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Gestern — 11. September 2026GWF – News

Ein Eimer Wasser voller Arten

11. September 2026 um 08:30

Till-Hendrik Macher und Robin Schütz, damals beide Doktoranden in der Biologie der Universität Duisburg-Essen, fuhren ein Jahr lang alle zwei Wochen zur renaturierten Lippemündung bei Wesel und filtrierten je zwei Wasserproben – 26 Termine, 52 Proben. Darin konnten sie in Summe 1.072 Arten nachweisen:

  • 40 Fisch- und Neunaugenarten,
  • 41 Vogel- und 26 Säugetierarten,
  • 425 aquatische,
  • 350 terrestrische Wirbellose und
  • 190 Arten von Kieselalgen

Zum Vergleich: Für denselben Ort sind in der globalen Biodiversitätsdatenbank GBIF insgesamt 1.029 Arten registriert, die in über 130 Jahren zusammengetragen wurden.

DNA-Metabarcoding bildet Artenvielfalt und saisonale Muster ab

Bei der klassischen Methode werden Organismen einzeln mit Kescher, Pinzette, Lupe und Mikroskop bestimmt. Mittels DNA-Metabarcoding lassen sich Arten hingegen über ihre Erbinformationen identifizieren, die sich in den Proben nachweisen lassen.

„Wir haben mit zwei Litern Wasser pro Termin 1.072 Arten quer durch den Stammbaum des Lebens nachgewiesen – von Kieselalgen über Eintagsfliegen bis zum Biber“, sagt Till-Hendrik Macher, Erstautor der Studie, der inzwischen an der Universität Trier forscht. „Und wir konnten nachweisen, dass unsere Daten tatsächlich die Biologie der Lippe abbilden und nicht nur zufällig in den Fluss gespülte DNA ist“, ergänzt Robin Schütz, mittlerweile Wissenschaftler am Bundesamt für Naturschutz. „Denn Winterlaicher wie Quappe und Hecht zum Beispiel zeigten ihre DNA-Maxima im Winter, die Blässgans genau in ihrer Überwinterungszeit.“

Auch ökonomisch ist der Ansatz interessant, denn der Bedarf an solchen Daten wächst: Sowohl das globale Biodiversitätsrahmenwerk von Kunming-Montreal (GBF) als auch die nationalen und europäischen Berichtspflichten verlangen eine räumliche und zeitliche Datendichte, die mit klassischen Methoden kaum zu leisten ist.

Effizienz bei geringeren Kosten

Mit der Methode von Macher und Schütz kostete die Analyse aller 52 Proben rund 12.000 Euro. Eine vergleichbare klassische Erfassung derselben Organismengruppen über ein Jahr würde etwa 70.000 Euro kosten – rund das Sechsfache. Für die EU-Wasserrahmenrichtlinie werden derzeit pro Fluss im Schnitt 1,71 der vier biologischen Qualitätskomponenten (Fische, Wirbellose, Mikroalgen, Wasserpflanzen) untersucht, bei den wenigsten Gewässern alle vier.
Eine Kombination aus einer klassischen Erfassung mit drei Erhebungen, die auf Umwelt-DNA basieren, käme auf alle vier – bei etwa 115 Prozent des bisherigen Budgets.

„Die Rechnung zeigt, welches Potenzial in der Kombination der Methoden steckt“, sagt Florian Leese, Leiter der AG Aquatische Ökosystemforschung an der UDE. „Denn Biomasse und Individuenzahlen liefert die Umwelt-DNA nicht, sodass wir weiterhin auch andere Methoden brauchen, um ein vollständiges Bild zu bekommen.“

Die Untersuchungen entstanden im Rahmen der Projekte GeDNA und TrendDNA, gefördert vom Umweltbundesamt (FKZ 3719242040, Projektnummer 156318), in Kooperation mit Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV).


Originalpublikation:
Macher T-H, Schütz R, Arle J, Beermann AJ, Haase P, Koschorreck J, Krehenwinkel H, Mora D, Sinclair JS, Zimmermann J, Leese F (2026): eDNA metabarcoding provides scalable and continuous biodiversity monitoring across the tree of life. Ecological Indicators 190, 115316. https://doi.org/10.1016/j.ecolind.2026.115316

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Florian Leese, Aquatische Ökosystemforschung
florian.leese@uni-due.de


Quelle: Universität Duisburg-Essen

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Wien erweitert Wasserwerk Donauinsel für zusätzliche Trinkwasserreserve

10. September 2026 um 08:00

Mit der Erweiterung des Wasserwerks Donauinsel schafft Wien zusätzliche Kapazitäten für die Trinkwasseraufbereitung. Die neue Anlage zwischen Nordbrücke und Steinitzsteg soll bis zu 1.000 Liter Wasser pro Sekunde aufbereiten können. Sie dient als zusätzliche Reserve für die Versorgung der rund zwei Millionen Menschen in der österreichischen Hauptstadt. Hintergrund des Ausbaus sind unter anderem Spitzenverbräuche, Hitzeperioden und Wartungsarbeiten an den Hochquellenleitungen. Das Projekt ist Teil der Strategie „Wiener Wasser 2050“, mit der sich die Stadt auf Bevölkerungswachstum und die Folgen des Klimawandels für die Wasserversorgung vorbereitet.

Trinkwasseraufbereitung in mehreren Stufen

Das Rohwasser für die neue Anlage stammt aus 17 Grundwasserbrunnen in den Schutzgebieten Donauinsel und Nußdorf. Für die Aufbereitung ist ein mehrstufiges Verfahren vorgesehen. Zunächst wird das Grundwasser mit Sauerstoff belüftet. Anschließend durchläuft es Grob- und Feinfilter. Den Abschluss bildet eine UV-Desinfektion. Das Verfahren ist auf die Aufbereitung des örtlichen Grundwassers ausgelegt. Die Kombination aus Belüftung, Filtration und Desinfektion soll das Wasser für die Einspeisung in die Wiener Trinkwasserversorgung aufbereiten.

Bis zu 1.000 Liter pro Sekunde als zusätzliche Reserve

Die hohe Aufbereitungskapazität ist vor allem für die Versorgungssicherheit relevant. Wien bezieht einen wesentlichen Teil seines Trinkwassers über die Hochquellenleitungen. Die neue Anlage auf der Donauinsel soll zusätzliche Kapazitäten bereitstellen, wenn dort Wartungsarbeiten stattfinden oder der Wasserbedarf besonders hoch ist. Damit erweitert die Stadt ihre Möglichkeiten, auf unterschiedliche Versorgungssituationen zu reagieren. Die Anlage ist nicht als Ersatz für die bestehende Infrastruktur vorgesehen, sondern als zusätzliche leistungsfähige Reserve.

Wien bereitet Wasserversorgung auf steigenden Bedarf vor

Die Erweiterung ist ein Baustein der langfristigen Wiener Wasserstrategie. Neben dem Bevölkerungswachstum rücken dabei auch längere Hitzeperioden und damit mögliche Verbrauchsspitzen in den Fokus. Zusätzliche Aufbereitungskapazitäten können den Handlungsspielraum des Versorgers in solchen Situationen erhöhen. Mit dem Wasserwerk Donauinsel verbindet Wien deshalb Wassergewinnung, mehrstufige Aufbereitung und zusätzliche Reservekapazitäten. Entscheidend für das Projekt ist weniger eine einzelne Verfahrenstechnik als das Zusammenspiel der Aufbereitungsstufen mit der bestehenden Versorgungsinfrastruktur. Die Anlage wird bis 2030 fertiggestellt. Mahmut Gedek, Geschäftsführer der VA TECH WABAG GmbH& CEO WABAG Europe Group kommentiert:

„Von Wien aus setzen wir Wasserprojekte in aller Welt um. Dass diese Kompetenz nun einem Schlüsselprojekt in unserer eigenen Stadt zugutekommt, hat für uns eine besondere Bedeutung. Wir danken der Stadt Wien– Wiener Wasser für das entgegengebrachte Vertrauen. Die Erweiterung des Wasserwerks Donauinsel ist ein strategisch wichtiges Infrastrukturprojekt für die langfristige Versorgungssicherheit der Bundeshauptstadt. Wir sind stolz, unser technologisches Know-how als Partner von Wiener Wasser in dieses Projekt einbringen zu dürfen.“


Quelle: VA TECH WABAG GmbH

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Kölner Kolloquium 2026 nimmt Kanalsysteme und Abwasserinfrastruktur in den Blick

03. September 2026 um 12:58

Aktuelle Anforderungen an Kanalsysteme und die Abwasserinfrastruktur stehen am 14. und 15. September 2026 beim 24. Kölner Kanal und Kläranlagen Kolloquium auf dem Programm. Die zweitägige Fachveranstaltung im Maternushaus in Köln verbindet Themen aus Kanalisationstechnik und Abwasserreinigung und wird von einer Fachausstellung begleitet.

Kanalsysteme zwischen Stadtentwicklung und Niederschlagswasser

Der erste Veranstaltungstag widmet sich der wassersensiblen Stadtentwicklung, der Öffentlichkeitswirksamkeit und dem dezentralen Niederschlagswassermanagement. Damit greift das Kolloquium Fragestellungen auf, die für Planung und Betrieb kommunaler Entwässerungsinfrastruktur zunehmend zusammen betrachtet werden müssen.

Die Veranstaltung beschäftigt sich bereits seit mehr als 20 Jahren mit Fragestellungen der Kanalisationstechnik. Zu den behandelten Themen gehören Bau, Betrieb, Zustandserfassung, Instandhaltung und Sanierung von Kanälen sowie Fremdwasser und rechtliche Rahmenbedingungen. Seit 2008 umfasst das Programm zusätzlich Fragen zu Technik, Betrieb und Unterhaltung von Abwasserreinigungsanlagen.

Kanalplanung, Kanalbau und digitale Instrumente

Am zweiten Veranstaltungstag stehen Infrastrukturbewirtschaftung und digitale Instrumente ebenso auf der Agenda wie Kanalplanung, Kanalbau und Kanalbetrieb. Weitere Themenblöcke befassen sich mit Abwasserreinigung, Klimaschutz und Klimaanpassung sowie Klärschlamm.

Damit deckt das Programm verschiedene Phasen der kommunalen Abwasserinfrastruktur ab – von der Planung und Bewirtschaftung der Kanalnetze bis zur Behandlung des Abwassers und des anfallenden Klärschlamms. Für Fachleute aus Rohrleitungsbau, Planung und Netzbetrieb bietet insbesondere die Verbindung von baulichen und betrieblichen Themen Anknüpfungspunkte.

Fachausstellung begleitet das Kolloquium

Begleitet wird das 24. Kölner Kanal und Kläranlagen Kolloquium von einer Fachausstellung. Anmeldeschluss für Teilnehmer:innen ist Freitag, 11. September 2026. Die Veranstaltung ist gemäß Fort- und Weiterbildungsordnung der Ingenieurkammer-Bau NRW anerkannt.

Zum Kolloquium

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Wasserwirtschaft investiert Milliarden in Deutschlands Trinkwassernetz

08. September 2026 um 08:30

Pro Jahr werden in Deutschland rund 4,7 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser verbraucht. Das entspricht 4.700 Milliarden Litern. In Haushalte, Gewerbe und Industrie wird dieses Wasser durch ein Leitungsnetz von insgesamt 534.000 Kilometern Länge transportiert. Zum Vergleich: Die Länge würde reichen, um mehr als 13-mal den Globus zu umrunden.

