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Bundesweites Informationssystem bündelt Niedrigwasserdaten

15. Juli 2026 um 11:10

Mit dem Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS steht seit dem 15. Juli 2026 erstmals ein bundesweites Informationsangebot zur aktuellen Niedrigwassersituation in Deutschland zur Verfügung. Betrieben wird das System von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Ziel ist es, eine einheitliche und vergleichbare Datengrundlage für Bundes- und Landesbehörden, Wirtschaft, Wissenschaft sowie die Öffentlichkeit bereitzustellen.

NIWIS bündelt und visualisiert Messdaten zu Wasserständen, Abflüssen, Grundwasserständen, Quellschüttungen und Niederschlagsverhältnissen. Durch die Kombination räumlicher Analysen und zeitlicher Auswertungen lassen sich Niedrigwasserereignisse schnell überregional bewerten. Interaktive Karten, statistische Kennwerte und historische Vergleiche erleichtern die Einordnung der aktuellen Lage.

Ergänzung bestehender Landesangebote

Das System ergänzt bestehende Informationsangebote der Bundesländer und macht Messdaten erstmals auf Bundesebene sichtbar. Regionale Portale bleiben weiterhin relevant, da sie detailliertere Informationen mit höherer räumlicher Auflösung liefern.

Zusätzlich stellt NIWIS Hintergrundinformationen zum Thema Niedrigwasser bereit und trägt dazu bei, hydrologische Daten und wissenschaftliche Analysen verständlich aufzubereiten.

 

Die Startseite fasst die aktuelle Niedrigwassersituation kompakt zusammen. Quelle: NIWIS

Steigender Bedarf durch Klimaveränderungen

Veränderungen der globalen Zirkulationsmuster erhöhen in Mitteleuropa die Wahrscheinlichkeit von langanhaltenden Trocken- und Niedrigwasserphasen. Diese Entwicklungen stellen Wasserwirtschaft, Schifffahrt, Landwirtschaft, Ökologie und Trinkwasserversorgung vor zunehmende Herausforderungen.

Vor diesem Hintergrund wächst der Bedarf an verlässlichen, einheitlich bewerteten und tagesaktuellen Informationen zum Wasserdargebot. NIWIS schafft hierfür eine zentrale Wissensbasis und erleichtert die Entscheidungsfindung für unterschiedliche Akteure.

Für die Schifffahrt und die Bundeswasserstraßen bietet das System ein belastbares Lagebild sowie eine vergleichbare Bewertung der Niedrigwassersituation über verschiedene Gewässer hinweg. Damit dient NIWIS auch als fachliche Grundlage für Management- und Kommunikationsprozesse.

Entwicklung im Verbund von Bund und Ländern

Das Informationssystem wurde in Zusammenarbeit mit Bundes- und Landesbehörden innerhalb der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) entwickelt. Es ist Teil der Nationalen Wasserstrategie des BMUKN.

Mit NIWIS übernimmt die BfG eine zentrale Rolle als nationales Datenzentrum „Wasser“ und bringt ihre Expertise im Datenmanagement sowie in der wissenschaftlichen Analyse ein. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern ermöglicht eine übergreifende Bereitstellung von Informationen zum Niedrigwassermanagement.

Ausbau und zukünftige Erweiterungen

Dank des modularen Aufbaus kann das System kontinuierlich weiterentwickelt werden. Geplant ist die Integration zusätzlicher Parameter, Modelldaten sowie eine geografische Erweiterung über Deutschland hinaus. Auch Rückmeldungen der Nutzenden sollen in zukünftige Anpassungen einfließen.

Die Datengrundlage umfasst derzeit Messwerte aus rund 350 Messstellen an Oberflächengewässern sowie etwa 200 Grundwassermessstellen. Ergänzt werden diese durch hydrometeorologische Daten des Deutschen Wetterdienstes.

Mit NIWIS steht damit erstmals eine zentrale Plattform zur Verfügung, die umfassende und vergleichbare Informationen zur Niedrigwassersituation in Deutschland bereitstellt und den Umgang mit Wasserknappheit unterstützt.

Zu NIWIS

Quelle: BfG – Aktuelles – Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS gestartet

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Extremhitze bringt Flüsse an ihre Belastungsgrenze

15. Juli 2026 um 07:42

 

Die Hitzewelle im Juni 2026 zählt zu den außergewöhnlichsten Wetterereignissen, die Europa bislang erlebt hat. In zahlreichen Ländern wurden neue Temperaturrekorde gemessen, vielerorts sanken die Temperaturen selbst in den Nachtstunden kaum ab. Ein interdisziplinäres Forschungsteam des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Ursachen der langanhaltenden Hitze sowie deren Auswirkungen auf Wasserhaushalt, Energieversorgung, Infrastruktur und Gesundheit untersucht.

Rekordhitze mit weitreichenden Folgen

„Die Hitzewelle hat nicht nur Rekorde gebrochen – sie tat dies zeitgleich über einen ungewöhnlich großen Teil Europas hinweg“, sagt Professor Michael Kunz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT, einer der Autoren des Berichts und Sprecher des CEDIM. „Allein in Deutschland wurden an 252 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) neue Allzeitrekorde der Tageshöchsttemperaturen verzeichnet. Europaweit zeigt unsere Analyse, dass die räumliche Ausdehnung der Juni-Hitzewelle alles übertrifft, was seit Beginn der Wetteraufzeichnung in den Datensätzen beobachtet wurde.“

Neben den außergewöhnlich hohen Tageswerten seien vor allem die warmen Nächte bemerkenswert gewesen, die Mensch und Umwelt kaum Zeit zur Erholung ließen.

„Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung waren erheblich. Das Robert Koch-Institut geht von bis zu 5 200 Sterbefällen aus“, so Kunz.

Flüsse und Ökosysteme unter Druck

Die Hitze wirkte sich nicht nur auf die Lufttemperaturen aus, sondern auch auf die Gewässer. Steigende Wassertemperaturen, sinkende Sauerstoffgehalte und früh einsetzendes Niedrigwasser belasteten Flüsse und ihre Ökosysteme erheblich. Regional kam es zu Fischsterben, zugleich verschärften sich die Einschränkungen für Schifffahrt sowie die Nutzung der Flüsse als Kühlwasserquelle.

„Im Bereich der Obermosel sank der Sauerstoffgehalt zeitweise auf nur noch 2,6 Milligramm pro Liter; vorher lag er bei rund sechs Milligramm pro Liter. Gleichzeitig überschritten Rhein und Mosel eine Wassertemperatur von über 28 Grad“, sagt der Experte. „Solche Entwicklungen gefährden Ökosysteme, beeinträchtigen die Schifffahrt und schränken die Nutzung der Flüsse als Kühlwasserquelle für Industrie und Energiewirtschaft ein.“

Wechselwirkungen erhöhen das Risiko

Aus Sicht der Forschenden sind vor allem die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Folgen der Hitze entscheidend. Während die Photovoltaik von der intensiven Sonneneinstrahlung profitierte, ging die Windstromerzeugung gleichzeitig deutlich zurück. Treffen diese Entwicklungen auf Niedrigwasser und hohe Kühlwassertemperaturen, können mehrere kritische Infrastrukturen gleichzeitig unter Druck geraten.

„Hitze erzeugt Kaskadeneffekte. Während die Photovoltaikproduktion in Deutschland im Untersuchungszeitraum vom 13. bis 29. Juni um rund 31 Prozent zunahm, ging die Windstromerzeugung gleichzeitig um fast 29 Prozent zurück“, erklärt Kunz. „Kommen diese Veränderungen mit niedrigen Flusspegeln und hohen Kühlwassertemperaturen zusammen, die den Betrieb thermischer Kraftwerke einschränken können, geraten mehrere Versorgungssysteme gleichzeitig unter Druck.“

Aus den gemeinsam mit dem CEDIM-Team erarbeiteten Ergebnissen zieht Kunz ein klares Fazit: „Genau diese Wechselwirkungen werden künftig entscheidend sein. Anhaltende Hitze ist ein Systemrisiko für Europa.“

Fünf Tipps für heiße Tage

  • Ausreichend trinken – regelmäßig Wasser oder ungesüßte Getränke trinken, auch ohne Durstgefühl.
  • Hitze meiden – körperliche Anstrengungen möglichst in die frühen Morgen- oder Abendstunden verlegen.
  • Wohnräume kühl halten – tagsüber Fenster geschlossen halten und verschatten, nachts lüften.
  • Körper kühlen – lauwarme Duschen, feuchte Tücher oder kühle Fußbäder helfen, die Körpertemperatur zu senken.
  • Besonders gefährdete Menschen im Blick behalten – ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke benötigen bei Hitze oft zusätzliche Unterstützung.

 

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Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main wählt neuen Vorstand

14. Juli 2026 um 12:51

Auf der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main (WRM) im Juni haben die Mitglieder den Vorstand für die neue Amtsperiode gewählt. Elisabeth Jreisat, Geschäftsführerin der Hessenwasser GmbH & Co. KG, wurde als Vorsitzende des WRM-Vorstands im Amt bestätigt. Ebenfalls wiedergewählt wurden Joachim Arnold, Vorstand der Oberhessischen Versorgungsbetriebe AG, und Armin Kromer, Geschäftsführer und Verbandsdirektor des Wasserbeschaffungsverbands Riedgruppe-Ost, als stellvertretende Vorsitzende. Neu in den Vorstand wurde Gerrit Kania, Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO), gewählt.

Mit der Geschäftsführung und Leitung der WRM-Geschäftsstelle am Standort der Hessenwasser in Dornheim wurde erneut Nadja Dohmen, Abteilungsleiterin Kunden- und Bezugsmanagement bei Hessenwasser, betraut. Die Geschäftsstelle verantwortet das operative Geschäft der Arbeitsgemeinschaft und koordiniert die laufende fachliche sowie organisatorische Arbeit der WRM.

Dank für das Vertrauen und neues Vorstandsmitglied

Jreisat bedankte sich bei den Mitgliedern der WRM für das erneute Vertrauen und die konstruktive Zusammenarbeit: „Die Wahl ist ein starkes Zeichen für den gemeinsamen Willen, die Wasserversorgung in der Rhein-Main-Region fachlich fundiert, partnerschaftlich und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Mein Dank gilt allen Mitgliedern, die sich mit hoher Expertise und großem Verantwortungsbewusstsein in die Arbeit der WRM einbringen“, so Jreisat.

Zugleich begrüßte sie Gerrit Kania als neues Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft.

„Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Gerrit Kania im WRM-Vorstand. Mit ihm wird die langjährige und bewährte Einbindung des ZWO in die Arbeit der WRM in neuer personeller Besetzung fortgeführt“, sagte Jreisat.

Leitungsverbund und Versorgungssicherheit im Fokus

Ein zentrales Vorhaben der kommenden Amtsperiode ist die Fortschreibung der Leitungsverbundstudie. Dabei sollen die Leistungsfähigkeit und die Weiterentwicklung des regionalen Verbundsystems erneut umfassend untersucht werden. Ziel ist es, die Wasserversorgung in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main weiter zu stärken, an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen und die Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.

Mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen betonte Jreisat: „Klimawandel, längere Trockenphasen, steigende Anforderungen an die Infrastruktur und die dynamische Entwicklung der Region machen deutlich: Eine sichere Trinkwasserversorgung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die WRM bietet dafür den fachlichen Rahmen, um über kommunale und institutionelle Grenzen hinweg tragfähige Lösungen zu entwickeln“.


