOWV zunehmend.

„Die Herausforderungen für die Wasserwirtschaft haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Netze, Anlagen und Werke konsequent weiterentwickeln und auf die Anforderungen der Zukunft vorbereiten“, sagte Verbandsvorsteher Sven Ambrosy. „Mit diesen Investitionen schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass die Menschen und Unternehmen im Nordwesten auch künftig auf eine sichere Wasserver- und Abwasserentsorgung vertrauen können.“

OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht verwies auf die langfristige Entwicklung: „Die Investitionen in die Wasserversorgung haben sich seit 2018 nahezu verfünffacht. Das zeigt, wie konsequent wir den Ausbau und die Modernisierung unserer Infrastruktur in den vergangenen Jahren vorangetrieben haben.“

Anhaltend hoher Wasserbedarf

Wie notwendig dieser Kurs ist, zeigt der anhaltend hohe Wasserbedarf. Die Trinkwasserabgabe lag 2025 bei 84,8 Millionen Kubikmetern – 1,1 Millionen Kubikmeter mehr als im Vorjahr und 4,3 Millionen Kubikmeter mehr als 2023.

Zu den größten Projekten zählt der Neubau des Wasserwerks Marienhafe im Landkreis Aurich. Das moderne Wasserwerk befindet sich inzwischen auf der Zielgeraden und soll die Trinkwasserversorgung in der Region langfristig sichern sowie flexibler auf künftige Anforderungen reagieren. Ein weiteres Schlüsselprojekt ist die Wassertransportleitung von Sandelermöns im Landkreis Friesland nach Diekmannshausen in der Wesermarsch. Sie soll künftig zusätzliche Möglichkeiten schaffen, Wassermengen innerhalb des Versorgungsnetzes zu verteilen und damit insbesondere in Trockenzeiten die Versorgungssicherheit weiter erhöhen.

Wie wichtig solche Maßnahmen sind, zeigte sich erst in der vergangenen Woche. Am 26. Juni gaben die 13 OOWV-Wasserwerke innerhalb von 24 Stunden 320.163 Kubikmeter Trinkwasser ab. An einem gewöhnlichen Tag liegt die Abgabemenge zwischen 220.000 und 230.000 Kubikmetern. Darüber hinaus zählt die Brauchwasseranlage Nordenham in der Wesermarsch zu den zentralen Bausteinen der Wasserstrategie des OOWV. Ziel ist es, Industrieunternehmen verstärkt mit Brauchwasser zu versorgen und so wertvolle Trinkwasserressourcen zu schonen. Weitere Investitionen flossen unter anderem in das Speicherpumpwerk Kneheim sowie in zahlreiche Projekte zur Modernisierung und Erneuerung der bestehenden Infrastruktur.

Kläranlagen werden modernisiert und erweitert

Auch im Bereich der Abwasserbeseitigung setzte der OOWV zahlreiche Ausbau- und Modernisierungsprojekte um. Auf der Kläranlage Oldenburg wurde die Modernisierung und Erweiterung der Schlammbehandlung fortgeführt. Gleichzeitig wird die energetische Eigenversorgung des Standorts ausgebaut. Mit einem neuen Faulturm und der Erneuerung weiterer technischer Anlagen schafft der Verband die Voraussetzungen, um den steigenden Anforderungen an die Abwasserreinigung und Klärschlammverwertung langfristig gerecht zu werden. Die Anlage übernimmt dabei eine zentrale Rolle für die Klärschlammbehandlung im Verbandsgebiet und bildet einen wichtigen Baustein für die künftige Klärschlammverwertung über die Monoverbrennungsanlage KENOW in Bremen, die der OOWV gemeinsam mit Partnern realisiert hat.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Kläranlagen Lindern im Landkreis Cloppenburg und Esens im Landkreis Wittmund. In Lindern wird die Abwasserreinigung umfassend modernisiert, um einen langfristig sicheren und energieeffizienten Betrieb zu gewährleisten. In Esens erweitert der OOWV die Kapazität der Anlage, um dem regionalen Wachstum und den saisonal stark schwankenden Abwassermengen gerecht zu werden. Zusätzlich setzte der Verband weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und Eigenversorgung seiner Anlagen um.

„Die Anforderungen an die Abwasserbeseitigung nehmen kontinuierlich zu – sei es durch neue gesetzliche Vorgaben, den Klimawandel oder steigende Erwartungen an den Gewässer- und Umweltschutz“, sagte OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht. „Unsere Investitionen dienen deshalb nicht nur dem Erhalt bestehender Anlagen. Sie erhöhen die Entsorgungssicherheit, stärken die Resilienz unserer Infrastruktur und schaffen die Voraussetzungen dafür, auch künftig verlässlich handeln zu können.“

Die Verbandsversammlung entlastete Vorstand und Geschäftsführung einstimmig für das Wirtschaftsjahr 2025.

Zum OOWV


Quelle: OOWV

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