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Gestern — 03. April 2026GWF – News

Spurenelement Mensch: Küsten der Weltmeere weisen überall chemische Spuren auf

03. April 2026 um 08:00

Vom Menschen hergestellte Chemikalien durchdringen die Küstenmeere in bislang unbekanntem Ausmaß. Das zeigt eine internationale Studie, geleitet von den Biochemikern Jarmo-Charles Kalinski und Daniel Petras an der University of California, Riverside. Das Forschungsteam analysierte dazu mehr als 2.300 Meerwasserproben aus mehr als 20 Feldstudien, die mehr als ein Jahrzehnt lang im Pazifik, Atlantik und im Indischen Ozean gesammelt wurden. Die Ergebnisse wurden in Nature Geoscience veröffentlicht.

„Selbst an Orten, die wir für unberührt halten, fanden wir eindeutige chemische Fingerabdrücke menschlicher Aktivität. Obwohl die chemische Verschmutzung der Meere lange bekannt ist, hat uns das Ausmaß doch überrascht“, sagt Daniel Petras, Assistenzprofessor an der University of California und Nachwuchsgruppenleiter im Exzellenzcluster „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ (CMFI) an der Universität Tübingen. „Es gab praktisch keinen Ort, an dem wir Proben nahmen, der keinerlei chemischen Einfluss des Menschen zeigte“, sagt Jarmo-Charles Kalinski, ehemaliger Postdoktorand in Petras‘ Gruppe an der UC Riverside und Erstautor der Studie.

Im globalen Maßstab eine enorme Menge

Tilman Schramm, Doktorand in der Gruppe von Daniel Petras, extrahiert gelöste organische Moleküle aus Meerwasserproben für die Massenspektrometrieanalyse. Quelle: Daniel Petras

Die Forschenden stellten fest, dass anthropogene Chemikalien weit über die Küstenlinie hinaus nachweisbar sind. Selbst mehr als 20 Kilometer vor der Küste machten vom Menschen stammende Verbindungen etwa 1 Prozent der nachgewiesenen organischen Substanz aus.

„In globalem Maßstab ist das eine enorme Menge an Material“, sagt Petras.

In Küstengewässern erreichten die Signalwerte menschengemachter organischer Moleküle einen Median von bis zu 20 Prozent. Im offenen Ozean lagen die niedrigsten Werte dagegen bei etwa 0,5 Prozent. Extremwerte an Flussmündungen mit unbehandeltem oder schlecht behandeltem Abwasser überstiegen zum Teil sogar Werte von 50 Prozent. Insgesamt identifizierte das Team 248 vom Menschen stammende Verbindungen. Über alle Proben hinweg machen sie im Median rund 2 Prozent des gesamten Signals aus. Das Team erwartete Pestizide und pharmazeutische Verbindungen vor allem in Küstennähe, doch Industriechemikalien wie Weichmacher aus Kunststoffen, Schmiermittel und andere Chemikalien aus Pflege- und Konsumprodukte dominieren den menschlichen chemischen Fußabdruck in den Ozeanen. Einige dieser Verbindungen liegen an der Grenze zwischen organischen Molekülen und Nanokunststoffen. Dadurch verschwimmt die Trennlinie zwischen chemischer und Kunststoffverschmutzung, erklärt Daniel Petras.

„Diese Chemikalien sind ein wesentlicher Bestandteil der organischen Stoffgesamtheit der Ozeane. Das bedeutet, dass sie möglicherweise eine bisher unbekannte Rolle im Kohlenstoffkreislauf und in der Funktion des marinen Ökosystems spielen.“

Große Datenmenge: Proben aus vielen Studien analysiert

Die Studie stellt eine der bisher umfassendsten chemischen Metaanalysen der maritimen Küstenzonen dar. Sie stützt sich auf Proben, die für viele verschiedene Untersuchungszwecke gesammelt wurden, darunter für die Untersuchung der Gesundheit von Korallenriffen, von Algenblüten oder des Kohlenstoffkreislaufs. Eine wesentliche Innovation des Forschungsteams war die Kombination einheitlicher, hochauflösender Methoden der Massenspektrometrie über mehrere Labore hinweg sowie der Einsatz skalierbarer Computerverfahren, die in der Gruppe von Mingxun Wang, Assistenzprofessor für Informatik an der UC Riverside, entwickelt wurden. Dank dieser technologischen Fortschritte konnte die Gruppe Tausende von Proben aus nicht zusammenhängenden Studien als einheitlichen, konsolidierten Datensatz kombinieren und analysieren.

„Diese Arbeit war nur durch den Einsatz unserer Kooperationspartner rund um den Globus und deren öffentlich zugängliche Datensätze möglich“, sagt Petras. „Indem wir unsere Daten öffentlich zugänglich machen, hoffen wir, die Forschung zu beschleunigen und ein umfassenderes Verständnis der menschlichen chemischen Auswirkungen auf die Weltmeere zu ermöglichen.“

Trotz des Umfangs des Datensatzes weisen die Forscher darauf hin, dass große Teile der Welt noch wenig erforscht sind. Die Daten konzentrierten sich stark auf Nordamerika und Europa, mit begrenzter Abdeckung der Südhalbkugel und wenig Daten aus Regionen wie Südostasien, Indien und Australien.

„Das Fehlen von Daten bedeutet nicht, dass das Problem nicht vorhanden ist“, sagt Kalinski. „Es bedeutet, dass wir noch nicht genau genug hingeschaut haben.“

Ökologische Konsequenzen noch unklar

Die Autorinnen und Autoren der Studie unterstreichen, dass diese Analysen nur einen ersten Überblick verschaffen und weitere detaillierte Analysen erforderlich sind, um die Konzentrationen genau bestimmen zu können. Zudem sind die Auswirkungen der kumulativen chemischen Konzentrationen und ihre langfristigen ökologischen Folgen weitgehend unbekannt. Die Studie belegt deutlich, dass der Mensch die Meereschemie verändert. Was das für die Meereslebewesen, Nahrungsketten oder die Ökosystemresilienz bedeutet, müssten Folgeuntersuchungen zeigen.

Die Ergebnisse verdeutlichen eine umfassendere, oft übersehene Tatsache: Alltägliche Aktivitäten wie Autofahren, Putzen und Körperpflege tragen zur Verbreitung von Chemikalien bei. Gleiches gilt für Lebensmittelverpackungen. Diese Chemikalien werden in den Abfluss gespült oder vom Regenwasser mitgeführt und gelangen über Flüsse und Abwassersysteme schließlich ins Meer.

„Was wir an Land verwenden, verschwindet nicht einfach“, sagt Kalinski. „Es landet oft im Meer, der letzten Senke.“ Die Ergebnisse haben auch Petras‘ eigene Gewohnheiten beeinflusst. „Ich reduziere meinen Kunststoffverbrauch, vermeide unnötige Verpackungen und konsumiere weniger hochprozessierte Lebensmittel“, sagt er. „Nicht nur um die Umwelt zu schützen, sondern auch, weil ich unnötige direkte chemische Belastungen für mich und meine Familie vermeiden möchte.“

„Die Ergebnisse dieser Studie zeigen eindrucksvoll, welche neuen Erkenntnisse die moderne Forschung hervorbringt, wenn auf internationaler Ebene kooperiert und zusammengearbeitet wird. Sie führen uns einmal mehr vor Augen, wie sehr wir als Menschheit in der Verantwortung stehen, verantwortungsvoll und insbesondere nachhaltig zu handeln“, sagt Professorin Dr. Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.


Originalpublikation:
Kalinski J-C, Pakkir Mohamed Shah A, Ruiz Brandão da Costa B, Farrell SP, Schellenberg L, Graves LG, Schramm T, Stincone P, Koester I, Stephens B, Torres R, Cancelada L, Utermann-Thüsing C, Quinlan Z, Wegley Kelly L, Carlson C, Castillo-Ilabaca C, Pantoja-Gutiérrez S, Beman J, Hartmann A, Aron A, Siwe Noundou X, Dorrington R, Tasdemir D, Haas A, Dorrestein P, Nelson C, Aluwihare L, Wang M & Petras D. (2025) Widespread presence of anthropogenic compounds in marine dissolved organic matter. Nature Geosciences. https://doi.org/10.1038/s41561-026-01928-z

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Daniel Petras
Universität Tübingen
Exzellenzcluster „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ (CMFI)
dpetras[at]ucr.edu


Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen

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Interview: „Extremereignisse erreichen inzwischen Größenordnungen, die kaum noch kontrolliert zu managen sind“

01. April 2026 um 10:09

Herr Prof. Drewes, Sie sagen, wir müssten uns in der Wasserwirtschaft von liebgewonnenen Denkmustern verabschieden. Was genau meinen Sie damit?

Wir sind in einer Branche sozialisiert worden, die über Jahrzehnte sehr stabil funktioniert hat. Unsere Systeme waren robust, regelwerksbasiert und langfristig ausgelegt. Diese Zeiten sind vorbei. Heute haben wir es mit einer ganz neuen Dimension von Unsicherheit zu tun – hervorgerufen durch den Klimawandel, durch persistente Spurenstoffe, durch veränderte gesellschaftliche Anforderungen, und vieles mehr. Das heißt, bei der Infrastruktur, die wir heute planen, müssen wir jetzt ganz anders zum Beispiel das Thema Flexibilität in einem Zeitkorridor von 15 bis 25 Jahren mitdenken.

Was so viel heißt, wie: Unsere bisherigen Konzepte stoßen jetzt in Zeiten des Klimawandels zusehends an ihre Grenzen?

Ja, wobei zu sagen ist: Unsere bisherigen Konzepte sind ja nicht falsch gewesen, sie greifen nur jetzt immer öfter zu kurz. Wir müssen flexibler, modularer und auch fehlerfreundlicher werden. Früher hat man eine Anlage für 30 Jahre geplant und gesagt: Das passt. Heute wissen wir nicht, ob die Randbedingungen ein Jahrzehnt später noch dieselben sein werden. Folglich brauchen wir jetzt Systeme, die vor allem flexibel und anpassungsfähig sind. Stark betroffen vom Wandel wird der Abwassersektor sein.

Sie sprechen hier von einem Paradigmenwechsel. Warum?

Weil die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie Abwasser nicht mehr nur als Entsorgungsstrom begreift. Die klassische Behandlung bleibt wichtig, aber sie ist nur noch ein Teil. Wir sprechen von Nährstoffrückgewinnung, Wärmerückgewinnung, Energieneutralität, vierter Reinigungsstufe, Wasserwiederverwendung – und sogar von Abwasser als Informationsquelle für die öffentliche Gesundheit. Die drei Säulen Trinkwasserrichtlinie, Kommunalabwasserrichtlinie und die Wasserwiederverwendungsverordnung bilden zusammen einen neuen Rahmen für den Umgang mit unseren Wasserressourcen. Sie greifen alle ineinander, sind systemisch gedacht und sind alle risikobasiert.

Dann gibt es die klassische Kläranlage künftig gar nicht mehr?

Ich würde sagen: Sie wird zum Dienstleister. Zum Ressourcenrückgewinnungszentrum. Sie liefert Wasserqualität für unterschiedliche Anwendungen, Energie, Nährstoffe – und Daten. Das wird das Selbstverständnis grundlegend verändern. Mit der Kläranlage als Dienstleister im Hinterkopf: Wie sieht künftig das nachhaltig gedachte urbane Wassersystem aus? Wir beschäftigen uns damit tatsächlich schon sehr lange. Und ja – wir haben dazu ein Konzept entwickelt, bei dem sich das gesamte Systemverständnis verschiebt.

>>Lesen Sie das komplette Interview in der Ausgabe 03/2026! 