Konstante Investition für den Erhalt

Um auch weiterhin eine sichere Versorgung mit Trinkwasser zu garantieren, leisten die Wasserversorger hohe Investitionen: Jährlich fließen rund 4 Milliarden Euro in die öffentliche Wasserversorgung. Mehr als 60 Prozent davon, etwa 2,5 Milliarden Euro, werden ins Trinkwassernetz investiert. Die restlichen Investitionen fließen hauptsächlich in Gewinnung, Aufbereitung und Speicherung von Trinkwasser. Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser, kommentiert:

„Auch in den kommenden Jahren sind hohe Investitionen nötig, um die Trinkwasserversorgung selbst bei zunehmenden Extremwetterereignissen in gewohnt hoher Qualität sicherzustellen. Der Klimawandel hat längst konkrete finanzielle Auswirkungen auf die Wasserversorgung: Eine Pilotstudie des BDEW und DVGW hat gezeigt, dass allein dadurch in den kommenden zehn Jahren zusätzliche Investitionen zwischen 3,2 und 13,5 Milliarden Euro erforderlich werden können. Wir müssen deshalb heute die richtigen Investitionsentscheidungen treffen, um unsere Wasserinfrastruktur resilient und zukunftsfest aufzustellen. Dafür muss die Wasserwirtschaft auch von den Infrastrukturfördermitteln des Bundes profitieren.“


Quelle: BDEW

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Kommunalheldinnen 2026 für herausragendes Engagement ausgezeichnet

07. September 2026 um 08:00

Mit dem Preis „Die Kommunalheldin“ hat das ZFK Frauennetzwerk am 3. September 2026 zum zweiten Mal Frauen ausgezeichnet, die sich mit besonderen Leistungen in der Kommunalwirtschaft engagieren. Die Preisverleihung fand bei der Stadtwerke Lübeck Gruppe statt. Unterstützt wird die Auszeichnung von Gelsenwasser, Freibaden Consulting und der VKU-Initiative Kommunal Kann.

Aus den zahlreichen Einreichungen wählte die Jury in diesem Jahr drei Preisträgerinnen aus: Alina Kosmützky von den Stadtentwässerungsbetrieben Köln (StEB Köln), Josefin Büttner von Stromnetz Berlin und Julia Dreindl von den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB).

Neue Konzepte für das Regenwassermanagement

Alina Kosmützky ist Projektleiterin für Erschließungen und Klimafolgenanpassung bei den StEB Köln. Bei der Planung des neuen Kölner Stadtteils „Kreuzfeld“ setzt sie auf dezentrale und innovative Konzepte für das Regenwassermanagement.

Als nächsten Schritt beschäftigt sie sich mit der getrennten Erfassung und Wiederverwendung von Stoffströmen im Abwasser. Ziel ist es, Ressourcen nachhaltig im Kreislauf zu führen. „Neuartige Sanitärsysteme zeigen, wie wir dem Klimawandel aktiv begegnen können“, erklärt Kosmützky.

Stromversorgung für 100.000 Haushalte wiederhergestellt

Josefin Büttner ist Fachgebietsleiterin Kabel & Leitungen Hochspannung bei Stromnetz Berlin. Nach einem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz koordinierte sie über sieben Tage hinweg durchgehend die Störungsbearbeitung. Dabei gelang es, die Stromversorgung für 100.000 Haushalte mitten im Winter wiederherzustellen.

„Mich motiviert die Gewissheit, mit unserer Arbeit jeden Tag einen direkten Beitrag zur Versorgungssicherheit und Lebensqualität der Berlinerinnen und Berliner zu leisten“, sagt Büttner.

Hochspannungsarbeiten ohne externe Dienstleister

Julia Dreindl arbeitet als Netzanlagentechnikerin bei den Innsbrucker Kommunalbetrieben und ist höchstwahrscheinlich die einzige zertifizierte 110-kV-Monteurin Österreichs. Durch ihr fachliches Engagement können die IKB Kabelarbeiten im Hochspannungsnetz vollständig ohne externe Dienstleister durchführen. Das ermöglicht insbesondere bei Störungen schnelle Reaktionszeiten.

„Es motiviert mich, Verantwortung zu übernehmen – für die Menschen, die auf eine sichere Energieversorgung angewiesen sind, ebenso wie für die Infrastruktur von morgen“, erklärt Dreindl.

Mit dem Preis will das ZFK Frauennetzwerk die Leistungen von Frauen in der Kommunalwirtschaft stärker sichtbar machen. „Das ZFK Frauennetzwerk macht mit dem Preis ‚Die Kommunalheldin‘ die Frauen sichtbar, die unsere Branche täglich prägen. Ich bin stolz, dass wir ihnen als ZFK eine Bühne für ihre herausragende Arbeit bieten dürfen“, sagt Carsten Wagner, Geschäftsführer der ZFK.


Quelle: ZFK

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Sortimentswechsel im Tiefbau

04. September 2026 um 07:58

Der Markt für Verbindungstechnik im Tiefbau befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Wenn etablierte Systemanbieter ihr Tiefbausortiment zurückziehen, hinterlässt das spürbare Lücken in Planung, Beschaffung und Betrieb von Wasserversorgungsnetzen. Wasserversorger, Stadtwerke und Tiefbauunternehmen stehen plötzlich vor der Aufgabe, langjährig eingesetzte Systeme zu ersetzen, Freigabelisten anzupassen und die Kompatibilität zu bestehenden Netzen sicherzustellen.

Besonders kritisch ist dabei, dass Hausanschlusstechnik und Verbinderlösungen für PE- und PVC-Rohre nicht nur „austauschbare“ Standardkomponenten sind. Sie bestimmen die Montageprozesse auf der Baustelle, die Fehleranfälligkeit im Einbau und die Langzeitzuverlässigkeit der Infrastruktur. Aktuell stehen viele Netzbetreiber vor der Herausforderung, ihre Verbindersysteme strategisch neu zu bewerten – mit Auswirkungen auf Lagerhaltung, Schulung des Personals und langfristige Investitionssicherheit.

Herausforderungen für Wasserversorger: Kontinuität, Kompatibilität, Risiko

Für Wasserversorger stellt sich zuerst die Frage nach der Versorgungssicherheit: Sind Ersatz- und Erweiterungskomponenten auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch verfügbar – und zwar systemkompatibel zu heute bestehenden Netzen? Existiert ein komplettes Sortiment plötzlich nicht mehr, drohen „Sortimentsinseln“ im Netz: unterschiedliche Verbindergeometrien, Klemmprinzipien und Materialien, die im Störungsfall zusätzliche Fehlerquellen eröffnen.

Beim Sortimentswechsel steigt in der Übergangsphase das Risiko für Montagefehler, weil sich Abläufe, Werkzeuge und Vorgaben verändern. Für Wasserversorger bedeutet das: Der Systemwechsel ist nicht nur eine Beschaffungs-, sondern immer auch eine Risikofrage im Netzbetrieb.

Hinzu kommen wirtschaftliche Aspekte: Parallelhaltung alter und neuer Systeme verursacht höhere Lagerbestände und kompliziertere Disposition. Gerade kleinere Versorger mit begrenzten Ressourcen benötigen deshalb Lösungen, die den Systemwechsel möglichst reibungslos gestalten und gleichzeitig zukünftige regulatorische Anforderungen bereits abdecken.

Bleifrei-Regulatorik: vom nationalen Rahmen zur europäischen Materialpositivliste

Parallel zur Marktdynamik verschärfen sich die hygienischen Anforderungen an Materialien im Trinkwasserkontakt deutlich. In Deutschland gelten aktuell noch die nationalen Bewertungsgrundlagen des Umweltbundesamtes (UBA) gemäß § 15 Trinkwasserverordnung, einschließlich Positivlisten und Prüfvorschriften. Diese legen unter anderem fest, welche metallischen Werkstoffe und organischen Materialien im Kontakt mit Trinkwasser eingesetzt werden dürfen und unter welchen Prüfbedingungen ihre Eignung nachzuweisen ist.

Besonders relevant für metallische Verbinder ist die Absenkung des Bleigrenzwerts im Trinkwasser: In Deutschland wird dieser Grenzwert ab dem 12.01.2028 auf 5,0 µg/l reduziert. Das UBA hat bereits Werkstoffe identifiziert, die ab diesem Zeitpunkt nicht mehr eingebaut werden dürfen. Die europäische Positivliste enthält nur noch Legierungen, die diesen strengeren Grenzwert einhalten. Für bleihaltige Messinglegierungen bedeutet das faktisch ein Auslaufen im Neuanlagen- und Sanierungsbereich. Für Netzbetreiber ist damit klar: Zukünftige Sortimentsentscheidungen müssen bleifrei sein, wenn sie in Zukunft rechtssicher eingesetzt werden sollen.

 

Klemmverbinder mit festem Stützrohr / Quelle: Beulco

Klemmverbinder mit losem Stützrohr / Quelle: Beulco

Klemmverbinder ohne Stützrohr / Quelle: Beulco

Was bedeutet das in der Praxis?

Für Wasserversorger ergibt sich eine doppelte Herausforderung:

  • Sortimentswandel durch den Rückzug einzelner Anbieter und die Notwendigkeit, bewährte Systeme zu ersetzen.
  • Gleichzeitig die Verpflichtung, auf bleifreie, europarechtskonforme Materialien umzustellen, die sowohl die nationale Übergangsphase als auch die spätere EU-Regulierung sicher abdecken.

Planungssicherheit entsteht nur, wenn beide Ebenen gemeinsam betrachtet werden: Wer heute ein neues Verbindersystem freigibt, muss sicherstellen, dass die eingesetzten Legierungen in der europäischen Positivliste enthalten sind bzw. bleiben, und dass der Hersteller den Übergang vom UBA-System zur EU-Konformitätsbewertung aktiv gestaltet (z. B. durch frühzeitige Neubewertungsanträge bei der ECHA).

Lösungsansätze: Sortimentsstrategie und Verbindungstechnik

1. Systemwahl: Kompatibilität und Langfristverfügbarkeit

Eine zentrale Stellschraube ist die Auswahl eines durchgängigen Verbindersortiments, das die Anforderungen von Neuverlegung, Bestandserweiterung und Reparatur gleichermaßen abdeckt.

Systemfamilien mit verschiedenen Ausprägungen – etwa Varianten mit festem oder losem Stützrohr und eine Ausführung ohne Stützrohr – ermöglichen es Versorgern, je nach Anwendung (Neubau, Sanierung, Reparatur) gezielt zu wählen, bleiben aber technisch und logistisch innerhalb einer Sortimentslogik. Das erleichtert den Umstieg von auslaufenden Systemen, ohne die Komplexität in Lager und Baustellenlogistik zu erhöhen.

2. Bleifreiheit als strategische Vorgabe

Angesichts der Absenkung des Bleigrenzwerts und der europäischen Positivliste ist die konsequente Entscheidung für bleifreie Messingwerkstoffe im Trinkwasserbereich keine optionale Produktoptimierung mehr, sondern eine regulatorische Notwendigkeit. Versorger sollten bei Neufreigaben gezielt prüfen:

  • Ist der Werkstoff bleifrei und aktuell in der nationalen bzw. europäischen Positivliste enthalten?
  • Liegen gültige Konformitätsbestätigungen vor, die über 2026 hinaus Bestand haben?
  • Hat der Hersteller eine Roadmap für die Umstellung auf die EU-Zertifizierung und Kennzeichnung vorgelegt (inkl. Fristen bis 2032)?