Quelle: Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main (WRM)

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Mit moderner Technik für sauberes Trinkwasser

13. Juli 2026 um 12:32

Mit der Inbetriebnahme der Weitergehenden Aufbereitungsanlage (WAA) im Wasserwerk Halingen hat die Wasserwerke Westfalen GmbH (WWW) die Modernisierung ihrer Trinkwasseraufbereitung abgeschlossen. Zehn Jahre nach der ersten Anlage im Wasserwerk Echthausen verfügen nun alle fünf Wasserwerke des Unternehmens über zusätzliche technische Aufbereitungsstufen, die das bewährte naturnahe Verfahren ergänzen und die Trinkwasserversorgung langfristig absichern.

„Mit der heutigen Inbetriebnahme der WAA Halingen haben wir das Ende unseres Modernisierungsmarathons erfolgreich abgeschlossen. Nun stellen fünf hochmoderne Wasserwerke die Trinkwasserversorgung im Netzverbund mit Gelsenwasser und DEW21 sicher“, sagt WWW-Geschäftsführer Bernd Heinz.

160 Millionen Euro für die Trinkwasserversorgung

Insgesamt investierten Wasserwerke Westfalen gemeinsam mit den Gesellschaftern DEW21 und Gelsenwasser rund 160 Millionen Euro in die Modernisierung der Wasserwerke. Rund 40 Millionen Euro entfielen auf den Standort Halingen. Ziel der Investitionen ist es, die Versorgung auch gegenüber heute noch unbekannten mikrobiologischen oder chemischen Belastungen zukunftssicher aufzustellen.

„Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und gemeinsam übernehmen wir Verantwortung für seinen Schutz. Durch diese Investition sind wir auf heute noch nicht bekannte, möglicherweise in Zukunft neu auftretende mikrobiologische oder chemische Belastungen vorbereitet“, erklärt Peter Flosbach, Geschäftsführer von DEW21.

Auch Dr. Dirk Waider, Vorstand von Gelsenwasser, hebt die Bedeutung der Investition hervor: „Die Ruhr ist die wichtigste Trinkwasserressource in NRW. Mit der Umsetzung der erweiterten Aufbereitung sichern wir die Trinkwasserqualität für die nächste Generation. Ich bin froh, dass diese große, komplexe Investition im geplanten Budget umgesetzt wurde.“

Naturnahe Aufbereitung durch moderne Verfahren ergänzt

Mit den neuen Anlagen setzt WWW die Vorgaben des Programms „Reine Ruhr“ des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums um. Die bestehende naturnahe Wasseraufbereitung wurde um zusätzliche technische Verfahrensschritte ergänzt. Dazu zählen die Ozonung, Flockung, Mehrschichtfiltration sowie die Adsorption an Kornaktivkohle. Dadurch können unter anderem Trübstoffe, organische Verbindungen, Pflanzenschutzmittel und Medikamentenrückstände noch effektiver entfernt werden.

Auch die Nachbehandlung wurde modernisiert. Die bisherige chemische Entsäuerung wurde durch ein rein physikalisches Verfahren ersetzt. Zudem erfolgt die Desinfektion heute mittels UV-Licht, wodurch auf Chlordioxid verzichtet werden kann.

Modernisierung im Jubiläumsjahr abgeschlossen

Der Abschluss des Projekts fällt in das 25. Jubiläumsjahr der Wasserwerke Westfalen GmbH. Seit der Gründung des Unternehmens wurden die ursprünglich acht Wasserwerke schrittweise auf fünf Standorte reduziert, um Synergien zu nutzen und die Trinkwasserversorgung wirtschaftlich sowie technisch weiterzuentwickeln. Mit der Fertigstellung der WAA Halingen ist dieser Modernisierungsprozess nun abgeschlossen.

„Mit der Zusammenlegung der Wasserwerke von DEW21 und Gelsenwasser im Jahr 2001 konnte eine Fokussierung bei den Standorten erfolgen und die neuen Aufbereitungsanlagen somit im Verbund kosten-, kompetenz- und prozessoptimiert umgesetzt werden – eine echte Erfolgsgeschichte“, berichtet WWW-Geschäftsführerin Friederike Konold-Rüsel.


Quelle: Wasserwerke Westfalen

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Auszeichnung für herausragende Projekte im Wasserbau

10. Juli 2026 um 13:26

Der Bundesvorstand des Bundes der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK) hat auf seiner Frühjahrssitzung 2026 beschlossen, künftig den Deutschen Wasserbaupreis zu vergeben. Mit der Auszeichnung sollen herausragende Leistungen des wasserwirtschaftlichen Ingenieurwesens gewürdigt werden, die Nachhaltigkeit, Funktionalität und technische Innovation im Wasserbau und in der Wasserwirtschaft vereinen. Gleichzeitig soll der Preis verdeutlichen, dass eine leistungsfähige wasserbauliche und wasserwirtschaftliche Infrastruktur ein unverzichtbarer Bestandteil der staatlichen Daseinsvorsorge ist.

Ingenieurleistungen sichtbar machen

Der Deutsche Wasserbaupreis ist undotiert. Er soll den gesellschaftlichen Wert von Ingenieurleistungen in den Bereichen Wasserwirtschaft, Wasserbau sowie Küsten- und Hochwasserschutz hervorheben und deren Bedeutung für Umwelt- und Klimaschutz stärker in den Fokus rücken. Künftig wird der Preis alle zwei Jahre vom BWK ausgelobt und im Rahmen der feierlichen Eröffnung des BWK-Bundeskongresses verliehen.

Teilnahme und Bewertung

Vorgeschlagen werden können Anlagen und Objekte der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur sowie des Hochwasser- und Küstenschutzes. Zugelassen sind Projekte aus den Bereichen Neubau, Instandsetzung, Sanierung, Erweiterung oder Ertüchtigung. Nach einer formalen Prüfung bewertet eine Jury die eingereichten Wettbewerbsunterlagen. Sie setzt sich aus den Mitgliedern des Ausschusses für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Klimawandel des BWK zusammen.

Bewerbungsberechtigt sind Planungsbüros, Bauunternehmen sowie Eigentümer oder Betreiber der Anlagen und Objekte. Bewerbungen von planenden Büros und ausführenden Unternehmen sind jedoch nur gemeinsam mit dem jeweiligen Eigentümer oder Betreiber zulässig.

Der Deutsche Wasserbaupreis wird erstmalig im Jahr 2027 vergeben. Er wird einer wasserwirtschaftlichen Anlage oder einem Objekt wasserwirtschaftlicher Infrastruktur verliehen und dem Eigentümer, Betreiber oder Unterhaltungspflichtigen übergeben. Teilnahmeberechtigt sind nur Anlagen oder Objekte, deren VOB-Abnahme zum Zeitpunkt des Endes der Bewerbungsfrist nicht länger als fünf Jahre zurück liegt. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Mai 2027.

Weitere Informationen

Quelle: BWK-Presse

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Aqua Urbanica 2026 in Kaiserslautern

10. Juli 2026 um 07:16

 

Vom 21. bis 23. September 2026 findet in Kaiserslautern die 15. Ausgabe der Aqua Urbanica statt. Die Fachtagung steht unter dem Motto „verstehen, was ist“ und wird von der RPTU Kaiserslautern-Landau, Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft, in Kooperation mit der DWA veranstaltet.

Messdaten als Grundlage für neue Modellansätze

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie reale Messdaten künftig stärker für die Bemessung und Modellierung von Systemen der Stadtentwässerung genutzt werden können. Während bislang häufig theoretische Modelle oder Laborversuche die Grundlage bilden, ermöglichen Fortschritte in der Mess- und Datentechnik inzwischen eine kontinuierliche Erfassung von Abfluss- und Stofftransporten in realen Systemen. Die gewonnenen Daten bestätigen teilweise bestehende Modellansätze, machen aber ebenso deutlich, dass etablierte Prozessmodelle überprüft oder neu gedacht werden müssen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Modellierung naturnaher Systeme der Regenwasserbewirtschaftung. Dabei gewinnen Prozesse wie die Wasseraufnahme und Verdunstung durch Pflanzen zunehmend an Bedeutung und sollen künftig stärker in stadthydrologischen Modellen berücksichtigt werden. Unter dem Leitthema „beobachten & modellieren, was ist“ widmet sich die Veranstaltung unter anderem den Themen Mischwasserüberläufe, Mikroverunreinigungen, Behandlung von Regenabflüssen, Monitoring von Entwässerungssystemen, blau-grüne Infrastrukturen, Wasserextreme sowie allgemeinen Fragestellungen der Wasserinfrastruktur.

Die Aqua Urbanica wird jährlich von sechs siedlungswasserwirtschaftlichen Schwesterinstitutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam mit den Fachverbänden DWA, ÖWAV und VSA ausgerichtet. Sie versteht sich als Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Planung, Behörden, Betriebspraxis und Unternehmen im deutschsprachigen Raum.

Zur Anmeldung


Quelle: RPTU Rheinland-Pfälzische Technische Universität

 

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BUND-Recherche zeigt Defizite beim Hochwasserschutz

09. Juli 2026 um 13:03

 

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ist Deutschland nach Einschätzung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) noch immer nicht ausreichend auf zunehmende Wetterextreme vorbereitet. Eine neue Recherche zeigt, dass Flüssen weiterhin wichtige Überschwemmungsflächen verloren gehen und Investitionen überwiegend in technische Schutzmaßnahmen fließen.

Flüsse verlieren weiter Überschwemmungsflächen

Nach Angaben des BUND wurden viele natürliche Überflutungsflächen in den vergangenen Jahrzehnten durch Siedlungen und Straßen ersetzt. Bundesweit haben Flüsse bereits zwei Drittel ihres ursprünglichen Raums zum Ausufern verloren. In Nordrhein-Westfalen beträgt der Verlust 39 Prozent, in Rheinland-Pfalz 24 Prozent und in Bayern 46 Prozent.

Angesichts der Klimakrise könne dies gravierende Folgen haben. Mit steigenden Temperaturen im Nordatlantik und im Mittelmeer sei künftig häufiger mit Starkregenereignissen und damit verbundenen Hochwassern zu rechnen. Erstmals liefert die BUND-Recherche einen Gesamtüberblick über den Verlust von Überschwemmungsflächen an den 79 größten Flüssen Deutschlands sowie über die Investitionen der Bundesländer in den Hochwasserschutz. Zwischen 2014 und 2024 flossen demnach jährlich durchschnittlich rund 301 Millionen Euro in Deiche und andere technische Maßnahmen, während für Deichrückverlegungen lediglich rund sieben Millionen Euro bereitgestellt wurden.