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Windparks verändern Nordsee-Strömungen

01. April 2026 um 10:00

Offshore-Windparks sind ein zentraler Bestandteil der EU-Strategie für erneuerbare Energien: Bis 2050 soll die installierte Leistung in der Nordsee auf mehr als das Zehnfache steigen. Eine aktuelle Studie des Helmholtz-Zentrums Hereon zeigt jedoch, dass dieser Ausbau weitreichende Folgen hat. Demnach kann die zunehmende Nutzung der Offshore-Windenergie den natürlichen Transport sowie die Ablagerung von Sedimenten großräumig und dauerhaft verändern. Besonders stark betroffen ist die Deutsche Bucht. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Communications Earth & Environment veröffentlicht.

Schwebstoffe sind ein wesentlicher Bestandteil der Dynamik in der Nordsee. Sie stammen vom Meeresboden, werden durch Wellen und Strömungen aufgewirbelt, gelangen über den Ärmelkanal aus dem Atlantik in die Nordsee oder werden durch Flüsse eingetragen. Diese Partikel durchlaufen kontinuierlich Zyklen aus Ablagerung und erneuter Aufwirbelung, bis sie sich in strömungsarmen Bereichen als Schlamm absetzen.

Offshore-Windkraftanlagen greifen in diese Prozesse ein, da sie sowohl in der Luft als auch im Wasser als Hindernisse wirken. Sie beeinflussen unter anderem die Schichtung des Meeres in unterschiedlich warme Wasserschichten und verlangsamen die Strömungen über große Distanzen hinweg. Genau diese Faktoren bestimmen, wie sich Schwebstoffe und organische Partikel im Meer bewegen und wo sie letztlich abgelagert werden. Die Forschenden konnten zeigen, dass bestehende Windparks bereits heute eine deutliche räumliche Umverteilung der Sedimente verursachen – betroffen sind jährlich bis zu 1,5 Millionen Tonnen Schlamm inklusive des darin gebundenen Kohlenstoffs.

Sedimentverlagerung beeinflusst auch die Kohlenstoffspeicherung

Ein Teil der Sedimente besteht aus organischem Material, etwa aus abgestorbenen Meerestieren und Pflanzen. Dieses enthält sogenannten partikulären organischen Kohlenstoff (POC), der gemeinsam mit den Partikeln auf den Meeresboden absinkt und dort über sehr lange Zeiträume gespeichert werden kann. Der Meeresboden fungiert somit als Kohlenstoffsenke. Insgesamt leisten die Ozeane einen wichtigen Beitrag zur Bindung von Kohlenstoff und wirken damit dem Klimawandel entgegen.

Deutsche Bucht im Fokus der Veränderungen

Für ihre Untersuchungen nutzten die Forschenden ein neu entwickeltes Computermodell, das erstmals verschiedene Einflussfaktoren wie Atmosphäre, Wellen, Strömungen und Sedimenttransport gemeinsam abbildet. Grundlage dafür waren frühere Studien des Hereon zum Einfluss von Offshore-Windkraftanlagen auf Luft- und Meeresströmungen.

„Unsere Simulationen legen nahe, dass sich der Effekt durch den Ausbau der Offshore-Windparks über die kommenden Jahrzehnte hinweg deutlich verstärken wird. Das kann die langfristige Funktionsweise des Ökosystems und der Kohlenstoffspeicherung in der Nordsee beeinflussen“, sagt Jiayue Chen, Erstautorin der Studie und Wissenschaftlerin am Hereon-Institut für Küstensysteme – Analyse und Modellierung.

Auch Infrastrukturen wie Häfen und Fahrrinnen könnten sich dadurch verändern. Bemerkenswert sei zudem, dass etwa 52 Prozent der gesamten Sedimentumverteilung in der Nordsee im Gebiet der Deutschen Bucht stattfindet. „Das hebt diese Region als besonders betroffen hervor.“ Die Forschenden wollen nun untersuchen, welche Auswirkungen dies auf besonders empfindliche Küstenregionen wie das Wattenmeer hat, für das eine kontinuierliche Sedimentzufuhr essenziell ist, um den ansteigenden Meeresspiegel auszugleichen. Außerdem wird untersucht, inwiefern diese Effekte die Rolle des Meeres als Kohlenstoffsenke beeinflussen.

„Mit einem verbesserten Verständnis der Sedimentverteilung und Kohlenstoffspeicherung in der Nordsee können wir langfristige Risiken für die Küstenstabilität, Navigationssicherheit in der Schifffahrt und die Funktionsweise von Ökosystemen in der Deutschen Bucht abschätzen“, sagt Jiayue Chen. „Unsere Ergebnisse liefern wertvolle Grundlagen für den nachhaltigen Ausbau der Offshore-Windenergie und helfen Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Industrie, neue Windparks umweltfreundlich zu planen.“

Forschung für Klima, Küste und Gesellschaft

Das Helmholtz-Zentrum Hereon verfolgt das Ziel, wissenschaftliche Grundlagen für eine lebenswerte Zukunft zu schaffen. Rund 1000 Mitarbeitende erforschen Technologien und Zusammenhänge, die Resilienz und Nachhaltigkeit stärken – insbesondere in den Bereichen Klima, Küste und Mensch. Dabei werden experimentelle Studien, Modellierungen, künstliche Intelligenz und Digitale Zwillinge kombiniert, um komplexe Systeme besser zu verstehen und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Als Teil nationaler und internationaler Forschungsnetzwerke sowie der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt das Hereon den Transfer von Wissen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um nachhaltige Entwicklungen voranzutreiben.


Originalpublikation: Sediment transport pathways and organic carbon burial impacted by offshore wind farms in shelf seas | Communications Earth & Environment

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Grundwasser – zwischen Stadt, Landwirtschaft, Wald und Wissenschaft

01. April 2026 um 08:00

Grundwasser ist eine verborgene Ressource, begleitet aber dennoch unseren Alltag, denn über 70 % des Trinkwassers in Deutschland stammen aus dem Grundwasser und werden aus Brunnen oder gefassten Quellen gewonnen. Grundwasser ist auch für die Landwirtschaft und die natürlichen Ökosysteme unverzichtbar.

In Städten ist das Grundwasser oft eine technische Herausforderung bei Bauvorhaben, gewinnt zunehmend aber an Bedeutung bei der umweltfreundlichen Klimatisierung (Heizung, Kühlung) von Gebäuden. Um Hochwasserspitzen abzudämpfen und Trockenzeiten zu überbrücken, wird die Speicherung von Wasser immer wichtiger – Stichwort Schwammstadt. Die wichtigsten natürlichen Wasserspeicher sind die Grundwasserleiter im Untergrund.

Grundwasser ganzheitlich studieren

Global gesehen ist die Bewässerungslandwirtschaft der größte Wasserverbraucher. In Deutschland überwiegt noch der Regenfeldbau, aber der Bewässerungsbedarf nimmt zu. Gleichzeitig ist die Landwirtschaft eine bedeutende Quelle von Nitrat und anderen potenziell schädlichen Stoffen. Hier geht es darum, angepasste Lösungen für die Landwirtschaft zu entwickeln, die Nutzungskonflikte vermeiden und gleichzeitig dem Schutz des Grundwassers dienen.

Wälder spielen eine herausragende Bedeutung für die Wasserressourcen. Dort finden nur wenig Oberflächenabfluss und Erosion statt. Stattdessen überwiegt die Infiltration und Speicherung im Grundwasserleiter. Gleichzeitig fungieren Waldböden als natürliche Filter für Schadstoffe. Deshalb gehen Waldschutz und Grundwasserschutz Hand in Hand. Leider stehen aber gerade die Wälder aktuell besonders unter Druck, durch den Klimawandel, aber immer häufiger auch durch Bauvorhaben wie Erdkabel oder Windkraftanlagen.

Nachwuchs fördern für den Klimaschutz

Diese zunehmenden Herausforderungen rund um die Themen Grundwasser, Ökologie und Klimawandel erfordern eine hochwertige Ausbildung von qualifiziertem Nachwuchs. Das Studium der Hydrogeologie adressiert diese Herausforderungen und wird meist als Spezialisierung innerhalb der Geowissenschaften angeboten. Der Erhalt und Ausbau dieser Studiengänge ist von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung und ein wesentlicher Schritt, um die sich stellenden Aufgaben lösungsorientiert angehen zu können.

Die Fachsektion Hydrogeologie ist eine interdisziplinäre Interessengemeinschaft aus Wissenschaft, Behörden und Unternehmen, die sich mit allen Aspekten des Grundwassers befasst und stellt die größte Vereinigung von Fachleuten der Hydrogeologie und angrenzender Fachbereiche im deutschsprachigen Raum dar. Sie ist assoziiertes Mitglied im DVGeo.

Der Vorstand der Fachsektion Hydrogeologie e. V. in der DGGV, 16.03.2026


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Maike Rüsgen maike.ruesgen@fh-dggv.de


Quelle: Dachverband der Geowissenschaften (DVGeo) e.V.

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Satellitendaten zeigen drastische Veränderungen bei Wasserspeichern

01. April 2026 um 08:00

Die Satellitenmissionen GRACE (Gravity Recovery and Climate Experiment, 2002–2017) und GRACE-FO (GRACE-Follow-On, seit 2018) vermessen das Schwerefeld der Erde. Hieraus wird mit monatlicher Auflösung die globale Wasserspeicherung ermittelt. Mit nunmehr 24 Jahren an Daten können langfristige Veränderungen analysiert werden. Forschende des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung um Dr. Eva Boergens und Dr. Julian Haas haben die aktuellen Daten ausgewertet und ordnen sie in die langfristige Entwicklung ein – weltweit, für Europa und für Deutschland.

Hier finden Sie die Satellitenaufnahmen im Detail

Ebenso interessant: Globale Wasserspeicher

„Normale“ Wasserspeicherung global immer seltener

Global betrachtet nehmen die Extreme der Wasserspeicherung zu. Während 2009 noch 75 % der Landfläche einen normalen Wasserspeicher aufwiesen, waren es 2025 nur noch knapp ein Drittel. Diese Entwicklung ist zu großen Teilen auf die Zunahme trockener Gebiete zurückzuführen, deren Anteil sich von 12 % im Jahr 2009 auf nahezu 43 % im Jahr 2025 mehr als verdreifacht hat. Die Landfläche, die als feucht eingestuft ist, blieb hingegen über die letzten 24 ähnlich groß und hat sich im letzten Jahr wieder dem Zustand von vor über 20 Jahren angenähert.

Auffallende regionale Unterschiede

Der globale Überblick erlaubt jedoch nur eine Gesamtbilanz und berücksichtigt keine regionalen Unterschiede im Detail. Ein differenzierteres Bild ergibt sich aus der Betrachtung der 61 kontinentalen Flussregionen und deren Entwicklungen in den vergangenen 24 Jahren. Für jedes dieser großen Flusseinzugsgebiete und jedes Jahr wird dabei der Mittelwert aller Beobachtungen farbcodiert dargestellt.

Von allen Weltregionen verzeichnete lediglich Afrika eine deutliche Zunahme der Wasserspeicherung, in geringerem Maße auch Australien und Ozeanien. In den übrigen Regionen ist hingegen eine Abnahme zu beobachten, wobei insbesondere die Gletscherschmelze in der Arktis hervorsticht. In Europa und im Nahen Osten zeigen alle Einzugsgebiete eine Abnahme der Wasserspeicherung.

Besonders ausgeprägt ist auch in Europa dabei die Abnahme des Gletschereises auf Island. Zwar geht die Wasserspeicherung in allen Regionen zurück, jedoch unterscheiden sich die Zeitpunkte, ab denen ein negativer Trend erkennbar ist. Im Nahen Osten sinkt die Wasserspeicherung bereits seit 2009, während in Westeuropa – das den Großteil Deutschlands umfasst – erst seit etwa 2014 eine kontinuierliche Abnahme feststellbar ist.