So lässt sich vermeiden, dass heute eingeführte Systeme bereits in wenigen Jahren erneut ausgetauscht werden müssen, weil sie die künftigen Grenzwerte nicht mehr erfüllen.

3. Montage- und Betriebssicherheit

Technische Konzepte, die Dicht- und Klemmfunktion trennen, Rohrverdrehungen konstruktiv verhindern und Oberflächenrauheiten kompensieren, adressieren typische Fehlerquellen auf der Baustelle. Für den Netzbetreiber zählen hier:

  • reproduzierbare Montageabläufe in wenigen, klar definierten Schritten
  • geringe Anfälligkeit für Montagefehler (z. B. keine Abhängigkeit von exakt positionierten Stützrohren oder empfindlichen Kunststoffklemmringen)
  • hohe Zug- und Druckfestigkeit, auch bei Bodensetzungen und Druckstößen.

4. Übergangsmanagement und Bestandsschutz

Die europäische Regelung sieht ausdrücklich Übergangsfristen und Bestandsschutz für bereits eingesetzte Produkte vor, solange die Anlagen korrekt betrieben werden und die Trinkwasserqualität eingehalten wird. Für Versorger eröffnet das die Möglichkeit, den Sortimentswechsel gesteuert vorzunehmen:

  • Altbestand weiterhin rechtssicher betreiben
  • Neuprojekte und größere Sanierungsmaßnahmen bereits mit bleifreien, EU-tauglichen Systemen ausführen
  • nach und nach technische Richtlinien, Ausschreibungen und Schulungen auf das neue Sortiment umstellen.

Ein enger Austausch mit Systemanbietern, die ihre Materialien und Zertifizierungen proaktiv auf das neue europäische Regelwerk ausrichten, erleichtert diesen Übergang erheblich.

So entsteht aus dem aktuellen Sortimentswandel keine reine Restrisiko-Debatte, sondern die Chance, Verbindungstechnik im Tiefbau langfristig robuster, hygienischer und normenkonform aufzustellen – von der einzelnen Klemmverbindung bis zur strategischen Netzplanung.

Bewährte Verbindungstechnik als zukunftssichere Sortimentsbasis

Im Ergebnis dieses Sortiments- und Regulierungswandels rücken Lösungen in den Fokus, die sowohl technisch belastbar als auch langfristig rechtssicher sind.

Das aktuelle Verbindersortiment von Beulco bietet durchgängige Lösungen für Neuverlegung, Bestandserweiterung und Reparatur, deckt typische Hausanschlussdimensionen ab und erlaubt die sichere Verbindung gängiger Kunststoffrohre ohne Systembruch. Für metallische Komponenten kommen trinkwassergeeignete, bleifreie Werkstoffe zum Einsatz, die die künftigen Anforderungen an Bleigrenzwerte erfüllen und auf die langfristige Einhaltung der Trinkwassergüte ausgelegt sind. Für Netzbetreiber bedeutet das: Sie können den notwendigen Sortimentswechsel nutzen, um auf ein Verbinderprogramm umzustellen, das sowohl technisch bewährt als auch regulatorisch zukunftsfähig ist – und damit das Risiko weiterer Systemwechsel in den kommenden Jahren deutlich reduziert.

 

Weitere Informationen

Quelle: Beulco

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Neue Membranfilter setzen Maßstäbe in der Abwasserreinigung

03. September 2026 um 14:30

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeichnet den Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul, Gründer und Geschäftsführer von Membion, mit dem Deutschen Umweltpreis 2026 aus. Er teilt sich die mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Auszeichnung mit der Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen. Die Preisverleihung findet am 25. Oktober in Aachen statt.

Vossenkaul wird für seine Entwicklungen im Bereich der Hohlfasermembranen für die Abwasserreinigung geehrt. Die Technologie verbindet eine hohe Reinigungsleistung mit einem geringeren Energie- und Platzbedarf und soll Membrantechnik auch wirtschaftlich konkurrenzfähig zur klassischen Klärtechnik machen.

Membrantechnik für neue Anforderungen

Mit der 2025 in Kraft getretenen EU-Kommunalabwasser-Richtlinie steigen die Anforderungen an die Abwasserreinigung. Zum besseren Schutz der Gewässer vor Mikroschadstoffen ist eine vierte Reinigungsstufe vorgesehen. Die Richtlinie muss bis Ende Juli 2027 in der EU umgesetzt werden.

Die von Membion entwickelte Membrantechnologie ist modular aufgebaut und eignet sich insbesondere für Kläranlagen mit begrenztem Platzangebot. Die Hohlfasermembranen bestehen aus dünnen, rund 1,60 Meter langen Röhrchen. Ihre Poren sind so fein, dass unter anderem Mikroplastik, Krankheitserreger und multiresistente Keime aus dem Abwasser herausgefiltert werden können. In Verbindung mit Aktivkohle lassen sich auch Arznei- und Kosmetikrückstände entfernen.

Bei der Membranbioreaktor-Technologie werden die Membranmodule direkt in den Klärschlamm eingetaucht. Das zuvor biologisch gereinigte Wasser wird durch die Membranen abgesaugt. Herkömmliche Rundbecken zur Trennung von Schlamm und Wasser sind dadurch nicht erforderlich. Das aufbereitete Wasser ist zwar kein Trinkwasser, kann aber beispielsweise zur Bewässerung in der Landwirtschaft genutzt werden.

Mehr als 90 Prozent weniger Energie für die Spülung

Ein entscheidender Ansatzpunkt der Entwicklung ist die Reinigung der Membranen. Bei bisherigen Membranbioreaktoren war dafür ein vergleichsweise hoher Energieeinsatz erforderlich, was Betreiber häufig von einer Installation abhielt. Seit fast fünf Jahren wird die Membion-Technologie in einer Pilot-Kläranlage in Konzen bei Monschau gemeinsam mit herkömmlichen Plattenmodul-Membranfiltern eingesetzt. Dabei konnte der Energieverbrauch für die Spülung der Membranen um mehr als 90 Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig verringerte sich der Platzbedarf um 75 Prozent.

Möglich wird dies unter anderem durch sogenannte Geysir-Elemente unterhalb der Membranen. Kurze Luftpulse bewegen den Schlamm nach oben und halten so die Membranporen sauber. Das als „JetSplash“ bezeichnete Verfahren ist eines von insgesamt 28 Patenten Vossenkauls.

Großanlage in Wolfsburg geplant

Die Membion-Technologie wird bereits in industriellen Anwendungen eingesetzt, unter anderem beim Galvanik-Unternehmen Collini und beim Lebensmittelhersteller McCain. Künftig soll sie außerdem das Herzstück von Deutschlands größter Membran-Kläranlage in Wolfsburg-Stahlberg bilden. Dort sollen 3.000 Fußelemente eingesetzt werden, in denen jeweils mehr als 1.600 Membranen verankert sind.

In Deutschland reinigen rund 8.700 öffentliche Kläranlagen jährlich etwa 8,3 Milliarden Kubikmeter Abwasser. Weltweit gelangen laut DBU bis zu 80 Prozent des anfallenden Abwassers ungeklärt in die Umwelt.


Quelle: Neue Ära für die Abwasserreinigung – DBU

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DWA fordert Wasserresilienz-Pakt für Deutschland

03. September 2026 um 07:34

Niedrigwasser auf Rhein, Elbe und anderen Bundeswasserstraßen beeinträchtigt zunehmend Transportwege, Industrie und Lieferketten. Gleichzeitig sorgen Trockenperioden für Ernteausfälle, erhöhen die Waldbrandgefahr und belasten Wälder und Gewässer. In Städten verschärfen langanhaltende Hitzeperioden die Situation zusätzlich und stellen auch Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen vor wachsende Herausforderungen.

Für die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) zeigen diese Entwicklungen, welche Bedeutung ein stabiler Wasserhaushalt für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands hat. Wasserresilienz müsse deshalb stärker in der Wirtschafts-, Infrastruktur- und Klimaanpassungspolitik berücksichtigt werden.

Anlässlich der Kabinettsklausur der Bundesregierung hat die DWA einen Wasserresilienz-Pakt für Deutschland vorgelegt. Darin formuliert der Verband zehn Ziele, mit denen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Wasserknappheit, Dürre, Niedrigwasser, Waldbränden und den Folgen zunehmender Hitze gestärkt werden soll.

„Wassersicherheit entscheidet zunehmend mit über die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts. Ohne verlässliche Wasserverfügbarkeit gibt es weder eine wettbewerbsfähige Industrie noch klimaresiliente Städte und Regionen. Deutschland hat das Wissen, die Technologien und die Fachleute. Jetzt geht es darum, daraus Tempo zu machen: mit klaren Prioritäten, verlässlichen Rahmenbedingungen und einer Umsetzung, die Bund, Länder und Kommunen gemeinsam tragen“, sagt Dr.-Ing. Lisa Irwin-Broß, Vorständin der DWA.

Wasser besser speichern und verfügbar halten

Aus Sicht der DWA dürfen die Folgen von Niedrigwasser, Trockenheit und Hitze nicht isoliert betrachtet werden. Sie hängen unmittelbar mit einem Wasserhaushalt zusammen, der durch den Klimawandel zunehmend unter Druck gerät. Entscheidend sei daher, vorhandenes Wasser künftig besser in der Landschaft und in Siedlungsräumen zu speichern, verfügbar zu halten und effizienter zu nutzen.

Der Wasserresilienz-Pakt setzt dafür an verschiedenen Stellen an. Die DWA fordert unter anderem, das Prinzip der Schwammlandschaft als nationales Ziel zu verfolgen und Moore, Auen und Gewässer stärker als natürliche Infrastruktur zu schützen. Gleichzeitig sollen Schwammstädte und Schwammdörfer zu einem bundesweiten Investitionsschwerpunkt werden.

Weitere Ziele sind eine bessere Wasserversorgung von Stadtgrün, die stärkere Nutzung von Wasserwiederverwendung sowie die Einführung regionaler Wasserbilanzen. Auch die Vorsorge für Dürre- und Niedrigwasserereignisse soll professionalisiert werden. Ergänzend fordert die DWA messbare Fortschritte bei der Klimaanpassung und insgesamt schnellere Planungs- und Umsetzungsprozesse.

DWA fordert klare Zuständigkeiten und schnellere Umsetzung

Der Verband versteht den Pakt als Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen. Dabei soll es nicht bei der Formulierung langfristiger Ziele bleiben. Vielmehr müssten konkrete Maßnahmen priorisiert, Zuständigkeiten geklärt und Fortschritte überprüfbar gemacht werden.

„Wir brauchen keine weitere Problembeschreibung. Wir müssen vom Wissen ins Handeln kommen. Die Lösungsansätze liegen auf dem Tisch. Jetzt geht es darum, Prioritäten zu setzen, Umsetzung zu beschleunigen und Fortschritte messbar zu machen“, so Irwin-Broß.

Die DWA will die Umsetzung des Pakts fachlich begleiten. Vorgesehen sind unter anderem eine Roadmap mit Zeithorizonten und Verantwortlichkeiten für die zehn Maßnahmen sowie die Aufbereitung übertragbarer Praxisbeispiele aus Kommunen und Regionen. Darüber hinaus sollen Szenarien zum Investitions- und Finanzierungsbedarf entwickelt und Expertenformate mit Bundesministerien, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden, Wissenschaft und Wirtschaft angeboten werden.