Verena Graichen, BUND-Geschäftsführerin Politik: „Wir wissen fünf Jahre nach der Ahrtalflut, dass wir uns besser vor Hochwasser schützen müssen. Aber enge Bebauung, höhere Deiche und immer mehr Polder sind keine adäquate Antwort – mit ihnen können die Fluten während der Hochwasserphase zwar gemanagt werden, ein absoluter Hochwasserschutz ist aber technisch weder machbar noch wirtschaftlich sinnvoll. Hinzu kommt: In Zeiten zunehmender Wasserknappheit und Grundwasserstress lassen wir unser kostbares Wasser dann einfach wegspülen, anstatt es im Boden zu speichern. Was wir brauchen ist mehr Raum für die Flüsse, Geld für die Wiederherstellung von Auen, ein Stopp bei der Flächenversiegelung und Investitionen in ökologischen Hochwasserschutz.“

Hochwasserschutz-Investitionen

Versiegelung schwächt den natürlichen Wasserrückhalt

Nur etwa ein Prozent der heutigen Auen befindet sich laut BUND noch in einem nahezu natürlichen Zustand. Auf 43 Prozent der ehemaligen Auen wird Grünland genutzt, weitere 26 Prozent entfallen auf Ackerflächen. Rund sieben Prozent werden heute als Siedlungs-, Verkehrs- oder Gewerbeflächen genutzt und sind entsprechend stark versiegelt. Feuchtgebiete und nasse Wiesen machen weniger als drei Prozent der heute noch regelmäßig überflutbaren Auen aus.

Zwar haben die heutigen Auen geringfügig an Fläche gewonnen, ihre Fähigkeit, Wasser zurückzuhalten, sei jedoch durch zunehmende Versiegelung gesunken. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) hat ermittelt, dass trotz Bebauungsverbotes in festgesetzten Überschwemmungsgebieten zwischen 2019 und 2023 der Anteil der bebauten Flächen in den rezenten Auen bundesweit um 2,75 km² (0,04 Prozent) zunahm. Das entspricht einer Fläche von rund 385 Fußballfeldern. Nach Einschätzung des BUND wurden die Fortschritte durch Deichrückverlegungen dadurch wieder aufgehoben.

Graichen: „In Deutschland wird zu viel Geld in die falschen Maßnahmen investiert. Bund, Länder und Kommunen sollten vermehrt auf ökologischen Hochwasserschutz setzen. Damit schützen wir uns am besten vor Starkregen und sorgen dafür, dass Wasser gespeichert wird, das uns in trockenen Sommern zur Verfügung steht.“

Wie wirkungsvoll Deichrückverlegungen sein können, zeigt nach Angaben des BUND das Beispiel Lenzen an der Elbe. Mit einer Fläche von 420 Hektar zählt die dortige Maßnahme zu den größten ihrer Art in Deutschland. Beim Elbe-Hochwasser 2013 sank der Wasserstand vor Ort dadurch um 50 Zentimeter. Gleichzeitig entstand eine wieder überflutbare Aue, die sowohl die biologische Vielfalt fördert als auch als Kohlenstoffspeicher dient.

BUND fordert mehr naturbasierte Lösungen

Die Recherche kommt zu dem Schluss, dass Bund, Länder und Kommunen weiterhin überwiegend in technischen Hochwasserschutz investieren, obwohl ökologischer Hochwasserschutz Hochwasserschäden mindern und gleichzeitig Natur und Umwelt stärken könne. Zudem seien zwei Drittel der ursprünglichen Altauen in Deutschland verloren gegangen, während die wenigen Erfolge durch Deichrückverlegungen durch neue Flächenversiegelungen wieder zunichtegemacht würden.

Der BUND fordert deshalb, dem ökologischen Hochwasserschutz Vorrang einzuräumen, die Neuversiegelung von Flächen auf null zu reduzieren, den Ausstoß von Treibhausgasen weiter zu senken und die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur stärker für die Verbesserung der Wasser- und Klimaresilienz zu nutzen.

Zur Studie


Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V.,

 

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Jubiläum für den Feuchtgebietsschutz

09. Juli 2026 um 07:12

Moore speichern enorme Mengen Kohlenstoff, Feuchtgebiete schützen vor Hochwasser, sichern Wasser in Trockenzeiten und bieten unzähligen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Dass diese Ökosysteme zu den wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise gehören, war die zentrale Botschaft der Festveranstaltung „50 Jahre Ramsar Konvention in Deutschland“. Dazu kamen am 29. Juni rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Naturschutz sowie Städten und Gemeinden im Inselhotel in Konstanz zusammen. Das Ramsar-Abkommen ist das einzige völkerrechtlich verbindliche Umweltabkommen weltweit, das sich dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten widmet.

Die im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUKN) sowie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) von der Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) organisierte Tagung zog Bilanz über fünf Jahrzehnte Ramsar-Arbeit in Deutschland und richtete zugleich den Blick auf künftige Herausforderungen.

Feuchtgebietsschutz als gemeinsame Aufgabe

Durch das Programm führte Moderator Christoph Tiemann. Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im BMUKN, eröffnete die Veranstaltung mit einer Rede zur zentralen Rolle intakter Feuchtgebiete für den globalen Klimaschutz.

Sie betonte, dass der Erhalt dieser Ökosysteme im Sinne der Ramsar-Leitlinien eine vordringliche internationale Verantwortung ist: „Angesichts der derzeitigen Hitzewelle und Trockenheit wird überdeutlich, wie wichtig Moore, Auen oder andere Feuchtgebiete für uns sind: Sie halten Wasser in der Landschaft, schützen also gegen Wasserknappheit und sie wirken abkühlend. Neben dieser für uns alle spürbaren Funktion sind sie noch viel mehr: sie sind wichtiger Lebensraum für diverse Tier- und Pflanzenarten, machen uns widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels und helfen gegen den Verlust biologischer Vielfalt. Sie sind wahre Alleskönner, auf die wir nicht verzichten können, und die wir deshalb schützen und stärken müssen“, so Rita Schwarzelühr-Sutter.

Daran anschließend rückte Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, gesunde Ökosysteme auf regionaler Ebene in den Mittelpunkt.

„Feuchtgebiete spielen in vielerlei Hinsicht eine bedeutende Rolle. Sie bieten Schutz und Raum für zahlreiche heimische Tiere und Pflanzen, binden wirksam Kohlenstoff, dienen als natürliche Wasserspeicher und helfen, die Folgen des Klimawandels abzumildern. Der Schutz von Feuchtgebieten, ihre nachhaltige Nutzung und Wiederherstellung ist daher in unser aller höchstem Interesse. Die Ramsar Konvention bietet hierfür einen stabilen internationalen Rahmen und ist von großer Bedeutung für Erhalt dieser einzigartigen Naturräume“, so Thekla Walker.

Der Konstanzer Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn begrüßte die Gäste in der Konzilsstadt und stellte unter dem Leitmotiv „global denken, lokal handeln“ kommunale Ansätze vor. Er hob hervor, wie wichtig es ist, Naturschutz, Naherholung, Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung im Sinne des „Wise Use“-Prinzips, also der nachhaltigen Nutzung, der Ramsar Konvention miteinander in Einklang zu bringen. Zugleich würdigte er die Arbeit lokaler Naturschutzorganisationen.

Exkursion ins Ramsar-Gebiet Mindelsee 2 Quelle: GNF

Internationale Perspektiven und praktische Beispiele

Einen globalen Überblick über die Chancen weltweiter Abkommen auf lokaler Ebene gab Dr. Musonda Mumba, Generalsekretärin der internationalen Feuchtgebiets-Konvention. Sie zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Akteure vor Ort und appellierte daran, eine starke Brücke zur nächsten Generation zu schlagen, um der Jugend einen intakten Planeten zu hinterlassen. Als Zeichen der Anerkennung überreichte Dr. Mumba eine offizielle Ramsar-Urkunde sowie die Ramsar-Flagge an das BMUKN, vertreten durch Rita Schwarzelühr-Sutter.

Wie die Instrumente der Konvention konkret angewendet werden, zeigten mehrere Praxisberichte. Dr. Kim Grützmacher, Leiterin des Fachgebiets Internationaler Naturschutz beim Bundesamt für Naturschutz (BfN), gab Einblicke in die bundesweite Umsetzung des Ramsar-Regelwerks. Dr. Raphael Rehm von der ARGE Schwäbisches Donaumoos e.V. präsentierte das Schwäbische Donaumoos als Modellregion für Klimaschutz und regionale Wertschöpfung. Susanne Pimentel vom Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört stellte die grenzüberschreitende Ramsar-Zusammenarbeit am Oberrhein vor und machte damit die internationale Dimension direkt vor der Haustür sichtbar.

Innovative Ansätze für den urbanen Feuchtgebietsschutz präsentierten Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des Global Nature Fund, Marion Klose, Leiterin des Amts für Stadtplanung und Umwelt der Stadt Konstanz, sowie Dr. Mathias Scholz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Im Mittelpunkt standen Zukunftsmodelle für eine nachhaltige städtische Entwicklung, darunter die Auszeichnung „Wetland City“ der Ramsar Konvention, sowie die Herausforderungen eines nachhaltigen städtischen Wassermanagements am Beispiel von Konstanz und der Renaturierung im Leipziger Auwald. Die Botschaft war eindeutig: Moderne Stadtentwicklung und wirksamer Naturschutz schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich.

Nationale und internationale Expertinnen und Experten, darunter Ann Christin Kornelsen, Gründerin der Mission to Marsh gGmbH, Elena Kmetova-Biro, Projektkoordinatorin LIFE WILDisland, der Ramsar-Jugendvertreter für Deutschland Moritz Röhlke sowie Dr. Mumba, diskutierten über die gesellschaftliche Wahrnehmung von Mooren und Feuchtgebieten. Weitere Themen waren internationale Kooperationen im Rahmen der Konvention, die Beteiligung junger Menschen sowie politische und praktische Herausforderungen beim Schutz und bei der Wiederherstellung von Feuchtgebieten. Die Diskussion zeigte auch Perspektiven für Deutschland auf und verdeutlichte, welche Chancen eine stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft bietet.

Zum Abschluss des Vormittages fand Rita Schwarzelühr-Sutter eindringliche Worte, die die Zukunftsrelevanz der Feuchtgebietsarbeit unterstrichen.

Exkursion ins Ramsar-Gebiet Wollmatinger Ried 2 . Quelle: Global Nature Fund

Ramsar-Gebiete als Orte gelebten Naturschutzes

Nach dem intensiven Vormittagsprogramm und einer Pause wechselten die Teilnehmenden bei hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad direkt in die Feuchtgebiete. Auf drei Exkursionsrouten erlebten sie Naturschutz im Feuchtgebiet internationaler Bedeutung „Bodensee: Wollmatinger Ried – Gierenmoos und Mindelsee“ aus nächster Nähe.

Die Führungen durch das Wollmatinger Ried, das größte und älteste Naturschutzgebiet am deutschen Bodenseeufer und Herzstück des dortigen Ramsar-Areals, wurden vom NABU-Bodenseezentrum geleitet. Der BUND Baden-Württemberg führte die Gruppe um den Mindelsee und zeigte, wie der Erhalt naturnaher Wälder und Niedermoore zur regionalen Biodiversität beiträgt und zugleich internationale Schutzstandards erfüllt. Die Exkursionen machten deutlich: Ramsar-Gebiete sind keine statischen Denkmäler, sondern vitale Zukunftsorte des globalen Klimaschutzes.

Die Jubiläumsveranstaltung veranschaulichte, dass Feuchtgebiete 50 Jahre nach dem Beitritt Deutschlands zur Ramsar-Konvention wichtiger denn je sind. Das gemeinschaftliche Engagement und die vielfältigen Beiträge machten den Tag zu einer Veranstaltung voller Begegnungen und starker Impulse für den bundesweiten Feuchtgebietsschutz.