Deutschland: durchgängige Trockenheit seit 2018

Ein abschließender Blick auf Deutschland zeigt, dass die anhaltende großräumige Trockenheit seit 2018 – möglicherweise bereits seit 2015 – deutlich erkennbar ist. Das Jahr 2024 war hingegen überdurchschnittlich feucht, mit rund 15 % mehr Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittel, wodurch sich die Wasserspeicher vorübergehend erholen konnten. Dadurch erreichten sie erstmals seit 2018 wieder annähernd ein normales Niveau.
Im Jahr 2025 lagen die Niederschläge jedoch erneut mit -18 % deutlich unter dem Durchschnitt. Gleichzeitig führte eine erhöhte Verdunstung infolge hoher Temperaturen dazu, dass sich die Wasserspeicherung wieder verringerte. Über den Zeitraum seit 2002 betrachtet hatte Deutschland zum Jahresende 2025 ein Defizit von rund 25 Milliarden Tonnen Wasser im Vergleich zum Mittelwert der Zeitreihe seit 2002. Ende 2023 waren das noch „nur“ rund 10 Milliarden Tonnen.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Eva Börgens
Sektion 1.3 Erdsystemmodellierung
GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung
E-Mail: eva.boergens@gfz.de


Quelle: GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung

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Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Sahara zwischen Oase und Dürre

31. März 2026 um 08:00

Die Analyse eines Bohrkerns aus einem Oasensee im Tschad liefert neue Erkenntnisse über die Niederschlagsgeschichte in der Sahara. Die Untersuchung unter Leitung der Universität zu Köln zeigt, dass eine langanhaltende Feuchtphase, die von 14.800 bis 5.500 Jahren vor heute andauerte, durch kurzfristige Trockenheiten unterbrochen wurde. Derartige Ereignisse könnten in ähnlicher Weise auch in Zukunft auftreten. Die erzielten Ergebnisse sind unter dem Titel „Decadal-scale droughts disrupted the African Humid Period in the Sahara“ in der Fachzeitschrift Nature erschienen. Neben der Universität zu Köln waren Forschungseinrichtungen in Deutschland, Frankreich, Belgien, Tschad und China durch weitergehende Laboruntersuchungen und Klimamodellierungen an der Studie beteiligt.

In der Sahara und der südlich daran angrenzenden Sahel-Zone gab es in den 1970er und 1980er Jahren eine große Dürre, die zu verheerenden Hungersnöten geführt hat. In den folgenden Jahrzehnten haben die Niederschläge dann deutlich zugenommen. Dies wird auf die aktuelle Klimaerwärmung zurückgeführt, die eine stärkere Verdunstung und eine Verschiebung des Westafrikanischen Monsuns bewirkt hat. Das Resultat ist eine Ausbreitung von Pflanzen, was mit dem Begriff ‚Greening Sahara‘ beschrieben wird.

Palmen im Sand

Eine grüne Sahara hat es in der jüngeren Erdgeschichte schon häufiger gegeben, immer dann, wenn Verschiebungen der Erdbahnparameter zu einer stärkeren Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel und dadurch höhere Niederschläge im nördlichen Afrika geführt haben. Die letzte dieser sogenannten afrikanischen Feuchtperioden trat zwischen 14.800 und 5.500 Jahren vor heute auf. Aus geologischen und archäologischen Daten ist bekannt, dass zu dieser Zeit in der Sahara eine Savanne existierte, mit Seen und Flüssen, einer diversen Tierwelt und florierenden menschlichen Kulturen. Noch unzureichend verstanden war jedoch, wie stabil oder labil die Feuchtperiode war.

Diese Frage konnte nun mit einem 16 Meter langen Sedimentkern beantwortet werden, der von Kölner Geolog*innen mit Partnern aus dem Tschad im Yoa-See, einem vor 10.800 Jahren entstandenen Oasensee im Zentrum der Sahara, erbohrt wurde. Trotz der großen Trockenheit in der Wüste existiert der Yoa-See bis heute, weil ein permanenter Zustrom von Grundwasser sein Austrocknen verhindert. So konnte sich am Grund des Sees eine lückenlose Sedimentabfolge ablagern, in deren Zusammensetzung die Klima- und Umweltgeschichte der Region in einzigartiger Genauigkeit archiviert ist.

„Die geowissenschaftliche Analyse des Sedimentkerns hat erstmals gezeigt, dass die letzte afrikanische Feuchtperiode mindestens drei Mal von Trockenereignissen unterbrochen wurde, vor etwa 9.300, 8.200 und 6.300 Jahren“, so die leitende Autorin Dr. Florence Sylvestre vom Institute de Recherche pour le Développement (Frankreich). Professor Dr. Martin Melles von der Universität zu Köln, ebenfalls leitender Autor, ergänzt: „Die rekonstruierten Trockenereignisse decken sich zumindest teilweise mit Zeiten, für die archäologische Befunde verschlechterte Lebensbedingungen für die damalige Bevölkerung anzeigen.“

Bohrkern lässt Rückschlüsse zu

Eine genauere Analyse des Trockenereignisses vor etwa 8.200 Jahren durch Zählungen der Jahreslagen des Bohrkerns ergab, dass dieses Ereignis am Yoa-See 77 Jahre, von 8.229 bis 8.152 Jahre vor heute, andauerte. Klimamodellierungen konnten zeigen, dass es ursächlich im Zusammenhang mit einer zeitgleich aufgetretenen Abkühlung im Bereich des Nordatlantiks steht. Diese Abkühlung ist seit längerem bekannt. Sie wird auf einen starken Süßwassereintrag in den Atlantik durch das Auslaufen eines riesigen Eisstausees in Nordamerika zurückgeführt. Dies hat die ozeanische Umwälzzirkulation im Atlantik, einschließlich des Golfstroms, abgeschwächt.

Ozeanographische Daten deuten an, dass sich die Umwälzzirkulation im Atlantik auch aktuell abschwächt, wobei dieses Mal das stark zunehmende Abschmelzen der Eismassen auf Grönland als Folge des menschengemachten Klimawandels als ursächlich angenommen wird. Ob sich die Geschichte nun wiederholt, ist allerdings unklar.

„Das ist nicht eins zu eins übertragbar, weil die Rahmenbedingungen heute nicht mit denen vor 8.200 Jahren vergleichbar sind, beispielsweise bezüglich der Treibhausgaskonzentrationen, der Ausdehnung der kontinentalen Vergletscherung oder des globalen Meeresspiegels“, sagt Professor Melles. „Aber unsere Ergebnisse zeigen, welche Auswirkungen Veränderungen im Atlantik auf die Niederschläge im nördlichen Afrika haben können, mit der Geschwindigkeit, der Größenordnung und der räumlichen Ausdehnung von Trockenereignissen“.

Deshalb schlussfolgern die Forschenden, dass weitere Anstrengungen nötig sind, um die zukünftige Niederschlagsentwicklung in der Sahara präziser und belastbarer vorhersagen zu können.
Die Feldarbeiten und zahlreiche Analysen des Bohrkerns wurden im Rahmen des Sonderforschungsbereiches „Our Way to Europe“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität zu Köln durchgeführt. Der Sonderforschungsbereich wurde von 2009 bis 2021 gefördert.


Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s41586-026-10336-7

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Professor Dr. Martin Melles
Institut für Geologie und Mineralogie
+49 221 470 2541
mmelles@uni-koeln.de


Quelle: Universität zu Köln

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Goldrausch im Regenwald – Wenn Flüsse zu Gift werden

30. März 2026 um 08:09

Illegaler Goldbergbau breitet sich rasch in bislang unberührte Regionen des Amazonas in Peru aus und stellt eine schwere Umwelt- und Gesundheitskrise dar, die irreparable Schäden verursachen könnte.

Lange Zeit war die illegale Goldgewinnung vor allem in der südlichen Amazonasregion Madre de Dios konzentriert. Inzwischen verlagert sie sich aber in neue Gebiete im Norden, darunter die Regionen Loreto, Ucayali und Huánuco. Treibende Kräfte hinter dieser Expansion sind unter anderem steigende Goldpreise nahe 2.000 US-Dollar pro Unze.

Folgen der Goldgewinnung

Forschende, Umweltorganisationen und indigene Gemeinden berichten, dass die Aktivitäten die Entwaldung beschleunigen, Flüsse mit Quecksilber kontaminieren, und in indigene Territorien vordringen. Auf dem Boden hinterlassen die illegalen Minen trübe, zerstörte Flusslandschaften, während einst üppige Wälder innerhalb weniger Wochen degradiert werden. Zudem sind Verbrechen und Gewalt von kriminellen Netzwerken Teil dieses expandierenden Bergbaus.

Die peruanische Regierung hat zwar einige Maßnahmen ergriffen, darunter die Bildung einer multisektoralen Kommission zur Bekämpfung des illegalen Bergbaus und Beschlagnahmen von Ausrüstung im Wert von über 16 Millionen US-Dollar. Doch diese Schritte zeigen bislang nur begrenzte Wirkung vor Ort.

Einsatz von Quecksilber

Ein besonders schwerwiegendes Problem ist der Einsatz von Quecksilber bei der Goldgewinnung. Es wird verwendet, um Goldpartikel zu trennen, gelangt aber in die Flüsse und reichert sich in Fischen und Menschen an. Wissenschaftler warnen, dass dies zu einer weiten Quecksilbervergiftung in der Bevölkerung führen könnte – analog zur historischen Minamata-Krankheit in Japan.

Indigene Gemeinschaften, die auf Fisch und Flusswasser angewiesen sind, stehen dabei besonders im Risiko. Dies macht die Krise nicht nur zu einem ökologischen, sondern auch zu einem sozialen und gesundheitlichen Problem, das weit über Peru hinaus wirkt.


Quelle: APNews

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Lippeverband: Landrat Bodo Klimpel erneut zum Vorsitzenden gewählt

27. März 2026 um 08:00

Das Aufsichtsgremium des Lippeverbandes geht hochkarätig besetzt in die neue fünfjährige Amtsperiode: Für die Städte und Gemeinden sitzen unter anderem die Stadtspitzen von Kamen, Hamm und Dülmen – Bürgermeisterin Elke Kappen, Oberbürgermeister Marc Herter und Bürgermeister Carsten Hövekamp – im Verbandsrat. In seiner ersten konstituierenden Sitzung am Freitagnachmittag wählte der neue Rat auch einen neuen Vorsitzenden: Bodo Klimpel, Landrat des Kreises Recklinghausen, nimmt dieses Amt erneut wahr.

„Ich bedanke mich herzlich für das Vertrauen und die Möglichkeit, in einer dritten Amtszeit als Vorsitzender die Arbeit des Lippeverbandes weiter intensiv zum Wohle der Region mitzugestalten. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Lippeverbandes wollen wir in den kommenden Jahren weiterhin die klimaresiliente Entwicklung des Lippe-Gebietes sowie die Verbesserung der Gewässerqualität vorantreiben“, sagt Bodo Klimpel. Bis 2030 will der Lippeverband in seiner Rolle als Infrastrukturdienstleister für seine Mitglieder jährlich teilweise mehr als 200 Millionen Euro investieren.