Nach Auffassung der DWA sollte Wassersicherheit künftig systematisch bei Entscheidungen über Infrastruktur, Wirtschaft und Klimaanpassung berücksichtigt werden. Eine verlässliche Wasserverfügbarkeit sei nicht nur für die öffentliche Daseinsvorsorge entscheidend, sondern ebenso für Industrie, Landwirtschaft, Energieversorgung und Logistik.


Quelle: DWA

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Klimawandel erhöht Investitionsdruck auf Wasserversorger

01. September 2026 um 13:10

Deutschlands Trinkwasserversorgung gilt weiterhin als sicher. Doch längere Trockenperioden, sinkende Grundwasserstände und veränderte Niederschlagsmuster erhöhen den Anpassungsdruck auf die Wasserversorger. Damit die Versorgung auch unter den Bedingungen des Klimawandels zuverlässig bleibt, sind umfangreiche Investitionen in Wassergewinnung, Speicher, Leitungsnetze und weitere Infrastruktur erforderlich.

Hoher Investitionsbedarf trifft auf begrenzte Mittel

Eine aktuelle Umfrage unter den wasserversorgenden Stadtwerken der Thüga-Gruppe, Deutschlands größtem Netzwerk kommunaler Energie- und Wasserversorger, macht die finanzielle Herausforderung deutlich. 86 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihren Investitionsbedarf für eine zukunftssichere Wasserversorgung als hoch oder sehr hoch. Zugleich geben 76 Prozent an, dass sich die notwendigen Investitionen mit den derzeitigen Wasserpreisen nicht finanzieren lassen.

Klimaanpassung ist damit nicht allein eine technische Aufgabe. Entscheidend ist auch die Frage, wie sich eine langfristig sichere Wasserversorgung finanzieren lässt.

„Versorgungssicherheit ist nicht zum Nulltarif zu haben“, fasst ein Teilnehmer der Umfrage die Herausforderung zusammen.

Neben den zusätzlichen Anforderungen durch den Klimawandel steigen auch die Kosten für Erhalt, Modernisierung und Ausbau der bestehenden Infrastruktur.

Versorgungssicherheit braucht tragfähige Finanzierung

Aus Sicht der Stadtwerke ist deshalb eine breitere gesellschaftliche Diskussion über den Wert von Trinkwasser notwendig. Dabei müsse deutlich werden, dass eine zuverlässige Wasserversorgung langfristige und erhebliche Investitionen erfordert.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht möglichst hohe Wasserpreise, sondern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Versorgungssicherheit, Investitionsbedarf und Bezahlbarkeit.

Ein weiterer Teilnehmer der Umfrage formuliert es so: „Wir brauchen eine sichere und nachhaltige Wasserversorgung zu angemessenen und transparenten Preisen.“

Auch beim Umgang mit Trinkwasser sehen die Befragten Handlungsbedarf: „Trinkwasser ist ein Lebensmittel. Es sollte primär auch nur für diesen Zweck verwendet werden!“

Zugleich sollten zusätzliche Kosten, die durch Verschmutzungen und einen erhöhten Reinigungsaufwand entstehen, nicht von der Allgemeinheit getragen werden. Die Wasserversorgung müsse künftig stärker in größeren Strukturen gedacht werden. Zudem sollten die Kosten für zusätzliche Reinigungsstufen nach dem Verursacherprinzip getragen werden.

Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Wasserversorgern könnte zusätzlich dazu beitragen, Know-how zu bündeln, effizienter zu arbeiten und Investitionen gemeinsam umzusetzen. Die bestehende Finanzierungslücke lässt sich dadurch allein jedoch nicht schließen.

Investitionen müssen frühzeitig angestoßen werden

Für die Wasserversorger ist deshalb entscheidend, die Anpassung an den Klimawandel nicht erst dann voranzutreiben, wenn dessen Auswirkungen unmittelbar spürbar werden. Wassergewinnungsanlagen, Speicher und Leitungsnetze haben lange Planungs- und Nutzungszeiträume. Investitionsentscheidungen müssen entsprechend frühzeitig getroffen werden.

„Die deutsche Wasserversorgung ist eine der zuverlässigsten der Welt. Das bleibt sie nur, wenn wir jetzt investieren. In Anbetracht des Klimawandels wird nicht die Frage sein, ‚ob‘ wir investieren, sondern ob wir es rechtzeitig tun“, sagt Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Thüga.


Quelle: Thüga AG

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Feuchteverträgliches Spachtelharz für die robotergestützte Kanalsanierung

01. September 2026 um 08:00

Konudur Robopox 26 ist eine standfeste, maschinell verarbeitbare Zweikomponenten-Epoxidharzspachtelmasse. Die auf den Spachtelprozess abgestimmte Viskosität ermöglicht eine präzise Verarbeitung, auch im Überkopfbereich. Das Material haftet zuverlässig auf trockenen, mattfeuchten und feuchten mineralischen Untergründen sowie auf Schlauchlinern. Konudur Robopox 26 ist feuchteverträglich und härtet auch unter Wasser aus. Darüber hinaus zeichnet sich das Spachtelharz durch eine hohe chemische Beständigkeit sowie gute mechanische Eigenschaften nach der Erhärtung aus.

Effiziente maschinelle Verarbeitung mit weniger Verpackungsaufwand

Die Epoxidharzspachtelmasse ist sowohl in Blechgebinden als auch in Schlauchbeuteln verfügbar. In Kombination mit handelsüblichen Mischanlagen bietet Konudur Robopox 26 eine effiziente Lösung für die maschinelle Verarbeitung. Das Anmischen des Materials mittels Mischanlage und Schlauchbeutel reduziert den Reinigungsaufwand und verringert den Verbrauch von Transportverpackungen.


Quelle: MC-Bauchemie Müller GmbH & Co. KG Chemische Fabriken

 

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Aktionswoche für mehr Grün in Städten

31. August 2026 um 12:21

Vom 14. bis 20. September 2026 steht bundesweit eine Woche lang die Begrünung und Entsiegelung im Mittelpunkt. Die Aktionswoche Gebäudegrün lädt auch in diesem Jahr wieder zum Mitmachen ein. Initiator der Image- und Aufklärungskampagne ist der Bundesverband GebäudeGrün e. V. (BuGG), der die verschiedenen Aktionen sammelt und auf einer interaktiven Karte veröffentlicht.

Begrünung bundesweit voranbringen

Während der Aktionswoche finden in ganz Deutschland Veranstaltungen in Präsenz, online und in hybrider Form statt. Ziel ist es, die Themen Begrünung und Entsiegelung an möglichst vielen Orten aufzugreifen und weiter voranzubringen. Im Fokus stehen dabei der Informations- und Wissenstransfer, der Abbau von Vorbehalten und die Motivation, selbst Begrünungsmaßnahmen umzusetzen.

Die Angebote richten sich unter anderem an Städte, Planende und Bauende sowie an die breite Bevölkerung. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik gehören zu den Zielgruppen. An der Umsetzung vor Ort beteiligen sich Verbände und deren Mitglieder, Kommunen, Naturschutzorganisationen und Unternehmen.

Exkursionen, Beratung und Aktionen vor Ort

Auch der BuGG und zahlreiche seiner Mitglieder beteiligen sich mit eigenen Angeboten. Mit dabei sind unter anderem die Naturdachwelten GmbH, die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft Hamburg, das Institut für Akustik und Bauphysik der Universität Stuttgart sowie die Städte Karlsruhe, Lübeck und Bonn.

Im Rahmen der BuGG-Exkursionsreihe „Stadt. Dach. Fassade. GebäudeGrün“ können Interessierte in München und Erfurt bereits umgesetzte Projekte der Dach- und Fassadenbegrünung besichtigen.

Klimaanpassung im Mittelpunkt

Während des Aktionszeitraums findet außerdem die Beratungswoche „GebäudeGrünHoch3“ des BuGG und der Stadt Freiburg im Breisgau statt. In Offenburg können sich Unternehmen kostenfrei über verschiedene Maßnahmen zur Klimaanpassung informieren. Unterstützt wird die Aktionswoche Gebäudegrün 2026 von den BuGG-Mitgliedern Carl Stahl ARC, Metz Gebäudebegrünung, Mobilane und Zinco.

Zur Aktionswebsite

Quelle: BuGG

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Sportverein plant Schutz vor Hitze und Starkregen

31. August 2026 um 07:40

Ein Gründach für den Zuschauerbereich, Sonnenschutz am Vereinsheim, eine Regenwasserzisterne, wasserdurchlässige Flächen und eine begrünte Fassade bilden die fünf zentralen Bausteine eines neuen Klimaanpassungskonzepts für den FSV Cappel. Entwickelt wurde es vom Öko-Institut gemeinsam mit dem Fußballverein, dem Architekturbüro Atelier Spitzner und der Lean FM GmbH. Gefördert wurde das Projekt über die Förderrichtlinie „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Der FSV Cappel zählt mehr als 550 Mitglieder. Rund 400 davon sind aktive Spielerinnen, darunter etwa 300 Kinder und Jugendliche. Auch Seniorinnen halten sich regelmäßig auf dem Vereinsgelände auf. Gerade Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen können durch zunehmende Hitze, intensive UV-Strahlung und mangelnden Witterungsschutz besonders belastet werden.

„Unser Klimaanpassungskonzept verbindet wissenschaftliche Analysen mit den Erfahrungen der Menschen, die die Anlage täglich nutzen“, sagt Stefanie Degreif, Projektleiterin am Öko-Institut. „Gemeinsam konnten wir Maßnahmen entwickeln und bewerten, die gezielt auf die Situation beim FSV Cappel zugeschnitten sind.“

Versiegelte Flächen verstärken die Belastung

Die Untersuchungen zeigen, dass insbesondere Hitze und starke Sonneneinstrahlung Probleme auf der Sportanlage verursachen. Wenige Schattenplätze, versiegelte Asphaltflächen und ein fehlender außenliegender Sonnenschutz begünstigen die Aufheizung des Vereinsheims und seiner Umgebung. Besonders deutlich wird dies auf dem Kunstrasenplatz: Bei einer Lufttemperatur von rund 35 Grad Celsius kann sich dessen Oberfläche auf bis zu 55 Grad Celsius erwärmen. Hinzu kommt das Risiko durch Starkregen. Da große Teile des Geländes versiegelt sind, kann Niederschlagswasser nur begrenzt versickern. Überflutete oder nasse Bereiche können den Trainings- und Spielbetrieb beeinträchtigen. Gleichzeitig fehlen teilweise geschützte Bereiche, in die sich Menschen bei schlechtem Wetter zurückziehen können.

„Das Vereinsgelände ist ein Treffpunkt für viele unterschiedliche Menschen. Deshalb ist es uns wichtig, dass sich Kinder, Aktive, ältere Mitglieder und Zuschauer*innen auch bei zunehmender Hitze oder Starkregen sicher dort aufhalten können“, sagt Reiner Muth vom FSV Cappel. „Das Konzept gibt uns eine konkrete Grundlage, um die Anlage Schritt für Schritt klimaangepasster zu gestalten.“

Aus 40 Ideen werden fünf konkrete Vorhaben

Insgesamt sammelte das Projektteam 40 mögliche Ansätze, um das Sportgelände widerstandsfähiger gegenüber den Folgen von Extremwetter zu machen. In einem mehrstufigen Auswahlprozess wurden daraus fünf bauliche Maßnahmen priorisiert und anschließend einer umfassenden Nachhaltigkeitsprüfung unterzogen.