 

 


Quelle: Global Nature Fund

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OOWV treibt Ausbau der Infrastruktur weiter voran

08. Juli 2026 um 14:00

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat seine Investitionen in die Infrastruktur erneut erhöht. Im vergangenen Jahr flossen 107 Millionen Euro in die Wasserversorgung und weitere 58 Millionen Euro in die Abwasserbeseitigung. Das geht aus dem Jahresabschluss hervor, den die Verbandsversammlung am Dienstag beschlossen hat. Gegenüber 2024 entspricht dies einer weiteren leichten Steigerung.

Klimawandel, steigender Wasserbedarf und höhere Anforderungen an die kritische Infrastruktur prägen die Arbeit des OOWV zunehmend.

„Die Herausforderungen für die Wasserwirtschaft haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Netze, Anlagen und Werke konsequent weiterentwickeln und auf die Anforderungen der Zukunft vorbereiten“, sagte Verbandsvorsteher Sven Ambrosy. „Mit diesen Investitionen schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass die Menschen und Unternehmen im Nordwesten auch künftig auf eine sichere Wasserver- und Abwasserentsorgung vertrauen können.“

OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht verwies auf die langfristige Entwicklung: „Die Investitionen in die Wasserversorgung haben sich seit 2018 nahezu verfünffacht. Das zeigt, wie konsequent wir den Ausbau und die Modernisierung unserer Infrastruktur in den vergangenen Jahren vorangetrieben haben.“

Anhaltend hoher Wasserbedarf

Wie notwendig dieser Kurs ist, zeigt der anhaltend hohe Wasserbedarf. Die Trinkwasserabgabe lag 2025 bei 84,8 Millionen Kubikmetern – 1,1 Millionen Kubikmeter mehr als im Vorjahr und 4,3 Millionen Kubikmeter mehr als 2023.

Zu den größten Projekten zählt der Neubau des Wasserwerks Marienhafe im Landkreis Aurich. Das moderne Wasserwerk befindet sich inzwischen auf der Zielgeraden und soll die Trinkwasserversorgung in der Region langfristig sichern sowie flexibler auf künftige Anforderungen reagieren. Ein weiteres Schlüsselprojekt ist die Wassertransportleitung von Sandelermöns im Landkreis Friesland nach Diekmannshausen in der Wesermarsch. Sie soll künftig zusätzliche Möglichkeiten schaffen, Wassermengen innerhalb des Versorgungsnetzes zu verteilen und damit insbesondere in Trockenzeiten die Versorgungssicherheit weiter erhöhen.

Wie wichtig solche Maßnahmen sind, zeigte sich erst in der vergangenen Woche. Am 26. Juni gaben die 13 OOWV-Wasserwerke innerhalb von 24 Stunden 320.163 Kubikmeter Trinkwasser ab. An einem gewöhnlichen Tag liegt die Abgabemenge zwischen 220.000 und 230.000 Kubikmetern. Darüber hinaus zählt die Brauchwasseranlage Nordenham in der Wesermarsch zu den zentralen Bausteinen der Wasserstrategie des OOWV. Ziel ist es, Industrieunternehmen verstärkt mit Brauchwasser zu versorgen und so wertvolle Trinkwasserressourcen zu schonen. Weitere Investitionen flossen unter anderem in das Speicherpumpwerk Kneheim sowie in zahlreiche Projekte zur Modernisierung und Erneuerung der bestehenden Infrastruktur.

Kläranlagen werden modernisiert und erweitert

Auch im Bereich der Abwasserbeseitigung setzte der OOWV zahlreiche Ausbau- und Modernisierungsprojekte um. Auf der Kläranlage Oldenburg wurde die Modernisierung und Erweiterung der Schlammbehandlung fortgeführt. Gleichzeitig wird die energetische Eigenversorgung des Standorts ausgebaut. Mit einem neuen Faulturm und der Erneuerung weiterer technischer Anlagen schafft der Verband die Voraussetzungen, um den steigenden Anforderungen an die Abwasserreinigung und Klärschlammverwertung langfristig gerecht zu werden. Die Anlage übernimmt dabei eine zentrale Rolle für die Klärschlammbehandlung im Verbandsgebiet und bildet einen wichtigen Baustein für die künftige Klärschlammverwertung über die Monoverbrennungsanlage KENOW in Bremen, die der OOWV gemeinsam mit Partnern realisiert hat.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Kläranlagen Lindern im Landkreis Cloppenburg und Esens im Landkreis Wittmund. In Lindern wird die Abwasserreinigung umfassend modernisiert, um einen langfristig sicheren und energieeffizienten Betrieb zu gewährleisten. In Esens erweitert der OOWV die Kapazität der Anlage, um dem regionalen Wachstum und den saisonal stark schwankenden Abwassermengen gerecht zu werden. Zusätzlich setzte der Verband weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und Eigenversorgung seiner Anlagen um.

„Die Anforderungen an die Abwasserbeseitigung nehmen kontinuierlich zu – sei es durch neue gesetzliche Vorgaben, den Klimawandel oder steigende Erwartungen an den Gewässer- und Umweltschutz“, sagte OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht. „Unsere Investitionen dienen deshalb nicht nur dem Erhalt bestehender Anlagen. Sie erhöhen die Entsorgungssicherheit, stärken die Resilienz unserer Infrastruktur und schaffen die Voraussetzungen dafür, auch künftig verlässlich handeln zu können.“

Die Verbandsversammlung entlastete Vorstand und Geschäftsführung einstimmig für das Wirtschaftsjahr 2025.

Zum OOWV


Quelle: OOWV

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Warum Meerestiere in Klimakrisen kleiner werden

08. Juli 2026 um 08:04

Ob Muscheln, Krebse oder Fische: Meerestiere reagieren seit Hunderten Millionen Jahren auf Umweltkrisen häufig mit einer Abnahme ihrer Körpergröße. Das zeigt eine neue Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gemeinsam mit den Universitäten Warschau und Lille. Demnach ist der sogenannte „Lilliput-Effekt“ insbesondere während starker globaler Erwärmungsphasen ausgeprägt. Die Forschenden sehen darin ein Warnsignal im Hinblick auf den heutigen Klimawandel. Ihren Ergebnissen zufolge könnte die aktuelle Erderwärmung ebenfalls dazu führen, dass Meerestiere künftig kleiner werden.

Für die Studie wertete das Forschungsteam fast 9.000 Größenänderungen aus fossilen, historischen und modernen Untersuchungen aus. Dadurch konnten Veränderungen der Körpergröße von Meerestieren über einen Zeitraum von rund 450 Millionen Jahren miteinander verglichen werden.

„Unsere Daten belegen, dass die Abnahme der Körpergröße eine allgemeine Reaktion von Meerestieren auf Umweltkrisen ist“, sagt Dr. Paulina Nätscher, frühere Wissenschaftlerin am Lehrstuhl für Paläoumwelt an der FAU und Erstautorin der Studie. „Wir beobachten dieses Phänomen in sehr unterschiedlichen Tiergruppen, von Zwergwuchs in einzelnen Arten bis hin zu einer Dominanz kleinerer Arten in ganzen Lebensgemeinschaften. Er ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Ökosysteme unter Stress stehen.“

Erwärmungsphasen zeigen besonders starke Veränderungen

Besonders deutlich fielen die Veränderungen während Phasen globaler Erwärmung aus.

„Bei allen Umweltkrisen, ob sie durch Erwärmung herbeigeführt wurden oder nicht, liegt ein Rückgang der Körpergröße in Lebensgemeinschaften vor“, erklärt ihr Kollege Dr. Kenneth De Baets von der Universität Warschau. „Besonders ist jedoch, dass Krisen mir starker Erwärmung zu deutlich stärkeren und wechselhafteren Veränderungen direkt innerhalb der Arten führen; also zu einer echten Verzwergung. Im Durchschnitt fallen diese Effekte etwa doppelt so stark bei Erwärmung aus, wie bei anderen Krisen.“

Auch der Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und Körpergröße sei deutlich erkennbar, sagt Professor Wolfgang Kießling, Leiter des Lehrstuhls für Paläoumwelt an der FAU. Demnach nehme der Rückgang der Körpergröße mit steigenden Temperaturen zu. Die Erdgeschichte liefere damit ein deutliches Warnsignal für die Zukunft der Ozeane.

Langfristige Folgen für Meeresökosysteme

Den Ergebnissen zufolge ist der heute beobachtete Trend zu kleineren Fischen und wirbellosen Meerestieren kein kurzfristiges Phänomen, sondern Teil eines langfristigen Musters. Setzt sich die globale Erwärmung fort, könnten kleinere Körpergrößen in den Weltmeeren künftig häufiger auftreten – mit möglichen Auswirkungen auf Nahrungsketten und Fischerei.

Zur Studie

Originalpublikation: Unique fingerprint of marine ectotherm body size change during hyperthermal crises | PNAS

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OOWV zeichnet erfolgreiche Ausbildungsabsolventen aus

07. Juli 2026 um 13:29

13 Nachwuchskräfte haben ihre Ausbildung beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) erfolgreich abgeschlossen. Gemeinsam mit ihren Ausbilderinnen und Ausbildern feierten sie am Dienstag im Wasser-Wald-Zentrum (WWZ) in Schortens ihren Ausbildungsabschluss. Der außerschulische Lernstandort des OOWV verdeutlicht die enge Verbindung von Wasser- und Waldschutz und zeigt zugleich die Bedeutung der Aufgaben, die die Nachwuchskräfte künftig übernehmen.

„Ausreichend sauberes Wasser ist lebenswichtig für jeden Einzelnen von uns und unentbehrlich für die Gesellschaft als Ganzes“, sagte Karsten Wünsche, OOWV-Bereichsleiter für Unternehmensentwicklung und Struktur. „Wer wie wir – und alle rund 1130 Mitarbeitenden des OOWV – in der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung arbeitet, kann dies mit dem guten Gefühl tun, eine sinnvolle, ja unentbehrliche Aufgabe zu erfüllen.“

Auszeichnung für besondere Ausbildungsleistungen

Besonders erfolgreich verlief der Ausbildungsabschluss für drei Nachwuchskräfte: Chemielaborantin Teresa Klose, die im Trinkwasserlabor in Nethen ausgebildet wurde, verkürzte ihre Ausbildungszeit und schloss mit der Bestnote „sehr gut“ ab. Ebenfalls ihre Ausbildung verkürzt hat Metallbauer Renke Gronau aus der Metallwerkstatt der Kläranlage Oldenburg, der zudem als Jahrgangsbester seines Ausbildungsberufs ausgezeichnet wurde. Florian Fitz, der im Wasserwerk Aurich ausgebildet wurde, erzielte ebenfalls den besten Abschluss seines Ausbildungsberufs und wurde darüber hinaus Landesbester im Beruf Fachkraft für Wasserversorgungstechnik. Auch die Industriekaufleute Janne Brandt und Bastian Schwiede schlossen ihre Ausbildung verkürzt ab.

„Auf solche gut qualifizierten Mitarbeitenden sind wir angewiesen“, betonte die für Personalmanagement zuständige Abteilungsleiterin Lisa Schuldei.

Um Fachkräfte langfristig an den Verband zu binden, bietet der OOWV neben einer Tätigkeit in der Daseinsvorsorge vielfältige Fortbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten an. Florian Fitz nutzt dieses Angebot unmittelbar nach seinem Ausbildungsabschluss und beginnt ein Duales Studium der Siedlungswasserwirtschaft beim OOWV.