Allein in die Ertüchtigung von Kläranlagen werden in diesem Zeitraum mehr als 600 Millionen Euro eingebracht. Die neuen Ratsmitglieder verteilen sich auf die Städte und Gemeinden, die Kreise, den Bergbau, die gewerblichen Unternehmen sowie auf die Arbeitnehmervertreter.
Städte und Gemeinden:

  • Daniela Fiege, Vorständin Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung, Stadt Lünen
  • Elke Kappen, Bürgermeisterin der Stadt Kamen
  • Marc Herter, Oberbürgermeister Stadt Hamm
  • Carsten Hövekamp, Bürgermeister Stadt Dülmen
  • Arnulf Rybicki, Stadtbaurat der Stadt Dortmund

Kreise:

  • Bodo Klimpel, Landrat des Kreises Recklinghausen

 

Bergwerke:

  • Michael Kalthoff, Vorstandsvorsitzender RAG Aktiengesellschaft

 

Gewerbliche Unternehmen:

  • Dipl.-Ing. Ulrich Vornhof, Leiter Gewässerschutz ThyssenKrupp Steel Europe AG

 

Wassernutzer:

  • Dr. Agnes Janda, Vorstandsmitglied Gelsenwasser AG

 

Arbeitnehmervertreter:

  • Martina Hottkowitz, Gleichstellungsbeauftragte Lippeverband
  • Katharina Siebert-Vatter, stellv. Personalrats-Vorsitzende Lippeverband
  • Thorsten Guzy, Lippeverband

 

Gewerkschaften:

  • Sven Kühn, ver.di
  • Moritz Fastabend, ver.di

100 Jahre Lippeverband

Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de.

Quelle: Emschergenossenschaft / Lippeverband

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Trinkwasserschutzprogramm „Ökologischer Landbau“

27. März 2026 um 13:00

Ein zentraler Baustein der Vorsorgestrategie ist die Kooperation mit den Landwirtinnen und Landwirten in den Gewinnungsgebieten. Betriebe, die auf ökologische Bewirtschaftung umstellen, erhalten für ihren Aufwand einen finanziellen Ausgleich von den SWM im Rahmen des Programms Ökologischer Landbau.

Zwischenzeitlich beteiligen sich 190 Landwirtschaften an dem Programm, davon allein 185 im Trinkwassergewinnungsgebiet Mangfalltal im Landkreis Miesbach. Sie bewirtschaften zusammen eine Fläche von 4.650 Hektar – eines der größten ökologisch bewirtschafteten Gebiete Deutschlands. Massentierhaltung, Gülleflut, Überdüng­ung der Felder und die damit verbundene Belastung des Grund­wassers sind hier dank der Zusammenarbeit aller Akteure ausgeschlossen.

Für das zurückliegende Jahr erhalten die Betriebe zusammen rund 1,5 Millionen Euro Förderung von den Stadtwerken München.

Dr. Hermann Löhner, Leiter SWM Trinkwassergewinnung:

„Diese Summe ist gut investiert. Denn vorbeugender Trinkwasserschutz ist für Mensch und Natur ein großer Gewinn. Wenn ungewollte Stoffe gar nicht erst ins Grundwasser gelangen, muss man sie nicht aufwändig und teuer herausfiltern. Wir sind froh, in den Landwirtinnen und Landwirten so verlässliche Partner zu haben, die uns seit mehr als 30 Jahren dabei unterstützen, die Natur und das Trinkwasser zu schützen.“

Sichere Versorgung mit Trinkwasser

Die SWM priorisieren Nachhaltigkeit, sodass Trinkwasser aus tiefliegenden Grundwasserschichten des Voralpenlands quellfrisch nach München geliefert wird. Zwischen 300 und 350 Millionen Liter liefern die SWM täglich nach München und versorgen damit rund 1,6 Millionen Menschen. Mit mehr als 1.200 Proben im Monat überwachen die SWM die Wasserqualität permanent von der Quelle an.

Schutzprogramme zeigen Wirkung

Um den kontinuierlich steigenden Nitratwerten und Pestizideinträgen in den 1970er und 1980er Jahren entgegenzuwirken, wurde 1992 das Trinkwasserschutzprogramm Ökologischer Landbau, oder kurz die „Initiative Ökobauern“, ins Leben gerufen. Der durchschnittliche Nitratwert des Münchner Trinkwassers liegt bei rund 6,5 mg/l. Die ausführliche Analyse: www.swm.de/wasser/wasserqualitaet

Zudem haben die Schutzprogramme der SWM dazu beigetragen, das Miesbacher Oberland zu einer Öko-Modellregion in Bayern zu machen, die inzwischen als eine der größten Öko-Modellregionen Deutschlands gilt: https://oekomodellregionen.bayern/miesbacher-oberland.


Quelle: Stadtwerke München GmbH

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Rein in die Natur: Blaue Klassenzimmer machen es möglich

26. März 2026 um 13:00

In Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen informieren die beiden regionalen Wasserwirtschaftsverbände Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) ab sofort auf der Internetseite über das Exkursionsprogramm zu insgesamt 13 Blauen Klassenzimmern in zahlreichen Städten in der Emscher-Lippe-Region.

Unter dem Motto „Mach mit. Entdecke dein Blaues Klassenzimmer“ verbinden zehn pädagogische Lernmodule mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten das Thema Umweltbildung mit einer praxisnahen Naturerfahrung direkt vor Ort in den Blauen Klassenzimmern an den renaturierten Emscher- und Lippe-Gewässern. Das Exkursionsprogramm richtet sich insbesondere an die Sekundarstufe I und II, Berufsschulen, Orientierungsstufen, Grundschulklassen und Kitagruppen.

Unmittelbar dort, wo EGLV unter anderem einst offene Schmutzwasserläufe zu idyllischen Gewässerlandschaften umgestaltet haben, können interessierte Naturbegeisterte die ökologische Entwicklung von Flora und Fauna in den neuen blaugrünen Lebensräumen hautnah erleben und nachvollziehen. Durchgeführt werden die Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Team der Aquatischen Ökologie unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Hering (Fakultät Biologie an der Universität Duisburg-Essen).

Die 13 Blauen Klassenzimmer

Emschergenossenschaft und Lippeverband haben in den vergangenen Jahren im Zuge von Gewässerrenaturierungen insgesamt 13 Blaue Klassenzimmer an Flüssen und Bächen in der Region gebaut:

  • an der Alten Emscher in Duisburg-Beek
  • am Kirchschemmsbach in Bottrop
  • am Hahnenbach in Gladbeck-Brauck
  • am Katernberger Bach in Essen-Katernberg
  • am Sellmannsbach in Gelsenkirchen-Bismarck
  • am Hellbach in Recklinghausen-Süd
  • am Ostbach in Herne
  • am Suderwicher Bach in Recklinghausen/Castrop-Rauxel
  • am Deininghauser Bach in Castrop-Rauxel
  • an der Emscher im Bereich der Emscher-Auen im Castrop-Rauxeler Ortsteil Ickern
  • an der Emscher in Dortmund-Hörde
  • an der Stever in Haltern am See
  • am Heerener Mühlbach in Kamen

Weitere Standorte, z.B. am Dattelner Mühlenbach in Datteln (Einweihung in 2026), am Hasseler Mühlenbach in Herten und am Herringer Bach in Hamm, sind in enger Abstimmung mit den Kommunen in Planung.

Weitere Informationen

Quelle: Emschergenossenschaft / Lippeverband 

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Feronia Nachhaltigkeitspreis 2026 geht an die Rabmer Gruppe

26. März 2026 um 08:00

Seit über 60 Jahren steht die Rabmer Gruppe für nachhaltiges Wirtschaften, wobei Umwelttechnik seit mehr als 35 Jahren ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie ist. Nachhaltigkeit wird dabei nicht als Trend verstanden, sondern als gelebte Verantwortung über Generationen hinweg. Der Preis wurde von Rabmer Geschäftsführerin Ulrike Rabmer-Koller und ihrem Sohn Julian Koller, mit dem bereits die 3. Generation am Start steht, entgegengenommen.

Grüne Energie aus Abwasser

Im Fokus der Auszeichnung steht die Entwicklung und Umsetzung innovativer Lösungen zur Nutzung von Abwasser als erneuerbare Energiequelle. Diese Technologie ermöglicht es, Gebäude und Industrieanlagen ganzjährig effizient und klimafreundlich zu beheizen und zu kühlen, wodurch regionale Energieunabhängigkeit gestärkt und fossile Energieträger langfristig ersetzt werden. Auch die Einspeisung in Nah- und Fernwärmenetze ist möglich.

„Der Wärmesektor ist nach wie vor stark von fossilen Energieträgern abhängig. Gerade die aktuelle Entwicklung durch die steigenden Energiepreise zeigt, dass es hier rasch eine Änderung braucht. Mit Energie aus Abwasser bieten wir eine grundlastfähige, regionale und sofort verfügbare Lösung, die einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit leistet“, erklärt Ulrike Rabmer-Koller, Geschäftsführerin der Rabmer Gruppe.

Erfolgreiche Leuchtturmprojekte

Analysen zeigen, dass Abwasserenergie rund 14% des Wärmebedarfs im Gebäudesektor abdecken kann. Das verdeutlichen zwei Projekte der Rabmer Gruppe – in der Industrie ebenso wie im urbanen Raum:

  • Bei der voestalpine Automotive Components in Linz wurde ein EU-gefördertes Projekt für die Dekarbonisierung der Industrie umgesetzt. Durch die Nutzung der im Kühlwasser enthaltenen Energie konnte die komplette Wärmeversorgung einer Produktionshalle auf erneuerbare Energie umgestellt werden. Herzstück der Anlage sind 166 Meter Wärmetauscher, die Rabmer im Kühlwasserkanal verlegt hat, die gemeinsam mit leistungsstarke Wärmepumpen rund 1 MW Heizleistung liefern. Das Ergebnis: Der bisherige Einsatz von Erdgas konnte vollständig ersetzt werden.
  • Mit dem Quartiersprojekt VIO PLAZA in Wien-Meidling wurde eines der größten Abwasserenergieprojekte Europas realisiert. Seit 2024 werden dort Büro-, Wohn-, Hotel- und Gewerbeflächen mit einer Leistung von rund 6 MW effizient gekühlt und 1,2 MW geheizt. Besonders innovativ ist dabei die intelligente Mehrfachnutzung der Energie: Während im Winter Wärme aus dem Kanal gewonnen wird, kann im Sommer überschüssige Energie aus der Gebäudekühlung über den Kanal abgeführt werden.

 

Solche skalierbare Lösungen dienen der wirtschaftlichen Versorgung von Quartieren mit erneuerbarer Energie und stellt somit eine Alternative zu konventionellen Wärmequellen dar.

Nachhaltige Energiezukunft

Der Gewinn des Feronia Nachhaltigkeitspreises unterstreicht die Rolle der Rabmer Gruppe als Innovationsführer im Bereich nachhaltiger Umwelttechnologien.

„Wir freuen uns sehr über diese besondere Auszeichnung, die für uns Wertschätzung und Ansporn zugleich ist. Sie zeigt, dass nachhaltige Innovation ein wichtiger Aspekt für unsere Zukunft ist – und dass wir mit unseren Lösungen einen echten Beitrag zur Energie- und Klimawende leisten“, so Rabmer-Koller.


Quelle: Rabmer Gruppe

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RENEXPO 2026: Wachstum und klarer Fokus auf vernetzte Energiesysteme

25. März 2026 um 13:00

Mit neuem Namen, erweitertem Konzept und klarer Zukunftsorientierung reagiert die Messe „RENEXPO“ auf die wachsenden Anforderungen eines sich wandelnden Energiesystems. Was 2025 noch unter dem Titel „Renexpo Interhydro“ als führende Fachmesse für Wasserkraft firmierte, präsentiert sich nun als „RENEXPO – connect energies“: eine Plattform, die weit über die Wasserkraft hinausgeht und die gesamte Energiezukunft in den Blick nimmt. Damit adressiert die Renexpo eine zentrale Herausforderung der Energiewende: das Zusammenspiel von Erzeugung, Speicherung und Netzinfrastruktur.

Wasserkraft weiterhin als zentrales Fundament

Die Messe knüpfte dabei bewusst an ihre Wurzeln an: Wasserkraft bleibt ein wichtiger Teil der Veranstaltung und verdeutlicht ihre Rolle als Rückgrat des österreichischen Energiemarkts. In Zusammenarbeit mit vgbe energy e.V. und dem Verein für Ökologie und Umweltforschung wurden hochspezialisierte Fachkonferenzen organisiert, die neuestes Know-how, aktuelle Forschungsergebnisse und Best Practices aus dem Bereich Wasserkraft vermittelten. An den vgbe-Formaten nahmen 150 Teilnehmer teil. Auch die jährliche Mitgliederversammlung des Vereins Kleinwasserkraft für das Bundesland Salzburg fand im Rahmen der Messe statt.