Gründach über dem Zuschauerbereich: Eine Holzkonstruktion mit begrüntem Retentionsdach soll die barrierefreien Rollstuhl- und Begleitplätze künftig vor Sonne, Hitze und Niederschlag schützen. Gleichzeitig kann das Dach Regenwasser zurückhalten, durch Verdunstung zur Kühlung beitragen und zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen.

Sonnenschutz am Vereinsheim: An der südwestlichen Fensterfront sollen regelbare außenliegende Sonnenschutzsysteme den Wärmeeintrag und die Blendwirkung reduzieren. Für den Gastraum und den Außenverkauf sind jeweils an die Nutzung angepasste Lösungen vorgesehen.

Regenwasserzisterne: Niederschlagswasser soll gesammelt und anschließend zur Bewässerung der Kinderarena genutzt werden. Damit lässt sich der Trinkwasserverbrauch reduzieren. Gleichzeitig verbleibt mehr Regenwasser auf dem Gelände und kann über die Rasenflächen versickern, anstatt direkt in die Kanalisation abgeleitet zu werden.

Teilentsiegelung des Eingangsbereichs: Die vorhandene Asphaltfläche soll einem wasserdurchlässigen Pflasterbelag weichen. Dabei müssen sowohl die Barrierefreiheit als auch die Befahrbarkeit für Rettungsfahrzeuge erhalten bleiben. Wenn möglich, sollen gebrauchte Pflastersteine wiederverwendet werden.

Begrünung der Südfassade: Kletterpflanzen und Rankhilfen sollen die stark der Sonne ausgesetzte Fassade verschatten. Neben einer kühlenden Wirkung auf das Gebäudeumfeld kann die Begrünung die Artenvielfalt fördern und zur Verbesserung der Luftqualität beitragen. Ein Pflege-, Bewässerungs- und Kontrollkonzept soll die Wirkung langfristig sichern.

Mitglieder bringen Erfahrungen aus dem Vereinsalltag ein

Bei der Erarbeitung des Konzepts wurden die Menschen, die das Gelände regelmäßig nutzen, frühzeitig einbezogen. An einer Befragung nahmen 155 Vereinsmitglieder und Besucher*innen verschiedener Altersgruppen und mit unterschiedlichen Funktionen im Verein teil.

In einem Workshop im Februar 2026 diskutierten Vertreterinnen verschiedener Vereinsgruppen die möglichen Anpassungsmaßnahmen und legten gemeinsam Prioritäten fest. Die fünf ausgewählten Vorhaben verbinden damit wissenschaftliche und bauliche Erkenntnisse mit den praktischen Erfahrungen der Nutzerinnen.

Mit dem Klimawandel nehmen Hitzeperioden, Dürren und Starkregenereignisse in Deutschland zu. Die Folgen betreffen nicht nur Vereinsgebäude und Sportflächen, sondern auch Sportlerinnen, Zuschauerinnen, Betreuungspersonen und weitere Menschen, die sich dort aufhalten. Maßnahmen zur Klimaanpassung sollen daher sowohl die Infrastruktur als auch die Gesundheit der Nutzer*innen schützen.

Beitrag zu den Klimazielen der Stadt Marburg

Mit seinem Klimaanpassungskonzept orientiert sich der FSV Cappel an den entsprechenden Zielen der Stadt Marburg und will einen konkreten Beitrag zu einer klimaresilienten Stadtentwicklung leisten. Dazu arbeitet der Verein mit den zuständigen Fachbereichen der Stadt zusammen, um die geplante Weiterentwicklung des Sportgeländes mit den kommunalen Klimazielen abzustimmen.


Originalpublikation: Klimaanpassungskonzept für den Fußballverein FSV 1926 Cappel e.V. in Marburg | oeko.de

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Islands Eisschild prägte die Chemie des Nordatlantiks

28. August 2026 um 12:53

Das Wachstum und der Rückgang des isländischen Eisschildes haben die Meerwasserchemie des Nordatlantiks in den vergangenen 230.000 Jahren erheblich beeinflusst. Verantwortlich dafür ist das Zusammenspiel von Eis und Vulkanismus auf Island. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Instituts für Umweltphysik an der Universität Heidelberg nach der Untersuchung von Sedimentkernen vom Rockall Plateau im nordöstlichen Atlantik. Das Team analysierte dafür die Isotopenzusammensetzung des Seltene-Erden-Elements Neodym in den Bohrproben. Dabei zeigte sich, dass das isotopische Signal zwischen glazialen und interglazialen Perioden deutlich schwankte und dem „Rhythmus“ der Eiszeiten folgte, wie die Untersuchungen unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Frank zeigen.

Neodym als chemischer Fingerabdruck des Meerwassers

Die Isotopenzusammensetzung von Neodym (Nd) im Meerwasser gehört zu den häufig verwendeten Methoden, um Veränderungen der Ozeanzirkulation in der jüngeren geologischen Vergangenheit zu rekonstruieren. Grundlage ist die Annahme, dass die chemischen „Fingerabdrücke“ der großen Wassermassen über lange Zeiträume weitgehend konstant geblieben sind.

Die Ergebnisse der Heidelberger Wissenschaftler stellen diese Annahme zumindest für den Nordatlantik während glazialer Perioden infrage. Die Analysen der Tiefseesedimente vom Rockall Plateau zeigen, dass sich die Chemie des nordatlantischen Meerwassers wiederholt und deutlich verändert hat. Als Ursache sehen die Forschenden vulkanisches Material, das von Island in den Ozean gelangte.

Gesteinsmehl gelangte durch das Eis in den Atlantik

Verschiedene kontinentale Gesteine besitzen unterschiedliche isotopische Signaturen. Das Verhältnis der Isotope 143Nd und 144Nd des im Meerwasser gelösten Neodyms gibt deshalb Hinweise darauf, aus welchen Gesteinen das Seltene-Erden-Element herausgelöst wurde.

Rückte der Eisschild auf Island während eines Glazials vor und bewegte sich über das basaltische Grundgestein, entstanden große Mengen feinen und hochreaktiven Gesteinsmehls. Dieses Material gelangte in den Nordatlantik und setzte dort Neodym mit einer ausgeprägten radiogenen Signatur frei, das mit 143Nd angereichert war. Die Untersuchung der Neodym-Isotope aus dem Sedimentkern ODP Site 982 des Rockall Plateau zeigt, dass die oberen Wassermassen des Nordatlantiks während der Höhepunkte der Eiszeiten deutlich radiogener waren als während der warmen Zwischeneiszeiten. Die Schwankungen standen dabei in engem Zusammenhang mit dem Volumen des isländischen Eisschildes.

Meerwasserchemie folgte der Dynamik des Eises

Mithilfe eines sogenannten Boxmodells konnten die Heidelberger Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Analysen der Tiefseesedimente reproduzieren. Demnach verliefen die Veränderungen der Meerwasserchemie infolge des vulkanischen Eintrags nicht gleichmäßig. Vielmehr reagierten sie auf die Dynamik des Eises auf Island und erreichten während Phasen schneller Vergletscherung ihre stärkste Ausprägung.

„Das isotopische Signal folgte dem Rhythmus der Eiszeiten fast Schritt für Schritt“, sagt Dr. Antao Xu. „Das weist darauf hin, dass die isländischen Eisschilde selbst die treibenden Kräfte dafür waren, dass die Meerwasserchemie des Nordatlantiks während der vergangenen 230.000 Jahre mehrfach umgestaltet wurde.“

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass der Eisschild den Eintrag von Mikronährstoffen wie Eisen beeinflusste. Dies dürfte sich während der Eiszeiten auch auf das marine Leben und den Kohlenstoffkreislauf ausgewirkt haben, so Dr. Xu, der Mitglied der von Prof. Frank geleiteten Arbeitsgruppe „Physik der Umweltarchive“ ist.

Neue Erkenntnisse über die Regulierung der Ozeanchemie

„Die Ergebnisse unserer Forschungsarbeiten unterstreichen, dass die Eisschildsysteme in hohen Breitengraden bei der Regulierung der Ozeanchemie eine entscheidende Rolle spielen“, betont Prof. Frank.

Die Erkenntnisse haben nach Einschätzung des Wissenschaftlers weitreichende Konsequenzen für die Rekonstruktion vergangener Veränderungen der Ozeane. „Sie mahnen zur Vorsicht bei der Annahme, dass feste isotopische Fingerabdrücke existieren, die zur Rekonstruktion der vergangenen Ozeanzirkulation eingesetzt werden können. Zudem decken sie einen bislang unterschätzten Zusammenhang zwischen der Kryosphäre, der kontinentalen Verwitterung und der Chemie des Ozeans auf.“

Sedimentkerne dokumentieren vergangene Klimaphasen

Die Untersuchungen waren Teil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Ozeanzirkulation und geochemische Kreisläufe während großer Klimawandelphasen der Vergangenheit entwickelt haben. Die Forschung basiert auf Sedimentkernen einer Expedition des Ocean Drilling Program (ODP) / International Ocean Discovery Program (IODP). Zur Verfügung gestellt wurden die Proben vom IODP Bremen Core Repository am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. Die Ergebnisse der Heidelberger Forschungsarbeiten sind in „Science Advances“ erschienen.

Weitere Informationen

Originalpublikation: A. Xu, K. Just, A. M. Piotrowski, J. Stohl, N. Frank: Ice-sheet dynamics drive glacial-interglacial shifts in North Atlantic seawater neodymium isotopes. Science Advances (19 August 2026), DOI: 10.1126/sciadv.aeg5747

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Hausanschlüsse ohne Zugang sanieren: Neues Verfahren aus dem Hauptkanal

28. August 2026 um 08:30

Kanalsanierungen stehen heute in einem Spannungsfeld aus technischen Anforderungen, wirtschaftlichem Handlungsdruck und der Notwendigkeit, vorhandene Infrastruktur langfristig funktionsfähig zu erhalten. Unterschiedliche Schadensbilder und Randbedingungen vor Ort erfordern eine sorgfältige Bewertung, bevor geeignete Maßnahmen ausgewählt werden. Dabei geht es nicht allein um die Wahl eines Verfahrens, sondern um die Frage, welche Lösung unter den jeweiligen technischen und organisatorischen Voraussetzungen sinnvoll eingesetzt werden kann.

Wenn der klassische Zugang fehlt: der Sonderfall

Erneuerung in offener Bauweise. (Quelle: Dirk Mumm, Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück)

Die Sanierung von Hausanschlüssen über einen Revisionsschacht ist etabliertes Standardverfahren – funktioniert aber nicht, wenn dieser Schacht fehlt, überbaut oder überpflastert ist. Je nach Entwässerungssatzung endet die Zuständigkeit der Kommune zudem oft schon an der Grundstücksgrenze. Bislang blieb in solchen Fällen meist nur die offene Bauweise: aufwendiger, mit Eingriffen in die Verkehrsfläche, längeren Bauzeiten und höheren Kosten verbunden. Für genau diese Situationen wurde ein Verfahren entwickelt, das den Liner direkt aus dem Hauptkanal heraus einbaut; ganz ohne Zugang über das Privatgrundstück. Dirk Mumm, Leiter Kanalbetrieb & Kanalsanierung beim Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Rheda-Wiedenbrück, berichtet auf dem Schlauchlinertag von seinen Erfahrungen damit. Er betont, dass das Verfahren die klassische Sanierung über den Schacht nicht ersetzt, sondern gezielt dort ergänzt, wo die Randbedingungen es erfordern. Nach seiner Einschätzung kommt es bei rund einem Viertel der Hausanschlüsse in Rheda-Wiedenbrück zum Einsatz. Zur Marktreife entwickelt wurde die Technik in enger Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Betreiber: Der EAW stellte geeignete Hausanschlüsse für Praxistests zur Verfügung, die Erkenntnisse flossen direkt in die Weiterentwicklung ein. Mittlerweile ist das Verfahren für eine kommunale Sanierungsmaßnahme in Rheda-Wiedenbrück ausgeschrieben.