Im aktuellen Abschlussjahrgang waren sieben kaufmännische und gewerbliche Ausbildungsberufe sowie ein dualer Studiengang vertreten. Im August starten zudem 13 neue Auszubildende beim OOWV. Das Ausbildungsangebot reicht von den dualen Studiengängen Wirtschaftsinformatik und Siedlungswasserwirtschaft über kaufmännische Berufe, Fachinformatik, Chemielabor, Metallbau bis hin zu Umwelttechnologen für Wasserversorgungstechnik oder Abwasserbewirtschaftung. Informationen zu den Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten bietet der OOWV auf seinem Karriereportal


Quelle: OOWV

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2,4 Mio. Euro für PFAS-Technologie

07. Juli 2026 um 10:50

Das 2025 gegründete Deeptech-Unternehmen Porelio hat eine überzeichnete Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 2,4 Mio. Euro abgeschlossen. Das Kapital soll in die industrielle Skalierung von Hightech-Materialien fließen, die sowohl zur Rückgewinnung von Edelmetallen aus Industrieströmen als auch zur Entfernung von PFAS aus Wasser eingesetzt werden.

Angeführt wird die Finanzierungsrunde von Faber aus Portugal. Beteiligt sind außerdem Polytechnique Ventures aus Frankreich, Grupo Tecnológica aus Spanien sowie better ventures aus Deutschland. Über better ventures investieren zudem die Business Angels Henning Emmrich, Robert Levenhagen, Michal Bartmanski und Thomas Gottheil. Zuvor hatte das Unternehmen bereits 2,5 Mio. Euro an öffentlichen Fördermitteln für die Entwicklung seiner Technologie erhalten.

Edelmetalle zurückgewinnen und PFAS entfernen

Industrie- und Kommunalabwässer enthalten sowohl wertvolle Edelmetalle wie Platin, Gold, Silber, Palladium und Rhodium als auch langlebige Schadstoffe wie PFAS. Während Edelmetalle wirtschaftlich zurückgewonnen werden können, müssen PFAS zuverlässig aus dem Wasser entfernt werden.

Nach Angaben des Unternehmens stoßen herkömmliche Verfahren wie Aktivkohle oder Ionenaustauscherharze dabei an Grenzen. Sie könnten Edelmetalle nicht gezielt zurückgewinnen und würden einen Teil der PFAS im Wasser belassen.

Technologie für den industriellen Einsatz

Die Technologie von Porelio basiert auf funktionalisierten geordneten mesoporösen Silicamaterialien (FOMS), die gezielt bestimmte Moleküle binden und andere Bestandteile des Stoffstroms passieren lassen. Die patentierte Innovation besteht in einem kontinuierlichen Herstellungsverfahren, mit dem sich diese Materialien erstmals im industriellen Maßstab produzieren lassen.

Nach Unternehmensangaben arbeitet das Verfahren unter nachhaltigeren Bedingungen und ist rund 30-mal schneller als herkömmliche Produktionsmethoden. Zudem lassen sich die Materialien regenerieren, was eine kosteneffizientere Aufbereitung von Wasser und Industrieströmen ermöglichen soll.

Porelio adressiert damit zwei wachsende Märkte. Im Bereich der Metallrückgewinnung konnte das Unternehmen nachweisen, dass seine Technologie Palladium etwa sechsmal schneller aufnimmt als eine Standard-Adsorptionstechnologie. Im Bereich der PFAS-Entfernung entfernte sie unter realen Bedingungen nahezu die Hälfte der im Wasser enthaltenen Trifluoressigsäure (TFA) und nahm innerhalb von fünf Minuten fast sechsmal mehr TFA auf als kommerzielle Aktivkohle im gleichen Test.

Fokus auf industrielle Skalierung

Mit der Finanzierung will das neunköpfige Unternehmen seine Produktion von einem Pilotmaßstab von Kilogramm pro Tag auf einen industriellen Maßstab von Tonnen pro Jahr ausbauen. Nach mehreren erfolgreichen Proof-of-Concept-Projekten in Europa liegt der Schwerpunkt nun darauf, industrielle Kooperationen in kommerzielle Partnerschaften zu überführen.

„Diese Chemie lag dreißig Jahre lang auf Laborbänken. Jeder konnte ihr Potenzial erkennen; niemand hatte sie im entscheidenden Maßstab hergestellt. Ein Material, das im Grammbereich funktioniert, kann weder eine kontaminierte Wasserversorgung reinigen noch das in einem Industriestrom verlorene Metall zurückgewinnen. Wir haben das Skalierungsproblem gelöst, sodass es diese Arbeit endlich leisten kann,“ erklärt Dr. Rhea Machado, CEO und Mitgründerin von Porelio.

„Porelio adressiert einen äußerst relevanten Bedarf, indem es Unternehmen ermöglicht, kritische Metalle zurückzugewinnen und komplexe Industrieströme erheblich effizienter zu behandeln. Die Plattformtechnologie hat ein breites Potenzial in mehreren Sektoren. Wir sind stolz darauf, das Team auf seinem Weg von industriellen Proof-of-Concepts zum kommerziellen Roll-out zu unterstützen“, sagt Rita Sousa, Partnerin bei Faber.

„Die Wasserqualität ist zu einer großen gesellschaftlichen Herausforderung geworden, und die Beseitigung persistenter Schadstoffe ist heute eine dringende Umwelt- und öffentliche Gesundheitsfrage. Die Technologie von Porelio bietet eine wirksame, nachhaltige Lösung für diese Herausforderung im industriellen Maßstab. Wir freuen uns, das Team bei der Verwirklichung seiner europäischen Ambitionen zu unterstützen“, sagt Cécile Tharaud, Gründungspartnerin bei Polytechnique Ventures.


Quelle:  Porelio

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Interview mit Dr.-Ing. Sonja Schlipf – Vertreterin von Hamburg Wasser bei RISA

06. Juli 2026 um 12:38

Frau Schlipf, welche Themen stehen bei RISA derzeit ganz oben auf der Agenda?

Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Wir verfolgen die verschiedenen RISA-Ziele inzwischen sehr gleichwertig. Dazu gehören die Starkregenvorsorge, die Annäherung an einen naturnahen Wasserhaushalt, die Regenwasserbehandlung zum Schutz der Gewässer sowie die Wiederverwendung von Regenwasser als Ressource. Gleichzeitig geht es natürlich auch um Themen wie Stadtklima und Klimafolgenanpassung. Das Besondere ist, dass diese Themen heute nicht mehr isoliert betrachtet werden. Wir entwickeln Strategien, schaffen Datengrundlagen, setzen konkrete Projekte um und vernetzen unterschiedliche Akteure miteinander. Ein Schwerpunkt der vergangenen Jahre war dabei die Frage, wie wir Flächen multifunktional nutzen können.“

Was bedeutet das konkret?

Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Hamburg ist ein Stadtstaat mit sehr begrenzten Flächenressourcen. Deshalb müssen wir überlegen, wie sich Regenwasserrückhalt, Aufenthaltsqualität, Verkehr, Grünflächen oder Freizeitnutzung miteinander verbinden lassen. Das führt automatisch dazu, dass wir stärker ressortübergreifend arbeiten müssen. Gleichzeitig stellen sich dabei ganz praktische Fragen: Wie funktioniert Verkehrssicherung? Wer ist später für Pflege und Unterhaltung verantwortlich? Und wie lassen sich solche Lösungen rechtlich in Bauleitplanung und Genehmigungsprozesse integrieren?
Parallel dazu treiben wir das Thema Starkregenvorsorge weiter voran. Dafür wurden in den vergangenen Jahren Risikoanalysen erstellt, die jetzt in die Bezirke ausgerollt werden, damit dort priorisiert Maßnahmen umgesetzt werden können.“

Verändert dieses Denken in multifunktionalen Flächen auch die Art, wie Stadtplanung künftig gedacht werden muss?

Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Ja, definitiv. Früher wurden viele Funktionen im Stadtraum eher getrennt betrachtet – Verkehr, Grünflächen, Wasserwirtschaft oder Freizeitnutzung. Heute müssen wir viel stärker überlegen, wie dieselben Flächen mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen können. Das ist anspruchsvoll, weil unterschiedliche Fachbereiche teilweise auch unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was Multifunktionalität bedeutet. Aus Sicht der Grün- und Landschaftsplanung kann das etwas anderes heißen als aus Sicht der Wasserwirtschaft. Gleichzeitig liegt genau darin aber auch eine große Chance für eine klimaangepasste Stadtentwicklung.“

Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Behörden und Ressorts ist oft schwierig. Wie erleben Sie das in Hamburg?

Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Natürlich gibt es unterschiedliche Interessen und Perspektiven. Gleichzeitig ist es wichtig, dass jedes Ressort zunächst für sich klärt, warum Klimaanpassung und Regenwassermanagement für die eigenen Ziele relevant sind. Genau das ist in den vergangenen Jahren passiert. Die Verkehrsbehörde beschäftigt sich beispielsweise mit klimaresilienten Straßenräumen, die Stadtentwicklung integriert Klimaanpassung inzwischen systematisch in Förderprogramme und Stadtentwicklungsprojekte. Auch die Bezirke arbeiten an eigenen Klimaanpassungskonzepten. Entscheidend ist, dass man anschließend wieder zusammenkommt und gemeinsame Ziele formuliert. Genau dieser Austausch findet inzwischen deutlich stärker statt als noch vor einigen Jahren – und das ist aus meiner Sicht eine sehr positive Entwicklung.“

Lesen Sie das komplette Interview in der Ausgabe 6

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Weniger rechnen, mehr planen – WaterFolder bringt die Regenwasserplanung an einen Ort

06. Juli 2026 um 06:00

Wer Entwässerung, Rückhaltung oder Versickerung plant, kennt das Muster: Die hydrologischen Daten liegen an einer Stelle, die Bemessungsformeln in einer Tabelle, die Produktauswahl in einem Katalog. Jede Variante bedeutet, dieselben Schritte erneut zu durchlaufen. Steigender Zeitdruck, häufigere Starkregenereignisse und wachsende normative Anforderungen machen dieses Arbeiten zunehmend fehleranfällig und schwer nachvollziehbar.

Genau hier setzt WaterFolder an. Die Plattform führt Niederschlagsdaten, normgerechte Bemessung und Produktempfehlung in einem durchgängigen Prozess zusammen. Statt Annahmen über mehrere Werkzeuge hinweg zu pflegen, arbeiten Planer in einer konsistenten Umgebung, in der sich Ergebnisse nachvollziehen, Varianten vergleichen und Resultate direkt als Dokumentation ausgeben lassen.

Was Planer konkret gewinnen

Der Nutzen lässt sich auf wenige Punkte verdichten, die im Planungsalltag den Unterschied machen:

  • Schnellere Variantenanalyse: Standort eingeben, Projektdaten erfassen, Ergebnis abrufen. In vielen Fällen genügen drei Schritte bis zur belastbaren Empfehlung.
  • Normsicherheit ohne Mehraufwand: Die Bemessung folgt geltenden Regelwerken, von DWA-A 102 über DWA-A 117 bis ATV-A 138. Lokale Niederschlagsdaten aus dem KOSTRA-Atlas des Deutschen Wetterdienstes fließen automatisch ein.
  • Nachvollziehbare Ergebnisse: Eine einheitliche Methodik sorgt dafür, dass Berechnungen reproduzierbar bleiben und sich in Abstimmungen leichter prüfen lassen.
  • Dokumentation auf Knopfdruck: Jedes Tool liefert eine Produktempfehlung als PDF, die sich direkt in die Projektunterlagen übernehmen lässt.
  • Kostenfreier Zugang: Konto anlegen genügt. Die Nutzung der Plattform ist vollständig kostenlos.