Die Renexpo – connect energies 2026 hat damit ein starkes Signal für die Weiterentwicklung des Energiesystems gesetzt – vernetzt, innovationsorientiert und praxisnah.

Alexander Kribus, Geschäftsführer Messezentrum Salzburg, zieht ein positives Fazit:

„Die Renexpo – connect energies 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß das Interesse an einer vernetzten Betrachtung der Energiezukunft ist. Mit der Weiterentwicklung des Formats ist es gelungen, Bewährtes wie die Wasserkraft mit Zukunftsthemen wie Speicher, Netze und Systemintegration zusammenzuführen und damit eine starke Plattform für Innovation, Austausch und konkrete Lösungen zu schaffen. Umso erfreulicher ist die positive Resonanz, die wir von vielen Ausstellern erhalten haben.“

Die nächste Renexpo – connect energies findet im März 2027 im Messezentrum Salzburg statt.


Quelle: Messezentrum Salzburg GmbH

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EGLV macht das Licht aus: Beitrag zur Earth Hour am 28. März

25. März 2026 um 08:00

Dunkel wirds – ein gemeinsames Zeichen fürs Klima. Während der Earth Hour am 28. März 2026 schalten wieder deutschlandweit Städte, Einrichtungen und private Haushalte für eine Stunde ihre Gebäudebeleuchtung aus. Auch die Emschergenossenschaft/Lippeverband beteiligt sich weitreichend und schaltet an mehreren Standorten das Licht aus – und erweitert die „Earth Hour“ auch direkt zu einem ganzen „Earth Weekend“.

Mehrere Standorte setzen Zeichen

An der Kläranlage Bottrop in der Welheimer Mark bleiben die markanten blauen Außenbeleuchtungen der vier eierförmigen Faulbehälter sowie des Kamins das ganze Wochenende über ausgeschaltet.

Die bekannte Beleuchtung des Turms des Emscher-Haus an der Kronprinzenstraße im Essener Südviertel erstrahlt auch am Wochenende überraschend dunkel.

Auch an der Kläranlage der Emschergenossenschaft in Dortmund-Deusen bleibt die markante Außenbeleuchtung der eierförmigen Faulbehälter ausgeschaltet – ebenso auch an der Kläranlage des Lippeverbandes in Dortmund-Scharnhorst.

Die drei eierförmigen Behälter der Kläranlage Emscher-Mündung an der Turmstraße in Dinslaken schalten ihre bekannte blaue Außenbeleuchtungen ebenfalls aus.

Pumpwerk und „Slinky“-Brücke schließen sich dem Wochenende an. Die markanten Beleuchtungen des Pumpwerks Oberhausen an der Kurfürstenstraße in Oberhausen-Biefang sowie der von Tobias Rehberger entworfenen Emscherkunst-Brücke „Slinky Springs to Fame“ über den Rhein-Herne-Kanal im Bereich des Kaisergartens bleiben ebenso über das gesamte Wochenende ausgeschaltet. Aus Gründen der Verkehrssicherheit wird der Handlauf der Brücke jedoch beleuchtet bleiben.

Anders als üblich bleiben auch die markante Beleuchtung des Faulbehälters der Klärschlammbehandlung an der Radbodstraße und des Pumpwerks Hamm-Herringer Bach das gesamte Wochenende ausgeschaltet. Ab Freitagnachmittag schalten die Wasserbetriebe die beliebte und vor allem bei Hobby-Fotografen beliebte grüne Beleuchtung des Faulbehälters und des Pumpwerks aus – erst am Montagabend wird sie wieder aktiviert.

Emschergenossenschaft

Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de

Quelle: Emschergenossenschaft/Lippeverband

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Weltwassertag 2026: Water and Gender

19. März 2026 um 11:30

Der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches arbeitet gemeinsam mit den Versorgungsunternehmen daran, diese für Gesellschaft und Wirtschaft unverzichtbare Ressource dauerhaft zu schützen und die Weichen für eine robuste Wasserzukunft zu stellen. Denn die Branche in Deutschland steht vor tiefgreifenden Herausforderungen. Steigende Anforderungen an Versorgungssicherheit, Netzinfrastruktur und Gewässerschutz im Klimawandel verlangen entschlossenes Handeln. Zugleich gewinnt die Fachkräftesicherung weiter an Bedeutung – ebenso wie die stärkere Aktivierung von Frauen für technische Berufe, die für die Zukunftsfähigkeit der Wasserwirtschaft unverzichtbar sind.

Klimawandel und Resilienz der Wasserressourcen

Hitze- und Trockenperioden, regional sinkende Grundwasserstände und Nutzungskonkurrenzen verstärken den Druck auf die Ressource Wasser. Mit neuen Technischen Regeln, Forschung zu resilienter Ressourcenbewirtschaftung und Leitfäden für regionale Kooperationen stärkt der DVGW die Handlungsfähigkeit und Planungssicherheit der Branche.

Schutz der Wasserressourcen vor neuen Stoffeinträgen

Nitrat, PFAS, Pflanzenschutzmittel und Arzneimittelrückstände geraten zunehmend in den Blick. Der DVGW setzt sich für einen vorsorgenden Gewässerschutz ein und fordert strengere Eintragskontrollen und klare regulatorische Rahmenbedingungen – damit Verursacher künftig stärker zur Verantwortung gezogen werden können.

Digitalisierung und Effizienz im Asset-Management

Moderne Monitoring-Systeme, KI-gestützte Netzüberwachung und digitale Zwillinge eröffnen neue Möglichkeiten in Planung, Betrieb und Instandhaltung. Der DVGW entwickelt Standards und wissenschaftlich fundierte Ansätze, die Versorgern helfen, diese Technologien sicher, effizient und wirtschaftlich einzusetzen.

Fachkräftesicherung und Aktivierung von Frauen

In den aktuell 24 DVGW‑Berufs- und Hochschulgruppen wird der technisch-gewerbliche und akademische Nachwuchs bereits während der Ausbildung durch Praxiskontakte zu über 4.000 DVGW‑Mitgliedsunternehmen begleitet. Kostenfreie Förderangebote wie das verbandsübergreifende Mentoring-Programm oder die Teilnahme an Fachtagungen und Kongressen schaffen zusätzliche Räume für Wissensaustausch und den Aufbau beruflicher Netzwerke. Seit der Gründung des „Jungen DVGW“ im Jahr 2024 und mit den darauf abgestimmten zielgruppenorientierten Formaten verzeichnet der DVGW eine stabile Mitgliederentwicklung bei den unter 36‑Jährigen. Besonders erfreulich: Der Anteil engagierter junger Frauen wächst kontinuierlich und liegt inzwischen bei 20 Prozent dieser Altersgruppe.

Wolf Merkel, Vorstand Wasser des DVGW, unterstreicht: „Die Anforderungen an eine sichere und qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung steigen stetig. Trotz aller Herausforderungen bleibt die Branche handlungsfähig: Mit starken Technischen Regeln, wissenschaftlicher Expertise und strategischer Kompetenz schaffen wir die Grundlage für eine zukunftsfeste Versorgung. Gleichzeitig leistet der DVGW mit der gezielten Förderung junger Fachkräfte einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Stabilität der Energie- und Wasserwirtschaft. Diesen Weg werden wir konsequent weitergehen – damit die Versorgung mit hochwertigem Wasser resilient, nachhaltig und für alle Menschen in Deutschland verlässlich bleibt.“

Der Weltwassertag wird seit 1993 jährlich am 22. März begangen. Er macht auf die Bedeutung von Wasser als unverzichtbare Lebensgrundlage aufmerksam.


Quelle: DVGW


Auch BDEW-Hauptgeschäftsführer Martin Weyand, dass ein gerechter Zugang zu Wasser und Sanitätsversorgung für alle Menschen weltweit gewährleistet werden sollte. Er erklärt:

„Der Zugang zu sauberem Trinkwasser in ausreichender Menge und Qualität ist ein Grundrecht und die Basis gesellschaftlicher Teilhabe und Gesundheit. In Deutschland gewährleistet die öffentliche Wasserwirtschaft ein hohes Versorgungsniveau – darauf können sich alle Menschen unabhängig von Lebenssituation oder sozialem Hintergrund verlassen.

Um die hohe Qualität unserer Wasserressourcen dauerhaft zu sichern, ist der Schutz vor Belastungen entscheidend. In Deutschland stellen insbesondere Einträge von Nitrat aus der Landwirtschaft in Grund- und Oberflächengewässern eine Herausforderung für die Wasserqualität dar. Der nachhaltige und ressourceneffiziente Umgang mit Nährstoffen ist deshalb als entschiedenes Leitprinzip im Düngegesetz verankert. Ein effizienter Umgang mit Düngemitteln ist schließlich nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Dennoch wird in Deutschland und auch in anderen EU-Staaten der in der EU-Nitratrichtlinie festgelegte Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter im Grundwasser nicht flächendeckend erreicht.

Grund- und Oberflächengewässer sind eine zentrale Lebensgrundlage, Basis der Trinkwasserversorgung und ein unverzichtbares öffentliches Gut. Eine Abschwächung der Nitrat-Richtlinie oder des nationalen Düngerechts würde den hohen Stellenwert des Gewässerschutzes diskreditieren und ein falsches Signal im Angesicht einer weiterhin bestehenden Belastungssituation senden. Entscheidend zur Verminderung von Düngeeinträgen ist neben der Rechtsicherheit die konsequente Umsetzung wirksamer Maßnahmen. Dazu gehört ein verursachergerechtes und wissenschaftlich fundiertes Wirkungsmonitoring, das eine ganzheitliche Bilanzierung von Nährstoffen in landwirtschaftlichen Betrieben und somit Rückschlüsse auf die tatsächliche Wirksamkeit von Maßnahmen in der Praxis ermöglicht.“


Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V

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Neues Spurenstoffzentrum im Kampf gegen Mikroschadstoffe im Abwasser

18. März 2026 um 08:00

Spurenstoffe stellen kommunale Kläranlagen zunehmend vor große Herausforderungen. Die gesetzlichen Anforderungen steigen, nicht zuletzt durch die novellierte Kommunalabwasserrichtlinie (KARL), die den Ausbau bestimmter kommunaler Kläranlagen mit einer zusätzlichen vierten Reinigungsstufe vorgibt.

Um eben diesen Herausforderungen gerecht werden zu können, soll das neue Spurenstoffzentrum nach Lösungen suchen – möglichst individuell und auf die Anforderungen der unterschiedlichen Anlagen im Land Schleswig-Holstein angepasst. Seit zwei Jahrzehnten befassen sich die Mitarbeiter*innen des Labors für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der TH Lübeck bereits mit Maßnahmen zum Schutz der Gewässer.

Erweiterung der Kläranlage um Pilotanlage zur 4. Reinigungsstufe

Die in Reinfeld auf dem Gelände der kommunalen Kläranlage stehende Versuchs- und Ausbildungskläranlage (VAK) der Hochschule wurde bis Ende 2025 nun erweitert. Um die eigentliche Versuchshalle herum stehen aktuell eine Handvoll blauer und roter Container – dabei handelt es sich um Pilotanlagen der sogenannten vierten Reinigungsstufe.