Entwicklung unter Praxisbedingungen

Zur Marktreife entwickelt wurde die Technik in enger Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Betreiber: Um den Schritt vom Labor in die Praxis zu gehen, nahm der Hersteller Kontakt zum EAW auf, der im Stadtgebiet geeignete Hausanschlüsse für die Erprobung bereitstellte und die Sanierung fachlich begleitete. Die dabei gewonnenen Erfahrungen flossen in die Weiterentwicklung ein, bis das Verfahren nach erneuten Praxistests für den Markt freigegeben wurde. Mittlerweile ist es für eine kommunale Sanierungsmaßnahme in Rheda-Wiedenbrück ausgeschrieben.

Die Sanierung eines Hausanschlusses vom Hauptkanal aus umfasst dabei mehr als den eigentlichen Linereinbau.

„Die Betrachtung des gesamten Arbeitsablaufs – von der Vorbereitung bis zur abschließenden Kontrolle – ist ein wesentlicher Aspekt des gesamten Prozesses“, beschreibt Mumm das Vorgehen.

Technische Voraussetzungen ebenso relevant

Vor der Renovierung müssen die Anschlussleitungen vom Hauptkanal aus untersucht und gereinigt werden, bei Bedarf auch von Ablagerungen oder Wurzeleinwuchs befreit. Auch die abschließende Abnahmebefahrung erfolgt über den Hauptkanal – dafür sind spezielle Inspektions-, Reinigungs- und Frässysteme mit Satellitentechnik erforderlich. Es gehe nicht nur darum, das neue Packersystem zu erwerben, man müsse auch alle Vorarbeiten vom Hauptkanal beherrschen, von der Voruntersuchung über die Reinigung bis zur Abnahmebefahrung, so Mumm.

Ein weiterer technischer Aspekt ist die Aushärtung des Liners: Das Verfahren arbeitet mit Lichthärtung, bei der die Aushärtung – anders als bei warmhärtenden Systemen – erst nach dem Einbau und dem Einschalten der UV-Lichtquelle beginnt. Dadurch lässt sich die Einschränkung der Grundstücksentwässerung während der Arbeiten auf ein vergleichsweise kurzes Zeitfenster reduzieren.

Sanierungskonzepte ergänzen und erweitern

Das neue Verfahren erweitert das Spektrum bewährter Sanierungsstrategien.

„Der unmittelbare Einblick in den Sanierungsalltag von Netzbetreibern ist ein wichtiger Bestandteil unseres Veranstaltungskonzepts“, betont Dr.-Ing. Igor Borovsky, Vorsitzender der Technischen Akademie Hannover e. V. „So wird nachvollziehbar, unter welchen Randbedingungen sich solche Lösungen einsetzen lassen und wo sie bestehende Strategien sinnvoll ergänzen.“


Quelle: Thomas Martin Kommunikation

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Wasserversorgung unter wachsendem Anpassungsdruck

27. August 2026 um 12:21

Niedrigwasser, trockene Böden, Waldbrände und regionale Einschränkungen bei der Wassernutzung prägen den Sommer 2026. Dennoch erweist sich die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland insgesamt weiterhin als stabil. Das geht aus dem Klimaresilienz-Index Wasser hervor, den der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches zum zweiten Mal erhoben hat.

Mit 48 von 100 Punkten liegt der Index geringfügig unter dem Vorjahreswert von 49 Punkten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wasserversorgungsunternehmen die aktuellen Belastungen weiterhin zuverlässig bewältigen. Gleichzeitig bleibt der Druck hoch, die Systeme an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

DVGW-Vorstand Wasser Dr. Wolf Merkel erklärt: „Die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland ist leistungsfähig und resilient. Der Klimaresilienz-Index 2026 zeigt aber auch, dass wir heute die Voraussetzungen schaffen müssen, um die Versorgungssicherheit auch unter künftig verschärften Klimabedingungen dauerhaft zu gewährleisten.“

Klimaanpassung als langfristige Aufgabe

Wie sich Wasserversorger auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen, zeigt unter anderem das Beispiel Düsseldorf. Dr. Verena Svensson, Leiterin Wasserversorgung der Stadtwerke Düsseldorf, betont: „Die Wasserversorgung klimaresilient aufzustellen, ist eine Daueraufgabe und keine Modeerscheinung. Dazu führen die Stadtwerke Düsseldorf regelmäßig Analysen durch, wie zum Beispiel Szenario basierte Prognosen des zukünftigen Wasserbedarfs und Auswirkungen von Niedrigwasserständen auf die Gewinnungsanlagen. Jüngstes Beispiel für den Ausbau der Infrastruktur ist der Bau eines neuen Trinkwasserspeichers, um auch bei höheren Bedarfsspitzen langfristig die Versorgungssicherheit für Düsseldorf und die Region zu garantieren.“

Insgesamt erreicht der Klimaresilienz-Index 48 Punkte und bewegt sich damit weiterhin im mittleren Bereich. Vergleichsweise positiv werden die Robustheit der Wasserversorgung mit 59 Punkten und der Anpassungsgrad mit 53 Punkten bewertet. Schwächer schneiden dagegen die Handlungsfähigkeit mit 43 Punkten, der rechtliche Rahmen mit 40 Punkten sowie die Zukunftsperspektive mit 46 Punkten ab.

 

Quelle:DVGW

Spitzenbedarfe und Investitionen nehmen zu

Die Wasserversorgungsunternehmen beobachten zunehmend höhere Spitzenwasserbedarfe und eine stärkere Beanspruchung ihrer Systemressourcen. Das Wassermengen- und Engpassmanagement wird aktuell zwar noch positiv eingeschätzt, für die kommenden Jahre erwarten die Unternehmen jedoch eine Verschlechterung. Gleichzeitig gewinnt das Monitoring von Veränderungen des Wasserdargebots an Bedeutung. Zu den weiteren Faktoren, die die Verwundbarkeit der Versorgung erhöhen können, gehören der steigende Investitionsbedarf für Klimaanpassungsmaßnahmen sowie die langfristige Sicherung der Trinkwasserressourcen.

Vor allem größere Wasserversorger sehen sich beim Erhalt und bei der Anpassung ihrer Infrastruktur unter zunehmendem Druck. Als größtes strukturelles Risiko bewerten die befragten Unternehmen den Fachkräftemangel.

Genehmigungsverfahren bremsen Infrastrukturprojekte

Verbesserungsbedarf sehen die Versorger zudem bei den rechtlichen Rahmenbedingungen. Insbesondere langwierige Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren gelten als wesentliches Hindernis für eine schnelle Anpassung der Infrastruktur.

Wolf Merkel fordert deshalb: „Klimaanpassung in der Wasserversorgung braucht mehr Tempo. Wer zusätzliche Wassergewinnungskapazitäten, Speicher, Verbundsysteme oder Aufbereitungsanlagen schaffen will, benötigt verlässliche und vor allem schnellere Genehmigungsprozesse mit deutlich weniger Bürokratie. Das sind zentrale Voraussetzungen für mehr Klimaresilienz.”

Als weitere zentrale Herausforderungen nennen die Unternehmen den Rückgang des natürlichen Wasserdargebots, den notwendigen Ausbau der Infrastruktur, steigende Spitzenbedarfe und Finanzierungsfragen. Hinzu kommen bürokratische Hürden und die Notwendigkeit, regionale Versorgungssysteme stärker miteinander zu vernetzen.

Merkel appelliert: „Die öffentliche Wasserversorgung ist heute resilient. Damit sie es auch morgen bleibt, müssen mehr Investitionen getätigt, Trinkwasserressourcen besser geschützt, Fachkräfte gesichert und regulatorische Hemmnisse konsequent abgebaut werden. Klimaanpassung ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie muss jetzt höchste Priorität erhalten.“

227 Wasserversorger befragt

Der Klimaresilienz-Index Wasser ist als Wiederholungsbefragung konzipiert. Für die Erhebung 2026 wurden 227 Führungskräfte deutscher Trinkwasserversorgungsunternehmen online befragt.

Die Auswertung beruht auf 50 Indikatoren aus den fünf Themenfeldern Robustheit, Anpassungsgrad, Handlungsfähigkeit, rechtlicher Rahmen und Zukunftsperspektive. Um die Struktur der deutschen Wasserversorgung möglichst realitätsnah abzubilden, wurden die Ergebnisse nach der jeweiligen Wasserabgabe der Unternehmen gewichtet.


Quelle:DVGW

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Winzige Lebensgemeinschaft mit großer Bedeutung für die Ozeane

27. August 2026 um 07:38

In den nährstoffarmen Regionen der Weltmeere sind die Bedingungen für viele Organismen schwierig. Dennoch können sich winzige Meeresorganismen namens Collodaria dort seit Millionen von Jahren erfolgreich behaupten. Eine entscheidende Rolle spielen mikroskopisch kleine Algen, die in enger Gemeinschaft mit ihnen leben und für ihr Überleben unverzichtbar sind. Ein Forschungsteam des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse” an der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat nun untersucht, wie der Stoffwechsel dieser Lebensgemeinschaft funktioniert. Die Ergebnisse eröffnen neue Einblicke in die Abläufe mariner Ökosysteme.

Erfolgreiche Partnerschaft im nährstoffarmen Meer

Collodaria sind einzellige Meeresorganismen, von denen einige Arten große Kolonien in den lichtdurchfluteten oberen Schichten der Ozeane bilden. In diesen Kolonien leben Hunderte bis Tausende mikroskopisch kleiner Algen. Diese enge biologische Gemeinschaft wird als „Holobiont” bezeichnet und basiert auf einer klaren Arbeitsteilung zwischen den Partnern. Wie die Studie zeigt, produzieren die Algen durch Photosynthese Zucker und tragen damit wesentlich zur Energieversorgung bei. Die Collodaria wiederum bieten den Algen Schutz und nehmen wichtige Nährstoffe direkt aus dem umgebenden Meerwasser auf. Auf diese Weise profitieren beide Seiten von der engen Lebensgemeinschaft.

Lange war allerdings nicht eindeutig geklärt, auf welche Weise die Algen die Collodaria konkret unterstützen. Verschiedene wissenschaftliche Hypothesen gingen dabei zum Teil deutlich auseinander. Eine zusätzliche Herausforderung für die Forschung besteht darin, dass Collodaria äußerst empfindlich sind und bislang nicht dauerhaft unter Laborbedingungen kultiviert werden können. Das Jenaer Forschungsteam entwickelte deshalb einen feldbasierten Ansatz, um die Stoffwechselprozesse direkt unter natürlichen Bedingungen zu untersuchen.