 

 

International bewährt, jetzt in Deutschland

WaterFolder ging zunächst in Polen an den Start und wurde dort schnell zum etablierten Werkzeug für die Wasserwirtschaftsbranche. Heute vereint die Plattform zehn führende Unternehmen aus Wasserwirtschaft und Entwässerungsinfrastruktur und wird von mehr als 13.000 Anwendern genutzt. Nach Ungarn, Rumänien und Schweden ist Deutschland der jüngste Markt, auf dem die Plattform verfügbar ist.

Die Werkzeuge im Überblick

Sechs Anwendungen decken die zentralen Aufgaben der Regenwasserplanung ab. Mehrere davon hat HAURATON als Experte für ganzheitliches Regenwassermanagement entwickelt oder mitgestaltet.

Baumbewässerung planen mit TREEPILOT. Die von HAURATON entwickelte Anwendung ermittelt den Wasserbedarf städtischer Bäume und zeigt, wie sich Regenwasser gezielt dafür nutzen lässt. Berücksichtigt werden Standort, Anzahl und Größe der Bäume, Boden, Sonneneinstrahlung und verfügbare Rückhalteflächen. Vom schnellen Überschlag bis zur detaillierten Planung nach FLL-Richtlinien erhalten Kommunen und Fachbüros Empfehlungen, die digitales Planen mit dem Konzept der Schwammstadt verbinden.

Entwässerungsrinnen schnell auswählen. Gemeinsam mit HAURATON entstand das Werkzeug zur Rinnenauswahl. Auf Basis von Einzugsgebiet, Belastungsklasse, Entwässerungsstranglänge und hydraulischer Leistung schlägt die Anwendung ein passendes System vor, inklusive berechnetem Durchfluss und Auslastungsgrad. Das Ergebnis steht als PDF für die Projektdokumentation bereit.

Regenwasser effektiv behandeln. Für die Regenwasserbehandlung bietet HAURATON die Anwendung zur Planung von Filtersubstratrinnen. Sie wählt dezentrale Behandlungsanlagen normgerecht aus, etwa nach DWA-A 102 und unter Berücksichtigung der DIBt-Zulassungen, und visualisiert den Aufbau des Rinnenstrangs grafisch. Das erleichtert die technische Planung spürbar.

Retentionstanks präzise dimensionieren. Das Werkzeug zur Berechnung von Retentionstanks ermittelt nach DWA-A 117 das erforderliche Retentionsvolumen und wählt passende Systeme aus. Eingaben zu Belastungsklasse, Drosselabfluss und Grundwasserstand genügen, um maßgebende Regendauer, Regenspende und Produktempfehlungen zu erhalten.

Retentionsbecken präzise auslegen. Die Anwendung zur Bemessung des Retentionsbeckenvolumens bestimmt mithilfe von KOSTRA-Daten in wenigen Schritten das erforderliche Retentionsbeckenvolumen. Ausgegeben werden das Retentionsbeckenvolumen, die Entleerungszeit sowie die wichtigsten hydraulischen Parameter.

Versickerung naturnah gestalten. Die von RetencjaPL entwickelte Anwendung für Mulden- und Versickerungsflächen unterstützt die Planung nach ATV-A 138. Ein Fragenkatalog zu Boden-, Wasser- und Standortbedingungen hilft schon in der Konzeptphase, die Versickerungsmöglichkeiten zu bewerten, vom klassischen Muldensystem bis zum Retentions- und Versickerungsbecken.

Digitale Unterstützung für die tägliche Planung

WaterFolder nimmt Planern, Ingenieuren und Kommunen die wiederkehrende Rechenarbeit ab und schafft Raum für das Wesentliche: fundierte planerische Entscheidungen. Die Plattform wird kontinuierlich erweitert und expandiert auf weitere europäische Märkte.

Konto anlegen und kostenlos starten unter waterfolder.com/de.

 

 

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Sewerin erweitert Standort Gütersloh mit neuem Logistikzentrum

03. Juli 2026 um 07:54

 

Mit der Einweihung eines neuen Logistikzentrums hat die Hermann Sewerin GmbH ihren Stammsitz in Gütersloh erweitert. Nach Angaben des Unternehmens beläuft sich die Investition auf rund 6 Mio. Euro. Ziel des Neubaus ist es, die Logistikprozesse auszubauen, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und künftig wieder alle Gütersloher Mitarbeitenden an einem Standort zusammenzuführen.

Neues Logistikzentrum für den Stammsitz

Der Neubau ist Teil der langfristigen Standortentwicklung. Seit 1985 ist die Gebäudefläche am Stammsitz von 4.171 auf 9.050 Quadratmeter gewachsen. Mit dem Logistikzentrum sollen die Voraussetzungen für steigende Anforderungen in Produktion und Logistik geschaffen werden.

„Mit dem neuen Logistikzentrum investieren wir nicht nur in moderne Gebäude und Technik, sondern vor allem in die Zukunft unseres Unternehmens. Effiziente Prozesse, kurze Wege und gute Arbeitsbedingungen sind die Grundlage dafür, unsere Kunden auch künftig zuverlässig zu beliefern und weiter erfolgreich zu wachsen“, betonte Benjamin Sewerin, Geschäftsführer der Hermann Sewerin GmbH, anlässlich der Einweihung.

Erweiterte Lagerkapazitäten und optimierte Abläufe

Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Erweiterung der Lagerkapazitäten und die Optimierung der internen Abläufe. Die Lagerfläche wurde vergrößert, die Lagerhöhe erhöht und die Zahl der Palettenstellplätze von 250 auf 650 ausgebaut. Moderne Lagerlifte sollen eine kompaktere Lagerung, kürzere Laufwege und ergonomischere Arbeitsplätze ermöglichen. Zudem kommt künftig die Ware zum Mitarbeitenden, wodurch die internen Logistikprozesse effizienter gestaltet werden sollen.

Unternehmensbereiche künftig an einem Standort

Neben den Logistikflächen entstanden im Neubau 22 Büroarbeitsplätze. Darüber hinaus werden künftig wieder alle Gütersloher Unternehmensbereiche – von Fertigung, Forschung und Entwicklung über Vertrieb und Marketing bis hin zu Service und Qualitätsmanagement – an einem gemeinsamen Standort arbeiten. Nach Angaben des Unternehmens sollen dadurch die Zusammenarbeit erleichtert und Entscheidungswege verkürzt werden. Dem Bauvorhaben ging eine Analyse der bestehenden Prozesse voraus. Der Spatenstich erfolgte im April 2025, die Fertigstellung und Einweihung im Juni 2026. Nach dem Umzug des Lagers sollen bestehende Flächen neu organisiert und weitere Maßnahmen der Unternehmensstrategie umgesetzt werden.

Mit der Inbetriebnahme des Logistikzentrums sind die Standortentwicklungen nach Unternehmensangaben noch nicht abgeschlossen. Nach der Neuorganisation der Flächen sollen weitere Maßnahmen umgesetzt werden. Ziel ist es, die internationale Marktposition auszubauen, Innovationen weiterzuentwickeln und Kunden auch künftig mit Lösungen zum Schutz der Ressourcen Wasser und Gas zu unterstützen.


Quelle: Hermann Sewerin GmbH

 

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Webplattform unterstützt kommunale Hitzeplanung

02. Juli 2026 um 13:25

Viele Städte und Gemeinden stehen vor der Herausforderung, wirksame Maßnahmen gegen zunehmende Hitze zu entwickeln. Dabei stellt sich die Frage, an welchen Standorten Begrünung, Entsiegelung oder andere Maßnahmen den größten Effekt erzielen. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP unterstützt Planende, Städte und Kommunen mit der Webplattform OASITY. Sie ermöglicht es, die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen bereits vor der Umsetzung zu simulieren und unterschiedliche Szenarien miteinander zu vergleichen.

In dicht bebauten und stark versiegelten Stadtquartieren liegen die Temperaturen häufig mehrere Grad über denen des Umlands. Auch in den Nachtstunden bleibt es dort oft wärmer, da Asphalt und Beton die tagsüber gespeicherte Wärme nur langsam wieder abgeben. Der Deutsche Wetterdienst hat zuletzt bundesweit vor extremer Hitze und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken gewarnt. Gleichzeitig steigt der Handlungsdruck für Kommunen: Seit 2024 verpflichtet das Bundes-Klimaanpassungsgesetz Länder und Kommunen dazu, Strategien zur Anpassung an Hitze und weitere Klimafolgen zu entwickeln. OASITY soll dabei helfen, die Wirksamkeit geplanter Maßnahmen bereits im Vorfeld zu bewerten.

Maßnahmen gezielt bewerten

Viele Kommunen setzen bereits auf Maßnahmen wie Baumpflanzungen, Dachbegrünungen oder die Entsiegelung von Flächen, um die Hitzebelastung zu verringern. Gleichzeitig stehen sie unter finanziellem Druck und müssen nachvollziehbar darlegen, welche Maßnahmen den größten Nutzen bringen.

»Viele Städte wissen, dass sie handeln müssen. Die entscheidende Frage ist: Welche Maßnahme wirkt an welchem Ort am stärksten?«, sagt Matthias Winkler, Gruppenleiter Stadtbauphysikalische Modellierung am Fraunhofer IBP. »Simulationen helfen dabei, diese Frage auf Basis von Daten zu beantworten, bevor teure Investitionen getätigt werden.«

Stadtklima vorab simulieren

Die Grundlage von OASITY bildet das frei verfügbare Stadtklimamodell PALM-4U. Es bildet unter anderem thermischen Komfort, Luftströmungen, Kaltluftbewegungen sowie die Ausbreitung von Schadstoffen auf Stadt- und Quartiersebene ab. Während solche Simulationen bislang überwiegend in Forschung und Spezialanwendungen genutzt wurden, können Planungsbüros und kommunale Planungsämter sie mit OASITY eigenständig durchführen und unterschiedliche Szenarien vergleichen. So lässt sich beispielsweise untersuchen, welchen Kühleffekt eine Baumreihe entlang einer Straße erzielt oder welche Auswirkungen die Entsiegelung eines asphaltierten Platzes hat. Die Plattform kann zudem in bestehende digitale Stadtmodelle und urbane digitale Zwillinge integriert werden.

Begrünung senkt Hitze und Energieverbrauch

Simulationen und Messungen des Fraunhofer IBP zeigen, dass Begrünungsmaßnahmen die Erwärmung von Gebäuden deutlich reduzieren können. An heißen Sommertagen können die Oberflächentemperaturen unbegrünter Fassaden um bis zu 20 Grad Celsius höher liegen als die begrünter Fassaden. Dadurch heizen sich auch Innenräume weniger stark auf, wodurch der Bedarf an aktiver Kühlung sinkt. Ebenso profitieren Lüftungs- und Klimaanlagen, wenn sie sich in einem durch Begrünung gekühlten Umfeld befinden.