Die vierte Reinigungsstufe ist eine relativ neue Erweiterung von Kläranlagen. Grundlage ist eine EU-Richtlinie, die festlegt, dass klassische Kläranlagen mit ihrem meist dreistufigen Verfahren viele Mikroschadstoffe nicht ausreichend entfernen können. Die Liste an potenziell schädlichen Stoffen ist lang. Ein Beispiel ist dabei der in Schmerzmitteln vorhandene Wirkstoff Diclofenac. Er gelangt hauptsächlich über das Abwasser – zum Beispiel durch das Abwaschen von Schmerzsalben – in Seen und Flüsse. Selbst in geringen Dosen kann er dort toxisch auf Fische und andere Wasserlebewesen wirken.

Und genau an diesem Punkt setzt das Forschungs- und Entwicklungsprojekt der TH Lübeck in Kooperation mit dem Land Schleswig-Holstein jetzt an. Die Versuche zur vierten Reinigungsstufe sollen dafür sorgen, dass beispielsweise im Fall von Diclofenac 80 Prozent der Spurenstoffe zurückgehalten werden können – aktuell seien es 20 bis 30 Prozent, wie der örtliche Leiter der VAK, Prof. Dr.-Ing. Kai Wellbrock, erklärt.

Reinfeld: Neues Forschungsprojekt in der Versuchs- und Ausbildungskläranlage (VAK), Minister Tobias Goldschmidt. Quelle: Lutz Roeßler

Umweltminister Tobias Goldschmidt zu Gast bei Projektstart

Zum Startschuss der Inbetriebnahme der Pilotanlagen ist auch Umweltminister Tobias Goldschmidt vor Ort und erklärt:

„Das neue Spurenstoffzentrum wird Kommunen bei diesem Vorhaben unterstützen und Wissenschaft mit Praktikern zusammenbringen. Ich bin überzeugt, dass das Spurenstoffzentrum zu einem Projekt mit Strahlkraft wird, das für die Menschen in unserem Land viel Gutes bewegen wird: für innovatives Wassermanagement, für angewandte Forschung und für gesundes Wasser in Schleswig-Holstein.“

Die Pilotanlage zur vierten Reinigungsstufe besteht aus mehreren modular und transportabel konzipierten Verfahrensstufen. Zur Verfügung stehen dem Team der VAK unter anderem die Ozonung oder Filtration über Aktivkohle. Die Verfahren können einzeln, aber auch in Kombination eingesetzt werden. Da sie direkt an das System der Kläranlage angeschlossen sind, kann unter realen Bedingungen getestet und geforscht werden. Der Vorteil: Die Container mit den verschiedenen Verfahrensstufen können auch bei anderen Anlagen zum Einsatz kommen und damit die Entscheidungsfindung beeinflussen, auf welche Weise die jeweiligen Anlagen in Bezug auf die vierte Reinigungsstufe umgebaut werden könnten.

Neues Zentrum als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis

Am Standort in Reinfeld herrscht seit mehr als 20 Jahren also eine symbiotische Zusammenarbeit zwischen der TH Lübeck und der kommunalen Kläranlage. Das hebt auch Reinfelds Bürgermeister Roald Wramp noch einmal deutlich hervor: „Wir sind stolz darauf, Gastgeber einer solchen Versuchs- und Ausbildungskläranlage zu sein“, und ergänzt: „Denn diese spielt auch eine zentrale Rolle in der Ausbildung von Fachkräften.“

Muriel Helbig, Präsidentin der TH Lübeck, betont:

„Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wasserwirtschaft und ein bedeutendes Vorhaben für uns als Technische Hochschule an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis.“

Das Spurenstoffzentrum wird genau das vereinen, wofür die Technische Hochschule steht: praxisnahe, angewandte Lehre und Forschung mit Lösungen für die Gemeinschaft.


Quelle: Technische Hochschule Lübeck

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KRITIS-Dachgesetz: Neuer Rahmen für mehr Resilienz und Sicherheit

17. März 2026 um 08:09

Am 6. März 2026 hat der Bundesrat dem KRITIS-Dachgesetz endgültig zugestimmt. Damit werden erstmals einheitliche Standards für den physischen Schutz kritischer Infrastrukturen erlassen. Energie-, Wasser- und Telekommunikationsversorger sowie Abwasser- und Abfallbetriebe sollen künftig Risikoanalysen erstellen, Sicherheitsmaßnahmen umsetzen und schwere Störungen melden. Ziel ist, die Versorgung besser gegen Sabotage, extreme Wetterereignisse und Terrorangriffe zu schützen. Für die Wasserwirtschaft bedeutet das: Risiken müssen systematisch analysiert, Resilienzmaßnahmen umgesetzt und sicherheitsrelevante Störungen verpflichtend gemeldet werden.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßte die Entscheidung. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing sagt: „Das jahrelange Warten hat ein Ende. Die Einigung ist ein wichtiger Schritt für den Schutz kritischer Infrastrukturen. Die Unternehmen haben damit endlich Rechts- und Planungssicherheit für ihre Investitionen.“ Die Zustimmung des Bundesrats sei überfällig.

Das KRITIS-Dachgesetz ist ein Bekenntnis zur Resilienz

Hinter der politischen Einigung steht mehr als eine reine Verwaltungsvorgabe. Das Dachgesetz ist ein Bekenntnis zur Resilienz, wie sie in Zeiten zunehmender Sabotagerisiken, extremer Wetterereignisse und geopolitischer Spannungen dringlicher denn je wird. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt das Gesetz grundsätzlich, warnt jedoch vor übermäßiger Bürokratie. „Resilienz ist kein Selbstläufer“, betont der VKU. Ohne eine fundierte nationale Risikoanalyse, praktikable Meldepflichten und eine finanzielle Flankierung könne das Gesetz zu einer „halben Lösung“ werden.

Liebing verwies zudem auf die Grenzen der Betreiber. „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagt er. „Die Abwehr von Terrorangriffen bleibt Aufgabe von Bund und Ländern. Stadtwerke, Wasserversorger und Müllabfuhren sind nicht die Polizei.“

Gleichzeitig erneuert der VKU seine Vorschläge für den besseren Schutz kritischer Infrastrukturen:

  1. Schutz kritischer Infrastrukturen zum überragenden öffentlichen Interesse erklären, um Abwägungen zu beschleunigen und Sicherheitsinteressen zu priorisieren.
  2. Neubewertung und Anpassung von Transparenzpflichten
  3. Nationale Gesamtstrategie und Risikoanalyse vorlegen, wie es die CER‑Richtlinie bereits seit Januar verlangt.
  4. Nationale Notfallreserve aufbauen, u. a. mit Großgeräten für Inselnetzversorgung binnen 24 Stunden.
  5. Finanzierung sichern, u. a. über die Ausnahme von der Schuldenbremse (Art. 109 GG) und das SVIK.

Infrastrukturbetreiber müssen heute viele Daten offenlegen, zum Beispiel durch Transparenzregeln, das Informationsfreiheitsgesetz oder Open-Data-Vorgaben. Dort, wo solche Offenlegungen aber die physische und/oder IT-Sicherheit gefährden, sollten die Regeln überprüft und angepasst werden. Der VKU begrüßt, dass dieser Aspekt in der Protokollerklärung der Bundesregierung aufgegriffen wurde.

Hintergrund zum Dachgesetz

Das Kritis-Dachgesetz schafft erstmals Mindeststandards für den Schutz kritischer Infrastrukturen vor physischen Angriffen, verpflichtet zu Risiko- und Resilienzplänen und Einführung von Krisenmanagementsystemen sowie zur Meldung größerer Störungen oder Vorfälle an Behörden wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) oder Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Das Kritis-Dachgesetz schreibt außer einer Risikoanalyse und Risikobewertung keine weiteren konkreten Maßnahmen vor. Was Unternehmen konkret machen müssen, wird erst später in entsprechenden Gesetzen und Verordnungen des Bundesministeriums des Inneren bzw. später der Fachministerien oder durch branchenspezifische Sicherheitsstandards geregelt. Insgesamt werden elf Sektoren adressiert, unter anderem Energie-, Wasser-, Abfall- und Telekommunikationswirtschaft.

Mit dem Kritis-Dachgesetz will Deutschland die EU-Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen (sog. CER-Richtlinie) in deutsches Recht umsetzen. Das hätte eigentlich schon bis zum 17. Oktober 2024 passieren müssen. Deshalb hat die EU-Kommission bereits ein Vertragsverletzungsverfahren in Gang gesetzt. Frist zur Umsetzung der Maßnahmen ist der 17. Juli 2026. Schutz vor Cyber-Angriffen adressiert wiederum die NIS2-Richtlinie.

Statement des VKU, bevor der Bundesrat am 6.3. zugestimmt hat

KRITIS Gipfel 2026 von BDEW und VKU

Mit dem ersten KRITIS‑Gipfel 2026 am 10. März in Berlin senden der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) ein Signal: Der Schutz kritischer Infrastrukturen muss in Deutschland deutlich stärker in den Fokus rücken.

Zum Auftakt gaben BDEW‑Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae, VKU‑Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing, Hans‑Georg Engelke, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, sowie Generalleutnant André Bodemann Impulse zu strategischer Vorsorge und aktuellen Bedrohungslagen. Anschließend diskutierten zwei Panels die Lehren aus dem jüngsten Stromausfall in Berlin sowie den aktuellen Stand der zivilen Verteidigung in Deutschland.

Zentrale Forderungen von BDEW und VKU

Anlässlich des Gipfels formulieren BDEW und VKU drei zentrale Forderungen für einen wirksamen Schutz kritischer Infrastrukturen:

Neubewertung und Anpassung von Transparenzpflichten

Energieunternehmen müssen heute viele Daten offenlegen, zum Beispiel durch Transparenzregeln, das Informationsfreiheitsgesetz oder Open-Data-Vorgaben. Dort, wo solche Offenlegungen aber die physische und/oder IT-Sicherheit gefährden, etwa weil Angreifer dadurch Schwachstellen erkennen können, sollten die Regeln überprüft und angepasst werden. Ziel ist es, Angriffsflächen so gering wie möglich zu halten.

Ausfallsichere Kommunikation

Für Krisenfälle braucht es auch dann funktionierende Kommunikationswege zwischen Betreibern und Behörden, wenn das „normale“ Netz ausfällt. Wichtig ist deshalb eine ausfallsichere Kommunikationsinfrastruktur für einen schnellen Versorgungs- und Netzwiederaufbau, die selbst im Blackout weiterläuft. Ein Beispiel dafür ist das schwarzfallfeste 450-MHz-Funknetz für die Energie- und Wasserwirtschaft.

Finanzierung erhöhter Schutz- und Resilienzmaßnahmen

Die Sicherheit kritischer Infrastrukturen braucht klare gesetzliche Vorgaben und eine (regulatorisch) gesicherte Kosten- bzw. Entgeltanerkennung. Dazu gehört auch, dass Kosten für Schutzmaßnahmen, Reparaturen nach Angriffen oder Notfallpläne (wie Krisen- und Business Continuity Management) anerkannt und übernommen werden. Die Finanzierung sollte teilweise über den Verteidigungshaushalt, der nicht unter die Schuldenbremse fällt, sowie einen noch einzurichtenden Resilienzfonds erfolgen.