Stoffaustausch direkt im Meer untersucht

Die Erstautorin Dr. Vera Nikitashina und Dr. Georg Pohnert, Professor für Analytische Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, sammelten frische Collodaria-Kolonien direkt im offenen Ozean. Mithilfe stabiler Isotopenmarkierungen machten sie den Stoffaustausch zwischen den Organismen und ihren Algen sichtbar. Mit diesem Verfahren lässt sich verfolgen, wie zugeführte markierte Verbindungen in weitere Stoffwechselprodukte eingebaut werden. Dadurch konnten die Forschenden nachvollziehen, welche Stoffwechselwege innerhalb der Lebensgemeinschaft aktiv sind. Die Markierungsexperimente fanden direkt im Mittelmeer statt, die anschließenden detaillierten chemischen Analysen wurden im Labor in Jena durchgeführt.

„Es war faszinierend zu sehen, wie präzise diese biologische Partnerschaft organisiert ist”, sagt Georg Pohnert. „In diesen Regionen der Ozeane sind Nährstoffe äußerst knapp. Für Organismen, die keine Photosynthese betreiben, ist das Überleben sehr schwierig. Dennoch sind Collodaria in diesen Regionen außerordentlich häufig. Jetzt verstehen wir, wie sie die begrenzte Nährstoffversorgung überwinden – sie verlassen sich auf ihre mikroskopischen photosynthetischen Partner.”

„Zum ersten Mal konnten wir die chemische Natur der zwischen den Partnern ausgetauschten Verbindungen identifizieren”, ergänzt er. „Die Algen liefern durch Photosynthese erzeugte Zucker, während der Wirt schützende Verbindungen aus dem umgebenden Wasser aufnimmt. Diese hocheffiziente Arbeitsteilung im Mikromaßstab ist der Schlüssel dafür, dass diese Organismen selbst in den nährstoffärmsten Regionen der Ozeane gedeihen können.”

Neue Erkenntnisse für Klima- und Meeresforschung

Die Ergebnisse sind auch für die Klimaforschung von Bedeutung. Collodaria sind weltweit verbreitet und spielen eine wichtige Rolle in globalen biogeochemischen Kreisläufen. Die neuen Erkenntnisse über ihren Stoffwechsel können deshalb dazu beitragen, besser vorherzusagen, wie marines Plankton auf veränderte Umweltbedingungen und den Klimawandel reagiert.

Darüber hinaus könnten die Daten helfen, bestehende ökologische Modelle zur Produktivität der Meere und zur Speicherung von Kohlenstoff weiter zu verbessern. Damit lassen sich langfristig auch die Folgen menschlicher Einflüsse auf marine Ökosysteme genauer erfassen.

„Unsere Ergebnisse verfeinern die Sichtweise auf marine Nahrungsnetze grundlegend”, betont Vera Nikitashina. „Mit diesem Wissen können wir ökologische Modelle zur marinen Produktivität und Kohlenstoffspeicherung erheblich verbessern. Dadurch lassen sich die direkten Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf marine Ökosysteme künftig besser verstehen und vorhersagen.”


Originalpublikation: Metabolic partitioning between photosynthesis and osmotrophy in Collodaria photosymbiotic holobionts | Nature Communications

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Studie zeigt Zusammenhang zwischen Wasserknappheit und Weizenpreisen

26. August 2026 um 12:12

Eine Dürre in einer einzelnen Agrarregion kann bereits erhebliche Ernteausfälle verursachen. Treffen starke Dürren jedoch mehrere der weltweit wichtigsten Weizenanbaugebiete gleichzeitig oder in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren, können die Folgen weit über die betroffenen Regionen hinausreichen. Ein internationales Forschungsteam hat untersucht, wie sich solche Ereignisse auf die globalen Weizenpreise auswirken.

Dafür kombinierten die Forschenden Klimabeobachtungen, Daten zu weltweiten Anbaugebieten und Rohstoffpreisen mit Simulationen verschiedener Klimamodelle. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß starker Wasserknappheit in Weizenanbaugebieten und dem globalen Weizenpreis. Mit fortschreitender Erderwärmung könnte dieser Effekt weiter zunehmen.

Die Studie wurde von Prof. Dr. Miroslav Trnka vom Global Change Research Institute (CzechGlobe) der Tschechischen Akademie der Wissenschaften geleitet. Beteiligt waren außerdem Prof. Dr. Jan Esper vom Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und Prof. Dr. Max Torbenson, der inzwischen von der JGU an die Texas A&M University in den USA gewechselt ist. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Earth’s Future“ veröffentlicht.

Weizen reagiert besonders stark auf Wassermangel

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand Weizen, der für die weltweite Ernährung eine zentrale Rolle spielt. Er wird global auf einer größeren Fläche angebaut als Reis oder Mais, liefert einen erheblichen Anteil der aufgenommenen Kalorien und Proteine und gehört zu den international am stärksten gehandelten Agrarprodukten. Gleichzeitig liegen viele Weizenanbaugebiete in Regionen mit begrenzter Wasserverfügbarkeit.

Während frühere Untersuchungen zu den Folgen des Klimawandels für Nahrungsmittelpreise häufig langfristige Veränderungen der durchschnittlichen Ernteerträge betrachteten, wählte das Forschungsteam einen anderen Ansatz. Untersucht wurde, ob sich globale Getreidepreise mit dem räumlichen Ausmaß von Wasserknappheit während der Wachstumsphase der Pflanzen in Verbindung bringen lassen. Dazu entwickelten die Forschenden einen weltweit anwendbaren und auf die jeweilige Nutzpflanze zugeschnittenen Indikator für starke Wasserknappheit, die sogenannte „Severe Water Scarcity“ (SWS). Berücksichtigt werden sowohl kurzfristige als auch länger anhaltende Dürren. Im Fokus stehen die vier Monate vor der Ernte, in denen die Pflanzen besonders empfindlich auf Wassermangel reagieren.

Anschließend ermittelten die Forschenden, wie stark die Anbauflächen von Weizen, Mais und Reis von solchen Ereignissen betroffen waren, und verglichen die Ergebnisse mit den jeweiligen globalen Rohstoffpreisen. Der stärkste Zusammenhang zeigte sich beim Weizen.

Hauptanbaugebiete von Reis, Mais und Weizen mit Hervorhebung der 10 wichtigsten Exportländer. Die Ringdiagramme zeigen die Anteile der drei wichtigsten Kulturpflanzen an der globalen Ackerfläche, der Kalorienversorgung und am Handel mit Agrarerzeugnissen. Abb./©: Trnka et al., Earth’s Future 14 (2026), e2025EF006095, CC BY 4.0

 

Wasserknappheit beeinflusst Weizenpreise deutlich

Ein Modell, das ausschließlich das Ausmaß starker Wasserknappheit berücksichtigt, konnte 74 Prozent der jährlichen Schwankungen der globalen Weizenpreise zwischen 2000 und 2021 erklären. Die Daten aus den Jahren 2022 bis 2024 waren nicht in die Entwicklung des Modells eingeflossen. Dennoch konnte es auch für diesen von starken Verwerfungen auf den Weltmärkten geprägten Zeitraum die Größenordnung und Entwicklung der Weizenpreise grundsätzlich abbilden.

Bei Mais lassen sich demnach bis zu 40 Prozent der Preisschwankungen mit starker Wasserknappheit in Verbindung bringen. Für Reis stellten die Forschenden dagegen keinen vergleichbaren Zusammenhang fest.

Klimamodelle erwarten weiteren Preisanstieg

Für den Blick in die Zukunft wertete das Forschungsteam Simulationen von insgesamt 31 globalen Klimamodellen aus. Sie zeigen eine klare Tendenz: Mit zunehmender Erderwärmung nimmt starke Wasserknappheit in den Weizenanbaugebieten zu. Gleichzeitig steigen die auf Grundlage des Modells geschätzten Weizenpreise.

Bei einer globalen Erwärmung um 2 Grad Celsius gegenüber dem Referenzzeitraum 1951 bis 1980 ergibt das Modell einen durchschnittlichen Weizenpreis von rund 273 US-Dollar pro Tonne. Bei einer Erwärmung um 3 Grad Celsius steigt der geschätzte Preis auf 364 US-Dollar pro Tonne. Das entspricht etwa dem Dreifachen des inflationsbereinigten globalen Weizenpreises im Jahr 2010.

Dürren wirken sich über Anbauregionen hinaus aus

Die Entwicklung der Weizenpreise hängt allerdings nicht allein von Dürren ab. Auch Energie- und Düngemittelkosten, Lagerbestände, Wechselkurse, handelspolitische Entscheidungen, Markterwartungen, Schädlinge und Pflanzenkrankheiten sowie geopolitische Konflikte beeinflussen die internationalen Agrarmärkte.

Die Studie macht jedoch ein klimabedingtes Signal sichtbar, das bislang nur schwer zu erfassen und zu quantifizieren war: Großräumige Wasserknappheit in mehreren wichtigen Produktionsregionen kann sich über die internationalen Märkte auf den weltweiten Weizenpreis auswirken. Das ist insbesondere mit Blick auf die globale Ernährungssicherheit relevant. Weizen ist für einen großen Teil der Weltbevölkerung ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Sind mehrere bedeutende Produktionsregionen gleichzeitig oder kurz nacheinander von schweren Dürren betroffen, können die Folgen deshalb auch Länder und Haushalte treffen, die Tausende Kilometer von den eigentlichen Anbaugebieten entfernt liegen.

Die Forschenden plädieren daher dafür, bei künftigen Bewertungen der globalen Ernährungssicherheit nicht nur langfristige Veränderungen durchschnittlicher Ernteerträge zu betrachten. Auch großräumige, wiederkehrende und geografisch miteinander verbundene Ereignisse extremer Wasserknappheit, die mehrere wichtige Produktionsregionen gleichzeitig oder kurz nacheinander treffen, sollten stärker berücksichtigt werden.


Originalpublikation: Climate‐Induced Severe Water Scarcity Events as Harbingers of Global Wheat Price – Trnka – 2026 – Earth’s Future – Wiley Online Library

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Pilotanlage zur vierten Reinigungsstufe startet Praxistest in Ahrensburg

26. August 2026 um 08:01

Spurenstoffe aus Waschmitteln, Schmerzmitteln und anderen Alltagsprodukten gelangen täglich ins Abwasser und können von herkömmlichen Kläranlagen nur bedingt zurückgehalten werden. Die Pilotanlage zur vierten Reinigungsstufe der TH Lübeck ist nun erstmals ausgerückt. Ihr vorübergehender Standort: Ahrensburg. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden vor Ort soll in den kommenden Monaten untersucht werden, welches Verfahren sich für den Einsatz eignen könnte. Dabei treffen Forschung, Lehre und praktische Anwendung unmittelbar aufeinander.

Auf dem Gelände der Kläranlage in Reinfeld befindet sich die Versuchs- und Ausbildungskläranlage der Technischen Hochschule Lübeck. Direkt vor der Halle, in der Forschung und Lehre täglich Hand in Hand gehen, standen seit einigen Monaten rote und blaue Container. Vier von ihnen sind nun mithilfe eines Krans, zweier Lkw und eines Anhängers umgezogen. Gemeinsam mit dem Land Schleswig-Holstein hat die TH Lübeck ein dreijähriges Forschungs- und Entwicklungsprojekt zum Aufbau und Betrieb eines landeseigenen Spurenstoffzentrums gestartet. In den Containern befinden sich Pilotanlagen, mit denen unterschiedliche Verfahren der sogenannten vierten Reinigungsstufe untersucht werden.