Die geringere Erwärmung der Gebäudehülle wirkt sich zudem auf den Energiebedarf aus. Durch den reduzierten Kühlbedarf kann der Energieverbrauch von Gebäuden sinken. Begrünungsmaßnahmen leisten damit sowohl einen Beitrag zur Anpassung an zunehmende Hitzebelastungen als auch zur Senkung des Energiebedarfs.

Auch auf Quartiersebene zeigen sich deutliche Effekte. Simulationen mit OASITY weisen darauf hin, dass Begrünungsmaßnahmen die Hitzebelastung in dicht bebauten Stadtgebieten spürbar verringern können. Modellrechnungen für Rosenheim ergaben, dass die gefühlte Temperatur an einem heißen Sommernachmittag lokal um bis zu fünf Grad Celsius sinken kann. Für den Münchner Stadtteil Giesing zeigen Simulationen eine Verringerung der Hitzebelastung um drei bis sieben Grad Celsius – abhängig von Standort und Ausgestaltung der Begrünung.

Grundlage für kommunale Entscheidungen

»Simulationen ersetzen keine politische Abwägung“, sagt Winkler. „Sie machen jedoch sichtbar, welche Effekte verschiedene Maßnahmen im Stadtraum tatsächlich haben, und reduzieren damit Unsicherheiten in der Planung. «

Die Modelle bilden physikalische Faktoren wie Temperatur, Wind oder Strahlung ab. Soziale oder nutzungsbezogene Aspekte werden nicht simuliert, können jedoch mit den Ergebnissen kombiniert und gemeinsam ausgewertet werden. Die Nachfrage nach der Plattform wächst. Mehr als zehn Kommunen und Planungsbüros nutzen OASITY bereits, weitere erproben die Plattform in Pilotprojekten. Seit 2024 wurden zudem mehr als 100 Fachleute aus Planungsbüros und Planungsämtern geschult. Für 2027 plant das Fraunhofer IBP eine Erweiterung der Plattform um zusätzliche Module zur Analyse weiterer Klimarisiken.

Weitere Informationen


Quelle: Kommunen können Klimaanpassung mit Fraunhofer-Plattform simulieren

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Forschungsprojekt stärkt Vorsorge gegen Schlammfluten

01. Juli 2026 um 13:27

Starkregen kann innerhalb kurzer Zeit Schlammfluten auslösen und erhebliche Schäden verursachen. Die Universität Trier entwickelt deshalb gemeinsam mit internationalen Partnern Strategien, um solche Ereignisse besser vorherzusagen und ihre Folgen zu begrenzen.

Grenzüberschreitendes Projekt gegen Schlammfluten

Die Flutkatastrophe im Ahrtal ist vielen Menschen noch in Erinnerung. Doch auch deutlich kleinere Starkregenereignisse können örtlich schwere Schäden durch Schlammfluten verursachen. In einigen Regionen gibt es bereits Maßnahmen, um sich besser auf solche Ereignisse vorzubereiten. Das Projekt MUDCAP (MUDdy flood mitigation through transnational action-oriented CAPacity building) soll diese Ansätze nun auf eine gemeinsame und wissenschaftlich fundierte Grundlage stellen.

„Die bisherigen Lösungen sind oft kleinteilig und lassen sich schwer auf andere regionale Kontexte übertragen“, erläutert Dr. Manuel Seeger aus der Physischen Geographie an der Universität Trier die Problematik. „Wir wollen allgemeinere Lösungen entwickeln und testen, indem wir praktische Erfahrungen und wissenschaftliche Expertise mit dem Einsatz lokaler Akteure verbinden.“

EU fördert Zusammenarbeit bis 2029

Die Europäische Union unterstützt das Vorhaben im Rahmen des Interreg North-West Europe Programms bis 2029 mit mehr als 3,5 Millionen Euro. Am Projekt beteiligt sind Praxispartner, Behörden, Regionalverwaltungen und Universitäten aus Deutschland, Belgien und Frankreich. Die Forschenden verfolgen dabei mehrere Ziele. Sie wollen Flutvorhersagen und Entscheidungsprozesse mithilfe von Datensammlungen und digitalen Werkzeugen verbessern, den Wissenstransfer zwischen den Regionen Nordwesteuropas durch Leitlinien und Schulungen erleichtern sowie die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren stärken.

Die verschiedenen Ansätze werden an vier repräsentativen Standorten erprobt: in den Flussgebieten von Herk und Dyle in Belgien, im Einzugsgebiet der Canche-Authie in Frankreich sowie im Einzugsgebiet der Ruwer im Kreis Trier-Saarburg. Dort sollen Daten-, Dokumentations- und Kartenlücken geschlossen sowie der Informationsaustausch und das Bewusstsein für die Problematik gemeinsam mit lokalen Akteuren gestärkt werden.

Mehr Informationen

Quelle: Gemeinsam gegen Flutrisiken: EU fördert MUDCAP-Projekt

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Studie zeigt Zusammenhang zwischen Winter und Sommerdürre

01. Juli 2026 um 07:17

Eine Studie des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) zeigt, dass die winterliche Nordatlantische Oszillation (NAO) die Entwicklung von Sommerdürren in Mitteleuropa im darauffolgenden Jahr maßgeblich beeinflusst. Diese jahreszeitenübergreifende Verbindung könnte dazu beitragen, Sommerdürren künftig besser vorherzusagen und die Resilienzplanung in besonders betroffenen Regionen zu verbessern. Die Studie wurde in Nature Communications Earth & Environment veröffentlicht.

Winterwetter beeinflusst Sommerdürre

Die Nordatlantische Oszillation beschreibt die Schwankungen des Luftdrucks zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch über dem Nordatlantik. Während ihrer positiven Phase verstärken sich die Westwinde, die milde und feuchte Luft nach Europa transportieren.

Wie die Studie zeigt, treten diese positiven Winterphasen zunehmend häufiger auf und gehen in Mitteleuropa mit milden und niederschlagsreichen Wintern einher. Im darauffolgenden Sommer können jedoch Dürrebedingungen entstehen. Betroffen sind unter anderem die Bodenfeuchte, der Oberflächenabfluss und der Grundwasserspiegel. Die Defizite können bis zu zehn Monate anhalten.

„Wir konnten somit das ‚Gedächtnis‘ vergangener atmosphärischer und ozeanischer Bedingungen mit der Schwere nachfolgender Sommerdürren in Mitteleuropa in Verbindung bringen. Dieser Zusammenhang überbrückt große räumliche Skalen und verschiedene Jahreszeiten und hat erhebliche lokale Auswirkungen“, sagt Professorin Dörthe Tetzlaff, Abteilungsleiterin am IGB und leitende Autorin der Studie.

Nach Angaben der Forschenden beruht dieser Zusammenhang auf komplexen Wechselwirkungen während einer positiven Winterphase der Nordatlantischen Oszillation. Sie unterscheiden dabei zwei sich ergänzende Wirkmechanismen: direkte meteorologische Effekte und indirekte Veränderungen in der Landschaft.

Warum die Landschaft schneller austrocknet

Der verstärkte Transport von Wärme und Feuchtigkeit vom Atlantik in Richtung Nordpol begünstigt Veränderungen des arktischen Meereises sowie schwankende Niederschläge im Frühjahr über Mitteleuropa. Gleichzeitig führen die wärmeren Bedingungen im Winter und Frühjahr zu einem früheren und stärkeren Pflanzenwachstum. Dadurch steigt der saisonale Wasserverbrauch der Vegetation, sodass die Bodenfeuchte bereits im Frühjahr zurückgeht. Die Landschaft wird dadurch anfälliger für ausbleibende Niederschläge im Sommer.

„Diese Zusammenhänge liefern eine wissenschaftlich plausible Erklärung für die auftretende Sommerdürre“, sagt Dr. Cong Jiang, Hauptautor der Studie.

Die Ergebnisse können dazu beitragen, Sommerdürren künftig präziser vorherzusagen und die Resilienzplanung für Landnutzung und Gewässerschutz in dürregefährdeten Tieflandregionen Europas zu verbessern.

Freilandlabor liefert umfangreiche Datengrundlage

Für die Studie entwickelte das von Dörthe Tetzlaff geleitete Forschungsteam einen Ansatz, der großräumige Klimaschwankungen mit lokalen Auswirkungen auf Wasserverfügbarkeit, Landbewirtschaftung und aquatische Ökosysteme in den Tieflandgebieten Nordostdeutschlands verknüpft. Als Untersuchungsgebiet diente das rund 66 Quadratkilometer große Einzugsgebiet des Demnitzer Mühlenfließes in Brandenburg. Das IGB nutzt es als Freilandlabor, da es repräsentativ für weitere Einzugsgebiete im Nordosten Deutschlands ist. Dort werden unter anderem meteorologische Daten, Bodenfeuchte, Abfluss, Grundwasser, Vegetationsdynamik und stabile Wasserisotope kontinuierlich erfasst.

„Stabile Wasserisotope liefern einen natürlichen ‚Fingerabdruck‘, der Forschenden hilft, die Quellen, die Bewegung und die Verweildauer von Wasser innerhalb der Landschaft nachzuverfolgen“, sagt Prof. Chris Soulsby, Mitautor der Studie und Professor an der University of Aberdeen in Schottland.

Für ihre Analysen kombinierten die Forschenden detaillierte Beobachtungen der Bodenfeuchte und stabiler Wasserisotope mit einem prozessbasierten, isotopengestützten ökohydrologischen Modell. Ergänzt wurde dieser Ansatz durch Telekonnektionsdiagnostik, großräumige Klimareanalyse-Datensätze und Dürreindizes.

Lokale Dürren mit großräumigen Klimamustern verknüpft

Durch diesen integrierten Ansatz konnten die Forschenden die Variabilität der winterlichen atmosphärischen Zirkulation auf kontinentaler Ebene mit der lokalen Entwicklung von Dürren im Boden-Pflanze-Atmosphäre-Kontinuum (SPAC) eines repräsentativen Tiefland-Einzugsgebiets im Norden Deutschlands in Verbindung bringen.


Originalpublikation:
Jiang, C., Soulsby, C., Laudon, H. et al. A positive phase of the winter North Atlantic oscillation is associated with drought in Central Europe the following summer. Commun Earth Environ 7, 538 (2026). https://doi.org/10.1038/s43247-026-03729-z

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dörthe Tetzlaff, IGB


Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

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Der Klimawandel verändert die Regeln des Überlebens – Korallen liefern neue Erkenntnisse

30. Juni 2026 um 07:34

Welche Arten profitieren vom Klimawandel und welche geraten unter Druck? Eine internationale Studie unter Beteiligung der FAU zeigt, dass evolutionärer Erfolg keinen festen Regeln folgt. Am Beispiel von Korallen weisen die Forschenden nach, dass selbst erfolgreiche Lebensstrategien ihren Vorteil verlieren können, wenn sich Umweltbedingungen verändern.

Die Ergebnisse, die jetzt in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurden, liefern wichtige Erkenntnisse für das Verständnis heutiger Biodiversitätskrisen und der Folgen des Klimawandels.