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae (Thomas Imo Photothek/BDEW)

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae:

„Ein lückenloser Schutz kritischer Infrastruktur wird nie vollständig möglich sein. Umso entscheidender ist es, dass Betreiber schnell Klarheit und belastbare Vorgaben haben, um Risiken realistisch bewerten und wirksame Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. Eine zentrale Lehre aus dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz ist vor diesem Hintergrund, bestehende Transparenzpflichten neu zu bewerten. Die Verfügbarkeit von Leistungs- und Geodaten kritischer Infrastrukturen schafft Vertrauen, sollte aber so gestaltet sein, dass operative Angriffsflächen vermieden werden. Gleichzeitig müssen wir unsere Fähigkeit stärken, Störungen schnell zu bewältigen und Systeme wiederherzustellen. Dafür sind eine enge Zusammenarbeit und ein kontinuierlicher Informationsaustausch zwischen Branche und Behörden unverzichtbar. Und wir brauchen einen institutionalisierten Austausch zwischen Unternehmen kritischer Infrastrukturen, Politik und Behörden bis hin zum Nationalen Sicherheitsrat. Nur so lassen sich ein gemeinsames Lagebild und ein schneller Informationsfluss sicherstellen.“

VKU‑Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing:

„Der Schutz kritischer Infrastrukturen ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. Ohne starke kommunale und regionale Strukturen bleibt jedoch jede Strategie Stückwerk. Gleichzeitig müssen wir klar über die Grenzen der Betreiber sprechen: 100‑prozentige Sicherheit gibt es nicht. Die Abwehr von Terrorangriffen bleibt Aufgabe von Bund und Ländern. Stadtwerke sind nicht die Polizei. Wir brauchen deshalb eindeutige politische Prioritäten, schnellere Verfahren und eine verlässliche Finanzierung. Resilienz ist nicht optional. Sie ist Grundlage dafür, dass unsere Gesellschaft funktionieren kann. Deshalb sollte der Bund auch eine nationale Notfallreserve aufbauen, unter anderem mit mobilen Großaggregaten zur Wiederherstellung von Inselnetzstrukturen, um die Energieversorgung idealerweise innerhalb von 24 Stunden wiederherzustellen.“


Quellen: VKU, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, BDEW

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Joachim Herz Stiftung fördert Wasserforschung mit 12 Mio. Euro

16. März 2026 um 08:00

Gefördert werden anwendungsorientierte und mutige Vorhaben, die wissenschaftliche Erkenntnisse in gesellschaftlich und ökonomisch nutzbare Anwendungen überführen. Ziel ist es, die lebenswichtige Ressource besser zu schützen und zugleich ihr Potenzial als Inspirationsquelle für neue Materialien, Technologien und Modelle zu erschließen. Die Hamburger Stiftung möchte so Lösungen für Ressourceneffizienz und Klimaschutz ermöglichen.

52,7 Prozent der deutschen Seen, Flüsse und Bäche befanden sich 2024 in einem schlechten ökologischen Zustand. Auch in unseren Breitengraden wird Wasser knapp – ist aber eine unersetzliche Ressource für Menschen, Natur und Wirtschaft. Ein nachhaltiger Umgang mit Wasser ist eine gesellschaftliche Herausforderung, für die Lösungen aus der Forschung dringend benötigt werden. Gleichzeitig kann Wasser aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften inspirierend für neue Technologien sein, zum Beispiel bei der Oberflächen- und Materialentwicklung. Innovative Wasserforschung kann einen wichtigen Beitrag zu mehr Ressourceneffizienz und Klimaschutz leisten.

Den Stein ins Rollen bringen

Deswegen fördert die Joachim Herz Stiftung mit 12 Millionen Euro die Entwicklung von Neuen Materialien, Technologien und Modellen, die die Ressource Wasser schützen oder ihre Eigenschaften für nachhaltige Lösungen nutzen. Dafür vergibt die Hamburger Stiftung einen Forschungspreis sowie Individual-, Gruppen- und Strukturförderungen. Die Förderlinien unterstützen Forschungsvorhaben auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen – nach der Grundlagenforschung und vor der Marktreife.

„Der nachhaltige Umgang mit der lebenswichtigen Ressource Wasser zählt zu den größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – zugleich ist Wasser ein genialer „Werkstoff“ und inspirierende Quelle für Innovationen. Mit unseren Förderprogrammen setzen wir bewusst dort an, wo mutige Forschende den Übergang von der Idee zur Anwendung wagen. Denn nachhaltige Lösungen entstehen nur, wenn jemand den ersten Schritt geht und wissenschaftliche Erkenntnisse auch konkret nutzbar in

Weitere Informationen und Online-Bewerbung

Detaillierte Informationen zu allen Förderlinien, zu entsprechenden Infoveranstaltungen sowie zu den Online-Bewerbungen sind auf der Webseite der Stiftung zu finden. Bewerbungen für das innovate! center sind bis zum 20.04.2026 möglich, für alle anderen Förderungen endet die Frist am 31.03.2026.


Detaillierte Informationen:

Joachim Herz Preis – Forschungspreis

Mit dem Joachim Herz Preis zeichnet die Joachim Herz Stiftung exzellente Wissenschaftler:innen aus, deren Forschungsvorhaben zum smarten Umgang mit Wasser maßgeblich durch wirtschaftswissenschaftliche Analysen und Methoden geprägt sind. Der mit 500.000 Euro dotierte Forschungspreis prämiert anwendungsbezogene und interdisziplinäre Projekte von Forschenden in einer frühen Karrierephase. Die Fragestellungen können von ökonomischen Anreizsystemen für einen effizienten Wasserverbrauch bis hin zur Entwicklung von Regulierungsinstrumenten für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaf reichen. Der Preis richtet sich in diesem Jahr an promovierte Wirtschaftswissenschaftler:innen an Hochschulen oder Forschungseinrichtungen in Deutschland. Die Preisverleihung findet am 03.09.2026 in Hamburg statt. Bewerbungen sind bis zum 31.03.2026 möglich. Detaillierte Informationen unter: www.joachim-herz-stiftung.de/preis

innovate! center – Strukturförderung

Die Ressourcen Boden und Wasser sind untrennbar miteinander verbunden. Mit dem geplanten „innovate! center“ fördert die Joachim Herz Stiftung die Entwicklung praxistauglicher Verbesserungen für resiliente, ganzheitliche Wasser- und Bodensysteme. Die Forschungsvorhaben sollen ökologische Funktionen wie Biodiversität oder Wasserrückhalt adressieren und sie mit gesellschaftlichen und ökonomischen Anforderungen wie Ernährungssicherung und Wasserverfügbarkeit verbinden. Das können beispielsweise Lösungsansätze für Moorschutz und Gewässerrenaturierung oder Konzepte für ein nachhaltiges Management von Wasserressourcen sein. Dafür müssen Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten. Die strukturelle Förderung der Joachim Herz Stiftung unterstützt den Aufbau effizienter Transferstrukturen an einer Hochschule, um den Forschungstransfer zu beschleunigen und ein Good-Practice-Modell für die Verbesserung von Transferprozessen an weiteren Hochschulen zu etablieren. Dafür stellt die Stiftung maximal 5 Millionen Euro zur Verfügung. Antragsberechtigt sind deutsche Hochschulen, die über fachliche Expertise zu Wasser- und Bodensystemen verfügen und bereits mit Partnern aus der Praxis (z. B. Bauernverbänden oder Kommunen) zusammenarbeiten. Damit das Center flexibel, schnell und unternehmerisch agieren kann, ist die Gründung einer gemeinnützigen GmbH geplant, in der sowohl die antragstellende Hochschule als auch weitere Partner Gesellschafter sein werden. Die Bewerbungsfrist endet am 20.04.2026. Detaillierte Informationen unter: www.joachim-herz-stiftung.de/center

innovate! academy – Individualförderung

Die „innovate! academy“ fördert sieben exzellente Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen dabei, ihre Forschung zu wasserbasierten Materialien in die Anwendung zu bringen. Gesucht werden innovative Materialien, die von Wasser inspiriert sind oder in Wechselwirkung mit der Ressource neue Funktionen hervorbringen – etwa Werkstoffe, die ihre mechanischen Eigenschaften in Kontakt mit Wasser verändern, oder Strukturen, die Wasser aus Luft oder Nebel gewinnen. Die Joachim Herz Stiftung unterstützt die Forschenden über einen Zeitraum von zwei Jahren mit bis zu 250.000 Euro Personal- und Projektmitteln sowie einem auf sie zugeschnittenem Seminarprogramm zu Themen wie Geschäftsmodellierung, Transfer und Leadership. Bewerben können sich Postdocs und Junior-Professor:innen aus den Material-, Natur- oder Ingenieurwissenschaften, die an einer deutschen Forschungseinrichtung tätig sind. Sie sollten ein unternehmerisches, anwendungsorientiertes Mindset, kommunikatives Talent und Interesse am interdisziplinären Austausch mitbringen. Bewerbungen sind bis zum 31.03.2026 möglich. Detaillierte Informationen unter: www.joachim-herz-stiftung.de/academy

innovate! fund – Gruppenförderung

Der „innovate! fund“ der Joachim Herz Stiftung fördert interdisziplinäre Forschungsteams, die Konzepte zur effizienten Nutzung, Reinhaltung und Verfügbarkeit von Wasser entwickeln. Dazu zählen beispielsweise neuartige Methoden der Wasserreinigung oder Technologien, die wiederverwertbare Stoffe aus Wasser filtern. Die Stiftung unterstützt bis zu drei Projekte mit jeweils bis zu einer Million Euro über einen Zeitraum von maximal fünf Jahre. Im Fokus stehen innovative, auch risikoreiche Vorhaben zwischen Grundlagenforschung und Kommerzialisierung. Bewerben können sich Teams, die aus mindestens drei promovierten Forschenden aus unterschiedlichen Disziplinen mit einem Schwerpunkt in den Natur- bzw. Ingenieurwissenschaften bestehen. Die Gruppen müssen überwiegend einer Forschungseinrichtung im norddeutschen Raum angehören. Die Bewerbungsfrist endet am31.03.2026. Detaillierte Informationen unter: www.joachim-herz-stiftung.de/fund

Quelle: Joachim Herz Stiftung

 

 

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Über 40 Prozent der großen Süßwassertierarten in fremde Gewässer eingeführt

16. März 2026 um 07:29

Der Nilbarsch im Viktoriasee ist ein prominentes Beispiel für die komplexen ökologischen und sozioökonomischen Auswirkungen, die durch gebietsfremde Süßwasser-Megafauna verursacht werden. Die gezielte Ansiedlung dieser großen Fischart im Viktoriasee sollte die Fischerei eigentlich verbessern – doch sie hatte gravierende, unterschätzte Folgen: Die Bestände einheimischer Fische gingen zurück, lokale Fischer verloren ihre Lebensgrundlage, und in den umliegenden Gemeinden nahm die chronische Unterernährung bei Kindern und Müttern zu.

„Solche schädlichen Auswirkungen eingeführter großer Süßwassertiere – insbesondere auf gefährdete oder marginalisierte lokale Gemeinschaften – sind oft komplex und erfordern eine langfristige Beobachtung, um ihr Ausmaß zu verstehen. Im Vergleich zu den Vorteilen könnten die negativen Effekte auf die lokale Bevölkerung in vielen Regionen unterschätzt sein“, sagt Fengzhi He, Professor am Institut für Geographie und Agrarökologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sowie Gastwissenschaftler am IGB.

Er beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit Süßwasser-Megafauna und ist Letztautor dieser Studie, in der das Team die erste globale Bewertung der sozioökonomischen Auswirkungen gebietsfremder Süßwasser-Megafauna durchgeführt hat.

Basierend auf dem Rahmenwerk „Nature’s Contributions to People“ (NCP) und dem Rahmenwerk „Socio-Economic Impact Classification for Alien Taxa“ (SEICAT) kategorisierten die Forschenden sowohl positive als auch negative Auswirkungen und quantifizierten das Ausmaß der Auswirkungen.

40 Prozent der Megafauna-Arten in 142 Länder und Regionen bewusst eingeschleppt

Kleine Arten gelangen oft unbemerkt in neue Gewässer – sie haften an Schiffsrümpfen oder Fischereiausrüstung oder werden von Vögeln transportiert. Süßwasser-Megafauna-Arten sind Tiere mit einem Gewicht von mindestens 30 Kilogramm. Sie werden oft absichtlich außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets eingeführt, weil sie mit einem hohen wirtschaftlichen oder ästhetischen Wert in Verbindung gebracht werden. Das Team identifizierte 93 gebietsfremde Süßwasser-Megafauna-Arten (43 Prozent der 216 existierenden Arten), die außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets eingeführt wurden. Diese Einführungen erstrecken sich über 142 Länder und Regionen auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Die USA haben die höchste Anzahl an eingeführten Süßwasser-Megafauna-Arten (52), gefolgt von China (28), Kanada (23), Russland (19), Belgien (18) und Deutschland (17).