Neue Anforderungen an die Spurenstoffelimination

Spurenstoffe stellen kommunale Kläranlagen zunehmend vor große Herausforderungen. Aufgrund der Novellierung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) werden bestimmte Kläranlagen dazu verpflichtet, eine zusätzliche Reinigungsstufe einzubauen. Darunter fallen beispielsweise Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten sowie Anlagen ab 10.000 Einwohnerwerten in sensiblen Gebieten.

Letzteres ist auch der Grund dafür, dass die Pilotanlagen nun nach Ahrensburg transportiert wurden. Die Aue, in die das gereinigte Abwasser der Kläranlage eingeleitet wird, weist eine hohe Konzentration von Spurenstoffen auf. Eine Begründung liege darin, dass vor Ort ein hoher Abwasseranteil bestehe und daher nur wenig Verdünnung mit vorhandenem Flusswasser stattfinde, erklärt Sabrina Schwarz vom Landesamt für Umwelt Schleswig-Holstein (LfU).

 

In dem grauen Turm befindet sich eine Filtrationsanlage. Foto: TH Lübeck.

Pilotanlagen erstmals unter Praxisbedingungen

Der Einsatz der Pilotanlagen könnte Aufschluss darüber geben, ob und welches Verfahren sich in Ahrensburg eignet, um die Werte der Aue zu verbessern.

Die mobile Forschungseinrichtung schaute sich auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt am Montag, dem 10. August 2026, genauer an, denn: „Sauberes Wasser ist die wichtigste Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen.“ Er ergänzt: „Die Verbesserung der größeren Klärwerke durch eine vierte Reinigungsstufe ist wichtig und dringlich, aber auch herausfordernd in der Umsetzung. Deshalb bauen wir seit diesem Jahr ein landeseigenes Spurenstoffzentrum auf. Mit dem Einsatz von Pilotanlagen sollen Verfahren wissenschaftlich begleitet getestet werden. Hier, an der Kläranlage Ahrensburg, kommen diese nun das erste Mal unter Praxisbedingungen zum Einsatz.“

Vor Ort stehen nun drei Container und ein Turm. Der kleinste blaue Container dient als Analysecontainer. Hier befindet sich die Mess- und Regeltechnik für die Anlagen. „Wir richten hier quasi ein kleines Labor ein“, sagt Jascha Hödl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projektes an der TH Lübeck.

In dem kleineren roten Container befindet sich die sogenannte Ozonungsanlage. Ozon ist ein starkes Oxidationsmittel und wird in der Abwasserwirtschaft zur Elimination von Mikroschadstoffen wie Arzneimittelrückständen, Hormonen oder Pestiziden eingesetzt. Dabei bricht Ozon die molekularen Strukturen organischer Stoffe auf und macht sie auf diese Weise unschädlich oder biologisch abbaubar.

Aktivkohle als zweite Verfahrensoption

In dem grauen Turm befindet sich eine Filtrationsanlage mit granulierter Aktivkohle. Anders als bei der Ozonung werden die Spurenstoffe hier absorbiert. Aufgrund der extrem großen spezifischen Oberfläche der Kohle können sich die Spurenstoffe an deren Struktur ablagern.

Im größten Container befindet sich quasi das Verteilerzentrum. Durch ein Netz aus Pumpen wird das gereinigte Abwasser der Kläranlage in die beiden Pilotanlagen geleitet, um eine tatsächliche vierte Reinigungsstufe aufzubauen. Da es sich aktuell noch um eine Testphase handelt, wird das Abwasser nach der erneuten Reinigung nicht in die Aue geleitet, sondern zurück in den Kreislauf des Klärwerks. Im Fokus stehen zunächst die im Versuch gewonnenen Messwerte.

„Wir haben vorab bereits Untersuchungen durchgeführt“, erklärt Hödl. „Wir haben den Zu- und Ablauf beprobt und geschaut, was die Anlage bereits herausfiltert.“

Auf dieser Grundlage wurde entschieden, mit welchen Methoden vor Ort weitere Untersuchungen stattfinden sollen. Beide Verfahren können sowohl einzeln als auch in einer Reihenschaltung eingesetzt werden. Welche Empfehlungen die Forschenden am Ende geben können, soll sich voraussichtlich im Frühjahr 2027 zeigen. Bis dahin sollen die Container in Ahrensburg bleiben.

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Nachruf Dipl.-Ing. Hartmut Schwieger verstorben

25. August 2026 um 12:36

Die Landesgütegemeinschaft Erhaltung von Bauwerken Hessen-Thüringen e.V. (LGGHuT) trauert um ihren Geschäftsführer Dipl.-Ing. Hartmut Schwieger, der am 25. Mai plötzlich verstorben ist. Mit ihm verlieren die LGGHuT und die Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V. einen erfahrenen Bautechnik-Experten und langjährigen Kollegen.

Langjähriges Engagement für die Bauwerkserhaltung

Hartmut Schwieger studierte von 1990 bis 1996 Bauingenieurwesen an der TU Braunschweig. Nach beruflichen Stationen im technischen Vertrieb und beim Bundesverband Kalksandsteinindustrie in Hannover war er seit dem 1. August 2010 beim Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V. als Leiter der Abteilung Bautechnik tätig. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag auf der Qualitätssicherung und der Erhaltung von Bauwerken. Als Geschäftsführer der LGGHuT setzte er sich für verlässliche technische Standards und die Weiterentwicklung der Bauwerksprüfung ein.

Besonders wichtig waren ihm die Qualifizierung und Zertifizierung der Aus- und Fortbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren in der Bauwerksprüfung. Auch das jährliche Fachsymposium der LGGHuT in Bad Nauheim prägte er maßgeblich mit. Unter dem Leitthema „Bauwerke instand setzen – heute und morgen“ beschäftigt sich die Veranstaltung mit aktuellen Entwicklungen, neuen Materialien und digitalen Methoden. Darüber hinaus engagierte sich Schwieger im Beirat des VFIB für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Aus- und Fortbildung in der Bauwerksprüfung.

 

Quelle: Familie Schwieger/Landesgütegemeinschaft Erhaltung von Bauwerken Hessen – Thüringen e.V. (LGGHuT e.V.)

Fachlich versiert und persönlich geschätzt

Kolleginnen und Kollegen schätzten Hartmut Schwieger für seine große Fachkenntnis, seine Verlässlichkeit und seine sorgfältige Arbeitsweise. Technische Fragestellungen analysierte er gründlich und mit Blick auf die praktischen Folgen von Entscheidungen. Seine Einschätzungen basierten auf umfassendem Wissen und langjähriger Erfahrung. Auch persönlich galt er mit seiner ruhigen, besonnenen Art und seinem trockenen Humor als geschätzter Ansprechpartner innerhalb und außerhalb der LGGHuT.

Mit Hartmut Schwieger verlieren die LGGHuT und die Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V. einen engagierten Fachmann, der die Bauwerkserhaltung über viele Jahre mitgestaltet hat. Seine fachliche Expertise und sein Einsatz für die Branche werden in Erinnerung bleiben.

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Mikroalgen der Hochschule Darmstadt reinigen Abwasser und binden CO₂

25. August 2026 um 07:15

Im Mittelpunkt der Forschung steht die einzellige Süßwasseralge Tetradesmus lagerheimii. Im Technikum des Fachbereichs Chemie- und Biotechnologie der h_da wird sie in grün leuchtenden Photobioreaktoren kultiviert. Dort untersuchen Prof. Dr. Rüdiger Graf, Doktorandin Samira Reuscher und Dr. Gerd Klock, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich, gemeinsam mit Partnern aus der Papierindustrie und der TU Darmstadt, wie sich Mikroalgen künftig in Klärwerken oder Industrieanlagen einsetzen lassen.

„Wir sind eins besser als das Ü-Ei“, stellt Prof. Dr. Rüdiger Graf fest und erklärt den ungewöhnlichen Vergleich: „Das Ü-Ei hat drei Pluspunkte – Spannung, Spielzeug und Schokolade. Wir nutzen Sonnenenergie, um Biomasse aufzubauen, binden dabei CO₂ und reinigen Abwasser. Und dann kommt noch der vierte Punkt dazu: Wir produzieren wertvolle Algenöle.“

Hormonell wirksame Stoffe aus dem Abwasser filtern

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Reinigung industrieller Abwässer. Zwar erfüllen sie alle gesetzlichen Vorgaben. Trotzdem können geringe Mengen hormonell wirksamer Stoffe zurückbleiben. Und hier kommen die Mikroalgen ins Spiel: Sie können diese Stoffe aufnehmen, anreichern und im besten Fall sogar vollständig abbauen.

„Die genauen molekularen Mechanismen sind zwar bisher nur teilweise erforscht“, erläutert Doktorandin Samira Reuscher. „Wir wissen aber, dass es funktioniert: Mikroalgen filtern hormonell wirksame Substanzen aus dem Abwasser.“

Natürliche Arbeitsteilung im Algen-Reaktor

Ganz ohne Nebenwirkungen geht das allerdings nicht. Durch ihren Stoffwechsel geben die Algen organische Stoffe ab, die die Wasserqualität mindern. Um das Problem zu lösen, setzen die Forschenden auf eine natürliche Arbeitsteilung im Algen-Reaktor: Verschiedene Bakterienstämme werden den Algenkulturen zugesetzt und bauen die unerwünschten Stoffwechselprodukte wieder ab.

„In der Natur sind die Algen auch mit anderen Organismen vergesellschaftet“, erklärt Dr. Gerd Klock. „Die verschiedenen Organismen müssen sich aufeinander einstellen.“

Algenöl statt Ackerflächen

Die Mikroalgen nutzen Sonnenlicht und Kohlendioxid zum Wachsen, sie binden CO₂ und vermehren sich dabei fleißig, bilden also Biomasse. Und die ist nicht nur die Grundlage für die Reinigung des Abwassers, sondern auch für den zweiten Nutzen des Forschungsprojekts: die Herstellung von Algenölen.

Unter idealen Bedingungen investieren die Algen ihre Energie vor allem in Wachstum. Erst wenn sie gezielt unter Stress gesetzt werden – etwa durch Nährstoffmangel oder weniger Licht –, verändern sie ihren Stoffwechsel und speichern Energiereserven in Form von Lipiden. Diese begehrten Algenöle können unter anderem zur Herstellung von Bio-Kraftstoffen verwendet werden. Im Gegensatz zu Mais oder Raps beanspruchen die Alleskönner-Algen dafür keine Ackerflächen.

„Man muss der Alge Stress machen, damit sie versteht: Jetzt muss ich Lipide herstellen, statt immer weiter Zellteilung zu betreiben“, beschreibt Prof. Dr. Rüdiger Graf die Herangehensweise.

Ziel der Forschenden ist es, dabei die richtige Balance zu finden: möglichst viel Biomasse zu erzeugen bei gleichzeitig hoher Ölproduktion.

Auf dem Weg in die großtechnische Anwendung

Noch ist das Verfahren nicht wirtschaftlich genug für den großtechnischen Einsatz.

„Deshalb arbeiten wir intensiv daran, unter anderem den Energiebedarf während des Kultivierungsprozesses zu senken“, sagt Graf.

Für das Forschungsteam steht das Potenzial der Technologie dennoch außer Frage: Künftig könnten modulare Algenanlagen direkt an Industrieunternehmen oder Klärwerke angeschlossen werden. Dort würden sie Abwasser reinigen, Kohlendioxid verwerten und gleichzeitig nachwachsende Rohstoffe erzeugen – eine Innovation mit vielen Vorteilen für Umwelt und Industrie. Das Kooperationsprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.


Quelle: Hochschule Darmstadt

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