CO₂-Basismessung: der einfache Einstieg
CO₂-Basismessung: der einfache Einstieg
Wie gut ist ein Raum belüftet? Eine einfache Messung schafft Klarheit
Wenn unklar ist, wie gut ein Raum tatsächlich belüftet ist, liefert eine Messung von Kohlenstoffdioxid (CO₂) schnell und kostengünstig Klarheit. Schon eine Basismessung, also eine erste Messung im normalen Betrieb über ein bis zwei Wochen, zeigt, ob die Luftqualität ausreicht oder Handlungsbedarf besteht. Der Artikel erklärt, warum CO₂ ein guter Indikator, also eine aussagekräftige Kenngröße, für die Lüftung ist, wie eine Basismessung abläuft und wie sich die Ergebnisse einordnen lassen.
Warum CO₂ ein guter Indikator ist
Menschen atmen CO₂ aus – je mehr Personen sich in einem Raum aufhalten und je schlechter gelüftet wird, desto stärker steigt die Konzentration. CO₂ ist damit ein zuverlässiger Stellvertreter für den Anteil verbrauchter Luft und indirekt für die Anreicherung ausgeatmeter Aerosole. Aerosole sind kleinste, in der Luft schwebende Tröpfchen und Partikel, die auch Krankheitserreger tragen können. CO₂ zeigt nicht die Erreger selbst an, eignet sich aber hervorragend, um die Lüftungssituation zu bewerten.
Orientierungswerte
Die CO₂-Konzentration wird in ppm angegeben (parts per million, also Millionstel Anteile der Luft): 1.000 ppm entsprechen 0,1 Prozent. Die Außenluft liegt bei rund 400–420 ppm. Als Faustregel gilt: Unter 1.000 ppm ist die Luftqualität gut. Dieser Richtwert geht auf den Hygieniker Max von Pettenkofer zurück und heißt deshalb Pettenkofer-Wert. Zwischen 1.000 und 2.000 ppm wird die Luftqualität auffällig, über 2.000 ppm ist sie hygienisch unzureichend – hier besteht klarer Handlungsbedarf. Diese Schwellen orientieren sich an der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A3.6 „Lüftung“ [2].
So läuft eine Basismessung ab
Ein einfaches NDIR-Messgerät genügt. NDIR steht für nichtdispersive Infrarotmessung: Der Sensor misst, wie stark CO₂ Infrarotlicht einer bestimmten Wellenlänge aufnimmt, und bestimmt daraus die Konzentration. So wird CO₂ direkt gemessen. Günstige Geräte, die CO₂ nur aus anderen Gasen abschätzen (oft als „eCO₂“ angegeben), sind für eine Bewertung nicht geeignet. Das Messgerät wird über ein bis zwei Wochen im normalen Betrieb aufgestellt und zeichnet den Tagesverlauf auf. Sinnvoll ist die Platzierung in Atemhöhe, also etwa 1,0 bis 1,5 m über dem Boden, nicht direkt neben Fenster, Tür oder einer Person. Werden mehrere Räume gemessen, lassen sich Problemzonen schnell erkennen.
Von der Messung zur Maßnahme
Aus dem Verlauf wird ersichtlich, wann und wo Spitzen auftreten – etwa in vollen Räumen am Nachmittag. Fällt die Kurve zwischendurch ab – etwa in der Mittagspause –, ist der Raum meist unbesetzt: ohne Personen fehlt die CO₂-Quelle, und die Lüftung senkt den Wert. Daraus lassen sich gezielte Schritte ableiten: häufigeres Stoßlüften (Fenster für wenige Minuten weit öffnen), geringere Belegung, eine dauerhaft installierte CO₂-Ampel, die den Messwert in Grün, Gelb und Rot anzeigt, oder – bei anhaltend hohen Werten – die Nachrüstung einer mechanischen Lüftung, also einer Lüftungsanlage mit Ventilatoren. Wie sich Raumluftqualität sensorbasiert im Krankenhaus dauerhaft überwachen lässt, zeigt unter anderem das Forschungsprojekt EnHance (Energy-efficient Hospital Environments), an dem die TU Berlin beteiligt ist [1]. Die Basismessung ist damit die Grundlage für fundierte Entscheidungen.
Quellen
[1] EnOB:EnHance – Energy-efficient Hospital Environments. Forschungsverbund u. a. mit TU Berlin (Hermann-Rietschel-Institut), TU Braunschweig und Charité (Laufzeit 2023–2026). https://hermann-rietschel-institut.de/research-en/building-en/enob-enhance/
[2] ASR A3.6 „Lüftung“ – Technische Regeln für Arbeitsstätten, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).
The post CO₂-Basismessung: der einfache Einstieg appeared first on PlanGesund.info.