Fast jede zweite untersuchte eingeschleppte Megafauna-Art birgt auch Probleme

Die Studie zeigt, dass von 59 gebietsfremden großen Süßwassertieren, für die ein Nutzen dokumentiert ist, 26 auch negative Auswirkungen haben. Dies gilt insbesondere für große Fischarten wie Karpfen, Lachsartige und Welse. Fast jede zweite dieser Arten bringt demnach nicht nur Vorteile, sondern verursacht Probleme für die heimische Artenvielfalt oder die lokale Bevölkerung. Hierzu zählen neben einer verminderten Ernährungssicherheit auch erhöhte Risiken für die menschliche Gesundheit, Sicherheitsrisiken durch aggressive oder giftige Arten oder Schäden an Eigentum und Infrastruktur.

Eingeschleppte Arten bergen Gefahren für einheimische Arten. Hier zu sehen ein Wels. (Quelle: Michel Roggo)

Wirtschaftliche Vorteile für einzelne Gruppen treiben die Einführung voran

Die Studie ergab zudem, dass die sozioökonomischen Vorteile der eingeführten Süßwasser-Megafauna häufig nur für bestimmte Personengruppen in den betreffenden Regionen entstehen. Die Vorteile wurden vor allem in der Aquakultur und in der Fischerei dokumentiert (57 Prozent), gefolgt von Freizeitaktivitäten wie Angeln und Ökotourismus (20 Prozent) sowie der Bereitstellung von Materialien und der Nutzung als exotische Heimtiere (12 Prozent). Große Süßwassertiere wurden auch in der Hoffnung eingeführt, die natürliche Umwelt zu verbessern. Beispielsweise wurden Silberkarpfen und Marmorkarpfen eingesetzt, um übermäßiges Phytoplanktonwachstum zu kontrollieren, während Graskarpfen zur Reduktion von Wasserpflanzen eingeführt wurden.

Einige Süßwasser-Megafauna-Arten wurden absichtlich für den Handel mit Heimtieren oder für Lederprodukte importiert.

„Wir waren sehr überrascht, dass einige Krokodile für den Handel mit Heimtieren eingeführt wurden. Zum Beispiel werden Brillenkaimane in den USA als Heimtiere gehalten“, sagte Dr. Xing Chen, ehemaliger Doktorand am IGB und Hauptautor der Studie. „In China werden sie oft wegen ihrer Haut eingebracht, um Lederprodukte herzustellen.“

Eine strengere Risikobewertung ist wünschenswert

Da die Einführung von Süßwasser-Megafauna aufgrund der erwarteten wirtschaftlichen Vorteile voraussichtlich weiter zunimmt, empfehlen die Autor*innen eine fundierte Risikobewertung, eine verbesserte Überwachung sowie eine transparenten Kommunikation der positiven wie negativen Folgen.

„Um wirtschaftliche Entwicklung, Biodiversitätsschutz und menschliches Wohlergehen in Einklang zu bringen, braucht es ein umfassendes Verständnis der Chancen und Risiken von Arteinführungen“, sagt Prof. Sonja Jähnig, ebenfalls Letztautorin der Studie und Direktorin des IGB.


Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Sonja Jähnig, IGB

Originalpublikation:
Xing Chen, Thomas G. Evans, Jonathan M. Jeschke, Phoebe Griffith, Sonja C. Jähnig, Fengzhi He, Global assessment of alien freshwater megafauna reveals complex socio-economic impacts, One Earth, 2026, 101623, ISSN 2590-3322,
https://doi.org/10.1016/j.oneear.2026.101623

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Wien erneuert Hochquellenleitung

14. März 2026 um 08:49

Während der Wartungsarbeiten bleibt die Wasserversorgung über die I. Hochquellenleitung und die Grundwasserbrunnen in den Wiener Schutzgebieten gewährleistet, so die Stadt.

„Die Hochquellenleitungen sind die Grundsäulen der Wiener Wasserversorgung. Die Mitarbeiter*innen von Wiener Wasser tragen mit der Instandhaltung der 330 km langen Leitungen eine große Verantwortung“, betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und ergänzt: „Die Hochquellenleitungen liefern unser wichtigstes Lebensmittel in bester Qualität und ersparen Wien enorme Energiekosten.“

Wien investiert jährlich rund 130 Mio. Euro in die Wasser-Infrastruktur. Ziel der Stadt ist es, die Versorgungssicherheit weiter zu stärken und die Systeme an steigenden Wasserbedarf und Klimaherauforderungen anzupassen. Grundlage ist die Strategie „Wiener Wasser 2050“, die auch die laufende Wartung historischer Bauwerke umfasst.

Sanierung der Düker entlang der II. Hochquellenleitung

Neben der regelmäßigen Instandhaltung ist bei der II. Hochquellenleitung die Sanierung ihrer sogenannten Düker vorgesehen – jene Druckleitungen, mit denen die Leitung 19 Täler und Flüsse unterquert. Da in diesen Abschnitten hoher Wasserdruck herrscht, ist die Beanspruchung des Materials besonders groß. In den kommenden Jahren werden daher vier der Düker schrittweise saniert.

„Die Wienerinnen und Wiener können sicher sein, dass wir alles tun, um unsere Hochquellenleitungen in einem top Zustand zu erhalten“, erklärt der Wiener-Wasser-Chef Paul Hellmeier. „Das ist angesichts des hohen Alters der beiden Bauwerke manchmal eine Herausforderung. Aber generell muss man – angesichts der damaligen technischen Möglichkeiten – die zukunftsfähige Bauweise wertschätzen.“

Regelmäßige Wartung im Rahmen der „Abkehr“

Die Wartungsarbeiten an den Hochquellenleitungen erfolgen im Frühjahr und Herbst, wenn der Wasserverbrauch niedriger ist. Je Leitung wird die sogenannte „Abkehr“ viermal jährlich durchgeführt. Dabei wird das Quellwasser im Quellgebiet in die Salza oder Schwarza ausgeleitet, um den Zugang zum Stollen zu ermöglichen. Während dieser bis zu fünf Tage dauernden Arbeiten werden die Leitungen gereinigt, inspiziert und gegebenenfalls Fugen instandgesetzt. Im Zuge der aktuellen Frühjahrsarbeiten besuchen Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und Gemeinderätin Susanne Haase die Baustelle im Bereich Hofstetten (NÖ). Czernohorszky betont:

„Der Frühjahrsputz in der II. Hochquellenleitung ist nur möglich, weil sich die Wiener Wasserversorgung auf unterschiedliche Wasserressourcen stützt. Das zeigt, wie wichtig die Wiener Trinkwasser-Strategie ist, mit der die verfügbaren Wassermengen erhöht und höhere Wassermengen gespeichert werden sollen. In Neusiedl am Steinfeld (NÖ) etwa entsteht derzeit der größte Trinkwasserbehälter der Welt, in dem in Zukunft rund 1 Mrd. Liter Wasser gespeichert werden können.“

Während der Abkehr werden die 29 Wiener Wasserbehälter bis zum maximalen Pegelstand gefüllt. Zusätzlich kann bei Bedarf Wasser aus rund 30 Brunnen in das Netz eingespeist werden. Nach Abschluss der Arbeiten fließt wieder Hochquellwasser aus beiden Leitungen in die Stadt.


(Quelle: Stadt Wien)

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Studie zur Kohlenstofffreisetzung aus Torfseen im Kongobecken

09. März 2026 um 14:09

Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter der Leitung der ETH Zürich hat in den letzten zehn Jahren untersucht, welche Rolle große Schwarzwasserseen im zentralen Kongobecken für den globalen Kohlenstoffkreislauf spielen. Im Fokus standen der Lac Mai Ndombe und der Lac Tumba in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Forschenden analysierten das im Seewasser gelöste CO2 mithilfe von Radiokarbondatierungen, um dessen Herkunft und Alter zu bestimmen. Dabei zeigte sich, dass ein erheblicher Teil des freigesetzten Kohlenstoffs nicht aus jüngst abgestorbener Biomasse stammt.

Bis zu 40 Prozent aus Jahrtausende altem Torf

Den Ergebnissen zufolge stammen bis zu 40 Prozent des emittierten Kohlenstoffs aus Torf, der sich in den umliegenden Sumpf- und Waldgebieten über Tausende von Jahren angesammelt hat. Damit widerlegen die Daten die bisherige Annahme, dass dieser Kohlenstoff langfristig stabil gebunden bleibt.

Die Torfgebiete des Kongobeckens nehmen lediglich rund 0,3 Prozent der globalen Landfläche ein, speichern jedoch etwa ein Drittel des Kohlenstoffs tropischer Torfgebiete. Ihre Bedeutung für das globale Klimasystem gilt daher als hoch.

Bedeutung tropischer Torfökosysteme

Tropische Sumpf- und Torfgebiete spielen demnach eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Im Amazonasbecken, im Kongobecken und in den Feuchtgebieten Südostasiens lagern große Mengen an Kohlenstoff in Form von abgestorbenem, nur langsam zersetztem Pflanzenmaterial. Schätzungen zufolge speichern diese Ökosysteme rund 100 Gigatonnen Kohlenstoff und übernehmen damit eine wichtige Funktion für die langfristige Bindung von Treibhausgasen.

Mechanismen noch ungeklärt

Unklar bleibt, wie der alte Kohlenstoff mobilisiert wird und auf welchem Weg er in die Seen gelangt. Die Forschenden wollen klären, ob es sich um ein langfristig stabiles Gleichgewicht handelt oder um einen Prozess, der auf eine Destabilisierung des Ökosystems hinweist.

Klimatische Veränderungen könnten diesen Prozess verstärken. Längere Trocknungsperioden würden das Austrocknen von Torfschichten begünstigen, wodurch Sauerstoff in tiefere Schichten eindringt und mikrobieller Abbau gefördert wird.

Einfluss von Wasserstand und Landnutzung

In einer ergänzenden Untersuchung analysierte das Team auch Methan- und Lachgasemissionen aus dem Lac Mai Ndombe. Dabei zeigte sich, dass der Wasserstand einen deutlichen Einfluss auf die Methanfreisetzung hat: Niedrige Pegel begünstigen höhere Emissionen.

„Wir befürchten, dass der Klimawandel auch dieses Gleichgewicht aus dem Lot bringt. Werden Trockenheiten länger und intensiver, könnten die Schwarzwasserseen dieser Region zu bedeutenden Quellen von Methan werden, die das globale Klima beeinflussen. Wann der Kipppunkt erreicht ist, wissen wir derzeit nicht“, so ETH-Professor Jordon Hemingway.

Neben klimatischen Faktoren könnten auch Landnutzungsänderungen, etwa Entwaldung und die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen, den Wasserhaushalt und damit die Emissionen beeinflussen.

„Wir alle kennen die Analogie: Wälder sind die grüne Lunge der Erde. Sie sind jedoch nicht nur für den Gasaustausch verantwortlich wie die Lunge, sondern sie verdunsten über ihre Blätter Wasser und reichern damit die Atmosphäre mit Wasserdampf an. Das fördert die Wolkenbildung und den Niederschlag, der wiederum Flüsse und Seen speist“, so Matti Barthel von der ETH Zürich.

Die Arbeiten entstanden im Rahmen des von der ETH Zürich geleiteten Projekts TropSED in Zusammenarbeit mit der Universität Louvain in Belgien sowie der Demokratischen Republik Kongo. Der Schweizerische Nationalfonds förderte das Projekt.


(Quelle: ETH Zürich)

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