„Unsere Analysen zeigen, dass keine Lebensweise dauerhaft überlegen ist“, sagt Prof. Wolfgang Kießling, Paläontologe an der FAU und Koautor der Studie. „Ob Arten erfolgreich sind, hängt entscheidend von den Umweltbedingungen ab. Die Erdgeschichte macht deutlich, wie stark sich die Regeln des Überlebens im Laufe der Zeit verändern können.“

Korallen als Forschungsmodell

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen zwei Gruppen von Korallen mit unterschiedlichen Überlebensstrategien. Riffbildende Korallen leben in enger Symbiose mit Algen, die Licht für ihren Stoffwechsel benötigen. Diese Partnerschaft ermöglicht ein schnelles Wachstum und den Aufbau großer Riffe, macht die Korallen jedoch zugleich abhängig von Licht und stabilen Umweltbedingungen. Die zweite Gruppe kommt ohne diese Symbiose aus und besiedelt auch größere Wassertiefen.

Mithilfe umfangreicher Fossildaten, statistischer Modellierungen und Verfahren der künstlichen Intelligenz rekonstruierten die Forschenden die Entwicklung beider Strategien über rund 500 Millionen Jahre Erdgeschichte. Die ältesten in der Studie berücksichtigten Korallen sind 470 Millionen Jahre alt. Die Auswertung zeigt, dass die heute dominierenden riffbildenden Korallen nicht zu allen Zeiten die erfolgreicheren Organismen waren. Über lange Zeiträume besaßen Korallen ohne Algensymbiose Vorteile. Erst mit dem Aufstieg moderner Steinkorallen in der Trias vor rund 245 Millionen Jahren entwickelte sich die Symbiose zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Symbiose zwischen Korallen und Algen kein grundsätzlich überlegenes Erfolgsmodell ist“, sagt Prof. Wolfgang Kießling. „Ob sie einen Vorteil bietet, hängt entscheidend von den jeweiligen Umweltbedingungen ab. Die Regeln des Überlebens haben sich im Laufe der Erdgeschichte also mehrfach verschoben.“

Lehren für den Klimawandel

Die Ergebnisse helfen auch dabei, aktuelle Entwicklungen besser einzuordnen. Symbiotische, lichtabhängige Riffkorallen reagieren besonders empfindlich auf kurzfristige Erwärmung, etwa infolge von Korallenbleichen. Nicht-symbiotische Arten in tieferen Gewässern sind gegenüber solchen Stressfaktoren weniger anfällig. Langfristig werden jedoch auch sie von steigenden Temperaturen betroffen sein und ihre Verbreitungsgebiete verändern müssen.

Die Studie verdeutlicht, dass es keine einheitliche Strategie zum Schutz von Korallen gibt. Stattdessen müssen unterschiedliche ökologische Eigenschaften und Reaktionen auf Umweltveränderungen berücksichtigt werden.


Originalpublikation: The contingent advantage of photosymbiosis in coral evolution | PNAS

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Lindauer Seminar zeigt Lösungen für die Kanalnetze von morgen

29. Juni 2026 um 14:00

Auch 2026 wurde das Lindauer Seminar seinem Ruf als eine der bedeutendsten Fachveranstaltungen im Bereich Kanalmanagement gerecht. Mehr als 670 Teilnehmende aus Wissenschaft, Kommunen, Ingenieurbüros und Unternehmen nutzten die Veranstaltung, um aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze für die Siedlungsentwässerung zu diskutieren. Ergänzt wurde das Fachprogramm durch eine Fachausstellung mit über 90 Unternehmen aus den Bereichen Reinigung, Inspektion und Sanierung.

Klimawandel, Investitionsdruck und Cybersicherheit

Zum Auftakt des Seminars standen die großen Herausforderungen der Branche im Mittelpunkt. Prof. Dr.-Ing. Max Dohmann blickte auf die Entwicklung der Siedlungsentwässerung in den vergangenen Jahrzehnten zurück und spannte den Bogen von ersten optischen Inspektionsverfahren bis hin zu heutigen Anwendungen der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Erneuerung der alternden Kanalnetze weiterhin erhebliche Investitionen erfordert und die Anforderungen der Klimaanpassung die überwiegend gebührenfinanzierte Siedlungsentwässerung zunehmend unter wirtschaftlichen Druck setzen.

Wie stark Kommunen bereits heute gefordert sind, zeigte Dr.-Ing. Suzanne Mösel anhand verschiedener Beispiele zur klimaresilienten Stadtentwicklung. Maßnahmen wie Flächenentsiegelung, dezentrale Versickerung, Retentionsflächen und blau-grüne Infrastruktur seien wichtige Bausteine, stießen jedoch häufig an finanzielle, personelle und gesellschaftliche Grenzen. Die Anpassung an den Klimawandel erfordere vielerorts einen grundlegenden Umbau bestehender Strukturen.

Neben den Auswirkungen des Klimawandels rückte auch die Sicherheit kritischer Infrastrukturen in den Fokus. Moritz Samrock verdeutlichte, dass Cyberangriffe längst zu einem realen Risiko für Versorgungs- und Kommunikationssysteme geworden sind. Gleichzeitig betonte er, dass Resilienz und Schutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert wurden und kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen.

Kommunale Praxis zwischen Sanierung und Fachkräftemangel

Die Herausforderungen im kommunalen Alltag standen im Mittelpunkt weiterer Vorträge. Anne Lang berichtete über die Auswirkungen steigender Grundwasserstände auf Abwasseranlagen und die daraus resultierenden betrieblichen Belastungen. Um die Leistungsfähigkeit der Netze langfristig zu sichern, wurden umfangreiche Maßnahmen zur Abdichtung von Schächten und Leitungen umgesetzt. Neue Wege bei der Umsetzung großer Infrastrukturprojekte stellte Dr.-Ing. Christian Falk von der Stadtentwässerung Dortmund vor. Im Fokus stand das Modell des Totalunternehmers, bei dem Planung, Bau und weitere Leistungen gebündelt vergeben werden. Vor dem Hintergrund knapper personeller Ressourcen könne dieses Vorgehen die Projektabwicklung beschleunigen und Kommunen deutlich entlasten.

Aktuelle Erkenntnisse aus dem KomNetAbwasser präsentierte Christian Bone vom IKT. Neben dem Erfahrungsaustausch zwischen Netzbetreibern wurden neue technische Entwicklungen vorgestellt, darunter der Einsatz von Drohnen für die Inspektion von Abwasseranlagen.

Digitalisierung verändert das Kanalmanagement

Einen breiten Raum nahm die Digitalisierung ein. Nora Blase zeigte anhand von Open-Source-Lösungen wie QGIS und QKan, welche Möglichkeiten insbesondere kleinen und mittleren Netzbetreibern für Datenverwaltung, Zustandsbewertung und Sanierungsplanung zur Verfügung stehen.

Mit digitalen Werkzeugen für die Steuerung komplexer Infrastrukturprojekte beschäftigte sich Carl Philipp Friedinger. Sein Ansatz eines „Digitalen Projektrisiko-Zwillings“ soll helfen, Kosten, Termine und Risiken transparenter darzustellen und frühzeitig zu bewerten.

Prof. Florian Winter widmete sich der zunehmenden Bedeutung von Building Information Modeling (BIM) in der Siedlungsentwässerung. Ergänzend stellte Maximilian Erb Praxisbeispiele für die digitale Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern, Ingenieurbüros und Dienstleistern vor. Moderne WebGIS-Anwendungen ermöglichen dabei einen effizienteren Datenaustausch und unterstützen die Planung und Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen.

KI eröffnet neue Möglichkeiten

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Potenzialen der Künstlichen Intelligenz. Phillip Grimm präsentierte neue Ansätze zur Analyse und Lokalisierung von Fremdwasser in Kanalnetzen. Mithilfe vorhandener Messdaten und Machine-Learning-Verfahren können Untersuchungen und Sanierungsmaßnahmen gezielter geplant werden. Auch bei der Kanalinspektion und Zustandsbewertung gewinnt KI zunehmend an Bedeutung. Roman Streubel zeigte aktuelle Entwicklungen bei bildbasierten Inspektionsverfahren und der Erstellung digitaler Punktwolken. Kai Gantenbrinker berichtete aus der Praxis über KI-gestützte Zustandsbewertungen, die bereits heute Effizienzsteigerungen ermöglichen, jedoch weiterhin eine fachliche Nachbewertung erfordern.

Dass mit der Nutzung von KI auch neue Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit verbunden sind, machte Moritz Samrock in einem weiteren Vortrag deutlich. Neben technischen Schwachstellen rückten dabei insbesondere organisatorische Sicherheitsmaßnahmen und der verantwortungsvolle Umgang mit Daten in den Vordergrund.

Nachhaltigkeit und Zukunftsthemen der Branche

Nachhaltigkeitsaspekte spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. Prof. Dr.-Ing. Karsten Kerres stellte Methoden zur Bilanzierung von CO₂-Emissionen in der Kanalinstandhaltung vor und zeigte auf, welche Potenziale insbesondere grabenlose Verfahren zur Emissionsreduzierung bieten können.

Mit der Abwasserwärmenutzung beschäftigte sich Prof. Dr.-Ing. Karsten Körkemeyer. Vorgestellt wurden unterschiedliche technische Lösungen sowie die Anforderungen an Betrieb, Überwachung und Inspektion entsprechender Systeme.

Einen Blick auf die Zukunft des Berufsfeldes warf Dr. Linda Schlusemann. Sie erläuterte die Weiterentwicklung des Berufsbildes vom RKI zum Umwelttechnologen beziehungsweise zur Umwelttechnologin für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen. Digitalisierung, Nachhaltigkeit und moderne Ausbildungsformate spielen dabei eine immer wichtigere Rolle.

Effiziente Strategien für Betrieb und Werterhalt

Zum Abschluss standen Fragen der Instandhaltung und Betriebsoptimierung im Mittelpunkt. Arno Bauer stellte zustandsorientierte Inspektionsstrategien vor, die eine wirtschaftlichere Überwachung von Kanalnetzen ermöglichen. Ergänzend zeigte Jörg Otterbach anhand verschiedener Praxisbeispiele die Potenziale von Value Engineering für komplexe Infrastrukturprojekte auf.

Michael Mahr verdeutlichte die Bedeutung langfristiger Sanierungskonzepte für kommunale Entwässerungssysteme. Strategische Planungen können helfen, Investitionen gezielter einzusetzen und Fehlinvestitionen zu vermeiden. Jan Döring stellte schließlich digitale Schacht-Zoom-Kameras als ressourcenschonende Alternative zur klassischen TV-Inspektion vor.

Abschied von Prof. Max Dohmann

Mit der 38. Veranstaltung endete zugleich die langjährige Tätigkeit von Prof. Dr.-Ing. Max Dohmann als wissenschaftlicher Leiter des Lindauer Seminars. Über Jahrzehnte prägte er die fachliche Ausrichtung der Veranstaltung und trug maßgeblich dazu bei, das Seminar zu einer der wichtigsten Plattformen für den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis im Bereich der Siedlungsentwässerung zu entwickeln.

Fazit

Die Beiträge des Lindauer Seminars 2026 machten deutlich, dass die Branche vor vielfältigen Herausforderungen steht. Gleichzeitig wurden zahlreiche praxisnahe Lösungen vorgestellt – von digitalen Werkzeugen und KI-Anwendungen über nachhaltige Infrastrukturstrategien bis hin zu neuen Ansätzen für Betrieb, Sanierung und Klimaanpassung. Damit bot die Veranstaltung erneut wertvolle Impulse für Netzbetreiber, Kommunen, Ingenieurbüros und Dienstleister.


Quelle: JT_elektronik GmbH

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